Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2590 (10.5.1926)
- Date
- 1926-05-10
- Page
- Seite 9 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Oe. AN _M«, LMM_ Mlemr Morsrtrzelkutts Was es im AlteüM schon nab. Der Blitzableiter, lvenn auch m unvollkommener Form« wurde um 1200 v. Ehr. von den Aegyptern vorweggenommen. Priester Remses des Dritten ließen zu diesem Zweck die Spitzen von vor dem Stadttor errichteten Masten vergolden. * Berufsmäßige Quellensucher, mir und ohne Wünschelrute, gab es schon im Altertum. Häufig begleiteten solche Leute dre Heere, um im Notfall durch sofortige Bohrungen Trinkwasser zu beschaffen. In Afrika sind' in letzter Zeit Spuren solcher Brunnen die Bildung der meisten Oasen in der Wülfte zu danken. Bisher sind es mindestens 200. An einzelnen Stellen fand man in Afrika von den alten Römern hergestellte Bohrungen, die einen Tiefgang von über 400 Meter haken. Es ist weder aufgeklärt worden, auf welche Weise die Wasseradern gefunden wurden, noch mit welchen technischen Mitteln die römischen Ingenieure so tief vorstoßen konnten. * Auch die Einrichtung der Schienen ist uralt. Schon im alten Griechenland stellte man in vom Verkehr stark beanspruchten Straßen Geleise durch Einschnitte in den Boden her. Derartige Schienen gab es vor ben Toren von Athen, auf dem Weg, der vom Piräus nach der Agora führte. Auch römische Alpenstraßen weisen deutlich Spuren künstlerischer Geleise auf. Vielfach hat man sogar an Kreuzungen richtige Answeichekurven gefunden. Die Spurweite ivar überall gleich, sie betrug 1,44 Meter, also etwa soviel wie die unserer Vollbahnen. * Auch Zeitungen /haben die Römer bereits gekannt. Cäsar begründete 69 b. Chr. d-ie sogenannte „Aota diurna", in denen amtliche Nachrichten öffentlicher und Privater Art zusammengestellt wurden. Ja sogar Korrespondenten \n der Provinz gab es schon, die gegen Honorar Tagesneuigkeiten nach Rom schickten. * Die Brieftanbenpost, wurde sowohl von den Griechen und Römern, wie von den alten Arabern vertuende t. Besonders die Araber hatten längs der kleinasiatischen Küste einen regelmäßigen Brieftaubenverkehr. Gelegentlich wurden auch Schwalben in den Dienst dar Post gestellt. * Rach Scrrbonius Largus war den Alten, wenigstens im Prinzip, die Elektrotherapie bekannt. Bei chronischen Kopfschmerzen legte man dem Patienten Zitterrochen auf. ri Prothesen waren im Mertum gang und gäbe. Schon bei den alten Indern verstand man Nasen, Ohren und Lippen, meist durch Gips, künstlich zu ersetzen. Griechische ttnd römische Soldaten, die auf dem Schlachtfeld um Arme oder Beine gekommen waren, bekamen vom Staat Ersatzgliedmaßen. Sollche Prothesen sind bei Ausgrabungen gefun- Witzige Grabinschriften. Im Tempelverlag, Berlin und Leipzig, ,ist soeben eine von Hans Knudsen besorgte Auswahl der Schriften eines halbvevgessenen, geistreichen, aber feinsinnigen Autors erschienen, der um die Wend des 16. zam 19. Jahrhundert wirkte, nämlich von Karl Julius Weber (1767 bis 1832). Der geschmackvoll ausgestattete Band vereinigt die. besten Stücke aus K. I. Webers historischen Schriften und «ms seinem „Demokritos". Der viel belesene und viel bereiste Mann hat auch eine Slbhandlunig über komische Grabschriften cchgofaßt, in der wir eine große Zahl sehr witziger Gedenkverse vereinigt finden. Weber schreibt selbst darüber: ,Ich rechne es mit unter