Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2477 (15.1.1926)
- Date
- 1926-01-15
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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[ Nr. 2477 Men, Freitag Wiener Morgenzeituns 15. J-'mi(r 1926 Zeile 9 AurlSndische Börsen. Eiaenbericht der „Wiener Morgenzeituirn^.) Berlin, t4. Jänner. Die an'ixmeriw.' C^clöfluffuifei; iiinte tm Vereine mir dein iH’fji'icn cor BechanoliiiLiei'. iibor die Bilvunq deS Montcintrnstes zu einem f c ft c n Börse,ibePim. Von den Erhöhungen profitierten am meisten die Montanwerte, die um 4 bis 7°/0 anzogen. Bei lebhaften Umsätzen schloß die Börse fest. Es notierten! Türkenlote 23.75 Süd. Lombarden neue —.—, Oesterr. StaatSbahu 19.62. Darmstädter Bank 111—, Deutsche Bant 112.—, Dresdner Bank 107.75 Oest. Kredit 6.75, Oest. Länderbank —Reichsbank 142.62, Wiener Bankverein 4.87 Unionbank 6.37, Daimler Motoren 30.62, Hellen Ä Guilleaume 105.—, Dnnamit Nobel 82.60. Prag, 14. Jänner. Ohne Anregung nahm der heutige Verkehr an der Börse einen matten Verlauf. Bet geringen Umsätzen schloß die Börse a b g s ch w ä ch t. Es notierten! t4°/oi0C österr. Staatsanleihe 83.50, Zivnostenska 379.—, Anglobank 66.—, Mercnrban.' 34 50 Oesterr. Kredit 54 50 Wiener Unionban' —• Wiener Bankverein 4125. Ferdinands-Nordbalm 3430- Böbmische Zuckerindustrio 930.—, Schoeller 2150.—, Nestomitzer Znckerindnstrie —Bereinigte Elektrizität Wien 118 50, Aussig Ehemische 685-. Weltbrän Pilsen Königsböser Zement 1450.— Brünner Maschinen 489.—, Simmeringer 93.- , stiot-Kosteletzer Textil 363.—/ CoSmanos 550.—, Alnine 'Montan 124.—. Berg und Hütten 2265.—, Poldihütto 501 —. ‘;;:\:r.3r 6'tfeit 878 — Skoda 753.—. Budapest 14. Männer. Die in den letzten Tagen vernachlässigten Papiere lagen an der heutigen Börse ziemlich s e st. Durchschnittlich betrugen die Kursgewinne 1 bis 2%. Es notiertenBritisch-Ungar. Bank 30.— Ungarische Kredit 300.—, Ocüerreichische Kredit 114.—, Wiener Bankverein 83.—. Kommrrzialbank 840.—, Gran-Szaszvarer —. Oberungarische Berg und Hutten —.—. Magnesit 880.—, Ungarische Mg. Kohlen 2640.—, Salgo Kohlen 398.— Urikanu .Kohlen 1110.—, Ungarische Hofherr 100.—, Rimamurany 101.—, Staatsbahn 844.— Ungarische Zucker 1395.—, Oesterreichische Gas 260.—. Iie Nevifenkiirse. Zürich, 14. Jänner. (Devisenkurse von 1.2 Uhr.) Berlin 123.27’/- (123.22V,), Holland 208 05 (208.07V,), New-Bork 517.62 (517.62). London 25.14V. (25.14’/»,. Paris 19.44 (19.86,, Mailand 20.88 (20.89'/,-/ Brüste! 23 47’/- <28.48-/, i Äovenbagen 128.80 (128.75) Stockholm 138.65 (138.62-, Oslo 105 52’/.. (105.45,, Madrid 73.25 (73.35-, Buenos Aires 214.50 (21450,. Praa 15.34’/. (15.83Vr), Budavest 0.007250(0.007245). Bukarest 2.31 (2.84), Belgrad 9.15‘/ä (9.16,. Sosta 8 Ö2V- '3 68s/i), Warschau (-,—), Wien 72.87«/. (72.91»/. ■ ,iü 100 Schilling. “ Pra«, 14. Jänner. (Devisenkrlrse.) Berlin 803.60 (803.50,. Zürich 653.— (652.12). Paris 126.80 (126.4250). London 163.85 (163.85), Aew-Bork 33.70 (33.70), Belgrad 59.7260 (59.80). Bukarest 15.1250 (15.20,, Wien 475.60 bis 478.60 (476.25) für 100 Schilling, Warschau 482.— (489.—), Budapest 4.7112 (4.71), Jugoslawische 59.55 (59.55), Oesterreichische gestempelte Krone 474.