Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2621 (11.6.1926)
- Date
- 1926-06-11
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Heiße 8 Wien, Freitag Die Aufstellung für Gonntng. Wie wir erfahren, wurde für das sonntägige Meisterschaftsspiel gegen Sportklub folgende Mannschaft nominiert; Fcdion; Scheuer, Gold; Hetz, Drucker, Pollak; Neufeld, Wortmailn, Schön seid, Eisen Hofer, Schwarz. Gnttmann wird am Mitwoch gegen F. A. C. auf dem W. A. C.-Plah Mitwirken, da Drucker gegen dieFloridsdorfer nicht antritt. Scheuer hat sich in den letzten zwei Spielen in Amerika in besonderer Form gezeigt. Alle Spiele haben bloß drei Kieler, Fabian, Eifenhofer und Schwarz, bestritten. Kadimah—Wiener Slavia 2:1 (1:0). Die jüdische Manntäoft Wirkte mit Aufopferung und konnte dadurch, trotz einiger Ersatzleute, Kvei wichtige Punkte gewinnen und ihre Positron in der Spitzengruppe befestigen. Ausgezeichnet schlug sich die Verteidigung, besonders der Tormann Singer hatte einen recht gattet Tag, unter anderem hielt er auch einen placiert geschossenen Elfer. Die Halvesreihe war gut wte immer. Schwächer als sonst war der Sturm, wobet aber zu bedenken ist, daß er mit drei Ersatzleuten antrat. Der Sieg war wohl Wiener Moraenzeitung verdient und hätte bei etwas mehr Glück auch höher ausfalleN können. Kadimahtritt mit neun Deuten an und kontplettiert sich erst in der 16. Minute. Unterdessen hatte Schalit ein Tor erzielt. Nach der Pause hält Singer einen Elfer, aber auch der gegnerische Tormann vermag einen Elfer Schalits abzuwehren. Nachdem Slavia ansgleicht, erzielt Natan 20 Minuten vor Schluß mit Bombenschuß den Sieg. Kadimah bleibt weiterhin bis Ende überlegen. Nufstellmia: Singer 1; Kolisch, Basch 2; Adlerblum, Drucker, Singer2; Tobi, Slutzker, Schalit, Natan, Zitier. _ Schwimme». AlsreÄ Guth verliert den Strommeistertttel wegen seiner GtnntsllÜrgerschaft. Die vielumstritteue S t r o m m e i st e r s ch a f t des Vorjahres sowie die Meisterschaft über 1500 Meter wurden in der letzten Sitzung des VerbattLes österreichischer Schwimmvereine dem hervorragenden Hakoah-Mann Alfred Guth aberkannt. Er konnte bis zum 31. Mai d. I. den Nachweis seiner österreichischen Staatsbürgerschaft nicht erbringen. Außerdem geht die Hakoah auch des Meistertitels in der 4 mal 200-Meter-Frei- 11. Juni 1926 Nr. 2621 stilstaffel, in der Gnth mitschwamm, v e r l n st i g. Gnths Titel gehen auf den Zweitplacicrtcn, Ernst Weiß vom Donanschwimmklnb. über. Die Staffel fällt an den 1. W. A. S. K. Guth, der Heuer auf Grnno der neuen Meisterschaftsbestimmnngen bereits startberechtigt ist, wird sicherlich alles daransetzen, tun seine Würdigkeit ans die ihm abgenommenen Titel neuerdings zn beweisen.' Fkitzi Löwy hat sich von ihrer Erkrankttng bereits erholt und wird an dem Meeting in Dresden am 12. und 13. d. tcilnehmcit. Sie fährt heute ab. Ihr Reisebegleiter ist H a f t l. Ernst Reich (Hakoah) ist auf zwei Monate nach Prag übersiedelt und erhielt fiir ovrtige Veranstaltungen vom B. Oe. S. Startberechtigung. Er bleibt jedoch Mitglied der Hakoah iinv wird auch für den jüdischen Verein starten. Katz, der hervorragende Leichtathlet aus Finnland, weilte gestern in Wien und fand sich zur Begrüßung der Hakoah auf dem Westbahnhof ein. Er startet Sonntag in Budapest beim Meting des M. T. K. über 3000 Meter, um dann eine Woche später 'in Prag zu debütieren. Die Hakoah bemüht sich, ihn in Wien an dett Start zu bringen. Katz ist Z i o n i st ttnd hat seinen ständigen Wohnsitz in-Abo in'Finnland. Er ist von Beruf Kaufmann. ' Ae Men. Bo-N Schakom Akejchem. fl. kortsekoox) Mrs dom JMrifchen von P. Htz den Wänglein des Meir um die oberste Lippe zeigtet sich schwarze Härten (so schwarz wie Tinte!) und bei Schnorr — rote Härlein (so -rot wie Feuer!). Die Bärte wmHstn ihnen mit TeufelÄvaft (sie haben anscheinend beide zu viel Tabak geraucht), so baß sie zur' Hochzeit zwei Bärte w^en. Was