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Wiener Morgenzeitung · 1926-03-05 · Heft 2526 (5.3.1926) · p. Seite 9

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2526 (5.3.1926)
Date
1926-03-05
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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-k. NZY Dien, Freitag _Wiener MorKknzettuita 5. mr mn Das große Schlagerlastspiel Siebenmal abgeblitzt - BUJFER KEATON Vom 5. bis 8. Mim i Vom 9. bis 11. HMrss Borg-Kino I., Kreuz-Kino Kruger-Kino I., Roten* I Oartenbau-Kino I., Kruger-Kino I., Tuchlauben-Kino I., Buschturm-Kino I«, Wienzeile-Kino VI., | Kino II. (Praterstern). KammerHchtspieleamSchwarzenberpI.nl., Apollo-Kino XVII. Theater-Kino XVII. | Flotten-Kino VI., Heimat-Kino IX., Votivpark-Ktho IX. „Siebenmal avgeblitztr" Buster Keaton will heiraten. Wer das' Mädchen, das er «wd das allen Anschein nach auch ihn sehr gerne hat, kann er rrteht echalten, denn sein Geschäft steht knapp vor der Plekte. So wird der an und für sich schüchterne Liebhaber ganz verfchüchtert und nur seine Augen betteln «n das, was sein Mund nicht zu sagen wagt. Duster Keaton muß heiraten. Und zwar jofort, noch anl -seiden Tage, sonst verfällt die kolossale Erbschaft, die ihm ein Sonderling zuigchvcht hat. Und danrtt beginnt eine ununterbrochene .Kette der schwersten Nöte. Die Zebiebte Frau will nur um ihrer Person selbst willen geheiratet werden und nicht, um Mittel zum Zweck zu sein. Und — eS ist nun erstaunlich, wie schwer es für einen Millionär selbst in dem überaus praktischen Amerika ist, sofort eine passende Frau zu finden. Wo auch -immer er sein Glück versucht, alles ist vergebens, jede Frau glaubt es sich selbst schuldig js sein, ihn mit einem Korb p bedenken. im Brautschmuck die Kirche stiirmen, um den Besitzer der sisben Millionen Dollar zu ergattern. Jedes Alter, jeder Stand, jede Rasse ist hier vielfach vertreten nnb beginnt nun auf den unglücklichen Werber, der entsetzt vor diesen Massen heiratsbereiter Damen flüchtet, Jagd zu machen. Und nun 'beginnt bfc Tücke des Objektes -zu wüten. Was auf den Straßen fährt und läuft, was in lxr freien Natur draußen fest oder beweglich sein Dasein führt, das alles stellt sich dem Flüchtenden als schier unbezwingbares Hindernis in den Weg. Er bezwingt schließlich doch alles und gelangt zum Ziel seiner rasenden Flucht, zu dem Mädchen, daß er vom Anfang an gelidbt hat und das sich nun die Sache überlegt hat und bereit ist, ihn zu heiraten. Duster Keaton hat hier wieder eine Glanzleistung seiner iü allen Fächern großartigen Darstellmvgskunst gegelben und sein entzückender, trockener Humor wird hier sicherlich wieder Tausende und aber Tausende zum herzlichen Lachen bringen. Wer gerne lachen will, darf di'esen Film nicht versäumen. Bombax ist ein sehr gelehriger Schüler. Es dauert^ einige Zeit, bis er sich au das veränderte Milieu ut Kaltformen gewöhnt hatte. Jehl aber ist er prächtig in rwrnr nnd ich verspreche mir viel von diesem Tier. Der Umgang mir meinen Pferden nnd das vollkommen freie Prärieleben (Tom Mix besitzt eine Pfcrdesorrn mit vielen hundert edlen Rassepferden) haben ihnc den Grad von wildem