Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2470 (8.1.1926)
- Date
- 1926-01-08
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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«v. &m Wien, Freitag Wiener Mornenzeklun- P. -Vomier 1926 &eik tf gewannen die meisten Effekt«» 9 -iS 4 Prozent. ES notierten r Oesterr. Kronenreme —. Ungarische Kronenrent» —, Ungarische Goldrente —. Türkenlo,« 23.75. Süd. Lombarden neue —. Oesterretchische StaatSdahn IS.—. Darmstädrer Baut 107.—, Deutsch« Bam 1076S. Dresdner Ban« 10450 Oest. Kredit 6.12. Oest. LLnderbant . Reichsdank 140.SS. wiener Bankverein 4.75 Uniondank 6.—. Daimler Mowttn LS 87, Felten 4 Guilleaume VS Dvnamit Nobel 7962. Prag, 7. Jänner. Bei geringen Umsätzen erössmte der Verkehr infreundltcher Hauung. Nach frdfttflem hn\ eye» der m isten Kurse schloß die Börse fest. Es notierte«: 6*/»iae Üsierr. Staatsanleihe 88.50, ^tvnostenska 876.—, Anglodank 6850 Mercurbani 82 — Oesterr. Kredit 49 50 Wiener Unionda»' —. Wiener Bankverein 88 -—, Fett Nordbahn 8260- BSdmische Zuckerlndustrie 928.—. Schoeller 2110 — Restomitzer fuckerindustrie — — Bereinigt« Glektttzität Wien 1(9.—. ulstg ChemOcke 668 —. Weltbräu Pilsen 2870 — Königs« Hofer -leinen« 1885.- BrÜnner Maschinen 481.—, Simmeringe, 86.50, Rot-Kosteletzer Textil 854.—, CoSmanoS 858.—, Aloin« Montan 116.-, Bng und Hütten 2175.—, Poldihütte 499—, Prager Eiken 861.— Zkoda 741.—. Budapest, 7. Jänner. Nach lustlosem Beginn schloffen die die «eisten Effekten mir Kursrückgänge«. Es notierten: Briüsch-Ungor sche Bank 80.—, Ung. Kredit 800.— Leßerreichische Kredit 101.—, Wiener Bankverein 8150 Kammerztalbank 640.—. Gran-GzaSzvarer —, Oberungarische Berg und Lütten 235 —. Magnesit 875.—, Ungarische Allg. Kohlen 2850.—, Salgo Kohlen 382.— Urikanv Koblen 1057.—, Ungarische Hofherr 110.—, Rtmainrrrmiy 9750. Staatsbahn 910.—, Ungarische Zucker 1300.-, Orfterreichtsche Gas — Sie Skvlleowrl«. . Liüvkch, 7. ZLnner. (Devifenkurte von 12 Uhr.) Berlin 128.17'/, i i23.lv/. Holland 20810 (208.15,. New-Aork 517.87VO17.50). London25.10<25.08'/,,. Pari» 19.9«'/,(19.91V.>, Mailand 20.89 (20.88,. Brüssel 2346'/, (23.45,. »topenoagen 128.- 127.80), Stockholm 188.75 (188.75,, Oslo 105.10 (104.97V, Madrid 78.10,78.06'/«,. Buenos Atre» 214.- (214.-1 Prag 15.82»/, (15.82z Bndaveir 0.007260 (0.007260). Bukarest 2-37 (2.36), Belgrad 9.17 (9.16'/, / Sofia 8.70 (8.70), Warschau —.— (—.—X Wien 72.90 (72.98'/,) für X00 Schilling. Prag. 7. ZLnner. (Devifenkurie.) Berlin 808.50 (808.50,. Zürich E-(658.--, Part- 129.55 (128.4250-, London 16860 (183.60). View-islort 88.70 (.83.70z Belgrad 59.7260 (59.7750 . Bukarest 16.20 (15.2250). Wien 475.75 bi« 478.75 < 4/6 60> für 100 Schilling, Warschau 425.— (427.-), Budapest 4.7012 (4.7012z Jugoslawische 59.45 (5985,. O österreichische gestempelte Krone 478.75 (473.50,. Polnische 416.— (416 —Ungarische 4.69 (4.6875). .Dvoapest, 7. Jänner. Devtsenkurje — Eigenberichts Berlin 16.966 Amsterdam 38.650. Kopenhagen 17.647, Stockholm 19.100. New-Nork 71.382. London 845.690, Paris 2725, BMel 3*86.60. Prag 2110.25, Belgrad 1261'/,, Bntaie't 823. Warschau 8850. Wien 10.084 Sofia 508.50. Mailand 2876'/, Zürich 18.774. Film und Kino. „Dir Lei,elfte Asiens/' „Gautam., Buddhas Kampf um Liebs und der charakterisierende Untertitel dieses mächtigen Werkes, das der. Regisseur Franz Osten unter solossalen Mühsalen und Schwierigkeiten aller Art für die Münchner Lichtspielkunst m Indien aufgenommen HN. Bon einheimischen Darstellern. die aber keine Schauspieler sind, sondern sich nur für diesen Zweck in den Dienst einer nationalen