Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2415 (12.11.1925)
- Date
- 1925-11-12
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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/ Nr. 2418 Mn, Donnerstag Wiener Mov-enzeituttg 15. NoremVcr lp25 'Teile 9 ♦ Hakoah gegen Rapid. #c«tc um 2 Uhr in Ober-St. Veit. Tie Zusamimnstellung dieser!be!dtzn Namen bedoutet ichon seit langem einen Großkampftag im WienerFußball- 'tzovt. Aus dem WeM der interessantesten internationalen 'Lpme, auZ deiri bunten Neigen schwerster Meistwschafts- Eamftfe Hebt sich das Zusammentrefseu der jüdischen Mann- ' isckast mit den ruhmreichen HütteldoOrn stets als Anziehung W. die sich so gern des MasseMuches seitens des Wiener -2portlpu,Mum8 erfreut. Ungeachtet der augenAicklichen Taaes- «fovnr oder des Standes in der Tabelle der beiden Vereine, wird in ihren Kämpfen immer all das geboten, was die Eigenart des FutzbaWieles so ungemein reizvoll gestaltet: Spiel nnd ziamys, Energie, Nasse und Höchstleistung durch Siegeswillen. Die Meisterschaftsspiele der >bei«den Vereine in den 'letzten Jahren.waren reich an allen diesen Momenten und •immer voll höchster Spannung. Für «Hakoah.ist Rapid mehr als irgend ein anderer Verein. Die Hütteldoyfer bildeten seit jeher den Gradmesser für das Kämen der jüdischen Mannschast, und als die Blau-Weißen noch in der zweiten Klasse waren., bedeutete ihr Abschneiden gegen die Hntteldorser die t^rnndlage für die Beurteilung ihres Könnens: Wohl ist Rapid V5,i seiner stolzen Höhe, die in einer in der Geschichte des österreichischen Fußioallsporles bisher unerreichten Sieaesse-rie errnngeil wurde, etwas herahgeglitten. Aber die Hüttevdorser Tradition leibt noch üird gegen sie erfolgreich zu bestehen, dazu gehört nnermMiche Aufopferung und Siegeswille. Hakocch ist . wreder im Aufstieg begriffen. Der Inngmeister wird heute beweisen wollen, daß er die Siegesbchn des Altmeisters über, nommen hat. * Während der letzten drei Jahre konnte Rapid gegen Hawaii kem einziges Spiel gewinnen. Bon den vier Meisterschaftsspielen der letzten zwei Jahre beendete Hakoah zwei siegreich, zwei Ärebrn uiwntWeden. In der Mannschaft der Blau- Weißen ist heute die Mitwirkung Scheu ers noch ungewiß. Sollte er nicht mittnn können, dann durfte er durch P o l l a k ersetzt werden, dessen Stelle dann Heß entnehmen wird. $nt Zentrum wird in diesem Falle wieder Wort m ann tätA fern. Rapids Mannschaft lautet: Jchrezik; Svlil, Czejka; N. Asch. Madlmaier, Richter; Wondvak, Wesselyk, Hosfmann Zach, Wessely. Das Match leitet Andres. Bocher spielen die Nesevven. Kuthan, Bauer und Brandstätte» sollen zum nächsten K'U'ndlgnngstermin am 16. d. bei Rapid a bgeh an t werden. Die heutigen Meisterschaftsspiele. Außer dein Spiel Hakoah —-Raped gelangen noch folgende 'Kämpfe zur Austragung: Wacker—Slovan (Wacker-Platz), Simmering—-Admiva (Sim- >nering). Sportklub—Rudolsshugel (Dörnbach). Ungarische Arbeiterfußballer in Wien. Aus dem Sportplatz in Atzgersdonf kommt heute um halb 3 U!hr nachmittags ein Wettspiel zwischen Arbeitermannschäften aus Budapest' und W i e n zur Austragung. Sport in Poleü, «Hasmonea spieft mit Glück und Untzliick. - Pogon Turniersieger. — Eine ittteressünte Gerichtsverhandlnug. ' (Bon unserem Korrespondenlen.) - Die abgelaujene Woche brachte in Lemberg als größte Ättraktlon das Turnier des dortigen 19. Infanterieregiments, 'M welkem außer den Veranstaltern P o g o n, H a s m o n e a und der D. C. Czarni, somit die Elite oer Lemberger Fnßballvereine, tennahmen. Den Sieg trug erwartungsgemäß Pogon davon, air W.