Tierinstinkt wiederaegebcn, den ich von jedem meiner vierbeinigen Freicnde fordere. Ich würde es niemandem mehr raten, mich schief anzusehen, wenn Bombax in meiner Nähe ist. Sein spezieller Freund ist mein Lieblingspserd, der Hengst Tony. Bombax und Tony schlafen in derselben Box nn Stall. Bombax hat auch bereits sein Filmdcbnt hinter sich. In meinem neuesten Wild-West- Film „D er geheimnisvolle S h e r i f f", der demnächst auch in Europa erscheinen wird, wirkt er vom Anfang bis zum Ende mit und bat sich glänzend bewährt. Allerdings war es kein leichtes Stück, ihn an das Surren des Knrbelkastens zu gewöhnen. Ich habe viel Mühe und Arbeit gehabt, bis Bombax filmfertig war, denn wenn es nach ihm gegangen wäre, dann wären meine Gegner gewöhnlich scharr bei der ersten Begegnung im ersten Akt endgültig unschädlich gewesen. Tw wir nun aber doch einmal fünf bis sechs Akte liefern müssen, mußte man Bombax das Wesen des Scheinangriffes beibrmgen, lvas bei diesem wilden und kampflustigen Tier keine Spielerei war. __ CENTRAL-KINO- IL, Taborstrasse 8 Telephon 42-3-41 Von heute bis 8. März Liebe macht blind Satirische Komödie mit LU Dagower und Konrad Veidi und das übrige Schlagerprogramm Beginn: '/.6, ‘/<8, »/49 Uhr Da kommt endlich sein Freund cmf die Idee, mittete eines ZettungKiriserateS dem Unglücklichen die so nötige Braut zu verschaffen. Die Nachmittagsausgaöe erscheint und aus allen Wettrichtungen strömsn nun die Bräute zur Kirche. Dutzende, Hunderte, Tausende. Die gange Stadt wimmelt nur fo von Frauen, mehr oder Müder unschuldig geschieden, von Witwen, und Mädchen, die ' wmiMiiwWmi Tom Mix dressiert seine deutsche Dogge. Tom Mix, der berühmte Cowboystar der Fox Film Cor-!>oration in New-York, der bekanntlich im Vorjahr Europa einen Besrtch abstattete, bekam bei dieser Gelegenheit von den eutschen Theaterbesitzern eine herrliche Tigeroogge znm Geschenk. Bombax von Brennerhof — so hieß das preisgekrönte Tier — wurde von allen Fachleuten als die schönste deutsche Dogge bezeichnet, die damals in Deutschland vorhanden lvar. Bombax ist mit allen Ehren eines zukünftigen Filnrstars nach Kalifornien transportiert lvorden und Ton: Mix hat sofort feine Dressurarbeit an der jungen Dogge begonnen. Ein amerikanisches Fachblatt bringt nun die ersten Erlebnisse aus der Schule Tom Mix' mit dessen eigenen Worten: _ROTENTURM-KINO_ l. Fleischmarkt 1 Von heute bis 8. März Buster Keaton im Schlager!ustspiel „Siebenmal abgeblitzi" und das übrige Schiagerprogramm Beginn der Vorstellungen: 4, 8/46, VA 9 Uhr Begleitmusik einer erstklassigen Künstlerkapelle TOM MIX in dem neuesten FOX-Film Der geheimnisvolle Sheriff zu sehen Ab heule: Lichtspiele Mariahilf, VI. Votivpark-Kino, IX. Abbazia-Klno, XV. Kino Handl, XV. Weltspiegel-Kino, XVI. Ab Dienstag den 9. Mär* r Kreuz-Kino, I. Kino Wienzeile, VI. Bellaria-Kino, VII. Copyright 1926 by J. Ladyschnlkow Verlag, Berlin. Ein Glalldensmattyrium. 51 Roman von Schalom Asch. „O bit, mein weißes Schäfchen! O du, meine Tau.be! Du junges, unschuldiges Kälbchen, ilvarum quälst du mich so? Oh mach' lieber bald meinem Leben ein Ende!" „Nein, du sollst leben, Jerem; du bist jung nnd stark und du bist gut." „Aber ivM braucheich denn zu leben, wenn ich nicht tve.