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Wiener Morgenzeitung · 1925-10-09 · Heft 2381 (9.10.1925) · p. Seite 6

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2381 (9.10.1925)
Date
1925-10-09
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 Wien, Freitag Wiener Morgenzeitung 9. Oktober. EZ fa. am Der Prozeß gegen die Riitgers-Gesellschaft. Im Prozesse «egen des Zusammenbruches der Rütgers-A.-G. wurde gestern der dritte Angeklagte, Rechtsanwalt Dr. Leopold Ehrlich, einvernommen. Er erklärte: „Ich bekenne mich des Deliktes der fahrlässigen Gesellschaftslrida, des einzigen Deliktes, welches mir die Anklage zur Last legt, nach fciucv Richtung hin schuldig." Nach einem kurzen Abriß über seinen bisherigen Werdegang, insbesondere über seine ehrenhafte advolatorische Laufbahn, erzählt Dr. Ehrlich die Gnmdungsgeschichte der Rütgers - A.-G. und erklärt, daß er niemals, eine t5prozentige Beteiligung für fein Wirken im Sinne der Käufer rrhalten habe. Er widerlegt sodann die Behauptung des Staats- »nwaltes, daß der Ankauf der Grube „Lipynki" ein gewagtes Geschäft gewesen sei. „Ich habe stets bescheiden gelebt, troy- >em man mir einen riesigen Reichtum nachsagt, und wohne uoch heute in einer Vorstadtstraße in einer Zweizimmervohnung." Das Optionschaos. Die österreichische Regierung hatte 'seinerzeit die Erklärung veröffentlicht, daß Optanten keinerlei Pensionsansprüche gegen Oesterreich haben. Auf Grund Keier Regierungserklärung zog der nach Laibach zuständige Nrlitäroberstabsapotheker Ignaz Erben, der 39 Zähre.im »sterreichischen Militär- und Staatsdienste verbracht hatte, feine «eim Stabilste Graz angemeldete Optron für Oesterreich mit »er Begründung zurück, daß er sich hiedurch die Pension in Jugoslawien sichern wolle. Als aber später die österreichische steaierung mit Rücksicht auf ein mit Jugoslawien getroffenes lle«reinkommen die genannte Erklärung zurückzog, zog ruch Erben seinen Optronsverzicht zurück und beanspruchte die Staatsbürgerschaft und Pension in Oesterreich. Das Bundesmnisterrum für Heerwesen lehnte aber auf Grund der Er- Üärung des Bundeskanzleramtes (Inneres), daß Erben wegen seines Verzichtes nicht als österreichischer Staatsbürger anlesehen werden könne, das Ansuchen ab, weshalb Erben, der ,iun weder in Jugoslawien noch in Oesterreich Staatsbürgerschaft und Pension hat, die Beschwerde-an den V e r w a l-!ungsgerichtshof ergriff. Der Beschwerdevertreter Doktor Norbert K o r s ch e nahm den Standpunkt ein, daß die seiner-;eitige Zurücknahme der Option des Beschwerdeführers nur inter dem Zwange der Regierungserkläruna, Danach Oesterreich den Optanten keine Pension auszahle, erfolgt sei, und daß es sich nur um einen > e d i n g t e it Verzicht auf die Option handle. Das Publikum sei durch diese Reglerungserklärung, die später desavouiert vurde, irregeführt worden, und für diese Irreführung ct der Staat schon nach allgemeinen Grundsätzen haftbar. Es »ehe nicht an. den Beschwerdeführer, der jahrzehntelang Militär- ,ienste und zuletzt auch aktiven Staatsdienst in Graz geleistet )at, einfach verhungern zu lassen. Dies müßte aber geschehen, venu der arbeits- und erwerbsunfähige Greis, der wegen seiner Option für Oesterreich mit seinen Pensionsansprüchen in Jugoslawien abgewiesen wurde, nun auch in Oesterreich keine Pension erhalten sollte. Der Verwaltunasgerichtshof (Vorrtzender Präsident Dr. S ch.u st e r) gab der Beschwerde Folge md hob die angefochtene'Entscheidung als ungesetzlich ruf, weil die Optionserklärung an sich der rechtsiegründende Akt. für die Staatsbürgerschaft sei, auf den rrcht einseitig verzichtet werden