^ter Stelle plazierte sich Hasmonea vor Czarni. Die Spiele litten sehr unter der Witterung/ der andauerde Reaen beeinflußte die.Leistungender Mannschaften. Das erste Spiel sah Pögoir 2:0 (1:0) über das 19. Infanterieregiment siegreich.. -Pogon lfitc$e Ersatzleuten, die veiotzn Treffer fieteu aus Elsern durch Gillicz. Sehr knappe 2:1 (0:1) fiel der Sieg Hasmoneas über den S. C. Czarm aus. Hasmouea.spielte ohne Boritz und Mahler -konnte erst in der zweiten Halbzeit ihre Form-halbwegs erlichen. Den Tresfer des.S. C. Czarni verichulbete der Hasmonea- Laufer Mischl, dafür revanchierte sich der Czarni-Tormann, kndemer einen leicht haltbaren Balh der den Ausgleich brachte,, passieren - ließ. Den siegbringenden.Trester erzielt Steuermann, der Nebenbei' bei diesem Spiel ein Muster an Undisziplin darstellte. -Zur Ent-; icherdung qualifizierte sich somit Pogon und Hasmonea und yier siegte der Meister iwerrascherch leicht 7:1 (1:1). Hasmonea hat schon lange von Pogon kerne jo.vernichtende Niederlage. einsteneu lNttstenl Dabei war auch'ein >o hoher Sieg Pogons vollkommen verdient. Mit Ausnahme Birnbachs, uch. Fleischers versggte die ganze Mannschait. Pogon zeigte, bei diesem Spiel ihre alte Energie und Spicllnst, speziell Garbien, Knchar und Bätsch ieljteten glänzende Stürmerarbeit. Das Spiel war in der ersten Hälfte halbwegs affen, dann änderte sich jedoch das Bild und Hasmonea wurde in der zweite Halbzeit ganz einaeschnürt. Den ersten Treffer erzielt zwar Hasmonea ans einem Elser durch Fleischer, die Serie der Pogcm-Tore eröffnet Dr. Garbien (3), dann folgen Knchar (2), Bätsch und Fichtel. Um den Trostpreis spielte nun der S. C. Czarni gegen das 19. Infanterieregiment um siegte sicher mit 6:2 (3:1) Toren. . Bon den anderen Spielen wäre das Pokalfinale des Warschauer Kreises zu. erwähnen, das Warszawianka überraschend leicht gegen den S. C.Legja mit 3:1 Toren für sich entscheiden konnte. . In Kattowitz gastierte Cracovia nn>) konnte einen überaus leichten Sieg über den Amatorski aus der Königshütte 7:0 feiern. Die in schlechter Verfassung spielende1 Kattowitzeo Pogon wurde von einem Gast ans Deutsch-Oberschlesien, dem S. C. Benthen 09 1:1 besiegt. Die gute Form der Militärmannschaften bestätigte der einwandfreie Sieg des 58. Infanterieregiments über dm Posner Meister Warta von- 2:0 Torem In Krakau besiefte Wisla den S. C. Wawe.l in der Pokalkonkurrenz 4:0. Eine interessante Gerichlsverhandlung fand letztens iu Warschau auf Grund eines Zwischenfalles zwischen jüdischen Fußballspielern und einem Rabbiner statt. Die jüdische Mannschaft aus Grodzisko kam vor kurzem Samstag nach Blonie, mn ein Wettspiel auszutragen. Der dortige Rabbiner kam,, als er davon erfuhr, auf den Platz nnd verbot, Samstaa 'zu spielen. Als dies nichts half, intervenierten die dortigen Juden und vereitelten das Spiel. Dabei entstand auch eine größere Rauferei In erster Iw stanz verurteilte nun-das Gericht den-Rabbiner wegen Störunj der öffentlichen Ruhe zu einem Geldbeträge, die Fußballspieler jji einem Monat Arrest. Beide Parteien haben die Berufung ergriffen. , Die internationalen Ski-Wettbewerbe wurden für den 19. biß 21. Februar iu Zakopane festgesetzt. Die Sprungmeisterschaftev finden ebenfalls in Zakopane, und zwar am 31. Jänner statt. Die Warschauer Akademische Sportvereinigung beabsichtigt, zu dev 'Hockey-Europameisterschaften in Davos ihre Mannschaft zu schicken. ' Zamorra in Prag. Wie nns aus Prag berichtet wird-.- tritt Espagnol, dessen Tormann der berühmte Zamorra ist, Men cm Honorar von 140.000 Mech. Kronen für zwei Wettspiele kommenden Samstag und Sonntag in Prag gegen Slavia müb Sparta an. _ Fechte«. Hakoah-Fechtsektion. Die Knabenriege hat Dienstag den 10. d. mit dem Training begonnen, das nun regebmäßi" jeden Dienstag von 5 -bis ü Uhr stattfindet.' Einige wenige Anmeldungen werden noch entgegengenommen von den Herren Dr. Max Sibbevberg, 1. Bez.. Wollzerle 17 (Teil. 76-4L8) und Ing. Farkas., 2. Bez., Obere Donaustraße 46. Trainingslvkai. Fechtsaal Berger, 9. Bez., Porzellangasse 33 a. Schwimmen. Hakoah-Schwimmsekiion. Heute entfällt infolge deS Nationakfeiertages das Training im W. A. S.