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Wiener Morgenzeitung · 1925-08-15 · Heft 2329 (15.8.1925) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2329 (15.8.1925)
Date
1925-08-15
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 2329 Dien, Sa,Mag Wiener Morgenzestung Geike S 15. August 1926 Der 14. Nonistenkongreß. Las Budget vor! Das Mtionskomilesetzte gestern seine Beratungen fort. Diese .führende Instanz der Organisation ist cd?»so wi,e die leitenden Ltlcllcn der Institut; m Permanent;. Gestern vormittags berichtete die in der Nacht vorher gelvählte Kommission über ihre Anträge zur Bildung des Präsidiums des Kongresses. Sodann legte die B u d ge t kam m is s i o n der Palästina exekutive den Badge tan trag vor. Der Antrag ist in die Form der folgenden Aufstellung gefaßt: Budget pro 1925-1926 (5686). i* £gg 1 •gu-so Jü« sft“ i ssj MS* 1. Landwirtschaft. 2. Erziehung: 125.000 255 000 220.000 a) Budget .. 58 000 79.000 70.000 b) Defizit v. vergangenen Jahren 20.000 10.000 v) Gebäude. 20.000 5.000 3. Arbeit (inkl. Tarbnth). 30.000 61.000 40.000 3a Tarbuth-Zuschuß. 9.200 4. Einwanderung. 29.000 68.200 45.000 5. Handel ur d Industrie. 6. Gesundheitswesen: -> 9.000 35.000 30.000 a) Hada'la. 27.7001 b) Uupath Cholim. c) Waad Habrtuth und dessen 12.000 21.2001 45.000 Institutionen. 1.3001 d) Defizit Kupath Cholim f. 5685 3.000 3.000 7. Versuchsstation . . 12.337 11.000 8. Schihunat Owdim.. . (8.000) 20.000 10.000 9. MiSracht. 8.400 37.600 10.800 10. Technikum. 3.000 3.000 3.000 N. Universitätsbibliothek. 2.000 4.992 2.000 12. Universität. 1000 13. Besondere Ausgaben. 9.500 13 030 11.000 11. Administration. 15.000 20.913 18.000 15. Hypothekenbank. (10.000) — — 16. Solelboneh. 8.000 17 000 8.000 5.030 18. Defizit ans dem vergangenen Jahr 60.000 20.000 10030 19. Jüdischer Nationalfonds .... 20. Jüdische Kolonialbank: 5.000 5.000 5.000 a) für P. E. E. 12.050 b) Restorations Fonds .... 5.000 4.500 4.500 21. Hamaschbir .'. — 20.000 8.000 22. Schweizer Hospital. — 6.000 5.000 Total. . . . 446*400 734*942 574.300 Konferenz russischer Zionisten. Der Verein zionistischer Mad-emi-ker Hechaitver in Men hat im Verein mit angesehenen Führern der zionistischen Bewegung in Rußland die vorbereitenden Schritte zur Abhaltun-g einer Beratung russischer Zionisten im Rahmen des 14. Kongresses getan. Die aktuellen Fragen der Hilfeleistung an das russische Judentum, der wachsenden Auswanderung ans Rußland nach Greg Israel soilvie der Bevfolgllng der zionistischen Bewegung seitens der russischen Behörden, sollen auf >der Konferenz behandelt werden.!M Mionskomitee. Misrachi-Vortvag. Heute «Samstag, 4 Uhr nachmittags, findet in der Synagoge Bech-Israel (polnische Schule) 2. Bq;., Leopoldsgasse, ein öffentlich zugänMcher M i s r a ch i - V o r t r a g statt, bei dem die Führer des WÄtmisrachi Rabbi Meir Berlin (Ncw- Yovk), Rabbi T e i.t e l b a u m, Bizepräfildeilt des Joint (Nelv- Bovk), Rabbi S. Brodt (Lipno) und Rabbi S. Gold (Boston TelMviw) sprechen werden. Keren-Knsemeth-KongreßavVett. .Heute um 6 Uhr nachmittags Sitzung der Jugend gruppen. Halb 7 Uhr Besprechung über den Verkauf der Blumen beim Kongreß. Union der Zionisten-Revistoniften. Die Vorkonferenz der Kongreßdelegierten, welche der Union der Zionistenrevisionisten angchören, bezichnngswerse