meitle Reisevergnngen, auf vielen Dorf, und Stadtkirchhöfen Und Gottesäckern, in vielen Domkirchen urob Kreuzgängen, teils aus Langeweile, teils in schwüler Mittagshitze,, insüßer Schwermut herunrgewandelt zu sein und viele hundert Empfangsscheine. gelesen zu haben, die unser aller Mutter gegen die deponierten Kisten da ausgestellt und die weit öfter..Eitelkeit und Fcmrilienstolz als Freundschaft und Rührung gestiftet hat. Kopf und Herz des Toten werden geliebt, die im Heben härter als der Grabstein selbst waren. Auf Grabischriften stehen auch die größten Lügen" . * SfotS der reichen Fülle lateinischer, griechischer, statt Söstscher, Plattdeutscher und deutscher Grabinschriften, die Wsbex anführt und humorvoll glossiert, greifen wir einige witzige deutsche Inschriften heraus: * . Hier liegt der alte Abeudtau. Tr starb an einer jungen Frau. * Olympia schläft unter bleiern Stein, Wie sie nnr selten schlief - allein., # Mein Weib bcctf f fe^er Grabstein au, Nr ihre und für meine Nutz'. * Hier ruht mein l eber Arzt. Herr Grimm Und die er heilte, neben ihm. * Dtc Grabschriften auf einen Windbeutel. Fresser, Sammler, G ast wtrt »nd auf de« letzten Kurfürsten von Mainz» St.lle, Winde, hier! Ein Größerer als ihr der schlummert hier! Bei Gott, er war weit »nebr. Denn was ihr seid, das machte eM de« worden. Das Royal College auf Surgeons in London detibt im Katalog ein derartiges Bein folgendermaßen: s künstliche Glied stellt genau die Form des Beines dar. Es ist aus Stücken dünner Bronze hergestellt, die mit Bronzenägeln an einem hölzernen Kern befestigt sind. Zwei Eisenfiangen, die an ihren freien Enden Löcher haben, sind an dem obersten äußeren Ende der Bronze befestigt." . *' Auch künstliche Augen und Zähne waren im Altertum - keine Seltenheit. Im Mittelalter betrieb besonders der französische Chirurg Ambrokse Pare die Einsetzung künstlicher Augen. Pake erklärt ausdrücklich, daß sein Verfahren alt wäre. * Zur römischen Kaiserzeit konnte jeder römische .Hausbesitzer Anschluß an die große Wasserleitung bekommen. Auch nächtliche Straßenbeleuchtung war damals vorhanden. * In Herculaneum hat man Litfaßsäulen für die Anbringung von Plakaten gefunden. Es handelt sich dabei ausschließlich um Vergnügungsanzeigen. -i* Nahrungsmittelsälschnngen gab es nachweislich schon in der Antike. So wurde Brot häufig mi t Gips versetzt. Weinpantschereien waren an der Tagesordnung. Bei vielen Autoren findet man diesbezügliche Klagen. Dem Rolbvein wurde eine Art Fuchsin beigegeben. * Aomilius La.mpridius berichtet, daß Kaiser Heliogabal einen Weiberrat ernannt chatte. Dieser Weibersenat tagte auf dem Quirmal. Er hatte über Kleiderfragen zu befinden, ferner darüber, wem Wagen, Pferd und Esel zur persönlichen Beförderung zustanden und über ähnliche weiblich Standesfragen. _ * Daß die Römer in den sogenannten „Bremischen Noten" eine Art Stenographie besaßen, ist bekannt. Cicero benüßte dieses stenographische System zur Aufzeichnung seiner Reden und für seine ganze Korrespondenz. Es gibt ein französisches Werk über die Geschichte der Stenographie von Louis P r os pe r und Eugene G u e n i n. Darin wird sogar nach gewiesen, daß die Stenographie schon vor den Römern existierte. Sie weist eine große Aehnlichkeit mit der altäghptischn Kursivschrift aus. dem sogenannten Demotischn, und unzweifelhaft stammt die römische Stenographie