Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2499 (6.2.1926)
- Date
- 1926-02-06
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Men, TaMag Wiener Mornenzeitun- Leiters Guttmann Wieder bei Hakoah Sie Klublettung nimmt seine SrtlSrungen entgesrn. Jüdische Sportler! Wir sind ltt der Lage, bent jüdischen SportpMikum cihie erfreuliche Mitteilung zu machen. Bela Guttmann hat zu Hakach hvimgefunden und ist seit gestern wieder Mitglied der Fußballmannschaft deS jüdischen Vereins. Guttmann wird bereits in der nächsten Woche wieder für Hakoah antreten/ Wir erfahren über die Einzelheiten der Rückkehr Guttmanns folgendes: In der am Dienstag abgehaltenen Generalversammlung der Hakoah wurde auch das Ausscheiden Guttmanns berührt. Es v.irde dabei mehrfach, darunter auch von leitender Stelle aus, eine Charakterisierung seines Wesens vorgenonnnen, die auf sefne Peran kein schlechtes Licht warf. Diese Äußerungen gelangten auch -ur Kenntnis Guttmanns, der daraus spontan mit der Hakoaih- Ceitmtg Fühlung suchte. Er erschien gestern im Klubheim, wo er >en maßgebenden Hakoah-Funkiionären entsprechende Erklärungen?ab, die verschiedene suner^itige Differenzen als Mißverständnis iiustlaren konnten. Zufällig tagte auch im Klubheim eine Spielerversammlung, imlcher die Leitung^ die Frage vorlegte, wie sic sich z-ir Person Gitttmanns weiter stelle. Die Spuler nahmen den Hakoah Kegen Amateure. Ein Freundschastspiel in der nächsten Woche. Die Cup-Auslosung ergab für Hakoah und A m a t e n r e sehr schwache unterklassige Gegner, weshalb die beiden erstklassigen Vereine ihren Cup-Gegnern Vorschlägen, die Spiele schon am Samstag auLzrrtragen, damit am Sonntag die Begegnung Haleah—Andateure möglich sei. Sollte eine Einigung nicht zustande kommen, boam werden Hakoah und Amatenre ihr Freundschasts- 'piel schon am Samstag austragen. Der Sportklub Hapoel, Haifa. (Von unsercrn Korrespondenten in Haifa.) Demnächst werden es zwei Jahre, seitdem der erste jüdische Arbeitersportklub Hapoel in Haifa gegründe: wurde. Er hat in der kurzen Zeit seines Bestandes einen großen Aufschwung genommen. Der Hapoel besitzt gegenwärtig sechs Sektionen, und zwar: eine Fußballsettion, Leichtathletik, Turnen, P'mg-Pvng, Schachrmd Radfahrsektiou. (Im Sonnner auch eine Schwinnnsektion.) Die Fußballstktivn hat momentan drei Mannschaften, eine Jugendmcmnschaft, sowie eine H o ch s ch ü l e r in a n n s ch a f t vom Haisaer T e ch n i k u m. Die erste Fußballmannschaft vrrfiigt über eine ansehnliche Spielstärke. Von zwölf Spielen in dieser Saison wurden nur zwei Spiele, und zwar jene gegen die britische Ge n d a r m c r i e aus N a z a r e t h verloren, alle anderen wurden gewonnen. Die bemerkenswertesten Resultate sind: Gegen die'britische Gendarmerie in Haifa 5:3, in Nablus 3:0. Gegen eine Auswahlmannschaft der britischen Gendarmerie aus Nazareth, Nablus, Haifa 5:2. Gegen die stärkste arabische Mannschaft im Distrikt Karmel 4:2. Gegen die arabische Mannschaft Hais a-T i m 2:0. Alle Mannschaften haben einen Trainer. Die Fußballsektion zählt 60 Mitglieder. Auf ihrem eigenen Sportplätze des Vereines werden auch jeden Samstag die Leichtathleten von einem Lehrer, ansgebildet. Diese Sektion zählt 25 Mitglieder. Dir Standpunkt ein, daß Guttmann eine wertvolle