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Wiener Morgenzeitung · 1925-02-15 · Heft 2151 (15.2.1925) · p. Seite 5

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2151 (15.2.1925)
Date
1925-02-15
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 2151 Men. Sonntag Damenkonfektion ■SSÄSfc._ K SljOM .. K 69.0M Weiße Blusen, » ca nnn Seidentrikot, Kafakfasson .... II vtf«UUU Weiße und siirbige SeidentrikoMeider.R 110.000 WL^nd-rkleid^.R zzg»« Grosse Posten HMimö Wirtstzstskleidtt Waschvotte. neue Dessins, fettfct* If KQ 111)11 ttoneller Preis .H 00«UUU jffctDßfr Prima-Mode-Tchotten K 279*000 Sohann Kremenetzltz. Zu seinem 75. Geburtstag. Mr 15. «Februar 1850 ist Johann Kreme ne tzky kn Odessa geboren. Er wird also hellte 76 Jahre alt. §>veses Datum ist bedeutu-ngsvoll für dve jüdische Oeffentikrchksit, die mit warmem Dank aus das Wirken Kvemenetzkhs sieht. Er gehörte zu den fünf Männern, die mit Theodor Herzl an der Wiege des politischen Zionismus standen. Wie hat sich doch seither diese Bewegung entfaltet! Sie 'hat das ganze Volk ergriffen, feine «besten Kräfte geweckt, sie hat es vom Traum der Dichter «in das volle, helle Leben geführt, sie hat den PaWftinagodanLen zum festen Besitz der Nation gewandelt. . Johann Kvomenetzky ist einer von den Männern -im Feuevofen gewesen. Er hat mit heiligem Enthusiasmus mitgearboitet und sein reiches Wissen und Können in «deir Dienst der politischen und sozialen EMsung des Mischen Walkes gestellt. Insbesondere ist es der Jüdische N ation also nds, der honte Kvemenetzky zu danken hat. Bon Herzsl war er mit der Aufgabe betraut «worden, dieses wichtige finanzielle Instrument zu schaffen. -Kromenetzky hat die über die ganze Welt sich erstreckende Orgauilfation des Fonds ins Leben gerufen, rastlos u-nd ziolibeiwuHt an der Popularisierung gearbeitet und den Aufschwung dieser Institution «begründet. Alles, was der Zionlismus in seinen Aktionskreis zog, «fand stets Kvenronetzkys werktätiges Interesse. Stets ist er mit Initiative und Freude am Werk, mit jugendlicher Begeisterung arbeitet er mit an allem, was der Mischen Zukunft in Evez Israel dient, und er ist einer der ersten gewesen^, die beispielgebend , auf dem Boden des jüdischen Landes erschienen und dort Rat un«d Tat wirken ließen. Mit dem juge-udfrohen, neuen Iischuiw steht «heute das ganze Mi-sche Volk Mckwünschend vor de-m Iubiilar, de-nr es «feiine vorbilldliche Treue «dankt. * Die Biographie Kremenetzkys. ' Johann Kremenetzky wurde am 15. Februar 1860 in Odessa geboren, stlldierte an der Charliottenbuvg-er technischen Hochschule und eriwarb dort das Jngouienrdiplom. Als junger Techniker war er beim Bau der Eiseubähnllmie Baku—Tiflis tätig. In den Achtzigerjahren ging er na-ch Paris und arbeitete dort mchveve Jahre gemeinsam. mit Iablochkof f, dem Erfinder der Bogenlampen. Schon damals faßte er den Entschluß, seine Lebensarbeit seinem Lieblingsgebiete, dem elektrischen Beleuchtungswesen, zu widmen. In der zweiten Hällfte der Achtzigerjahre kam er' noch Wien und führte hier die Bogenlampen ein. Er war es auch, der die Bogenlampenbeleuchtllng des Volksgarte ns, die Scheinwerferbeileüchklng der Votivkirche und der Rotunde arrangierte. In Wien gründete er ba'ld ^darauf die Firma Kremenetzky, M