Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2505 (12.2.1926)
- Date
- 1926-02-12
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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6eftg.lt) . Dien, KreNag Wiener Mornrnßeiinnn IS. Februar 1926 Nr. SSL' Mm und Mo. „Der Man«, dre Frau und der Dritte." Paul Czinner, der bekannte Wiener Schriftsteller, hat wieder einmal rin entzückendes Buch geschrieen, das. zwar nur BelanglcWeiten aus dem alltäglichen Lcken behandelnd, äußerst amüsant und von Spannung erfüllt ist. Diese kleine Episode aus einer an und für sich glücklichen Che, die das Intermezzo der LeDenschaften in einer sonst ebenso kultivierten wie wohl temperierten Atmosphäre bedeutet, wurde von Karl Grüne meisterhaft in das Bildhafte übersetzt. Er läßt in dem kostbar geschliffenen Wasserglase Sturm toben, erzeugt Wogen und manchmal glaubt man wiiklich vor einem wuchtigen Drama zu stehen, bis dann zum Ende zu dir Handlung jcch abftllend das Unwetter mit einem Schlage veritummen läßt und sich oie Sonnenstrahlen des ehelichen Glückes in dem Kristall brechen, dessen Inhalt sich noch oben als sturmgepeitschte See gebärdete. Kurzum: eine Komödie mit tragischem Einschlag, die mit überlegener Lchenskenntnis und Routine geschrieben ist und mit feinem Verständnis für alle sich hier. ergebenden Nuancen inszeniert wurde. Und vor allem rst ausgezeichnet gespielt. Werner Krauß und Lya de Putti geben Mann und Mau, die, kaum daß sie eben versicherten, das Gefühl der Eifersucht nicht zu kennen und nie und nimmer ihm zu verfallen, durch eine Kette schr glaublicher Zufälligkeiten schon von dieser Leidenschaft befallen, in einen nicht endemvollerwen Wirbel daraus gezeugter Geschehnisse und Zwischenfälle verstrickt werden. Georg Alexander spickt schr liebenswürdig den gezwungenermaßen «in Mioniscken tausfreund, der sich nicht allzu leicht über der Situation hält. ie Putti spielt mit allem ihr zu Gebot? stehenden Raffinement die mondaine Frau, die vielleicht dem mißgünstigen Beurteiler nur als ein Luxustierchen erscheinen mag und doch lenen, die das Leben lieben, das Weib von Bedeutung ist. Und dann wieder hat sic Momente, wo sie sich'als die Schauspielerin offenbart, oie durch die Kraft ihres Spiels und die Echtheit ihres Empfindens überzeugt und ftssckt. Werner Krauß gestaltet den Ehenrann zu einem lener satten Spießer, oie trotz, ober genwe wegen chr».r Bedrutungslosrgkit im Leben sympahisch sind. Ter ungewohnt" Auftuhr seiner Gefühl« äußert sich dann in seinem Spicke' meisterhaft in jener uiiWvollten Komik des Menschen, d.'r unsicher auf einer ihm fremden Bahn daherschreiten muß und neben Lachen auch wirkliches Mitleid zu erregen vermag. Ausgezeichnet in diesem Filme ist auch die plastische Photographie, schr reich und geschmackvoll ist die Ausstattung, zu der auch einige kolossale Bauten gchören. Ein neuer Wiener Film. Der Regisseur Ernst Tg.eg el beginnt nn Lauft der nächsten Woche mit den Aufnahmen zu dem Krko-Film „Die Reisebraut". Die Hauptrollen sind mit Ao Lanthe und Charles Stessens besetzt, di' Außenausnahmen zu dieser mehrak.igen Komödie werden in Meran, der Umgebung Trients und am Gardasee gedrcht werden. ~I CENTPflL.KINO ~~ II. Taborstrasse 8 Telephon 48-3-41 Von heute bis 15. Februar 1926 Der Mann, die fni ud (er Dritte mH (Eifersucht) Lin de Putti, Werner Rrous, Georg Alexander und das übrige Schlagerprogramm Beginn •/„6, ‘/48. »,49 Uhr „Cynrrro de Bergerae." Pressevorführung. Vielleicht hat das Werk Gvmond Rostands durch feint Darstellung im nur Bildhaften, durch die verbreiternden Möglichkeiten des Filmes 'noch an Wucht guvonnen, gibt m der Mächtigkeit des