könne. Veruntreuungen und Unterschlagungen durch Staats- »eamte. Wegen Veruntreuung von Steuergeldern in der Kesamthöhe von 30.000 S. hatten sich vor einem Schöffensenät »es Landesgerichtes 2 unter dem Vorsitz des Oberlandesgenchts- :ates Dr. Vockner zwei Beamte des Steueramtes Obersiullendorf im Burgentande. der 39jährige Offizial Johann Ldler und der 31jahrige ehemalige Hauptmann und Offizial Zranz Skraba, zu verantworten. Beide Angeklagten waren geständig und verantworteten sich mit Notlage. Sie bezogen Gehalte von ungefähr anderthalb Millionen, die sich durch Diäten bis auf drei Millionen erhöhten. Das Urteil lautete ür Edler auf zwei Jahre, für Skraba auf achtzehn Monate schweren Kerkers. — Gestern wurde die Verhandlung gegen die Beamten des Landesgerichtes 1, die Wetten aus dem gerichtlichen Depositenamt sich angeeignet saben, zu Ende geführt. Der Angeklagte Offizial Srb wurde ju einem Jahr schweren Kerkers verurteilt. Kanzleiobernrektor K o tz m a n n und die Offiziantin Spatynka wurden nit der Begründung f r e i g e s p r o ch e n, daß bei Kotzmann tätige Reue vorlag und bei der Spatynka jede böse Absicht jehlte. Volkswirt. tzröffnung der Handelsmesse in Tel-Awiw. Jerusalem, 7. Oktober. (I. T. A.) Am 4. d. wurde in Tel-Awiw die Handelsmesse Palästinas und des' Nahen Ostens eröffnet. Vorzüglich vertreten ist die Palästinaa b 1 e i l u n g, die die landwirtschaftliche und industrielle Produktion des Landes erschöpfend darstellt. Einige Regierungö- Lepartements gehören zu den Ausstellern. Der Strom der Besucher ist sehr groß, die palästinensische Eisenbahnverwaltung hat einen Sonderzugverkehr eingerichtet. Jerusalem, 7. Oktober. (I. T. A.) Die Palästina-Handelskammer in New-Zork hielt am 4. b. aus Alllaß der Eröffnung der Handelsmesse in Tel-Awiw eine feierliche Sitzung ab, in welcher der britische Konsul eine Ansprache hielt. Es sprachen - noch Repräsentanten der Fabrikantenvereine, der New-Vorker Handelskammer und der Zionistischen Organisation. Die Versammlung begrüßte in einer Resolution Lord Plumer und die Palästinaregierung und beglückwünschte sie zu dem im Geiste der Balfour-Deklaration vor sich gehenden wirtschaftlichen Aufbau im Lande. Ae Sslontienmg russischer Wechsel. Bon der Ochcrreichischen Nationalbank wird mitgeteilt: In der Oesterreichischon NationaGank fand gestern unter dem Vorsitze des Präsidenten, Bundesmmisters a. D. Dr. Reisch, Ulld im Beisein des Beraters Exgel lenz van Gyn eine Besprechung mit Vertretern österreichischer Banken darüber statt, in welcher Weise der österreichische Export nach Rußland durch Erleichterung der Finanzierung gefördert tverden 'fönnte. Die Besprechung ergab, daß die mefften Wiener Banken sich mit der Finanzierung des russischen Geschäftes in dem durch ihre allgemeine Geschäftspolitik gegebenen Rahmen in nicht unbedeutendem Umfange bereits befassen. Um die. Voraussetzungen für eine Förderung dieses Geschäftes durch die Oesterreichische Nationalbank zu erstellen, wurde, - im Sinne eines in der Besprechung gemachten Vorschlages an den Vorsitzenden das Ersuchen gerichtet, die Diskussion in einem weiteren Kreise unter Beigichung von Vertretern der Industrie und der für das russische Exportgeschäft bereits bestehenden Organisationen ehestens fortzusetzen. Die Liquidierung der Zentralbank. Während des gestrigen Tages fanden ununterbrochen Verhandlungen zwischen dem Bankenverb and e, der Nat-ionalbank und der Zentralbodenbank statt, nm die notwendigen Mittel Gr die Liquidierung 'der Bank herbeizüschassen. Aus Zürich ist ein Direktor der Schweizer Reichs-Vevsicherungsgesellschaft eingelangt, um wegen der Beistellung des