Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2231 (7.5.1925)
- Date
- 1925-05-07
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
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Seide 6 Wien. Donnerstag Wiener MsraenzeltiMG 7. Mai 1923 Nr. 2291' and*au*>>a/t x Es schützt kleiden. pelze TEPPICHE ETC. UNBEDINGT SICHEP f SESTER METALLPUT Zt Puhz - E x 1 r a k t pTfiGLANZHAlTAMl N G S TENJ OBERAJLL ERHÄLTLICH ftbriksniederlage: \^ERBER & C. 1X6E0R6 SIGfLGASSE 9.TEL.18165. 1 Allerfeinste GaronHrf echte naturbutter. Gerichtssaal. Razzia auf Fußgänger. In der letzten Zeit wurden namentlich in der Inneren Stadt von Organen der Sicherheits- Wache gegen eine Reihe von Fußgängern Anzeigen wegen Gefährdung der körperlichen Sicherheit deshalb erstattet, weil die Fußgänger durch unvorsichtiges Ausweichen gegenüber Fuhrwerken oder Radfahrern die Sicherheit der Lenker der Fahrzeuge in hohem Maße gefährdeten. So wurde kürzlich gegen die Private Grete H. von einem Sicherheitswachmann die Anzeige erstattet, daß sie in der Rotenturmstraße einem Auto derart ungeschickt ausgewichen fei, daß sie mit einem von der entgegengesetzten Seite kommenden Radfahrer karambolierte und ihn zu Fall brachte. Auf Grund der Meldung wurde gegen Grete H. wegen Gefährdung der körperlichen Sicherheit eine Strafverfügung, auf fünf Schilling lautend, erlassen. Da die bis dahin unbescholtene Dame gegen die Strafverfügung Einspruch erhob, kam es gestern vor -dem Bezirksrichter Doktor Jellinek zu einer mündlichen Verhandlung. Grete H. erklärte, daß sie beim Uebersetzen der Rotenturmstraße einem plötzlich mit rasender Geschwindigkeit daher kommenden Auto ausweicben mußte, da sie sonst überfahren worden wäre, und sei hierbei mit einem Radfahrer, der von der entgegengesetzten Seite kam, zusammengestoßen. Der Richter sprach auch nach Einvernähme mehrerer Zeugen die Angeklagte mangels subjektiven strafbaren Tatbestandes frei. Wegen fahrlässiger Krida bedingt verurteilt. Vor einem Schöffensenat unter Vorsitz des Hofrates Dr. G o l d st e i n hatte sich gestern der 54jährige Weinhändler Berchold Grimm wegen Vergehens der fahrlässigen Krida zu verantworten. Grimm war früher Bersicherungsbeamter, während des Krieges erzeugte er Kaffeezusatz, nachher befaßte er sich ohne nötige Fachkenntn ifse mit dem Weinhandel. In der Zeit der Inflation blühte sein Geschäft, als aber im Herbst 1922 der Valutasturz aufhörte und die Preise sich stabilisierten, wurden die hohen Zinsen, die Berthold Grimm seinen Darlehensgebern zahlen mußte, zu einer drückenden Last, und Grimm geriet immer tiefer in Schulden. Im Jahre 1922 stürzte ihm in seinem Geburtsort Neufeld sein Haus ein, wobei Obst- und Gemüsegarten beschädigt wurden. Der Wiederaufbau verursachte große Kosten und zu seinem Unglück wurde ihm auch sein Weinkeller in Wien gekündigt, so daß er die Meinvorräte mit Verlust verkaufen mußte. D.'r Angeklagte war geständig, deswegen konnte auf sämtliche Zeugen verzichtet werden. Das Urteil lautete auf sechs Monate strengen Arrests, jedoch b edingt mit Bewährungsfrist. Tagsatzung nach außergerichtlichem Ausgleich. Der stille Gesellschafter eines Bantgeschäftes, Julius Brachfeld, hatte sich gestern beim Strafbezirksgericht 1 (Landesgerichtsrat Doktor Arie) gegen eine eigenartige Betrugsanklage zu rechtfertigen. Ter Altwarenhändler und Bezirksrat am Alsergrund, Artur Bochner, batte vor einiger Zeit von der Frau des Herrn Brachfeld mehrere alte Möbelstücke gekauft. Bei diesem Kauf kam es zu Differenzen, die zu einer Klage führten. Einen Tag vor der Verhandlung wurde aber der Streit außergerichtlich ausgetragen, so daß Bochner im Glauben, daß oer Fall erledigt sei, zur Verhandlung nicht erschien. Der Beklagte, Brächreld. ließ aber durch seinen Anwalt die Verhandlung durchführen und erwirkte ein Kontumazialurteil, wodurch die Klage