Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2395 (23.10.1925)
- Date
- 1925-10-23
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 88% known words query
- IRI
…/2979076-2981191-2981481--24435-3011979- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 6 Wien, Freitag städtische Böden im Durchschnittsausmaß von etwa '>3 Dunam. Wichtig ist auch, daß mindestens 160 Interessenten Böden in und unmittelbar um H a i s a besitzen. Hier!wie auch in Afuleh und Safed liegen überdies die österreichischen Parzellen in geschlossenen Blocks, fordern also zu einer Kooperation der Bodeneigentümer 'geradezu heraus. Für diese Kooperation in Haifa ist besonders wichtig, daß das Palästinakomitee der Vereinigten B'n a i - B'r i t h- ^Logen Wiens die Errichtung eines Volksbildungshauses ■ m Westkarmel nach Muster der Wiener Urania plant ^und dort ein Areal von 5 Dunam (im Werte von 400 agypt. Pfund) im Wiener Block zu erwerben beabsichtigt. Stand der Auszahlung. Naturgemäß werden die Böden und insbesondere die städtischen den Käufern erst dann zur Besiedlung, bezicvhungsweise Verwertung überlassen, wenn die Bezahlung ■ ganz oder zum großen Teil erfolgt ist. Die vor dem Krieg j gekauften Böden sind fast restlos ausbezahlt und der größere ,Teil der ländlichen Böden auch tatsächlich in Kultur gekommen (Orangen- und Obstgärten, Eukalyptus- und '.Mandelwälder). Doch auch bei den neugekauften Böden ist, laut Auskunft der Verkaufsvertretungen, im Durchschnitt die Hälfte der Kaufsumme schon bezahlt und der Eingang des Nestes, etwa 16.000 Pfund Sterling, vertragsgemäß bis Ende 1925, beziehungsweise 1926, ausnahmsweise, zumal bei den jüngsten Käufen von Afule und Kischon, Ende 1927 und 1928 bestimmt zu erwarten. Dies gilt sowohl von den durch Akzepte gedeckten als rauch von den sonstigen Zahlungsverpflichtungen. Die.Böden am West- und Zentralkarmel, welche zunächst für die Verbauung in Betracht kommen und wo bereits von anderen Interessenten, .so aus Polen, Deutschland, Palästina, zu bauen begonnen wird, sind fast durchwegs ausbezahlt. Vorteile eines Zusammenschluffes der Interessenten. Jede zweckmäßige Verwertung der Böden setzt zunächst eine verläßliche, klare und erschöpfende I n f o r m at i o n voraus. Die Verkäufer erteilen allerdings durch ihre Wiener Vertretungen eine gewisse Information, doch erscheint diese den Käufern nicht immer erschöpfend genug, um darauf Entschließungen von weitreichender wirtschaftlicher und persönlicher Bedeutung zu basieren. Es ist eine Informationsquelle vonnöten, die von Vorneherein als objektiv gilt. Die offiziellen zionistischen Stellen können diese Information leider noch nicht bieten. Das Haudels- und Jndustriedepartement der Zionistischen Palästinaexekutive in Jerusalem, unter Leitung N. Thischbys, ist vom besten Willen beseelt, doch mit Arbeit überhäuft. Die vielen Interessenten, die dort persönlich vorsprechen, lassen keine Zeit für' Korrespondenzen. Die vor einigen Monaten gegründete, auch zur Beratung von Palästinainteressenten bestimmte Gesellschaft Mischar Wetaassiah (Handel und Industrie) in Tel-Awiw vertritt — ihrem Namen entsprechend — vorwiegend kaufmännische Juteresfen. Das Wiener Palästinaamt hat stets nur aus Gefälligkeit Informationen erteilt und wird dazu künftig um so weniger geneigt sein, als der letzte Kongreß die Angliederung von Informationsabteilungen an die Palästinaämter (und eine bezügliche Budgetpost) abgelehnt und nur den platonischen Beschluß gefaßt hat, es sei wünschenswert, (private) Informationsstellen in den Ländern zu schaffen. Dem Interesse der Palästinainteressenten kommt daher die Gründung von Treuhand st eilen in Palästina sehr entgegen. Der Hamoman Chewra Neemanith (Dr. Wöllstein) will hauptsächlich