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Wiener Morgenzeitung · 1926-04-18 · Heft 2569 (18.4.1926) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2569 (18.4.1926)
Date
1926-04-18
Page
Seite 4 (sequence 6)
Language
German
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m’ff, Mnimy Wieder eröffnet) Hotel National Wien, IL Taborstrasse 18 Telephon 4Z-5-93 Voflständfg neu eingerichtet, zentrale Lage, 200 Zimmer mit {Messendem kalten 11. warmen Wasser, Bfider, Zentralheizung, Lift Kaffeehaus und Restaurant im Hause! MIaaigc Preise! Nene Leitung 1 Salz mit Hr. Das heißt, einige Lander können eine bestimmte Zahl von Juden verdauen; ist diese Zahl einmal über'chritten, nmß etwas Drastisches geschehen: die Juden müffen gehen. Sie nennen uns nicht nur Salz, sondern auch Hefe. Die Juden find nicht nur das Salz der Erde, sondern sie find auch ein außerordentlich wertvolles Ferment. Sie erzeugen außerordentliche Ideen. Sie sorgen für Initiative und Energie, fie bringen Dinge in Bewegung. Aber auch dieses Kompliment ist von etwas zweifelhafter Art. Der Unterschied zwischen einem Ferment und einem Parasiten ist sehr fein. Wenn das Ferment über einen gewissen Punkt hinaus um noch so wenig vermehrt wird, wird es zum Parasiten. So daß dvejemgen, die höflich zu sein wünschen, uns „Ferment" nennen, andere, die nicht so wissenschaftlich find, ziehen es vor, uns „Parasiten" zu nennen. Aber selbst Ungerechtigkeit laßt sich erllLren. Warum sollten fie uns Parasiten nennen? Wir haben zum Aufbau Amerikas, Englands, Deutschlands und FrankveiO beigetragen. Eine Jude tat sich hervor in der Schaffung des britischen Weltreiches, aber es zeigt sich, daß er nicht als Jude gezählt wird. Er wird als ein Engländer betrachtet. Wäre er jedoch «in Feind des britischen Reiches gewesen, hatte er ihm uner'etzilichen Schaden statt dauernden Nutzen zugdfützt, er wäre auf unsere Rechnung gestellt worden. Lord Haldane, ein hervorragender englischer Philosoph und Gelehrter, ist über jeden Verdacht von Antisemitismus erhaben. Als ein großer Bewinde rer Einsteins schrieb Lord Haldane ein Buch über die Relativitätstheorie und sprach darin auch von Minkcwsiky, einem Vorgänger Einsteins, Mitt^ kowAy war ein Jude aus Kcwno, aber Lord Haldane spricht von ihm als von dem großen polni-'chen Genie und er entwickelt eine lange Theorie üher die'Eigenart des-slawischett Genius, der diesen großen Mathematiker heworbringLN konnte. Selbstverständlich zog er das Buch aus -dem Umlaufe, als'er erfuhr, daß Minkcwsch kein Pole war. . Daß man so ständig unsere schöpferischen Kräfte uns abschreibt und das Beste in uns den Völkern zugute bucht, unter.' denen wir leben, raubt uns unseren Ruf. Die Volker vergessen, daß diese Kräfte unser. Wqren^. u.nd. nachdem. M.sie uns leergepumpt haben, werden sie uns vor, daß wir leer' find. Es ist nicht ihre Schuld, aber es ist auch nicht unsere Schuld. Ncch hilft ein Protest. Minkowski wird ein Pole bleiben und Ernstem ein Deutscher, so sehr wir auch protestieren und leugnen. * _Wlenrr ynsrarimnimfi_ . In der ganzen Melt haben wir Jriden -eine wundervolle FäWeit für Anpaflung gezeigt. Wir kamen nach den Vereinigten Staaten, wir Paßten uns an dies« Zivilisation, an diesen Organismus an, und wir haben darin eine glänzende Arbeit geleistet. Wir kamen nach anderen Ländern, guten und bösen, und wir haben uns den betreffenden Organismen immer angepaßt. Aber wohin wir auch immer kamen, fanden wir den Organismus fertig, fanden wir Gesetze,- Sprache, Zivilisation. Mas wir zu tun hatten, war, uns anzupaffen und uns gut anzupassen. In Palästina ist es anders. Dort ist nichts fertig. Alles muß noch geschaffen werden. Wir bauen dort jetzt ein Land auf, beginnend