rein' visiblen Ausdruckes mehr, als die in der Uebersetzung geschwächte Wirkung der wundervollen Sprache des Dichter, jedenfalls ober steht es kein.sweas ails Film hinter den Bühltellausführulugeil zurück, die wir in Wien gesehen Hubert. Sich so genau wie nur möglich an den Dichter haltend, hat der Regisseur'Augusto Gen ina das Drama inszeniert. Mit vick Verständnis wußte er diese ewig degenklirrende Zeit, die ebenso reich an Intrigen, wie an blutigen Duellen war, zu erfassen und in Biloer zu bannen, die in ihrer Stilechheit lebhaft oft an die Gemälde zeitgenössischer Meister gemahnen. In den großer Kampsszenen dkt brilliert er tut rasenden Tempo der einzelnen Geschehnisse, die auf den Beschauer einen überwaltiigenden ’ Eindruck ausuben. Doch weiß er auch andertveitig wieder mit zart« Nuancierung die LichcSszenen in eine wundervoll weiche Stimmung zu tauchen,'die crgreiserd ist-und unvergeßlich bleibt. Glanzend ist die Darstellung in allen Teilen. Der Cyrano Pierre Magniers ist eine schauspielerische Leistung, die eine bewunderungswürdige Grstaltungsgabe und ein tiefgehendes Erfassen der Rolle zeigt. Linda Maglias Rossana ist eine duftige F auensigur, die in feinen Zügen dargestellt wurde und auch bet Christian Angelo F e c r a r i s ist sehr gut gespielt. In Photogrcpyie und Ausstattung entspricht der Film völlig der Güte der übrigen Belange. Daß der Film a»k der internationalen Filmausstellung in Paris mit der goDenen Medaille preisgekrönt wuwe, ist keinerlei Chauvinismus. Indern nur seinem wirklichen Werte zuzuschreiben. Das Werk wird, m der Mitte des nächsten Monates auch in den Wiener Äiitcfc zu sehen sein. Ab heute: Schottenring-Kino 1. Central-Kino U. Eos-Kino III. Schloü-Kino Xll. * Monopol i. . . . Viktor Michelmzl im vVesti-Konzem DER MANN WERNER KRAUSS DIE FRAU LYA DE PUTTI DER DRITTE GEORG ALEXANDER (EIFERSUCHT) DIE EWiüE TRAGI¬ KOMÖDIE ZWi CHEN MANN UND WEIB REGIE: KARL GRÜNE UND Ab Dienstag d«n 16. Februar: Imperial-Kino I. Opein-Kino L Kino Mariahilf VI. Phönix-Kino VII. Heimat-Kino IX Kolosseum-Kino IX. Weltspiegel-K. XVI. Copyright 1926 by j. Ladyschnikow Verlag, Berlin litt Glaubensmartyrium. 33 Roman von Schalom Asch. 6. Remirow. „W das geschah mit uns und dennoch haben wir Dich nicht vergessen und das Bündnis mit Dir nicht verleugnet." (Aus den Psalmen.) Erve, ungeheure Verwirrung entstand in der Stadt. Die Männer ergriffen, wasihnen in die Hand kam. Die Frauen Koben die Kinder auf die Arme und alle begannen davonzulauftn. Allein man wußte nicht, wohin. Manche riefen: „Nach dem Friedhof!" wohin der Rabbiner bereits geflohen war. Wenn der Tod beschieden war, so wollte man au den Gräbern Israels sterben. Andere schrien: ,Lum Fluß! Der Rabbiner ist zum Fluß.gelaufen!" Mein die Kosaken waren ihnen schon auf den Fersen. Angstrufe erschollen in den Straßen aus dem Munde der Mädchen und jungen Frauen, die von den . Kosaken auf die Pferde gehoben wurden. Hie und da erhob sich Geschrei und verstummte dann plötzlich. Nach einer Weile aber wurde alles still und nur noch PftrdegetraPM war zu hören. Die engen Gassen Nemirows wurden still und menschenleer, als wäre die-Stadt ausgestorben. - In de» Straßen Ligen zerrissene Blatter aus Büchern, befleckte KleLungsstücke, Mützen, Hauben, Beinkleider, ein zerbrochener Leuchter, Stücke von Talissim und Menschenkörper. Manchmal konnte man nicht einen Körper von einem leeren Kleidungsstück unterscheiden. So war alles von den Pferden turrchemander getreten! Aus den Häuschen aber, deren Türen und Läden geschlcssen waren,' drangen cms dem Munde von alt und jung und von Kindern Angstruft, die plötzlich wieder -verstummten, das