Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2579 (28.4.1926)
- Date
- 1926-04-28
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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fcfe « Mm, Mn»r Msrmm»eN«n« SS. April INS Kr. SR» . Copyright 1936 Sy Joseph Opatowky, New York Nachdruck verboten (6. Fortsetnutg)^ Roma» eines Pferdediebes. Von I. Opatoschu. (Autorisierte Uebertragung von Siegfried Schmitz.) Mitternacht. Tie Tür ging auf. Ein Bauernmädchen, halbnackt, nur mit einem kurzen Hemd bekleidet, trat ein. Ihr Haar fiel lose über den Rücken, um den Hals hingen bunte Bänder. Sie ging auf das Pferd zu, schwang sich rasch mrf seinen Rücken und begann es umherzujagen. Das Pferd sprangfurchtsam. Das weiße Hemd hob sich, drehte sich wie ein Karusiel; die farbigen Bänder ringelten sich wie Schlangen um den Hals der Dirne. Mit der Schnelligkeit eines Zauberkünstlers zog sie Bänder durch die Mähne, flocht Zöpfe aus dem Schweif des Pferdes und .sang dabei mit einer hellen Bauernmädchenstimme, die sich häufig Überschlag, die bekannten Progessionsgefänge. Sanwel zitterte vor Schreck. Er sch: das Pferd springt, schlägt aus und bebt furchtsam, Schaum vor dem Maul. Die Dirne hat sich umgedroht; jetzt sitzt sie mit dem Gesicht zum Schweif des Pfereds, winkt und lächelt ihm, Sanwel, zu; ihre Blicke stechen, -aß er es bis in die Knochen spürt; das Blut stockt in seinen Adern; er will schreien — und kann nicht; will di« Hand ausftrecken *— sie ist zu Stein erstarrt. Jetzt ivar sie vom Pferd gestiegen und ging auf Sanwel zu. Sanwel dachte: Nun, jetzt bin ich fertig; die hat mich schon gefaßt. Er fühlte sie neben sich. Kalter Schweiß drang chm aus allen Poven. Er faßte die Axt fest, schlug damit auf das Hemd der Hexe los und — leere Luft, keine Hexe. Er lag auf einem Bund Stroh im Stall. ,FLas so eine Hexe vermag!" räsonierte Sanwel, während er sich den Schweiß von der Stirne wischte. „Sie hat mi ch wchrhaftig eingsschläfert! Da soll man ihr beikommen!" 5. Sanwel saß bei Rachel in Her Hütte. ,/Sanweh warmnsbist du so traurig^ Mas hast du? Ech', ich habe Angst vor dir ..." Sanwel wurde rot und lächelte verlegen. „Nichts, RacheMnd, nichts!" ,-Schäm' dich! Kommst mit einem so langen, traurigen Gesicht zu mir, du ... Ich mag dich nicht mehr!" Rachel warf sich über ihn und umfaßte seinen Nacken mit ihren Händen. Sanwel schloß sie in feine Arme. Rachel wehrte sich zappelnd wie ein FW. und preßte sich dabei immer fester an feine Brust. ,Heute Hab' ich eine Geschichte gelesen", begann sie, als sie Sanwel aus seinen Armen befreit hatte, und .jäh ihn dabei durch den Spiegel an, der an einer Schnur hing. „Du, das ist dir eine herrliche Geschichte!" „Bitte, ich mochte sie auch hören!" bat Sanwel lächelnd. ,Ach will aber nicht! Ich werde dir gar nichts mehr erzählen, gar nichts mehr, Haft du verstanden?" Rachel wandte sich um, warf eine Flechte ihres schwarzen Haares übers Gesicht und guckte durch, neugierig, welche Wirkung ihre Weigerung auf Sanwel üben würde. ,^Virst schon erzählen!" lachte Sanwel. ,-Gra-a-a-de nicht!" erwiderte Rachel in kapriziösem Meinmädchentonfall und rückte näher an Sanwel heran. ,-Weißt du was? Wir wollen aufeinander böse werden! Einverstanden?" Sanwel sprang-in gemachtem Zorn aus, hob Rachel auf seine Arme und wiegte sie rasch, immer rascher hin und her; dabei flüsterte er Hr ins Ohr: „Wirst du jetzt erzählen? Wirst du? ..." „Ja, ja, ich werde erzählen, ja, Sanwel, mein liebster Sanwel, laß' mich los, bitte, laß' mich loö!" schrie Rachel. Sanwel ließ sie los. ' , , „Dü bist ein wilder Teufel!" Rachel setzte sich auf ein Bund Stroh und wies Sanwel mit einer Handbrwegung einen Platz neben sich an.,-Setz' dich hier füll nieder!" Sie zog Sanwels Kopf in -hren Schoß und begann en, erzählen: die Geschichte eines verirrten Prinzen, der Wald um Wald durchreitet auf der Suche nach .seiner Gelrebien... Ta hört er von weitem eine weinende Frömmst'.mme; er gibt seinem Roß die Sporen und reitet dom Weinen zu; er kommt hin. „Schön Mägdlem, lvarum weinst dü?"fragt der Prinz.' ,Mie. sollt' ich nicht weinen?" antwortet das Mägdlein» „Ich