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Wiener Morgenzeitung · 1925-10-30 · Heft 2402 (30.10.1925) · p. Seite 9

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2402 (30.10.1925)
Date
1925-10-30
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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W.tJWb' Ktyperr, wenn: tfTT r n TSMN ilmrußrik CE SV ■; . I>'xa-pa** der „Ar.M»rzen,eit«ng" „Die Motovbraut.' Ein spannendes und in atemlosem Tempo jagendes Geschehen LÄNG dWc Fi'lw, für dessen geschickt ausgebackes Buch Helnmch Ort Mann zeichnet. Richard Eichberg, der Regisseur, hat eS veOanden. aus dielsern Sujet ein Werk zu schaffen, das keineswegs in der Mottheit der Abwicklung hinter ÄmerAaniischen Fkbmm deGGen Genres zurückstcht und außerdem noch die EmdrinOichkoit und WnsÄerische Auffassung besitzt, die >sfft aMWeßlich dem guten deutzschen Filim zu eigen ist'. Sport md Jugend, Vechrecherromansik. das jagende Tempo eines Rennwagens, die Aufregungen eines großangelegten Motordootrennens, die Sensation eines in Brand aufffammenden Bootes, Feste und Liebesszenen — das alles noch untevmiM mit reichlich viei gutem und gesundem Humor, gibt dem Film die gwße Wirffammt und Zugkraft, die sein Publikum vom ersten Moment an Mangen nimmt und bis ztmt Schluß nicht mchr loÄäßt. Die Hauptrolle spielt Lee Parrh. Ihr Spiel ist fein abgetönt und reich an künstlerischon Nüancen, in denen ihr bestrickender Liebreiz erst so recht MM Ausdruck kommt. Sie -ist eine sichr schöne Frau, die unbedingt zu wirken versteht, alber sie ist auch eine Künstlerin, die ihre Rolle vollkommen zu erfasse vermag und ihre reiche Ggswltungsgcche, unterstützt durch die augenfälligen BoGige ihres Exterieurs, lassen sie hier abevinals wunderschöne, abgerundete und vollendete Leistung bieten. In Ernst Hvs'fniann und Angela Ferari findet sie zwei Partner, wie man sie gar nicht besser wünschen 'könnte und die neben ihrer bekannten Darstellungskunst auch in sportlichen Leistungen brillieren. Ernst Mierendorf schuf hier wieder eine seiner beherrschten und doch so marlkanten Figuren, die stets Sympathie ausftrvmen. Erwin Bov hat Mit seinem Vagabunden eine amrüßacke Figur auf die Beine Mellt, deren seiner Humor bestrickend ist. Margarete 'Knlipfer. Sinaida Korolenko und Max Grün'berg vewollständigen dieses ausgMichnete Ensemble. Auch waS Ausstattung und die technischen Belange betrifft, muß dieser Film als ganz vorKKich gellunM bezeichnet Im neurenovierten Ifa-Palast-Kino , II., Taborstrasse 1 Erstu. Alleinaufführung des Großfilms i i l Werben. In Berlin war diesm -Film ein selten durchschlagender ErM beschicken, der sich WiMu.'.auch 'in.''.Wen. einstellen wird. „Der Dieb im Paradies." Eigentlich war die FM dieses Films, die von dem Einschleicher in eiste Familie in der Nolle des verlorenen Sohnes berichtet,,häulsia genug da, doch bat sie jedenfalls noch nie eine derartig/ geschickte. Führung im Aushau des Buches, gefunden^ keinen so. außerordentlichen Regisseur, keine solchen Darsteller und keinen derartigen Autswand in der Ausstattung. Man folgt daher. Wr gerne der Handlung, die mit wirklicher Spannung durchtränkt, sich,immer im Rakhmm des Möglichen und Glaublichen Wt und hetMchle Ausnahmen aus. der Süds^ und von der kalilforstischen Küste bringt. Die:Darstellung wird hauptsächlich von Doris Kenyan, Mem Pringle und Ronald Colman getragen, hübsche.und sympathische Menschen, die, künstlerisch hervorragend begabt, .ausgezeichnete Leistungen bieten.. Besonders