Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2540 (19.3.1926)
- Date
- 1926-03-19
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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MWf ö»wg Wiener MorUen-ett««- 19. Mürz 1926 Nr. SSM Lreuderl. (Sk RhRckhhmg Ks 9N|Nft £äe$ dir sie ober gut «t; diese fünf Gulden De dich jetzt eine Million! In Dien da ist vor etlichen Achtzig Jahren ein Kind mit Pfeffenschwomm und Stahl gestanden auf der Brink, wo man in die Leopoldstadt hinauSgcht, und im vorigen Jahr, da haben sie in Wien einen Monn begraben — wie sie dessen Testament archmchen, da find zehnmal soviel Millionen da, als ich dir jetzt fünf Gulden zeige. Sieh dir sie daher genau an — und jetzt geh' im Frieden, So halt' ich mit dir gevsbt! Meinst du, das wäre ein schlechterer Rat gewesen, als der, dich in die -Schlosserei zu stecken?" Trettderls Kopf begann von dieser Rede wirr zu werden; was das ,gescheit Jude!" da vorlbrachte, hatte gewissermaßen einen Änn; auch stand Hirsch Blaser nicht .in dem Rufe, daß er etwas sagte, worüber man nicht nachgudenken hätte. Der junge Handwerker war in der Kunst, ’irä manche so vortrefflich verstehen, nämlich Schlag auf Schlag dem Gegner zu versetzen, bis er am Boden liegt, nur 4vemg erfahren. Ja! wenn es mit den Fausten hätte abgemacht werden Bnnen! So aber hatte er das gescheit Jüdel" vor sich, und dieses ragte in seiner Kleinheit und Unbedeutendheit jetzt weit Mer die breiten Schultern des Schlossermeisters hinaus. Als Hirsch Blaser die Wirkung fernes garten Kviegsplanes, wie sie so augenfällig in den gekniffenen Lippen Trenderls und dessen in Falten gelegter Stirne hervortrat, bemerkte, schwieg auch er eine kurze Wolle; dann, um das Eqsen nicht „auskühlen" zu lassen und dem Handwerker nicht die Zeit zu gönnen,, sich von der Wucht feiner Beweisgründe zu erholen, rief er: . „Einen Schlosser haben sie aus dir gemacht, und was werter? fragt man sich. Gib du einem Schlosser fünf Gulden in die Hand und frage ihn am Ende vom Jahre: Schlosser, was hast du mit dem GeKte getan? Entweder er hat sie nicht angerührt oder siesind tot in seiner Hand geUieben. Das Kind, dem man ans der Leopvldstädter Brücke Pfeifenfchwamm und Wahl abgekauft hat, des Kind hat Millionen Hintersassen! Nimm aber an, man hätt' das Kind in eine Schlosserei gesteckt, Trenderl. Wie der gestorben war', hätt' man müssen die Mäuse aus allen Löchern herausjagen,, um, zu sehen, ob etwas dort versteckt ist. Mit Lichtern hätt' man -suchen müssen, um einige hundert Gulden zufammenzu- Aauiben» damit die Witwe und dee Kinder nicht verhungern. Warum ist er auch ein Schlosser geworden?" Der Schlosser zog in diesem Augenblick aus der feurigen Glüt das längst bereite Essen hervor, um ez auf den Amboß zu tragen. WährerÄ des Hämmerns schien der Geist seines Handwerkes wieder inächtig in ihm geworden. Plötzlich hielt er rnne, und übellaunig, fitst bitter gereizt, sagte er: ,/Ncht, geht, Rebb Hirsch, mit Euren Reden; man kann schier den Kopf davon verrückt bekommen, hört man Euch lange zu. Wenn es nach Eurem Sinne ginge, so hatte ich das Gescheitste getan, wenn ich die ganze Werkstätte da auf die Gasse hinauswerfen und mir ölte Westen und Schnupftücher drin aufhängen möcht'." „Und