Hab' meinen Verlobtenverloren ..." „Schön Mägdlein, weine nicht! Ich bin dein Verlobter!' Komm' mit mir!" .7 Und er hüllte sie 'n seinen weißen Mantel, setzte sie vor sich' auf sein schwarzes Roß und zog mit Hr durch das Dunkel des Waldes seinem Schlosse zu ** — —• Rachel schwieg. Sanwel lag in ihrem Schoß. Er war zerstreue ünd der» wirrt, fühlte, wie etwas chm im Halse stak, ihn würgte ,Mchel wetz nicht, daß du ein Pferdedieb bist", sagte er sich in Gedanken. „Du mußt es ihr jetzt sagen." Er ballte die Fäuste und stand aus: „Rachel!" begann er mit erstickter Stimme. „Weißt du, daß ich ein Dieb bin, ein Pferdedieb?!" „Du bist doch so stark!" schrie Rachel auf und schmiegte sich erschreckt an Sanwel. „Man . erzählt, daß du einen drei« jährigen Ochsen mit einem Schlag auf die Hörner mederstreckst! Du bist kein Dieb! Einen Dieb erkenne ich auf den ersten Blick. Er hat so kalte, scharfe Augen. Doch du hast so gute, liebe Augen!. . . Und sie bat ihn: ,Hebe mich »och einmal aus deine Arme; wiege mich! . , . So, so! Stärker, stärker!..." Samvlel hatte alles vergessen. Er ging auf und nieder und wiegte Rachel auf seinen Armen. Rachel schmiegte sich immer fester an ihn. und suchte einen Platz,-wo sie chr ganzes Wesen bei Sanwel bergen könnte? Spät bei Nacht führte Sanwel Rachel heim. Er wollte ihr von seinen Plänen erzählen, doch er fand keine Worte und schwieg. ,-Warum erzählst du mir gar nichts?" fragte ihn Rachel schmollend. „RachelkinÄ, glaube mir, ich möchte dir so gern alles erzMen! Wenn ich allein bin und >davüber uachdenke, dann ist alles so klar und wohlgeordnet wie . deine Geschichten! Und wenn ich's dir dann erzählen will, da klebt mir die Zunge am Gaumen nud es geht nicht! . . ." ' Rachel lächelte und drückte Sanwel fast die Hand. ,gerade morgen", 1 begann Sanwel, „gehe ich auf Arbeit, die mix einige hundert Rubel bringen soll." : „Was für eine Arbeit?" . „Du 'weißt ja — seit der Krieg mit Japan losgegangen ist, ist die Grenze gesperrt. Der Russe läßt keine Pferde nach Preußen hinüber. Wahrscheinlich.fürchtet er, sie könnten ihm fehlen. Da ist nun gestern Mojfche, der Pferdemäkler, zu mir gekommen Und hat mir den Antrag gemacht, ich mäße eine.Partie von fünfzig Pferden über die Grenze schwärzen." „Und . du hast keine Furcht? .An der Grenze kann matt auch erschossen Werden!" (Fortsetzung folgt.) W 'Theater von heute Z BitrgfDtatfr: Minna von' Barnhelm V-8 flka<UMletUCIter: Die verhängnisvolle Frau V-8 Staatroper: Lohengrin y,7 UtlklOPff : $ie schöne Galathe - Der Bajazzo V-8 DtgtlCbet UolikfflKater* Hamlet, Prinz von Dänemarks 8 rdeattr r» Ser IosekrttStr Spleen v-8 Ral««»4-S6e*ur Ich Hab' Dich lkeb ..! V-8 sädttlfeamr Der Musikant Gottes V,8 titiaiSMftceftlbaet Heimliche Brautfahrt . V-8 molttttCt tkeattf: Die Büchse der Pandora 8 ttrttpleNkralefr Rundum die Niese. V-8 CIlialerardtMUiei: Die Zirkusprinzessin V-8 ßtfi-Cbtattf :Sie verbotene Frau V-8 Ar. Kürgendealtr r Journal des Liebe v,8 7od.-Ztta«§§-rheater: Die spanische NachtttzB V.8 Zlpotto Theater r Haller-Revue ' V-8 ftOMCfteMMwcfftitbeatcr: Die Teresina! V,8 llüdiseder ASarNerdadarrtt (CafL Astor). . ll., Praterstraße 60r O die Schwieger V*9 380ittke Bfll»a#Il., Taborstraße 12: Der Batten 8 Kinoprogramme von heute: Rotenturm-Kino (L Bez., Fleischmarkt 1): Die Ratte von Parts 4, '/.6, 7*8, 9 Central-Kino (2. Bez., Taborstraße 8): So ist das Leben 7.6, */*8,>/49; Orado bei Triest . Haus ersten Ranges ✓ Zwei Minuten vom Strand / Bestrenommierte Wiener und französische Küche Großer Spcitesaal Spezielle Kinderkost irrer Mäßige Preise!Aui Wunsch Prospekte! Ocularlum Wlwt, I. Klmtnwvtr. M «Uff»« Annooasso 1, Toi. 7704» Untersuchung der Augen undVerord- Wer kostenlos uater der Leitung des Augenarztes Herrn Dr.Poborskl ssu Schicke Sphuhe nur Bei SCHUH DORN Wien, II laborstraße Nr. Sa Auserlesene Neuheiten in Frllhlahrs« modellen Alleinverkauf von BALLY* Schuhen im 2. Bezirk Kaufe Juwelen LWU'L und Platin. Zahle höchste Preile l Große» Lager in Juwelen, Perlen. Umtausch kulantest. Viktor BlümelS Stachst, Men, t. Berirst Eeilergaste 19. 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