Röcheln von Sterbenden und das langgezogene Geschrei junger, starker Stimmen ... Häufig trat ein Kosak aus einem Häuft, halbnackt, nur ein zerrissenes Hemd am Leibe, in der einen Hand einen silbernen oder kupftrnen Leuchter, unter dem anderen Arm ein junges, halbnacktes Mädchen mit zerzaustem Haar. Das Mädchen suchte sich von dem Kosaken zu befreien und schlug mit seinen Fäusten auf den nackten Rücken des Kosaken, allein dieser zog nur. den Mund' breit und lachte. Dann trat aus einem anderen Hause ein zweiter Kosak; auf seinen nackten, breiten Schultern tmg er ein halbtotes, verschmachtendes Mädchen. Beide Kosaken blieben stehen, legten ihre Opfer auf die Erde wie tote Kälblein und tauschten die Mädchen aus, indem sie einander silberne Leuchter, seidenes Zeug, Kleidungsstücke, Schuhe oder Pelze zuteilten. Als der Tausch erledigt war, gingen sie auseinander, jeder schleppte ftin Opfer mit. Aus einer anderen Straße kamen drei betrunkene Soldaten. Sie waren halb nackt, mit glattrasierten Köpft» und langen Haarschöpfen, die unter ihren Pelzmützen hervorkamen; ihre Gesichter und' Körper waren schweißbedeckt von der sengenden Sonne; auf ihrem Rücken schleppten sie nackte Kinder, von denen einige tot waren, andere noch lebten, und riefen, die jüdischen Schlächter nachahmend, in den Straßen aus: „Frisches Kalbfleisch, frisches Kalbfleisch, zwölf Groschen das Pfund, koscher geschachtet! Koscher..." Mein bald wurde alles still. Das Geschrei in den geschlossenen Häusern verstummte, nur von Zeit zu Zeit hörte man in einer entfernten Gasse jemand laufen und schreien, aber auch das brach plötzlich ab. In den Straßen von Nernirow lagen betrunkene, halbnackte Kosaken herum, in seidene Frauen* rücher und jüdische Pelze gchüllt. Manche hatten sich mit zerrissenen Talissim und Serdenzeug zugedeckt. Daneben lagen nackte jüdische Frauen, Mädchen, Kinder, einige tot, andere noch lebend, sowie zerbrochenes Hausurck Ritualgerät. Hier und da auch das zerrissene Pergament einer Thorarolle, Ledereinbände von Büchern, Fässer mit Branntwein, zinnerne Teller mit zertretenem Essen, Massen, Bruchstücke von türkischen .Sofas, mi'r Menschenblut und Branntwein besudelt. Es war nicht mehr zu unterscheiden, wer tot war und wer noch lebte. Es schien, als wären alle betrunken, die Toten mid die Lebenden ... Der heiße Sommertag schien eridlos zu sein. Der Schrecken dauerte ewig an. Endlich begannen die Schatten von der Steppe zu nahen und die Nacht webte sich von Haus zu Haus. Nach und nach hüllte sich alles in Dunkel. Ringsherum herrschte Finsternis und Stille, qm Himmel glitzerten de _ROTENTU RM-KINO__ 1. Fleischmarkt 1 _ Hente und tätlich Die rote Maus mit Paul Richter, Aud Egede Nissen und das übrige Schlagerprogramm Beginn der Vorstellungen: 4, VA;l/A 9 Uhr Begleitmusik einer erstklassigen Künstlerkapelle Sterne, aus den Sümpfen aber erscholl das Gequake der Frösche und das Summen der Insekten — genau so wie an Mm Abend. Nur aus den schwarzen, einsamen Häusern starrte tote Stille. Inmitten dieser Stille klimperte jemand auf einer Harfe, sang ein L'ed dazu und beweinte 'Las Los eines andern ... . * Aus dem städtischen Friedhof herrschte inmitten der nächtlichen Stille rege Bewegung. Hinter den Grabsteinen begann«! lebende Leichname auf allen Bieren zu kriechen. Einige waren :n Talissim gchüllt, andere in Weiße Kittel. Wieder andere, die ihre Totenkleider nicht hatten mitnehmen können, hatten sich nur. auf dem Friedhof versteckt, um unter Juden an jüdischen Gräbern zu sterben. Den ganzen Tag über warteten die Juden hier auf ihren Tod, allein der Tod kam nicht. Bon der Stadt hörten sie das Geschrei der