Interessenten aus Deutschland und eine zweite Stelle (Doktor Korngrün) solchen aus Polen dienen. Diese O rganisierung nach Landsmannschaft t e n weist ans ein natürliches Bedürfnis hin, welches auch für die österreichischen Palästinainteressenten richtunggebend sein sollte. Die Verständigung zwischen Landsleuten, welche in Oesterreich ihre Pläne für Palästina besprechen, um sie dann drüben in die Tat umzusetzen, mutz den Mut der Beteiligten heben, den Unternehmungsgeist beflügeln und den Gemeinsinn stärken. Die richtige Information über die Möglichkeiten des Palästinaaufbaues wird die Verwertung der drüben erworbenen.Gründe, wird die Privatinitiative überaus erleichtern und beschleunigen. Ist ja die Verwertung dieser Böden größtenteils der eigenen Initiative der Interessenten überlassen. Schon die Hachschara wird nur ausnahmsweise von den Verkäufern besorgt (so bei Afnleh und Kischon sowie fortab bei Rom- Hakarmel). Insbesondere am Karmel find noch vielfach nicht einmal die Hauptstraßen gebaut, wie auch für die Zuleitung von Wasser und für die Kanalisation nicht vorgesorgt ist. Da außer den österreichischen Blocks auch die anderen Komplexe nach Landsmannschaften verkauft sind oder gar von Vorneherein durch Landsmannschaften erworben sind, wie zum Beispiel der Südkarmel (zwischen den beiden Blocks Rom-Hakarmel) von der rumänischen Achusa Herbert Samuel, ist der Aufbau des Karmel durch das Zusammenwirken der landsmannschaftlich organisierten Siedler ein Gebot der Notwendigkeit. Das Brachliegen der Gründe in Palästina birgt verschiedene Gefahren in sich, sowohl für die Eigentümer der Gründe als auch für die Volksgemeinschaft. In ersterer Hinsicht ist besonders darauf zu verweisen, daß bezüglich einer Anzahl von Komplexen, so am West- und Zentralkarmel und in Afule, den Käufern eine Bau v e rp fl i cht u n g auferlegt ist, mit dem, daß bei Nichteinhaltung dieser Verpflichtung der betreffende Boden vom Verläufer (ohne Rücksicht auf inzwischen erfolgte Wertsteigerung) gegen Rückzahlung des Zahlten Kaufpreises samt Zinsen zurückgenommen werden kann. Die Bauverpflichtung bezüglich der Karmelböden ist durch die Jahre 1930, 1931 und ___Wiener Morgenzeltuns_ in einigen Fällen 1929 begrenzt. Eine weitere Gefahr: Bei längerem Zuwarten mit der Verwertung der Gründe kam: der Grundbesitzer sterben, können sich seine Vermögensverbältuisse ungünstig verändern oder kann er sich bestinunt fühlen, sein Geld anderwärts zu investieren. Er wird sich insbesondere leicht verlockt fühlen, seinen palästinensischen Bodenbesitz, wenn er ihm nur Sorgen und Lasten — so durch Staats- und Gemeindesteuern — aufbürdet, wieder abzustoßen, zumal jeder Verkauf bei der allgemeinen Tendenz zur Preissteigerung in Palästina nicht unbeträchtlichen Gewinn verheißt. So würden diese Bodenbesitzer die Tendenz zur Preissteigerung noch verstärken und — nolens dolens — an dev national so schädlichen Bodenspekulation teilnehmen. Wenn jedoch die baldige Verwertung der Gründe durch den Eigentümer, so durch Errichtung von Wohn- und anderen Häusern auf städtischem Boden und durch Aufnahme des landwirtschaftlichen Betriebes, ermöglicht wird, ist eine persönliche Verknüpfung mit diesem Stück Boden gesichert und die baldige Ucbersiedlung des Eigentümers nach Palästina nähergerückt. Wer sich bestimmt findet, seinen Boden vorzeitig abznstoßen, dein wird naturgemäß jeder Kauflustige, ohne Unterschied der Landsmannschaft, willkommen sein; durch das Eindringen der neuen Käufer aber würde die für eine harmonische Entwicklung der einzelnen Siedlungen gerade am Anfang so wichtige Einheitlichkeit der Landsmannschaft durchbrochen. Allerdings sucht die Vertretung der Palestine Land Development Company in Wien diesen Gefahren