Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2512 (19.2.1926)
- Date
- 1926-02-19
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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•h.JR»_ Mm. MIener _19. Wmt i&f? _ _ __ ilmruörik ff der „Wr.Margerrzettnng" zw und Mo Krscheint jeden Areitag ,rDas Feuervoß." Eine der größten menschlichen Knlturtatcn, die härteste Pionicraibeit der neuen Welt, findet in diesen: Kolossalwerk eine aebührende Becherrlichung. D>,e Entstehung des mächtigen Lchieiun strangeS, -er Nordnmeriktz durchzieht, der die beiden Ozeane, die aie Küsten des Kontinentes umipülen, verbindet, wird hier irr anschaulicher und plastischer Weise geschildert. Bon dem ersten Funken der gigantischen Idee bis zum Momente ihres Gelingens, ihrer vollendeten MnZsiihrung, berichtet dieser Film, der in atemlosem Tempo eins Unmenge'von spannenden Bildern aneinanderreiht. Wrl-e und bluvige Kampfe mit den Ureinwohnern Amerikas, & Bekämpfung rstände verbinden sich hier zu einem Heldenepos, das nicht minder fesselnd und großartig ist. als jene Heldengesänge der An- Ee.von denen in den Schulen gelehrt wird und die in der Literatur so häufig Verwertung fanden. — Allerdings ist es ein mederms Heldenepos, da§ sich hier abwickelt. Wollhemderr vertreten die strahlenden Rüstringen, uttb Spaten und Trommelrevolver sind die Gelassen der Heerhansen, die ausgezogen, um die Wildnis zu bekämpfen, eine Idee, die schier unausführbar in ihrer gewaltigen Größe schien, zu realisieren. Den Großteil des riesigen Werkes orfiillen Kämpfe mit Indianern. Bis nun sah man noch me in einem Mm derartige Szenen von solch «ngcheurer Wucht und Wirkling, wie sie hier dargestellt wurden. Diese rasenden Kavalkaden, die sich über die Ebene ergießen, diese .Kampfe voll Erbittcrnn-g und Verzweiflung, sind Meisterleistungen der Massenrcaie. Dabei ist alles in einem Tempo gehalten, das sich in der überstürzensrn Folgr immer neiier, stets' wechselnder Episoden, vollkommen des Beichauers benmchtigt und ihn widerstandslos mit sich fortreißt. Dabei brilliert hier die Regie in Moinvwlerei, belebt ununterbrochen die.Gcsamtsltuation durch raffinierte Detaillierung und schuf hier so ei'.: Kunstwerk, daS in seiner Art bis jetzt unübertroffen vasteht. Ganz ausgezeichnet ist auch die Darstellung, deren Hauptteil von George O'Brien getragen wird, und eine Menge von icharf ausgeprägten Typeil bringt, die alle ausgezeichnet gespielt werden. Die F o x - Produktion hat nuit diesem Film ein Werk ge- UHUKINO. Vormals Metropol-Kino VII., Kaiserstraße 46 Von heute bis 81. Februar Der Verführer Kriminalroman-Film mit BRUNO KÄSTNER und das übrige Schlagerprogramm Beginn: 4, ‘/*6, 7 und ty89 Uhr schaffen, das von bleibender Bedeutung für die Geschichte der Kinematographie ist und sicherlich auch, bei uns seitens des Publikums die freudige Anerkennung finden wird, die ihm 'bereits schon fast in der ganzen Welt zuteil ward. „Die verlorene Welt." Eine phantastische Idee Conan Doyles hat in diesem ausgezeichnet gelungenen utopistischen Film eine Art vor: Wirklichke>it angcnornmen, die, überaus fesselnd und geschickt, in eine ununterbrochene Folge von prachtvollen Bildern gebracht, das Publikum der Gegenwart zu entrücken «ich in ihren Bann zu schlagen