Kredits von 200.000 Dollar gegen liebet* nähme des Aktienpaketes der AnTer-Versicherungsgesellschaft und g^-gen hypothekarsichere Sicherstellung des Bankpalais zu verhandeln. Vorläufig wird noch. versucht, das Bankpalais Möglichst günstig abzustoßen. Die Nationalbank prüft die Bonität der Sicherstellung der Schweiger Rückversicherungsgesellschaft. Wenn die notwendigen Kredite zur Liquidierung bereitgsstellt sein werden, dürfte dann unverzüglich an die allmähliche Auslösung des Instituts geschritten werden. Tie Direktoren Ullmann und Nelken sind bereits ans der Verwaltung der Bank geschieden. Die Herabsetzung der rumänische» Ausfuhrzölle. Aus Bukarest wird uns gemeldet: Infolge des vollkommenen Stockens des Exports und des drängenden Ci »sch rei teils sämtlicher wirtschaftlicher Korporationen hat der Oberste Wirtschaftrat den Antrag auf Herabsetzung eine Reihe von AussüchMeu für Lebcusmiuet gestellt, und zwar werden herabgesetzt : Die Ausfuhr gebühr für Mais ans 12.000 Lei pro Waggon, für Bohnen aus 10.000, für Gerste auf 12.000, für Erbse u und L i n s e n auf 18.000, für Teigwaren ans 15.000, für Ri alz aus 10.000 und für Obst ans 200 Lei. Die Ansstthrgebühren für Weizen und -die übrigell Getreide - arten bleiben vorläufig unverändert. J»t der nächste»». Zeit wird sich der WirrschaftSrat auch mit der Herabsetzung der Au sfuhr t axc n für Bich befasse»». Der Konkurs der Wilhelmsburger Lederfabrik Uesch. Gegen den vom Gericht bestellten ^Massevcrwälter wunde von seiten der Gläubiger der Rekurs erhöben. Außerdeß» wurden noch große Forderungen, die an die Konkursmasse gchellt wurde»», benrängelt. Die Passiven betragen zirka 35 Aiilliarden. Als Aktiven kommen der Wert der Fabrik und eine Reihe von Liegenschaften in Betracht. Allerdings stellt sich der Verwertung dieser Liegenschaften das Hindernis entgegen, daß der wertvollste Teil des Gutes auf den Ohmen der Frau des Konkursschuldners ei»»getrage»» ist und sie dieses nicht der Masse überlassen will. Die Gläubigerschaft wäre bereit, 50 Prozent aus dem Erlös dieses Gutes der jetzige»» Besitzerin zur Versüguttg zu stellen, wenn sie durch U eberlaß'.mg desselben an die Kontursmasse eine bessere Bertvertung des Grundkomplexes ermögliche»» würde. Die Inhaber der Firma halben von der Masse durch ein Jahr eine monatliche Entschädigung von je -18 Millioerhallen. Diese Zahlungen wurde»! nunmehr eingestellt. Die Bernay-Druckerei A.-G. in tschechoslowakischem Besitz. Wie die ,Wiener Bank- »md Börsenzeitmng" meldet, ist die der tschechoslowakische»» Regierung nahestsherrde Orbis A.-G. in das Masoritätssyndikat der Vernay A.-G. eingetreten und hat einen Teil des Aktienbesitzes des Berwaltwnigsrates der Vernay A.-G., Hauet, übernommen. Die Orbis A.-G. M eine Verlags-A.-G. und gibt die offiziöse ,Mager Presse" heraus. Es verlaute!, daß die tschechoslowaLische Regierung auf diesem Wege auch aas die in der Bernay-Dmckerei erscheinenden Zeitungen Einfluß zu nch»»»en beabsichtige. Herabsetzung des Diskontsatzes in Schweden. Ans Stockhol m, 8. d., wird telegraphiert: Die schwchische Reichsbank hat heule den Diskontsatz von 5 auf 4/5 Prozent herabgesetzt. Industrielle Ausnützung des Toten Meeres. Eine antorÄanische Gesellsschachft hat am Ufer des Toten QföeeteS eine chemische Fabrik eingerichtet, die in der Hauptsache der Salz- und Bromgewinnung dient. Der Salz- und Bvomgchalt des Toten Meeres ist außerordentlich hoch und wird durch «ausgedehnte Vevdampfungsanlagen leicht gewonnen. Die Gesellschaft hofft, den Salzbedarf der arabischen Halbinsel durch diese Anlage in absehbarer Zeit decken zu können. Bedent-cnd «st auch die Gewinnung verschiedener Nebenprodukte. Wiener Biehmärkte. Rinder. Der gestrige Austrieb be» lief sich aus 1030 Stück Schlachtoieb worunter sich 7»6 Stück Mast- und 314 Stück Beinlvieki befanden. Infolge gesteigerten Austriebes und re'erv'erter Kauflu't hielt sich der Verkehr engsten Rchmen. Gegen Montag sind die Preise um. 10 G. mrd stellenwerse bis zu 15 G. pro Kilogramm zurückgegangen.