dadurch zu begegnen, daß sie sich Vorbehalt, ihren mit der Zahlung von Raten rückständigen Käufern den Boden zum Origiualpreis wieder abzunehmen und zmn gleichen Preis an andere Juden aus Oesterreich weiterzuverkaufen. Doch dieser Schutz ist nur im Zug des Kaufverfahrens möglich. Hernach müßte eben die landsmannschaftlich organisierte Siedlungsgruppe mit.Schutzmaßnahmen eingreifen; und die rationellste Maßnahme besteht eben darin, fcbem Bodencigentümer die persönliche Benützung seines Grundstückes zu erleichtern. (Schluß folgt.)' Wien, 23. Oktober. * Bon der GesaMschast der Tschechoslowakischen Republik in Wien wird mitgetevlt: Anläßlich des Nationalfeiertages wind am Mittwoch den'2 8. Oktober weder bei der Gesandtschaft noch 'beim GenerM-onsulat und dessen Paßstellen amtiert. * Die Preßbnrger Ruine wird renoviert. Wie aus Prag gemeldet wird, soll das Pretzburger Schloß, -daß. bereit eine Ruine ist. urit einem Aufwand von 29 Millionen tschech. Kronen restauriert werden. Das Schloß soll cks Wohnung für den Präsidenten der Republik eingerichtet werden, der dort immer eine gewisse Zeit imt Jahre verbringen würde. * Gemeindewahlen in Pohrlrh. Bei den am Sonntag den 18. d. stattgesundenen Gemeindewahlen wurden folgende jüdischen Mandatare gotvahtt:. Moritz Spitz, Cahier, Richard Nassau und Hermann Schnabl. * Rumänische Hakenkreuz!«. Wir lesen in einem rubränischen Matte die folgende Eisenbahnidylle: Sonntag abends gege^ 9 Uhr bestieg die Kaußmannsgattin Klara Äebz.elter aus Zadowa mit ihrer Schwester Fräulein Sali Frie.dmann den Zug in Hliboka, um nach Czernowitz zu ischren. Kaum hatten sie den Zuig betteten, da kamen auf sie mehrere Sduldenten zu und befahlen ihnen, den Magen sofort flu verlassen. Der Zug setzte sich inzwischen inBe weguug. Die Studenten stießen die beiden Damen trqtzdom zum Ausgang hinaus.'Nur'mit schwerer Mühe gelang es ibeiden, im Vorräum des Wagens weiter zu verbleiben. Die Studenten wollten dann e i n e n Iuden durchs Fenster Hinauswersen. Dieser asber flüchtete in den dnnÄen Borrauim, wo er sich auf den Boden hinlegte und von den beiden Damen mit einem Mäntel, zugedeckt wurde, um von den HrkenkreuAern nicht bemerkt zu werden. .Der Kondukteur, der im Wagen erschien, erklärte den jüdischen Passagieren, daß sie den Wagen verlassen müssen, da er reservier!-sei. Ms ihm jedoch die Reisenden mehrere R-oten ^zust e ck^e n, zag er seinen Befehl zurück. Die Studenten'ftchr-n * im Wagen mit einem Professor. Alle stiegen' um 11 Uhr' cibends in Cßernowitz aus. * <5. Nemoi gestorben. In Meiringen im der Schweiz, wo er Erholung von seinem schweren und viele i Jahre mit großer Geduld ertragenen Leiden suchte, stav'b Herr.S, N' em o i, der Leiter der Abteilung «des Haüptbureaus des Keren Kajemech il'Jisrael für die Länder der französischen Sprache.. Der Keren K-ajemech l'Jsvaeil verliert in Herrn Nemoi einen Mitarbeiler von ganz blonderen Qualitäten.' Seine hervorragende In: elligenz, seine ausgedehnte Kenntnis .des französischen Judentums, seine wahrhaft ziomstische Gesinnnng, sein steifes.Verständnis für die palästinensischen Probleme'halben' ihn ' befähigt.', die schwere ÄuiMbe, zu deren Leitung er beistellt war;-mit ungewöhnlichem Geschick durchzuführen. Der Autffchwung des Keren Kajvmieth l'Jsrael -in den Ländern der svanMischen'Sprache ist nicht znm wenigsten der Leitung der Artbvit durch Simon Nemoi zu verdanken. Direktorium und Hauptbureau des Keren.Kaf-emeth sowie alle Zionisten vereinigen sichindem" Ausdm'ck des tiefen Schmerzes Aber das unerwartete Hinscheiden'dieses bewährten Freundes und ausgezoichneten Mtacheiters. * Das Wetter. Gestern war es trüb und kühl.. Der. graue Himmel lichtete sich nicht einen Augenblick. Die Voraussage meldet wechselnd