Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1777 (26.1.1924)
- Date
- 1924-01-26
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 1777 Wmt, SamStatz MUMMMMIiMMAm Wiener Morgen,rttung. 26. Mmr 1924 Gel« U Budavefter Börse. Budapest, 26. Jänner. Die Börse eröffnete heute in ausgesprochen fester Haltung, die jedoch nicht vis zum Schlüsse in Geltung blieb, da die aus Wien gemeldete Geschäftsstille viele zu Realisationen bewog. Die heutige Prolongation brachte auch viel Ware auf den Markt, so daß tu der zweiten VörsenMfte ein langsames Abbröckeln begann, welches auch bis zum Schlüsse anhielt. Eine "Ausnahme von der allgemeinen Flauheit bildeten nur Arbitrage- und einige besonders favorisierte Werte. Da aber der Markt eine ziemliche Anlnahwsfäb'gkeit zeiate, waren die Kursrückgänge nicht besonders groß Wochengeld war zu 0,87 Prozent prompt zu haben. Die Prolongation ging glatt vonstatten. Der Schluß war freundlich und der Berkehr lebhaft. (Alles in Tausenden von Kronen.) S ch l n k k u r? e: Britisch-Ilua. Bank 98.fi, Ung. Kredit 680, Ceftert. Kredit 164.—, Salgo Kohlen 714. Nimamuranver 186, Südbabn 110. Staatsbabn 475, Analobank —, Gran- SzaSzvarer 470. Oberung. Berg» n. Hütten 1060, Trgfcke Zieoel 870, Nna. allg. Kohlen 8060. llrikanv Koblen 676 Kobura fifi. Spodinm 168, Clotilde ckeni. Fabrik 130, Ung. Eisenbahnverkehr 300. Verein. Holz 53. Adria 775. Sie Leviienlurse. Derll«, 25. ALnrer.-lTevisenkurtr.^) Amsterdam l.fifik.iao (1,556.100,, Pelpien 170.578 (171.071), Cbristiania 578.550 (579.5481. Kovenbaaen 677.803 (678.600». Stockholm 1.084.288 (1,087.275). Italienische 182.044 < 182.044), London 17,755.625 (17;655.760), Retv-Pork 4.188.500 /4.189.500), Pari« 189.066 (188.528), Schwei, 728.686 <723.686», Svanien 580 670 (530.670), Wien 59101 (59-851), 4>aa 181.605 (181944. Budavest 140.6^17 (140647), Sofia 29.925 (29.925), Belgrad 47.979 (47.979). *) In Millionen von Mark. Berlin, 25 Jänner, (Aoteiikurse.)*) — Roten: Dollar 4,186.500 <4.186.500,. Pttmd 17,705.625 (17.655.750). Italienische 187.081 <186.533 >. kölnische 380.000 <375.000), Ds^eckoslowakische 120.448 <120.947), Ceften. aestemvelte 58.104'58-603). *) In Millionen Mark, ausgenommen polnische Mark. Prag, 25. Jenner. (Devisenkurse. — Mitgeteilt vom Bankamte des Isckecko-llowokiscken Finanzministeriums.) — Berlin*) 8.10 '(8.05). Zürich 595.— (603.—), Paris 156.62 (155.26). London 148.05 <147.05). Aew-Aork 94.80 (34.80), Belarad 39.71 (36.75^. Bukarest 17.05 (16.95) Wien 4.74'/- (4.77'/,). Warschan-s) 3.80 (3.30). Aaram <-.-), Budapest 11.80 (12.-) Jugoslawische 89.50 (39.50). Cesterreichifche aestemvelte Krone 4.60 (4.60) Polnische-!-) 3.22',. (-.-), Ilnaarische 7.25 (7.75). *) pro B'llion, ch) pro Million. Budapest, 26. I inner. (Kurse der Tevifenzentrale.) — Amsterdam 11.205 bis 12.905. Bukarest 164.— bis 169.—, Koven» hagen 4900 bis 5400. Christiania 4200 bis 4700. London 127 750 bis 140.100, Berlin —bis —Italien 1310.- bis 1435 - Paris 1955.