mit dem nackten steinigen Boden, vom Feld zum Obstgarten, vom Dorf zur Stadt, vom Kindergarten zur Universität. Aus diesen neuen Elementen bauen wir ein neues Leben, und die'e große Schöpfevfreude ist es, die heute durch das ganze Judentum pulsiert. Und dies ist der Grund, werwegen uns ein kleines Haus in Palästina, ein in Palüstina veröffentlichtes Buch in einer so besonderen Art anfpricht. Dies ist der grundlegende Unterschied zwischen hem, was in Palästina vor sich geht, und dem, was unS in der ganzen Welt geschieht, und dieser Unterschied ist ein« Herausforderung und ein Aufruf. Vrez Israel «nd zionistische Organisation. Bon F. H. Kisch (Jerusalem). : Kolonel Kisch übersandte der Londoner Exekutive namens der Palästina-Exekutive folgend« Aenßerung zum Monat der Zionistischen Organisation^: . ,^Die Exekutive in Palästina, die ständig mit der Führung der täglichen Geschäfte befaßt ist, die hie Ausführung beSvom Kongreß beschlossenen Arbeitsprogramms mit sich bringt, sichht, .'tiofer vielleicht als irgend eine ander« Körperschaft, die Notwendigkeit intensiver Tätigkeit für die Organisation. Die Starte der Exekutive kann nichts anderes sein als eine Wiederspietzelung der Kraft der Organisation, in deren Namen sie händell. Die Exekutive wünscht nichts sehnlicher, als daß die' ' Organisation sich hinter sie stellt, nicht passiv und abwartend, , solcherü als eine lebendige Kraftquelle zionistischer Anschauung und' Energie; als eine Gemeinschaft, die die Exekutive in, chreN Handlungen stützt und der Welt zeigt, wie weit verbreitet und wie tief vemvnrzelt im'Judentum die -große Idee ist, für die . wir kämpfen. Eine^stWere Organisation bedeutet für die Exekutive .nicht nur vergrößertes Prestige, sondern auch ern Mehr an Macht, so daß auch der Erfolg in'der Ausführung der. der , Exe-ntive anvertramen Aufgaben . »in größerer f ' , V.! ■' ' . 1 ■ , ' ^DW'e .Erwägungen .vevanßaMi die. Exekutive in Palü-. ' strnä,-f^n 'Zionisten m jMm Lande tmfzuEordern. sem Möglichstes zu tun, um den Erfolg der Jjar-Kampagne für die Stärkung unserer Organisation zu fördern. -Jeder Zionist sehe in der Jjar-Kampagne ein wesentliches Mittel für die Siche- - rung unseres nationalen Werkes und für eine beschleunigte Verwirklichung unserer Ideale." „Mer schafft dir das Geben an?" beruhigt ihn Esther Beste. „Nicht geben!" Josche Beer hämmert auf den Tisch. ,^Jch nehme nichts mehr ein und Hab' nichts mehr zu veretzen. Wenn man kommt, werde ich sagen: ich kann nicht, ich hast nichts. Gebt ihr m i r Pessachgeld! Ich habe selbst nichts für Peffach." „Na, na, das wirst du nicht sagen", lächelt Esther Beste traurig und wischt mit dem Taschentuch die Augen. „Escher Bejle, ich werde es sagen. Es muß doch ein Ende nehmen. Alles hat seine Grenze. Ich werde bestimmt sagen. Juden, gebt ihr m i r Sündenbuße. Ich habe selbst nichts für Peffach." Aber das ist nur so gesagt, selbst wenn er wüßte, daß er ohne Peffachkcst bleibt, Pessachgeld wird er nicht nehmen, er wird dieses Mal nur keine geben. Vor allem soll man es erfahren, daß Joche Beer Heujahr kein Pessachgeld gibt. Bis zum Nehmen ist noch Zeit. Es wird noch manchen Peffach geben. Er wird mit dem Nichtgeben anfangen, dann wird es seinen gehörigen Lauf nehmen. Eine Woche vor Peffach, eines schönen Abends, hüllt Josche Beer seinen Pelz in ein weißes Leintuch, gibt ihn dem Dienstmädchen und sagt: „Komm mit mir." Er geht zu Chajim dem Wucherer, ein Mensch, der Geheimes geheim hält; versetzt man etwas bei ihm, 'o erzählt er es niemand, es sei knn, daß man es nicht auslöst und er es verkaufen muß. Für den Pelz bekommt Josche Beer fünfzehn Rubel, drei bezahlt er sofort als Prozent, mit den übrigen geht er nach Hause. Er ist schon ein