vermag. — Ein deutscher Gelchrter erregt durch seinen Bortrag, in dem er behauptet, daß aus einem bis jetzt noch unerforschten Hochlande Südamerikas vorsintflutliche Wesen leben, auf der Londoner Univerfftöt Stürme der Entrüstung, stellt eine Expedition zusammen, die die Wahrheit.seiner Behauptung beweisen soll, Zieht Straßen, Eine überaus geschickte und routinierte Regie, der für nufere Verhältnisse geradezu phantastische Mittel in jeder Beziehung zur Verfügung standen, hat mit einer bis inS kleinste Detail präzise arbeitenden, fabelhaften Technik, eine Menge von Wirkungen geschaffen, die in ihrer Art einen unerreichten Triumph der DER UFA-GROSSFILM mit EMIL JANNINGS «nd LYA DE PUTTI Regie: E. A. DUPONT Ab beut« bis Montag den 22. Februars Burg-Kino, I., Opernring 19 Ellte-Klrio .(Kleine BUline), I., Wollzelle 34 Kärntner-Kino, I., JohanneBg. 3 Rotentuim-Kino.f.i Fleischmarkt 1 T uchlauben-Kino,!.,'Tuchlauben 7a Schottenring-Klno, I., Scliottefirlng ß Zentrat-Klno, II., TaborstraOe 8b Münstedts Kinopalast, II., Ausstellungstraöe 142 Eos-L chtsplele. Ul.. Ungarg. 60 Löwen-Kino, UI., Löwengasse 33 Flotten-Kino, VI., Maflahilferstraße 85—87 Heimat-Kino. IX., Porzeilang. 19 Ab Dienstag* 23« blsDonnerst., 25. Februar: Opern-Klho, 1., Ellsabcthslraße 3 Rotenturm - Kino, 1., Fleisch* markt l Kammerllchtspielu am Schwär* xeuborpplatz Zentral-Klno. I’., Taborstraöc 8b Münstedts Kinopalast. II., Ausstellungsstraße 142 Kino Mariahilf. VI., Oumpendorferstrnfle 67 Frauen! Männer! SIE MÜSSEN Gelehrte! Skeptiker! den grossen Superfilm der First National Pictüres DIE VERLORENE WELT SEHEN! Der Film bietet Ihnen das, was bis jetzt noch KEIN FILM geboten hat! Ab heute: Gartenbau-Kino, I. Haydn-Kino, VI. Imperial-Kino, I. Kolosseum-Kino, IX. Opern-Kino, I. Astoria-Kino, XVII. Busch-Kino, II. Kalvarienberg-Kino, XVII. Ab Dienstag: Busch-Kino, II. Lieh!spiele Wienzeile, VI. Eos-Lichtspiele, III. Phönix-Kino VII. Wledner Grand-Kino, IV. Heimat-Kino, IX. Haydn-Kino, VI. Kalvarienberg-Kino, XVII. Kinematographie lmden.'en .A:e'ige Maschinrn bevölkern .ns prähistorische ' Unßetüine eine undekanute Wel: und die Täuschung, daß es sich hier um Lbew.se» und nichl Erzeugnisse einer raffinierten Mechanik handelt, ist vollständig aelnnaen. Ausgezeichnet ist auch die Darstellung!» allen Teilen. - Wallace Berry, uns scust n-ur als der Taisteller blutdürstiger und sehen gemeiner Fmriganten bekannt, spielt Hier den deutschen Gelehrten, der alles opfert. um den Beweis sviurr so phaniastisd klingenden Behauptung zu erbringe». Dieser rabiate Sondenling den er hier auf Die Beine stellt, ist eine Prachtleistung seiner schar chorakterisirrei'den Gestaltungsgabe. Auch Sie übrigen Darsteller, von denen besonders Bessie Love und Stvne genannt werden geben durchwegs Allerbestes. Die Photographie bringt wuiivevschöne, klare und plastisch. Bilder, die mit Hilfe einer brillanten Beleuchtungstechnik zu dieser Vollkommenheit kanten. SarFmemiß \ > Ist das Werk intensiver Arbeit dreier Jahre! * Die Geschichte von den Bahnbrechern der Kultur . * Armeen von Menschen: 3000 Eisenbahnarbeiterl 1000 Chinesen! 