Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2492 (30.1.1926)
- Date
- 1926-01-30
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Serie 19 Men, CamMg Mlenrr Mor^kn^elkutt« 36. Jänner 1926 Nr. 2498 Copyright 1936 by J. Udyscholtow Verlag, Btrtte. 6in Glaudeusmartyrium. (22) Roman von Schalo« Asch. Biele von diesen Juden waren gekommen, um Handel zu treiben oder aber, um in der Jeschibah zu lernen. Denn d e Jeschiboth von Polen war zu dieser Zeit ebenso berühmt wie ehemals die babylonischen, und die Juden der ganzen Welt schickten ihre Kinder nach den polnischen Jeschiboth. Ferner waren viele junge Männer aus verschiedener Herren Länder nach Lublin gekommen, um von dem großen Raw, der am Waad :var, das Anrecht auf ein Rabbineramt bestätigt zu erhalten. Verfasser von Büchern bemühten sich, von den Rabbinern die Druckerlaubnis zu erhalten, andere — die Erlaubnis, Schächter zu werden oder ein anderes religiöses Amt zu bek.eidcn. M diese Menschen bewegten sich in dem kleinen Gäßchen, in dem das Bethaus stand, in dem auch der Raw wohnte, die große Jeschibah sich befand und der Waad versammelt war. In diesen Gäßchmi fand auch der jüdische Jahrmarkt statt. Die Gaffen waren hier voller Dücherstände. Hier hatten auch die Schadchonim ihre Kämmerlein, in die jene Bürger, die einen gelehrten Schwiegersohn haben wellten, eintraten, um sich einen Jeschibahschüler cder Gelehrten, je nach der Mitgift, über die sic verfügten, auszusuchen. Dort hatten auch verschiedene berühmte Kabbalisten ihre Buden, in denen sie allerhand Talismane verkauften, die vor bösen Geistern und Teufeln schützten, und Zettel, die man an die Wände als Schutz gegen die Lilith hängen mußte. Fromme Frauen verkauften Spezia'gebetbücher für Frauen und Heilmittel für Kreißende, Zähne von Hirschen, Wurzeln für Säuglinge, Wachshände und Wachsfüße und Heilmittel gegen Zahnschmerzen und gegen den bösen Blick. Schreiber saßen in den Kämmerlein und schieben Kaufkontrakte für Kausleute, Urkunden und Quittungen über Darlehen. Burschen versahen die Urkunden über Verlobung und Frauengut sowie die Megiloth mit kunstreichen, farbigen Zeichnungen — das war. von jeher das Anrecht der Jeschibahburschen (das Honorar dafür ging in eine gemeinsame Kaffe und gehörte den Je'chibahburschen). Goldschmiede verkauften kostbare religiöse Geräte, gehämmerte Becher für Kiddusch, Behälter für Eßrogim und Büchsen für ßawdola-Gewürze sowie Chanukaleuchter mit Spieldosen. Allein die Hauptsache war dcch der Bücherhandel. Die Druckereien von Lublin, die das Recht hatten, Bücher ohne Zensur zu drucken, waren in der ganzen jüdischen Welt berühmt, und von überall her kamen Juden nach dem Lubliner Jahrmarkt, um Bücher zu kaufen. Auf großen Tischen in den Bet? Häusern und dem Buchkämmerlein waren Bücher ausgestellt, namentlich der berühmte Lubliner Talmud. Die Juden, die mit Tal.ffim handelten, hasten dort ihre Stände mit wollenen Taliffim und Zizoth. Golden und silbern gestickte Kronen