- bis 1*05.-, Prag 876.- bis 976.-, Stockholm 7635 b!S-6585, Zürich 5215 bis 5715, Wien 0.4250 bis 0.4750, Sofia 215.— bis 235.—, Belgrad 344.— bis 376.-. New-Aork 80.250 bis 33.250, Warschau —bis —Brüssel 1280.- biS 1855.-. Agram, 25. Jänner. (Devisen.) Wien 0.1226 bis —. Berlin —bis Budapest 0.29 bis , Bukarest 40.50 bis Italien 379 — bis —, London 368.- bi» New-Nork 87.- bis Paris 392 50 bis Prag 253.— bis . Sofia bis —, Schweiz 1510.— bis —. BMel —.— bis —arschau —bis —. Amsterdam —bis —. Stockholm —bis . Belgrad, 25. Jänner. (Devisenkurse.) London 371.— bis Parts 394.- bt? New-York 88.- bis - Gens 1568.— bis —, Saloniki —bis —Mailand 381.50 bi» —Prag 258.- bis —, Berlin —bis —, Wien 0.1235 bis Bukarest —bis - Sofia bis Budapest 0.33 bis Brüssel bis—.—, Amsterdam 8275.— bis —.—.Warschau —bis—.—. Warschau, 25. Jänner. (Devisen.) Berlin , London 41.350.000, New-Nork 9.850.000. Prag 284.500. Wien 140.10 New'Bord, 24. Jänner. (Devisen.) London 422.50 Paris 448.-. Berlin 0.2375 für 1 Billion, Mailand 434 — Zürich 1725.-, Kopenhagen 1620.-, Stockholm 2590- Cbristicmia 1383, Amsterdam 3708-, Prag 289.875, Wien 0.14, Budapest 0.36. Bukarest 49.75. Warschau 0.00011 Madrid 1268-, Helfingfors 250.50, Brüssel 406.-, Kanada 2V, unter pari. Brasilien 110.-, Argentinien 3252.-. Belgrad 114.50. Ae PalWm.Mse der Hakoah. Bon Dr. I. H. Kdrner. Am Samstag den 12. Jänner waren selbstverständlich alle jüdischen Geschäfte geschlossen. Wir besuchten mehrere Tempel und begaben uns später in die berühmte Omar-Moschee. Wir setzten unseren Rundgang fort und kamen durch die Bia dolorosa beim Grabe Davids vorbei. Wir nahmen unseren Weg der Stadtmauer entlang und besichtigten die verschiedenen Tnre. Am Nachmittag besuchten wir die Nationalbibilothek, Universität, Zitkias-Höble, IerelNias-Ge*kMgnis, Emek Iehoshakat, Miriam-Grab, Gath Shamana, Absalom-Grab, Grab des Propheten Socharia, Haschtloab, KönigSbassin, die Gebäude der ungarischen Agudisten nsw. Am. Abend waren wir bei dem vom Makkabi und von den Mädchenvereinen in der Limelschule uns zu Ehren veranstalteten Ball. Der Morgen araute bereits, als wir den Heimweg antraten. Nach kurzem Schlaf bestiegen wir am 13. d. um 7 Uhr morgens unseren Separatwain"' der uns nach Haifa brachte. Bis Lud war nnS die Strecke von der Fahrt Jaffa-Jerusalem bekannt. Auf der weiteren Strecke wurden wir bei jeder Haltestelle von den Kolonisten herzlich .begrüßt. Wir fuhren durch die fruchtbare Scharon-Ebene, deren brauner Humusboden Und zahllosen Quellen charakteristisch sind. Wir kamen bei den Kolonien Kfar Mlal (Aju Chaj) und Kfar Saba vorbei, wo Ackerbau, Mandel- und Oelbaumzuckit gepflegt werden. Ein überaus herzlicher Empfang wurde uns von den Kolonisten in Chedera bereitet. Hier übest die Eulalvptusbäume bereits ihre segenbringende Wirkung, da sie die Malariagefahr vollkommen beseitigt haben. Bestellte Felder, Weinstöcke, Mandel-, Orangenmrb Olivenbanm legen Zeugnis vom Fleiß der Kolonisten ab. AnS weiter Ferne sehen wir die schönen Hänschen der Kolonie Chefzibah, die fast am Meere liegt.