— (474.37), Polnische 473.60 (490.50,. Ungarische 4.70 (4.70). Äuöapcst, 14. Jänner. .Devisenkurse — Eigenbericht.. .Berlin 16.966’/,. Amsterdam 38,630, Kopenhagen 17.720, Stockholm 19.080, New°York 71.365. London 846.150, Paris 2676, Brüssel 3230.-, Prag 2110.50, Belgrad 1259’/., Bukarest 316’/,. Warschau 8600. Wien 10.028. Sofia 502.50. Mailand 2875’/,. Zürich 13.770. Belgrad, 14. Jänner. (Devisen.) Feiertag. HEMiy PORTEN *%«>«¥ Ab heute Freitag: GARTENBAU-KINO, I. IMPERIAL - KINO, I. I OPERN-KINO, T. ZIRKUS BUSCH-KINO, II. HAYDN-KINO, VI. I PARK-KINO, XIIL THEATER-KINO, XVII.' 011 PERLEN DER FRAUEN SIND DIE TRANEN OER MWNNER Der grosse FOX*Ausstattungsülni WAS FRAUEN TRAUMEN mit Betty Blythe AB NCUTB Freitag den IS. Jänner zu sehen: AB DICNSTAQ den 19. JSnner Kamm«rlichtsplel«, am Sdiwarzcnbergplatr Flotten-Klno, VI., Marlahilferstrassc 85—87 Kino Wlonsolle, VI., Linke Wietueüe 4 Weltsplegel-Klno, XVI., Lcrchenfeldcrgürtel Ü5 Oartenbau*KlnO( Parkring 12 Zirkus Bu«eh*Klno, II.. Am Praterstern Votlvpsrk-Klno, IX.. WShringersliassc I2 Wellaplsgel-KInO, XVI., Lercnenfeldergür F O X - F I L M E U M S K A '< X E N DEN ERDBALL Film und Kino. Robln Hood. Als der ungekrönte König von Amerika, der vergötterte Fiimschaujpk'ler Douglas F air öanks, dessen Filme das PickforÄ heisst, nach dem Städtchen Tattle im «Staate Massachusetts. Hier «rböbte der Champion der internatüoMen Filmleintoaitf) das grösste Erlebnis, oas ihm seine Weltreise bot, denn alle Wttnde(bauten von den Tempeln Dehlis bis zum Eiffelturm .li.r.i. ln..,. OIVluXi«.. Aiiü «itU -.4 A * OA UlTJitirtt* angelsächsische Kinderspiel vom tapferen Robin povd. Die verstaubte englische Sage vom Earl of Huntigeon, der verkleidet als Räuibechailptmaim für bas Banner des Königs Richard LÄven- Herz focht, wurde.Hier vom größten Lausbuben Tattlcs in Szene gesetzt. Das Libretto stand in den Lesebüchern der amerikanischen Botts sch ule, Detonation war eben die Ge'bicgswand mit ihren ä..^tt. cü,.^«4 cv*c\.w um -aqreiüi. weit iuwiiüLTiumvticyuii <vui ■ovtschrist, daß die Rebellenpartei unterlag. Wehe, wenn sich Äner der Rangen einmal vermaß und siegen wollte, dann bekam er erst recht seine' Prügel. vtonve Mary, und als die MMgewaiMe Mary Piagoro tu wunderlichen Höhlen sah, wo ihr Gatte junior einst Nobin Hood inszenierte, da kam chr ein glücklicher Gedanke. Der Zauber der alten Legende lebte noch so frisch wie einst, bas Motiv war die leibhaftige Fee Romantik selbst . . . Dvuo sollte den Robin Hood jetzt wirklich verfilmen, mit dem Darsteller von einst^ wieder (in der Titelrolle. FaivbanEs lachte. Aber als man nach Hollywood kam und die Dramaturgen wie besessen nmherliefer^, ohne bin passendes Sujet für den neuen Fairibanksfilm zu finden,. da griff die kleine Frau Fairbanks die in Tattle ersonnene Idee wieder aui. Und eines Tages kündigte die Reklametrommel der United Arrists den nächsten FaiübaMschlager an . . . sein Titel dvar: „Rotzen Hood". Aus dem übermütigen Kinderspiel wurde Ernst. Die Göbivgsivanb von Tattle in Massachusetts übersiedolte nach dem Santa MonicaiBonlevaw in Los Angeles und dort, im größten Melier der Welt, ließ eine Million Dollar den großen Film drehen, dessen Erfolg wohl woder Robin Hoa), noch Tattlles Gebirgsivand, aber UM R B Q I E| CARL FROELICH Ab Dienstag 19. JSnner: SCHOTTENRINO KINO, I