Sache gestellt habe,,, Ivetten die eimelnrn Rollen verkörpert. Die Bauten find alle echt, sind die historischen Stätten, an denen die so viele Millionen Menschen beherrschende Lehre geboren wurde. Jahrhunderte alte Trachten wurden auS lange versperrten Truhen herausgchÄt, um Hirt als ftcftüme zu dienen und die Schatzkammern der Maharadg)as erschlösse«: sich, um ihre unschätzbaren Kostbarkeiten an chmuckslücken und prunkreichen' Sattelzeug für Elefanten. Kamele und Mette als Requisiten für diesen Film beizustenern. Ein Werk ist dieser Film, dessen Prachtentfaltung das Kolossalste in seiner Art ist und bei dom man immer wieder bedauern mutz, daß die Technik uns bis fetzt noch immer nicht die Farbenphotogravhie in der erforderlichen Vollendung gebracht hat. Gewiß, dieser Film ist auch in der normalen Photographie ausgezeichnet und überaus wirkungsvoll» in den wirklichen und natürlichen Farben aber müßte er überwältigend sein. In knappen Zügen baut die Handlung das Leben Gautamas auf, bis zu dem Moment, wo er sich nicht nur äußerlich, sondern auch innerlich von allen Freuden mrd Eitelkeiten der Welt lossagt, um sich und sein Denken ganz nach einwärts zu wenden. Don der Öchte der Verkündigung seiner Geburt steigt das Geschehen auswärts und bringt scharf profilierend die Geschichte seiner Liebe, des Kampfer um die Frau, die er endlich siegreich erstreitet, um sich dann um seiner Serwung willen auch von ihr abzuwenden. Es sind — wie bereiterwÄnt — keine Schauspieler, die diese Rollen verkörpern. Es sind einfache Menschen, die sich um der Sache selbst willen trotz Abreden und sogar Anfeindungen aus ihren Kreisen in deren Dienst stellten. Es fehlt ihnen die große Geste des tragischen Pathos und das Losgelöstsein von sich sülbst. Sie spielen nur ihr eigenes Ich und das gerade vielleicht ist eS. daß sie jo ansprechend macht, so nur vielleicht war es möglich, daß sie in ihrer, unS fremden Art, uns so zu ergreifen und rühren vermögen. Der Film ist ein höchst wertvolles Kulturdoktunent, daß uns mit einem Schlage dem fernen Osten, seinen Menschen und ibren Sitten und Gebräuchen, ihrem Glauben und Streben nahe bringt. „Ich tottt meinen Mann." Die Geschichte. eines Kriegsblinden, der eine Frau fand, nachdem er oas Leben bereits stir sich abgeschlossen glaubte, die ihn verließ, ais er wieder sehend wurde, um eine von wirklicher Liebe diktierte Lüge nicht eingestehen zu müssen, und die endliche Wiedervereinigung dieser beiden-Menschen bringt dieser Film in einer außerordentlich spannenden und ergreifenden Weife. Die Force der Amerikaner, wirkliche Geschehniste <m£ dem Leben Herauszugreisen und auf ihre höchst realistische Art zu einem packenden Geschehen zusammen zu phantasieren, gibt auch »AS HONUMfiNTAiWfeftK DiA «MILKA Gautama Buddhas Kampf um Liebe und Entsagung MIUTi UNO TVQLKHi SLITK-KINO,!•> WöllMlIe 34 - Vorsiellungsbegihn: \ (5, */(6, l/t8, a/*9 Uhr MARflAaTHSR6SIEN«KINOf Vll*| Moflattllfoiratrifto 70 Vorstclhingsbeghin:, 6, ‘/«SS, 9 Uhr diesem Film das ninw-io'.ichi: Gepräge, das allen überseeischen Produkten auhastct. bei deren Herstellung gesunde Natürlichkeit und kultivierte Empfi.rdsamkeü geitTaliet haben. Die Regie hat grschickt eine Reihe schöner Bilder geschaffen, die sie mit Spannuirg zu dnrckitränken wußte und siihrt ein ausgezeichnetes Ensembel zum wlUn Erfolge. Pr.ichwol!.' Leistungen bieten in den Haupt» «llen Miitcm S'ills, der ebenso bekannte wie beliebte Skar der F i r st National P r? t u r e s, und seine Partnerin Doris Kenyon, zwei Menschen, die mit einem äußerst sympathischen Exterieur auch wirkliches Können und