Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2205 (10.4.1925)
- Date
- 1925-04-10
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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tWfe i Men, Freitag ' —-—-—>———- -—.—.■■■■.-.. -... fo der Räche. Auf die Ansprache des Gemeindevorstandes Herrn Lntzmann und des Aeltrsten der Kolonie, des Herrn Majrrowitz (eines Mitgliedes der berühmten Bilu-GrupP«, der ersten Palästimrstedkr der AchtzigerjahreX erwiderte Balfour, er freue sich, in einer Kolonie gu weilen, welche so viel seinem Freunde, dem Baron Edmond Rothschild in Paris, ver« danke. Er sprach dann von der Balfour-DÄlaration. Er fet kein „Zionist der B alfour-Deklaration", er sti dem Zimnsmus schon lange nahe gestanden» wenn er «S auch -rn bezug auf das Alter seiner zionistischen Gesinnung nicht mit Baron Edmond Rothschild aufnehmen könne. Es sei auch über« trieben, so viel von der Bccksour-Deklaration zu sprechen. Zwar sei es für ihn eine Ehre und eine Ehre für die englische Regierung, daß man die Erfolge der Palästinasache aup deren Rechnung fetze, aber die Sache des jüdischen National-- heims sei heut« eia Akt des internationalen Rechtes, den alle Völker angenommen habe» und der nicht rückgängig gemacht werden kann. Besonders lange Zeit verweilte Balfour tu Kirjach Anawim» der Siedlung auf dom Boden des Keren Kajemvth an der Straße von Jaffa nach Jerusalem. In seiner Ansprache in Kirjach Anawim sagte Lord Balfour unter anderem: ,/DaS, was jüdische Chaluzim allein in Kirjach Anawim im Verlaufe von nur vier Jahren geschaffen haben, ist der stärkste Beweis dafür, daß die Behauptung die Juden seien zu schwerer Landarbeit unfähig, eine gemein« Lüge, ist." Aufsehen erregte die Begrüßung, die Lord Balfour in Kirjath Anawim seitens der arabischen Scheits der umliegenden Dörfer zuteil wurde. Die Scheits erklärten ihm ihre Zufriedenheit über die einwandernden jüdischen Bauern, mit denen sie sehr gut auskommen und von denen sie sehr viel lernen. Die, dieangeblich im Namen der arabischen Nation gegen fcte Juden a-uftreten, wenden sich damit gleichzoitig gegen die Interesse» des arabischen Volkes. Nachdem Balfour in MÄWch Israel das Mittagmahl genommen hatte, fuhr er um 3 Uhr nachmittags in Tel- Awiw ein. Die Stadt war bunt mit jüdische« und englischen Fahne« geschmückt, viele Zehnt ausende warteten in Ordnung auf allen Straßen, um Balfour zu begrüßen. Im Gymnasium fand die offizielle Begrüßung statt. Herr Di seng off, der Bürgermeister von Tel-Awnv, überreicht« Lord Balfour das Diplom, das seine Erwählung zum Ehrenbürger von Tel-Awiw auS-- prach, und hielt hierbei eine' Ansprache, in der er Balfour mir Lyrus verglich, der den Juden di« Rückkehr aus dom Exil gestattete. Balfour erwiderte: „Stein Mensch — und ich nur wenigsten — könnt« die hier gesprochenen Worte ohne tiefe Be- .vegung vernehmen. Sie haben mir die größte Ehre erwiesen, )ie Sie mir geben konnten, indem Sie mich zum Chenbüvger dieser schnell empovblühenden Stadt machten und eine Gasse nach meinem Namen bonannten. Ich fichle mehr als die äußeren Ehrenzeichen die inneren Gefühle der Liebe, die mir hier mtgegenstrümen. Sie, die Begründer ärfefet Stadt, die tn 14 Jahren — und eigentlich erst in den letzten Jahren, feit die Völker und Regierungen Ihr nationales Recht anerkannt haben — so sehr aufgoblüht ist, Sie werden mein Vertrauen zrrm Zionismus verstehen. Noch werden die Juden ihren Anteil an der Menschheitsgeschichte nehmen. Die Palästinenser. werden verstehen, daß das, was sie hier bauen, nicht für die Juden und nicht für Palästina gebaut wird, sondern für die. ganze Menschheit. Ich