glänzten von den Brettern der Ständer. Am Eingang zu der Miklwah aber hatten die jüdischen Heilkundigen ihre Kämmerlein, in denen sie den Leuten zur Ader ließen, ihnen Heilmittel verschrieben, ihnen Zähne zogen, während Badefrauen kinderlosen Frauen Geheimnisse rerkaufien, wie man Kinder bekommen könnte, Merklichen für Knaben und für Mädchen sowie Gewürze und Kräuilein, um das Herz des Mannes zu gewinnen .. . Und Juden aus ganz Polen, die das ganze Jahr über in wei» entfernten Schenken wohnten, kauften sich auf dem Jahrmarkt Judentum für den langen Winter. Zwischen den Kaufleuten aber gingen die wohltätigen Frauen herum, die die Pflicht auf sich genommen, die Jeschibahburschen mit Nachtlager und Wäsche zu versehen. Mir großen Büchsen, die mit dem Siegel der Jeschibah versehen waren, gingen sie herum und riefen aus: „Nachtlager für die Burschen! Hemdchen, Stiefelchen für die Thoraschüler!" Nachdem nun Mendel seinen Jungen in der Jeschibah untergebracht hatte, wandte er sich an-den Waad in der Angelegenheit der Kirchensteuer, die die jüdischen Pächter auf Befehl der polnischen Gutsbesitzer von den Kosaken eintreiben mußten. Donk dem Empfehlungsschreiben des Nemirower Rabbiners an den Rabbiner von Lemberg wurde er vor den Waad Vorgelaffen. Tiefer hieli gerade seine Sitzungen in der großen Gemeindestube von Lublin ab. Den Borsitz führte Reb Naphtal Katz. der einer vornehmen Familie entstammte und ein Enkel des Rabbiners von Lublin war, der seinerseits durch die Mutter oon 'dem Prager Gaon abstammte. Im Waad saßen ferner die großen Rabbiner von Posen, Lemberg Krakau, sowie Fürsprecher und Parnessim, wie beispielsweise Reb Abraham, der Parnes von Lublin, und Reb Mcscheh Muntaltis, der von spanischen Juden.abstammte und'am königlichen'Hof sehr angesehen war. Im ganzen waren es. dreißig große Rabbiner und Parnessim. Ihnen ünterbreitere Mendel seine 'Bitte, die dahin ging, daß die Fürsprecher sich bemühen sollten, daß die Bestimmung, die die jüdischen Pächter zwang, die Kirchensteuer von den Kosaken einzutreiben, abgeschafft werden sollte, denn diese Bestimmung konnte für die Juden unheilvoll werden. Ter Waad hörte Mendels Ausführungen an und der Lubliner Rabbiner bemerkte, daß es eine gerechte Sache sei. Allein, vor den Waad war auch Secharja Sawilercki geladen, weil er ein Parnes aus der gleichen Gegend und ein einflußreicher Fürsprecher bei den Machthabern war. . Reb Secharja wandte ein, daß nia» durch derartige Bestrebungen den Zorn der Priester und der Jesuiten auf sich laden könnte. Diese würden sagen, die Juden hielten die Kosaken von dem Uebertritt zum Katholizismus ab,- dadurch aber könnte die Lage für die Juden sehr bedrohlich werden. Sobald nun der Waad das Wort „Priester" hörte, wurden alle großen Rabbiner und Parnessim vom Schrecken erfaßt. Rabbi Scheftel Hurwitz, der Rabbiner'von Posen, begann zu seufzen. Er erinnerte sich an den Rima'prozeß, der vor zwei Jahren in feiner Gegend vorgekommen war, und an