- In-dieser Siedlung wird neben der Pflanzenzucht auch die Fischerei sehr eifrig betrieben. Auf der rechten 'Bahnseite befindet sich die Farn: Kerkur, deren Bewohner reine Ackerbauer sind. Wir passierten dann die Natwiralfonds-Kolonie Zarganija und kamen zur uralten Stadt Caesarea. Die Fahrt ging weiter, vorbei bei der Ackerbausarm. Marab, zur Station Sichren Jakob. Die Kolonie war leider nicht sichtbar, da sie an der uns entgegengesetzten Seite eines Berges ljegt. Wir konnten aber ihre schönen Tochtcrkolonicn Scheseja und Bath Schelomo bewundern. Nun erreichten wir das Darf Tantura, wo Baron Rothschild seinerzeit eine Glasfabrik errichten wollte Es wurden wohl ein großes Fabrtksgebünde und einige Wohnv,' erbaut. Leider mißlangen alle Versuche, brauchbares Glas zu erzeugen, so daß der ganze Häuserkvmpler nnbcnützt ist. Nur Hyänen suchen und finden hier oft Unterschlupf. Knapp — Tantura entzückten sechs von Chaluzim künstlich angelegte Seen unser Auge. Aus diesen Seen wird mit bestem Erfolg Salz gewonnen. Auch die Fischerei wird hier gepflegt. Der Zug führte uns dann qjt der Station Atlit, wo der Präsident des Maltas (Haika), Scheer, einstieg, vorbei. Cr übermittelte uns das in Druck gelegte Programm, das für unseren Aufenthalt in Haifa vorgesehen war. Freundschaftsspiele. Für morarn sinh einige Freundschaftsspiele an^esekt, doch ist es nicht wahrscheinlich, daß diese Treffen auch zur Austragung gelangen werden können. Der F. A. C. empfängt auf eigenem Platze die Admira zu Gaste. Erstcrer Verein hat während des Winters zahlreiche erstklassige Klubs geschlaaeu. Er verdient auch tatsächlich auf Grund seines Könnens die Bezeichnung „erstklassig". Die Admira. die wohl höber als die bisherigen Geaner der Zweitklassigen einzuschähen ist, muß sich dessen bewußt sein, daß sie morgen einen schweren .Kampf zn bestehen hohen wstd. Beide Vereine haben die gleichen Siegesanssichten. Schiedsrichter Präger. Die Rndol'shügler tragen auf eigenem Platz das Rewurspiel gegen Hertha ans. Im letzten Treffen behielten die Erstklassigen die Oberhand. Es würde'uns nicht wundern, wenn die Hausherren diesmal den Spieß umdrehen. Schiedsrichter Pehak. — Reserven Heger. Weitere Spiele, .die auf den Plätzen der erstgenannten Vereine ausgetragen werden: Iedlersdorf — Weihe Elf (Kolin), Union 21 — Donaufeld (Franz Weiß). A. C. - Altgründler (Kerschbammr), International — Donaustadt. In der gestrigen VorstandSsthung des Oe. F. B. wurden die Referate über die Wettspielreisen der letzten Wochen nach Paris, Nürnberg und Genna erstattet. Neues erfuhr man freilich nicht viel. Bemerkenswert ist lediglich die Tatsache, daß man in Paris für die Olympiade auch mit der Teilnahme von — zwei österreichischen Schiedsrichtern rechnet. Die neuerlichen EirilaurigSdttstlche in der Rapid-Krise. die gestern im Verbandsheim stattfanden, brachten keinerlei