muß hier Allsten Pringle hervorgehoben werden, die/ trotzdem sie hier in die Nolle einer Intrigantin gedrängt ist, die liebcns'triüvdWu Wirkungen hewoMbrinaen vermag, wöbri ihr . der Umstand, daß sie unbedingt eine der schönsten Frauen des Filmes, ist, gvwiß nicht wenig zustatten kommt. Auch die Darsteller der kleineren und kleinsten Typen sind soMiMt ausgewWt uch gsbdn Allerbestes. ,; In seinen technischen Belangen ist dieser Film ebenfalls ganz ausge-eichne-i geluiMn. . I. Sch KHÖTTENRINGKINQ iötfenrlng5 Telephon ' 17-1-25 Von heute bis S November Dag sensationellste Ereignis der Saison! DerFlug um den Erdball i. Teil: Von Paris bis Ceylon mit Eilen Richter, Rein hold Schünzel, Bruno Kästner, Max Landä, H. Bräusewetter und das übrige Sehlagerprogramtn Beginn: Wochentags *1»5; */*6, ‘JV8 und 'U9 Utir, __ ROTENTURM-KINO _ 1. Fletschntarkt 1 Von heute bis *. November Mae, die Verführerin Ein ehtzückender Film aus dem mondänen Leben mit MAE MURRAY und das Qbrige Schlagerprogramm Beginn der Voratelltthgeh; 4, */.6, v,d, 9Uhr Begleitmusik einet trstWaigesi Küustlerkapeiie .; , «ln der Hauptrolle : LeeParry » Ab heute täglich / Voratellungsbeginn Vs5 Uhr Sichern Sie sich Karten im Vorverkauf! Monopol; Viktor Micheluzzi im Westi-Konzern eeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeee CENTRAL' >1. T a b o r s t r a s s e 8 Telephon 42-3-41 Von heute bis 2. November Gesellscbaftsdratna jn 6 Akten mit Aileen Pringle und das übrige Schlagerjifogramni Beginn: *fA l/.8 und a/«9 Uhr, Sonn- und Feiertags ■ , f. %6, V,g und W Ulli ■ .. ,,D§Lt Sv.H-ISkWt fccit ErdSatt." In der den'Köar glücklichsten Mischung bringt dieses kolossale Mnwerk alles, 'was man nur vom Film Hecke erhofft und «ripariel: Eine sipannenve und sensationelle Handlung, die in wahrem 'Hundenkilon;e tertempo voMeriffitzt und der die n-nndevoolst-eu.Narurausnahmen ans der ganzen Welt, die. wir bis setz: im Kino zu scheu 'bekamen, ein überaus interessantes Milieugebest, weiters ein ausgezeichnetes Darstellerenssmlble unter der tatkräftigen umd verständnisvollen Regie Dr. Willy W o l f j L vereinigt und schließ sich eine photographische Technik, die ihresgleichen in der ganst'n Welt suchen darf. In dom span n enden Geschehen, das in drie-izchn Tagen um die ganze Erde führt und alle fünf Erdteile berührt, spiell Ellen Richter die Han>ptrolle. Ihr krastoolles Temperament und ihr lebenswahres, natürliches Spiel lassen sie vorMliche Leistungen bieten,.die all das Ecke, das wir von ihr bis setzt kennen, noch übertrch'en. Ihre Mitspieler, B r a u s e.w e: t e r, Pointner, Landa, Schünzel und Kastaier, sind, gleichfalls ihr Bestes' gebend, dieser seltenen Künstlerin eben-' Kürtä-g. : Alles in alliM: Man soll diesen Filim unbedingt gesehen haben. , Eine neue Mener Filmproduktiou. Die Don auf U Inges e lisch a st hat. suchen chren ersten Film sertiggestellt, der im Wiener Milien spielt und sich „Haifische der Nachkriegszeit" betitelt. Nach einer Idee von Hans Lang verfaßt,' wurde er von Louis D e e m a ii n und Engen Preis 'inszeniert-und bringt in den Hauptrollen: Die BurManspielerin Call ine, hie junge Russin Vera Verenina, die 'Herren Gustav K o tany i, Rudolf Dörr'.ng, Lskar Sima, Melzer. Vern.ina und Schmied!. Bereits in den nächstien Tagen beginnen die Ausnahmen zu dem zweien 'Film, der den Mel „Der 12. November 1918" l.,Die Tragödie des unbekannten Soldaten^ tragen wird. Die Filme der Woche. „Mitzi, di« weiße Taube vom Saere-Coenr." — „Ertämhst." — „Großmutters