Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 2093 (17.12.1924)
- Date
- 1924-12-17
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 2098 . Seite 6 Wien, Mittwoch Wiener MorgenzeUung. Volkswirt. Wichtige Aendermmen in der Ausgleiche- und Koukursordnnng. 36 Prozent Mindestquot Dem Nationalrat wurde in der gestrigen Sitzung, die bon der Negierung »bgeärcherte und ergänzte A ns« gleichsordnung zur Beschlußfassung vorgelegt. Die wichtigsten Aeniderrkngen lauten: Eröffnung des Ausgleichsverfahrens. Die Eröffnung, des Ausgleichsverfahrens ist unzu« lästig. 1. fo lange der Schuldner fluch tig ist oder wenn er nach Eintritt der ZahlungAfähigkeit wegen b e t'r ügerischer Krida rechtskräftig verurteilt worden 2. wenn innerhalb eines Jahres vor der Stellung-des Antrages ein Ausgle ickMerfahren eingestellt oder beendigt, worden ist; 3. wenn innerhalb derselben Zeit im Konkurs des Schuldners einZwangsausgleichsantrag von den Mäubigern abgelehnt oder dam Schuldner nach der öffentlichen Bekanntmachung der Ausgle-ichStagsatzung zurückgezogen oder wenn der Zwangsausgleich dam Gerichte nicht bestätigt ist; ■ 4. wenn der Inhalt des Sklsgleichsantrages gegen zwingende Rechtsvorschriften verstößt oder wenn den Gläubigern,, deren Förderungen kein Vorrecht genießen, Glicht angoboten wird, innevhaG eines Jahres vanr Tage der Annahme des Ausgleich'Zantrages mind e st e n s 35 Prozent ihrer Forderungen oder bei einer längeren ZahlungIsrist, die jedoch zwei Jahre nicht überschreiten darf, mindestens 50 Prozent ihrer Forderungen zu bezahlen. Wird dem Antrag aus Eröffnung des Ausgleichsverfahrens spittgoqeben,, so hat das Ausglerchegericht gleichzeitig alle zur Sicherung des Vermögens ersordeMchen Maßnahuven zu treffen; insbesondere kann es dem Schuldner die Vornahme bestimmter Rechtshandlungen Ivährend der Dauer des Verfahrens Äberhaupt oder doch ohne Zustimmung des Ausoleichsverwalters verbieten. Gegen den Beschluß, mit dem das Ausgleichsveüahrelr eröffnet oder der Antrag aibgewiesen wird, ist kein Rechtsmittel zulässig. Ein Vorrecht im Ausgleichsverfahren gemeß-eu auch die Kosten der vom Bundeskanzleramt bezeichneten ' WLubigerschutzveMnde. soweit sie für die Vorbereitung des Ausgleiches sowie für die Evmittlüng und Sicherung de's Vermögens zum Vorteil aller Gläubiger zweckmäßig aufgewendet wurden. Dieses Vorrecht soll nur Värbändim erteilt werden, die seit mindestens zwei Jahren aufdem UMSONST erhSlt Jeder Abonnent der „Wiener Morgenzeitung" bei Vorauszahlung der Bezugsgebühr für ein ganzes Jahr icile ir in drei eleganten Halbleinenbänden Für Versandsoasen des „Qraetz** sind ausser der JaHresbezugsgebQhr noch 25.000 Osterh K. zu entrichten Gebiet des Gläuibigerschutzes 'erfolgreich tätig sind; es kann jederzeit widerrufen werden. Die Erteilung des Vorrechtes sowie dessen Widerruf sind im Bundesgesetzblatt kundzurnachen. Reiber die Ansprüche der Gezeichneten Verbände >hat der AuZgleichskonrmissär zu entscheiden. Die Entscheidung ist dem Glätlbigerschutzverband, dem Schuldner und allen Mitglied.'rn des- Gläubigevbeirates, »wenn ein solcher bestellt wurde, zuzustellen. Sie Wunen die Entscheidung durch Rekurs anfechten; das Oberlandesgericht entscheidet endgültig. / Ueberprüftmg der Forderungen. Der 'Ausgleichsverwalter hat die angemoldetm Forderungen an der Hand der Geschäftsbücher und Aufzeichnungen des Schuldners zu' prüfen und in - ein Verzeichnis einzutragen. Nach Ablauf der An-meldungsfrift angemeldete Forderungen sind, soweit ihre Prüfung möglich ist, in das Wiener Morgenzeitung" t 17. Dezember 1924 i Verzeichnis einzubeziehe-n. Der Ausgleichsivevtvallter hat die AmnÄdungen dam Schuldner mit der Aufforderung zur Kenntnis zu bringen, sich zu äußern, Inwieweit er die an« gemeldeten Forderungen bestreitet. Evklätt der Schuldner, eine. Forderung zu bestreiten, fo hat der Ausglei-chsver- I Walter' dies im Verzeichnis aitzumerken. Ergeben sich ans den Geschäftsbüchern und AuilZeichnungen des Schuldners, aus Mitteilungen von Gläubigern oder sonst gegen den Bestand oder die Höhe einer Forderung begründete Bederrlken. die der Schuldner nicht zu zerstreuen vermag, so bst. der AusgleichSverwalter verpflichtet, die Forderung zu