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Wiener Morgenzeitung · 1926-02-01 · Heft 2494 (1.2.1926) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2494 (1.2.1926)
Date
1926-02-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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I Polen; LS groszyl Wien: Zum Abholen In der Expedition, 11., Taborstr. 1*3, oderin einer Verschleisstelle 'Trafik) nionatl. ö Schilling Strasseriverkauf in Wien durch die Kolporteure der Firma Ool dschmied, I.. Wollzeile 11 Mit Postversand litt Wien und Oesterreich monatlich b Schilling fschecho-Slownkei Mon. K 22. Ju go s 1 a wi en: Mon.Din.60. l’olen:Mon. 5 Zloty. Deutschland: Mon. Gm. 4, Frankreich, Belgien: Mon. Frcs. 18 i'itdiMhlangen bei I r e 1 *. crhfihangcn Vorbehalte« Wiener Wiener iPreis idTall Engl and: Mon. 4 Schilling, i Italien: Monatl. 18 Lire: j Rumänien: Mon. 170LeU i BulgarleniMon.IOOLcw«. ] Schweiz und das Übrige Ausland monatlich Frcs. ö Redaktion, Administration: Wien, II. Taborstr. 1 Telephone: 44-0-38,43-3-19 Ab 6 Uhr: 21-102, 25-2-82; IX., Universitätsstrasse 6-8 (O.uckerei lg. Steinmann) Oeaterrelchlsches Postsparkassen-Konto Nr. 150.893 ■n 9ir. 2484 Wie«. Montag, 1. Februar 1926 8. ZaHrgaug Sie schwarze Reichswehr. Sin Sensationsprozeß in Berlin. £cufe beginnt in Berlin ein Seu.'attonsprozeß, «der in die Fclueincrsc der Formationen der sogenannten „Schwarze v R c i ch s w e h r" Einblick gcben und auch die mysteriöse Nolle des vielgenannten Oberleutnants Schulz aufklären Helsen soll. Schulz wind als Mitschuldiger an der Ermorsnng des Leutnants Sand, des FelÄvcbels Leg euer und des Feldwebels W i l m s genannt. Er selbst ist im Prozeß zwar nicht angeklagt, sondern wird erst in kommenden Verhandlungen den Richtern Rede und Antivort stehen müssen. Aus der 'Anklageschrift ist folgendes zu entnehmen: Im Frühjahr 1923 wurde in Döberitz der Schütze Erich Panier ermordet. M.m hatte ihn verdächtigt, ein Spion der Kommullisten zu sein.' Er gehörte einer Komsxignie der „Schwarzen Reichswehr" an. Wie später festgestellt wurde, hatte Panier eines Tages vor seinen Kameraden Angst bekommen. Er ahnte, daß man etwas gegen ihn im Schilde sühre und flüchtete in Zivil noch Berlin zu seinen Eltern. Die Todesahnung, die er hatte, sollte sich bald bewahrheiten. Eines Tages erschienen bei dm Eltern Paniers der Feldwebel Schirmann, der sich auf einen Befehl des Kompagniekommandanten Wenn berief, und erklärte Panier für verhaftet. Der Schütze folgte dem Schirmann, 'hatte über offenbar 'das Gefühl, zur Schlachtbank geführt zu werden, denn er rief, während er durch die Straßen Berlins geführt 'wurde, einen Verkchrsschntzmann um Hilfe an. Der Schutzmann schritt ein und nun ereignete sich folgendes Merkwürdige. Beide wurden auf die Polizeiwache gebracht. Man rief die militärischen Behörden an, wie es die Vorschrift erforderte und 'der erhaltene Bescheid lautete, man hatte Schirmann und Panier zum Wehrkreiskommando 3 abzuliesern. Dort wurde wieder gründlich festgestellt^ daß Schirmann einen ordnungsmäßigen Reichswehrausweis habe. Es ging also alles in Ordnung. Kurze Zeit später holte Leutnant Benn Schirmann und Panier von dort ab und fuhr mit ihnen nach Döberitz. Auf diese Weise war das Opfer förmlich mit Hilfe der Behörden! ,.!