sich anzuschließen wün-'chen, findet heute, 8 Uhr abends, im akademischen Gymnasieum, 1. Bez., Deethovenplatz (gegenüber dem KongreßgeMude) statt. Alle Personen, welche sich bisher als Gäste angomcldet haben, erhalten ab dreiviertel 8 Uhr gegen Erlag von 2 Schilling die Gastkarten in 'der Aula des Gymnasiums. Die Kongreßgäste. Jeder Tag bringt neue Kongreßgäste. Der Besuch aus Palästina ist diesmal außerordentlich stark; es sind bisher mehr als 4 00 Palästinenser eingetroffen, darunter der Bizeibürgermeister von Jerusalem David Dellou; unter den Kongreßbefuchern aus Palästina befinden sich auch einige jemenitische Juden. Die südafrikanische Delegation und die Kongreßdelegierten aus den Vereinigten Staaten, mit dem amerikan'ischen Mitglied der Exekutive L-uis Lips'-ky an der Spitze, sind bereits vollzählig in Wien. Aus Deutschland sind bisher an die tausend Besucher eingelangt. Wie wir erfahren, dürfte Professor Mbert Einstein m einigen Tagen zum Kongreß eiutreffen. Die Mitglieder des Großen Aktionskomitees sind nahezu vollzählig in Men versammelt; auch von der Zionistischen Exekutive srird die meisten Mitglieder bereits in Wien. Begvüßnngsttbend. Montag den 17. d. um halb 6 Uhr abends findet der voN der Zionistischen Organisation für Oesterreich veranstaltete feierliche BegriißungSabend im großen Sophicnsaale statt. Den künstlerischen Teil des Abends bestreiten: Pvof. Julius Wolfsohn, das H akoah-Orchefter und der Wiener jüdische 'Gesangsverein unter der Leitung des Dirigenten Prof. S. Braslawsky. Nach den Begrüßungsansprachen des Präsidenten der Zionistischen Organisation, Herrn Dr. Jakob Ehrlich, und des Präsidenten des Mtianskomitees, Herrn Ober rabbiners Pros. Dr. Chajes, werden die prominentesten Führer der zionistischen Bewegung sprechen. Die breite jüdische OesfenMchkeit wird an diesem Abend Gelegenheit haben, die bedeutendsten Führer des Ddischeu Volkes kennenzulernen. Karten an der Kanzevthauskasse und an den Schaltern der Konzertdirektion Guttmann, Wien, 1. Bez., Kävntnevrmg 3. Wegen der regen Nachfrage wird empfohlen, sich sofort Eintrittskarten zu sichern. Festkonzert. Mittwoch den 19. d. um 8 Uhr abends findet im Sophien» saal ein Festkonzert statt. Ausführonde: Das Wiener Halkoah-Orchster, der Mener jüdische Geisangsverein, Oberlaut or Gerson Margirlies, Konzertmeister Josef Zintbler, Maximilian Lampl, Dirigent Prof. S. Braslawsky. Karten an der Konzertha-nAkasse und an den Schaltern der Konzevtdirektio- Guttmann, Wien, 1. Bez., Kärntnerring 6. i Nuirvstrhrten mit Motorbooten. ' Die erste Rundfahrt mit den Motorbooten der Oester» reichischm Binnenschiffahrt A.-G. findet Montag den 17. d., vormittags 9 Uhr, die zweite Montag den 17. d., nachmittags 3 lllhr, statt. Die Fahrt beginnt ab Station Movzinplatz zwischen Mavienbrücke und Sailztorbvücke (Fvanz-Jofefs-Kai) und geht Räumungsverkäufe XX.,..1K - V., SchDnbrunnersfr. 105 - X.. Favoritensfr. 98II. 130 - XXL, Hauptstr. 41 Teppichläufer, durchweht, ca. 67 cm. Teppichläufer, „ „ 90 , Majfersdorfer Veloursläufer, ca. 67 cm. Maffersdorfer Veloursläufer, 90. cm. . Bettvorleger, Schafwolltapestry .... Bettvorleger, Velours mit fransen . . . , Tischteppich, Jute Smyrna 2/3. 