Kraft als Fußballer darstelle und begrüßten es dann einstimmig, daß die Leitung durch d:c Erklärungen Guttnranns in der Lage sei, ihm die Rückkehr iln den Verein zu ermöglichen. Dies ist in den gestrigen Abendstunden geschehen. * Tie Rückkehr GuttmamiZ in die Hakoah-Mannfchaft ist schr zu begrüßen. Sie bedeutet eine große Verstärkung der jüdischen Elf. Tenn Guttmann wird sicherlich bestrebt sein, den unermüdlichen Kampfgeist, den cr jahrelang bei der Hakoah bew'tes, wieder an den Tag zu legen. Rechnet man sein unbestrittenes Können dazu, dann hat man den ganz großen Zenterhalf von kontinentalem Rang, den Guttmann darstellt. Wir überschätzen nicht dir Bedeutung eines einzelnen Spielers für Len jüdischen Sport, aber es ist zu begrüßen, daß letzten Endes doch noch feifct auf der Höhe seines Köunens befindlicher Hakohancr den jüdischen Verein endgültig verlassen hat. Die Rückkehr Guttmanns stellt ihm persönlich ein gutes Zeugnis aus. Und besonders cinzuerkeunen ist die verständnisvolle Einsicht der.Klubleitung, die. semevzeit ein Machtwort sprechen mußte und heute gerne versteht und verzecht. Turnsektion turnt in einem gemieteten Turnsaal und weist 80 Mitglieder (Arbcirer und Aro.'itcrinnen), außerdem eine Turnabteiluug von 30 Lehrjungen aus. Die S ch a ch s e k t i o n gehört zu den besten int Lande. In der letzten Zeit hat sie den Arbeitcrschachklub Liesch er aus Jadschur und den deutschen Schachklub Haifa überlegen geschlagen. Jetzt wird ein Vereins« turnier ansgetragen. Die Ping-Pong- und Radfahrsektion sind erst neu gegründet und versprechen schöne Erfolge. Ter hapoel §>aifä gehört der Arbeüerspvrtorganisation Hapoel in Erch Israel an, 'welche einen Teil dev Histadruch haklalith schel haowdim haiwrinr bildet. 75.000 Zuschauer wohnten am Samsrag, dem Cupspiel Manchester City gegen Hudderssield Town 4:0 bei; sie bczahlren 4868 Pfund an Ein.nirtsgcld. Dem Tressen Sheffield United gegen Sunderland sahen 62.000, dem Birminghamer D.'vby W. B. Albivn gegen Aston Villa 52.000 Menschen zu. Hakoah - Sportplatz Krieau _StrassenbahnlimVn A, Ak, 11, 5 C bis zum Sportplatz_ Morgen Sonntag den 7. Februar 1926 3 Uhr nachmittag* Simmering « .Hakoah V*2 Uhr: die Reserven 32 Uhr: die jungmannschaiten Stehplatz: S 1.10 Sitzplätze von S 1.70 bis 8 4.20 Sonntag den 14. Februar 1926, 9 Uhr abends, Sn sämtlichen Sälen der Hofburg V. Blau-weisse Hakoah-Redoute Karten im Sekretariat _ Erscheinet Sonntag den 7. Februar, vor» m i t t a g S, in Massen zum Meeting der jüdischen Sportler im Klnbheim der Hakoah, 1. Bez., Wippkingerstratze 24 Beginn 10 Uhr. Redner: Oberbaurat S t r t ck e r, Dr. F r i e d m a n n Gemeinderat Dr. P l a j ch k e s. Der Jüdische Sportverband. Bar-Kochba spielt morgen: Reserve um 1 Uhr, Erste um halb 3 Uhr gegen Vorwärts 41 aus dem Lyon-Platz. Die Lpieler und Ordner haben längstens halb 1 Uhr aus dem Platze zu sem. Makkabi 17. Das 15. JubiläUlMsschautnrnen stndet ayl Mittwoch den 40. Mär; in Gschwandners Sälen, 17. Dez.., Hauptstraße 41, statt. Wir ersuchen alle Mitglieder, sich an den Hebungen zu beteiligen. Turnzeiten: Herren und Zöglinge: Montag und Mittwoch von 8 bis halb 10 Uhr, 'Rötzergasse 11; Damen und Zöglinge: Dienstag und Donnerstag von halb 8 bis 9 Uhr, Kindermanngass: 1; Kinder: Dienstag und