^ I / für den kommenden Mord sichergestellt worden. ‘ i i BiaNl in London. London, 1. Februar. (I. T. A.) Die englische Zionist Federation und 'das Landeskomitee für den Keren Hajessod veranstalteten, wie schon kurz mitgeteilt, zu Ehren Eh. N. Bialilks einen Empfang. Mr. Philip Guedalla führte den Vorsitz. Begrüßungen sandten unter anderem Israel Z a n gw i l l und Reichsrabbiner Dr. Hertz. Biäl-ik antwortete auf die Toaste und führte aus: Zangwill hat viele Jahre!lang ein Land für die Juden gesucht und ist schließlich müde geworden. Wir haben ein Land und silchen nun das V o l k f ü r d a s Land, aber wir werden niemals nrüde werden. Jch.lväre gern in Palästina geblieben, wo allein ich mich glücklich fühle und wo ich wieder meiner Arbeit leben kann, 'wieder Lieder singen kann, allein ich muß hingehen, an die Türen pochen, um die Juden an ihre Pflicht zu mahnen. Man hat mich hier mit Wünschen überschüttet, ich aber habe nur den einen Wunsch, bald wieder in die Heimat zurückkehren zu könnet:. BSrgerrechtrraub vor dem Völkerbund. Genf, 1. Februar. (I. T. A.) Die Völkerbmtdkotnmiission für die Kodifizieruug des internationalen Rechtes hielt heute unter dom Vorsitz des schwedischen Professors Hamarst j öld eine öffentliche Sitzung ab, in der beschlossen wurde, über sieben Gebiete, die zu einer internationalen Kodifikation reff sind, Fragebogen an die Regieruitgen zu enffenden. Die erste Frage betrifft die Wdevsprüche irr den Gesetzen über die Staatsangehörigkeit, die dazu führen, daß Tauserrde und aber Tausende Personen der Staatsbürgerschaft in den verschiedenen Ländern verlustig gehen, ohneeineandere Staatsbürgerschaft erlangen zu könn e n. Eilte artdere Frage betrifft die V e r a n t w o r t l i chkeit der Staaten für Schädigungen, die ans deren Gebiet Ausländerrt an Person und Eigentum zugefügt werden. Um halb 5 Uhr rnorgens erklärte der Feldwebel Schirmann dem Schützen Panier am nächsten Tage, er würde ihn nach Berlin zurückbringen, um ihn dort freizulassen. Man ntachte sich also auf den Weg. Außer Schirmann wurde Panier noch von den Feldwebeln Stein, Aschenkampf und Schmidt ^begleitet. Als sie in der Nähe des Franzenbusches angelangt waren, machte:! sie Halt. Schirmann entfernte sich unter einem Vorwand. Im selben Augenblick zogen Aschenkampf und Stein ein verborgen gehaltenes Beil hervor und schlugen ihn mit dieser Waffe auf den Schädel, so daß er blutülerströmt zusammenstürztö und auf der Stelle starb. Die Mörder verscharrten die Leiche in einem nähen Birkenwäldchen. Ins Lager zurückgekehrt, meldeten die Feldwebel dem Leutnant Benn, daß sie seinen Befehl ausgesührt hätten. Benn hatte nach zwei Tagen Bedenken, ob die Leiche auch tief genug vergraben sei, und sendete darum die Feldwebel Schirmann, Aschenkamps und Stein neuerlich an den Tatort, die nun die Leiche in einem früheren Uebungsschützengraben etwa zweieinhalb Meter tief vergruben. Die Anklage richtet sich gegen die Fe-d'webel Schirmann, Stein uttd Aschenkampf wegen Morde s, gegen Feldwebel Schmidt wegen Beihilfe zum Mord, gegen die Offiziere Haüptmann G u t k n e ch t, Oberleutnant Freiherr v. Senden und Leutnant Benn wegen Anstiftung zum Morde, gegen den Oberfeldwebel S t e tz e l b e r g wegen unterlassener Anzeige, gegen M e d e r s, S e n t h l a g e und Z e i t I c