Bärte! Besen waren es! Der eine ein schwarzer Besen, der andore ein roter Besen, itnb es sah' aus, als hätte ihnen jemand die Besen angehängt. Gwß ist die Schöpfung Gottes, seine Wunder sind ohne Ende, denn, wer weiß, was da herausgekommen wäre, wenn znm Beispiel nach der Hochzeit die Männer chre Frauen vertauscht hätten, h. ich meine umgekehrt, die Frauen ihre Männer. Ich weiß nicht, wie das bei euch ist in den großen Städten, aber bei uns ist das noch nicht vorgekormnen, so eine Vertauschung nämlich. Denn: Bin ich dein Weib, bist du mein Mann, bist du mein Mann, so bin ich dein Weib! Oder: Bist bu der Mann von der anderen, so bin ich das Weib des anderen, und bin ich das Weib des anderen, so bist dtr eben der Mann der anderen. Ist da eine Frage: Es kann der Fall sein, daß mein Mann sich bedenkt und sagt, es macht ihm nicht viel, er nimmt auch jenes Weib. Was soll das heißen? Und ich? Ich werde ruhig zuschauenA Kurz, aber das -ist' ja mch? die Hauptsache, von der ich ench-evMken wMe. Me Geschichte selbst beginnt ja erst. 2. 35§ ie$ Hrchen wir «ns nur mit den' Meirs und den , Schneirs beschäftigt, das heißt mit dem einen Meir und dem einen Schnorr, und ein wenig auch Bekanntschaft geschlossen mit Mutter und Amme, aber Wer den Vater haben wir noch kein Wort fallen lassen, als ob sie, bewahre, nie einen.Vater gehabt hätten... Gott behüte! So etwas kann nur bei den anderen geschehen, aber nicht '&et uns. Bei uns, Gott sei Klobt, gibt es keine Häuser, wo Kinder ohne Vater mrd Mutter aufwachsen, bei uns ist es noch nicht vorgekommen, daß ein Kind nicht weiß, wer sein richtiger Vater ist; und ist es bei uns auch schon einnral vorgekommen, so bestirnmt nur irgendwo in Odessa oder in Paris oder im weiten Amerika. Für Kaßrilewke kann ich euch garantieren, daß so etwas niemals geschehen ist, und ist es dennoch wem zugestoßen, so — weiß ich — einem Dienstmädchen oder einer jüdischen Tochter, die verführt worden ist, ein Opfer fremder Sünde. Kurz die Meirs und die Schneirs hatten einen Vater, noch dazu einen sehr vornohnten Vater. Reb Schimschen hat er geheißen und ist ein frommer Jude gewesen. Und einen Bart hat Reb Schimschen gehabt — einen großen, weichen, schönen, würdigen Bart. Man kann sogar sagen, daß Reb Schimschen ntchr Bart als Gesicht hatte. Man hat wegen dieses Bartes fast gar kein Gesicht gesehen. Deshalb hat er auch in Kaßrilewke feinen anderen Namen gehabt als Reb Schimschen Bart. Und Reb Schimschen Bart war ein... laßt uns von allem Bösen soviel wissen wie ich es etwa weiß, lvas er war. Er war ein Jude, der es sein Lebtag schwer hatte, sich um das Stückchen Brot plagte, mit dar Armut Krieg führte. Manchmal besuchte er die Armut, manchmal die Armut ihn, wie es eben die Regel ist bei den Kaßrilewker Juden, die die Armut nicht fürchten, aus sie pfeifen... Dieser Schimschen Bart hat so lange gelebt, bis er gestochen ist, und als er gestorben lvar, wurde er mit großen Ehren bestattet. Die ganze Stadt beteiligte sich am Leichenzug. „Wer ist denn gestochen?" „Reb Schimschen." ,Mer ist Reb Schimschen?" ' ,Ae'b Schimschen Bart." „O! Reb Schimschen Bart ist also auch schon dahingegangen?" So sprach man in Kaßrilewke. Man bedauerte nicht so sehr Reb Schimschen selbst, wie die Stadt, die nun einen Juden weniger HÄ. Sonderbare Geschöpfe ftnb die Kaßrilewker Juden. Obwohl sie so arme Teufel sind, nie satt werden, würden sie dennoch 'wollen, daß bei ihnen niemand sterbe. Sie trösten sich allerdings 'damit, daß ntan überall stirbt, selbst in Paris und daß sich vom Tod nientand loskaufen kann, nicht einmal Rothschild, dor doch größer ist als der König; geht es aber ans Sterben, nützt es nichts, auch e>r wird schön gebeten, sich dorthin, ins Jenseits, zu bemühen. Jetzt gehen wir zurück zu den Meirs und Schneirs. Solange Reb Schimschen Bart lebte, waren die Meirs und die Schneirs, man katrn es sagen, ein Herz ttnd eine Seele. Aber als