von diesen Hieroglyphen her. Daß die römisch Kurzschrift den Anforderungen genügte, beweist ein Vers aus Martiäl: „Mögen die Worte auch eilen, Die Hand ist schneller als jene Ehe oie Zunge ihr Werk, . ' . . Hat es die Rechte vollbracht." Hier liegt, Dank sei dem Pfeil des furchtbarsten der Schützen! Ein Vielfraß, wie die Welt noch keinen sah. O Abraham, Isaak, Jakob Väter, laßt doch ja Ihn nicht mit euch zu Tische sitzen! N. luchte Steine durch sein ganzes Leben, - Und suchte nie sich satt; Hier hat man einen ihm gegeben, Woran er Genüge hat. Gedankenlos versammelt er Noch Ungeziefer um sich her. * ■ ,, ,, Hier ruht der Gastwirt Morgenroth, An dessen T'sch man schlecht gegessen; Jetzt ist er selber Table d'hote, An der die Würmer, besser essen. , , ■!<- ■ * ■ . Eine kräftige und aufrichtig gemeinte Inschrift laucet: Beste! doch mich aune Gruft, O Wanderer, von diesem Schuft!;;• * / Für sich selbst aber, meint C. I Weber am Schluffe seines Anfsatzes, würde er diese Grabschrift wählen: Hier ruhen mene Gebeine. 1 Ich wollt', es wären deine. öelhftmordversllch im Berhansinngrsaale. \ In einem der Säle des Bezirksgerichtes m Zivilrechtssacheu 8, das sich im Gebäude des Landesgerichtes 1 befindet, hat sich gestern vormittags eine aufregende Szene zugetragen.. Bor .dem Richter-,Dr. Gaßner fand eine Berhandlrmg statt, in der es sich darum handelte, daß Frau Agnes Pribyl ihren Gatten, den 45jährigen Friseur Franz Pribyl, auf) Erhöhung der 211 im c n t e geklagt hätte. Die Sache nqhm' einen ruhigen Verlaus und es kam ein Ausgleich zustande, nach dem sich Pribyl verpflichtete, die Alimentation auf 100 S. zu erhöhen. Als Anwalt der Frau Pribyl fungierte der Rechtsanwalt Dr Leon Lgmpel. Als die Verhandlung ihrem Ende nahte, zog Pribyl, i&n die Sache schr anfgereg: hatte, einen Revolver und gab gegen seine Brust einen Schuß ab. Das Projektil streifte ihn nur und verletzte ihn ganz leicht. Im AugeMicke, als Pribyl den Revolver zog, bückte sich der Anwalt Dx. Lampel. Sowohl der Verhandlungsleiter Dr. Gaßner alß der Schriftführer Dr. Wolf Rosenblat: und Doktor Lampel selbst gaben später an, es habe einen AMNblick Yen Aßschein gehabt«, als wollte /Pribyl auf Dr. Lampel Mlen. Die Zengen gaben aber ferner an, daß sie nicht den Eindruck gehabt hatten, als ob Pribyl ernstlich auf den RechtsaMval: schießen wollte. Pribyl stellte eiwschieden in Abrede, die Absicht gehabt zst haben, den Lchuß gegen Dr. La^mpel ahzÜHeben. Er Ml stth M P evjchieM, verMt^ habe». 9. Ms W" m* f Genug der Leiden! 8REW GEFÜHLE '""S —_SCHW£ISSL St. Rochus-Fußsalz macht einen neuen Fues! Es genügt, wenn wir eine kleine Menge von diesem Fußfalz — welches sich im Ausland schon seit langer Zeit bewährt »at — tn ein mit warmem Masse, gesüllteS rravoir geben und den schmerzenden Fuß lu Bis iß Minuten lang in demselben wrichen fa'int. Mäh «no oteser Zeit hör n d « Anschwellung des Fuß S, sein, Que schnng und die p inigenden, brennenden Gefühle mir einem Scklage auf. Die Schmerzen, weiche durch das Drücken der Schuhe verursacht wnden Horen sosort auf. Ein längeres W-ichen in diejem W^ffer erweicht die Hühneraugen und dte Hautverbär tungen so sehr, daß dieselben sehr leicht ohne Messer oder Rasiermesier entfunt werden können. Ste können überzeugt sein, daß das St. RochuS-Futzsalz den Fuß vollommen neu gestaltet. GS v freit Sie von den verschiedenen