— Schweine' Ausaetneben wurden 2645 Schweine, damnter 1569 Fleischm»d 1076 Fettschweine. Bei ruhigem Verkehr erlitten Fe'tschweine im Vergleich 'zu Dienstag einen P r e i S r ü ck g a n g von 5 G. und Fleischschweine von 5 bis 10 G. pro Kilogramm. ES »rotierten »e nach Qualität r Fettschweine 2.30 bis 2.60 S. und Fleischschweine 1.90'bis 2.60 S. tzro Kilogramm Lebendgewicht. — Jungvieh. Die Gesamtzufuhr beliek sich auf 826 lebende Kälber,. 1617 Weidilerkälber, 1009 Weidnerschweine, 381 Weiduerschafe, 10 leb rüde, 21 Ziegen und 8 Lämmer Der Kälbernrarkt wurde um 600 Stück Copyright 1924 by 30 Forisetzung. Kart Wollt VirUg A^Q. Müncheo Nachdruck verboten. Herr Fettwanst. &ttc amerikanische Autobiographie von Samuel Ornitz. Es ist Sonntagmorgen. Das Quartett probiert in Verls Keller. Ich mache mechanisch mit. Ich bemühe mich, Al Wolffs Ermahnungen, lebhafter zu sein, Folge zu leisten . . . aber alles ist Esther. Sie lenkt mich von allem ab. Meine erdrückende Eitelkeit erfüllt mich mit Haß, und ich hauche: „Sie soll verdammt sein . . Ich erinnere mich an einen ihrer Blicke, einen mitleidigen Blick . . . Mitleid — warte du nur — warte, ich werde kein Mitleid mit dir haben. Mitleid ist dem Stolzen schwerste Beleidigung. Und ich schwöre mir, daß sie noch vor mir kriechen solle, zerschinettert und um Brosamen meiner Liebe bettelnd..... Al donnert: „Feste, feste, feste, noch einmal." . . . Was Al will, ist der Eindruck abgestimmter Glocken, die sich mischen, widerklingen, verstummen, lauter werden, anschwellen, und unter dem Einflüsse seines Zlgarrentaktstockes läuten unsere Stimmen seltsame Symphonien . . . Berl leckt sich die Lippen und ruft: So a Jahr wünsch' ich meinem Leben, wenn es nicht is besser wie der Kischinewer Chor. Gildene Glocken. Gildene Glocken." . . . Al's Vater, ein bekannter Kantor, hat ihn die Kunst des Chorals gelehrt, aber Al hat die Synagoge um des Theaters willen aufgegeben und ist der Kummer und die Schande seiner letzten Jahre geworden.. . . . Wieder und wieder singen wir, den Refrain durch, die Soli, Tänze, Duette, Ensembles und Spezialitäten... Davie schlägt etwas vor. Al brüllt ihn nieder. Er ist voll Verachtung. „Was war das? Ein paar klassische Balladen? Adieu, Goodbh, auf Nimmerwiedersehen. Klassische Balladen? Woher hast du diesen Plunder? Willst du uns unmöglich machen?. Hier gibt's nur eins: bringt dem Pack,!vas das Pack haben will. Und wenn ihr Erfolg haben »vollt, müßt ihr eben besser sein als die andern." Davie erkundigt sich ruhig: „Dann sag mir mal, wenn du das kannst^ woher weißt du denn, daß die Leute nicht gute Musik und gute Texte haben wollen, wenn man ihnen nur gute Musik und gute Texte bringt?" . . . „Schön, schön, laß mal gut sein. Aber erinnere dich freundlich daran, daß ich der Manager bin, und was ich sage, wird gemacht. Warum willst du dir's schwerer machen als es sowieso ist? Dazu sind doch die Manager da — wir wissen, was das Publikurn haben will, und das geben wir ihm." . . . .Sam tröstet Davie und meint, daß es besser sei, zunächst mal nichts Klassisches zu bringen. Er meint: „Das verstehen sie nicht. Das Pack würde dir »ns Gesicht und uns alle aus dem Theater hinauslachey." . . . „Hör mal," sagt Al, „eine feine Gelegenheit habt ihr