Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2266 (12.6.1925)
- Date
- 1925-06-12
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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j Polen: aO flroszv I Wien: Zum Abholen ln der Expedition, ILTaborstr. 1-3, oder In einer Verschleisstelle (Trafik) monatl. 5 Schilling Strassenverkauf in Wien durch die Kolporteure der Firma Ool dschmied, I., Wollzelle 11 Mit Postversand für Wien und Oesterreich monatlich 5 Schilling Tschecho-Slowakei: Mon. K22. lugoslavrlen: Mon. Din. 60. Polen: Mon. 4Zloty. Deutschland: Mon. Gm. 4, Frankreich, Belgien: Mon. Frcs. 18 Nachxfthltnigen fiel P r e I *- trhOhnngen Torbehallen Wiener IPreis aöfll England: Mon. 4 Schilling. Italien: Monatl. 18 Lire: Rumänien: Mon. 170 L"l. BuIgarien:Mon.lOOLewf. Schweiz und das übrige Ausland monatlich Frcs. 5 Redaktion, Administration: Wien, II. Tabor str. 1 Telephone: 44-0-38.43-3-19 Ab 6 Uhr: 21-102, 25-2-82 IX.. Universitätsstrasse 6-8 (D. uckerei lg. Steinmann) Oesterreichisches Postsparkassen-Konto Nr. 150.693 »r. 2266 Wien. Freiing. 12. 8«ni 1921 7. Jahrgang Rodenbauer mm Nusswaldgasse 5 m Täglich Musik und Gesang Erstklassige warme Käthe Vorzügliche Weine Der Kolonialkrieg. —y. Wien, 12. Juni. Painleve ist im Flugzeug nach Marokko gefahren; die militärische Lage der französischen Truppen ist keine gute und es mußte bereits die Zivilbevölkerung des fruchtbaren Gebietes von Uezzan evakuiert werden. Der Ministerpräsident hält es für angezeigt, selbst an der Front zu erscheinen. Ob er die notwendige Entschlußkraft finden wird, den Weg des Verhandelns mit den Führern der Rifleute zu betreten, kann bezweifelt werden. Frontstimmung ist für Erwägungen der kalten Vernunft nicht vorteilhaft. Die Atmosphäre der Generalsquartiere verscheucht alle guten Vorsätze und der Gloire-Patriotismus, der Wiederherstellung der .Waffenehre verlangt, verhindert ein klares Erfassen der .Sachlage und ihrer Forderungen. Frankreich ist in einer ruinösen Finanzkrise, die bereits den Wucherausschlag der Inflation aufweist. Es sieht sich in einen schweren, verlustreichen Krieg verwickelt, der den: Hinterland große Opfer an Geld auserlegt. (Um das Blut der Soldaten pflegt sich die hohe Politik nicht zu kümmern und es dürften unter den Truppen die Fremdenlegionäre in der Mehrheit fein, diese armen Opfer einer betrügerischen Romantik.) Die Linke ist für das Abenteuer Nicht begeistert, das sie als eine schlimme Erbschaft übernehmen mußte. Die innere Lage des Landes ist schwierig, die äußere unklar und von Konfliktstoffen übersät. Frankreich müßte in Marokko verhandeln und dabei von der Wurzel des Uebels ausgehen, die in der unnatürlichen Zerreißung eines national-religiös, politisch und wirtschaftlich zusammengehörigen Gebietes liegt. Der spanische Teil scheint schon verloren, der französische ist gefährdet. Marokko strebt zur Einheit, vielleicht zur Führung in der islamitischen Welt und die .russischen Emissäre, die hier wirkten, fanden den Boden für ihre Befreiungsparole gut vorbereitet. Frankreich und Spanien sind nun inzwischen übereingekommen, eine neue Marokkokonferenz abzuhalten, die schon in den nächsten Tagen beginnen soll. Aber es wäre kindlich, die. Frage des Atlasgebietes lokal abzutzrenzen und vielleicht durch militärische Kooperation zu losen. Das Marokkoproblem ist heute genau so ein Weltproblem geworden wie etwa die Ruhrfrage. Der Aufstand der islamisierten Berber ist ein Wellenschlag der Bewegung, die durch den Orient geht und ein nicht zu unterschätzendes Symptom für den Ernst, mit dem auch diese Völker das Selbstbestimmungsrecht für sich in Anspruch nehmen. Der Interessenkonflikt ist kaunr zu überbrücken. Die Kolonialmächte, die im Weltkrieg ihre Wirtschaft erschöpft haben, können die Lücken aus ihren eigenen Kräften nicht auffüllen und sind auf die Ressourcen der Kolonien angewiesen. Die Strömung, die sich gegen sie richtet, bedroht