Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2409 (6.11.1925)
- Date
- 1925-11-06
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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' D, Avd - WiLn, Freitag Film und Kinv. „MndenWvel." Gin«! überaus interessMe WchÄloMche Studie biM dicher -JWm in seiner flotten und amüsanten HaMung. EL ist hier ein Dcrmenftilseur geschlldevt, dem die Erkenntnis kam, daß (Mm Kunst — und et scheint wiMich sin Künstler in loinern Fache zu sein — mmrer nur dagu dient, Frauen für andere Minner schön und begehrenswert zu machen. Er aber, er, der mit allen stinen Sinnen nach den Frauen dürstet, die so verlführevisch aus seinen Händen hervorgchm. er ist dazu verdammt, sich mit der Liebe seiner Avant, einem kleinen Mädchen aus der Borstadt, zu begnügen. Vielleicht hätte man aus di-chem Borwupfe ein Drama machen können nach dem BorbW von KMnke, dem kleinen Berliner Friisenr, der sich ain Dachsparren anOing, well er glaubte, zuviel «ick bei Frauen gehabt zu haben, denn auch er war Danrenifrisieur und astzu selbstbewußt. Dann wäre der Fllm zur grotesken Tragödie geworden, die, von bizarren Konturen begrenzt, nu-r nach dem WiMichen schiM, nicht zu der unterhaltenden Traartoinödie,' die hier das Leben einfach mit viel Humor so Widert, wie es e>ben M Neinhokd Schünz-el hat sich in den Kittel des Friseurs gehüllt. Er sovmte eine Figur, die mit plumpen Händen unlmtevbrochm nach Dingen langt, die ihm das Leben vorentihM >md sucht stochernd die Grenze zu überschreiten, die ihm das Schicksal zog, bis er endlich wieder dort landet, wo er hingehört. Und schwer enttäuscht, aber um vieles kluger geworden, erkennt er die Natwendigikeit der Rchignation, schließ seine' Braut in die Arme und wird so etwas ähnliches wie ein klassonIbÄvutzter Proletarier. Seine bewährte DaOellunigsknnst null sein stark enttvickelter Sinn für Komik ließen ihn hier eine Leistung hervorbringen, die unvergeßlich bleiben wird. Wer auch die übrigen MWieder des unter der geschickten Regie C. I. Davids versammelten EnsieMbles geben Bestes. Entzückend ist Maly Delschast als kleine Previnzsrau, die Sascha-Film M bringt: freudlose Gaffe (Sofar-Film-Produktlon 0. ni. b. H., Be. lin) Nach dem berühmten Boman von Hugo Mauer Ein ersdiätterndes Drama aus Wiens Inflationszeit Regle? 0. W. P a b s t Regie: O. W. P a b s t Mit Asta Nielsen. Werner Krauss Hka Oriinlng, Gräfin Agnes Ester ha iy, Gräfin - Tolstoi, Karl Ettlinger in den Hauptrollen Vom 6. bis 9. November: Kärntner-Kino, 1., Johannesgasse 3 Opem-Kino, I., Elisabethstiasse 3 Münstedts Kinopalast, II., Prater, Ausstellungsstr. 142 Eos-Lichtspiele, III., Ungargasse 60 Zentralpalast-Kino, VII., Matiahl ferstrasse 120 Mcidllngcr Biograph, XII., Schönbrunnerstrasse 175 Vom 10. bis 12a November i Ellte-KIno (Kleine Bühne), I„ Wollzeile 34 Imperial-Kino, I, Rotgasse 9 Tuchlauben-Lichtspiele, I., Tuchlauben 7 a Münstedts Kinopalast, II., Prater, Ausstellungsstr. 142 Heimat-Kino, IX, Porzellangasse 19 Votivpark-Kino, IX, Währingerstrasse 12 Hl Copyright 1924 by tiurt Wolf! Verlag A,-0. München 58 Fortsetzung Nachdruck verboten. Herr Fetttoanft. Line amerikanische Autobiographie von Samuel Orniß. Acax-ie neckte ihn: „Sie kriegen wohl Angst vor den UuionL? Sich den Kops darüber zu zerbrechen, wie sie wirklich gewinnen könnten! Sie wollen wohl wissen, wann die Zeit gekommen ist, über den Zaun zu springen . . Philipp wußte es, uns vor der Fährte äbzulenken, als er allen Ernstes und in scheinbarer