ß, ivann du die Meine werden willst? Tag für Tag verschiebst du es. Die Liebe aber nagt an meinem Herzen wie ein Wurm an einem Baum. Ich verdorre. Sag mir doch, mein Engel, wo werde ich mein Hans.bauen? An'lvelchem Fluß und in welchem Lande?" „O Jerem, du sollst nicht inehr lange warten, nicht mehr lange", sagte Twoira traurig. „Sag' mir, wann?" „3)n hast mir doch versprochen, mich nicht zu quälen. Du hast mich doch lieb?" „Gut, ich schweige schon; »venu du willst, sag' es, wenn nicht, quäle mich weiter, laß es an meinen! Herzen nagen, bis ich sterbe." Der Kosak vergrub sein Gesicht im Grafe. ,/Das Ende wird bald kommen. Wart' nur ein wenig, .Jerem. Bald bald", beruhigte sie ihn, mit ihrer weichen, kühlen .Hand seinen Kopf streichend, während ihre flackernden Augen einen unbestimmten Punkt iw Raume anstarrten. Der Kosak bchütete sie wie seinen AugaM und folgte chr auf Schritt und Tritt wie ein treuer Diener. Die Kosaken und die Bauern verspotteten -und neckten ihn, daß er sich mit der Jüdin abgab, und ein Gerücht sagte» tee Jüdin habe es ihm mit Za-ubermachr angetan. Eines Tages kam Jerem aus der Stadt zurück und brachte Dwoira etwas mit: ,Mlle Juden und Polen in Tultschm sind ermordet. Nicht ein einziger ist am Leben geblieben", sagte er. „Woher weißt du Vas, Jerem?" fragte Dwoira. „Die Bauern in der Stadt erzählten es. Sie haben groß? Beute aus Dnltschin mitgebracht, die sie de» Juden abgenommen haben. Da Hab' auch ich dir eüvas mitgebracht, meine födne Jüdin; ick habe es einem Bauern abgÄauft. Ich gab ihm einen Pelz dafür." Ml diesen Worten Hölle Jerem ein gMse. TOch mß Amur $t# M Mte sie chr. „Mau sagt, die Juden kaufen ihren Bräuten solche Schuhe I und die Jüdinnen tragen sie sehr gern. Deswegen Hub' ich sie | für dich gekauft, nieine schöne Jüdin." Twoira nahm die Schuhe in die Hund und betrachtete sie. Sie erkannte sie wieder. Es »varen die Schuhe, die Schlvime ihr aus Lublin mitgebracht hatte, als er von der d'orugen Jefchibah heimkehrte.' ,Mäher hast du sie?" fragte Dwoira. ,Jch habe sie einem Bauern abgetanst. Er fand sie bei einem toten Juden, den sie in Dultschin erschlugen. Er hielt sie an sein Her.; gepreßt." „War der Jude jung oder all?" fragte Dwoira wieder. „Ich weiß es nicht, meine schöne Jüdin. Das hat nur der Bauer nicht gesagt. Allein, ivarum bist du so blaß geworden, mein Täubchen?" „Nachher, nachher werde ich's dir sagen. Niauia*), ich will zur Niauia!" „Was ist dir? Warum bist du so blaß, mein Engel, mein kleines Täubchen, was ist?" fragte der Kosak verwundert. „Ich werde dir nachher alles erzählen. O Jerem, bald, sehr bald wird meine Hochzeit sein. Ich habe nur auf die Schuhe getvartet. Jetzt wird es bald ein Ende nehmen. Niauia!" „Niauia!" rief auch Jerem. Die alte Anime fütterte im Garten die Hühner. Doch bevor sie Hera «gelaufen kam, sank Twoira schon ohnmächtig auf die Wiese nieder. „Was ist ihr?" fragte der Kosak die Amme. Diese erblickte die Schuhe in Dwoiras Hand und schr'e laut auf. "Gott, erbarme dich!" Und sie schloß Dwoira in ihre Arme. Jerem aber stand verwundert dabei. 