wenig munterer. An das Peffachgeidnchmen denkt er nicht mehr. Nicht einmal für das nächste Jahr. Es wird schon ohne fremde Hilfe gehen. Er hat noch Kleidungsstücke, Silber im -Haue. Mer geben, bestimmt nicht mehr. Er wird einfach sagen: ,Juden, ich.kann nicht!" Aber als am nächsten Tag zu Josche Beer ins Zimmer Mi vornehme Bürgersleute kommen, da er. vom Gelbe nur noch ein Fünferchen hat, nimmt er sie mit gutmütigem Lächeln aus und sagt freundlich: „Nehmt Platz, nehmt Platz!" Die Bürgersleute aber hoben Eile. Es ist vor Peffach, und arm« Leute gibt eS genug, und sie melden gleich, was sie wollen: ,Mr sind, Reb Josche Beer, um Pessachgeld gekommen." ,-Gewiß, gewiß," sagt Jösche Beer voll Zufriedenheit, Metze schon." ,Mohin soll inan denn sonst gehen, wenn nickt zu Euch, Ihr gehört zu deu ersten", lächelt der eine von aen beiden. Ta will es Josche Beer scheinen, daß er über ihn lache, sein Gesicht wird rot, der Kopf brennt und er stammelt: „Selbstverständlich... selbstverständlich... zu mir zuerst. .. Also, man muß Pessachgeld zahlen ... Werdet Ihr so freundlich sein, mir eine Banknote zu wech'eln?" „Einen Hunderter? Wenn ein Hunderter, dann haben wir es noch nicht." „Nein", stammelt Josche Beer, „nicht gerade ein Hunderter, einen kleineren..." „Einen Fündiger?" gewahre", stammelt schon ganz verwirrt Josche Beer und schleppt aus der Tasche 'ein Fünserchen hervor. „Ach, ein Fünserchen, ein ganzes", wandert sich ein Bürgersmann, „Ihr macht einen Spaß mit uns. Wir wollen, daß Ihr uns das ganze Fünserchen gebt. Viele arme Leute gibt es heujahr. Sie brauchen Mazzeh, VKin, Kartoffel..." Josche Beer sucht mit den Augen nach Hilft/ wie von Mi Räubern überfallen. Es ist aber niemand im Hause. Er schiebt einem von den beiden das Fünserchen murmelnd zu: „.Habt es also ganz..." „Schön, sehr schön", bedankt sich der eine der Bürgersleute. „Eine schöne Spende, Reb Josche Beer. Gott wird Euch Helsen", segne: ihn der andere. Als di« zwei Bürgersleute, die Mesusch küssend, das Haus verlassen, kommt es Josche Beer erst zu Bewußtsein, was er getan habe. Er läuft verzweifelt durch das Zimmer, zupft Silberfäden aus dem Bart und stöhnt: „Wqs ha'be ich da getan. Wie stellt man jetzt den Peffach her?" Da kommt Esther Bejle. „Esther Bejle, sie haben mich nackt zurückgelasftn." ,Mr?" „Diese Mi Einsammler, sie haben mir -das ganze Füriftrchen herausgelockt." Esther Bejle kennt solche Geschichten, die Josche Beer passieren, und lächelt bitter: „Run, was kannst du jetzt machen? Man wich den goldenen Becher versetzen müssen. Es ist nur eine Schande vor dem Wucherer." Wenn es finster wird, geht Josche Beer durch einsame Gäßchen wieder zum Prozentmann. Der' Progentmann kennt diesen Becher sehr gut. Er prüft ihn aber wieder sehr genau, borgt daraus ein Fünserchen und m IM ch €i W'WM durch Dr. Hoffbsuer» Entfettungs-Tabletten Dieselben sind ron bester Wirkung, angenehmem Oe- •chmaek, vollständig tntschSdlleh, stellen eine schlanke, graziöse Figur her, ohne Diätzwang oder Aenderung der Lebensweise. Prompte Oewichtsabnahme. Vom Volksgesund heitsamt bewilligt Nr. 011 Kein Abführmittel Keine Schilddrüse Depoti Apotheke „Zum Römischen Kaleer\Wien, l., Wollzeile 13 Aekemttnlr. Bon Albert Einstein. Ich bin in dem Sinne nationaler Jude, daß ich die Erhaltung der jüdischen oder irgend tvelcher Nationalität als Selbstzweck fordere. Ich betrachte die jüdische Nationalität als eine Tatsache und bin der Meinung, daß jeder Jude aus dieser Tatsache die Konsequenzen ziehen muß. Ich erachte die Hebung des Mischen Selbstbewußlseins auch im Interesse eines natürlichen Zusammenlebens mit den Nichtjuden gelegen. Mr mich ist der Zionismus nicht etwa bloß eine auf Palästina gerichtete kolonisatorische