Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2569 (18.4.1926)
- Date
- 1926-04-18
- Page
- Seite 15 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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' fh. 28m Men, Sonntag Winter. Novelle von I. Z. ttirojchk. fllodem Jüdischen von P. Haller.) tS. Ich mache mich schon auf Sen Weg. Mim auch, Chcma P Vicht zufrieden, -atz ich fortfahre. Sie sagt: ,-Sie fahren in die Städte. Man muß Sie noch wie ein kleines Kind behüten. Wer wird das machen?" Eva sagt, -aß fie mich niemals vergessen werde. Und fie will mich nicht vergessen» fie will nicht. Mira ist mit mir unzufrieden. Ost sitzt fie Lei mir, küßt mir die Hand und Littet: ,rKron, Krön, ich will nicht, daß dn so seiest. Ich will, daß Lu so bist wie du warst, als ich dich erkannte, der Leuchtende, der Herrliche." Ich küsst ste auf die Stirn. Ich sage ihr: ,Mrra, Mira, aLer ich liebe dich, ich liebe dich." Vorabends. Mira war bei mir und jst fortgegangen. Sie wird in der Nacht nicht kommen. Sie bereitet sich zur Reife' vor. Es ist schon Abend. Ich finde keinen Ort' für mich. Ich «spaziere in der Gasse, gehe ins Zinrmer zurück und wieder auf die Gasse. Es ist schon spät. Das Städtchen schläft schon, still ist es. Nacht fft es. Nacht. Es war eine jener Mh-te, da es dir scheint, daß man dich aus den Tiefen der Nacht ruft. Du hörst keine Stimme, Lu sichst niemand; aber man ruft dich. Erinnerungen Wachen in dir auf, zusammenhanglos, eine zur anderen nicht paffend, Ereigniffe und Menschen, die dir auf dem Wege deines Lebens begegneten, stehen vor dir. Aber jedes Ereignis, jeder Menlsch, in sich eingefroren. Auch Worte, von anderen gehört, von dir selbst nicht gesprochen, schweben eingefroren vor dir im Aether. Und was du vor dir siehst und was dich umgibt — hängt und ist eingefroren. Ohne ein Verhältnis des einen §mn anderen. Und so List du Mst. Einen Menschen vom anderen trennt eine stumme, kalte, eis-- Wseiter Morgenzettutla kalte Wand. Ewig warst du einsam, «wig wirst du einsam sein. Nacht. Das Städtchen, die Häuser, der Wald dort, der Horizont, die weiß« Erde —• jedes für sich eingefroren. Und fremd ist eines dem anderen. Und aus dem Abgrund, der das alles ist, ntft man dich: „Mensch...!" Ich bin wieder im Hause, im Schlafzimmer. Ich habe einige Kerzen angezündet, auf den Tisch gestellt. Ich wollte die Nacht hell wie -en Tag machen. Aber mir schien es, fafe die Wände meines Zimmers nicht zusammengefügt sind, nicht eine an die andere gefügt ist. Nacht. Ich habe mich zu meinem Bilde gestellt. Schaute darauf, fragte nach meinem We'en, meiner Zukunft. Und meine Seele umflocht ein Wille, groß wie das Leben selbst, rein zu sein, sich rein zu fülen wie ein Kind. Ich fragte mich selbst laut: Wovon gereinigt werden? Bon Sünden...? Gott, du heller Gott des Sommers, du furcht- 'barer, geheimer Gott der stummen Nächte, du weißer Gott des Winters, habe ich gegen d,ch gesündigt? Nein... nein... Ich habe gelebt. Ja. Gelebt... Aber um des Lebens willen bin ich doch erschaffen worden. Jst das Leben denn eine kunstgerecht gefertigte Kette der Sünde...? Gort, um des Lebens willen, bin ich doch geboren... Und ein solcher Wille, rein zn werden, hat meine Seele gedrückt. Als trüge ich alle Sünden zwischen Himmel und Erde aus meinen Schultern. Es drängte mich, in die Knie zu sinken... in die Knie vor meiner Mutter... „Mutter, Mutter." Nacht. Und aus der Tiefe der Nacht vust man mich: „Mensch...!" Und jemand erzählt mir: „Mensch, du bist eine verirrte junge Seele eines alten, alten «wilden Volles des Ostens. In deiner Seele ist ein alter Traum begraben, geboren in einem Lande mit ewig klarem IS.Jtpnri^_. ^_ Himmel, ein Land wi.cer Lcrge und Täler, mit offenen, weiten, heißen, fouerheißen Horizonten. Ein Land der Träume. In deiner Seele ist ein wilder Traum begraben. Ein