Störungen des tuße». Sie können so viel gehen, al» Sie nur wollen. Sie können an einer trlle stundenlang stehen und Sie werden nicht das geringste der Müdigkeit versvüren. Ein grotzeS Paket St RochuS-Fußsalz kostet S ».80. ES ist in jeder Apotheke erhälUich. Fall Sie es nicht bekommen sollten, wende« Eie sich an dar Hauptdepot: Bundeaapotheke „Mariahilf“ Telephon 64-99 VI. Marlahilfferstrasse 55 Telephon 64-99 Ausbau der elektrifizierten Stadtbahn. Zweieinhalvminutenintervall. — Größere Waggons. Die Wiener elektrifizierte Stadtbahn hat die ersten ' Kinderkrankheiten bereits Überstunden und ist trotz der verfehlten Grundlage, die auf einen Massenverkehr nicht eingerichtet war, zu einem ganz praktikabeln großstädtischen Verkehrsmittel geworden. Nunmehr wird daran gearbeitet, die während des einjährigen Betriebes gemachten Erfahrungen zu einer w e i t e r e n V e r b e s s e r u n g des Verkehrs zu benützen. Gegenwärtig werden die Stationsanlagen am Gürtel in der Weise umgebaut, daß die Kassen - grundsätzlich in der Halle und die Kartenkontrolle vor den Stiegenaufgängen eingerichtet, wird. Da der Ausgang auf dem Perron den Ansprüchen eines Massenverkehrs in keiner Weise genügt, werden nun die Warleräume umgebaut und durch sie direkte Ausgänge von den ankomme n d e n Zügen zu den Treppen durchgebrochen. Die Kartenkontrolle beim Eintritt in den Perron entfällt - in Hinkunft, so daß das Einsteigen in die Züge viel rascher vor sich gehen kann. Die Signalanlage besindet sich gegenwärtig im Umbau. Nach ihrer Ferttgstellung wird es möglich sein, ein Z w e i e i n h a l b m i n u t e n i n t e rv a l l zwischen den einzelnen Stadtbahnzügen einzuhalten und so den Verkehr bedeutendzuverdichten. Wie es heißt, sollen auch die Waggons der Stadtbahn durch neue, weitaus größere ersetzt werden. Das rollmde Material der Stadtbahn wird dann auf der nach Mödling verkehrenden Straßenbahn verwendet werden. SammelaMo« sfir die jüdische Jugendfürsorge Beginn: 13. Mai. Fürsorge für verwaiste, verlassene, kranke müd gefährdete Msche Kinder ist die Aufgabe der vor zweü Jchren von der Zentralstelle für jüdische soziale Fürsorge in Wien, 1. Bez., Sertenstettengasse 2, errichteten jüdischen Jagendfüvsorige. In planmäßigem ZusammenwirVeu mit den ihr angeschlossenen Vereinen hat sie seit ihrem Bestände reiche und fruchtbringende Arbeit geleistet. Mehr als 15 Milliarden Kronen wurden im Jahre 1925 für jüdische Ingendsürsorge verausgabt, viel Jammer und Elend wurde gelindert, aber die Zahl der schntzbMrstrgen jüdischen Kinder in Wien ist erschreckend groß, die Not wächst von Tag zu Tag, die jüdischen Kinder- und Jugendheime sind in schwerer Bedrängnis und die notigen Mittel können nicht aufgebracht werden, wenn wicht die Allgemeinheit helfend eingreist. Mit Bewilligung des Magistrats Bundeshau ptstadt Wie« veranstaltet daher tk Zentralstelle für jüdische soziale Mrsorye im Laufe dieses Monats, beginnend äm 13. d., eine Sammelaktion Mter der Wener jüdischen Bevölkerung, deren Erträgnis den Institutionen der jüdischen Jugendfürsorge zugute kommen soll. Zn diesem Zwecke wtlrden in sämtlichen Bezirken Komitees gebildet und die Spenden lverden durch legitimierte Sammler mittels SammtzlbagM smgesumm-elt worden. Bei der bekannten OpsewMAMt der Moner hfnid« A zu erwarten, daß reiche Mttel dom dringenden HWwerse zn-- Meßeu werden.