Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2407 (4.11.1925)
- Date
- 1925-11-04
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
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d^ite 6 Men. Mittwoch Wiener Morgenzeitung L. vcovemver ivw vrr. sott Volkswirt. Sie Regelung der BorlriegMulden. Der Beginn der Prager Konferenz. Aus Prag wird gemeldet: Gestern hat die Koiifereuz der Nachfolgestaaten üöer die Regelung der österreichischnngarischen Vorkriegsschulden und die Aufteilung der Quoten der einzelnen Nachfolgestaaten begonnen. Es sind Vertreter sämtlicher Nationalstaaten eingetroffen. Gestern «wunden nur formelle Vorfragen erledigt. Zur Behandlung «der meritorischen Fragen ist es noch nicht gekommen. Die Schwierigkeiten, die sich der Regelung der Vorlriegsschulden eutgegenstellen, scheinen momen-tan säst uuüberwiMich zu sein, zumal die Konferenz in Rom, welche die Austeilung der Stiftungen und Fonds auf die einzelnen. Staaten zu regeln versuchte, resultatlos verlausen ist. Wohl wurde in Innsbruck eine teilweise Regelung erzielt, Rumänien hat aber bisher das JnnÄrucker - Protokoll noch nicht unterfertigt, da es auf dem Standpunkte steht, erst dann an die Regelung der Vorkriegsschulden herantreten zu können, wenn feine eigenen Reparationsansiprüche befriedigt werden würden. Es "werden gesondert die Fragen der fundierten und n i ch tfundierten Schulden behandelt, außerdem wird zwischen den Ditres, welche auf Gold lauten, und den anderen Schuldverschreibungen ein Unterschied gemockt. Am leichtesten dürfte die Regelung bei den fundierten Schulden sein, wo bekanntlich schon in Innsbruck der Schlüssel der Ruchahlung der einzelnen Staaten festgesetzt wurde. Schwieviger gestalten sich die Fragen bei dem Versuche der Regelung der nicht auf Geld lautenden Vvrkriegsschulden.' Hier stellt Oesterreich den Grundsatz .Frone ist Krone" aus. Damit sind die Vertreter der Au'slandgläulbiger, namentlich Deutschland, das zum evstemnal bei dieser Konferenz vertreten ist, nicht einverstanden. Oesterreich beruft sich aber darauf, daß es einer anderen Regelung deswegen nicht zustrmmen könne, «weil es in seinem Budget vom Völkerbund abhängig sei. Die Tschechoslowakei hat in den letzten Tagen versucht, sich eine möglichst große Quote von tschechoslcwaNschen Anleihen zu sichern. Dies ist ihr auch gelungen. Nunmehr kann sie in Prag einen nachgiebigeren Standpunkt einnehmen. Die Wirkung auf dem Anlagemarkte. Hervorhebung verdient «der Umstand, daß -er Anlage- Markt, der in den letzten Tagen auf die Ankündigung der Prager Konferenz hin ein festeres Gepräge aufwies, gestern in österreichischen, polnischen und ungarischen Werten relativ schwach war.. Nur tschechoslowakische Werte waren van Prag gesucht. Es scheint dies mit den geplanten Transaktionen der tschechoslowakischen Regierung zusanvmenznhängen, wobei einige der tschechosiowakischen Regierung nahestehende Kreise von diesen Plänen Kenntnis erlangt haben dürsten. Polen, Ungarn und Rumänien zeigten kein größeres Interesse, da von dieser Seite ein erfolgreicher Abschluß der Verhaudlnngen bezweifelt wird. Me Sanierung der polnischen Banken. Auslassung der Filialen. Warschau, 3. November. (Poln. Tel.