Reb Schimschen Bart gestorben war, wtlvden sie wie Fetter und Wasser, jede Minute bereit, einander in die Bärte zu fahren. Ihr wollt wissen, weshalb. Ja, sagt, weshalb geraten Kinder nach des Vaters Tode in Streit? Selbstverständlich wegen der Erbschaft. Es ist ja wahr, Reb Schi ruschen hat keine Felder znrückgelassen, keine Wälder, Besitzungen, Häuser, Renten; bares Geld schon ganz und gar nicht. Schmuck, Silber, Mobiliar hat er den Kindern auch nicht vermacht, nicht etwa deshalb, weil er schlecht oder geizig war, sondern einfach ans dem Grunde, weil er nichts hatte. Aber ihr dürft nicht glauben, daß Reb Schimschen seinen Kindern überhaupt nichts zurückgelassen hat. Im Gegenteil. Reb Schimschen hat sehr Wertvolles zurückgelasseu, eilte viel wertvollere Sache, als es Gold oder Silber ist. Eine Sache, aus der men jederzeit Kapital schlaget: ■tomt. Man kann es versetzen, in Pacht geben oder verkaufen. Ein eigener Platz wa>r es im alten Kaßrilewker Beth-Hamidrasch, oben au der Ostwand, gleich anschließend an den Sitz des Reb Josefl, des Raws. Tas heißt also.'der zweite Sitz beim Heiligenschrein. Es ist zwar wahr, die Spötter vott Kaßrilewke meinen, daß es angenehmer ist, ein eigenes Torf im Freien zu besitzen, als einen eigenen Platz drinnen in der Schul. Das ist aber nur Spott, und wem Gott zu einem eigenen Platz, dazu noch an der Ostwand, vochilft, der ist durchaus nicht zu verachten. Besser als nichts ist es gewiß! Kurz, Reb Schimschen Ba>rt hat eine Erbschaft hinterlassen, einen Platz im alten Kaßrilewker Beth-Hammidrasch. Aber er 'hat eine Kleinigkeit vergessen: zu erwähnen, wem er die Erbschaft zudenke, dem Meir oder dem Schneir? (Forschung folgt.) s ‘Theater von heute fittfatbtater: Louis Ferdinand Prinz von Preußen Wracke« tedenter Die Frmr von vier»ig Jahren L»rggrtee».L«mer StzmjHontekonzert riaatroper: Der Barbier von Sevilla veikroper: Das Dreinckderlhaus vnteeder Soikritzeater Mrs. CheneysEnde Charter i» (kr Zorelrtacklr Die Gefangene Ratatttd-Otette Ich Hab' Dich Reb . . I Re»Sttr«ted«d»e 1 Das Sprungbett der Liebe 8 mockeroer rdeate: DK Büchse der Pandora AuMeteel (Gastspiel des Moskauer Theaters Habmra): Dtchrrk Lttckttdeste: Er will eine vwderne Fra» Literptetbeate: Rund um die Niese Charter an lte Me«: Die ZKkuSprKyeW» 7,8 M. SSkgeMeattkr Der Orlow lfjß W.-Stt»«rr-rdeate: Adieu Muri»! 8 Mtecder Rftteteltafcarttt (Eaf6 Astor). 11., Praterstr. 60: Chanale, die Mhettn *](g0 IScktebe «u»e. II., Taborstraße 12: Braindale Kofak 8 8 v,s 8 Hß lk 8 7*8 8 8 RADIO - PROGRAMM Freitag den W. Juni. 4.46 Nhr: Nachuüttagskonzert. Zimmer: Franz Liszt — Benatzky: Die Verliebten, Walzer — Thomas: „Mignon", Onvettüre — Arenskh: Bercenst, für Vlokwe — Grünfeldr Mi — Leoneavallo: „Bajazzo" — Ascher: In Heiligenstadt - Ascher: Wo die Liebe htnMt - Komzakr Pikante Blätter — Buchbinder: Geh'n Sie doch mit mir in Kompagnie. S.ioUhrr Sport- Md Fremdenverkehr. ObeÄbanrat Ing. Deinlein. 6.28 Uhr: Länge, Raum und Zeit. Hoftat Doktor Pozdena. 7.10 Uh-rr Französisch. Prof. Riviere. 7.40 Uhr: Engttsch. Prof. Mac Calkmn. 8:16 Rhr Konzertakademie. Mitwirkend: Kammersüngerin Vera Schwarz Opemfängerin Ilse Goltz- Kick, Kouzecksänger K-Medermarm, Louste Dreher, Frieda Krame, Josef Niedermahr. £>««»# Julius Swertta. FALSCHE Ist es, wenn die Jugend* aber auch reife Menschen, ihren gesunden Körper einer solchen Gefahr, wie sie die Geschlechtskrankheiten darstellen, aussetzen und nicht rechtzeitig Hilfe suchen. Näheres Uber dieses, Mann und.Frau, Alt u. Jung Interessierende Thema behandelt der große Ufa-Film aus dem Sexualleben FALSCHE Vier Kapitel aus dem Tagebuch eines Arztes A4 heute täglBch nur im LMM HIREHO fi.,Taborstra8se 8. Tel. 42341 VII., Marlahilfersträsse 70 VorsteUangsbeginn: Wochen- Tel. 36519. Vorstellungsbeginn tags o, 7a8, 9 Uhr Wochentags, llsb, 6, 7*.8, Sonntags ab 4 Uhr 9 Uhr. 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