-Bad. Hoüetz. . Die Hockeymannschltst der Hakoah trägt heute um haw 11 Uhr in der Krieau ihr Meisterschaftsspiel gegen All r o u nd aus. __ Aus den Vereinen. B a r - K o ch t a. Heute Spielerverlsammiun-g. Hakadur. Fußballs-ektion. Heute um 8 Uhr/Wettspiel gegcu Forfchaus -auf deru Feuerwehr-Platz (Hauptallee). Folgende Spieler werden ersucht, bestimmt zu erscheinen: Aöw, Großmann. Vogel, Klein, «Heller, Fischer, John 1, Panzer, John 2, Jellinek, Kleiner, Stolper unö> Erwisch. — Plng- Pong-Sektion. Heute um 8 Uhr Klulbkampf gegen Bindöbona im Cafe Dhury. Die Herren John G., Schapira, Fischer, Erwisch 1 und 2, Stolper. Daß, Heller, John B. und Frühaiff werden um bestimmtes Erscheinen gebeten. Hakoah (Wademi-sche Sektion.) «Heute um halb 10 Uhr vormittags- Wettspiel gegen W. A. F. awf dem Hakoah-Matz. Es haben zu ericheinen: Spitzer, Mandl. CzucKa, Fisch, Boß,' Rosenbaum, Meiisel, Rechter. Pelikan!, Herzog, Grünfeld, Schwarz, Bernstein, Heitzner, — Freitag um 8 Uhr abends Generalversammlung im Klulbheim. Erscheinen Wicht! Copyright 1924 by Kurt Wolff Verlag A.«G. Münclieii 63 Fortsetzung Nachdruck verboten. Herr Setttenufi. Emc amerikanische Autobiographie von Samuei Oruitz. Bcrhindert werden, sich sortzupslawzen. . .. . Der dichter war Kirchengänger und rnnz-elte die Stirn ... Der Mensch sollte sich in seineir Willen mischen!... Der Richter stellte fest, daß Me vom rechtlichen Standpunkt ans ztwechunngslfahig fei, also für seine «Handlungen verantwoLtlich gemacht werden könne... Gschcr^ ferntte. Ikie, kannte ihn als ein unzmechnungssähiges, unverantwortliches kleines Kind. Da nur er für die Tat verantwovtlich sei, so avgnmentierte sie, dürfe maildie anderen beiden nicht zu>m Tode verurteilen, sondern dürfe sie nur für ihren Anteil an bem Verbrechen bestrafen. Und außerdem seien sie nicht ansschließlich für ihre Taten verantwortlich zu Machen. Sie sü-hle, daß die menschliche Gesellschaft diese ihre Kinder vernachlässigt habe und jetzt etwas für sie tun müsse... Ich habe i-nmrer wieder beobachtet, dtrß die GeiseLschaft sich erst dann für ihre vernachlässigten Kinder zu interessieren beginnt, wenn diese Klindcr sich an ihr tätlich rachen. Dr. «Harry Wotin trat ans beut Gerichtssaale. Er hatte gehört, wie fein Bruder Ar-chie zum Tode verurteilt wurde. Er halte seit Jahren nicht mit seinem Bruder gesprochen. Aber jetzt, da er in Todesnot war, kam «Harry ihm zu «Hilfe... Alle -ivarten sie, und erst wenn es zu spät ist, werden sie schrecklich geschäftig... «Harry sieht jetzt ein bißchen besser gelkleidet ans. Sein Nock und seine «Hose passen zusammen: früher war dies niemals der Fall. «Hhmie bringt das Geschäft in Schwung und zieht Leute nach ihrem Ordinationszlm>mer; er brailchte n>ur tvenige Jahre, um ftd> zu dem gesuchtesten Arzt der Ostfeite zu machen. Mer Hhmie selbst erklärte, daß «Harry der bedeiltendere Gelehrte und bessere Arzt sei. Das aber brachte «Harry kein Geld ein; «Harry verstand es chen nicht. . . Jetzt sagte er überhaupt nichts, nahm nur seine Eltern am Arm.und führte sie ans dein Gerichtsgebände. Und dann iveinte Esther ans ihrem stÄzeir Kumnter heraus, und ein paar Mnen.kollerten ihr Mer die Wangen. Sie weinte mn «Harry. «Harry, der seine ganze Zeit den Kindern der Anmen widmete... evst später lernte ich den ivahreil Grund für ^Hre Tränen kennen. -Sie fürchtete, daß das gute Elternpaar Wotin bald auch einen zweiten Sohn zu beklagen