die heiligen Märtyrer, die vqn den Priestern.zu Tode gepeinigi worden waren. Sein blaffes Gesicht verdüsterte sich, die Augen verbärgesich tief unter der Stirn und er seufzte: „Eine unheilvclle Zeit für Israel rückt heran." Die Parnessim aber erwiderten aus Mentzels Anregung, bei der „weltlichen" Regierung könnten sie alles durchsetzen, allein die Priester und die Kirche anzurüchren, fürchteten Ti" sich, denn da.rcius könme großes Unglück für die Gesamtheit der Juden entstehen, was Gott verhüten möge. So fertigte man Mendel mit einem Seufzer ab und verwies ihn an die Hilfe des Herrn der Welt. Und damit reiste Mendel heim. Als aber Mendel bereits im Verdeckwagen mit Chajiu», dem Mächler Israels", und Hillel, dem Pfevdejungen, saß, sah er zwischen den Buden und hm Läden in der Gaffe des Bethauses anWr Schwelle eines Ladens das heilige Schneiderleitt', den Lehrer Schloimeles, Käufer heranlocken. Da stieg er vom Wagen ab und begab sich in das Kämmerlein, um etwas zu kaufen, sah aber, daß dieses ganz leer war, nur aus vier nackien Wänden bestand, und fragte den Schneider: „Was habt ihr. denn da zu verkaufen? Ihr steht doch in einem leeren Kämmerlein.". Da antwortete ihm das Schneiderlein: ,Jch verkaufe —'Rene, Gebet und Frömmigkeit!" (Fortsetzung folgt.) s Theater von heute s Bargtbtaltr Lady Windermeres Fächer Altweibersommer — Der Selige rtaaisoper: Andre Cbäuier Oolkfcptf: Die Meistersinger von Nürnberg venircd«! volksideaier» Rcmer Tisch! Ibeatcr m acr üosefstartf Riviera gaiuaad'tbfater Dornröschen — Ein romantisches Abent uer Stadtthcatefr Wir wollen Menschen sein... gesalrsaiicibSdaer Erzellen- Ilonka Moderner tbeaw. Sensation Ile«« Ulleitr Bühne: Der Bräutigam aus der Wolke Itttlfpielfbealcr: Aschermittwoch Idealer an der Ufiea: Der Orlow £arl*Ibcatcr: Toino Gloria Wr.BSrgeribearer, J.urual der Lüde Zob.-Ztraais-I«'rarer: Paganim Koaacbef'Osmmfttbeater: Das Spiel um die Liebe 7,8 *8 7 6 7*8 7,8 7,4 7-8 Vs 8 7,8 8 7,8 7-8 7,8 7,8 7,8 7-8 7 8 Apollo Idealer .Apollo? Nur Apollo1“ 3—7.11 ROlaadbiibBt: Hulda Ptßl in Venedig 8 3üdiKbtsKBastltrk4bar<tt (il.,Praterstr 60): Das göttliche Lied 7«& 3ttdiscbe fiftbat Morel Stevhanie, IL. TaborftTflfoe 12) Unser Tojra e 8 Llreas Bagendeckr Täcl. 8 So. U. Ftg. Lu 8 Ubr CIRCUS HAGENBECK Heute und täglich 8.Uhr abends Autorennen in der Luft (nur noch heute und morgen soAie weitere ,Uint neue-?• sa-lonea Ausserdem das grosse aueer'emt Zirka»' o. VerMtS-PrOoramm. Morgen Sonntag zweigipsse Festvors'el un^en, um 3 Uhr nachm, u. 8 Uhr abends. Volks*Qmllche Preise. In der Nachmittags-.orstellungjl neuerd tgs bedeutend ermäßigte Preise. - Karten’an 1 ie Zirkuskas,e,Tß Zirki.sgasse 44, Tel. 46-4-77 und In den bek'mn'en Theate-kattenbureaus Geol«s«lel nfif'aijia* « ü t schnrr arbrii, herrliches Lei' ensiine, S 260. -0I4 > ann/War aytifttflta e Nr. 139. - «Ol Kinoprogtamme von heute; Rotenturm Kino (i. Bez.. Fteischmarkt 1). CHarleys Tante 4. 