t wegen Begünstigung: .. ... Schirmann, Aschenkampf, Stein und Schmidt sind in der Hauptsache geständig. Nach der Anklage ist der Befehl zur Ermordung vom Leutnant Benn ausgegangen. Haupimann Gutknecht und Oberleutnant Senden sollen mit dem Mord einverstanden gewesen sein. Bon der Anklagebehörde sind nur vier Zeugen geladen, von der Verteidigung acht. Wenn keine zeitraubenden Zwischenfälle eintreten, soll der Prozeß, in drei Tagen zu Ende geführt iverden. Die Foinlarbeit in Polen. Warschau, 1. Februar. (I. T. A.) Die gegenwärtig in Warschau weilenden Jointsührer Dr. Bernhard Kahn und Dr. David Schweiger mußten ihren Aufenthalt verlängern, da sie täglich von zahlreichen Abordnungen von Wohlfahrtsvereinigungen Polens bestürmt werden, sie zu empfangen. Auch das Warschauer R a b b i n a t 'bat, eine Abordnung Warschauer Rabbiner zu entpfangen, die über die nicht wiede rzugebende Not der Warschauer Judenheit. tmd über die Lage der A g u n o t h (Frauen int Kriege und anderswo verschollener Männer) Bericht erstatten wollen. Die Herren vom Joint wohnten auch einer Beratung der jüdischen Kreditgenossenschaften Polens, in der über die Beschaffung von Krediten für die werktätige Bevölkerung beraten wurde, bei. Ferner hatten sich Abordnungen der größerett jüdischen Gemeindett Polens eingefunden. Es stellte sich heraus, daß in Polen für 12.000 Bolltvciiscn ttnd 15.000 Halbwaisen zn sorgen ist, ferner für viele tausende verwahrloste und schwindsüchtige Kinder. JointhiLfe für Oesterreich. Wien, 1. Februar. (I. T. A.) Wie der J.-T.-A.-Bertretcr erfährt, har die Direktion der Berliner Joint-Jca- Fondation bestimmt, daß in den nächsten drei I ahren je 50.000 Dollar jährlich dem österreichischen Hilfslverk zugeführt lverden. Anßerdent soll die vor drei Jahren vom Joint gegründete jüdische Darlehenskasse mit weiterem Kapital gestützt werden. Der Sttelk in Warschau. Warschau, 31. Jänner. (Poln. Tel.-Ag.) Der ArbeitSminister Hai mit der Gewerkschaft der T lep h o n a n ge° stellten zwecks Liquidierung des Streiks Berhundlungen eingeleitet lmd eine Bermittluiigsformel sowie einen Schiedsspruch der Regierung vorgeschlagen. Beide Pari eien haben versprechen, diese Vorschläge, in Beratung zu ziehen. Aehnliche Berhandlmrgeu ha! der Arbeitsminister mit den Straßenbahnern gesührt. Helmut von verlach 88 Fahre alt. Morgen wird der Vorkämpfer für Demokratie itt Deutschland, Helnntt v. G e r l a ch, sechzig Jahre all. Der Jubilar, der einer der erfolgreichsten lind mutigsten Bekämpfer der antisemitischen Seuche ist, wurde arm 2. Februbar 1866 tn Mönchmotschelnitz in Schlesien geboren. Er wurde in die deutsche Politik durch den cuttisemitischen Hofprediger Stöcker eingcführt. Auch in dem antisemitischen Verein deutscher Studenten vertrat er Stöckersche Gedankengänge. In seinen Erinnevrmgsbüchern „Meine Erlebnisse in der preußischen Verwaltung" und „Lebensevinneruugen eines alten Junkers" schildert er, wie er insbesondere durch A h lwardts Auftreten die Unmoral der antisemitischen Belvegnng erkamtte und wie sein erstes Zusammentreffen mit Juden ihn zum ntutigen Vorkämpfer für die Gleichberechtigung der Juden machte. Eine Zeitlang war er liberaler Reichstagsabgeordneter, nach der Revolution war er kurze Zeit Unterstaatssekretär im Ministerium des Innern. In