Bewegung. -Die jüdische Nation ist eine lebendige Tatsache in Palästina sowohl wie m der Diaspora und der jüdische Nationalismus muß in Palästina sowohl wie in allen gegenwärtigen Wohnüandern zur Entfaltung gebracht werden. MI oder Ahne«? Bon Dr. H. P. Chajes. Die entscheidende Frage, die der Zionismus au das ' Judenvolk stellt, lautet: Wollt ihr Enkel bleiben oder Ahnen .werden? Wollt ihr euch begnügen, schlecht und recht Hüter ' einer großen Tradition zu sein, di« Gedanken eurer Vorfahren zu kommentieren? Könnet ihr nicht vielmehr als Juden Mehrer werden der höchsten Güter der Menschheit und eine neue Welt milschaffen helfen? Der' Zionismus — er allein hat gegeigt, daß wir als Juden noch immer fähig sind, Erlösendes zu schaffen, der Menschheit neue Wege zu ebnen, ungehobelt« Schätze in der Seele Israels ans Licht zu fördern, gebundene Kräfte zu befreien, die Gegenwart als feste Brücke zu basten von fernster Vergangenheit zu spätester Zukunft. Wer leben will für unser Volk, erlösende Arbeit für die Menschheit — der komme zu uns und trage die Fackel! Lte Amweisnng der sowieirtMÄm Handels-, verirelerr aus PaMlua. ' - J-Mstckem, 17. Syril. (I. T. A.) Der Palästmeichlchen Ä^graphev-Agentur Wird zur Ausweisung des Leiters der Ärcos, Herrn Gleser, aus Palästina von autoritativer Seite mitgeteilt, daß die Ausweisung Herrn GleserS gemäß dem Artikel des palästinensischen Cinwanderungsgesetzes erfolgt ist, laut welchem der Oberkommissär ermächtigt ist, jede Person auszuweisen, .renn er diese Ausweisung als im Interest e d e r Landeswohlfahrt ansieht. zieht gleich einen.Rubel ab. Josche Beer, mit den vier Rubeln nach Hause gekommen, redet aus Esther Bejle ein: „Ich bitte dich, bereite nicht reiche Mahlzeiten vor, mach' den Peffach so arm als möglich. Ich schäme mich nicht, verstehst du, im Gegenteil, ich will sogar, daß alle Welt weiß, daß ich ein armer Mann bin." Esther Bejle nickt mit dem Kopf, lächelt traurig, aber wie eine Reiche. Und Josche Beer zupft Sibbersäden aus dem Bart und stöhnt: ,Zerr Gott, wie macht man es ihnen kund, daß ich nichts halbe. Wie erlebt man endlich die Zeit, >da ich selbst Sündenbuße nehme. Komnien wird sie doch. Wozu dann das dumme Spiel mit Chajim, dem Prozentmann, bei ihm den Pelz versetzen und wieder auslö'en, den Becher versetzen und wieder auslüsen. Aber Peffach, da er in der Schul sitzt auf seinem Platz an der Ostwand, vergißt sich Josche Beer wieder. Der Kurs der Gebetehruugen ist hoch, er erreicht schon zwölf Gulden, und die Nachbarn Josche Beers an der Osttnxmd sehen ihn an, wie um zu sagen: Na, und Ihr, Reb Josche Beer? Du winkt Josche Beer dem Schames, das bedeutet, er gibt dreizehn. Und der Schames ruft mit heller Melodie: „Dreizehn Gül — den...!" Und Josche Beer raut es schon wieder. Wo wird er Vas Geld hernehmen? Zum Versetzen wird bald nichts mehr da sein. Und er bittet Gott, daß ihn jenranb übersteige. Zum Glück findet sich einer, der vierzehn gibt. DaS verdrießt aber Josche Beer und, ohne es zu wollen, aber mit dem Stolz eines Menschen, der 'eine Würde zu wahren weiß, winkt er wieder zum Schames. Und der Schames ruft, Josche Beer zulächelnd, aus: „Fünfzehn Gulden...!" Die Nachbarn au der Ostwand werft« einander Blicke zu und flüstern: „Josche Beer geht es noch, nicht zu versündigen." Und Josche Beer selbst, kaum daß er es über sich bringt, nicht auszurufen: Dulden, habt Erbarmen, ich bin ein armer Mensch." Auf dem Wege vom Beth Homidrasch nach Hause denikt er wehmütig: ,Mein, ich bin schon verloren. Ich werde nie ein armer Mann werden. Ich werde nach den Feiertagen die Leuchter vevfetzen müssen, um zu bezahlen." (Aus dem Jüdischen von P. H.)

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