a j e r und E g g e r tm 9. Bezirk (Grünetorgasse) und erzeugte dort eiloktvischv Apparate, Bogen- und Glühlanvpen. Diese Firma tvurde später von den S i e m.e n. s - W e r k e n -angetanst Md Kremenetzky selbst zürn technischen Direktor der Siemeus-Schuckert-Werbe «bevuifen. In dieser Stellung war. er einige 'Jahve sehr ersprießlich tätig und widmete sich sehr eifrig «dem Studium der Wevbessevnngsmöglichkeiten der elektrischen, Beleuchtung. Er übernahm dann die Wühlampenalbt-Hung «der Siemens- Schuckert-Werke als selbständiges Fabriksuntevnehmen und gründete so in der Eis-engasse die Erste ö st erreicht- Fche Glühlampenfabrik. Er erzeugte ha,uptjächlich _Wiener MoesttnM»««._ Kohlenfa-denlaMpen und brachte später die ersten MetallfadeNlampen auf den Markt. Die Fabrik erwies sich bald als p Kein, mrd so er-' baute er im Jahre 1906 im 20. Bezirk in «der Dvesdnersttaße eine neue, den modernsten Ansorderungen emfprechende Fabrik. Er machte dort die Erfindung des Dr. Gus ch l, die Kolloid -Wolfram-Lampe, der Praxis zugänglich. Die Fabrik beschäftigt gegenwärtig 1600 Arbeiter und 200 Beamte und Hot Weltruf. Der Chef der Firma, der «heutige Jubilar,, «besitzt zahlreiche Patente, die von den größten Firmen aller Länder benützt werden. Insbesondere hat sich fein EisenbahnübersetzuWssignall ohne Ba-Hwschranken in der ganzen Welt du.rchges.etzt. Sem Hauptaugenmerk wandte Krsmenetzky Palästina zu. Er hat, wie Bdamtt, in Jaffa eine Batteriefabvik und ein Ziegelwerk, die Silikat-Werke, errichtet. * Die Misch-akademische Derb-nidung MMMa, deren Ghvenlbuusch Herr Ingenieur Johamn Krsmenetzky ist, wird heute vormittags dam Jubilar durch ihre Chargierten ihre Glückwünsche ausifprechen. „Mische« Lebe« in Seßerreich in Wort und Schrift.« Ei« neues jüdisches Jahrbuch. Unter diesem Titel gibt unser Redaikkionskollege Jakob Krausz am jüdisches Jahrbuch mit Gemeinde- und Dewi-nskalondvr heraus, dessen Jahrgang 6686 (1925 bis 1926) bereits im Juli «d. I. erscheinen wird. Nach dem ■ uns vorliegenden Prospekt wird «dieses sehr zu begrüßende Work eint verläßliches Nachschlagewerk über das gesamte Sflfentliche, gesellschaftliche, politische und wrrtischaftliche «Loben der Juden Oesterreichs bilden.' Es wird außer wertvollen Aufsätzen historischen und statistischen Materials das genaue Verzeichnis sämtlicher KultuKgsmsiiNden, Tempel und Bsthausvereme, Mischer Ovgan'isabionen für Wohlfahrtspflege u-nd soziale Fürsorge, für jüdische Schulen und ErziehungAwosen, der Mischen Woltorganisationen, die in Oesterreich durch Laudesovganist^ -tätig find, der Turn- »md Sportvereine, der Standes- und Bevufsorgcmiisationen, der Frauenvereine, Studentenvevbinduingen und -Vereine, der jüdischen Mandatare, Presse, Theater usiv. enthalten. Wird «das Jahrbuch auch bas halten, was es zu werden verspricht, so wird es ein unentbehrliches HUfswvrk für jede Behörde, jeden RechtsanwM, Arzt, Kiwstlor, Geschäftsmann, Bank und jeden einzelnen Juden sein. Als Preis eines Exenrplares sind 6 Schillinge, 3 Goldnnark, in Aussicht «genommen. Für die Redaktion zeichnet Jakob Kvausz, 2. Bgz., Tabovstvaße Nr. 1-3), an den auch sämtliche das Jahrbuch betrestsnide Zuschriften, Anfragen und frmstiige Zusindrungen zu richten sind. Der Dum- «und Sportteil «des Jahrbuches wird von Egon Polilak (HaSloah) gelvM. Die diesjährige Schekelaktion. Das Zionistische Landeskomitee teilt «ns mtt: Die SHkelaktion 6685 (1924—1925) hat. «bereits «begonnen. Sämtliche BezirkSsÄÜwnen, Sonderver«bände und einzelne Bevein« (Tum- und Sportverointe) werden hiermit aufgesovdert. die Schekalim für dieses «Jahr chestens nt unserem Bureau. 