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Wiener Morgenzeitung · 1925-03-20 · Heft 2184 (20.3.1925) · p. Seite 6

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2184 (20.3.1925)
Date
1925-03-20
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Gev»8 Men. ffrerkag Ml-ner Msrstenzett««G. 20. MSrz 1925 M. SIS« Mhne und Kunst. „Hoffmmnr SrMIuugen" im Mademletheater. sR<:«ins,«nierung der Mufikhochschnle.) Di« mag es wohl kommen, -aß Josef Turn au an der Staats oper gar nichts zustande 'bringt und gleichzeitig an >der Musrkaka-emie große Erfolge cncheimst! Wie kürzlich in der „Finta semplice" so diesmal in .^poffmanns Erzählungen" -dieser Mischung vmt Dämonie, Groteske und Gcspeissterspuk. in welcher der Geist E. T. A. Hoffmanns umgeht und ein« wahr« Paraderolle für einen einfallsreichen Regisseur verborgen ist. Durnau hat Einfälle: In die Schattenhaftigkeit eines Nachtstückes taucht er das Kellergewölbe, -in welchem nur geheimnisvolle Umrisse der Gestalten sichtbar werden. Marionettenhast steif mutet das ein wenig kubsstssche Zauberkabinett des Spalanzani an, in welchem der höchste Triumph der Physik, der künstliche Mensch, m Trümmer gcht. Tann eine mächtige Lobenswelle rings um die verführerische Eourtisane Giulietta: Venetiansslher Karneval, zauberhaftes Leuchten <mt Canal grande, Erotik eines phantastischen Traumes. Und schließlich ln Crespels Biedermeierswbe Angst und Grauen. Wechsel von Kleinbürgerlichkeit und Dämonie des Künstlers. Alles in allem: Ein phantastisches Spiel, losgelöst vom herkömmlichen Opern - kitsch, der Staatsoiper wärmstens empfohlen! So glücklich Turnau die Jnszenierungsprotteme löst, so schwer hat er es mit den Sängern. ,Hoffmanns Erzählungen" vhn« Hoffmann: Denn der begabte S. Len gyel in der Titelrolle sst eine unmöglich bürgerliche Gestalt, dessen zarte, zur nasalen Behandlung neigende Stimme sich in der Höhe überschlagt. Besser die Damen Pohl, Kollinek, Wießner nnd namentlich Frl. Claus mit ihrer vielversprechenden Koloratur. Stavkes schauspielerisches Talent besitzt Herbert Graf -als Spalanzani, recht brav sangen die Herren Rosenberg, Musil und Herbert. Rudolf Kattnigg leitete mit denr Schwung der Jugend das wcchldiszvplinierte Orchester. Ein anregender Abend, wenn wir auch neu ausgehende Gesangssterne nicht entdecken konnten. . M. Aus Den Theatern. Uhr abends, «Ein V-8 Uhr abends, Burgthearer. Morgen, Eommernachtstraum*. Akademietbeater Morgen, «BordemSündenfall". . S t a a t 8 o v e r. Freitag den 27. d. Uraufführung von ,D a S B i l d n i s d e r M a d o n n a", Oper in zwei Akten von Lothar Ring. Musik von Marco Frank. Volksover. Heute bei halben Preisen „D e r fliegende Holländer. Morgen «G r ä f i n M a- JM « mit Hubert Maris ch k a als Gast und dem Komponisten Emmerich Kalman am Dirigentenpult. R a im u » d - The ater. Montag 50. Aufführung von «An t o n r a" mit Sari F e d a k t V " c ö c a 1 c r i n b er Annagaise. Ab beute Sascha Gurtrys ..Hilfe! — Diebe? — i e lie!". Freitaa, 27. d., Erstaufführung des Lustspiels «Walzer von Georg R u t t k a y. kl o h a n n -S t r a u ß -T h e a t e r. Donnerstag, 26.d., 100. Aufführung der Operette «P u s z t a l l e b ch e n". „Mein Mann, der große Künstler", mit Hansi Niese in der Titelrolle, ging an der Renaissancebühne bei dichtgofülltem Hause