Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2588 (8.5.1926)
- Date
- 1926-05-08
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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* T Sekte M Wien, ZamRag Wkener Moraenzettung S. Mai 1926 Nr. 2388 fty Joseph Copyright 1936 ih Opatovsky, Netr York Nachdruck verbbtefl (IS. Fortsetzung) Roman eines Pferdediebes. Von I. Opatoschu. Als Scmwol braußen war, atmete er erleichtert ans: „Ein nettes Weibchen, so wahr ich lebe!", ging es ihm durch den Sinn. Aber seine Stnmnung schlug gleich um; er seufzte schwer, als hätte sich plötzlich eine schwere Last auf sein Herz gewälzt. Dicht vor Sanwel tauchte ein riesenhafter Berner ttt einem blauen Hemd auf, der, einen Ballen auf dem. Kopfe balancierend, vorwärtstrotttzte. „Welcher Teufel hat fott Kerl hevgeführt?", brummte Sanwel ärgerlich und machte so seiner schlechten Laune Luft. Mofsche, der PferdemaAer, tvälzte sich durch die Gasse und schnaufte dabei wie eine Mastgans. „Wie der sich bläht! Seinen dicken Wamst kann er kaum schleppen!", sprach Sanwel zu sich selber. ,IZenn ich den Hund einmal in einem Winkel erwische, ich wollt' ihn bei den Ohren packen und ihm seine Knie auf seinen Schnierbauch setzen, ihn ein bißchen zusammenpressen, daß er dünner wird!" „Auf welcher Welt lebst du eigentlich?", schrie Schlojme, der zu sah, »me sein Sohn vor dem Haufe mitten auf der Straße auf einem Meck stand und Selbstgespräche führte. Sanwel blickte auf, -sah den Vater und lächelte verlegen. „Hol's der Teufel! Die Jungens haben mich erwischt, t»-., da wurde rin bißchen gr-vmnkrn!" „Tann schließ' dich in den vier Wanden ein! So wie du's treibst, wird man meinen, du seist verrückt geworden!" Sanwel ging ins Haus und ordnete an, Man möge ihn gegen 8 Uhr wecken; dann holte er sich ein Kissen un'b eine Decke, nahm Morwa mit und legtesich unter den Apfelbaum. Er schlief sofort ein. Ter Hund streckte sich seinem Herrn;u Hänpten nieder, . ließ die Zunge hängen und-versank in seine Traumwelt... 10. Der Tag, an dem sich Rachel mir Sanwel verabredet hatte, erschien ihr stets endlos lang. Immer erwachte sie bereits mit denr Gedanken, heute werde sie ihn sehen. In diesen' Tagen waren alle ihre Bewegungen hastiger als sonst und ihre Arbeit erledigte sie in Eile, als könnte sie so den Tag schneller zu Ende bringen. Im Gartim ging sie zerstreut umher, eilte und drängte die Arbeiterinnen zur Eile. Mehreremal schloß sie sich an diesen Tagen in der Hütte ein; doch litt es sie dort nicht lange und sie kam wieder in den Garten. Die Arbeiterinnen hatten an solchen Tagen um eine Stunde früher Feierabend. Wenn Rachel dann heim kam, nahm sie den Blechtrog von der Wand, füllte ihn mit kaltem Wasser, holte ans einem Koffer ein Stück wohlriechende Seife l)ervor und wusch sich von Kopf bis Fuß. Mit stürmischer Freude ließ sie die Seife über die Haut gleiten, drückte zärtlich den weißen Seifenschaum zwischen den Fingern und betrachtete liebevoll die regenbogenfarbenen Seifenbläschen, die über ihren Leib ' huschten und in nichts zerstoben. Tann musterte sie vor dem» Spiegel ihren lveißen Körper, der im kalten Wasser frischer und straffer geworden war; sic fühlte geradezu, »vie er sich straffte, einer gespannten Saite gleich . . . Abend. Rachel hatte ein leichtes Wollkleid angezogen; der umgelegte Kragen der getupften Bluse ließ den Hals frei, um den Rachel vor dem Spiegel eine Schnur blutroter Korallen legte. Tann betrachtete sie sich eine Weile vor dem Spiegel, sang leise vor sich hin und ging . Sie eilte zum Gemüsefeld. Irn Geheri pflückte sic hellblaue flocht einen Kranz daraus. Einigetnal