wÄk'veränderliches Wetter mit Nwvln.' * Die Lebensntitt, ,;:rfte. Auf den gestrigen PichnMten von St. Marx verfolgten'«oie Preise auf lallen GEieten die rückgängige Richtung. In der Großmarcktchalle langten- Wern 22 Waggons diverser Fleiischarten im Gewichte von lÄ Tonnen ein. Der Naschma-vkt wurde gestern, in bMg'aüf ckl^ Gemiüfesorten reichlich beliefert. Viele Gemüsearten zeigen' steigende Tendenz. Kohl, Salate, Paradeiser wie' auch Schwämme, namentlich Pilze, halben sich verteuert. Die KartchsÄ-und.Krantpreise zeigten keine -Veränderung. Ms dem ObstnnaM 'sind auch Weintrauben im Preise gestiegen. ' Importierte Butter hat gleichfalls im Preise angeMen. - - ' * Die neuen FestfLle in der Wiener Hofburg. 'Gestern wurde vom Bundesminister für Handel- und Be'Mhr, -Doktor Schürff, den Vertretern der Presse Gelkgenhstl geboten,'.die ^ben ferstggestellien Arbeiten zur- AusgeisMung der Festsäle in der Wiener Hofburg und deren Nutzbarmachung für. öffentliche Veranstaltungen zu besichtigen. .- Der -Minister' it>ie§ irt einer Begrüßungsacksprache auf die. gewaltigen SchwierigAtton hin, welche mit der Erhaltung einer auf Jahchunder-te. ..zurückreichenden Kultur- und Kuuststätte, wie es die Wiener Hchburg ist, verbunden waren. Dem demokatischen Geiste der Zeit entsprechend, werden mm diese für höfische Glanzentfcktnii,g be- 23. Oktober 1925_Nr. SSM stimmten RältUte in den Dienst der Allgemeinheit gestellt. DeÄ Minister betonte, daß die mit der neuen Verwendung not»«' wendigorweise verbundenen AuSgeftcktunigsarsbeiten in deniKtzst" sälen bedeutende Geldmittel erfordert haben, ohne daß Bundes mittel hiefür herangezogen werden amßten. Sie wurden durchs Saalmleben und Bosichttzuttgs-gsbühren herelugebvacht. Södänst' lud der Minister zur BsstchtMng der Räume ein, in denen b«i Leiter der -Fvstsäle, RegiemuMat M a r t i n z, die vprgenammenen HevstMngsarbeiten erläuterte. Die neuen. Säle, WpsangSraum, Neudv Saal, Festsaal. Zereanomensaail und Ritter. sack, tverden Kr KonzertaMihntnaen und Bälle zur Verfügung stehen. Die künstlerische Ausgestaltung der an Schönheit'schwer zu i'rbevbietenden Säle^wuvde vor: Obevbaurat Reiter 'befovgt.' * IohanU'Ttrauß-Konzert vor dem Rathaust. Die Gemeinde Wien veranstaltet an: Samstag um halb 4 Uhr nachmittags vor dem Rathaus ein Ichann-Sttauß-Konzert. Dirigent Professor Schoos. Attschlleße-rld an das Konzert werden zweihundert Sänger der „Freien Thpographia" Lieder von Johmn Strauß Vorträgen. * Die gute Qualttät ist maßgebend in allen Artikeln. Wie wichtig ist es atber, wenn'man bk Wtchl zu treffen hat, was man zur Erhaltung seiner KSoperifr-ische wählen soll: danttt man sich 'jung und elastisch erWt, und jeder Sach- und Fachkundige wird antworten: Benützen Sie. zu den lägllchen .Einreübungen de» guten »ich echten L-öwe nfra-uzbr a n n twe i n mi t Me ntbol. Schon nach oiumckiger Einvoibuihg fühlen Sie deffeir frische und «beldbende Wirkun-g. Sie müssen dareuls' achten, daß Sie den ecksten Löwenfranzbranntwern mit M en thol erhalten sollen. * Zur Diskussion über Re Gegenwartsarbeit echucht uns Frau Dr. Martha Hofmann als Autor des am 19. -. veröffentlichten Diskuffionsartikels „Wudo-Nastonckismus" mr die FesjstettuM, daß sie in einer am 18. d. mtisgegsbenen Prmimatischen Karte die Aoltdemug des <pon Herrn Dr. Maximilian Horowitz beanständeten) Wortes „genötigt sei" in .