Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2595 (15.5.1926)
- Date
- 1926-05-15
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Ctffc» «kn, SamMY JW1* ^SWÄPl 1MMP9 UXNRBK OW NKDOraCI WlMRl 0v Joseph opttovüey, New Vor* (lö. Fortsetmmjö Norm« eines Pferdediebes. Bo« I. Opatsfch«. öuinoö jttttp ^omoMfgcncptat um zucucEgciwtjCHCnt srvpf, den Mund offen; prasselnd schlug der Regen wie mit Rutenstreichen in sein Gesicht. Noch und nach verging Sanwels Schwermut; er fiWe sich erleichtert, als hätte ihm jemand eine kalte Kompresse aus seinen fiebernden Kopf gelegt. Der Regen dauerte nicht lange. Es ttxtt&e Heller. In Fetzen gerissen zog die Wolke langsam weiter und ein klarer, blankgewaschener Mond stieg auf. Sanwel spurte die Kalte dnrch Mmck und Bein dringen. Er war ganz durchnäßt, geradezu aufgeweicht. Fröstelnd stellte er den Rockkragen auf, drückte den Hut noch tiefer ins Gesicht und ging weiter Lurch die stillen Gassen. Weit draußen am Ende der Stadt blieb er vor einem kleinen Häuschen stehen: dcrt wohnte Manka. Sanwel stand eine Welle unschlüssig da, dann spuckte er in weitem Bogen ans und verschwand rasch int finsteren Häuschen. 15. Ten Tag nach der Hochzeit verschlief Sanwel fast ganz in Mankos Bett. Sie weckte ihn einigemal, während sie etwas zu:n Esser: vorbereitete. Sanwel 'warf sich herum wie ein Bär, <»er den Winterschlaf hält, hob ein wenig den zerzausten Kopf und trank knurrend einen Krug Wasser aus; dann rollte er üeb zusammen und versank in Brüten. Er entwarf Pläne, wie er Rachel so beleidigen könnte, daß sie es nie vergäße. Schon Raubte er, die Form dafür gesunden zu haben, und suchte nach -den Möglichkeiten, sie auszuführen. Zllle seine Gedan^n °cr! zentrierten sich auf einen Punkt; sie breiteten sich immer n:chr in seinem Kopse aus, wuchsen unheimlich rasch und 'chienen immer höher emporzusteigen. Immer neue Pläne entitand-n, einer schien besser zu sein als der andere; jeder l-.'ne Plan schien Sanwel am meisten geeignet, Rachel so. schwer als möglich zu kränken; ja, so konnte er sie dazu dringen, ihm Abbitte zu leisten! „Sie wird selbst zu mir kommen, Aeny, MV gelenkte« Augen, und schweigenD vor Mir sichen bleiben; und ich tue, als kennte ich sie nicht, gche auf und ab, plaudere mit meinen Freunden, und sie beachte ich gar nicht. Dann hebt Rachel ihre tränenfeuchten schwarze» Augen zu mir empor und geht ängstlich zitternd ans mich **...!* .. _ Samvel Hm ne fern Herz Iraner fiyiagen; zay oHneve er seine geschlossemn Augen und die Furchen aiss fehlet Stirn verschwanden. Aus dem einen offemn Auge schien eine eigenartig schillernde Mücke hinauszuflicgen; sie stieg immer Wer. Eine zweite folgte und verschlang die erste; bald schwirrte eine dritte auf — Sanwel hatte das Gefühl, als fchl« chm eiwas. Angestrengt dachte er nach, um festzustellen, was es fei, das Verlorene zu finden. Mötzlich riß etwas in ihm; er zuckte so heftig zusammen, daß das Bett knarrte. Dann schlug er die Augen auf und es kam ihm zum Bewußtsein, daß er in Mankos Bett lag, daß Rachel ihn wie einen Hund fortgojagt hatte — in maßlosem Zorn ballt« er die Fäuste und stöhnte laut auf. „Schlaf noch ein wenig! Hast unberufen einen gesunden Schlaf! Wünschest du etwas, Sanwel?" fragte Manka. „Wasser!" „Wie kann man nur so viel Wasser in sich hineingiehen?! Du hast doch heute noch keinen Bissen im Mund gehabt!" Wortlos trank