Wäldchen entlang und dachte daran, sollte und wie es ihm »vchl an der Grenze ergangen »var. Semmel/hätte schon da sein müssen. Rachel wurde ungeduldig. Sie kannte den Weg, Len Sanwel immer nahm, und ging ihm erl'taegen, den Bergißrneinnichtstrauß auf dem Haare; ntit Vergißmeinnicht und schritt sie den Weg zunt was sie Sanwel sagen weit geöffneten Augen hielt sie nach allen Seiten Ausschau. Ein Schatten tauchte auf; bald erschien eine höhe Gestalt. „Sanwel! Sanwel!" rief Rachel freudig mvd eilte vorwärts. Die Gestalt girg einige Schritte auf Rachel zu, bog in einen Seitenweg ein-und verschwand.' „Er wivd nie mehr komnten, nie ntd&" sprach sie vor sich hin, „aber wenn er kommt, so jag: ich iW fort, ja! Weiß denn ein Pferdedieb, was Liebe ist? Ich liege jetzt hier, mein .Herz droht zn zerspring;», ich »barte ungoduAig aus ihn. Änd er schleicht sich jetzt sicher in einen Stall und stiehlt ein Paar Pferde. Brrr . . .! Es geschieht mir recht! Recht fr . . „Vielleicht haben sic ihrt gestern erschossen?" fiel es ihr plötzlich ein. „Er hat doch eine Partie Pferde, über die Grenze gebracht; an der Grenze stehen so viele Soldaten mit geladenem Gewehr! Sicher haben sie ihn erschossen, simst wäre er gekommen!" . ... , . Rachel lvarf sich mit dem Gesicht ins Gras urÄ sMtchzbe bitterlich. Bor ihr erhob sich eine riesige Staubwolke. Aus ihr sprengte SaMvel hervor auf einem schwarzen! Roß, hinter ihm die Koppel Pferde. Soldaten kamen. Schüsse, fielen. Sanwel stürzte vom Pftrd und bliob in einer großen Blutlache liegen. Die Pferde rasten über ihn himveg und zerstampften ihn. In der Luft erklang es: ,Machel, Rachel! Rachelkind .... 11. Im Schlaf fühlte Samvel, daß er . sich verspätet hatte.. Einigemal versucht? er sich zit erheben, doch crvermochte es nicht. Dann sprang einer mit dorn Schrei eines Gestochenen auf und sah sich um. Es dunkelte bereits stark; nur. der schlvarz-- btaue Himmel und seine Sterner.haufen durchbrachen gewaltsam die Finsternis und »varsen einen eigenartigen Schein auf die Landschaft, der die Dinge merkwürdig kontnrierte. .. (Fortsetzung folgt.) . W Theater von heute Burglbcater: Louis Ferdinand Prinz von Preußen 7 Jlbademietbeatcr: Die Frau von vierzig Jahren '/,8 Ltaairoper: ToSca V28 vollrsoper: Halka l/38 Deutsches üolbstheater« Eulensviegel . ‘/a4 Mensch und Uebermensch 8 Theater in «er lloseksraar - Die guter: Freunde V,8 ^aimunü-Theater Ich Hab'Dich lieb 1 li,8 Renaissattcehtthitc > Heimliche Brautfahrt ys8 modernes Chcatcr- Die Büchse der Pandora. 8 StaSMeater:'s Kacherl 8 Eustrpiellveaten Rund um die Niese - 1/B8 thealer an der Wien: Die Zirkusprinzesstn Vs8 Ulf. Bürgertheater t Journal der Lteve */,8 Joh.-Sttauss-rhealer r Die spanische Nachtigall V,8 Jüdisches ^unsNeriraharen (Cafe Astoy. ll.. Praterstraße 60: Schabse Gojlem V«9 Jüdische Sühne, IL, Taborstratze 121 Zurück zu Gott 8 Kinoprogramme von heute: Rot entarm-Kino (1 Be». Fleischmarkt 1): Die Ratte von Paris 4, °/.6. V.t> 9 Centrat-Kino (2 Bez. Taborstraße 8): Der Frauenhasser 9.8. „EXCELSI ii bei Triest Feinbürgerliches Haus ✓ Vorzügliche Küche Spezielle Kinderkost ✓ Mäßige Preise Vor- und Nachsaison große Ermäßigung Auf Wunsch Prospekt mos R. Cllssura Preise der PlLtre: S 1.50 bis S 3.— ROLAND-BÜHNE U., Praterstras's-e 25 . Heute und täglich zwei Vorstellungen Beginn der ersen Vorstellung' 7 Uhr, der zweiten Vorste Jung ü Uhr WIEN ss WIEN Filmgastsplal Alexander Girardi und Hubert Marischka mit Dr. Bergauer mmmmmmmmsmtmmmmmmmammmmmmmmmmmaaamam Preise der Pütze: 8 -1.50 bis S 8.— 1. Mai bis 30. Sept. Heilbad 1. Mai bis 30. Sept. 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