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Wiener Morgenzeitung · 1926-03-20 · Heft 2541 (20.3.1926) · p. Seite 8

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2541 (20.3.1926)
Date
1926-03-20
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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\ VM * MN. TSMMltz Trenderl. Eine Erzählung von Leopold Kompttt. Es lvar das eine merkwürdige Nacht für Trenderl. Zum ersten Male seit langen Jahren, daß ihn die Müdigkeit der Tagesarbcit schlaflos allon Mächten des Nachdenkens überleerte. Immerfort klingelten ihin die llruftnd Gulden in d.'n Ohren; er wußte nicht, wie sie herausbringcn! Hirsch Blaser, das „gescheite Jude!", hätte seinen Triumph gefeiert, wenn cr die Qualen dieses schlummerloftn Gemütes härte beobachten können. Es war unstreitig ein saurer Tropfen in des Schlossers Seele gefallen. Das erste Gefühl, das lebendig in ihm anfwalltc, war — Zorn gegen das „gescheite Jüdel", weil das ihn: „etwas in den Kopf gesetzt habe." Er ballte die Faust gegen den Abwesenden, daß ihm die Finger schmerzten. Mitten in der finstern Nacht wäre er gern aufgestanden, hätte die Werkstätte geöffnet und da gehämmert und geschniiedet, bloß um Hirsch Blaser zu zeigen, wie cr dessen Antrag verstehe. Erst allmählich, dann aber mit desto stärkerer Gewalt, trat der ganze Inhalt dessen, was er gchört, vor ihn hin; warum er Hirsch Blaser, ärgerte er sich, nicht gleich beim „Kragen" genommen und zur Werkstättc hinansgewovfcn habe? Eine bessere Antwort hätte er ihm nicht geben sollen! Dann tonten andere Stimmen, tückische einschmeichelnde Stimmen, jene dunkeln, immer Wachen 'Mächte, die über des Menschen Sein regieren und denen die Reinheit seiner Seele ein weiter Kampfplatz für ihre Gelüste und Verlockungen ist. Ob cs nicht undankbar sei, raunten ihm diese Stimmen zu, aus einen Menschen zu zürnen,'der einem ein so groß Stück Geld ausdrängen wolle? Was Hirsch Blaser eigentlich Schlechtes von ihm wolle? Glücklich machen wolle er ihn, nicht anders als reich und unabhängig. Sei es nicht schändlich, daß es Menschen in der Welt geben muffe, an die man gar nicht denken dürfe —wenn man sie auch noch so gern habe? Was hätten'andere Leute voraus als das Geld? Und die dürfen __Wiener MoegenzeMmg_ kühn ihre Blicke erheben zu allem, was sie reizt? Der Arme aber sei ausgeschlossen von allem. Hören, sehen und riechen dürft er alles, aber danach greift»? — Wenn ihn schon der Doktor ausgelacht habe, was würden erst andere Leute wn? Trenderl fühlte sich sehr unglücklich. Wir wissen nun, woraus es bei ihm am meisten ankommt, und darum fürchten wir für ftin Unglück! Hirsch Blaser hatte sich am folgenden Tage frühzeitig bei Mindel Brandeis eingestellt, um ihr Meldung zu tun, wie seine Sendung in die Schlosftrwcrkstätte ausgefallen. Das gescheite Jüdel erzählte den ganzen Hergang und verschwieg auch nicht den kleinsten Umstand. Die wackere Frau fühlte sich aber durch diese Mitteilungen nur rwenig beruhigt: wenn man ein Haus umreißen wolle, sagte sie, dürft man nicht alle Jahre bald eine Tür, bal) ein Fenster ausbrechen, gleich müsse das geschehen, wogegen Hirsch Blaser freilich bemerkte, cs sei immer besser, bald ein Fenster, bald eine Türe abzübrcchen, als zuletzt gar kein Haus zu haben. Sic solle chm nur alles überlassen. In der halben Welt wisse man, daß Hirsch Blasers Kops tlicht von Stroh sei. Das „gescheite Jüdel" erhielt neue Instruktionen", die wir für jetzt verschweigen müssen; seufzend entließ ihn Mindel. Beinl Abschied rief sie ihm nach: „Eile int not, denn eine lange „Kränk" (Krankheit) ist ein gewisser Tod." Hirsch Blaser versprach das Unmöglichste. Das „gescheite Jüdel" hatte eine Taktik ersonnen, die seiner Klugheit und Beobachtungsgabe nicht wenig zur Ehre gereicht. Er berechnete, daß sich die tausend Gulden in des Schlossers Gemüte erst „setzen" müßten, uub darum besuchte er ihn auch am folgenden Tage nicht. Das erste Fenster lvar ja bereits ausgebrochen! Aber mit tausend Augen spähte er nur die Werkstätte herum; keilte der Bewegungen des Schlossers entging ihm. Schon konnte er bemerken, um wieviel lässiger daL-Tun des Meisters sich, an diesem Tage ausnahm! Trenderl sang auch nicht, und schon das tvar ihm ein Zeichen, daß sich die tausend Gulden „gesetzt" haben mußten. Er sah ihn auch oft vor dem Amboß stehen und gewaltig 56. März *996 Nr. 954f . — ■ -...