sie in ihrer Existenz. Sie ist heute noch nicht so stark, daß sie nicht zu fassen wäre; aber sie wächst mit jedem neuen Erfolg. Sie kann vielleicht noch mit den Waffen an einem Punkt gesprengt werden, flammt aber sicher wieder an einer anderen enipfindlichen Stelle auf. Es handelt sich um einen Teil der großen Weltkrise und kann nicht mehr für sich allein behandelt werden. Diese Sorge ist, das zeigt der islamitische Fall genau so gut wie der chinesische, wie das Negerproblem und ein Dutzend ähnlicher, wieder nur in der Weise zu schlichten, daß ein allgemeiner Kongreß aller Völker Zusammentritt, der nur aus Gleichberechtigten besteht und die Weltfragen ordnet. Die Vormundschaft Europas ist heute schon im Schwinden und je früher dies erkannt und beherzigt wird, umso wohltätiger für alle Beteiligten. Eine Neuauflage von Algeciras ohne Heranziehung der beteiligten Eingeborenen mag vielleicht dem Hochmut der Generäle und Diplomaten entsprechen, nicht aber der Logik der Tatsachen. Es wäre gut, wenn der Demokrat Painleve diese Ueberzeugung gewinnen würde, noch ehe die Katastrophe für alle herankvmmt. Mussolini will Deutschland bewaffnen? Eine sensationelle Enthüllung. Berk in, 11. Juni. (Tel.-Komp.) Der deutsche Militärbevollmächtigte wahrend des Krieges in Wien, Generalleutnant v. Cramon, veröffentlicht in der „Bergisch-Märkischen Zeitung sensationelle Mitteilungen über die Haltung Mussolinis in der Frage der Entwaffnung Deutschlands. Der Generalleutnant erklärt, unter Beweis stellen zu können, -atz Mussolini, der sich jetzt der Entwaffnungsnote der Entente angeschlosfen habe, vor gar nicht langer Zeit Verhandlungen mit Deutschland anzukniipfen sich bemühte, die nicht weniger und nicht mehr als die Bewaffnung des deutschen Volkes im Auge gehabt hätten. Der Horthv-Tag in Budapest. Eine Schiinpfvode des Neichsverwesers. Budapest, 11. Juni. (Amtlich.) Die patriotischen Vereine veranstalteten heute mittags eine mächtige Kundgebung für den Reichsberweser, um gegen 'die jüngst gegen seine Person erfolgten Angriffe zu demonstrieren. Etwa 40.000 Mann zogen in Viererreihen unter Vorantragung von Fahnen und mit Musikbegleitung vom Petösi- Monument aus, dem Peister Donauufer über die Elisabethbrücke in jdie Ofener Königsburg, von deren Balkon der Reichsverweser in Anwesenheit seiner Familie die Huldigung entgegennahm. Auch entlang de's Straßenzuges vom PetösiMLonüment bis zur Königsiburg halle' sich ein ungeheures Publikum angesammekt. Der Vorbeimarsch vor dom Reichsverweser nahm ungefähr anderthalb Stunden in Anspruch. Die defilierenden Demonstranten brachten -ihm frenetische Ovationen dar. Sechzig Fahnenträger traten im Hofe der König s bürg aus den Reihen. Der Reiichsvevweser kam vom Balkon herab und. schritt unter sich immer wieder erneuernden Ovationen der Menge ihre Front ab. Nachdem der Reichsverweser in seine Appartements zurückgekehrt war, erschien eine aus dreißig Mitgliedern bestehende Abordnung. Der Präsident des ungarischen Nationalverbandes Thomas Szoutag hielt eine herzliche Begrüßungsansprache und versicherte dm Reichsverweser der treuesten Anhänglichkeit. Der Reichsverweser erwiderte mit folgender Ansprache: ,Me freiwillige und großartige Kundgebung der Anhänglichkeit und Zusammengehörigkeit, von -der Tausende und aber Tausende durch den heutigen Auszug ZeugeNschast ablegten, hat mit unendlich wohlgetan. Ich war Überzeugt davon, daß weder die vielen Leiden der Gegenwart, noch v eine Weitverzweigte Wühlarbeit imstande waren, die vaterlandsliebende ungarische Nation zu verseuchen, noch ihren klaren Blick zu trüben. Ich bin überzeugt davon — und darin haben mich die jüngsten Tage, insbesondere aber der heutige Tag nur noch bestärkt —, idaß das ungarische Volk sich im klaren «ist über die wirklichen Ziele der gegen meine Person gerichteten Angriffe und Verdächtigung eu. Ich halte diese Angriffe nicht für würdig, auch nur ein Wort über sie zu verlieren. Ich