wenn?" meinte Hirsch Blaser mit merkwürdig schlauem Gesicht, „dein Unglück wär's vielleicht? Sei du nicht blind und mach die Augen weit auf und werde sehedig. Himmelhoch bitt ich dich, schlag du dein Glück nicht aus; das kommt nur einmal und nicht wieder." „Was für ein Glück?" riss Trenderl, verwurwert über den sonderbaren Eifer des „gescheiten Jüdels". Da stellte sich Hirsch Blaser kerzengrade hin, und sein Gesicht zeigte einen Ernst," der das Wichtigste verkünden sollte. „Trenderl," rief er feierlich, „taufend Gulden, und wenn du mehr brauchst, noch mehr will dir einer borgen und brauchst dich dafür nicht einmal zu bedanken. Man hat mich hergeschickt, dir dos zu sagen." „Mir lausend Gulden!" schrie Trenderl, und für was und von wem?" ,^ür was?" höhnte das gescheite Jude! nach, ,chai der .Hahn sagen können, der einen Edelstein auf dem Mist gefunden hat! Aber einer, dessen Vater in seinem ganzen . Leben keine fünf Groschen.im Sack hat gehabt, soll das fragen? Und von wem? Das geht dich nichts an. Einer hat sich den Spaß ausersonnen und will aus Trendel Schlosser etwas machen, woran Gott und die' Menschen ihre Freud'' haben — wenn er nämlich will?" „Wer wird nicht wÄlen?" rief der Schlosser unbedacht. „Es g!«bt schon Lmt' in der Welt," meinte Hirsch Maser tückisch, „die lieber alte Schlüssel Herstellen und auf's Dach hinaufsteigLN und einen Blitzableiter aufrichten." „Wie heißt?" fragte Trenderl verblüfft. „Soll ich vielleicht keine Schlüssel machen? Und ist mir nicht aufgetragm. worden, den Blitzableiter auf dem Dach der Schul' aufzu- . richten?" ,Hör' an, Schlosser," sagte Hirsch Blaser ernst, ,chk»tz wegen einem Spaß wird man dir nicht ein so groß Stück Geld anhängen. Da dafür mutz man sich zu etwas hergeben. Ein Narr wird einer sein! Geld aus seiner Tasche nehmen, damit es wie ein Stück Eisen .ba im Ofen zusammenschmilzt? Wo Geld ist, muß Geld dazukommen." „Ich versteh' Euch nicht, Rebb Hirsch," fügte der Schlosser ganz verwirrt. „Trenderl, verstell dich nicht!" rief das gescheite JAtel mit geheucheltem Zorn. „Du weißt sehr gut, was ich will." „Sterben soll ich!" beteuerte der Schlosser. „Wirklich nicht?" meinte Hirsch Blaser mitleidig. „Man muß dir wiAlich mir dem Löffel in den Hals? Gut! ich will dir's sagen." Der Schlosser legte das Eisen wieder ms Kohlenlfeuer und stemmre die beiden Arme in die Seite, um die Ausschlüsse des gescheiten Jüdels besser anhören zu können. trenderl," 'begann er, „sind taufend Gülden ein groß Stück Geld?" ,M hat's nicht jeder." „Schenkt man die dem ersten besten Hergelaufruen?" „Nein." „Wofür will man mir taufend GuDen borgen?" ,Müß ich's?" „Aber ich." „Also." „Man will, daß du zwei-, drei- und zchntausend Gulden daraus machst." „Das-versteh' ich nicht." ,Mott Lebendiger! Geht denn das noch nicht in deinen Kopf?" schrie Hirsch Blaser nun in der Tat erzürnt.. „Die Schlosserei mutzt du aufgeben!" ,Mer?" „Und'auf-.dem Dach darf der Ableiter nicht aufgerichtlü werden."