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Wiener Morgenzeitung · 1926-01-31 · Heft 2493 (31.1.1926) · p. Seite 10

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2493 (31.1.1926)
Date
1926-01-31
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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'*• y- W, I «jjpiiiipiiijwW,v^i.r wuu#1 .J-W " Gkrrt W SU »Selbe Woche" bei Brnver Schiffmann wegen des großen Zuspruches verlängert! Den größten stolz der Hausfrau oer guten alten Zeit bildete der volle uro reichiortierte Wäscheschrank. Dieser traditionelle HauSfrauerischab enthielt, mslesondere bei töchrerreichen FamHien, ein schier unerschöpfliches Lager von lilienweißem Linnen. Bett-, Tisch- und Leiltrcische jeder Art waren dutzend-. ja schockwoise vertreten, für Kind und Äindrslinder war reichlich vorgesorgt. Dem allgemeinen wirtschaftliäen Niedergang ist nach und nach auch diese Tradition zum Opfer gefallen Der Wäscheschrein der meisten Hausfrauen — auch der besser situier en Kreise — weist manche Lücken auf und Nachschanungen werden immer drin» gender. Dir Cffoffiort der „Weißen Woche", we'che das renommierte Wa.rnhaus Bruder 2 ch i f f m a n n, 2 Be;.. Taborstraße 18. bis Samstag den 6. Februar d. I. veranstaltet, bietet nun allen Hausfrauen sowie Gastwirten, Hoteliers usw die Möglichkeit, chren Bedarf an Weißwaren aller Art in gediegener Qualität äußerst billig einzukaufen. Die „Weiße Woche" des Warenhauses Brüder Schifimann hat sich in den letzten Jahren so glänzend bewährt, daß die Firma diesmal ihre Leistungsfähigkeit besonders angespannt hat. um wirklich Außerorderttiches zu bieten, schon das äußere Bild des Warenhauses währender kommenden Woche wird durch das einzigartige. künstlerische Arrangement der zahlreichen Schaufenster urch die wirklich scher swerte Znnerdkoration die Großzüaiakeit dieses anerkanm führenden Leopoldstödter Kauchauses teigen Die lebensgroße Teepuppe mit dem aus 'irka 800 Taschentüchern blumenartig arrangierten Reisrock die großartig», effektvoll beleuchtete S-ener'e im Mittelfer ster. welche den 010^ städtischen Transport und das Einlogern vrn Waren mit dem Bild einer Hafenanlage bei Nacht im Hintergrund — vcran'chaulicht, werden sicherlich d'e Pal'anten anziehen und fesseln. Ncch mcbr aber die Warenprobe, welche, an der Qualität der Waren gemessen, einen B i l l i g k e i t s r e k o rd darstellen, der kaum mchr zu überbieten ist. Berkammtnnoskalender dss Zionistischen Landeskomitees für Oeslerreich, Wien. I. Heute Sonntag, ^/r8 Uhr abends. Zionistische Sektion Zw'tchenbrücken. M o t e 7 - S a a l. 20. Bez.. Dretzvue - straße bl. Re erentenr Direktor Wechsler, Dr Nahum Blauer, Leiter des VaiästinoamteS W>en. Dienstag den 2. Februar, 1h8 Uhr abends, Bezirks Vertretung Alierarund 9. Bez., Wävr naettttaße 43. Redner: Gemeinderat Dr. Leopold P l a s ch k e S. Bezirksrat Dr. Geora Weiner. Mittwoch den 3. Februär,' VS Uhr abends, Cafe L o vr a n a, 3 Bez. Lö uenaasze 33 :teöaer: Dr. Desider Friedmann Präsident deS Zionistitchen Landeskomitees, und Prof. Dr Wilbelm Stein. Dounerstag den 4. Februar, VS Uhr abends, Terraffe n - R e st a u r a n i, 5. 'L.ez, Margarelenpiatz Redner:. Donor Desider Friedmann und Frau Anirra Müller-Coden Dckmerstag den 4. Februar, 5 Uhr nachmittags, Cafe Lovrano, 3 Bez. Löwenaasie 33 Redner: Frau L-r. Sophie Löwevderz und Dr. "Isidor K l a b. e r Dounerstag den 4. Februar, VS Uhr abends, Lese- und Red eh alle, ». ü^., iürfenitioBe 9. Redner: mau Douor Else Ftnkelstein «nd Herr Dr Josef Löweuherz, Vizepräsident der Israelitischen Kultu oemeinde. Samstag den 6. Februar, 1/S Uhr abends, Hotel Müller. 