7«6. */38 0 CentrafKino (2 Bez.. Taborsiraße 8): CharleyS Tante 7^6. l;48, a;t9 'chmerzerföllt geben wir Nachricht, dass unser teures und > heissgeliebtes Familienoberhaupt, Herr Kommerzialrat «ROSSTE AUSWAHL.1 BILLIGSTE PREISE. RAKETT REPARATUREN. PUPP£NK0N10 MlEISCHHARKTtt teteroN 7QQH0. | jia riho-uhoi s KALBFLEISCH 1 zu den > oiHig>*en Tagespietsen ■ streng ^3 f S. SCNABBS 5 Heochnauei 9 XX Jägerstraße 20 “ refeohon V» -84 {II. Ktummbaumg 6! ,ch««WW»WWWU, künden sollen dcnVMeil hoVcn! Idtter förScHahe unrd tdhoeisc CUifgcflobciU ckionüt-Äy«» fVetesnoduOM HjmlCÄXOOO uniimciiemen seihen unsere Modelle in umerenSchaufnutefn gew. ChrossfndasirieUer, Kandelakammerrat and VorstondsmüSUen der tsr. KuttnsSemeinde In Umbci| aiw. aaw. uns nach langer schwerer Krankheit im 65. Lebensjahre am 27. Jänner I. J. für immer entrissen wurde. Die Beerdigung findet morgen Sonntag den 31. Jänner um 7*12 LUir vorm, vom Zentraifriedhof (I. Tor) aus statt Asm Reich als Mutter Anna Kenti Rota Locwcnhen, Saba Uvy, Bronka JanUm, Lot« Ericftch k a-$ llkbter Ualv.>Dos. ör, David Herzog, Landeirabbiner für Steiermark, Dr. Henrik Loewenhn i, Johann Uvy, Dr. Ladwig lacobloi, Arno Brteachlk als Schw.eger»Onnc Nathan Reich, Seraftae Dfache, Dr. Leon Reich, Stjmabgeordactar, alt üescliw,8ter Simt liehe Enkel Möbel. b«lm Waaltoahn«, XV. TOatlobUIrtur. r»i»phot,«r.so^oI Schlaf tlmmn. licht obrr buttbl, s ZAftrn, » «ritt», « «achlk., t Ti.ch, « Seff.l. 2 «Mtze hml motrabtu S 2SV.—. «roft» Au-wahl in Speifr. iimmnn. uachr", ®iw«nm Ottomou #. tthtf *-n, Ma ra. yn Auch .iuHln ab)UflC«ni «ei Srrufung aw b<H Walt Ptazenifatz. 4 lUPbct •«ptAMiltabf i» »Äfltbenf«“ Hart HlitaMrti«r a G» . JUL ÜnMWei«« O. äui *Hnt lk»et>m,iff«' - chlaztWttier. P»r-tt.vi»bch«nimmer isiwr «ychei, im mir«»* um miibn öoaMt tu bm btiuiufM Ereilen, 'frtiu ibnib M«ar»fier4t«. Hbch i« Austeichnmiß! Äddentz Mbaiv» „!». RlUaßeW! ». Qoirqfigaftt if> ‘II vaiibflü. ‘bawaHNw ei ‘V lMarg«irtrnfli«M » VL £iumf«rg<inr AI VIII. ^iriuMietilndr au aVI. «raindraMbcdif. 41 * Vili. va nignfliiir ifb XXI. -,u»i»rak.|0 XXI «iogran, «omamrr. w ra*e Ml. Besuchen Sie die 10. Wiener Internationale Nesse 7. bis 73. 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BERLIN Charlottenburg um Restaurant JQS Wiener Küche Am Bahnhot-Ausgang Augsburger Hol ScMIMuffslraMNr.M Rua«R«rg«rstra||b9S Telephon Stempiau 11KMS1 TeTcplion Siemp(aU «1*11 Inhaber. V»get ck RMtnbmmm unter Auk cht des Rabblnat, dei Jüdischen Qemehtde B«r|ln i r ■ * und des Hamburger Vereines kar»a«l«de KM* ZMU Pnh* Amfmwrkqyima Bcdirnnmn* PS ■rrnrnmai MalarradtelireeliaN RUMPUUl^ «tm 0att»r4ichuitei 4(Mbai8 CU i Warcevseffi WrMl tu 9M«S7 und »SeStSs •k VvsbwCift Reinseiden-Stiümpfe neue Abendfaroea Jakob Gelles, l.. Rotgaile X lAakeebot) Herauigeber u Eigentümer: Jüb Leitung«, u. Berlagsges m b H.. Wien. 8 Vez.. Todarstrotze l—3 BeramworU Redakteur: Jakob »rausz, Wien, lv Bej.. Brechergoffe ss — Druckerei' und BerlagS'A »G -Jg Stetnmann, V, Bez.. Uuiversiiätsstrahe Rr. 8» 1614