sage bloß so viel: Schleichwege sind nicht meine Art. Hätte ich es in jenen Zeiten im Interesse meines Vaterlandes und meiner Rasse notwendig gefunden, zu strafe n, so hätte ich es auch getan. Ueberbringen Sie allen, die von ihrer a ritz ä n glich e n Liebe Zeugenschaft abgelegt haben, meinen wärmsten Dank." Die Demonstranten zogen von der Königsburg auf die Generalswiese, wo sie sich in Ordnung zerstreuten. Z u Zwischenfällen ist es nirgends gekommen. Die Polizei verhindert eine Kundgebung am Grave der Opfer Horthys. In den Mittagsstunden begaben sich zwanzig sozialdemokratische Abgeordnete der Nationawersammlung in geschlossenen: Zuge nach dem Kerepeser Friedhof, um an den Gllibern der ermordeten „Nepsza-Va"-Redakllure Kränze niederzulegen. Die sozialdemokratischen Abgeordneten wurden jedoch an der Ausführung ihrer pietätvollen Absicht von der Polizei gehindert. Den Abgeordneten wurde seitens de's diensthabenden Polizeifunktionärs erklärt, daß die Regierung jedwede sozialistische K-u n d g e b u n g für den heutigen Tag verboten habe und daß infolge dessen auch die Kranzniederlegung unzulässig sei. Der Abgeordnete Kabok wollte dessenungeachtet eitlen Kranz auf die Gräber Somogyis und Bacfos niederlegen, wurde jedoch von den Polizisten durch Brachialgewalt daran verhindert. Frankreich räumt in Marokko. Das Gebiet von Uezzan evakuiert. Fes, 10. Juni. (Havas.) Da Abteilungen von Rist leuten in das Gebiet von Uezzan eingedrungen sind, hat das Oberkommando die Räumung von Uezzan seitens der Zivilbevölkerung angeordnet. Marokkanische Offensive in der fpanifchen Zone. Madrid, 11. J-uni. (.Havas.) Amtlich wird aus Spauisch-iMarokko gemeldet: Der Druck des Feindes verstärkt sich einigermaßen nur die Stellungen in der westlichen und östlichen Gegend. Die Truppen sind bereit jeden Angriff abzuweis< Painleves Befuch. Paris, 11. Juni. (Havas.) Aus Rabat wird gemeldet: Die drei F l u g z e u g e, die das Flugzeug - des Ministerpräsidenten Painleve begleiteten, sind ebenfalls hier angekommen. Marschall Lyautey und zahlreiche Persönlichkeiten waren auf dem Flugplatz anwesend, woselbst Painleve, Unterstaatssekretär L a u r e n t- Eynac und Marschall Lyautey eine Unterredung hatten. Die Blätter melden aus Tou l o u s e, eine Persönlichkeit aus der Umgebung des Ministerpräsidenten Painleve habe erklärt, daß Painleve auf seiner R ü ckreise von Marokko sich in Malaga aufhalten werde, woselbst er mit mehreren führenden spanischen Persönlichkeiten Besprechungen haben würde. Blockade -er Rifküfte gegen Waffen-' fchmuggel. Paris, 11. Juni. (Havas.) Wie „Petit Journal" aus Genf meldet, sei E n g l a n d mit Frankreich und Spanien, übereingekommen, die Block a d e der Rif tust e gemäß den Bestimmungen der Algeoirasäkte betreffend die Unterdrückung des Wafsev< schmuggels gemeinsam durchzuführen. Demission des Bürgermeisters von Tel-AMiw? (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitüng".) Warschau, 11. Juni. Nach einer vom hiesigen Tagblatt „Moment" publizierten telegraphischen Meldung seines palästinensischen Spezial'berichterstatters hat der Bürgermeister von Tel-Awiw, Herr'Dieseugoff, infolge eines Konfliktes m i t d e m M a g i st r a t sein Amt niedergelegt. (Eine Bestätigung dieser Nachricht liegt uns von anderer Seite bisher nicht vor. - Die Red.) _ RMriit des griechischen Kabinetts. Athen, 1>i. Juni. (Ag. d'Athenes.) .Das Kabinett W demissioniert. Ein Offiziersputsch. London, 11. Juni. (Del.-Komp.) Nach Meldungen ans Athen steht Griechenland am Vorabend ernster Er, eignisse. Die Negierung ist einer »oeitverzweigien V e rschwörung aus die Spur gekommen, die von uuzu- - friedenen hohen Offizieren ausgeht. Das Marineministerium und das Ministerium des Innern sind von einem starken Truppenaufgebot umgeben. Auch in die Umgebung von Athen wurden Militärabteilungen entsandt. Die Aufständischen sollen beabsichtigen, eine F ü n si mayntzrregierung einzusehem