1. Bez.. Graden 19. Redner: He r Dr es Löwenh erz, Vizepräsident der J'raellt'schen Kul'usgemeinde und Dok'vr Desider Friedmann, Präsident des Zionistischen Landeskomttees. Serelne, Vorträge »nd Versammlungen. Wiener B e t h - H a m i d r a s ch,. 2. Bez., Ferdinandstraße 23. Heute, 5 Uhr nachmittags, Dr.'S Gelbyaus, ,^Sifre" 3 Uhr abends, Dr. S. Rubin „Midrasch nach den Quellen erläutert und interpretiert." Montag 7 Uhr abends, Dr. Rubin: „Talmud". — Zionistische Bezirkssektion Leopol o st a d t. Morgen, halb 8 Uhr abends, im Sektionsheim, Zirkusgasse 33, Vortrag Dr. Gelber über „Jüdische Geschichte." — Zionistische Sektion 6-8. hebräische Schule. Heute, 3 Uhr nachmittags, große Chamischa- Assar-Feier für Kinder, 8. Bez., Bennoplatz 1a. Reichhaltiges Programm, Verteilung palästinensischer Früchte. — Wiener juristische Gesellschaft. Mittwoch, viertel 7»Uhr abends, im Hörsaal 33 der Wiener Universität Vollversammlung. ,,D a s österreichische Goldbilanzengesetz", eingeleitet von Rechtsanwalt Dr. Rene Perin. — Maimonides-Institut, Hetzgasse 40. Morgen, 3 bis 7 Uhr abends, Rabbiner Dr. Ä. Kaminka: „Das Buch -Hiob." 7 bis 8 Uhr abends, Rabbiner Dr. A. Kamink a: ..More Nebuchim, über prophetische Inspiration und Sinais B e t h ,,-^ v. v waad l'i w r i m. Dienstag, 8 Uhr aoen.ds, im Saale, 2. Bez., Zirkusgasse 33, S i ch a h a l chinuch iwri. Referenten: Dr. Z. Koretz und M. D. Groß. Mittwoch, 8 Uhr aberws, im Saale oer Rede- und Lesehalle, 9. Bez., Türkenstraße 9, Vortrag des Herrn Prof. Dr. S. Kraus über das Thema: „l'cheschbonah schel s a s r u t e n u." Urania. Morgen, halb 8 Uhr abends, rm Großen Saal, Bortrag Dr. I. E. P a n h a n s über Afrika. Mit Filmvorführung „An den Toren der afrikanischen W e l t" (Goldküste und Sierra Leone). Leopold st ädter Volksheinr, 2. Bez., Zirkusgasse 48. 7 Uhr abends, Verdi-Feier (anläßlich der 25. Wiederkehr des Todestages). Einführende Worte: Dr. Paul Stefan, Musikalische Leitung: Professor Viktor Fuchs. Arien, Duette, Terzette und Quartette aus „Rigoletto< „Der Troubadour". «La Traviata", „Der Maskenball", „Aida", „Othello" und andern Opern Verdis. Karten bis 1 S. * Die Redoute des Deutschen Voltstheaters findet Samstag den 13. Februar statt. Der Ball der Schafsaer in Wien findet am 20. Februar rm Hotel Bayrischer Hof statt. Organisation zionistischer Frauen Oesterreichs. Die Fortsetzung des Semmars der Dr. Martha Hof mann über „Idee und Bewegung im Zionismus" findet Montag den ]’ Februar um 5 Uhr nachmittags im Klubheim der Hakoah, 1. Be;., Wipplingerstraße 24-26. statt. . Radiovropramm. H*lüe Sonntag den 31. Jänner. 11 Uhr: Orchesterkonzert des Wrener Lymptw»ieo,che>ter3. — 13 uorr Populäres Lraielterkonzert (Andre Hummer). — 18 Ubr 15 Mtn.r Kammermusikabend. — 20 Udr: „Das Mädel aus der Vorstadt" von Johann Rebrov Morgen Montag den 1. Februar. 11 Uhr: Bormittagsmusik. — 18 Uhr 15 i/.tu. Raäi>iutlags!on,en — 1/ UM lö Min.: Märchenwelt der Kleinen. - 18 Udr 25 Min: Oberbaurat Ing. F. Axomitr Tele>raphie und Slanalwesen. — 19 Udr v io Min: Siverantokurs. - is Udr 40 Min.: E Mch für Anfäaer. — 20 hr 15 Min: Orckesterkoniert des Wrener SymphonieouhesterS. Leitung Prof. Anton Ronr. th. Kunst, Bühne, Buch. „Ser Armendottor." Deutsches Vokkstheater. Sei: der wundervollen „Kinverlragödie" rnißriet Ldarl Schönhcrr lern Siück so sehr wie dieses — und es sind ihm in der Zzvlschenzcn leider Gottes einige mißraten. Wenn wenigstens diese dramatlsierie Reportage des Hungers der Kinder, de8 Jammers der