-Ag.) Der vom sinanzminister geschaffene Bankensanierungsauss ch u ß ist gegenwärtig mit.den Arbeiten betreffend die Durchführung des Planes der Sanierung der Verhältnisse in den polnischen Banken beschäftigt. Der Ausschuß hat beschlossen, daß die Banken neue Ersparnisse durchführen müßten, die durch eine verbesserte Arbeitsorganisation erzielt werden könnten. Während der Jnflationsperiode haben die Banken sowohl in der Provinz als in den großen Städten zahlreiche Zweig- und Nebenstellen gegründet, die nunmehr zum größten Teile eine schwere Last für die Banken darstelleu. Aus diesem Grunde werden die Banken in der nächsten Zukunft genötigt sein, eine große Anzahl ihrer Zweigstellen aufzulassen. Diese Auflassung der Zweigstellen wird der Reform der Banken vorausgehen. Der Ausschuß hat desgleichen beschlossen, daß an die im Prinzip sehr wünschenswerte Fusion der Banken erst nach der vollständigen Sanierung der inneren Verhältnisse der in Betracht kommenden einzelnen Banken geschritten werden dürfe. Ae 8' nleamsichten in Baliftiva im Sepiember 1888. Die Ernte von Durra und Mais ist beendet und der größte Teil des Sesamertrages eingebracht. Es wurde bereits mit dem Pflügen für dos Wintergetreide begonnen. Tabak ist gepflückt und wird jetzt getrocknet. Die Berichte, daß die Qualität sich gebessert habe, bestätigen sich. Die Weinlese bleibt im allgemeinen unter dem Durchschnitt zurück; die Preise für Tafeltrauben sind hoch; eine Bersuchssendung nach Polen soll in gutem Zustand angekommen sein; der Export aus der Hebrongegend nach Aegypten wird fortgesetzt. Für Zitrusfrüchte sind die Aussichten dürftig, der Ertrag dürste 30 bis 40 Prozent des Durchschnittes ausmachen. Bemerkenswert ist, daß die Vorbereitung des Bodens für neue Orangenhaine emsig betrieben wird; auch den Aufbelvahrungsriiethodeü wird jetzt größere Aufmerksamkeit geschenkt. Auch der Olivenertrag ist sehr gering; in manchen Gebieten fiel die Ernte äußerst schlecht aus. Schillingrechnung und Kursblatt. Die Wiener Börsekammer beschäftigt sich seit einiger Zeit mit jenen Vorkehrungen, welche im Börsenverkehre geschaffen werden müssen, sobald jene — allerdings wenigen — Gesellschaften, welche bereits in der Lage waren, die Umstellung zu beschließen oder sie demnächst beschließen werden, mit dem Umtausche der Aktien beginnen. Da der gänzliche oder teilweise Uebergang zur Schillingrechnnng im Kursblatts nach dem Schillingrechnungsgesetz durch Verordnung des Bundesministers für Finanzen zu regeln ist, wird eine solche Verordnung für die nächste Zeit erwartet. Entsprechend den in dieser Verordnung enthaltenen Grundsätzen werden die von der Kammer auszugebenden Richtlinien für die Durchführung der Schillingnotierung sestgestellt werden. Neuerlicher Rückgang des französischen Franken. Nach einer Stabilität, die ungefähr eine Woche andanerte, wurde der französische Franken gestern auf allen internationalen Börsen ziemlich stark ausgeboten. Die Ursache für die umfangreichen Abgaben ist das Zaudern der neuen französischen Regierung, mit ihren Finanzplänen an die Oesfentlichkeit zu treten. Drückend wirkte auch die Haltung der sozialistischen Gruppen, auf deren Stimmen die Negierung Painleve angewiesen ist. Der französische Franken ermäßigte sich in Zürich von 21.80 auf 21.46. Etwas abgeschwächt lag auchwie Devise Mailand, die von 20.63 auf 20.45 fiel. Der Postanweisungsverkehr zwischen Rumänien und Oesterreich. Mit Wirksamkeit vorn 16. d. wird mit Rnmänien der Postanweisungsverkehr .in beiden Richtungen wieder ausgenommen. Die Beträge der Postanweisungen nach Rumänien sind in der Währung des Bestimmungslandes, also in Lei anzugeben. Der Höchstbetrag für eine Postanweisung nach Rumänien ist mit 10.000 Lei festgesetzt. In der Gegenrichtung beläuft sich der Höchstbetrag auf 350 Schilling. Telegraphische Anweisungen sind nicht zngelassen. Insolvenzen. Der Konkurs wurde eröffnet über Karl Lange, Eisengießerei in Baden. — Das Ausgleichsverfahren wurde eröffnet über Oskar Fleisch manu und .Marianne Bromreiter. 