abgewiesen und der Kläger zum Kostenersatz von 40 Schilling verurteilt wurde. Als sich Bochner unter Berufung auf den mit Brachfeld geschlossenen Ausgleich weigerte, die Kosten zu bezahlen wurde er gepfändet. Er erstattete nun gegen Brachfeld eine Strafanzeige wegen Betruges, da er dadurch, daß Brachfeld trotz der Erledigung zur Tagsatzung einen Vertreter entsendet und ihm Kosten verursacht hatte, ihn irr egeführt und geschädigt habe. In der gestern statrgehabten Verhandlung erklärte Brachfeld, daß bei Abschluß des außergerichtlichen Vergleiches von der Tagsatzung überhaupt nicht die Rede war, weshalb er vorsichtigerweise, um gegen evenluelle Ansprüche geschützt zu sein, die Verhandlung dennoch habe stattfinden lassen. Nach durchg.'führtem Beweisvcrsahren sprach der Richt.r den Angeklagten frei, da bei dem getroffenen Ausgleich eon d"r Tagsatzung nicht die Rede war Lollswlrt. Ser Wenhandel gegen das ki'enkartell. Proteste gegen die Verteuerung der Eifenprodu.te. Unter der österreichischen Kaufmannschaft mumm eine Bewegung immer größere Dimensionen an, welch« sich gegen das Diktat des Eifenkartells und die Schädigung des Konsums durch die Preispolitik desselben wendet. Es werden ununterbrochen Versammlungen abgehalten, irr Leuen -Lose .Frage eingehend besprochen wird. In sämtlichen Versammlungen werden Protestkundgebungen gegen das Eisenkartell und schwere Anschuldigungen gegen die Mitglieder, des Kartells, besonders die Alpine Montangesellschaft, erhoben. Der Alpinen wird vorgeiworfen, daß sie absichtlich alle Aktionen zur Verbilligung des Eisens sabotiere, >dabei aber ähnlich wie es im Ankevbrotprozeß vor Gericht besprochen wurde, ebenfalls sich gewisse Vergehen znschnllderr kommen lasse. So habe die Alpine Montangestllscha.ft in dem amerikanischen Prospekt einen Gewinn von 56 Milliarden nachgewiesen, üvährend sie der österreichischen Steuerbehörde «inen Gewinn von nur 28 Milliarden angegeben habe. Ms die Ooffentlichkeit gegen die allzu hohen Gewinne des AlteisenEartclls austrat, wurde dieses Kartell rasch liquidiert. Dieses Alteisenkartell fei mit einem Gesellischaftskapital van 200.000 Kronen eingetragen, tatsächlich fei aber das.Gesellschaffskapital dieses Kartells 64 Milliarden inert. Die Gewinne dieses Meisenkartells fließe«! den Machthabern der Alpine Montangesellschaft zu. Es sei ein Modus geschaffen worden, durch welche diese gewaltigen Gewinne den Aktionären der Alpine entzogen werden. Die Kauifmannischaft verlangt in ihren Versammlungen die energischesten Schritte der Regierung zur Abstellung dieses europäischen Skandals, damit endlich die Eifenpreise entsprechend erniedrigt werden. Schon sei der Zoll für gewisse Ei senforten herabgesetzt worden. Er müsse aber auch für eine Reihe von Eisenhalbfabrikaten ermäßigt werden. Lar Schicksal du österreichischen Goldbilanzengesetzes. Die Borberatungen erledigt. Die Parteienbvfprechimgen über das G oldb i la uz enges etz führten gestern zu einer einvernchmlichen Lösung der meisten Streitfragen, lim den Bedenken der Sozialdeniokraten -Rechnung zu tragen, die eine Schmälerung der Ertragsanteile der Gebietskörperschaften im Gefolge der steuevlichen Bestimmungen des Entwurfes befürchteten, entschloß man sich, eine!Ko n t i n g e n t i e r u n g der Erwerb st euer für die Jahre 1923 und 1924 in den Geisetzestext aNMnehmen. Danach soll das Kontingent der besonderen Erwerb st euer für 1923 mit 75 und für 1924 mit 45 Millionen Schilling festgesetzt wevden. Die Kontingentierung der allgemeinen Evwerbsteuer wurde dem: Unterausschuß überlassen, der sich nach Zuweisung des Goldbilanzongesetzes an den Finanzausschuß mit der Detailberatung des Gesetzes beschäftigen wird. Die Liquidierung der Südbahn. Die Genevaldirektion der O österreichischen Bundesbahnen teilt mlit: In Angelegenheit der S ü d b a h n l i q u rd a t i o n