^beginnen" verlangt lhat. Die Karte ist uns ech nach Fertigstellung deö Blattes zugeikmnmen. * Wieder ein Unfall auf der Stadtbahn. Gestern vormittags wurde in -der St-adEahnhaltestelle Meidling der dort beüiecktete Kavl Schamazbauer von einem emsahvenden Zuge der Gürtellinie nledergestoßen. Er wunde mit schworen Verletzungen in das Spi-tck gebracht. * Was ich nicht mchr sehr« möchte! Die bereits benützte Serviette beim Friseur, die einem um den Hals gebunden wird und angobllch nur etwas „bestaub:" ist. (Ein Kunde.) — Das Tippfräulein, das die Augen zum Himmel emporschlägt, wenn ein Fremdwort kommt. (Ein Chef.) — Den - Ghauffour, der kein Kleingeld, herausgeben,kann. Mn Fahrgast.) — Das GegetMer im Ei'enibahnzug mit 'der Käsestulle. (Ein Reisender.) — Die Sängerin am Klavier, die zunächst eine Viertelstunde auf Heiserkeit posiert. (Ein ^rnzerödssucher.) — Den, ausgeschoreuen Specknacken der BuIbeMpse. (Gin Frzseur.) Die Geldknappheit. (Einer für alle.) * Der gekündigte Henker. Die dänische Regierung hatihrem Henker mit hMjähriger Frist gekündigt, denn seit mehreren Jahven bestand die TätiOeit dieses cmderSwo „nützlichen" Mitgliedes der G-esellschaif-t nur noch in der Ein«, riehung seines Gchcktes. Dänemark hat seit über 80 Jahrenj leine Hinrichtung mchr stattgestmden, obwohl die DkcheSstvafü noch nutzt offiziell aibgeschässt werden ist. Mhne md Kunst. „Die Nacht auf dm Men Markt." Perez' letztes Drama im Moskauer jüdische« Staaistheater.. Das letzte dramatische Werk des verstorbenen MscheUr Dichters I. L. Perez, das symbolische SM „Die NachK auf dem Alten Markt", ist vor kurzm am Moskauer jüdischen Staatstheater zur UrauEsLhwng gelangt.! Seit einigen Jahren schon haben verschiedene jüdische Bühnen das Werk zur Ausführu-ng Mgenommen. So befaßt sich di^ Wilnaer Truppe mit einer Inszenierung, und auch das New^i Yorker jüdische Kunsttheater Morris Schwartz' kündigt eine! Aufführung des Mrkes an. Bisher ist es W den AnVündi-z gungen geblieben. Das große Intesse an Perez' AlterswetSf zeigt sich darin, daß bereits eine Reihe deutscher Bühnen die! Auffühmng der „Nacht" erwogen haben. Bisher hat noch keine den Versuch gewagt, der überaus lohnend wäre. Die deutsche Ilebertraigung der „Nacht" durch Hugo Zuckermann schöpft das jiddische Original vollkommen aus.) Ueber d^ Moskauer Aufführung des Werkes schreibt Wfons Gold-i schmidt im ersten Qktobecheft der vorzüglich geleiteten) interessanten Zeitschrift „Die Premiere", Mütter M wesentliches Thecker, die im Verlag Gustav Kiepenheuer,! Berlin, erscheint: . *■ , „Es gibt in MoAkau nicht nur ein Wisches Dhecker/ sondern' ein Jüdisches Staatscheater, was, wie man sngebe^ wich, etwas ganz Besonderes ist. Es gibt Wische Theater iw .den Vereinigten Staaten, in Südamerika, m Europa, aber ein Wisches Staatsche'crter M es nur in Moskau. Darum aber ist dieses Moskauer Jüdische Staatstheater kein jiddisches Theater, obwchl die Schauspieler dort Jiddisch sprechen. Es ist vielmchr ein Jdeencheater, ein CharakterisierungScheater größten Stils, das ganz und gar Nicht vom „Inden" tot üblichen Sinne handelt, sondern vom Juden und bm Jüdischen als von höchst bedmifamen Erscheinungen in der Bewegung der Welt. Passivität und Aktivität des Juden sind hier nur Teile der WamitPassivM und der Gefamraktivitäl, und die theatralische Kritik m Juden ist hier nichts anderes als' die Kr« an den negativen Kräften^' die. in jüdischem Gewände den großen Fortschritt Mshckten. Es -ist' genm bfo Kritik Marxens am Juden, soweit sich der Jude gegen jenen' Fortschritt stellt.' Da die meisten der Juden KleinNuger sind, und da. das Kleinbürgertum sich der produktiven Weltbeiwegung ent-' gcgenstellt, so wird auf dieser Bühne alles Kleinbürgerliche^ stark kritifievt. Aber in welcher Form! -Nicht etwa mit Her selbstbelächelnden Duldsamkeit Mischer Javgontheater, nicht mit jenem Wischen Witz, der grinsend das Minbüvgeü'lche im Judentum. verteidigt, sonderir mit SchlMSwaA, Mw Aetze, die ebenso beißend ist wie die. Aetze eines genialen politischen Pamphlets. Dabei " ist das Künstlevische der Darstellung geradezu ungchmer. Ich sah eme solche Ms-!