eine kraftvollr Gestaltungs^ gäbe verbinden. Dir Ausstattung dieses Werkes ist reich und geschmackvoll uno seine Technik sttperior. „Lom, Tony, Ltger." Drei ech-.e Söhne der Wildnis in .iteinberanbenden Abenteuern des wilden Westens. Tom Mix. der künste Cowbov Amerikas, der verwegenste Reiter und liebenswürdigste Herzens brccher mit feinen beiden treuen Kameraden, seinem Pferd uua seinen Hund, in einer spannenden Liebesgeschichte, mit der bildschönen amerikanischen Schauspielerin Lucy Fox in der Haupt« rolle. Alles, tvaS von einem echten Tom-Mix-Film erwartet wird, bietet dieses Bild. Sportliche Sensationen/die Romantik des Urwaldes, 'glühende Leidenschaft in Liebe und Kampf. Eine prachtvolle Tigerdogge greift ln entscheidender Weise in die Handlung ein und nur ihrer unerhörten Intelligenz gelingt es. verzweifelte Situationen zum glücklichen Ende zu bringen. Ein ungeheurer Sie sehen MILTON SILLS wieder in dem Film Schicksale eines Frauenherzens (Ich will meinen Manp) Ab UtHag don 8. Jfinnor: Rotenturm-Ktno, I., Fleischmaikt X Löwen-Kino, lll., Löwengasse 33 Apollo-Kino-Theatcr, XVll.. Dorncrplatz 9 Astoria-Kino, XVII., Hetnalser Hauptstrasse 156 Ab Dienstag den 18.Jttaner: Burg-Kino, I., Opernring 19 Kosmos-Kino, VII., Siebensterngasse 42—44 Lichtspiele am Keplerplatz, X.. Keplerplatz 15 Meidlinger Biograph-Theater, XII., Scnönbrunnersir, 176 SA TOM, TONY, TIGER M 100 Sensationen / ZOO-Kilometer- Tempo / 100.000 Volt Spannung Fox-Füme nmspaanen den Erdball Ci« GlaubensumrtyriAM.(9J Roman von Schalom Asch. „Aber Bäterchen, was redest du da? Geh doch in die Kirche, Väterchen. Da hast du den Schlüssel zur Kirche. Bete du auch zu deinem Gott soviel wie du willst. Ich laste dich nicht? Im Gegenteil, ein Jude steht es gern, wentl die Christen beten. Er sieht es sehr gerrr. Mo, da hast du den Schlüssel, rmduun geh in die Kirche." .„Die Schlüssel der heiligen Kirche haben sie dem Juden übergeben! Sie haben die Kirche beleidigt, den Glauben beleidigt, du Hirte aber sitzt da und trinkst. Oh, die Brüderchen von der Steppe werden aber geritten kommen, die Jungen aus ihren leichte» Pferdchen, vom andern Ufer des Dnjepr her, und werden Rache für die Kränkung Gottes nehmen. Sie werden da- Volk von den Herren, die Kirchen vön den Juden befreien und die Beleidigung Gottes rächen." „Gi, was hör' ich? Sch-sch-fchweig!" - Der Jude lief von seinem Tisch zu dem Popen und hielt ihm mit der Hand den Mund zu. „Gch-sch-schweig — die Wände Horen eS, der Wind wird es dem Herrn zutragen, sie -werden dich bet lebendigem Leib« zerreißen. — Sch-schschweig — schweig!" — Der Jude sah sich ängstlich um und seine Pajes zitterten, aus Angst, daß jemand die Worte des Poven belauscht haben könnte. — „Sch-sch» sch ... Ich w ll dir auch noch zu trinken geben — hier hast du! Trink! O Gott, ich habe keine Kräfte mehr. Warum mußt« er das in meiner Schenke tun? Warum! strafst du mich so? Die zweite Maß umsonst. O, er soll krank daran werden! Da, trink und schweig!" Dem Juden durch de Erinnerung an die Brüders cheu in der Steppe Angst einzujagen, war, nach dem Argument des bösen Geistes und der chrtpltchen Liebe, des Popen bestes Mtttel, um von MendÜ noch mehr! Branntwein zu erpressen. Al» er nun daß Übervoll» Gla» j Branntwein — den« der Jude hatte thm tu seinem l Schreck zu hastig elngeschenkt — in die Hand gedrückt be-! kam, beruhigte er sich, setzte sich wieder auf die Baut am! Ofenmit den Händen feinen langen roten Bart und trank von Zeit zu Zeit aus dem Glase.'Der Jude setzte sich imeder auf seinen Platz am Tische; allein er war nicht mehr imstande, weiter