1 Bez., Kärntnerstraße 28-2, ahzuholen. Der SchekÄpreis betrat in diesem «Ihre ebenfalls 10.600 K. Mit Rücksicht daraus, daß in diesem «Jahr der 14. Zionistenkongreß stattfindet, fordern wir ave Settionen, Sonderverbände und Zionisten auf, die Schekeakktion mWichst intensiv zu betreibe«. 15. Februar 1925 Sette S Hule 3 Uhr I Nachmittagsvorstellung I bei kleinen Preisen I R M. S TE LIil I Nansens Seelöwen, Hlckey - Zirkus und I Weiteren acht Attraktionen. H Beginn allabendlich 8 Uhr. Sie SrSffnung des Haisaer Technftums. Die Technische Hochschule zu Haifa wurde am 9. Februar durch den Präsidenten des Vevwaltungsrates des Technikums, UntevhauAM'itglied Sir Alfred Mond, feierlichst eröffnet. Ansprachen hielten der Präsident des Jüdischen Natiimalfonds M. M. U s s i s ch ki n, das Mitglied der Palästinensischen Exekutive Dr. Artur R u p p i n, «der Gouverneur des Norddistrikts von Pa^lästlna Oberst Sym es, der Bürgermeister von Del-Awi-W Dizengoff -und der Direktor des Techmkums Herr Pwf. Alexander Blot. Schriftliche Begrüßungen wurden verlesen vom Obevkommissär Sir Herbert Samuel, Qbevsekretär Sir Gilbert Clayton, Gouverneur Sir Ronald S t o r r s, Dr. W e i z m a n n, Oberst Kisch, Achad Ha a m, ferner von der Amerika-Universität in Beirut, vom Jüdischen Nationalrat in Polen und zahlreichen anderen Körperschaften. Sir Mfved Mond drückte in seiner Ansprache »das Erstaunen darüber aus, daß die Regierung de's Landes das Technikum materiell nicht unterstützt. 2er Mörder geidler widerruft. Der 73jährige Pfründner Karl Zeidler^ der sich IsMst des Mordes an der 18 Monate alten Grete Zöhrer beschuldvgt hat, begann gestem svme Angaben zu ändern. Da er van mehreren Zangen, die chm aus seinem Mordweye «begegneten, agnosHievt wurde, kannten ihm entgegen seinen Angaben, ein weiterer Gaschcmsbchuch sowie die Fahrt auf der Straßenbahn ■ iw die Brigittenau, nachgewiesen werden. Daraufhin hat Zeidler gestem sein Geständnis widerrufen. Da er schon lange keinen Alkohol genossen habe, sei -ihm der Wenn zu Kopf gestiegen und er sei um etwa 7 Uhr abends mit dem Kinde woggsgangen und zur FlkovLZdavfsr Brücke gekommen, ohne zu wissen warum.. Die Kleine, die er am Arme trug, war chm zu schwer, als er sich an das Brückengeländer gelehnt habe, um zu vasten, habe das Kind plötzlich Uebergewicht bekommen und fei m das Wasser gefalle«. Seime ursprünglichen Angaben hatte er Ln seiner großen Aufregung gemacht. Asidler wurde gestern dem Landesgerichte oingMefsvt, Ser Trebitfcher Massenmord. Nene Berdaftnngm. - Wie die Mischen FlSchtiiage beseMgt wurde«. ^(Eigendienst der „Mener Morgenzeitnng".) Brünn, K. Februar. Gestern wurden iuTrebitsch fünf neue Verhaftungen vorgeuo-mmen, die allerdings nicht mit den Mordtaten,.sondern mit den Diebstählen, der Bande im Zusammenhang stehen. Wie lbereits gemeldet, hat einer 'der verhafteten Mörder, Johann Fejta der Jüngere, ein .umfassendes