bereits zum 25. Male in Szene. Frau Niese, bei bester Laune, ließ ihre Gäste wieder alles Ungemach der Zeit vergeffen, spendete einige Stunden ungetrübter Heiterkeit und wurde mit Recht stürmisch gefeiert. Das Publikum lacht sich gesund und auch die Kassen der Renaissaneebühne werden durch den urwüchsigen Humor der großen Künstlerin saniert. Mtivistische Künstlergruppe. Die aktiv ist ische Künsttergruppe „Ma". deren Führer der Maler und Dichter Ludwig Kassak ist. veranstaltet am 22. d. -um halb 8 Uhr a'bends im Saale der Schwarzwald-Slhule (1. Bez.. Regierungsgafle 1) chren ersten deutschen Propagandaalbend. Mitwirkende: Fron Schnabel-Hoeslich, die Herren Regisseur Leo Holpern und G.Hadant (Beer-Bühnen): Mtivistische Dichtung; Frl. Mura Zyperowissch: Moderne Tanzkomposition: Herr Paul Enterich: Strawinsky, Malipiero, Aves Nat. Ein völkischer Vorstoß gegen Leopold Jetzner. Aus Berlin wird uns geschrieben: Die qroßen künstlerischen und Publikumserfolge des Intendanten des Staatlichen Schauspielhauses, Leopold I e tz n e r, hallen die reaktionäre Presse nicht zurück, ihm dorrzuwevsen, daß er als Jude deutsche Kunst Nicht erleben kann. Aus Anlaß der AuWhruna des Dramas „Napoleon" von G r a b b e im staatlichen Schiller-Theater veröffentlicht der Kritiker der „Deutschen Zeitung" unter der Usberschrift „Vorwärts Bürger!" einen Hetzartikel gegen Intendant Jeßner, dem zum Beispiel vorgeworfen wird, daß im Drama „Napoleon" die preußischen Jäger lächerliche, wehleidige Züge erhleltcn, wahrend Franzosen und Engländer stramm standen. Der Kritiker schreibt dann: „Dem Bürger mögen Wer diese widerrechtlichen Beeinflussungen seiner Institute die Augen ausgehen. Er hat ein Recht aus Teilnahme am Bolksbosih.... Wir wehren uns gegen die willkürliche Ausbeutung der dichterischen U-sberlivfevuna durch mangelnde sittliche Einstellung der Bühneuleitung. ... Bürger, schütze -oas Werk deiner dichterischen Ueberlieferung durch Zusammenschluß. ... Setzt euch, deutsche Bürger, heute die Diktatur fremdvölkischer Kreise nicht in den Bvaüd der Erkenntnis und Tat. dann werdet Mumien am Ösen eurer Kleinbürgerlichen Uwsertigskeit. Vorwärts Bürger! Schütze deine Kunst." Nadioprograrnm. Freitag den 20. Marz. 9 Uhr: Marktbericht. — 11 bis 1 Ubr: L ormittagskonzert. — 1 Uhr 5 Uraniazeit. — 1 Uhr 20 Min.: Wetterbericht. — l/24 Uhr: Wiener Börse. — 4 bis 6 Uhr: N achmittagskonrert. Kompo- «isten-Wettstreit. 1. Hahdn. 2. Rossini, 9. Meverbeer, 4. Chopin. 5. Johann-Strauß-Wcilzer. — 6 bis Uhr r Stunde der Frau. — >/»7 Ubr: Vortrag. Obermeoizlnalrat Dr. I. Lamberg r Erste Hilfe bei Wunden und Blutungen. — bis ViO Uhr : Englischer Svrackkurs für Anfänger (WiederholungS- ArS) von Prok. Th. W. Mae Callum. — '/,9 Uhr: Orckesterlonzert der Kapelle I. W. Ganglberger. 1. Fr. Lehar: Ouvertüre zu «Wiener Frauen"; S. G. Verdi r Präludium aus «La Traviata"; 8 Josef Lanner: Liebesträume k Walzer): 4. P. Mascagnir Große Phantasie au» „Cavalleria rustieana"; S. Popp : Konzertphantasie für Flöte aus G. Verdis „Rigoletto" (Solist: Herr Kemeter); 6. Sidney-Ionas r Divertissement aus der Operette „Geisha"; 7. Fr. Lehar r Elfentanz (Konzertwalzer). Serichtssaal. Sie Sefedun« von SchnNetterstelen. Sine evangelische Beschwerde vor dem verwaltungsgerichtthos. Der Verwaltunasgericktshof hatte gestern über