4. Bez., Mittersteig 16; über Michael und Katharina Pöchlinger, Zuckerbäcker in Mödling, Wienerstraße 75, lind über Julius Mayer, Uhrmacher in Marchegg. Zentralisierung der deutschen Dollaranleihen. ,/Daiily Mail" veröffentlicht eine Meldung aus New-Vork, wonach der Präsident der Reichsbank, Dr. Schacht, ein Monnnen mit der amerikanischen Regierung geschlossen habe, wonach alle deutschen Staats- und Stadtanleihen durch die Deutsche Reichsbank zentralisiert werden. Die anhängigen Anleihen beliefen sich gegenwärtig auf 40 Millionen Pfund Sterling. Dr. Schacht wolle durch diese Zentralisierung vermeiden, daß sich die deutschen Städte zu sehr an das Ausland verschulden. Anpassung des Pengö an die Dollarparitüt. Wie aus Budapest gemeldet wird, wird der Devisenverkehr sofort nach der Annahme des Gesetzentwurfes über dir neue Währung gänzlich freigegeben werden. Die Stabilisierung des PenglÄurses wird im Wege einer festen Relation zum Dollar, nicht zum englischen Pfund, durchgeführt. Der Rothschild-Kredit an Polen. Wie aus Warschau mtd geteilt wird, sind die Vertreter der Oesterreichischen Kreditanstalt angelangt, um den Abschluß mit der polnischen Regierung wegen der 100-Millionen-Dollar-Anleihe zu Ende zu führen. Wiener Viehmärkte. B o r st e n v i e h. Der g e st r i g e Auftrieb belief sich aus 16.478 Schweine, darunter 11.147 Fleisch- und £831 Fettschweine. Fettschweine haben im Vergleiche rm Vorwoche trotz lchwacheren Auftriebes 10 G. und Fleischschweine unter dem Drucke eines MehraNgeboteS von 3000 Stück 10 bis >5 G. vro Kilogramm im Preise eingebüßt. ES notiertem Fettschweine prima 2.20 bis 2.30 <§., mittelschwer« 2.10 bis 2.20 S., Bauernschweine 2.— bis 2.25 S., alte Schweine 1.05 bis 2.10 S. und Fleischschweine 1.60 bis 2.15 S., extrem 2.20 S. pro Kilogramm Lebendgewicht. — Rferde. Zum gestrigen Markt wurden 898 Schlachter- und 195 Gwrauchspferde gebracht. Verkehr lebhaft, Preise sür Schlächterpftrde merklich rückgängig. Es notierten: Zugpferde leichte 400 bis 1200 S.. schwere 600 bi» 1400 S.. Kutsch- Pferde 500 bis 1200 S., Pferde für Schlächterzwecke (Bankpierde) prima —.65 bis —.90 S., sekunda — .40 bis —.60 S. und Pferde für Wurstzwecke —.28 bis —.35 S. pro Kilogramm Lebendgewicht. Weener Produktenbörse. Trotz festerer amerikanischer Berichte blieb die Tendenz bei geringer Geschäftstätigkeit f l a «. Es notierten r Weizen; Inländischer 37.— bis 38.—. Ungarischer The'ß 79/80 Kilogramm 41.— bis 43.—. Ungarischer 38 50 bis 40.50. Jugoslawischer 76 Kilogramm —bis —. Jugoslawischer 77/78 Kilogramm —bis —. Roggen: Inländischer March selb er 27.— bis 27.25 Pester Boden 26.25 bis 27.— Gerste Brauware inländische 84.- bis 41.- bSbmische mährische —bis MatSr Jugoslawischer 2875 bis 29 7b. C ' n q u a n t i n neu 31.—bis 83.—. Haie r ■ Inländischer 28.50 bis 30.50. Reis Italienischer £2 — bis 85.—, Burma 62.— bis 63.—. Ma d l p r o d n t te: Grieß inländischer 74.— bis 76.— Weizenmehl 0 inländisches * 70.- bis 75.—, Kochmehl 2 inländisches 62.— bis 64*— Brotmeb> inländisches vrimo 49.