Interesselosigkeit'ausder Frage bestand, wie es anzustellen wäre, -daß die Geiwerks'basten alle Arbeit unmöglich machen könnten. Aber wir erkannten bald genug, woraus er. hinauswo.'ltc: „Außer in meiner Fabrik, natürlich. Meine Fabrik Muß Tag und Nacht arbeiten. Ms Union-Shop, solange es" mir paßt und weinen Zwecken dient." Maxie fragte ihn aus. Es stellte sich heraus, daß Philipp sein Geschäft zu vergrößern beabsichtigte, bessere und größere Geschäfte machen wollte. Er wollte den seit langem etablierten deutschen Juden iw Lande das Wasser abgrabest. Wenn es ihm gelang, einen Streik, der eine ganze Saiison lang dauerte, heraichubaschwöven, dann hatte er eine Bresche in den Wall geschlagen, die sich nie wieder verstopfen lassen würde. Er hatte allerlei in petto, hatte unübechieMr eine Norm von Anzügen für kleine, dicke Leute geschaffen und konnte sie besser Meiden als viele Maßschneider.,, Er konnte seine Konkurrenten - unterbieten. Er Me Modelle der kommenden Mode, glänzende Verkmfsart'M, stehlen lassen. Und er wollte seine Musterkollektion den großen Käufern zu einer Zeit unter die Nase halten-, da sie gezwungen sein würden, von ihm zu kaufen. Maxietvas den Nagel aus den-KoPf: .Wegelingteseuch Fabrikanten eigentlich immer, die Gewerkschaften zu schlagen?. Wrnet Morftenzertuns 6. November IW_Seit« 8 sich unter der Leitung ihres -Onkels, dem Arnold Korfs sickbvüSwüMige Nonezügx leiht, zur Lebedame entwickelt, um Barbara v. Annenkoff weis; durch ihre herbe Anmut ihr Publikum zu fesseiln. Schr igut auch itst das .Ehepaar Bra u fern etter und ganz ausgezeichnet in einer kleinen Epische Frida Richard. Die Ausstattung 'zeigt viel gediegene uitd geschmackvolle Pracht. ... . „Die Lady vom Dingl-Tangl." Ein Artiftenschicksal: Die Diva des kleinen Kabaretts wirft sich dem lunaen Aristokraten in die Arme, her sie leichtsinnig gegen den Willen seiner Familie zu seinem Weibe macht. Geldiovgen unib in der gegenseitigen Äisbe, die unendlich scheint, der Zauberstrand der Riviera, schließlich die unvermeidliche Katastrophe, die zwei jmrge, verwöhnte Menschen trMen muß, wenn die Geldsckrgen üb>er si-e hersallen, und schließlich, der Bruch, der kommen mußte. Die Artistin wird Mutter, muß den Weg nach abwärts nehmen, der unvermeidlich ist, wenn, sie ihr Kind am Lsben echalten will. Langsam setzt nun der Auffneg wieder ein und schließlich kockmt sie wieder auf eine Hohe, die sie jetzt befriedigt, öhzwar sie noch immer eine Erniedrigung, gegen die Ziele bedeutet, die sie einst mühelos, erreichte, und nun-nimmt man ihr noch ihr Kind. Unendlich ist ihr Schmelz und erschütternd ihre Trauer. Und als sie chren Sohn endlich wied-ersinbet, hat er einen Totschlag begangen, der ihn einem ungewissen SchicksM entgegengchen läßt. Norum T a l m a d g e spielt diese schwer geprüfte Frau. Ihre vollendet^ Kunst laßt das^Publikum keinen Moment aus dem Bann, in den .sie es von Beginn der ersten Szene an einfängt. Es ist. eine Meisterleistung dramatischer SchanchiÄtunst, die sie hier bietet. Auch die ütbrigen Darsteller geben Alleribestes. Regie, Technik und Ausstattung sind der Darstelluna in allen Teilen ebenbürtig. „Die freudlose Gasse", nach Bettauers berühmtem Roman, erscheiint heute als Film im Sascha-Verlag in einer großen Reihe Wiener Kinos. Noch nie ist ein Werk der Feder derart vollendet im Film wied-ergegeben worden wie hier, wo unter G. W. Pabsts meisterhafter' Regie ein wirklich Hünftlevischcr Film geschaisfen worden ist. So wie das Buch süßt