die Frag« der Zulässigkeit der Anwen-oung des Schulgesetzes vom Jahve 1883 zu entscheiden, nach welchem bekanntlich zur Erlangung einer Schnlleiterstelle in Oesterreich di« Zu'gehöriqkait des Bewerbers zu dem Glaubensbekenntnis der Mehrheit der Schüler a n der bot reffenden Volksschule verlangt wind. Als im Februar 1884 eine Ausschreibung von Schulloiberstellen für Men erfolgte, beschwerte sich der dem evangelischen Glaubensbekenntnis angchörige Bürgevschullehrer Heinrich Schäfer beim Unterrichtsministerium gegen die Bestimmung der Ausschreibung, wonach die genannte Religionszutachörigseit von den Bewerbern verlangt wurde, weil hiedurch fast ausschließlich katholische Schulleiter ernannt werden können, was mit den Bestimmungen des S1 aa >tsgrund« gesehes, des BundesverfassungsgesetzeS und des Staatsvertrages von St-Germain in Widerspruch st:he. Das Bunde smmistermm für Unterricht wies die Beschwerde mit der Begründung ab. daß diese Ausschreibung den BestimuunMn des § 48 des Roichsvolksschulgesetzes entspreche und weder mit dem Staatsgrundgesetz noch mit dem Staatsvertrag von St.-Germain noch mit dem Bundesvcrfassungsgeseh in Widerspruch stehe, da es sich nicht -dämm handle, cm Religionsbekenntnis vor dem anderen zu begünstigen, sondern nur darum, daß für eine bestimmte Stelle eben ome Befähigung gefordert wird, die nur unter der Voraussetzung der Zugehörigkeit zu einem bestimmten Glaubelrsbekenntnis — und dies gelte für alle Glaubensbekenntnisse — erlangt wenden kann. Geigen diese Ministerialentscheidung richtete sich die Beschwerde an den Verwaltungsgerichtshof, vor welchem bot der gestrigen Verhandlung der Beschwerdevertreter Dr. Viktor Weiß darauf hinwie's, daß nach dem Reichsvolksschulgesetz in Oesterreich das System der interkonfessionellen Anstalten bestehe, wonach nicht nur Kinder verschiedener Konfessionen in wder Schule ausgenommen werden können und müssen, sondern auch Lehrer verschiedener Konfessionen angostellt werden und ebenso Lehrer jedrr gesetzlich anerkannten Religion Schulleitcrstellen bekleiden können. Wenn das Unterrichtsministerülm sich auf die durch das Gesetz vom Jahre 1883 festgestcllte , Fassung des § 48 des Reichsvolksschulgesetzes berufe, so müsse ' darauf hingewiesen werden, daß dieses Gesetz einen Umweg für die Abänderung des Staatsgrundgesetzes bedeute. Tatsächlich sei durch dieses Gesetz vom Jahre 1889 den Staatsbürgern ein bisher gewährleistetes Recht genommen worden. Ferrv.r haben auch nach den Bestimmungen des Artikels 66 des Staatsvertrages von St.-lÄrmain alle österreichischen Staatsbürger ohne Unterschied der Rasse, Sprache und Religion dieselben bürgerlichen und politischen Rechte. Diese Grundsätze des Staatsvertrages von St.-Germain seien auch im Bundesverfassungsgesetz zum Ausdruck gebracht. wonach alle Bundesbürger vor dem Gesetze gleich. Vorrecht eines Religionsbekenntnisses ausgeschlossen sind. Unter Befähigung zum Lehramt könne nur die moralische und wissenschaftliche Befähigung, nicht aber seine Zugehörigkeit zu einem bestimmten Glaubensbekenntnis verstanden werden. Ministerialrat Dr. Egger, der als Vertreter der Regierung erschienen war. erwiderte, die Religion sei an Volks- und Bürgerschulen Pflichtgcgenstand wie Lesen, Schreüben usw. Zunächst seien nach unserer Schulgesetzge'bung zur Besorgung des