- bis 52 — Copyright 1924 by , ,, fort Wolff Verlag A^Q. MQnctieii 66 Fortsetzung Nachdruck verbotest. Herr Fettwanst. Eine, amerikanische Autobiographie von Samuel Oruitz. Wir gaben den Häusern zwei Wochen Zei-t, anderweitige Arrangements zu treffen- und unterrichteten sie von dem festgesetzten Datum sür die bevorstehende Generalreinigung. Tann ging ich. herum und hetzte -die Shnagogenmiiglieder und die Slraßercharidler auf und erzählte ihnen,- wie ungehalten Big Jim -und Little Tom gewesen seien, als ich sie Äber das Ueberhandnshmen des Lasters informiert hätte. Ich erfand ein Schlagwort, einen Schlachtruf: „Säu-bert Allen Street! Säubert Allen Street!" Boolkie und Schimschm, zwei der bedeutendsten Zuhälter, -waren meine Assistenten an diesem Tage. Wir marschierten, wie die personifizierte Tugend in Allen Street ein, Vertrieben die Werber aus den Häuksern, warfen die Möbel ans die Straße, nnd in weniger als einer Stunde zählte die Men Street nicht -mehr zu den Distrikten, deren Wahrzeichen die „Note Flamme" ist. Die Hausbesitzer hatten gebrochene Herzen, alle anderen aber waren sehr zufrieden, und die Zeitungen machten ein langes und breites aus der Geschichte. Ich selbst -war der Mittelpunkt der öffentlichen Aufmerksamkeit und 'bekam den Löwenanteil des Lobes und der Anerkennung. Am nächsten Wahltage siegten -wir, wie «wir nie zuvor geisiegt hatten. Ich selbst' nominierte die Kandidaten für die Assembly und für den Stadtrat. Es -waren meine Strohmänner Moritz Krulewitsch und Herman Weisbrod. Noch vor zehn Jahren waren sie rohe Einwanderer. Mit ihrer konstitutionellen Abneigung gegen alle Handarbeit — drüben waren sie die jüngeren Söhne von Handelsleuten gewesen — und mit ihrer Anpassungsfähigkeit paßten sie sich idem Prosessionellen Jndenspiel an. Der Öffentlichkeit gegenüber waren sie Versicherungsagenten, Nachlaßverwalter, Notare und unegoistische Verwalter der rumänisch- und polnisch-jüdischen Logen, und die '" -Mie* der stimmten bereitwilligst für Krulewitsch und . .rod, da sie es als eine persönliche Ehrung empfanden, daß Mit- '.’fVr :.‘vct eigenen Logen öffentlich ausgezeichnet wurden. Kut.e>iv'itjjch und Weisbrod ihrerseits verstanden es, ihre Positionen zu halten. In all ihren Roden wiesen sie unfehlbar auf mich als das Schild Israels in Amerika hin; sie 'beschäftigten sich damit, ihren Wählern kleine Gefallen zu tun, protestierten gegen das geringste Zeichen von Antisemitismus in Schulen, Parks, auf öffentlichen Plätzen, in Zeitungen, bei Beamten und besonders in den Aeußerungen ihrer direkten politischen Gegner. Sie suchten mich, als Führer meines unterdrückten Vblke's in Amerika, an der Spitze einer Delegation ihrer Wähler auf, um dieser oder jener Benachteiligung ein Ende zu bereiten. Sie erfüllten ihre offizielle Aufgabe mit pünktlicher Genauigkeit nach den Wünschen ihrer Partei. Kurz und gut, ihre Führung verbürgte ihnen eine sichere politische Zukunft in New-Aork und >den Ausstieg von Armut zu Reichtum. Hymie Rubin, der langsam zu einem philosophischen Anarchisten mit einer gewissen Neigung zu Gedankensplittern wurde, nannte die Entwicklung meiner PöftcheHüchLigen Proteges „Fvom Wretches to Riches" — „fern armen Schluckern zu reichen Muckern . . Hymie konnte es sich erlauben, über alle und jeden zu witzeln, denn all ihre Frauen waren seine Patientinnen. Hymie begann mit zahllosen Geburten, die ihm nichts emtmgen; aber die ungeheure Erfahrung -machte ihn 'bald zu einem von Amerikas bekanntesten und