Donnerstag von 6 bis halb 8 Uhr, Kindermanngasse 1; Kürturnen für Damen und Herren: Sonntag von 10 bis 12 Uhr vormittags, Rötzergasse 11. Jeden Sonntag um 5 Uhr nachmittags gesellige Zusammenkunft im Klnbheim, 17. Bez., Rötzergasse 11. Hauben abermals geschlagen. Der Deutsche Houben, dev im Vorfahre gegen die besten Läufer der Welt, allerdings fast immer aus heimatlichem Boden, eine' Reihe .der sensationellsten Siege gefeiert hatte, kann in Amerika vorläufig nicht reüssieren. Nach seiner am letzten Sonntag in Boston erlittenen Niederläge startete er Donnerstag in Ne w - H o r k bei einem internationalen HaIlenmee: ing. Int Laufen über 40 Aars siegte der Amerikaner Mnrch'ison in der Weltrekordzctt von 4,0 Sekunden vor Miller und Houben. Im Laufen über 00 Aard konnte Houben nur den vierten Platz besetzen. Erster wurde Murchison. Allerdings muß berücksichtigt werden daß Houbcns richtige Strecke die 100 Meter sind. Aus den Vereinen. A ch d u t h, jüdischer Sport- und Geselligkeitsverein. Montag den 8. d. Orchestersektton, Dienstag den 9. o. um 8 Uhr abends Ge-sangssektion, um halb 10 Uhr Ping-Pong-Sektion, Mittwoch den 10. d.'Orchestersektion und Ausschußiitzung. A r i. Heute um 8 Uhr abends int Klubheim, Cafe Kommerz, 2. Be;., Hollandstraße 8, Spielerversammlung und Ausstellung für Sonntag nachmittags gegen Slovan 3 auf dem Slovan- Platz. Sonntag vormittags gemeinsamer Gang zum Meeting des Sportverba-ndes. Treffpunkt um halb 10 Uhr im Klubheinr. — Täglich Ping-Pong-Training. Der Klubwettkamps gegen Voung. Jetvish Sporting Club findet diesen Mittwoch statt. Unsere Klub- Meisterschaft beginnt am 15. d. Nennungen täglich bei Herrn Freund. I. A. C. Die obligate Spielerversammlnng entfällt heute. Sonntag um 10 Uhr vormittags im Hakoah-Klublokal, 1. Bez., Wipplingerstraße 24, Jüdisches Meeting aller Sportler. Erscheinen Pflicht. Dienstag Vollversammlung mu wichtiger Tagesordnung. Zion. Heute Wettspiel einer Mannschaft um halb 2 Uhrnachmittags aus dem Taubstummen-Platz in folgender Aufstellung: Kallmarm: Schinckl>er,Askenasy; Neumann 2, Günsberg 1, Günsberg 2; Schweinburg. Pohorilles, Neumann 1, Zunz, Gottlieb. Die Mitglieder werden ersucht, beim morgigen Meeting des Jüdischen Sportverbandes zu erscheinen. — Ping-Pong. Heute und morgen ab 3 Uhr nachmittags Ping-Pona-Trainmg im Cafe Nesthauser, Franzensbrückenstraße 1 Die Meisterschaft beginnt morgen abends. Nennungen werden noch bis heute abends entaegengenommen. Morgen um 3 Uhr nachmittags Ausschuhsitzung Sämtliche Ausschußmitglieder haben bestimmt zu erscheinen. "'opyrlght 1926 by J. ladyschnikow Verlag, Berlin. An Glaubensmartyrium. J' Roman von Schalom Asch. Beide liebten sich eben, wie es bei zwei jungen Menschen in der ersten Zeit der Ehe natürlich ist. Da der junge Ehemann im Ueberschwang seiner Gefühle nicht mehr studieren konnte, legte er die Pelzmütze, die er beim Studium trug, auf den Talmud und ging im Zimmer ans und ab. Die junge Frau aber putzte und zierte sich vor ihm mit ihren fdEjöueu Sachen. Als sie fertig angczogen war, echob sie sich von der Truhe und ging ans ihren Mann zu, damit dieser sie vor den: tag zur Synagoge segne. Ta legte er beide Hände auf ihr schönes Haupt und sagte: „Deine Anmut rnöge dir immer erhalten bleiben lvie unserer Ahnfrau