ATLANTIS-KINO, V. MAROARETNER BÜROER-KINO, V. KINO MARIAHILF, VI KOSMOS-KINO, VII. HEIMAT-KINO, IX. Copyright 1926 by J. Ladyschnlkow Verlag, Berlin. (9) y i 8in Glaubensmartyrium. Roman von Schalom Asch. . Zivischen den alten Familienvätern, die viele Leiden erduldet, eine Feuerprobe ihres Glaubens abgelegt hatten und jetzt mit den ans den zerstörten Gemeinden hinübergeretteten Thorarollen in den Händen dastanden, stand auch der neue Parnes der Gemeinde, Rabbi Mendel, mit der neuen Thorawtte, die er für die Synagoge der neuen jüdischen Gemeinde von Slotschow hatte schreiben lassen. Die Hülle dieser neuen Thorarolle war noch nicht mit dem Blute der Märtyrer und rnit den Tränen der Flüchtlinge befleckt. Sie war noch neu und unbefleckt und ihr Hüter Mendel noch stark und frisch. Sein Gesicht hatte nicht den heiligen Glanz der Trauer, des Leidens und der Hingabe der Seele. Es wies noch keine Spur jenes edlen Ausdrucks auf, der von der Opferwilligkeit herrührt. Dafür aber umklammerte er fest mit seinen groben ungeschlachten Händen die neue Thorarotte. Sein Herz fürchtete sich vor dem heiligen Joch, das er sich selbst aüferlegt hatte — der Parnes der Gemeinde zu sein. Er fühlt die Größe dieser heiligen Pflicht, die die alten Parnessim der zerstörten Gemeinden, unter denen er jetzt steht, tragen. Und sein Herz erbebt: wird es auch ihm einmal beschieden sein, sein Leben für seine Gemeinde einzusetzen und bei seiner Thorarolle leidend auszuharren? Wird er ebenso wie sie zu einem Märthrertod bereit sein? Wird sein Geist nicht nachgeben? Ist er der Pflicht und der Ehre würdig, die er auf sich genommen? Plötzlich verstummten alle Anwesenden. Eine heilige Stille herrschte in dem ganzen Raum der neuen Synagoge, als wäre ein Unsichtbarer eingetreten. Und Rabbi Jakob hob seine Thorarolle in die Höhe und dankte Gott mit einer Stimme, in der unterdrückte Tränen zu hören waren, dafür, daß Er ihn vor allen Gefahren errettet und ihn mit seiner Thorarolle an einen ruhigen Ort gebracht hatte. Da hörte man ein stilles Mluchzev, das. jM her KkgWnMilWg her Mute. Es war das eine der vertriebenen Frauen, die sich an ihre Angehörigen erinnerte, die irgendwo an einem ihr unbekannten Orte weilten. Ihr Schluchzen aber steckte die Gemeinde an und erfüllte sie mit Angst vor den kommenden Tagen: ob es auch ihnen, gleich Rabbi .Jakob, beschieden sein würde, einmal die kleine Synagoge zn verlassen, die sie mit so liebevoller Mühe aufgebaut hatten, ihre Thorarollen in die Hand zu nehmen und davonzugehen. Wer kann sagen, was die Zukunft in sich birgt? ... Die Vertriebenen dankten einer nach dem anderen Gott für ihre Rettung. Als aber der junge Vorbeter, den Rabbi Mendel aus -Uman hergebracht, mit seiner gutturalen Stimme jene anfzuzählen begann, die den Märthrertod um des Glaubens willen erlitten hatten, da brachen die Anwesenden in Weinen aus. Jedermanns Augen füllten sich mit Tränen und tief in seinem Herzen bat jeder der Anwesenden, Gott möge ihnen die kleine Synagoge als letzten Ruheplatz lassen, wo sie in Ruhe harren konnten, bis der Messias kommen würde, „Gebe Gott, daß dies' die letzte Vertreibung war", .wünschten die Juden einander. „Daß lvir vor Schlechtem beivahrt werden", küßten sich die weinenden Frauen. Doch bald verschtvand