wurden die Beratungen, die in der letzten Jännerwoche in Wien stattgefunden hatten, in der Zeit vom 27. bis 30. April d. I. in Rom fortgesetzt und beendet. Bekanntlich handelt es sich um die Vereinbarung von Ausfichrungslbestimmungen zum Südbahnabkommen von Rom de dato 29. März 192ß in Hinsicht der Liquidierung der Betvivbsschulden und Forderungen der ehemaligen Südbahngeisellschaft. Die Verhandlungen, die zu einem alle Teile befriedigenden Einvernehmen führten, fanden in der Generaldirektion der italienischen Staatsbahnen statt. Die Delogierten werden nunmehr die Genehmigung ihrer Regierungen zu den unter Vorbehalt dieser Genehmigung getroffenen Abmachungen einholen; sobald die Regierungen ihre Zustimmung erteilt haben werden, wird die Abwicklung' der Liquidationsarbeiten in Fluß kommen. Die neuen Courtagegebühren. In der vorgestrigen Beratung der Vertreter des Seusalcngreininms mit den Delegierten der Börsekammer wurde eine volle Einigung erzielt in UMSONST erhält Jeder Abonnent der „Wiener Morgenzellung** bei Vorauszahlung der Bez.^saobühr füi ein yanzua Jahr ii II in drei eleganten Halbleinenbänden Für Versandspnsen dee „Graotz“ sind aueser der jahre6bezugsgebUiir noch 2&.QOO öeterr. K. zu entrichten der Weise, daß künil''lsin die Courtagegebühr für regulär- Effekten 1,25 Promille und für die kleinen Papiere 30 Groschen 'betragen soll. Die letztere Gebühr darf jedoch 1 Promille des Knrsivertes der Aktien nicht übersteigen. Der Vertreter des Finanzministeriums, Ministerialrat Dr. Z o r n, machte die Mitteilung, daß ans der vereinbarten Grundlage seitens des Finanzministeriums kaum ein Widerstand gegen die Regelung der Courtagosätzc erhoben werden wird. Ausgleichstagsatzung -er Drahtindnstrie-A.-G. Ferdinand Jergitsch. Gestern fand die zweite Tagsatzung im Ausgleich der Alpenländischen Drahtindustrie-A.-G. Ferdinand I e r g i t s ch statt, da die erste Tagsatzung infolge der Unmöglichkeit, für den Ausgleichsantrag eine Garantie zu stellen, unterbrochen wevden mußte. Der Vertreter der Iergitsch A.-G., Dr. Bestermann, hatte einen nenen Ausgleichsantrag eingebracht, demzufolge die erste Ausgleichsqnote von 35 Prozent auf 25 Prozent in sechs Raten, in Intervallen von je drei Monaten zählbar, herabgesetzt wird. Als Garantieinstitut ist die Kärntncrbank in Aussicht genommen. Für den Fall, daß sich diese Bank innerhalb zehn Tagen nicht entschließen sollte, die Bürgschaft zu übernehmen, bleibt es den Gläubigern Vorbehalten, vom Ausgleich zurückzutreteu. Die Herabsetzung der Ausgleichsquote wird damit begründet, daß die Gesellschaft mit Verlust weitcrgearbeitet habe und daß ein Stillstand des Unternehmens noch größere Verluste bringen würde. Auch dürste bei der höheren Ansgleichquote kein Unternehmen die Bürgschaft übernehmen wollen. Die Aktiven der Gesellschaft betragen 11,5 Milliarden, denen Passiven in der Höhe von 20,5 Milliarden gegenüberstehen. Die bevorrechteten Forderungen betragen 6,3 Milliarden. Im Anschluß au diese Ausglcichstagsatzung fand auch der Ausgleich der Tochtergesellschaft der Jergitsch A.-G., Berg- und Hüttenban, G. m. b. H., statt. Auch hier wird die Ausgleichsquote von 35 auf 25 Prozent herabgesetzt. Die Aktiven betragen 1,055 Milliarden, während die Passiven 480 Millionen betragen. Durch die Giro- Verbindlichkeiten mit der Iergitsch A.