Geständnis abgelegt. Seine Aussagen haben durch da!s bisherige Ergebnis 'ber Untersuchung zum größten Teil eine Bestätigung gefunden. Fejta hat in seinem Geständnis als .Haupttäter und Mörder Karl Dworaeek, seine Frau Anna», den HundefleischhaMer Josef Km e nt und den Fleischhauer Masek angegeben, die sowohl die «beiden Brüder Polioky^ als auch die jüdischen Flüchtlinge ermordeten. Nach dem Geständnis dieses Verhafteten, das Mstevn bekannt «wurde, wurden die Opfer in den Monaten August, September und Oktober ermordet. Die Opfer, die sich ibei dem Schuster Dtvoracek Schn he reparieren oder neue Schuhe machen «lassen wollten, wurden vor- und nachmittags mit dem Bemerken weggeschickt, am Mend -wiederzukonmlen, da Dworaeek stark beschäftigt sei. Wenn «S zu dunkeln begann nnd die Opfer erwartet wurden, machte Joihann Fejta «der Jüngere den Aufpasser, damit die Mörder nicht überrascht werden. Wenn sich der Jude der Todesmühle näherte, gab Fejta das der-, abredete Zeichen meist durch Pfeifen. Inzwischen wurde m der Woihn'ung alles Vor«üeveitet. Der Jude wurde, sobald er die Wohnung des Schusters betrat, mit der Hacke niedergemacht, seine Leiche wuchs dann zeOückelt, das brauchbare Fleisch ringe salzen und in die Wassevbutte, die vom Schuster zum Nässen des Leders verwendet.wurde, gelegt. Die Äeichenteile, die leicht den Ursprung des Fleisches verraten hatten, wie K o p f, I u ß n n d H ä n d e, wurden von den Mördern in dt« Kajtans der Opjer eingepackt. dann noch, in Säcke eingenäht und «kn.den JgVauslutz geworfen. ,Fm ganzen waren es fünf Sacke. Das eingesalzene Men scheu fleisch wurde «ach dem wiederholten Geständnis Johann Fejtas von dem Hundefleischhandler Kment verwertet und verkauft, wobei die Dltsache, daß Kment Hunde gezüchtet und deren Fleisch in den umliegenden Ortschaften verkauft hat, jeden Verdacht von ihm ablenkte. Nunmehr wich nach den Kunden des Kment geforscht, doch gestalten sich die Echebungen in dieser Richtung feih^ schwierig, da sich niemand als Käufer von Hundefleisch bekennen will« Das Hauptbestreben des Hanpilbefchuirdigten D w o» raeek geht nunmehr dahin, die U.nterfuchung§bchördv vollkommen irvezuführen und auf eine falsche Spur zu locken. Seine Aussagen widersprechen sich daher tagtäglich. Als er Dienstag zum Fluß geführt wurde, «bezeichnete er als das Grab der Leichen eine Stelle, die im Herbst des Jahres 1918, also zur Zeit der Verübung der Mordtaten, so seicht war, daß man nach Mstteisen der Schuhe, ohne naß zu werden, Äese Stelle des Flusses ü«bevs«tzen könnt' Den Gerüchten über das Verschwinden der GaMn des Josef Fejta, Marie Papula, nachgchend, -hat sich der Unterst!chunA richter mit dom Ansuchen an die Polizeidirektio« in Prag gewendet, Nachforschungen «ach dem Verbleib der Papula, die, wie es hieß, als Dienstmädchen nach Prag gegangen sei, einzuleiten. Die Nachforschungen der Prager Polizei sind vollkommen ergebnislos gerieben. Sekt ihrem Verschwinden aus Trebitsch hat die ungefGr 2Sjährige Mari« Papu'la auch ihren Mer» kein LebenSzzichen mehr gegeben. Die vom.Untersuchungsrichter angeforderten Pioniere treffen Montag in Trebitsch *'.« und werden dtt Iglau an. der von Fejta «bezeichneten Stell« ableitetr.

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