Positwe Ergebnisse und mußten trotz mehrstündiger Behandlungen wi-rder vertagt werden. Der neugegründele burgenlSndische Landesverband wurde in den Oe. F. B. ausgenommen. Die Cricketer suchten beim Oe. F. B. um SMbowittigung für Iszo Gansl an. Der Bundesvorstand beschloß, sich neuerdings an den rumänischen Verband um Freigabe Gansls zu wenden, diesem aber bei Nichweantwortmtg der Uracnz automatisch ab 16. Februar Spielbewillignug zu erteilen. (Gansl ist inztmfchen der Grazer Hakoah beigeweten. Die Red.) Der Hanptverband für KSrpttsport beglückwünschte den Qe. F. B. zu seinen letzten internationalen Erfolgen und richtete an ihn di-e Aufforderung, an den Olympischen Spielen teilzunchmen. Der Bund behält sich eine diesbezügliche Beschlußfassung für später vor. Die neu« Rapid-Mannschast. Die BeremAeftuirg der Hüttaldorfer ilsi nicht gewillt, sich dem Dcktait der Spieker zu s-ügen. Dieses FasthMen ans. dem eigenommencn Standpunkt kann nicht überraschen, wenn die Mitteilungen, die wir von ei-nonr Gsivährsmann erhalten haben, auf RichtMevt bevusien. Die Hütteldorftr fallen nämlich 'damit rechnen, im Frühjahr sck'sen>de Mannschaift herauszubriEN: Ostriczek (früher Hertha)' Teufel (früher SpvrAuh). Scklrl (früher Hertha): Mär. Biber (früher Ostmark). Nöachek; Kirbes Hvsbauer ° (fui'cher Ostmark). Kuthan, NrM, Seidl (früher Vienna). In der Vollversammlung der Fustballfektion von Aechawer am Donnerstag wurde folgende Sektionsleituna güwahlt: Sekt-io,iSleiter: Kurt Inhn; Beisitzer: Robitschek. Stein; Berbandsdeiegierte: Losch, Fred Beck; Ordnewbmann: Gottlieb; Schriftführw: Rvbitschek; MawriaMMvalter,: Flebschmaim. Der Leitung ist es gelungen, einen SipovtplaN für das Training und für drei Spieliermine zu Mwinnen. Um dem drohenden Aidstieg zit entrinnen, wurden sämtliche ehernal-dge und.aktrve Fußballer eingeladen, sich dm Verein mr Verfügung zu stellen. Die alte „Hechawer-Garde", wie: Heller (Hasinonea). Kurt Iuhn (Hakoah). Schwenk (West), Rottner (Eqevnowitz). Zimnrer. Fkusflna>nn, Dr. Drkler, Schmoren, Bien, Kollmmrn, Secher ufw. ist di-asom Rufe biroilS aefolgt. Außerdem sind noch zahlreiche Neuamneldunge:^ wie: Lichtenstern (HaSmonea), Schweizer (llnionbank), Adler (Sverige), Roseu-- bevger (W. A. C.), Fleischmcmn (Eechie), Heckler (Arkädra), Klug (Ericket) nsw. zu verzeichnen. Die MannschaftsaussMun- §n, Dpielcrversammlungen finden jeden Freitag im VereinZkm statt. Jeden ersten Freitag mr Monat Vollversammlung. ,i«? MitgliedAbeiträge 'betragen 16.000 K. pro Monat und berechtigen wr Betätigung in sämtlichen Sektionen. Die nächsten Termine sind 2. und 3. Februar Rnndspiel, 24. Februar RetourspiÄ gegen Stockerau (auf unserem Platz) mit zwei Mannschaften. Für die Jung-, Schülor-, akadentische, Smioremnannichaft werden noch Spieler ausgenommen. Äuskünste, SpickleranTnoldung nsw. täglich im Bereinsheim. Isidor Hvrinqer, ehemaliger Sektionsl'üter und Obmann-Stellvertreter von Hasmonea, hat die Obmamtstelle bei Hagibor