die traurige Stimmung und die Gesichter von jung und alt erhellten sich gleich der Sonne, die auf ein verregnetes Feld herniederscheint — der Gesang des Porbeters, den Jizchok Aaron auf seiner süßen Geige begleitete, hatte alle die betrübten Gesichter tvieder erhellt. Der Borbeter sang jetzt namentlich die Worte: „Als der Heilige Schrein sich in Bewegung setzte." Schloimele, Mendels Knabe, in einem grünen seidenen Rock, den ihm der Schneidernder gleichzeitig auch Lehrer tvar, zu seiner Hochzeit angefertigt hatte, machte den Thoraschrein auf. Einer nach dem anderen stiegen die Männer die Treppen empor und legte» ihre Thorarollen in den Schrein hinein. Zu beiden Seiten des Schreins standen zwei Löwen aus Holz mit einer Krone auf denl Kopf und bewachten die Thorarollen, WährM zwei weiße vergoldete Adler tzeMM eines geh-öAS die 'kleine Mary Pickford vomusgeährtt .tz.cme. So entstand das Standardwerk der KinematagoaMr. Robin Hood. Der Film eroberte die Äinvpaläste ver Welt und sein Erfolg war ibähnbrechend für den amerikaistischen Kostiimfilm. Wchl Lber den größten Applaus holte sich vor Robin Hoch in Dattüe. Dort ivurde im Eine Palace vor den ehrbarett Bürgern und Coilvboys von Massachitsetts das Werk vorgvführt and alle chemaligen promirrenten Haitpiaktcnre der RMn-Hood-Äegende. fchen Hier m neue Fassung ihees Paradeschcmstnckes. Die einstigen Dayteller waren jetzt Zuschaner. Bloß einer hatte seine Rolle behalten, das lvar der' Titelheld selbst . . . der Daisteller des RObrn, HoM, DouglaS Fairbanks. Und er spielte mit bechblben Virtuosität wi< damals vor 25 J'chren seine alte LiebliiigsroUe. Nur, Holt der ßmamielle Ersola für ihn heute besser ausgefallen sein, stigt man... ' „ Walter Re':) ck>. „Der Frauenmördee.^ B e r i a u o. r ü Roman, der unter diesem Titel vor einigen Jahren erschienen ist, war von jeher ein Buch, das verschiedentlich rnr Vcrsilmnng reizte. Der rasch vorwärts schrettende Gang der Handlung, die Lebhaftigkeit des Geschehens und vor allem die Spannung höchsten Grades, die das Buch erfüllt, prädestinierten das Werk zu einer Uebertragung in das Filmische. Doch scheint sich erst in Henny Porten eine Hauptdarstellerin gefunden zit haben, die den Anforderungen dieser Rolle getvachsen ist. Denn mit ihr — so sehr, wie kaum anderswo —•" steht und fällt dieser Film, der von seiner Heldin die Verkörperung von nicht weniger als fünf gänzlich verschiedenen Figuren verlangt. In amüsanter, satirischer Weise besaht sich der Film mit den Verhältnissen in der modernen Bühnenliteratur irud den gewissen, steil aufsteigenden Karrieren, die durch das Halbdurtkel verschwiegener Direktionskanzleien mit luxtlriöserr Liegegelegenheiten in das grelle Licht eines von Reklametrommeln umtosten Startums führen. Die begabte, in den Hintergrund gedrängte Schauspielerin, die nicht den üblichen Weg gehen ivill, der. zum grotzeu Namen und zu der damit verbundenen großen Gage führt, die mit ebenso viel fraulichem Takt als weiblicher Schlauheit allen Klippen ausweicht, die diese Bahn gefährden, spielt die Porten. Spielt zugleich die liebende Frau, die dem Dichter die Ausführung seines Stückes ermöglicht, indem sie ihn zum Massenmörder stenipelt, dessen verschiedentliche Opfer sie mit voller Lebensgetreicheit spielt, hält