auch die. Regie des Films, der die Auswüchse der Wiener Inflationszeit ebenso charakteristisch schildert wie scharf geißelt, aus einer sehr feinen Psychologie und auf einer sehr genauen Menschenkenntnis,, vor allem -aber dokumentiert dieser'Film einen ehrfurchtsvollen Sinn und enn warmes Berstchen für die WiMi-chkeit. Die Kontraste des Filmes sind Not und bitteres Elend und jener protzenhaste Prunk und Luxus, der die Inslationsgeit lennMchnvte. Die prächtig spielenden Darsteller, in erster Reihe Asta Nielsen, IKa Grüuiug, Gräfin Gsterhcrzy, Werner Kraus, Karl Miuger, Gräfin Tolstoi und viele andere, stellen durchwegs MeisteMstungcn, so daß die starke dramatische Wucht der Handlung eine ebenso starke und wirkungsvolle Interpretation findet. Die Fox-Film-Korporation hat: für ihre Europaprod.ukttori den Roman „Der Herr auf der Galgenleiter" von Hugo Bettauer erworben. Der Roman erscheint in Deutschland unter dem Titel ,',Der Bankkrach unter dem Linden". Friedrich Zelnik/ der berühmte deutsche Filmregisseur/ wurde wieder als künstlerischer Obevleiter verpflichtet,^sür die Regie Doktor Herren Alstcd Abel, Paul Morgan, Kahl Götz, Hei mann Picha und die ,Damen Ellen H >e e>l, Margarete Schlegel und Äavga-rete Kupfer. Auf der Kamera arbeitet der bewährte. Hpevatchr Fuglsang. „Zorro" kehrt wieder. Der große Dougllas-Fairbanls- Film der Apollo-Film-A.-G., dem ein großer und seltener Publikums erfolg beschieden war, erscheint DimSitag den 10. d. im Kreuz-Kino. Die Mure der Woche. „Ach, Herr Doktor!" — „Guillotine." — „Fesche Riviera. Reisende." — „Die Ledh vom Tingl-Tangl." -- „Die Sybille von Paris." — „Sündenbabel." — „Doktor Camerons selt» samster Fall." — „Ein heiliger Tensel." — „Casanovas Liebesleben." — „Das Cafe zu den gefallenen Engeln." — „Die freudlose Gasse." — „Der Leuchlkirin an der See." --CENTRAL-KINO—— II. Taborstrasse 8 Telephon 42-3*41 Von heute bis 9. November Reindold Schiizel Arnold Rortf Anna BranseiMr Sündenbabel Grosstadtkomödie in 7 Aklen und das übrige Schlagerprogramm Beginn: *IA V48 und »/,9 Uhr, Sonn- und Feiertags 4. VA V,8 und 8/,9 Uhr _ ROTENTURM-KINO__ I. Fleisch markt 1 Von heute bis 9. November Der grosse Lacherfolg! Der grosse Lacherfolg! Pat«»«Patadion öls fesche Rivierareisende und das übrige Schlagerprogramm Beginn der Vorstellungen: 4, */A VaS, 9 Uhr Begleitmusik einer erstklassigen Künstlerkapelie — SCHOTTENRINGKINO —, I. Schottenringö Telephon 17-1-25 Von heute bis 9. November Reinhold Schünzel in seiner unvergleichlichen Glanzrolle als Damenfriseur in SÜNDENBABEL Paul MerKach, Für die.Hauptwllem: wurden enWMert die und das übrige Schlagerprogramm Beginn: Wochentags 1L5, */»6, Vß und */*9 Uhr, Sonn- und Feiertags 4, V*6, */,7 und */$ Uhr KIKO SÜNDENBABEL Ab heute: Vom 70.bis 12,November: Vom 13,Bis 16.November: OartenSau-Kino, l. Central-Kino, II. Flieger-Kino, IX, .Raimund-K. XIV. Austria-Kino, V. Palast-Kino, VIII. Imperial-Kino, 1. JFlotten-Klrio, VI: Schönbrunner Astoria-Kino,XVII. Arkaden-Kino,VIII. KinoAlt-Wien,XVII. Schöttenring-K.,1. Kino Wienzeile, VI ' Schloß-Kino, XII. " Wallenstein-Kino, XX. Philipp erklärte ihm, baß es immer genügend Grünhörner gäbe, rim einen durch die Entlassung eines Union-- avbeiters freigewordenen Posten ausznsüllen. Außerdem 'hätten die Arbeiter so wenig Geld, deiß sie der Hunger schon nach einigen Wochen zur Einsicht brächte. „Und", fuhr'Philipp fort, „unsere „Gunmen" (Sturmtrupps) machen es ihnen unmöglich, Streikposten aufzustellen. Die Gewerkschaften