vertraue, daß die Zukunft des Judentums nicht seine Vergangenheit und deren große Tradition beschämen wird." Nach Balfours Erwiderung, die von So ko lo w ins Hebräische übersetzt wurde, wendet« sich der Bürgermeister von Tel-Awiw an Weizmann und Sokolow. „Euch Führern der Zionistischen Organisation danken wir dies alles. Ihr habet uns bis hieher gebracht. Die Massen des Volkes, die in dieses Land drängen, die auMühende Siedlung von Stadt und Land, die große Ehre, die uns jetzt unsere Gäste bereiten, indem sie namens von Völkern und Regierungen aus allen Teilen der Welt kommen, um der Eröffnung der Universität beizuwohnen — für all dar danken wir euch, es ist die Frucht eurer langjährigen Arbeit. Heil euch, daß ihr die Verwirklichung zweitausendjähriger Ideale erlebet, Heil uns, daß wir euch als Schüler unseres großen Führers Theodor Herzl sein Werk vollenden sehen." Nach dem offiziellen Empfang fanden gymnastische Vorführungen von fast 3000 Schülern der verschiedenen Schulen Tel-Awiws statt, nach deren Beendigung Dr. Weizmann sich im Namen von Lord Balfour mit folgender Ansprache an di« Kinder und das tausendköpfrge Publikum wandte: .. ,Lord Balsour bittet mich, herzlich für das große Vergnügen zu danken, das ihm der Anblick jüdischer Kinder in ihrem nationalen Helm bereitet hat. Er hofft, daß es diesen Kindern vergönnt sei» wird, die jüdischnatronale Heimstätte in ihremvollen Glanz n n d ihrer ganzen Pracht z u schauen. Die jüdischnationale Heimstätte ist bereits eine Tatsache, die besteht, von jetzt a» bis in Ewigkeit — Amen." Das grobe Publikum und die Kinder wiederholten mit |tp|tec Wstaj« »Amen!" Wiener Morgenziettung.___10. April 1926_tot Herriots tzutscheidungslampf. Ae ftnmmer billigt die Finanzpolitik der Negierung. (Sigendienst der „Wiener Morgenzeittm-".) Paris, 9. April. Herriot hat anscheinend beschlossen, die Entscheidung im Kampfe gegen die ihn bedrängende Opposition von rechts möglichst rasch hevbeizuführen, und das durch die Behandlung der prinzipiellen Fragen, besonders des fo aktuellen Finan-Problems. Hernot geht, wie der gestrige Ministerrat zum Ausdruck brachte, nur dann, wenn sein Fmanzpvogramm durch eine Abstimmung im Parlament mißbilligt wird. In diesem Ginne beischlossen die MchvheitSgvuppen der Kammer tn der nach» rckttägigen Sitzung der Kammer eine Debatte hevbeizuführen, di« - dem Ministevpväsidenten H e r r i o t Gelegenheit bietet, sich über die politische und finanzielle Situation zu äußern. Die Kammer Hatte demgemäß einen Tag größter Spannung. Zur Nachmittagssitzung war die Regierung vollzählig erschienen. Der radikale Abgeordnete Cazals ersuchte in feinem Referat über die allgemein« Finanzpolitik Herri-ot, die B e u n r u h i g u n g -u zerstreuen, die sich des Landes bemächtigt habe. Auf Verlangen des Minifterpräfibeutelt beschloß die Kammer die sofortige Verhandlung der Interpellationen über die Fmauzpoliiik. Herriol ergriff das Wort. Er erklärt, die Lage fei keineswegs beunruhigend, wenn jene Anstrengungen gemacht werden, die mehr für die Zukunft als für die- Gegenwart notwendig feien. Die Nachkriegslasten rerreichen infolge der unterbliebenen deutschen Zahlungen 165 Milliarden, während der Krieg selbst nur 145 Milliarden gekostet habe. Auch die früheren Ministerien hätten die Schwierigkeiten deö Staatsschatzes gekannt, die genau dieselben gewesen feien, die der gegenwärtigen Regierung züm Vorwurf ge- -macht «werden, und hätten fie auf gleiche Weise gelöst. Der Ministerpräsident «betont «weiters, daß er alle Anstrengungen gemacht habe, die Vorschüsse der Bank z u v e r rin g e r n, an die er 1200 Millionen zuvückzcchlen