zu lernen, und seufzte nur in einem fort: „Tate, Bater, warum strafst du mich so'? Habe ich denn gesündigt? Wenn ich die Kirche nicht in Pacht nehmen will, so prügelt mich der katholische Priester. Habe ich sie aber in Pacht, so erschreckt der da mich mit dm Brüderchen in der Steppe. Und keine Synagoge erilauben si e zu bauen, keine Jude kt sind da und matt kann nicht lernen, und der Sohn wächst ohne Lehre heran. Die Schenke verlassen! Weg aus Slotschow, gleichviel wohin! Ohne Synagoge nnd ohne Inden — nur betrunkene Popen — o weh, o weh! „Lauf nicht fort, Meuvetu, verlaß uns reicht, Mem delu", ließ sich jetzt der Pope vernelunen, obwohl es schien, .als hätte er die Worte des Inden gar nicht gehört. „Du bist doch.für uns wie unser eigener Vater, und eine Sy- , nagoge werden wir dir auch geben. Die Brüderchen ioerden aus der - Steppe konnnen, anf ihren leichten Pferdchen werden sie 'kommen, die Herr«» tot schlagen und dir eine Schule geben. Ich will für dich beten." »Mwaltl Gewalt! Er -fangt schon wieder an von seinen Brüderchen! Scha! MN! Scha!^ Der Jude lief wieder ängstlich vom Tisch fort. Wer weiß, wontit das alles geendet hätte, wenn in diesem Augen-bltck die alte Maruscha, eine kräftige Kosakin, die bei Mendel als Magd diente, ihm nicht in der Verlegenheit zu Hilfe gekommen wäre. Sie kam aus dem anderen Zünmer, das von der Schenke getrennt war und in dem der Jude wohnte, stellte sich vor den Popen hin und stemmte ihre großen fleischigen Hände, die trotz der Wksitevkälte bloß waren, in die Seiten. „Man müßte dich mal durchprügeln, zu deinem eigenen Vesten, Väterchen, eher beruhigst du dich nicht", sagte d!« Alte. „Du hast den bösen Geist betrunken gemacht und setzt schreit der Satan au» Mt!* „Hilft Mütterchen, hilft tu ei» chrWcheS Werk, i habe ihn gezüchtigt, aber er gehorcht nicht, er hat st an mich ftstgeklammert und quält mich tveiter." „Warte, Väterchen, ich werde dir schon helfen" Mt diesen Worten trat die Alte zu dem Eimer Mt Abwaschwasser, der in der Tür der Schenke stand,' und schüttete dessen Inhalt über den Kops des Popen aus. „O, schön — das tut wohl!" rief der Pope. „Nun, Väterchen, ist dir sitzt besser?" fragte Wn* ruscha. „Mau muß ihn noch ein züchtigen, dann wird er ganz ruhig werden." „Warte, Väterchen, wirte, ich wech', dir helfen." Die alte Maruscha trat auf den Popen zu und versetzte ihm mit ihren beiden großen, starken Händen einen Stotz in den Bauch. „Gelinde, gelinde", wehrte der Jude, der abseits stand, mit den Händen. 2 Die Zeitrechnung verloren. Das Wetter wurde grau. Der Schnee unrer den Fenstern wurdebräunlich und nahm schließlich lila Färkmug an. Der Steppenwind klapperte gegen; bi« Mauern der Schenke und man hatte das Gefühl/ daß er, wenn mau ihn Nicht hineinließe, das Strohdach des Häuschen abheben würde. In der Schenke wurde es dunkel. Nachdem Akaruscha den bösen Geist aus dem Pope» au-getrieben, war dieser auf dem Fußboden vor der Sank niedergesallen und schnarchte jetzt laut. Dieses Schnarchen hörte sich an lvie das Blasen eine» Schäfer« horneS nnd regte alle im Zimmer auf . . . . Die Schankwirtin Iochewed trat aus dem zwetten Zimmer, da» von der Schenke durch eine Zwischenwand getrennt war, herein. In der Hand hielt sie einen brennenden Kienspan, der ihr junges frisches Gesicht zlvischen den vielen Häubchen und Tüchern beleuchtete. Iochewed trat au den Ofen und zündete «tuen Docht an, der in einem großen Gefäß mit zerlassenem Wachs stak. Dann schleppte sie einen großen Behälter herbei ttnd begann darein Mehl zu schütten.. „Maß machst du, Iochewed?" fragte Mendel. (Fortsetzung folgt.)