halben werde, einen zsoeiten Todesfall, einen iveiteren Verlust: «Harry hatte sich, frei-'' willig dazu bereit erklärt, sich . zu EMrinientzwecken impsen zu lassen... Die Leiden Brüder Wotin, die so verschieden wären, «Harry, der Arzt, und Archic, „The Cannon" — entsprangen dem gleichen Samen, reiften ine gleichen Boden... so verschieden.... aber waren sie wirklich veuschreden?. KirchAosigteit'war beiden gemeinsam a(§: EharM-eOsMi>m... Ich: erinnere - nnch. < zill- Beginn des Prozesses... Archie erkannte, daß es bös aus-: sah für alle drei. Er erklärte, es sei doch sinnlos, daß alle drei „abgenmrkst" würden. Er wolle der „Sündrnbock^' sein, wolle alle Schuld auf sich ilehmen und die andern beiden entlasten /. . Er erfand eine Geschichte, die, stiner Ansicht nach, die beiden anderen freisprecheu und ihn allein als den Schuldigen hinsielleii würde. Dago Jack weigerte sich,, das anzuttehmen — unb Machte von selbst einen ganz ähnlichen Vorschlag. Sogar Dopie Jkie wollte nicht, daß Archie alle Schuld auf sich.nehme •. .. . Jkie . . . dem schien das Ganze Spaß zu machen, er schien durchaus nicht eiuseheu zu können, ivas er getan habe, .was ihm bevorstand . . . Und wie er sich freute,- wenn einer der Alitgcfangeuen an den Eisenstangeu seiner-Zelte^ rüttelte und schrie: „>HeY, Dopie, sing' uns mal eins! «Hciltet's Maul, ihr Lumpen, und laßt einen anständigen «Kerl singen." . . . Dago Jack war melancholisch. Er. sagte, er sei daran schuld/ daß Dopie Jkie überhaupt mitgekommeu war. Er hatte den Tipp erhalten, daß der Kärtenverkäufer eine Menge Geld liegen habe, und hatte Archie eingeladen, ihn auszurauben. Dopie, der davon hörte, daß etwas angestellt werden sollte, .bettelte,- man möge ihn doch miinehmen. Dago war ein guter Kerl, wollte Dopie nicht kränken und ließ -ihn . mitlaufen ... Sie selbst würden Jkie nie einen Revolver an-, vertraut haben, aber Me verschaffte sich einen, indem er Jarskis Bartender vorlog, Boolkie habe ihn nach einem Revolver geschickt . . . Und so geschah' s. ' Ps ich Esther erzählte, daß Archie vorgeschlagen habe, alle Schuld aus sich zu nehmen und für seine beiden Kameraden zu sterben und daß Dago Jack sich geweigert habe, das. Opfer anzuneh'.nen imd sich selbst auszuopfern bewert sei,. erinnerte sie mich an den Glauben Davies .; . an seinen Glauben, daß etivas in jedem Menschen sei, das immer arbeite, arbeite Um ihn zu heiligen'. . . Sie war stark verbittert über die allgeineine Gleichgültigkeit der- Stadt ihren Kindern gegenüber. Sie fühlte, daß unter anderen Verhältnissen aus den drei verurteilten Mördern etwas anderes geworden wäre ... Md wiederum — darauf wies ich hin — viele andere, die ans den gleichen Verhältnissen entsprungen sind,. den gleichen Schwierigkeiten gegeriübergestanden haben, siüd anders, sind so viel besser geworden . . . Ihre Antwört darauf schien mir kalt, und etwas in ihrem Ton kränkte mich noch lange nachher: „Nicht so sehr viel anders, Meyer,, nicht so sehr viel besser." Ein paar Monate später fuhr ich hinaüf nach Sing- Sing und brachte den drei Burschen die schlechte Nachricht. Unsere Berufung war einstimmig verworfen worden. Der Tag der .Hinrichtung. .war festgesetzt.. . . Archie schaute nach der kleinen grünen Tür hinüber, die in den «Hinrichtüngssaa! führt und sagte: „All right, laßt -den elektrischen Stuhl abstauben." . . . Dago Jack war ebenso ungerührt. . Die würden ihre Rolle zu Ende spielen — ihrem Ideal getreu sein: furchtlos bis zum letzten Atemzuge . . . und Jkie . . « der kümmerte sich gar nicht mn -unser Gespräch, -interessierte sich a>lsschließlich für die Schritte eines neuen Tanzes, den ihnl ein anderer, Insasse des Totenhauses beigebracht hatte. . . ’ (Fortsetzung folgt.)