—-»>» - 4 hämmern — aber es ging der dritte Streich immer daneben, und dieses träumerische Gebärden war ihm ein neuer Beweis, wie tief bereits der sauere Tropfen -in die unschuldige Seele Trenderls gedrungen war. Am -veiten Tage, spät abends, stellte sich Hirsch Blaser wieder in der Werkstätte ein. Der Schlaffer stand mit verschränkten Armen vor der Schmiedesse und starrte in die dunkle Glut hinein. „Der Schlosser ivär' gefunden!" schrie Plötzlich die heisere Stintmc Hirsch Blasers. Trenderl fuhr aus; vor ihm stand die kleine verLvachsene Figur des „gescheiten Jüdel". „Was für ein Schlosser?" rief er. „Fragen kann er auch noch!" meinte Hirsch Blaser mit merkwürdigem Gesicht. „Der was den Blitzablevicr auf der Schul' wird austichten", setzte er mit aller Bestimmtheit einer vollendeten Tatsache hinzu. Trenderl sprach anfangs kein Wort, dann sagte er laug-- sam: ,/Bin ich verrückt? oder seid Jhr's, Robb Hirsch? Soll denn ein anderer den Blitzableiter aufstellen als ich?" „Narr", meinte das gescheite Jüdel, glaubst dm denn, matt wird einein tausend nnd mehr Gulden anhängen, der imstand ist, aus ein Dach hinaufzutriechen und da sein Leben zu versuchen?" Der Schlosser starrte den kleinen Sprecher mit großett Angen au, schüttelte dann den Kopf, als faßte er gar nicht den Sinn des Gesagten. Mit funkelnden Augen betrachtete Hirsch Blaser diese neue Wirkung seiner merkwürdigen Kriegslist. „Da setzt Euch, Rebb Hirsch", sagte er tief auffeufzend, „und erzählt mir ordentlich, tvas es mit den tausend Gulden eigentlich ist; denn mir will das nicht in den Kopf emgchen." (Fortsetzung folgt.) *Theater von heute jjj Burgtbeatcr: Lady Windermeres Fächer 7,8 JUcademictbeater: Onkel Toni 7,8 Staatsoper: Aida 7 RedOtmtuaal: Die Entführung aus dem Serall voUrropek'. Madame Butterfly Vrmrefter Oolkstbcater t Die Räuber — Was ihr wollt , Cfccater in d«r üosefstadti Alles uud «ichts oder: Der Traum von Schale und Kern Raitnuttd-theater. Schneewittchen und die sieben Zwerge - — Der fröhliche Weinberg Stadttheater r Der Musikant Gottes Reaairrancedübne; Der Autowildling Moderner ehester: Sensation Vene wiener Sühne; Liebesmagazin LtUtrpiettdesterr Der sprechende Affe Theater an der wie«: Der Orlow Larl-Theater: Die verbotene Frau lllr. Lürgertheaterr Journal der Liebe Ioh.-5trsu§r.Theaier; Paganini Ronacher-opereltenthearer: Die Teresina Rolandbühne.- Die WürstelSraut rrpoNo-Theater: .Apollos Nur Apollo!" 8—-/«II Jüdisches Kätistlerkabarett (H..Praterftr. 6ö): Der Ebuiyn in Amerika 7.9 Jüdische Sühne (Hotel Stephanie, u.. Taborüraße 12): Der Tiger 8 ßirens Sagenbecir- Täal. 8. So. u. Ftg. 3 u. 8 Ubx 7,8 7.8 7.3 7-8 7.8 7.4 7.8 7,8 7,8 8 7,8 7-8 7,8 7-8 vaö 7,8 7,8 8 WEINE 9226 und Sliwowitz bester Qualität p-inon w imnD1? n« noo bv 1^2 En gios zu b hissten Preisen En detail „FRISKO-WERKE” 2. Bezirk, Prateratrasse 74 Telephon 44-4-17 Markus Hornstein HAGENBECK In der Nachmittagsvorstellung neuerdings bedeut, erm. reise. 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Hemdhosen Kinder 5 T-20 Herren 8 0.— Jakob Gelles, I„ Rotgasse 1 (Ankerhof) Herausgeber u. Eigentümer: Jüd ZeitungS» u. Berlagsges m. b H-. Men/'S Bez.. Tabor« stratze l-'S Berantwortl. Redakteur: Jakob Krausz, Wien. 19 Bez.. Brecheraaffe S. — Druckerei- und Berlags-A.-G Jg Steinmann, 9, Bes-, Univevsitätsstratze Nr. 8, r v 01020200003101480201 740845 984204582706^388660^42350685^300^^2622802205257^

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