bis zur Generalvevsammlung übernoumren. Seufert, der Flügellänfer der Vienna, hat sich bei W. A. C. angemeldet. Er dürfte auch freigegebeu werden, falls der W. A. C. seinem Flügelstürmer Enver keine Schwierigkeiten beim Uebertritt zur Vienna bereitet. Bulla, der mit der Sparta die Spanienreise mitgemacht hat, befindet sich derzeit in Wien. Viktoria Iizkov begibt sich am 1. Februar auf eine Tournee nach Spanien. Nachdruck tirrdotew b. Fonsetzung. Copvrirk! 191# hy 1Ve>Usch»Oep«rrnchilchkr Berlaq, Wien. Ae Heimatlosen. Roman von Wilma v. Vnkelich. Nach einem letzten Zusamntenhang mit Boden And Menschen. Aus dieser Einsamkeit nnd diesem Sich-'selber-nicht-'Verstehen quoll sein Leid. So glühend die Sehnsucht aus seiner Musik schrie, im letzten Sinne blieb dach alles leer und inhalislos. Er fühlie das. Und suchte sehnsüchtia^ weiter nach de.m Schlagwort, das ihm das Sesam seiner Wünsche ausriuschließen vermöchte. Die Welt auszuschließen, in der er wurzelte, so wie seine Mit" menschen c-önifach in ihrer Umwelt Wurzeltern verschwistert mit ihren Nächsten, verwoben mit ihren Ideen. Mit ihrem Beden vertvachsen und ihre Lieder singend. Nur er blieb ausgeschlossen mit leeren Augen tut-b leerem Herzen. Drum sang seine Geige auch nichts als Sehnsucht: eine namenlose, heimatlose Sehnsucht ohne Ziel, ohne Sinn . . . Frau Görgei hatte sich ihr Nest in einem rein aristokratischen Viertel ausgebaut, in einer jener stillen, alten Villengegenden Ofens, an denen die Zeit vorbeizugehen scheint. Das Innere bieder Villa, die in einem alten, schattigen Parke lag und von ihren höchsten Zinnen und Türmchen den Blick über die Donau bot. wurde nach Frau Mariannens Plänen in ein Mcdernes Märchenschloß umgewandelt. In jener Zeit sezessiouist,scher PstvzeMnme wurden die kindischen Ideen dieser Frau zu geistreichen Offenbarungen einer originetterl Individualität gestempelt, und für Geld und gute Worte fanden sich Leute, die Frau Mariannens hysterische Ginsütte in hysterische Wirklichkeiten umwechselten. Die Hall sah aus wie ein orientalisches BethauS. An den Wänden klebten steife, blntlofe Lilien, und besessene Fbisse stürzten wie trunken. in den feuerroten Sonnerrball, der wie ein Riesenküvbis über den Plafond kletterte. ,japanische Motive!" sagte Iran Görgei, wie um sich selber zu entschuldigen. Englisch aber nannte stc die Möbel, die jedem Zrveck dienten, nur dern nicht, für den sie bestimmt waren . . . Schwere Kominoden zitterten nervös' und ängstlich auf hohen spindeldürren Beinen. Ans dem politierten Holzwcrk krochen die Messingschlaugen der Be.