könnten erfolgreich sein, wenn es ihnen gelänge, StreWrecher den Fabriken fernzuhalten. Wir aber bestechen die Polizei, die unsere Gunmen unterstützt. Die orgaulstsrten Arbeiter können mit den Streik- - brechern überhoupl nicht reden und können sie älfo auch nicht zum Uniongedanken bekehren," „Beweist das nicht," setzte er nach einer Panse hinzch „daß die Arbeiter nichts anderes sind als Gewürm? Nicht einmal so viel wissen sie, daß sie für das, was sie haben wollen, kämpfen müssen. Warum schaffen sie sich nicht „Gunmen" an. um die unseren zu bekämpfen? „Gunmen" sind in New-Iork die billigste Ware. Was ist doch der Preis, Meyer? Ein blaues Auge: fünf Dollar; ein anständiges Verprügeln: zehn Dollar; ein gebrochener Arm oder ein gebrochenes Bein: fünfundzwanzig Dollar; und ein regelrechter Mord: fünfzig Dollar. Und wenn sie nicht selben kämpfen wollen, weil sie, wie die angesehenen Fabrikanten, zu feinfühlig sind, . warum überlassen sie die Arbeit nicht einer Privatdete'ktivagentur?. Denen ist es gleichgültig, wor sie bezahlt. Die engagieren sich „Gunmen", um ihre eigenen „Gunmen" zu schlagen. Das ist ldas-Billigste, was man kaufen kann Menschenleben —, was sage ich? Affenleben! Wenn bic u Web rächt sind — kein Hahn wird nach ihnen krähen! Verprügelt doch die Streikbrecher, wie wir die organisierten Arbcitcr verprügeln!. Kämpfen muß inan um das, was man Halen will: der Sieg gehört nie dem Empfindlichen." _ , . .. Onkel Philipps halb ernste, halb lustige Tirade setzte mir einen Fich ins Ohr. Ich ging, eine Lifte von Organisatoren durch. Es wjaren aber zu viele Pazifisten unter ihnen, Leute, deren Wahlspruch war: Liebe deinen Nächsten ... Die verstanden nicht, daß das Leben nichts weiter ist als ein ewiger Kamps. Ich dachte an Mchel Cahn. Letzthin hatte er eine neue Religion verkündet ... „Alle Gewalt den Arbeitern. Ergreift die Industrien, Arbeiter, und steckt sie in die Tasche.' Sie gehören euch, könnten nicht ohne euch bestehen. Ihr habt sie geschaffen. Zur Hölle mit dem Parlamentarisimus der MttMajsen! Handelt! Direet aekion!" ... Michel Cahn ist mein Mann. Ich stelle ihm weine Banden zur Verfügung. Werde die anderen Banden abberusen. Ich werde diesen Dräumern zeigen, wie man sich verschafft, was man haben will. Primitive Metzoden muß man anwenden! „Wann brauchst du den Streik?" fragte ich.., Philipp lachte. „Schau dir einmal den an: Mke Hipsch, das Schild Israels! Hat schon alles in schönster Ordnung, ich mach' eine Wette . .,Ieinahe", war meine unveMMiche Antwort. Meine Sendboten fanden Michel Cahn in Talkers Cafe beim Tee. Seine Antwort war: „Seine Ehren, der Herr Fettwanst, möge selber kommen, wenn er etwas von mir will . . Seine Ehren, der Fettwanst — das ist also das schmückende Beiwort, das mir die Radikalen verliehen haben. Diese mageren, verhungerten Träumer waren neidisch aus meine rundlichen, wohlgenährten Formen! Noch hatte ich damals nicht jenes Äadium übermäßiger Fettwülste erreicht, das mir ein paar Jahre auf dem Drehstuhl des Richters später, verliehen. Aber wahrscheinlich war ich doch schon ein bißchen wohlbeleibt. Well — jedenfalls verstand ich es, meinen Stolz in die Tasche M stecken, wenn es meinen Zwecken dienlich war. Denn schließlich arbeitete ich ja immer, für meine Tasche, wie der Big Boß meiner Partei. So wandelte seine Ehren, der^ Fettwanst, hinüber nach Talkers Cafe und suchte den idealistischen.. stolzen Hungerleider Michel, Cahn. den Welten ' aufsresst'nden Revolutionär, heim. (Fortsetzung M.)