Rahel." Hierauf nahm die junge Frau ihr Gebetbuch mit den silbernen Tafeln, das der Schwiegervater ihr geschenkt hatte, und ging in ihrem besten festtäglichen Staate in die Synagoge. Die Gemeinde von Slotschow war schon in der Synagoge versammelt. In der Franenabteilung standen die Frauen in ihren festtäglichen Gewändern und blickten durck) das verhängte Gitter in die Männerabteilung hinunter. Zwischerl ihrer Mutter und der Schwiegermutter sicht Dwoirele. Um ihre Stirn trägt sie das neue Tüchlein mit dem großen Geschmeide, das der Schwiegervater ihr geschenkt hatte, als sie zum Festtag in sein Haus gekommen war; an den Füßen aber trägt sie die Goldstiefelchen, die Schloimele ihr ans Lublin rnitgebracht hat. Sie blickt herab und sieht durch das Gitter Schloimele, der in einen großen Talis gehüllt, auf der Emtzore steht, in der .Hand eine Thora hält und gefühlvoll das festtägliche Lied vorträgt. Und da sie SchloimeleL Stimrue hört, durchziehen süße Gedanken ihr Herz. Gedanken, die sich ins Herz schleichen, auf den Mangen der jungen Frau ein zartes Rot hervorbringen und ihren Augen einen feuchten, scharnhaften Schinnner verleihen. Sie verdeckt ihre Augen mit den Handflächen, als fürchtete sie, die Mutter könnte von ihrem Gesicht di« süßen Gcdarrken ablesen . . . Immer noch klingt ihr tramnhaft der Gesang ihres Mannes, als von draußen Geschrei hereindringt und den festtäglichen Gesang übertönt. Noch wagt keiner den Talis abzntegeu und aus der Synagoge hinauszutreten, »m zu sehen, was es gibt. Schloimele bemüht sich, seine Stimme zu verstärken und seinen Gesang noch süßer zu niachen, aber das Geräusch kommt immer näher und verjagt die festtägliche Stimmung. Hier und da tritt schon einer oder der andere aus dtt Synagoge Hinaus, Mbaj kW aus den Tisch der Empore und bald dringen Frauen, Kinder und Männer in die Synagoge, und Stimnrengewirr entstcht: ,/Sendboten sind gekommen." „Llns Korsnn sind zwei Boten gekommen." „Sie sind angeritten gekommen und haben die Festtagsvuhe.verletzt." „Es ist Lebensgefahr." Nienrand hört mehr ans Schloimeles Aielodien der festtägliche Gesang verstummt. Dtendcl klopft mit der Hand auf den Tisch der Empore allein die Leute lausen ein und ans. Plötzlich hört man Weinen. „Was ist geschehen?" „Scha, Scha", klopft Mendel aus die Empore. In diesem Augenblick wird die Tür der Synagoge ansgerissen und eine schrcckcnerregende Stimme ruft hinein: „Jnb»en, rettet euch!" 4. Die Flucht aus Slotschow. Auf der Empore, die zu Ehren des Feiertages mit grünem Trrch verhängt ist, zwischen den Thorarollen mit ihren Silber- Hüllen stehen zwei Juden in rverktäglichern Gewände, verstaubt vom Wege, den sie eben angeritten kamen. „CtMelnitzky, der Sünder, hat die beiden polnischen Generale Potocki und Klinowski besiegt" — erzählten die Juden — „und zieht mit seinem Heer durch die ganze Ukraine. Ter Chari der Tataren ist mit ihm verbündet. Die Genleinde von Korsnn hat er vollkommen verheert. Biele Juden sind unigekoimnen." Nur die beiden Boten koimten sich retten, die an diesen! Feiertag nach Slotschow ritten, lim ihren Glaubensbrüdern mitzttteilen, daß die Gefahr groß sei, d.rß sie trotz des Feiertages sich retten sollten, denn Chmelnitzki nähere sich.mit Kosaken und Tataren der Stadt. In der Synagoge entstand