10. In den goldenen Schüßen. An diesem Abend wurden die weißen Honigblunien von der Sonne, bte tagsüber auf sie mederbrannte, ganz warm und erfüllten den Garten mit Honiggeruch. In der Luft leuchteten Glühwürmer auf und erloschen gleich herumirrenden Seelen. Weit draußen in der Steppe irrte» Lichter herum, flammten auf und verloschen. Jeder Kopf einer Mohnblume iflamnite auf. Und die Sterne erleuchteten die Luft mit einem auserlesenen Licht und sie schien voller -unsichtbarer Körper» die aus einer fremden Welt in unsere Atmosphäre hineingeschwebt waren. Dwoira stand im Garten an einem Feirer, das Jerem angeznndet hatte. Ans einer Bauernhütte ertönten die Klänge *) bnu. d. Ikbesf. einer Laute. Es lvar ein alter Wanderer, der spielte und dazu ein Lied sang vor den versammelten Bauern. Tüe Klänge der Laute vermengten sich von Zeit zu Zeit mit den Ansrusen trunkener Stimmen, mit Weinen und Lachen. In der Hütte war die Beute angehänfl, die die Kosaken den Juden iu Tultschin geraubt hatten. Sie verteilten unter sich die jüdische Habe und tranken vom jüdischen Wein. Der Alle aber spielte ihnen auf. Dwoira stand am Feuer, und die Schellen an 'chren Füßen erklangen bei jeder ihrer Bewegungen. Ihre Augen waren gen Himmel gewandt, zu den Sternen. Ihre Gestatt glich einem jungen Baum, und sie sprach mit sich, als sähe sie jemand: „Bald komme ich zu dir, mein Gatte, mein Auserwählter. Ich sehe dich im Licht, du streckst deine Hände aus zu mir. Ni nun mich zu dir, mein Gatte, mein Auserwählter! Ich sehne mich nach dir." Uc-ber sich sah sie ein blaues, helles Meer. Bestirnte Schifflein schdvammeii auf ihm. Alle schwammen sie zu eiuem Ufer hin, das so hell war, daß mau nicht in das Licht hineinblicken konnte. Dort ist das Einzige, das Ewi.ge, dort ist Gott, und alle schwimmen zu jeneni Hellen Ufer hin. In jedem Schifflein ist eine jüdische Familie. Sie kennt sie alle, die da in dem Schifslein sind. Da sieht sie ihn. Er wartet in seinem Schifftein ans sie — alle anderen sind schon fort — nur er allein ivartet noch. Da ruft sie ihni zu: ,-Schlvime, Schloime, warte auf mich. Ich komme, ich komme, ich komme." Sie streckte ihre jungen Arme zum Schifflein gen Himmel ans. „Wen sichst du da? Zn wem sprichst du? Was ist dir» schöne Jüdin?" „Rühr' mich nicht an, ich bin das Feu-er, du verbrennst dich an mir. Du sichst ja, ich brenne! Ich bin ei« Licht, du wirst dich au mir verbrennen!" Ihre Augen flackerten und das schimmernde Licht der Sterne beleuchtete ihr Gesicht. Das Jener Ivarf seinen Widerschein auf ihre hohe junge Gestalt, die in leichte favbige Schals gchüllt dastand, nnd es hatte den Anschein, als stünde sie in Flammen. Jereni blickte Dwoira an, erkannte sie aber nicht. Es schien ihm, als hätte er sie irgendwo einmal gesehen, als er noch ganz klein war. Aber er konnte sich nicht erinnern, wo. Mein bald kam ihm sein Gedächtnis wieder. ,Jch kenne dich!" rief er plötzlich, ,,'ch weiß, wer du bist. O, ich weiß, ich weiß es, ich sündige Seele. O — o!" Er kniete vor Dlvoira nieder und begann vor ihr wie vor einem Heiligenbild zu beten. ' LK-rtfetzmig folgt.)

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