Geheimnis." — Mister Radio." — „Der Dieb im Paradies" — „Paris." — „Mae, die Verführerin." — „Der Manu — big Freu — der Freund." — „Der Flu« um den Erdball." — „North of 86." — „Der Tänzer seiner Frau." — „Die Motorbraut." Achtung! Hütet Euch! Er stiehlt die Herzen eurer Frauen! Der Dieb im Paradies Ein First National-Film mit Doris Kenyon / Aileen Pringle Ronald Colman zu sehen ab heute: Burgkine Maria Thereslenklno Zentraik no Eos-Llcktsplele Ab Dienstag: Krugarklno Kino Kern Pkönixkino Copyright 1924 by bl. Fortsetzung, ourt Wolff Verlag A.-0. München Nachdruck verboten. Herr Mlmift. Eine amerikanische Autobiographie von Samuel Ornih. Alle Welt wundert sich, wie er es. durchhalten kann. Schneidert er während der geheimen^ Stunden der Nacht noch ilimner Kniehosen? Vermutlich wäre er längist verhungert, iwem chm nicht gelegentlich seine Mutter eine warme Mahlzeit ins Haus brächten Er «wüststelt weiter, der Idealist; was aber gibt man ihm für seinen Idealismus? frage ich mich schadenfroh. Nichts! Er stölpert nur weiter, weil er esben schlaftrunken ist. Warum wacht er eigenÄsch nicht auf unid sicht die Welt so, wie sie ist, wie er mit ihr fertig werden muß? Er weiß ganz genau, ein Doktor -ohne Geld kann nur auf zwei Wegen weiterkommen: entwcher, er muß ein Mä>dchen mit Geld heiraten, das ihm Wer die Periode des Sich-Bökanntmachens T-ickv-eMst,. oder alber cr muß Abtreibungen übernehmen. Ich Mst hatte Harry ein paar etwas anmchige Fälle vorgeschlagen, aber er schlug sie entsetzt aus. Da ist sein Bruder ein anderer Kvrl, ein ausgezeichneter Taschendieb, der inzwischen so in der Schätzung seiner Berussgen.ossen gestiegen ist, daß »ne ihn jetzt ‘ nicht mehr ,-Archie, thv Gun" (Archie, die Pistole),. sondern „Archie the Canon" (Archie, die Kanone) titulieren. „Morgen lbeginne ich zu praktizieren. Besucht mich mal im..feinsten Doktovenviertel an >der Forsy-the Street. Aber paßt auf, daß ihr nicht über die Mülleimer und toim Katzen fallt. In der Aorshthe Street gibts m>:hr tote Katzen, ils irMidwo anders auf der Mellt."! ,/Ich gratuliere und wimsche Ihnen viel Glück, Doktor Rulhin", sagt Esther und schiittelt' ihin freuudsclufftlich die .Hand. ^„BielMück, Hymie", muruBle ich. „Danke schön,. Esther. Sehr vevbuudcu, Meyer. . Ich brauche gute Wünsche — und Patienten. Ich mache eine Wette, Harry ist froh, einen Kompagnon, zu bekommen. Jetzt ist das Bechungeirn nicht mehr so schwer und einsam, wem er eiMy anderen neben sich weiß.,Wir lachen. Sogar Harry. Hymie P drollig, auch wenn er etwas sagt, was nicht eigen tili ch witzigist. Aber auf -Harrys Gosicht legt sich eine trübe Wollke, als hah« Hymie Äu wunden Punkt ibevührt. . einzige Avt und Mise,,als Arzt richtig awzufaygen, -st, sich.nach einem reichen Schwiegervater -umbuschen.-Meyer, alter Junge, ipie wär's, vevschasf' mir einen Schrdach/(Partie) mit einer.Mtgist, die groß genug ist, daß ich mich erstklassig ciurichten und fünf Jahre lang halten kann." - Harr^cMft- An Fanny Weingra^ die er, wie man behaupstt,'. h>?irateit Will, weil ihr Vater Gstd hat.. . IW aber lenkt Dr/ Crane das Gespräch in erustl-astere KmM. „Dre 3iiubm,:es ist viol Wahrheit in Ihrem Scherz. .Dev Staat sollte AeH.e^währerd' dev‘evston; süns Jahre' erhalten." Woraus au der Ecke der 2. Arerlue.eine weitere Diskussion entbrennt, .und als ich jetzt meine Au^n die Avenue hinauf- und hinunterschweifttt lasst, scheint es mir, daß an jeder Ecke' eine Grüppe von 'Distusfionhsten stoht und argumentiert^ Gbch als -ich z-u der