-' schlüge aufgeregt hin und her. Die Ahr an der Wand aber krümmte sich wie ein Fragezeichen. Eine verrückte Tänzerin tanzte 'Cancan ans ihrem giftgrünen Ziffernblatt nnd schlug mit eurem Lilieustengel erbost aus die 'buckligen Buchstaben los. Tie Sessel aber waren wahre Marterwerk-- zeuge. Große. sckw-Lsslgelöe Libellen purzelten die steiftn» grauen Lehnen hinunter mrd fielen in kleine Tü-mpelchen, auf denen Wasserrosen hilflos nmherschwanvmen. Das waren die Sitze. Wer aber zu sitzen versuchte auf diesen Sitzen, der stürzte rettungslos hinab mrd verschtvand in einer Badewanne, die nichts übrig ließ als einen Kopf, der sich nicht zu helfen wußte, und ein paar Beine, die ängstlich in der Luft baumelten. An den Wänderr aber hirrgen die Abbilder betrunkener. Landschaften. ' Abende, die aus Ueberzeugung in einem nNmöglichen Enzianblau schwammen. Wüstenstimmungen, die nichts waren als ein "bleicher Horizont und ein einsam glotzend'es Augenpaar. Stillelen am Kamine, die den Eindruck von int Dschungel kreisenden -blutrünstigen Bestien machten . . . Kurz, alles, was verrückt, geschmacklos und modern war, ges-eben durch das Auge einer 'beschäftigungslosen. sensai-iouslüsterne-n Frau. Und dann. . . als Seele des Ganzen diese Frau selbst und in den mrzähligen Abbildern, die an den Wänden ihren ewigen Wandel unter dem Einfluss« der Zeit darstellten. Die Mondäne» in provokanter Toilette. Tief dekolletiert mit strozender Hüfte. Reizend . .,. aber etwas banal. Fmnrerhin verrät auch da schon die geschützte Lippe Geist und Lüsternheit. Dann d'eselbe als Mutter, im einfach fließenden Faltenlleid. Der! Ivunderschönen blonden Lockenko-pf ihres Knaben an der Schulter. Und der tvarme Blick hängt mit unendlicher Jnörrrrrst an diesenr Köpfchen. Die laugen, hinabgesenkien Wimpern verschleiern die Glut dieses Auges. Und nur die vertief ton Mundwinkel scheinen zu zittern und zn fragen: ist dies auch ernst . . .? Ist es die letzte Dert'i-eftrng . . .? Mutterliebe! Seht, wie wundervoll sie mich kleide.t! Und das Leben ist voller Möglichkeiten. Was läßt sich nicht alles aus se-uren Tiefen schöpfen . . .! Warte nur, mein Knabe, bis deine Mutter dich das Leben lehrt . . .! Und wie leise Jveuie scheint es um ihre Lippen zu huschen. Nur das Auge bleibt still, gesenkt und verschleiert. Wer errät das Spiel dieser krausen Gefühle mrd Gedanken? - Und das dritte Bild. Das Bildnis^der Salouie. Mit den großen Angen der irren Seherin. In der Pose einer letzten Ekstase. Die Hände, von sich gestreckt wie in halbem Mhn. . . Verführerin. . . Tenf-elin ... Es zeigt diese starke Frau bereits in ihrem seelischen Verfall. Dem geistigerr Abgvund' immer näher Icmmelnd, der sie schließlich verschlingen wird. Oder auch nicht? Delttl wieder ze-igt die geschürzte, Lippe dieses Lächeln deS Zweifels, der sich selber nicht ernst rammt in all seinen Irrungen und Wirrungen und der darum niemals die letzte Bertie-fung erreichen läßt. Aber auch nicht das letzte Sich-Verlieren an Seligkeit oder Verderbnis. Denn dieser Spott um die Lippen scheucht die suchende Seele fort von den Pforten des Paradieses. Gr hindert sie jedoch auch, der'letzten Verdammnis der Hölle zu verfallen. Denn er macht alles zum Spiel: das Gute und das Schlechte. Und läßt das eigene Ich Narrentänze tanzen, denen man selber als luftig kritisieven-des Publikum zuschaut. 'Fortsetzung folgt.)