Sanwel einen halben Krug Wasser in einem Zug aus; dann streckte er sich, den Kopf zur Decke, gerade aus und gähnte lang und laut. Er hatte nur einen Wunsch: sofort die Stadt zu verlassen, ein Pferd zu satteln und in die weite Welt zu reiten . . . „Wenn ich weiter in der Stadt bleibe," das stand in ihm fest, so richte ich die schrecklichsten Dinge an." Bor seinem Auge zogen nebelhaft so gräßliche Bilder vorüber, daß er erschreckt zusammenfuhr. „Doch wohin?" Sanwel bedurfte keiner langen Überlegung; es war zwei Tage vor dem Jahrmarkt von Lowitsch; er beschloß, sofort aufzustehen, zu Gradul hinüberzugehen und zusammen mit ihm noch heute nachts nach Lmvitsch zu fahren. Dort würde er sicher alles vergessen, was geschehen war. In Gedanken entwarf Sanwel einen Abschiedsbrief an Rache>l. In seinem Kopfe baute sich der Brief sehr leicht auf. Mer ging glatt und MW. Sr ft paftp bk Buchstabe« deS Briefes vor sich, groß, schwarz zum S«Hm nahe. Dam sch er Rachel Vvr sich; die dünnen SWm fest aufeinandergepreßt, Kmnmerftrrchen im Gesicht, las sie seinen Brief und Tränen stÄen ans Men Augen. Da fiel Sanwel ein, daß er gar nicht schreiben konnte; vor Aerger spuckte er gegen die Decke. MaM, du kannst schreiben, glaube ich?" „Einmal Hab' ich'S könne«. Wie ist dir das plötzlich eingefallen?" „Mreib' mir einen Brich" ,M wen?" „Das -wirst du sträter sehen. Setz' dich hi.« und schreibe!" Manka kramte einen Bogen Papier und ein altes, verstaubter Tintenfaß hervor und setzte sich zum. Schreiben. Sanwel sprang vom Bett auf und ließ sich neben einem kleinen Tischchen rrieär. „Asso, an wen geht der Brief?" fragte Manka. während sie die Feder eintauchte. ,Hch brauche das für die Anrede." Sanwel antwortete, nachdem er erst eine Weile nachgedacht hatte: „Ohne Anrede!" ,^OHne Anrede? Was soll das heißen? Wer ist so verrückt, einen Brief ohne Anrede zu beginnen? Ohne Anrede gchsss nicht!" Sanwel wurde wütend: „Chlop jwoje i popswoje!*) Ich sage dir -— ohne Anrede und' dabei bleibt es!" ,Hst schon recht, Sanwel. Also meinetwegen ohne. Anrede. Bin halt ich zu kurz gekommen! Aber wozu das Geschrei? Asso, los!" In Santvels Kopf entstand ein Chaos; es wogte drunter und drüber. Der Brief, den er eben erst so siießend in Gedanken niedergeschrieben hatte, war mit einemmal verschwunden. Sanwel wollte sich erinnern und rieb sich mit seiner riesigen Hand die Stirn, daß sie rot wurde; doch vergebens — der Brief war fort! (Fortsetzung folgt.) *) Sprichwort: „Der Bauer hat seine besondere Art und der Pope die seine." « Theater von heute Sj CSESB». liur,ilheater Louis Ferdinand Prinz von ireitfjen 7 tct accmietheatcr Hochzeitstage lfs8 stsa*soper: Der fliegende Holländer 7 NrZouleN5iU>lr Don Pasquale */,8 Voikicpcr Tie schöne Helena 7 rikuiLeder Uoiksthcater: Eulenspiegel V,4 - >71ö Francs 8 ' -uler ir der zoretttsüt: Kaiser SoiteS 8 RauTune-theatci Ich dab' Dicb lteb . . t l/s8 t>c!'.Ttj$ftnfebühne» Das Svrungbett der ->>e 8 Maotreatcr: Der Mustergatte 8 n. oäcrner Theater Die Büchse der Pandora l/,8 - „>?iinde" Vzll Lusispieltfttatcr lltund um die Niese */,8 tjuaur an der Wien: Die Zirkusvrinzesftn 7*8 u t. . iirgertveater r Zuurna! der Liebe ty2S vch. nrauss-theater- Die spanische Nachtigall 7,8 )üciirc»er ttniirllerkadarett (Cafe Astor» - brnlerstrane 60: Die vergessene Mame 7«9 indische kühne» >i. 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