g^oMmey" hin, daß die anderen lieber weiter Veden wollen als essen- -fragt Hymie: „Wann watie-n wir denn eigeu tiich suttern?" . Wir können uns von Hymie nicht loSvcißen, der sich gebärdet wie! ein Student aus Ferien. Und so' habe ich ntehr als geuug Gesellschaft Ibei de.m Ess-eu, das ich für Esther und.mich allein geplattt lmtte, um zu beichten und zu -versprechen, um'das.'VergnUgon '«u genießen, sie mir nahe zu toissen,siev'0rnrir zu' sehen. ""'S ■; Hymie führt uns nach einem qualiuigen Gulaschbokal, uMtzj-schry 'KeMvestzaurgut am St. Marks Place, .unnsiWöat an. der Z. ÄMi-ue. Alles raü-cht in dem schacht gÄstficken .Wal,-Mein Eilldruck ist der eines ■ nebligen .MeresH arii dem Köpfe als Bo'en treiben und erhobene Hände'-:alL iA:wev.eladene Schoner — Kellner,- die eiltb..epstanstlich-e Mltge Heller in beiden Händen -balancievest -7". kreirzen durch die Kanäle der Gange zwischen den Tischen: und einer von ihnen lü-mmt uns ins Sck/epp- . tay und^chnst uO eWu engen AMrplatz in eiuen W an. Das nnaushäuiche Sprechen ist w« das Plätschern des Wassers um die Piers..,/Hier gibt'S das beste Gulasch der.Wölt, und oh! hier sind die Schnitzel wnElich Schnitzel!" Hyuri-e entschuldigt sich für die üsbelrieche-nde, lärmende Umgchung. „Und echtes Piffner gibt's und Kullmlbacher uud Pischinger Tarte und Wiener Eierkuchen und Saiuerkra-utmit Frankfurter Würstchen, und «was >sür Sauerkraut! Süß wie der margeMiche Tau auf Rosenblüten." Seine Art, über die Gerichte in Verzückung zu geraten, macht einem direk-t den Mund ivässerig. Der Besitzer, ein Böhme, der so rund ist wie seine Bierfäßchen, tritt heran, schüttelt dem H:-rrn Doktor die Hand und lauscht begeistert aus-as Lob seiner Küche. „Ich lbedüme Sie Mst", sagt er mit süvstlicher Herablassung. Er ehrte'uns weiter, indem er einem in der M'he lnritullümmeluden Pikkola -de:c Befehl gab, ein re-ines Tischtuch vor uns auszubreiten und sein Privaöbüsteck für , uns herauszusuchen... Aber trotz>d.'M das Essen ausgezeichnet war, saßen Tr. Harry Wotin und ich die garrze Ieitschweigstni da: Ich weiß, Harry denkt an Fanny Weiugrad, die für ihn so gut wie Hevlaren. ist, da sie im Laufe der nächsten Woche einem' Geschüstsnrann angetraut . wenden fall, -den ihr ihr Vater ausgesucht hat. Schammes M-endÄ Gerditzky er>ar der Schadchetr, .der die Heirat arrangiert hat. Der Schammes verschafft sich dadurch ein Ne>be'neink-o'.nme.n, daß er als Kommissionär a-uf - deur Heiratsmarkt- Handel-treAt und a-ußerdenr Riinalwein verkauft. Erst 'heute änörgens hat mir der Schammes die Cinzolh-eiten des Falles vorgetrageir, da er Weiugrad'. zu verklagen bvabsichiigt, der ihm die Kvmmissi-on sür die Beschaffung eines passenden Gatten zu beschneidell versucht, Ich lud ruir Weingrad vor und führte einen ÄUsgleich herbei. Ter Schiaumtes, der Harry gern hatte,> erklärte, es .st'i. schade, aber cs würde sich schon^ alles eiurichten lassen! Seiner Ansicht ngch ist noch niomand. an Licieestumuter ge'stövben.' Aus seirve eigene Art aber hatte er doch wieder Mitleid mit Hanna-h, die ganz verzweifelt anssah mit ihrem aufaedunseuen Gesicht, das gan'Z tränenverwaschen erschien.. Sie. war klc.iic und dick und sehnte sich nach ihrem veichllngert ausse-hendeu, schmalbrüstigen Schnorrer-Doktor. Ter Schammes yries sie als gehorsanre .Tochter. Sie.wüvde die Vernunftheirat eingehen, auch weint ihr Herz nicht beteiligt sei, nur um ihren Eltern Freude zu machen. ' MoHetzung sdlgt.) i i i

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