Gemarterten und sie sagten alle gemeinsam die Todesbeichte her. Jeder suchte nach dem Grab« ftiner Verwandten und legte sich dort nieder, i>n Erwartung se'ns Todes. Mein -der Tag verging und aus der Stadt kam niemand. Endlich hörte das Geschrei in der Stadt auf. Da regte sich Hoffnung im Herzen der am Leben Gebliebenen. Sie wagten sich hinter den Grabsteinen hervor und ein lebeMr Leichnam begann mtt dem zweiten $u sprechen: „Gelobt sei Gott, es 'st Ende des Monats. Der Mond scheint nicht. Die Nacht ist dunkel." „Vielleicht ziehen sie jetzt ab?" vielleicht ist Hilft da?" ,Sch . . . sch . . . sch!" Biele hatten für sich schon bei Lebzeiten TotenNeider vorbereitet. Und als sie nach dem Friedhof flohen; hatten sie von ihrer ganzen.Habe nur die Totenkleider mitgenommen und diese aus zwei Gründen angezogen — wenn die i Kosaken kämen, sollten sie glauben, die Juden seien tot; sollte es den Juden aber beschieden sein, zu sterben — dann wollten sie wenigstens in Totenkleidern ins Grab kommen. Und so sah es jetzt m der Nach't zwischen den Grabsteinen aus, als wären Tote aus ihren Gräbern gekrochen und bewegten sich unter dep Lebenden. Häufig kroch so ein Toter zu einer Gruppe von Lebenden und bettelte: (Fortsetzung folgt.) U Theater von heute s Bttfgtbeaier Unverhofft */,8 HkadeuKtheattr Die zerbrochene Bettet */«8 Staatsoper: Lohen grin 7,7 3olksOper: Tiefland 7,8 Deutsches OolftstDeater* Beronüa */jb Chester i» fl« Ooscf statt: Mein Vater hat recht gehabt */,8 Raiamad'Cheattr: Der dreizehnte Stahl 7,8 Sladttbeater» Der Musikant Götter 7,8 Keaaissaacthübae* Der wahre Jakob 7,8 moderns Cheater: Sensation 8 lUae wiener Bttbtes Spiele des Graueas UNO der Liebe 7,8 E»«fs#lf Itbtater: Aschermittwoch 7,8 Cheater aa der OJica: Der Orloto 7,8 Barl-Cheater: Donna Gloria 7,8 Gür.Btraertbeiter» Journal der Liebe 7,8 Joh.'StraifS’CDeater: Paganini 7,8 Il6«acber*0f!tfe!teiitheater: Dar Spiel am die Liebe 7,8 HW-IIH-Cheat«r: ..Apollo? Km Apollo r« S-7.il RtJaadbBbae: Paula Pelikans Plette 8 3MtfCbtili«aitlcrkah«fett (li..Pratnstr. SH Dar lifiigo Wabl 7.S JiltKhe lVhae (Hotel Stephanie, tl Tabor- Kratze 12 )i Die Iahe» tot Spanien 8 Stocs* iaftahecfct Tirl.s, *•.&&** «»Mt* ^‘H^HtliniHlffilflHWimillillliHRIIIIIHIIIIIIIIIIIUIIitltWUillilllJttdllildUllllidllHiittfflinHNfflinMiHltlHIIIItll mmmmm DRUCKEREI- U. VERLAGS AKT.-GES. VORM. IONAZ ST1INMANN WIEN, IX., UNIVERSITÄTSSTRASSE NR. 6-8 FBRNSPRECKBR M»M2 Uebernahme von Druckaufträaen allerArr auch tu fremden Sprache» / Bücher / Broschüre» / Zirkulare / Prospekte Briefe / Fakturen «VoRoSroltttnao» Liefe,scheinb üch er Flarbkütter/-arten «LttNkvzrzzRngr» Darchfchreibebücher vocheaschrtfte« / Fachbiitter / Flach« nah Rotatteardrack Masieaauflagen / Eigene Bachbinderei and Stereotypie Kinoprogramme von heute: Rotehturm Kino (1. Bez.. Fleischmarkt 1): Die rote MauS , ' 4. 7.6. V«8 9 Centrat-Kino (2. Bez.. Taborstraße 8): Der M'-nn, die Frau und der Drstte 7.8, lltS, 7,9 „OLLA" „OLLA“ ist die Weltmarke, GUM..? Daaieniüle Leder, Duoetiue, Filz S 3.—, 10.—. Holzmann. Marlahiiser» strake m. si das Verlässlichste opc^ioiMi » «loMtwiOTrimv Rüche " möbeln. Protz» ViuSMabCn* (oie R»blitz und S>> > n. > Ben ®ifb.nil*tna- «tz *M Reinseiden-Strümpfe neue Abendfaroe « Jakob Gelles. L Rotgakio 1 <Ankerhof) t iW-WWWlW-WIWWViMMW-AWW>WhMWW>W>WM>ß>vEW>WlW>W>WRaDa».'WMD Herausgeher u. Eigentümer: Jüd Zeitungsn. Berlagsges. m. b. H., Wien, -s. Bez.. Taborstraße 1—3. Verantwortl. Rssdakteur: Jakob KrouSz, Wien. 19. Bez., Brechergaffe 9. — Druckerei» ^und Verlags-A.-G. Jg. Dteinmann, S- Bez., UuivewtÄSstrahe Nr. ch er utM.-xmmuHHr***' i~iriirf-m«.rifftir..iinTr» m r---- ■ .