euch ausgesucht, über solchen Blödsinn zu streiten. Nu Hab' ich alles vorbereitet, damit die East Side Four nächsten Samstag zum ersten Male auftreten können. Im Dutch Billage Ratskeller. Und nu wollt ihr mit den klassischen Balladen uns alle lächerlich machen! Zum Teufel jetzt da»nit! Und denkt mal lieber dran, die Gelegenheit wahrzunehmen. Samstag wird ausprobiert, und Frenchie Lavelle wird auch kommen, das habe ich alles arrangiert." Sam ist ganz aus dem Häuschen. Der Traum seines Lebens soll Wahrheit werden. Aber sein Gesicht wird plötzlich düster. Er flMrt: „Sag', Meyer, was sollen wir machen? Al weiß nicht, daß wir kein Geld für Schminke und Kostüme haben. Was sollen wir bloß machen?" . . . Bevor ich ihm antworte, rüttle ich mich innerlich zurecht, schüttle die quälenden Flöhe ab, damit ich mich ernsthaft mit Sams Problem beschäftigen kann. Und dann fällt mir ein eigener kleiner Plan ein, für den ich auch Geld brauche. Al gefallt meine Idee; er versichert sogar mit Würde, daß er selbst an etwas Aehnliches gedacht habe. Ich beabsichtigte, in dem Ratskeller hier und dort ein paar Ludlow Streeter zu verteilen, um den Applaus anzufeuern, und unsere Claque brauchte Geld für Getränke und ein paar Münzen^ die sie den Artisten zuwerfen soll. Berl begrüßt einen neuen Gast. Es ist Lewkowitz, der unermüdliche, oft geschlagene Arbeiterorganisator, diesmal in einer Mission der Nächstenliebe. Er bietet Berl ein Stückchen Pappe an. Was das sein solle, fieagt Berl. Lewkowitz erzählt, daß es sich um ein Los handle, auf das man eine goldene Uhr gewinnen könne; der Ertrag sei dazu bestimmt, ein schwindsüchtiges Mitglied der Union nach Denver zu schicken . . . Eine glänzende Idee, denke ich, und formuliere auf der Stelle den Plan für eine imaginäre goldene Uhr als Haupttreffer einer zu arrangierenden Lotterie. Nun ist es freilich leicht, eine. Lotterie zu veranstalten, aber schon bedeutend schwieriger, Lose zu verkaufen und dabei noch nicht einmal einen Haupttreffer zu haben. So wandere ich umher. Sa»»» »nit seiner unglücklichen Frage: „Was sollen wir nur »»»achen?" »nir stets auf den Fersen . . . Davie hat mich am Arm und ergeht sich'über das Thema: Kunst für die Massen. Das Volk werde Schönheit nicht zurückweisen, argumentiert er. , Awrum erscheint und erlöst mich von Davie. Und dann stoße ich auf Boolkie, der eben ein Brötchen verschlingt. Unter dem Schutze eines umgestürzten Straßenkarrens ist ein wildes Würfelspiel im Gange. Dago Jack würfelt gerade und betet insbrünstig: „Come baby, be nice to Papa." Siitle Joe meint: „Die Würfelchen kennen dich und werden nie und nirnmer für dich fallen." Die Würfel klappern unter vielem Fingerschnappen, und ein beleidigtes Heulen belehrt mich, daß Dago Jack verloren hat . . . Boolkie versteht »neinen stummen Wink und zieht sich langsam mit mir zurück. „Boolkie," fange ich an, „ich weiß etwas, wie wir für uns beide ein nettes kleines Süm»nchen anschaffen könnten und dabei noch dafür sorgen, daß sich unsere Kameraden nächsten Smnstag im Dutch Billage Ratskeller glänzend amüsieren können. Wir wollen eine Lotterie veranstalten, verstehst du mich? Wir lassen Lose drucken: Lotterie für einen kranken Freund. Ha»ipttreffer eine goldene Uhr. Fünfundzwanzig Cents pro Los. Du läßt deine Bande die Tickets an die Kaufleute, Hausbesitzer, Strahenhändler und so weiter vertreiben. Die wissen schon, daß es klug ist, gut mit dir zu stehen. Bon Zeit zu Zeit müssen sie eben Schuhgeld abladen. Danächste Mal veranstalten wir was anderes, einen Ball odar so was." (Fortsetzung sotzt.) i ÜISSSSSESS&

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