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Er hat sich nicht geischont, sondern gcbärdenlos aus tiieifcr Ergriffenheit das Rechte erduldet, 'gesagt und getan. Ec hat gehört -und gehorcht. Selten ist bei so viel gesparrnter, hingebender Achtsamkeit soviel Aktivität und kühner Griff. Er hat ein Ohr für das Ewige. Er hat e>in Ohr für die Zeit. Worm er schreibt, scheint er immer Diktiertes nach^nschreiben. Gin -tiefes Horchen ist in jeder seiner Niederschriften. Man weiß von ihnr, daß er bis ins Letzte gehorsam sein wird. Er hat mit allem, was er hat, gedient. Er ist eiin svonlmrer, d. h. durch hörende und tätige Hingabe ttichtiiger Atenisch. Jeder hat einmal eines seiner Worte gehört. Er >ist dem einen wichtig geworden, als Chronist mife Deuter chassidischer Frvnrmigjkeit. Er hat dem andern die durchheiterte, hochsommerliche Welt der Tao-Lehre des Tschuang-Tse aufgesthlosson. Er war unter den Ersten, die haute wieder die ekstatischen, begeisterten Stimnren des deutschen Mittelalters vernahmen. Er fft dann -vorkämpfe risch bcu Weg zum ewigen Jeliseits der Rchstik, nänvlich zu einem neuen, gesättigten Aspekt der Wirklichkeit, weiter gegangen. So ist er in der Wildnis der ta-uselld geistigen Möglichkeiten, die wir wie einen Wald durchwandert hüben, vielen Irrenden zmn Führer geworden. Es kann in Bnbers Sprache eine Wandlung -gelesen wenden, die söhr wahrscheinlich dem großen geistigen Geschehen in chm entspricht. Es spiegelt sich in ihr die fortschreitende Vereinfachung durch das -allniähliche Mächtigwerden der mystiischen Frömmigkeit und das darauf folgende Hineinwachseil in alles Wirkliche, Lvlibhast.i'ge und Gegenwärtige. Das echte BerLMtnis zil-nr Lech der Sprache geloinut der Mensch (da er sich auf jeder Enlwlrvllmgsstuse nach allen Seite»! hin gleichsinnig dokumentiert) evst danu, wenn er «in echtes Verhältnis zum Leibhaften übechaupt gewonnen hat. Buber sagt in der Vorrede jurn „Verborgenen Licht; „Seit ich, vor Aiv-auzig Jahren, die Arbeit am chassidischen Schrifttum begonnen habe, ist es mir um die Lchve und den Weg zu tun. Aber damals meinte ich, das sei etwas, was man auch bloß beitrachten könne und dürlfe; seither habe ich erfahren, daß die Lehre znm Lernen und der Weg Hum Gchen da ist. Je Reifer ich es erfuhr, um so mchr ist mir diese Arbeit, an der sich mein Leben maß und vermaß, zur Frage, gilm Leid und doch auch zimr Trost geworden." -Menschen, wenn ihr wüßtet, was es heißt, wenn ein Schriftsteller so etlvas sagt! Was wir >nns auch vorsagen ntö-gen: wir sind doch alle erwachsen in einer Welt, wo nliit keiner Sache der Einsicht Ernst gemacht, wo kein Wissen gelebt, kein erkannter Weg wiMich gegangen wurde. Wir haben Denkweiserr und Glaubensweisen alter mvd neuer Zeit betrachtend genossen, und blieben doch Kinder unseres Säkulums, stumpf und iuncrgrfffen, Schauspieler und Köftümträger, verlacht von unserern eigeneil Geiloissen und doch vollkommen uiffähig, uns aus dem anschauenden Genließeli in ein tachaftes, echtes, „gemußies" Leiben zu retten. Wann urrd wo beginnt das n-ene, das ZioanziAe Jahrhundert? Es beginnt nicht nrit Jahr und Stunde, sondern es begillnt ftir jeden von rms mit dem Ereignis, das Buber in den: angeiftihrten Satze alrgibt. Es beginnt nrit dem Ernistnvachen. Es beginnt Mit dem Anfhöre»l der SlurnpHeit, mit der Erschütterung, mit dom Uebergreifen der Einsicht in das Bereich der latsächllichen L-sbensentscheidnilgelr. Es