Religionsunterrichtes allerdings die Religionsgesellschaften' berufen. Wo aber kein Geistlicher für den Religionsunterricht vorhanden ist, wie di-cs wiederholt bei Priestermangel der Fall war, müsse von >den weltlichen Lehrern der Religionsunterricht erteilt werden. Nur deshalb sei durch das Gesetz vom Jahre 1883 dem § 48 des Reichsvolksschulgesetzes die Fassung gegeben worden, daß der Schulleiter dem' Glaubensbekenntnis der Mehrheit der Schulkin'der angehören muß. Da dies für alle Religionen sielte, könne von der Bevorzugung eines bestimmten Religionsbekenntnisses nicht die Rede sein. Der Derwal'tungsgevichtshof (Vorsitzender Viz-opräsident Dr. Henny) erkannte auf Abweisung der Beschwerde, weil «s sich um die sachliche, schulmäßige Eignung des Schulleidc.rs zur Erteilung des Ersatzunterrrchtcs in der Religion handle, weshalb die angefochtone Verfügung als den Bedürfnissen des Schulressorts entsprechend gerechtfertigt sei. Zu einer Ueberprüfung der Gesetzmäßigkeit des Gesetzes vom Jahre 1883 sei der Verwaltungsgerichtshof nickt berufen. ..Mir fan vom k. u. k. Infanterie-Regiment." Wie noch erinnerlich, galb es im Sommer des Vorjahres im Prater eine Demonstration einiger Passanten gegen eine marfchierende Truppe der Wehrmacht, die die alten Kasernenliebrr sang. Der Ofsizler-Stellvertreter S ch a f a r i k ließ soine 'Soldaten das Bazonett aufpflanzen und rief Polizisten hevbei, die drei Leute, den Schuster Schütz, den Schlosser Huber und den Bankbeamten Kalman, verhafteten Alle drei wurden dann vom Bezirkszevicht bedingt zu Ar re st st rasen verurteilt. Sie ergriffen den Rekurs. Ein Berufungssenal verhandelte gestern über ihre Beschwerde. Das erstrichterliche Urteil wurde aufgehoben und die Arreststrafen in bedingte Geldstrafen umgewandelt. Die Gallensteindoktorin von Favoriten. So wird die 30jährige Joselfine Holler, Gattin eines Bäckers, genannt, die kürzlich vor dem Strafrichter des Bezirksgerichtes Favoriten, dem Landesgerichtsrat Dr. Donau, stand, um sich wegen der gegen sie erhobenen Anklage der Kurpfuscherei zu verantworten. An die Polizei gelangten anonyme Anzeigen oes Inhalts, daß Frau Holler Gallensteinkranke mit einem Tee und gewissen Kräutern, hauptsächlich aber mit Olivenöl behandle und sich hiefür bezahlen ließe. Sie besuche auch die Patienten, laufe den ganzen Tag mit der „Medizintasche" herum. Sie habe einen ausgobreiteten Kreis von Patienten, hoch und niedrig lasse sich von ihr behandeln. Während sie bin: „ärztliche Praxis" ausübe, führe der Mann dl« Wirtschaft, tvasche die Wäsche usw. Sie rühme sich ihrer ärztlichen ,Mdnst", vergleiche sich nur mit einem Doktor und erkläre, sie werde nunmehr für jeden Fall eine Million verlangen. Auf Grund dieser Anzeige wurde gegen Frau Holler seitens der Polizoi Dtaterial gesammelt und dann die Anzeige bei der Staatsanwaltschaft gentacht: Frau Holler brzeichnete die anonylne Anzeige als einen Racheakt einiger ihr foindlich gesinnter Hausparteien. In ihrem engsten Bekanntenkreise habe sie einraen Personen OliveM gGen Gallensteinleiden empfohlen. Sre. häbe hiefür niemals etwas verlangt, in einigen weltigen Fällen habe sie kleine Geschenke bekommen, die sie attgenamnten habe. Sie habe ausdrücklich erklärt, sie fordere nichts, höchstens würde sie eitle kleine, freiwillige Aufmerksamkeit