-G. erhöhen sich jedoch die Passiven auf 2,8 Milliarden. Der Geldmarkt. Bei geringem Bedarf ist Geld zu 10,6 Prozent auf offenem Markt leicht erhältlich. Bemerkenswert ist die Tatsache, daß die Oesterreichische Nationalbank nur erstklassige Bankakzepte zum offiziellen Zinsfuß von 11 Prozent annimmt., Andere Akzepte werden nach wie vor zu einem Zinsfuß von 13 Prozent verrechnet. In Reportgeld war kein Geschäft, Wochen- und Monatgeld wurde wieder mit 11 bis 12 Prozent pro Jahr taxiert. Insolvenzen. Ueber die Weingroßhandluug Alexander Kern, deren Alleininhaber Kommerzialrat Leopöld Hanschka ist. wurde das Auscsieichsverfahren eröffnet. Die Aktiven betragen 9460 Millionen, die Passiven 21.600 Millionen. — Beim Landesgericht in Zivilrechtssachen fand unter Vorsitz des Oberlandesgerichtsrates Dr. G u t t m a n der Ausgleich der Text'ilfirma Elisa und Adollf Goldschmidt, Wien, i. Bez.. statt. Nach langer Debatte wurde eine 45pvozentige Quote, in 16 Monatsraten zahlbar, angenommen. Es waren über 100 Gläubiger mit zirka einer Milliarde vertreten. Parität der österreichischen mit der ungarischen Krone. Im Zusammenhang mit der fortschreitenden Kursbesserung des englischen Pfund ist auch die ungarische Krone in den letzten Tagen stärker gestiegen. So hat sie gestern an einigen internationalen Devisenmärkten die österreichische Krone wieder erreicht. In London wurden für ein Pfund Sterling 34,5 österreichische Schilling oder 345.000 ungarische Kronen ausbezahlt. — In Zürich waren die Wcstdevisen etwas schwächer. Bemerkenswert war die Steigerung der Devisen Oslo und Amsterdam. Dort hat die ungarische Krone die österreichische noch nicht erreicht. Die Devise Wien notierte 72,80, während Budapest 72,60 notierte. Verzinsung auswärtiger Forderungen in Ungarn. Aus Budapest. 5. d., wird telegraphiert: Die Budapester Großbanken verzinsen bis auf weiteres die österreichischen Forderungen mit 5,5, die tschechischen Kronensordevungen mit 5 Prozent, wobei die Kapitalzinssteuer in der Höhe von 10, bezw. 7,5 Prozent die Parteien belastet. Beabsichtigte Einführung des Goldstandards in Frankreich. Aus Paris 6. d., wird uns gemeldet: Eine dem gegenwärtigen Finanzminister Caillanx sehr nahestehende Persönlichkeit erklärte einem Vertreter des Schweizerischen Preßtelegraphen über die durch die Rückkehr Englands zum Goldstandard für Frankreich geschaffene Lage, es unterliege keinem Zweifel, daß die Einführung des Goldstandards in England und in einigen europäischen Staaten Frankreich finanziell in eine bedrängte Lage bringe. Frankreich werde unter diesen Untständeit Mittel und Wege suchen müssen, auch seinerseits die Goldwährung wieder einzufnhren. Im Hinblick darauf müßten alle Bestrebungen, den Frankenknrs wieder auf die Friedensparität zu heben, die ja mehr politischen als finanziellen Erwägungen entsprangen, aufgegeben und im Gegenteil eine Devalvation des Franken vorgenomiuen werden. Es sei aitzunchmeti, daß der Frankenkurs auf der Basis 100 Franken gleich 1 englisches Goldpfnnd werde stabilisiert werden. Steigerung des rschecho-slvwakischeu Rübenanbaues. Aus Prag. 6. d. wird gemeldet: Der Henrike Rübenanbau in der tschecho-slowakischen Republik ist um 1.4 Prozent größer als in der letzten Kampagne. Der Ertrag wird von 157 Zuckerfabriken verarbeitet werden. Der österreichisch-tschecho-slowakische Versicherungsvertrag. Aus Prag. 6. d.. wird gemeldet: Wie das „Prager Tagblatt" erfährt, werden in der zweiten Maihälfte die V-erhandlnngen über den tschecho l .> w a k is ch - ö st e r r e i ch is ch e n Versicherungsvertrag wieder aufgenoncmen werden. Man erwartet, daß es geliugen werde, alle noch strittigen Fragen einer beide Teile befriedigenderr Lösung zuztlsühren. Wiener Produktenbörse. Die Preise notierten gestern wie folgt: Wetzen: Inländischer 52.— bis 53.—, Ungarischer Theiß 79/80 Kilogramm bis , Ungarischer Theiß 77/78 Kilogramm 55.50 bis 56.—, Jugoslawischer 76 Kilogramm —bis-.—, Jugoslawischer 77/78 Kilogramm — bis —. Roggen: Inländischer 50.— bis 51.50, Pester Boden oder Npirer 50.75 bis 51.—. Gerste: Inländische 42.— bis 46.—, böhmische mährische 52.— bis 54.—. Mais: Ungarischer 28.— bis 29.—, Cinquantin 87.50 bis 88.50. Hafer: Inländischer 41.50 bis 42.50. Reis: Italienischer 82.50 bis 85.50, Bnrma 62.— bis 63.-. M a h l p r o d u r t er Grieß inländischer 89.— bis 91.—, Weizenmehl 0 inländisches