unierernährren Weiber, der mordenden Grippe im ersten Wierrer Nachkriegsjahr rechtzeitig, also anno 1919, von ihm auf die Bühne gebracht worden wäre! Dann halte man es als Propagandastück gegen die Hungerblockade und zur Beförderung der Hilssaktionen auswärts auf,Ähren könrren. Zlber jetzt kommt oas Mitleid und di? Erregurrg des Dichters reichlich verspätet, als daß sie di^'es wahrhaftig verunglückte Drama entschuldigten. Der Armendoktor muß treppauf, treppab zu den Kranken eilen, während daheim sem Kind stirbt. Er ist ern seelensgilter Mensch. Gestaltet ist er nicht. Die Kondensmilch, die ihm zur Verteilung an die ärmsten Kinder anvertraut wurde, hält er seinem Töchterchen vor, trotzdem auch das fiebernde Mäderl nach Milch urrd Weißbror schreit. Dafür wird er von den rasenden - Weib.rn aus dem Volke beschuldigt, daß er für ihre Kinder bestimmte Milch daheim für die Familie verrvende. Sie werfen chm die Fenster ein. stürmen in seine Stube — da ist sein Töchterchen g.rade gestorben. Wie ein Fhnfkreuzerroman ohne Liobesafsäre rollen die drei Akte ab. Billigste Kontraste: Die Hausfrauen schrejrn vor einem Bäckerladen, man möge doch endlich anfsperrcn und ihnen Brot verkaufen — und zwei „G'schene", kugelrunde Agrarier, gehen vorüber, einer erzählt dem anderen, daß er ein Schwein geschlachtet und hübsch allein verzehrt habe Die älteren L.uie verfluchen den Krieg und seine Folgen — die Kinder marschieren mit Papiertschakos und Holzsäbeln und spielen Krr.g. (Aber hier stimm: dre Reportage nicht: Im Jahre 1919 spielten sie bei uns nicht mehr Krieg.) Daß einem Karl Schönherr auch nur die Erinnerung an die furchtbar? Zeit nicht davor bewahren konnte, sie zu diesen billigsten aller dramatischen Kontraste rmd Bühnenknisfe zu verwerten, ist bedauerlich Das Drama wurde am Deutschen Bolkstheater außerordentlich gespiel:. Das Ensemble, von Karl Heinz Martin geleitet, spielte prachtvoll „Bolksstück", auch wenn bas Bolksstück nicht vorhanden war. Herr Kutschers uns Frau Wagner, Herr Forest und Frau Gut 1 mann, die Frauen Hollering und Hetsey voll Verdienst, alle überragend aber Fräolein Rainer in der Rolle eines sterbenden Kindes. Karl Schönherr konnte wiederholt vor der Rampe erscheinen, um für Bcifall zu danken. Otto Abel es. »Fndtgo" an. der Mnff'hoUchvke. Eine verspätete Johann-Strauß-Feier! Nicht die Schüler, sondern die Professoren der. Hochschule und andere Philharmoniker saßen im Orchester und spielten umer Lei'ung des Kapellmeisters Rudolf Holzer so flon uns amüsant, d^ß die Sl-raußschen Polkas und Galopps die Mitte zu hal:en schienen zwischen dem Cancan von Osfenbach und dem Shimmy von heute. Die neue Bühnrnb.'arbeitung von Beda zirht den Humor mit Gewalt ^bei den Haaren herbei, doch sie zeitig» das Gu:e, daß sie im großen ganzen den allen „König Indigo" mir seinem N.'stroy-Witz und seiner Offenbach-Pawdistik wieder herstellt. An diesem Erstlings.'perette Strauß' ans dem Jahre 1870 ist ja schon so viel gesürchigt worden; neue Texte, neue musikalische Umgrüpprerungen haben ihn vergewaltigt, man machte aus dem .König Indigo" einen „Alibaba", dann wieder „Tausend und eine Nacht" Er wurde so oft operiert, daß schließlich das ärztliche Witzwor: wahr wurde: „Operation gelungen, Patienr gestorben!" Nun ist dex alte Herr miede', für einige Zeit lebendig dank der ausgezeichneren Regie des Hemi Dr. Heinz Schulbaur, für welch'n' trotz oder infolge seiner starken Begabuüg an keineeinzigen Wiener Bühne ein Regiss.urposten ftei ist. Er sorgte für die richt'ge Ossrnbach- und Nestroy Laune auf der von lcbendig'm Treiben