ufw. — Richter: „Mit welchen» 9techt konnten Sie sich anmaßen. Gattensieinkrank« zu hchandeln? Es ehlen Ihnen doch die medizinischen Kenntnisse hiezu." — tlngekl.i „Meine Mutter hat an Gallensteinen gelitten und hat ich selbst geheilt. Ihre Kenntnisse hat sie mir überm'ittelt; ich habe sie in einzelnen Fällen zum Heile anderer augewendet und niemals Unheck oder „Schlechtes^ damit angerichter." — ES wurden mehrere Zeugen vorgeladen. Frauen, die sich in enthusiastischer Weise über das Heilmittel der Frau Holler aussprechen. Alle sind durch sie gesund «worden. Der Richter erkannte sie schuldig und verurteilte sie zu fünf Tagen Arrest, jedoch bedingt, mit dreijähriger Betvährungssrist. In der Begvündrmg führte LandesgerichtSrat Dr. Donau aus: Wenn man unter Bekannten ein Mittel empfiehlt ober anpvorst. ist das gewiß nicht strafbar und kein Mensch wird daran etwas finden. Wenn aber das Mitteil fremden, unbekannten Leuten gelben wird nnd bei dieser Gelegenheit gesagt wird: ,^Jch nehme nichts, aber tvenn mcnt mir etwas gckt, so . . so ist das eine indirekte Aufforderung zum Geschenkomachen. Das hat die Angeklagte getan und deshalb war sie schuldig zu sprechen. Di« an den Pranger gehören. Während jeder anständige Jude die Hakcnkveuzsonlmersrlschen meidet, gkbt eS noch immer Viole, die sich das z-weistlhafte Vergnügen der antisomilischen Luft nicht nehmen lassen. Den Höhepunkt jüdischer Würdelostzakeit aber, den wir unseren Lesern nicht vorenthalten können, leistete sich eine Familie, dre sich deshalb vbendveiin noch vor Gericht zu veranttvorten hatte. Vor dcm Obevlandesgerichtsrat Dr.. Fuchsig, Strafbezirksgerichr 1, hatten sich gestern die Private Helene Kadawer und ihre beiden Töchter Marie und Sabine wogen Falschmeldung zu vercnttworten. Den Beschuldigten lag .zur Last, daß sie bet einem Urößiflcti Sommeraufentyalt in Oswald bei Freist«dt sich dort in den Meldezetteln als griechisch-katholischer Religion gemeldet hätten, während sie in Wirklichkeit mosaischer Religion waren. In der Anzeige hieß es, daß die Angaben bezüglich der Religion ohne joden Zweifel von -den Beschuldigten absichtlich vorgenommen wurden, welche typisch jüdischer Nation seien, und daß darüber kern Zweifel bestehen komtte. Zur Verantwortung erklärten die Angeklagten. daß sie sich in der Sommerfrische, die ausschließlich von Hakenkreuz lern b.-sucht war, als griechisch-kat'liol'isch meldeten, weil sie sonst, wenn ihre wahre Konfession bekannt'^Avordert wäre, sich in der Sommerfrische nicht hätten aushallen können und geradezu von den übrigen Besuchern hinausgedrängt worden wären. Diese Angabe der^ Beschuldigten wurde auch m der Anzeige der Behörde als richtig bezeichnet. Der Richter sprach die Angeklagten von der Uebertrettmg der Falschmeldung fre i, weil die Angabe in den MeldeZctteln beMalich der Religion, da bezüglich aller übrigen Umstände die Da-ren richtig waren, nicht geeignet war. die, Behörde irrezuführen. — Womit die Familie Kadawer wieder ruhig nach Oswald bei Freistadt gehen kann. Ein gebrochenes Eheversprechen in Jerusalem. Am 12. d. fand vor dcm Jerusalemer G.richt eine Verhandlung statt, die den Bruch eines Eheversprechens zum Gogensiand hatte. Es ist dies der erste Prozeß dieser Art in Palästina. Klägerin war Miß Matroß. Beklagter Mr. Trachtingott, beide jüdisch und