800 Indianer von Pawne-, Sioux- und Cheyenne- Stimmen! Außerdem: 3800 Pferde 1300 Büffel 10.000 Texasstiere! r Inden Hauptrollen: MADGE BELLAMY tmd GEORGE O’BRIEN zu sehen, in folgenden Wiener Kinos: Ab IS. Februars Kreuz-Kino, I„ Wollzelle 17 Kruger-Kino, I., Krugerstrasse 5 Kammerlichtspiele am Schwarzenbergplatz Kino Wienzelle, VI., Linke Wienzeile 4 Maria-Theresien-Kfno,. VII., Märiahüferstrasse 70 Palast-Kino, VIII., Josefstädterstrasse 43 Votivpark-Kino, IX.. Währingerstrasse 12 Abbazia-Kino, XV., Neubaugürtel 15 Kino Handl, XV., Mat.iahilferstrasse 160 Theater-Kino, XVII., Herriafser-Gürtel 33 Ab 23. bis 25. Februar r Kruger-Kino, I., Krugerstrasse 5 Löwen-Kino, III., Löwengasse 33 Maria-Theresien-Kino, VIl„ Mariahilferstrasse 70 Flieger-Kino, IX., Liechtensteinstrasse 37 Park-Kino, XIII., Hictzinger Hauptstrasse 22 BHI'Pox»nlme umspannen denErdbelirT Copyright 1926 by J. Ladyschntkow Vertag, Berlin An Glaubensmattyrinm. (39) Roman von Schalom Asch. „Das bedeutet gar nichts, daß du sie zuerst gesellen hast, weil du dich im Grase versteckt hattest", sagte ein zweiter Kosak. „Du Haft geglaubt, einen alten Esel zu sehen, und es stellte sich heraus, daß es ein junges Fohlen tvar. Du hast ein altes Weib gesehen, eine alte Kosakin, wir äber haben sie aus dem Steppengras aufgescheucht. Erst ich habe in ihr eine junge Jüdin ernannt. Ich habe ihr das Tuch vom Kopfe gezogen und ihr den Schmutz vom Gesichte gewaschen, mit dein die alt« Hexe sic unkenntlich gemacht hatte. Du hast ein altes, blindes Pferd, einen lahmen, alten Esel gesehell — ja, das hast du gesehen! Ich aber fand einen jungen Adler, eilt Täubchen — also, wem gehört sie? Mir oder dir?" stritt sich ein junger Kosak mit dem Alten. Das Feuer beleuchtete sein rundes, volles Gesicht unter der hohen Pelzmütze, und die zwei schwarzen, naiven Augen, die selbst im Zorn noch gutmütig blickten. „Und ich sage: Wir all« drei haben sie gefunden, daher soll sie auch uns dreien gehören. So ist es kameradschaftlich und kosakisch", ließ sich jetzt der dritte Kosak am Feuer vernahmen. Er war nicht aufgeregt, noch sprach er laut wie die beiden anderen, sondern er redete fest und sicher. Sein Schnurrbart hing über den Mund herab wie bei einem Krebs. Er war halb nackt und das Feuer beleuchtete seinen bräunlichen Körper. Er briet ein Stück Schweinefleisch aus einem Spieß über den Flammen. Von dem Speck liefen Tröpfelt flüssigen Fettes in das Feuer hinein, das dann jedesmal knisterte. Die Flammen warfen einen roten Schein auf das gebräunte Gesicht mit den länglichen, schwarzen, tiefliegenden Augen, das jetzt eine Aschfarbe annahnl. Das Gesicht war oval, die Backenknochen traten scharf hewor und über der Stirn standen einzelne steife, schwarze Haare. Eine lange Locke, die auf dem ab. rasierten Kopf allein über der Stirn übriggeblieben war, siel ans bfe Vach »te&e*, und daverlieh dem Gesicht «inen energischen, verschlossenen Ausdruck,, als könne es niemals von einem Lächeln erhellt sein. „Allen dreien? Ach nein, Herr Bruder, entweder einem oder keinem!" erwiderte der junge Bursche. ,$c, he, junger Schwäher, rede nicht gegen einen alten Kosaken! Das sind Zeiten jetzt!" seufzte der erste Alte, „Dann soll sie lieber getötet werden", versetzte der sitzende Kosak. . ■ ' * „Das wäre zu schade, ihr Herren- Brüder", entgegnete der erste Kosak. „Lieber bringen wir sie zu den Tataren, der Chan hat kein solches