beginnt mit dem ^lutjhören des bloßen Bctvachtvns, oder vielnlehr mit der Erkenntnis, daß Beitrachten nur dann Wert hat, wenn es die Kraft besitzt, uns Praktisch zu verpflichten. Bniber hat als die geheime Idee seines, des jiidifchen Volkes, die Bestimmung erkannt, die weltändernde, die verwiok-licheiide Tat zu leisten. Jlldentilln ist für ihn da gegeben, wo die Lchre „getan", wo der Wille Gottes verwirklicht tvich. WirAichkeit? Ist es nicht gewagt, von einer Tendenz zur WiMichkeit zu ff'vechen bei einem Manne, der das grenzenlos -tvel-tdurchschweiisende, nnerlöst freizügige, ungeschichtliche, ja geschichtstötende Clement der mystischen Frörnmigkeit so starik in sein ei-genes Leben zog? Ist das Ml-stijsche ilichit aller Anblndullg feind, fft es nicht eine Kraft, alles WivKiche und Historische in lauter zeitlofeW Licht zu ertränken, olle Gestalt im „Sinn" ausszuWen, alle GreniMmen au-szuWschen, alles Emmal-iige in ein sMges Uabevall und Nirgends hinabzutauchen? Der BegM -läßt den Gott überall ans dem Ungelformiten aufsteigen, aber die MystK Mt ihn immer wieder in der Wese des Namenlosen, des Unbenannten verschwinden. Kann eine solche Kvalft des wunderbaren Zevstövens eine Beziehung zur Wvklichikeit Sitzen? Buber erzählt im ,Mroßen Maggid" eine Geschichte: ,Menn Rabbi Elimolech am Sabbat das Gebet der Helligung sprach, mußte er von einer Weile zur anderen -das ZiffeMatt feiner Uhr betrachten, um sich in der Zciit zu erhalten. Denn die Worte, die er sprach, zogen ihn niit Macht ill die Zeitloffgkeit." Kommt hier nicht das Entraffende, das Entyichende der mystischen Frömmigkeit zum Ansdruck? Aber die behauptete Bszichtrng -er Mystik zur WiMichikert besteht. Sire besteht in einem unerhörten, übeviMtigenden Grade, und selbst lweun sie dies nie erwiesen hätte: heute, in uns und nnls-erenl geistigen Weg, hat sie es so unwiderleglich erwiesen, daß wirr nicht mehr daran zweffeln können. MWik bezeichnet nichts als den Eintritt in das Wirkliche. Sie bezeichnet das Preisgeben der Jllnfion, das Erwachen zur Nüchtarnhciit, das Muffvachsen zur Genauigkeit und Bestimmtheit, zur Gesetzlichkeit und Din-glickMt aller Dinge. Erst von der mystischen Schau her ernüchtert sich die Welt bis auf den Grrmd. Alles Leben tritt in seine feste, bcstinllnte Form. Der Buchstabe wird heilig durch seinen Inhalt. Mes Vergängliche ist -freilich „nur" ein Gleichnüs; aber Gleichnis, d. h. faßbare Eüscheinullg des Enron und Nnvergleichba-ren, ist Mn nur das Vergängliche. Deshalb ist Mystik der Durchgang zu einen: neuen, uneMich vertieiften Ernstnehnren der Welt. Sie zerstört die Walt, um sie kraftvoller wieder herzuftellen. Sie geht in den Urgrund, nur nrit einer tiefen Evfvffchtheit aller Kräfte evst recht in Nattrc und Geschichte hineinzllgchen. Deshalb sieht man viele der Fronnnen, die Baber schildert, mit einer vertieften Liebe, ja Begierde in den Verhältnissen und Pflichten des Diesseits stcher«. Mystische Frömmigkeit hat eine nnablveisbare Tendenz, sich von: SubjekMen Mt reinigen und schweigsam in: trenen, objektiven Tun zu leben. In Bnbers „Berborgenem Licht" gibt es etne Anekdote, nein, Viole Anekdoten, die von der Einfassung des mystischen GrwydvBMes in hon trockenen, fast harten Buchstaben des Lenstes" 0291

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