e.füllten engen Bühne und im Zuschauerraum. E'ne kleine Sensa ion war Fräulein F e l l e r als Fantasca. Sie ist keine Königin der Operette wie die Geist'nger, die einst diese Rolle kre'erte, doch mir ihrer gan« wunderschönen Stimme könnte sie eine Kvn'gin der Oper werden. Daß sic einen gart] unmöglichen, selbstgefälligen männlichen Partner hatte, tfi nich: chre Sch ld; der N chwuchs an ergieb'gen Trnören ist eben allen ha b n spärlich. Recht launig . sang Herr Zeithammer den „Jnd go", einen orientalischen König vom Wiener Brillanlengrund, wie aus einer Osfenbach Parodie! . slb. „Soumal der L'rbe." Bürgertheater. Revue, das ist jetzt die bequemste Theaterform. Man kann vom Hundertsten ins Tausendste springen und braucht keinen zwingenden Grund dazu. Bier Stunden hindurch eine bunte einfallsreiche Szenenfolge mit hübschen Bildern, gut an- und ausgezogenen Schonen,' witzigen Texten, aktuellen und bewährten Scherzen, alles durch flüssige Musik und glänzende Darstellung unterstützt, ist zwar ettvas lang, bringt aber jedem etwas. Ueberhaupt, wenn das Drum uno Dran von Mi Routiniers wie Fritz Grünbaum und Karl Farkas — der begabteste des Nachwuchses — stammt. Unter den Darstellern ragt die vielseitige und scharmante Rita Georg hervor. Nicht minder begabt ist.Paula B r o f i g, auch Mim'i G y e n e s und Cilli T o e g e l gefielen. Farkas' ulkige Art, Hans Ritte r s warmer Tenor; die prächtigen Wiener Typen von Glawatsch und Josef Fleisch man ns groteske Figuren ernteten großen Beifall. Zum Schluß gab es auf oer Bühne eine.Massenversammlung von glücklich Strahlenden, in die der Komponist und Kapellmeister der Revue, Dr.' .Lgo». N e u m a n n, und ' ihre geschickte Regisseuse, Frau Direktor Lisch! a-R a u l verdientermaßen hineingezogen wurden. _Sf _«r. 9ffl» „Ralatle". Thraker in der Joscsftadt. Helene Thimig. So heißt*die Erfüllung der Abends. Vom leisen Vibrieren noch verborgeirer Herzenssaiten, über m plötzliches Capriccio, über ein sonniges und dann wieder dunkelstürmendes Allegro furioso, mit einer ganz wunderbaren, verhalten-ekstatischen Scherzoeinlage, bis zum herzbrechenden Funobrefinale, den unendlichen Reichtum der LiebeSsymphonie einer reifen Frau spielt Helene Thimig geradezu vollendet. Nein, nicht nur die Liebe der reifen Frau, sondern die Liebe schlechch«. Die beglückenoe und "bte tötende, die männlich-erobernde und dre woiblich^erwartende, die schicksalhafte, die unheimliche. Diesind nur Satztitel der Syrnphonie. Wie jede tiefe Musik, erschüttert -md ergreift jeder Ton, jedes Wort, jede Bewegung dieser großen Künstlerin. * Und irrer ausruhen will von Pathos oder Küsch, von ge« zwungenen Problemen und Psychosen, der gehe zu diesem geradlinigen, naturhaften Stück Turgenjews. Da spürst du den Hauch der weiten russischen Erde, den Atem lebendigen Gefühles — wie selten atmen auf dem Theater die Gefühle — den Schlag entfesielten Naturelements. Der Inhalt besagt wenig und alles: Ein junger, ungelenker, naiver, naturverbundener Hauslchrer stiftet im Herzen aller lebenden Frauen Unruhe, hier der bemannten und befreundeten (das Elenrent bricht auch zwei- Dänmre) Ajährigen Dame des Hauses, der jungen, im Stück zur Rivalin werdenden Pflegetochter Werotschka mck> schließlich des Stubenmädchens — wann wird die verschont? Die leidigen Gesellschaftsunterschiede lassen den parsivalartlgen Studenten Bjeljalöw an die geliebte Frau nicht herantreten (hier war der einzige Fchler des sonst wie immer vortrefflichen, humorvollen, beherrschten Hermann Thimig: von dieser Liebe, die im vierten Akt auf eilten Augenblick