^ „Alles wegen der taufend Gulden?" „Alles wegen dorn. Ich mein', ich Hab' mir die Lwrg' schier herausgeredt." Dem Schlosser stand der Schlag des -Herzens still, et starrte das „goscheitc Jüdel" mit gläsernen Blicken an. Als dieser die augenblickliche Wirkung seiner feinen Kriegslist so glänzend eingetreten sah, brach er plötzlich auf, einem 'klugen Feldherrn gleich, der über nicht allzu große Itrertkräfte gebietet u-nd zu dem Siege bloß durch die Bevblüfsiheit des Gegners gekommen ist. Mit der: Worten: ' ,Hch denk', du überlegst dir das über Nacht,", war er blitzschnell, aus der Werkstätte entschwunden. (Fortsetzung folgt.) Theater von heute »«g1de»ter: Die Räuber 7 Rffsdewletdesierr Die Welt in der «an sich langweilt 7,8 Zttrtroper: Der Barbier von Bagdad — Klei» Jdas Blumen 7 voldroper: Qeaersl7 ck'amour 7,8 DeutttHe* Uolkithcatef: Die neuen Herren l/s8 Cfttatcr l* der 3oscfstadt: Alles und nichts oder: Der Traum von.Schale und Kern 7,8 RsiUMRd Cdester - Der fröhliche Weinberg 7,8 Stadttheatef: Der Musikant Gottes 7,8 ReaatsfaacebfilMte, Der Autowildling 7,8 modern* Theater: Das Geipensterschtff 8 I)ei< ittieier. Südae: Liebesmagazin 7,8 custspieltheater: Der sprechende Affe 7,8 Theater aa der Olle«: Der Orlow 7,8 esrl'Theater: Tie verbotene Frau 7,8 Ar. SSrgMheaterr Ziwma! der Liebe 7,8 3sh.-strail»5-rheater: Paganini 7,6 Roaacher-Vperetteatheater: Die Terefina 7,8 Rolaaddsthae: Die- Würstelbraut 8 JUtellO-theater .Apollo s »Hur Apollo T 8—7.11 SQdisebes Kflastlerkabarctt (U..Praterstr. 60): Mojsche Teleberrdig 7.9 jüdische »Shae (Hotel Stephanie, ll.. Taborstraffe 12): Der Tiger 3 Llkcar Rasesdectz r Tagt. 8. So. u. Ftg. 3 u. 8 Uhr Kinoprogramme von heute: Rotenturm• Kino (1. Bez.. Fleischmarkt 1): Goldrausch 4, 7.6. V.S r- Centrat-Kino (2. Bez.. Taborftrage 8): Der Tänzer seiner Fra« 7.6. l/<*, "/«U, Simtl. Spszereiwaren sowie Weine und Sliwewltx HDD bv ym zu den billigsten Preisen 920 ü Spiro, II. Franz" '~ -We2S If auf a Inufe^AN flir auSland.Kousor. ImClMl™ Jll Vf Clull tium, auchGold, 6üBec und Platt». Zahle böch'ie Preise I Großes Laaer in Juwelen, Perlen. Umtausch kulantest. Viktor Bkümels Rachf.. Wie«, l BrUrt, Seileraasie >8. Telcvuon 76-8-Lü. 181. Orig, amerik. Hemdhosen Kinder 8 720 Herren S Ä.— IIakob Gelles, I.. Rotgafse 1 (Ankerhgf - . - - - ■ - ■ ■ s Erschienen: Nusgabr: 1. Dez., Wildpretmarkt 1 (Gaffenlokal), Telephon 62-5-95 Vom tiefsten Lekmenxe Mbeu§t, geben wir Nachricht vom Ableben unseres fürsorglichsten, bravsten und innigstgeliebten Gatten, Vaters, Grossvaters und Bruders, des Herrn JOSEF HELLER Kauffmenn und RaallilKanbailkiar welcher naeh langem, schwerem Leiden Mittwoch den 17. d. M. nachts im 64. Lebensjahre verschieden ist Das Leichenbegängnis findet heute Freitag den 19. d. M. um 7a3 Uhr nachmittags am Floridsdorfer israelitischen Friedhof statt Camille Heller geh. Wefniager als Gattin Gisela Flesdt geh. Heller, Artur Heller, Dr. Alois Heller# Sidonle Goldhammer geh Heller# Hans Heller als Kinder Valerie Heller geh. Grat als Schwiegertöchter Dr. Leo Goldhemmer als Schwiegersohn Adolf Heller# Leopold Heller# Rosa Schiller geb. Heller# Jonas Heller# Samuel Heller als Geschwister Georg Flesch# Alfred Immanuel Goldhammer als Lnke! £>eM*Sge*et und Eigentümer: Jüdische ZetttmgS. und s. m. b. H., Wien, S. Bez., Tobur st ratze 1-.8. — Berantwyrtlicher Redakteur: d Berlaas»A.-G., Jg. Äehrmsn», Wien, 9. Bez., UniverstMSstratze 8. Verantwortlicher Redakteur: 5>akob Krausz, Wien, 19. Bez., Prechergasie 9. — 7568^5