Traum von einem Hcilramm mit Opfern für einen großen, mächtigen Gott... Und dein Leben ist wandern..wandern unter Fremden, Fremden, Fremden ..." Nacht. Und die geheime, furchtbare Nacht erzählt mir: Tein ewiges Wandern unter Fremden hat dich das Leben kennen gelernt. Tu lachst oft über alles. Tu lachst über die Liebe. Aber selbst liebst du noch wie ein unschuldiges Kind. Deine Liebe wird noch gewebt von den Falten eines Frauenkleides. Du liebst noch bei Frauen nur die Augen, den Blick. Tot ist für dich der Gott deiner Eltern. Aber du glaubst, du glaubst... Du glaubst wie der Mensch von einst, der an den Blitz glauben konnte, an den Stein eines Feldes, an den Bäumen eines Waldes... Du glaubst an Wunder... Tu glaubst... Leer ist für dich das Wort Glück. Leer... Schon längst hast hi dieses Wort aus deiner Sprache ausgemerzt. Aber du hoffst wie ein kleines Kind... Du wartest auf irgend etwas... Du wartest... Nacht. Und jemand mst mich: „Mensch...!" Müde, zerschlagen «frage ich nn'ch -clbst: ,Mas bin ich?" Die furchtbare, geheime Nacht antwortet: Deine Seele ist einem schönen, reichen Mischen -Hause zu vergleichen; rein, jüdisch, fein. Mit Seide die Möbel, Mit Samt die Wände überzogen und oben an der Tür ein schwarzes Zeichen: Secher lechurban, Secher lechuÄan... Neue Paläste, das ist möglich, wirst du noch bauen. Im Himmel, im Traum. Aber «das Se<W lechurban wird auf sie seinen Stempel drücken... Secher leMrban... In deiner Seele gibt es ein i'chwavzes Zeichen ... Secher lechurban ... Se«cher lechurban... (Schluß folgt.) Theater von heute Bargtheattr * Der Alpenkönig nnd der Menschenfeind 8 — Gabriel Schillings Flucht %8 Hkadcmietheateri Garten der Jugend 3 — Die zerbrochene Leiter */,8 Staatsoper Andrä ChLnier Bcdoatensaal: Figaros Hochzeit 7 UOlkSOptri Die schöne Helena *ft 8 — Wenn ich König wäre */j8 Deutsches Uolksthtater: Sin Spiel von Tod Md. Liebe. 7,4 — Hamlet, Prinz von Dänemark , 8 Theater in der Josefstadt: Natalie 7,8 Kalimwd-Cheater! Schneewittchen und die sieben Zwerge 7,4 — Ich Hab'Dich lieb .. .l 8 Stadttheater: Andre Hofer 7,3 — Jugendlieb' 7,8 RenaUsanccbühfie Sie geht zum Film H6 Modernes Theater - Vortrag Michael Orlicz über „DaS moderne Bühnenwesen" vorm. 11 - Fräulein Josette — meine Frau 8 Custspieltheater: Rotkäppchen 7*4 — Rund um die Niese « 7,8 Theater an der Ullea: Der Orlow 3 — Die ZirkuSprinzcsfln 7,8 earl-Theater, Die verbotene Frau 7,8 Ulr. Hürgertheatert Journal der Liebe 7,8 Soh.-Strauss-theaten Der Frauenftefser 3 — Die spanische Nachtigall 7,8 Roaachtr-OpmtteHtheater: Die Terestna 7,8 Apollo-Theater: Haller-Revue 3 u. 7,8 Uiidisches ftfnstierbaharett (Cafö Astoria), U. Praterstr. 90 r Mord che NuS 7*9 IQdiSChe Bithae, U. Taborstraße 13» „Zurück zu Gott!" 8 Kinoprogramme von heute: Rotenturm-Kino (X Bez.. Fleischmarkt 1)r Der schwarze Engel 4. 7*6. 7*8 9 Centrai-Kino (2. Bez., Taborstraße 8)t Der Herr Generaldirektor 7«6, 7*8, 7,9 Schicke Schake nur bei SCHUH DORN Wien, II 7 aborstraße Nr, 8 a Auserlesene Neuheiten in Frllhjahrs« modelten A Ueinverkau/ von BALLY' Schuhen im 2. Bezirk SolchwareweAostanrani Eisen & Sörrtgsber, ü., Hatdgasse 5. Warme Selchwaren eigener Fabrikation Mter Schtffschnl-Aufsicht. IMMM0 Paul vpoezynskis Restauration „Zitahof", VII,, Marlahilferftr. 88a. Vorzügliche Küche. 3ofefine Weih, Selchwaren-Restanrant, XV., Mariahilferstraße 169, Eingang Achtung I!! Talgaffe 11. Vorzügliche kalte «»d warme WWNME Ans Prima Stoffen, engll80he Dessins Aas Panama, lange Am «atohaohten SvmmM- •tofTon, reizende Deulns Kinderkleidchen oagL Modostoff, Herreafasson Damenmantel Jumper-Fasson Damenbluse Kindermantel 7. S "TsSO Prima Qualitäten Letzte Modelle Tadellose Ausfuhruno Aus Or. Jap. Shatt» tung, alle Farben ßm tvftips, alle Färb. Kopien, franz. 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