große Verwirrung. .Die Frauen ergriffen die kleinen Kinder, tvußten aber nicht, tvohin sie eilen sollten. Manche schrien, man solle die Pferde vor die Borgen spannen und trotz deö Festtages aus der Stadt sluhcn. Allein niemand ivagtc es;n tun. Die Leute konnten sich nicht vorstellen, daß ihrem Leben ein so unverhofftes Ende bevorstehen sollte. Niemand wagte, dem feiertäglichen Verbot zuwider, irgend etwas anzusassen. Unterdessen kamen iunner mehr Frauen, Männer tind Kinder in die Synagoge gelaufen, als wollten sie im Gotteshaus? Zuflucht suchen. Niemand lvar in seinem Hanse geölioben, alle wollten in der Synagoge beisammen sein. Ta bestieg, ganz blaß, der ParneS Mendel die Empore, klopfte auf den Tisch und sagte: Mir W«rdeu nicht m hier eine Gemeinde gegründet und eine Synagoge evbaut — wem sollen wir alles übetlaflen? Es kann doch nicht sein, daß die Welt vernichtet wird. Ein Tag, zwei, und Hllse wird kornmen. Fürst Wiszniewleckr wird mrt dem pol-- nischen Heer heranrücken. Auch andere Fürsten toerdeu kommen; unterdessen werden wir aber uns in der Synagoge ein- Mießen. Vielleicht ist aber Chmelmtzky mit seinem Heer nach Tschihirin abgezogen; dort hat er ja sein Heim. Was hat er denn gegen uns? Wir haben ihm nichts zuleide getan! Eine Stadt vernichten lassen, alles im Stich lassen?. Nein, wir gel-en von hier nicht fort." Mendels Worte beruhigten viele der Anwesenden. Den Inden, die in dem Orte schon gelebt hatten, als die Gemeinde gegründet wurde, war Slotschow so ans Herz gewachsen, daß sie sich an den Strahl der Hoffnung anklammerten, der in der Vermutung des Parnes lag, Chmelnitzki sei vielleicht nach Tschihirin abgezogen, wo er sei» Heim hatte. Das Unglück kam so plötzlich über die Leute, so unverhofft, daß sie die wirkliche Gefahr gar nicht recht erfasien konnten. Bald versammelten sich unr Mendel eine Menge Juden, Handwerker und Pferdehändler, die, oft unter dem Einsatz ihres Lebens, in der Setsch hernmsnhren und mit den Kosaken handelten. Es waren tapfere Juden, mit Gesichtern, die von der Steppensonne verbrannt waren, mit kräftigen, starken Bärten und hohen Augenbrauen, Ju>den mit breiten Schultern und großen, schweren Händen — Händen, die Städte gebaut hatten. Sie alle pflichteten dem Parnes bei: „Wer gehen will, soll gehen. Wr wollen mit unserem Parnes hier bleiben." „Wir wollen in unserer Aznagoge bleiben." ( „Die Synagoge, wem wollt ihr die Synagoge überlasten? Die Kosaken tverden sie doch niederbrennen!" In der. Synagoge lvurde es still. Da echob sich alber der Rabbiner, bestieg die Empore und klopfte darauf: ,finden dürfen nicht ihr Leben umsonst riskieren. Hüte deine Seele'» heißie es in der Thora. Wer feinem Leben vorsätzlich ein Ende macht, hat keinen Anteil am künftigen Leben. Die Sorge fürs Leben aber bricht das Sabbatgebot^ ja sogar das Gebot des VersöhnungStageS. Deswegen befehle ich als Stabbiner den: Parnes der Gemeinde, er soll als erster seinen Wagen anspannen und sogleich die Stadt verlassen. Denn es ist Lebensgefahr im Anzuge." Allein der Parnes rührte sich nicht vom Fleck rmd btteb auf der Empore sitzen: „Wer gehen will, soll gehen. Ich tvill hier in der SYnagW bleiben. Gott hat uns eine Synagoge gebaut, er IpWd sie Md beMtztt». Ach will jedeusalls die Stadt nicht WMche MM." (