ununterbrochen die. Polizei in Atem, bis schneßlich die Premiere den großen Erfolg beider sichert und die Aufklärung des Unfugs, den sie mit der Oeffentlichkeit und den Behörden getrieben hat, gut gelaunt hingenommen wird. Ein bißchen Drama und sehr viel Komödie wurde hier unter der temperamentvollen Regie Carl Froelichs in einer ununterbrochenen Folge fein' und originell inszenierter. Bilder abgerollt. Blendend ist die Porten in ihren verschiedenen, scharf unterschiedenen und treffend charakterisierten Rollen, lie zeigt sich hier wieder als die ebenso große wie vielseitige Darstellerin, die allen Aufgaben gewachsen ist. Als ihr Partner hat Memmo Benassi keinen leichten Stand neben ihr, doch wird er seiner Rolle gerecht. Henry Stuart, Harrv Lamberts-Paulsen, Adolf Limo und einige andere sehr gut dargestellte Typen fügen sich harmonisch in das Ensemble. Photographie und Beleuchtung sowie auch, die Ans stattung entsprechen allen Anforderungen. „Was Frauen träuuren." ' In diesem Falle, von Perlen. Perlen, die Tränen bedeuten, wenn sie falsch sind und wenn der Gatte keine echten bezahlen kann. Schöne, junge Frauen haben aber Aussicht trotzdem zu Perlen zu gelangen, wenn sie älteren und sehr vermögenden Herren außerordentlich gut gefallen und diese Mechanismus, den der Tischler von Nemirow erfunden hatte, aus der Höhe, wo sie unter dem blauen gestirnten Himmel ruhten, herabkamen, in der Luft über dem Schrein schweben blieben, und mit ihren breiten Flügeln die Thorarollen be-.- schirmten. Zuerst erwies inan den Vertriebenen die Ehre. Als erster begab sich der alte Rabbi Jakob mit seiner Thorarolle zum Schrein. Ihm folgten nacheinander Rabbi Israel aus Böhmen, der Rabbiner der Stadt und zuletzt Mendel mit der neuen Thorarolle der Gemeinde Slotschow. Als er aber daran tvar, feine einfache Thorarolle m den Schrein zu legen, blieb er einen Augenblick stehen und fein Herz erMte sich mit einem stillen Gebet: „Vater im Himmel, laß es eine Ruhestätte für Kinder und Kindeskinder sein", betete er, und eine Träne, die erste Träne rollte vom Gesicht des neuen Parnes aUf die Sülle der Thorarolle herab... Bald darauf setzte die Geige wieder ein und zu ihr ge* feilte sich jetzt ein Chor, der das Lied „Adon mole olam" anstimmte. Die Anwesenden stimmten in den Gesang ein und dieser tvnrde zum Ausdruck ihrer Lebensfreude. Verschwunden waren die traurige Stimmung und die Angst, die soeben noch geherrscht halten, und jüdische Fröhlichkeit erfüllte den Raum der Synagoge. Alle tvurden von ihr ergriffen, Väter, Kinder und Mütter. Die Kinderstimmen klangen wie die Glöckchen an den Hälsen der Ziegen, tvenn diese zur grünen Wei^ ziehen. Jetzt ergosien sich die Töne 8er Geige gleich Wasserquellen in den Gesang hinein. Sie stimmte die Melodie an, die üblich ist, wenn man das Brautpaar dem Trauhimmel zuführt. Der Schneider und Lehrer, der dem kleinen Schloime Unterricht erteilte, war Schames (Synagogendiener). Mit den breiten, polnischen Hosen aus gefärbter Wolle angetan, dis er sich zur Hochzeit gemacht hatte, sprang er mit den Stangen des Trauhimmels herzu und tief halb jiddisch, halb polnisch vor Freude: „Jüdchen, Jüdchen, tretet zur Seite! Seht -h.- denn nicht, wer da kommt? Es ist Pan Jtzig, der anc?!'."' ' V" (tzoMtzung M) j