wevde. Die Manövriermaffe der Morga »«Anleihe sei unversehrt erhalten worden. Er habe alle «Bemühungen aufgewendet, den Franken zu stabilisieren. Wir waren die erstendie sagen konnten, daß -das Staatsbudget rm Gleichgewicht ' ist. Unsere besten, ausländischen Freunde spornen uns an, eine Anstrengung zu machen. Herriot verliest sodann die Liste der finanziellen Verpflichtungen, die Frankreich im Jahre 1925 zu erfüllen hat. mmmmmmamsmmmmmBmmmsmmmmaimrammemmmmmBmmamm Unter jubelnden Zurufen der Menge fuhr der Gast zur Balfourstraße, die er selbst evöffnete. Am Abend war Tel-Awiw mit zahlreichen hebräischen Inschriften illuminiert. Balsour und die übrigen Gäste wohnten der Festvorstellung im hebräischen Theater bei, wo ,/9-elsazer" von dem neugebildeten Dheaterensemble unter Leitung Gnessins aufgeführt wurde. Den Weg von seiner Wohnung zum Theater legte Balfour unter stürmischen Begrüßungen der Menge zu Fuß zurück. Am 27. März traf Balfour wieder in Jerusalem, ein. Die Abreise vdtt Jerusalem. Jerusalem, 6. April. (I. T. A.) Gestern ist Lord Balfour mittelst Sonderzuges von Jenlsatem nach Haifa äbgereist. Zum Abschied wurden ihm im Namen des jüdischen Palästina Andenken an feinen Besuch im >heiligen Lmde überreicht. Die Zionistische Exek utive schenkte Lord Balfour ein wundervolles Pergturn e n t r o l l e n m a n u s k r i p t der Bücher Q? s r a otnb Nehemia. Der Waad Hair (jüdischer Staatsrat in iJtzruisalorn) überreichte Hm einen T e p p i ch mit Bibelinfchriften. Das Direktorium des Nationalfonds schrieb Lovd Balfours Namen i n das G o l d e n e B u ch des K e r e n K a j e m e th ein. Lord Balfour dankte in gerührten Worten. Empfang in Petach-Liklvah. Jerusalem, 6. April. (I. T. A.) Gestern weilte Lord Balfour in der jüdischen Kolonie P e t a ch - T i k w a h, nördlich von Tel-Awiw. Er wurde von einer Ehrengarde früherer jüdischer Soldate n empfangen. Hundert Kolonisten zu Pferd geleiteten ihn in die Kolonie, wo die Schulkinder auf dem Wege Spalier bildeten. Zehn Scheichs benachbarter arabischer Stämme fanden .sich in Petach - Tikwah zur Begrüßung Lord Balfours ein. ' 'In seiner Erwiderung auf die Grüße der Kolonisten sagte Lovd Balfour: Ich bin v oll Bewunderung über ldas Gedeihen dieser großen Siedlung. Baron Edm o n d de Rothfchild, der die Grundlage für diese Arbeit gelegt hat, und die ersten Kolonistenpioniere können jetzt die Früchte ihrer Arbeit ernten. Die Araber bei der Feier am Gkopusberg. Jerusalem, 8. April. (I. T. A.) Die palästinensischarabische Zeitung „Lissan el Arad" drückt in ihrer Ausgabe vom.5. d. ihre Genugtuung über das Bestehen der hebräischen Universität aus. Die Zeitung sagt, die kulturelle A r b e i t der Juden in Palästina und ldie EriMte der ZionMn feien al les Lobes Die im Jahre 1925 zu zahlende auswärtige Schultz ist folgende: Bereinigte Staaten 59 Millionen Dollar, England 11,735.000 Pfumd Sterling, H»klaud 3 Mllivnen Gulden, außerdem einige nttnder be^ deutende Summen, die an Aegypten, Kanada und Argentinien geschuldet werden. Die freiwillige Leistung, die man vom Lande fordern wird, wird eine gute Handlung und c-iue gute Sache sein. Wir wollen die Zahl der Banknoten vermindern und deren Wert erhöhen. Wir denken vor allem an die Zukunft des Landes. Hauptredner der Opposition war Deputierter B d* kanowski, welcher der Regierung vorwarf, daß sie entgegen ihrem Versprechen »ben Banknotenumlauf über die zulässige Grenze hinaus vermehrt habe. Nach Schluß der Dabatte brachten die Mchcheitsparteien folgende Tagesordnung ein: „Die Kammer, entschlossen, im Einverständnis mit der Regierung wirkungsvollste Mittel zur v v l l k o