Bürger der amerikanischen Starren. Das Gericht enlschi.d gocen die Klage des Miß Matroß, da diese nicht Nachweisen konnte, daß tatsächlich ein Eheverspvechen gemacht worden.ist. _ Volkswirt. Sie Mckkehr des NatronalbanlpMdenten Reisch. Gestern nachts sind der Präsident der Nationakbank.Doktor Ii e i s ch und der Generaldirektor Dr. B r a u n e i 8 anL London zurückgekohrt, da beide Leiter an der -heute stattsinden» >den Generalversammlung teilnehmen sollen. Uöber das Resultat der Verhandlungen in London ist vorläufig nicht- Positives bekannt. Alle in den Mener Blättern gebrachten Me-ldungen sind in dieser Hinsicht mehr oder weniger umfangreiche Kombinationen, die den Kern der Sache nicht vollkommen treffen dürften, da weder der Gouverneur der Londoner Bank, Montagu Norman, irgend welche Auskunft erteilt hat noch der Nationalbankpräsident Reisch ausführliche Erklärungen über den Erfolg feiner Reise gegeben hat. Soviel sicht fest, .daß eine Evinäßigung >der Zinsrate vorläufig nicht vorgenomlnen werden dürfte. In der heutigen Generalversammlung wird der Nationa'lbankpräsrdent ausführliche Erklärungen über den Inhalt seiner Verhandlungen mit den englischen finanziellen Faktoren abgeben. Die Schwankungen auf dem Weltgetteidemarkte. Die Kämpfe Zwischen der Hausse- und Baissepariei auf dem Woltgetreidomarkte scheinen noch immer nicht ihr Ende erreicht zu halben. An den vorgestrigen Getreidchövsen haben sämbliche Gebveidepreise de)t Tiefstand des letzten Vierteljahres erreicht. Dies hat die Panik, welche bei >der Getreidespckuilation schon seit Wochen herrscht, auf ihren Höhepunkt getrieben. Nicht nur der amerikanische Markt hatte unter den Folgen dieser Baisseaperation zu leiden, sorldern auch die einzelnen kontinentalen Märkte find durch diese Bewegung stark in Mitleidenschaft gezogen worden. In Amsterdam sind mehrere große Getveidesirmen zusammengvbrochen. Ans dem Budapest er Platz, welcher seit j>eher in der Getreidespeklckation stark engagiert ist, sind große Vermögensvevlnste zu verzeichnen. Die Budapester Mühlen haben, trotzdem Ungarn auf die Zufuhr amerikamschert Weizens nicht angewiesen ist, dennoch die Mehl- Presse um 300 Krollen herabgedrückt. Der Wiener Platz sst wohl durch diese Zusamnlenbrüche nicht in Mitleidenschaft gezogen worden, doch scheint diese Bewegung auch hier einige Rückwirkungen auSgeübr zu haben. Gestern sst eine bedeutsame Wendung auf den Getreidemävkten eingetreten. Die Baissepartei sucht nunmehr ihre Operationen glattznstellen und hat infolgedessen mit größeren Käufen eingesetzt. Dies bvivirkte, das; die Getreidepreise sich erheblich befestigten. Diese Besöstigung sst nicht nur in Chikago, sondern auch in Liverpool, Antwerpen, Amsterdam und den anderen großeil Getreidemärkten zu verzeichnen. Die Beweignng dreht sich in erster Reihe um den Maitermin, und es ist infolgedessen auch dieser Termin am stärksten gestiegen. Die Erhöhullg beträgt zirka 9 Cent, tvas einer sechSprozentigen Steigemng gleichkommt. Der Wiener Markt, der in seiner Preisfestsetzung sich von den Preisschwankungen ln Chikago nicht leiten 'ließ, hat auch die jetzige Bewegung ziemlich ruhig ausgenommen. Die Presse sind m Wien ziemlich unverändert geblichen. DaS Gsschäft hielt sich nur in «ngen Grenzen.

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