bestbezahlten Geburtshelfern. Wem eine Frau sich an einen Doktor anschließt, dann macht sie ihn eben zu ihrem Gotte. Auch unseren Kandidaten für den Kongreß drückten wir wieder durch, einen gewissen Josef Goodman, der gleichzeitig eine der führenden Persönlichkeiten in einem jüdischnationalen Orden war. Er klammerte sich 'dadurch fest an seinen Posten, daß er seine politische Tätigkeit darauf beschränkte, nur einmal alle Jahre, und zwar zn Beginn des Termins, ein« Rede zu halten. Er hielt diese Rede und widmete sich im übrigen seinen Pflichten in der Loge und anderswo. Diese Rede wurde zu ei-ner der klassischen literarischen Schöpfungen der Eastside: unsere besten Köpfe hatten sie gemeinsam verfaßt. Sie war ein grauenerregender Bericht über die Judenverfolgungen in Rußland, enthielt giftige Angriffe auf den Zaren und seine Regierung, die als dafür verantwortlich hinge-stellt wurden, und endete mit einem hysterischen Appell an de amerikanische Regierung, die diplomatischen Beziehungen mit der zaristischen Regierung abzubrechen, bis die Pogrome aushörten. Auch feine Wahlreden bereiteten Goodman keinerlei Schwierigkeiten. Er wiederholte 'einfach seine Kongreß rede. Goodmans sozialistischer Gegner war Awrum Toledo, Awrum aber beging den Fehler, den jeder ehrliche Mensch «begeht; er stellte gewisse Wahrheiten so -dar, wie er sie erkannte. Er machte Goodman lächerlich und schlug ein anderes Heilmittel für Pogrome vor. Dafür wurde' er beinahe gelyncht. Er muß Furcht nicht kennen oder aber ein Narr sein, wenn er glaubt, die Juden auch nur für einen .Augenblick davon überzeugen zu können, daß sie selbst m gewissem Sinne für die Pogrome verantwortlich zu machen sind. Es war nicht so sehr, was Toledo sagte, als das, wie er es sagte, was der sozialistischen Partei so viel Schwierigkeiten bereitete, da man sie für feine Ansichten verantwortlich machte ... Awrum erklärte, daß es die jüdische Eigenart russischen Agents Provokateurs leicht machte, die Bauern gegen -die Juden autzuhetzen. Daß die Bauern natürlich irritiert und rachsüchtig würden, -wenn sie sich durch die schlauen jüdischen Händler ständig betrogen und ausgefogen sehen und in ihren einfachen Schädeln die Handlungen der Juden als wahrhaft teuflische Kniffe erblicken. Wem ihr Haß durch Wodka, wilde Gerüchte unreligiöse Aufreizung angefacht wird, breche er nur zu leicht .durch. Awrum sagte nicht, daß die Juden als Ganzes betrachtet die Bauern betrögen, aber er Nagte die Händler und Äeldverleiher an. Er sagte: „Wir wollen die Frage dar russischen Pogrome einmal mit nüchternen Augen und ruhigem Verstände anschen. Wir wissen, daß die Negierung die Hetzen inspiriert. Wir wissen, daß die Regierung die Plünderungen und Ueberfälle dazu benützt, den Dampf abzulassen, der sich sonst gegen die verderbte Negierungsform selbst wenden könnte. Ist das aber alles, was: uns angeht? Wie steht es mit dem Volke, das sich so leicht gegen das unsere aushetzen läßt? Sind wir ihm in irgend einer Form zu nahe getreten? Wo sind wir im Unrecht, wie tragen wir selbst dazu bei, die Pogrome möglich zu machen? Ich bitte nur' um ein klein wenig gesunden Menschenverstand, empfehle ein paar einfache Hausmittel, die mehr nützen werden als alle leidenschaftlichen Reden im Kongreß, Reden, die nur dazu bestimmt sind, Stimmen zu fangen. (Fortsetzung folgt.) sp'WW xmv. \ lüfflTTlTÜi‘iTllilliiKtfiWHiliViillilftWl'iiWifffrlirfümihiiMfMiin « nmnfi an ... iiiimiihi