m menen Sanierunger Fin an-en und der Währungslage zu suchen, hat Vertrauen zu der Regierung, daß sie die Politik internationalen Friedens und sozialen Fortschrittes, eine Pckitik steuerlicher Gerechtigkeit gemäß dem am 11. Mai durch das allgemeine Stimmrecht ausgedrückten Wunsch« des Volkes fortsetzen und verteidigen werde. Die Kamrner lchart jeden weiteren Zusatz sowie eine Politik der Inflation äb und geht zur Tagesordnung über." Die Regierung erklärte sich mit dieser Tagesordnung einverstanden. Bei der Abstimmung darü'ber votierte die Kammer mit 291 gegen 242 StimmeÄ der Reg>ierungHerriot das Bertränen. Die Beratungen über das Finanzproblern^ Paris, 9. April. (Havas.) In der Konferenz der Mehre -heitsgrUppen legte Loucher feinen Gegenentwuvf betreffend die gesamte finanzielle Sanierung durch Schaffung einer Amortisierungska sse dar, devm Tätigkeit sich auf zehn Jahve erstrecken und in die u. a. der Evtoag aus der Verdoppelung der Einkommensteuer und der Erhöhung der Luxus steuern fließen würde. Es ist auch eine Aufeinanderfolge von Konvertier rungen von Staatsschuldscheinen vorgesehen, um den für dm Schuldendienst erforderlichen Betrag herabzummdern. Sämtliche Mehrheitsgruppen einMretzlich der Soziakisten haben die Anregungen Loucheurs günstig ausgenommen, die dem Finanzausschuß unterbreitet werden sollen^ Es steht nun fest, daß an der Feier der UnivevsitätServffnung 300 arabische Persönlichkeiten terltzenammen, und sich in die Gastliste eingetragen haben. Der englische Kolonialminlster Wer die arabischen Proteste. London, 9. April. (Tel.-Komp.) Im lUniterhause fragte ein konservativer Abgeordneter, ob die Regierung in Anbetracht der Proteste der palästinensischen Araber gegen den Besuch Lord Balfourses nicht für angobracht hailte, die Befürchtungen der Araber zu zerstreuen, >mn das B e rtrauen zwischen Palästina und England wiederhepzuftellen. Der Kolonienminister erwiderte, er fche nicht ein, tvas .für Maßnahmen er zu diesem Zwecke ergreifen könnte. Die Araber Palästinas wüßten wohl, daß England nicht im geringsten daran denke, in ihre bürgerliche n oder religiö sen Rechte einzugreifen. Nach einigen weiteren Anfragen vertagte sich das Unterhaus für die Dauer der Osterfeiertage» Profeffor Ratzpards kmvsang i« Lel-Awiw. Disengoffs Ansprache. R. Jemsalem, 7. April (per Radio). Dev fvüheve Direktor und jetziges Mitglied der Mandatskommission, Professor R a p p a r d (desien Besuch in Del-- Awiw wir am 4. April mitgeteilt haben), wurde dort von der Stadtverwaltung festlich empfangen. Bürgermeister Disengvff richtete an den Gast eine Anfpmche, in welcher er unter anderem ausführte: Der Völkerbund, besten Kontrolle Erez Israel unterstellt wurde, übertrug das Mandat über das Land an Großlbritannien, den: die Aufgabe zufiel, uns in der. Errichtung unseres Natimalheimes in diesem Lande behilflich zu sein. Professor Rappavd mag bei seinem Besuche in diesem Laude zwei Ziele vor Augen haben: sich zu überzeugen, wie weit Großbritannien seine Aufgabe erfüllt, und au sehen, wie die Juden ihrer Pflicht nachkainmen, welcher Mittel sie sich foemt WiedermWiu ihres nationalen Heimes bedienen. Es ist selbstverständlich nicht meine Solche, hier über die Aufgaben der englischen Regierung zu sprechen. Aber ich kann den geehrten Delegierten des Völkerbundes vor-, sichern, ^daß wir übermenschliche Energie an-, wenden und daß uns für die Wiederbelebung dieses Landes. das unter der Herrschaft der Türken wüst mch verq lassen war, keine O^n zu hoch sind, damit hier rationelle. Landwirtschaft, Handel, Industrie und Kultur zur BNtq «nd. LtzvMap SelWgM. Mjers Wbeitex und dte MMWji