sehr heiß auflodert, merkt man vorher und nachher kaum etwas; der Dichter und die Rolle, wenn sie nicht einseitig sein soll, verlangen es aber dringend) und so entstehen die verschiedenen Konflikte und Tragödien; alles nur ein Hintergrund, um die Menschen, bester die Naturen, die ursprünglichen Gefühle deutlicher hirvortreten zu lasten. Wo der Dialog und die Handlung ein wenig in rustische Breite sich zu verlieren drohte, hat der Dramaturg kräftig gestrichen oder — wie der Schluß — leise und schr vorteilhaft geänd.ert und der Registeur (der Rüste Iwan Schmith) die Zügel des Zusammenspiels straffer gespannt. * Außer dem einzigartigen Geschwisterpaar Dhrmig, das aae* zusammen die herrlichsten Szenen des. Abends schuf — die schönsten im ersten und vierten Akt — blieb noch in angenchmer Erinnerung das warme, jugendliche Talent Frl. L e u t h o l f s und Herr D e l iu s, der als verzichtender, opservoyer Freund Rakityn besonders zum Schluß sich gefunden und auch offenbart hat. Herr Friedell hat das Derbe, Zynische, Bürgerlich-Gelangweilte des Arztes, Schpigelski, köstlich getroffen, viel weniger das Rustische gestaltet. Sein Genre scheinen doch mehr heimatliche Charakterköpfe zu sein und er sollte nicht allzu oft die Natioc wechseln. Den verzerrten Clown mimte kurz, aber sinprägsa»' Herr Moser. Dr. Leopold Thal«» „A'chem'tlwoch." Lustspielthcater. Ein Großkaufmann aus Berlin und ftizie Kusine, die Mädchenpensionatsleiterin in Dresden geben diesem Schwank den angeblich lustigen Konflikt. Der Gwßkaufmann ist ein Don Juan, ein Ausbund vorschriftsmäßiger Laster (Attribute von Lebemannslesebüchern), die Pensionatsleiterin eine jungfräuliche, ältere Anno-dazumal-Dame, jenes berüchtigte Requisit, das nun einmal allen talentlosen Schwänken und Komödien unentbehrlich ist. Zwischen diesen beiden Polen steht das flügge gewordene Töchterchen, das vom Vater die Lust zur Lust hat, von der Erzieherin die Verdrängungen; diese sind zu einem Protest geballt, der in schüchternen Kuppeleiversuchen seinen Ausdruck findet und vom ad hoc gefundenen Mann (es ist immer so!) abreagiert werden. Was aus der Rechten und Linken stcht, hilft mit hergebrachtesten Mitteln (ein Zeitmaßsuperlativ) den Knoten schürzen rmd lösen, der in der Ausgezogenheit einer Tänzerin begründet sein soll. Vorwurf und Entwicklung dieses Schwankes sind ältesten Datums; die- Neuerungliegt nur m der Entblößcheit der Tänzerin, die sie, da sie sonst nichts zu tun hat, dem PMikum angelegentlich empfiehlt. Gespielt wurde die langweilige Geschichte von H a n S Fisch e r flott und gut.' Josef Jarno war, soweit es ging, ein immer wieder rückfälliger Don Juan und ließ vom Großkaufmannischen nichts verspüren, i Auguste Kirchbach, eine konstant gefoppte, um ihre Rolle anerkennenswert bemühte sächsische Jungfer und Erzieherin. Das Publikum war gut gelaunt und beifallssreudig. p. h. Sie lettischen Rationalisten gegen die „Hadtmah ". , Eine Proirftversammlunt.. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung.") Riga, 90. Jätmer. Anläßlich des Gastspieles des hebrä'schrn Theaters „Habimah" beabsichtigten fcie lerijd&in nationalen Verbände einen arttisemitischen Exzeß Erst unter, dem Druck, der Regierung gab der lettische Rationalvcrband sein Borhoben aus und begnügte sich mit der Eircherufung einer Protestve.sammlung gegen das Gastspiel der „H-biinah" in der let.ischen na'ionalen Oper. Die Versammlung nahm einen ruhigen Verlauf und hatte gar keine Störung zur Folge. D ins jüdische Haus 1 as jüdische Mall»

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