der Zeitung „Die Welt am Montags hat er sich ein breites Fovum für den Kampf gegen jedes Unrecht und für die Durchsittlichung der Welt geschaffen. Gerlach veröffentlicht in der „Jüdisch-liberalen Zeitung" einen Artikel über „Der Jude in der Politik", . in welchem er an Hand von Daten und Tatsachen nachweist, daß die Inden von Natur keineswegs ein politisch radikales Element sind. Man sieht sie zum Beispiel in England, Frankreich und in anderen Ländern in allen Parteien. Sehr oft haben Juden konservative Bewegungen tnitschasfen geholfen und haben führende Stellungen in der Politik wie im Staatswesen eingenommen. Nur im kaiserlichen Deutschland verstand es sich von selbst, daß die Juden zur Opposition gehörten. Ihnen war außer dem Offizierskorps auch jede wichtige Stellung in Verwaltung und Diplomatie verschlossen. -Sie .waren .praktisch nur Staatsbürger zweiter Klasse. Wenn sie die rechtliche Gleichstellung i.n eine Tatsache umwandeln wolltett, konnten sie sich natürlich nicht den herrschenden Gewalten anschließen,, die ja dem bestehenden Zustand verewigen wollten, sondern sie mußten sich zu den Parteien halten, für die das Wort von der Gleichberechtigung aller Staatsbürger keine leere Phrase war. ° Ueber die Zustände im neuen Denischlartd schreibt Gerlach: „Zweifellos haben, namentlich in der ersten Zeit nach der Revolution, eine größere Zahl von Juden führende politffche Stellungen eingenommen. Aber etlva, weil sie Juden waren? Nein, obwohl sie Juden waren. Es gibt keine einzige Partei/ in der eine' Judensreundlichöert derart existierte, daß die Zugehörigkeit zum Judentum als eine Art Etttpfthlnngsbvief gälte. Man kann vielleicht sagen, daß bei den Kommunisten; und Sozialdemokraten überhaupt nicht nach der Abstammung gefragt wird. Aber schon bei den Demokraten glaubt man manchmal gewisse Rücksichten nehmen zu müssen. Oder hält man es ettva für einen Zufall, daß ein Mann tvie Hugo Preuß zwar für geeignet zur Abfassung der Reichsvevfasiung, aber nicht für geeignet für eine Neichstagskandidatur gehalten wurde? Wenn mehr Juden, als den: Bevölkerungsprozentsatz entspricht, eine politffche Führerstellung einnehmen, so einfach um deswillen, weil die jahrhundertelange Verfolgung und künstliche Isolierung ihren politischen Blick geschärft und sie zur Aktivität exogen hat. Ihr besonderes politisches Interesse ist nicht das Produkt ihrer sogenannten Rasse, sondern die Folge ihrer Geschichte. Die hat sie im Durchschnitt politisch regsamer und politisch i-nteresiierter gemacht als den Durchschnitt ihrer Mitbürger. Smigratloarsragen auf der «rbeitrlonferenz. Genf, 1. Februar. (I. T. A.) Aff der Tagesordnung der im Mai und Juni d. I. in Genf stattfindenden Beratungen des Internationalen Arbeitsamtes mit Vertretern der interessierten Staaten stehen auch Fragen der Emigration. Bon verschiedenen Regierungen sind bereits die Antworten auf die vom Internationalen Arbeitsamt an sie gestellten Fragen eingetroffeu. Straberikömvfe in Damaskus. Damaskus, 30. Jänner. (Havas.) Die Bauer n haben aus der Vorstadt von Damaskus die Räuber verjagt, die auf der Flucht ihre Toten zmücklüßen. Durch das Bombardement von Johar iit der Umgebung von Damaskus wurden den Aufständischen ernste Perluste jUHefirgi.

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