Meid irr seinem Harem. Er wird uns einen Beutel Gold für sie geben und das Gold wollen wir unter uns verteilen!" „Was willst du noch dem Chan bringen? Vielleicht dein eigenes Weib und deine Töchter? Ach, das sind Zeiten! Die Kosaken sind Knechte des Chans geworden. Chmelnik hat uns den Tataren mit Haut und Haaren verkauft. Ein Kosak darf sich keine hübsche Jüdin mehr leisten — alles muß er dem Chan bringen! Rein, Brüder, entweder'soll sie einem von uns gehören oder sie wird getötet!" sagte der halbnackte Kosak. Mit diesen Worten zog er hinter seinem. Gürtel ein genähtes Säckchen hervor und schüttelte' knöcherne Würfel daraus. „Pany Brüder, wir wollen wie Kosaken handeln, wir wollen die Sache auslosen, und wer gewinnt, der soll sie besitzen, der hat das Glück, und keine Eifersucht soll zwischen urrs Kosaken herrschen wegen einer schönen Jüdin!" . „Recht so! Du hast gesprochen wie ein Kamerad und wie ein Kosak. Wer Gluck hat im Würfelspiel, dem sei sie beschieden, und keina Eifersucht soll zwischen Kosaken herrschen wegen eitler Jüdin!" Allein der junge Kosak blieb versonnen stehen und blickte mit seinen Samtaugen auf den weißen. Mantel, unter dun das Opfer lag. „Brüderchen, gib doch nach! Sollen sich denn Kosaken wegen einer Jüdin schlagen? Wen Gott bestimmt, der mag sie besitzen. Und wenn du sie nicht kriegst, so kannst du so viele andere Jüdinnen haben, daß du den Stall deiner Mutter dautit füllen kannst. Kriwonos wird uns nach Tultschin führen, -dorthin sind Jjidinnen aus der ganzen Ukraine geflüchtet. Du kannst dir auswählen, so viel dein Herz begehrt." Der junge Kosak beugte sich plötzlich zu den Flammen hernieder, nahm die Würfel und warf sie. „Drei, acht, fünf!" zählten sie. „Sechs drei, zehn!" „Gut geworfen!" „Fünf, acht, zwölf!" rief jenla»rd lachend aus urw da? Gelächter hallte über das in Dunkelheit gehüllte Feld. Unter dem weißen Kosakemnantcl lag Twoira. Mt ihretc funkelnden Augen schaute sie dem Würfelspiel im Scheine des Feuers zu. Sie wußte wohl, daß das Spiel um sie ging. Aber nicht einen Augenblick lang verzweifelte sie. Eine innere Sicherheit, daß Gott ihr helfen lvürde, erfüllte ihr Herz. Sie glaubte arr das, was Sd)loinie ihr vor der Trennung gesagt hatte: daß Gott sie beide wieder zusamnlenführen würde, daß sie zusammen leben würden. Und in ihrer Not dachte sie jetzt an ihr Glück während her Zeit, da sie mit ihrem Manne zusammen lebte. Dies 'beruhigte sie und sie glaubte fest daran, daß die Zeit komnien würde, da Gott sie aus allen Nöten befreien und sie ihrem Dtannc zurückgeben würde. Dieser Glaube flößte ihr Lebenswillen ein ... Abermals riefen die Kosaken beim Würfelspiel: „Drei, sechs, fünf!" „Sieben, drei, acht!" „A-Ha-Ha! ..." „Bier, acht, zwölf!" lachte eine Stimme schwer in die Nacht hinein. Allein in diesent Augenblick erhob sich unverhofft dae schtvarze Etwas, das neben Dwoira kauerte und von dem alb glaubten, daß cs von dern Stoß, den es vorhin von den Ko> saken ^bekommen hatte, für ewig stuntm geworden fei. „Wüchlt um eure Seeleir, um eure Mütter, nicht «bei um mein Adlerchen, um weilt Junges, um mein Liebstes, mi Leiden AusgetrageneS!" schrie die alte Maruscha die Kosakei an. Tann beugte sie sich über das junge Weib nieder, um armw und tröstete es. GrtMvS I«W