bestreiten. Er hat seine Bestreitung in da's AnmöldungAverzeichnis einzutvagen und dieses sodann dem AuSgleichÄkommistär samt einer vom Schuldner -unterfertigten Erklärung vorzulegen, worin dieser bestätigt, daß ihm die in das Verzeichnis ausgenommen Forderungen zur Kenntnis gobvgcht Wurden und daß die darin enthaltenen Angaben über seine Bestreitung von Forderungen mit seinen Erklärungen üLereinstim-men. Ueber die Arvsprüch« des A-irSgllerchsverwalters hat der Aüsgleichskommissär zu entscheiden; die Entscheidung ist dem AusgleichSverwalker, dem Schuldner und allen Mitgliedern des Gläubigerbeivates, wenn ein solcher bestellt wurde, zugusiellen. Sie können die Entscheidung des Ausgleichskom-mistärs durch Rekurs änsechten; das Oberlandesgericht entscheidet endgültig. Die Entscheidung de's Ausgileichsgerichtes hat die wesentlichen Bestimmungen des Ausgleiches^ an>zug«ben und ist' öffentlich 'bekanntzumachen. Eine Ausfertigung ist allen Gläubigern sowie, den übrigen Beteiligten zuzustellen. Vollstreckbarkeit der angemeldeten Forderungen. Auf Grund einer Ausfertigung des rechtskräftig bestätigten Ausgleiches und eines Auszuges aus dem Au- >rneldnngsverzeichnis, aus dom. sich ergibt, daß eine Forderung weder vom Schuldner noch vom Ausgleichsverwalter bestritten und daß ihr auch nicht aus einem ihren Bestand oder' ihre Höhe berührenden Gmnde das Stimmrecht aberkannt worden ist, kann wegen der Forderung oder des unbestrittenen Teiles der Forderung gegen den Schuldner und die Perisonen, die sich M Mitschuldner oder als Bürgen und Zahler zur Erfüllung des Ausgleiches verpflichtet haben,. gleichwie auf Grund eines Urteils Exekution zur Heveinbringung der nach dom Ausgleich geschuldeten Beträge geführt werden. ' Die En t scher düng, des K o nkursge r i cht e8 hat die wesentlichen Bestimmungen des Etz-gleiches anzugelben und ist öffentlich bekanntzivmachen. Eine Ausfertigung ist allen Konkursgräubigern sowie den übrigen Beteiligten zuzustelteu. 14V Lim. breit aut Stern; I -'i*/Seide J I I 1 Copjripht 1934 df Rackdrück v«rbot«n, reutschr Brrlazranstvlt. Etuttgarr. 57. Fortse;i'.ng, . Die Stadt au der Moldau. Roman. ' Bon Auguste Hauschner. . Der letzte Teil der Aufführung wurde durch Pasquittas Einzelvorträge bestritten, deren Begleitung Adutti dem Ehegatten überließ. Fröstelnd ging er, Las Ende der Aufführung erwartend, auf dem Marktplatz aus und nieder, beobachtete durch kleine Fenster stumpfes, vom. Geist Verlassenes Familienleben, fühlte sich vereinsamt, als sei. er , von einem Stern in eine WM hina-bgesallen, deren Bedingungen er. nicht kannte. Cduaä» kam allein, in 'einem gvoßge würfelten Fra-uewman-tel schlief der Knabe. „Die anderen sind noch dort geblieben, sie sind zum Abendessen eingeladen und zum Tanz. Du mußt deshalb nichts Schlechtes von ihr denken", murmelte er in den Mantelkragen, hinein. ,/Sie gilt für ledig, der Unternehmer verlangt das für's Geschäft." Vernehmlicher fügte er hinzu: „Du solltest auch zurückgehen. Du wirst Hunger haben Und bei mir wird es sehr ungemütlich fein." ,^Jn dieser unwürdigen Lage kannst du nicht länger bleiben", stürzte es aus ÄdE-unbeherrscht heraus.' ,Meißt du mir eine andere?" - „Vielleicht." Er wa^r grausam genug, wicht zu/vollenden. Nicht auf der Straße well'.e er um die Entscheidung kämrpsen.. Z Daheim galt seine erste Sorge dem Kind, das. er entkleidete, ohne es aufz.uweckeu und in die Ecke eines 'de.r offenen,'noch ungemachten Betten schmiegte. Er schien be-' sorgt zu. fein. / „Bilt' dich, i'chau, sind seine Händchen nicht sehr heiß? Sicher hat er sich eMltet in dieser Theaterschlamperei.", Er befreite ten Tisch von offenen Schminktöpfen. Haarnadeln, Kämmen, Bürsten, sammelte verstreute Anterräcke zu einem Haufen, machte sich, wie zu gewohntem' Dienst, daran,, zu heizen. Aus esnoin Streifzug in di^ Mck/ seiner Wirtin erbeutete er zwei ■ Flaschen Bier und eine Rinde Käse. „Anderes habe ich dir nicht anzubieteu." Jakob stürzte das Getränk herunter. Speise widerstand ihm.. Worte 'würgten ihm die Kehle, die er nicht auszu-' sprechen wagte. Umd er litt durch die Erwartung, die,^ wie er wußte, 'hinter der Maske des Gleichmuts des Freundes Nerven auf die Folter spannte. „Du hast mir deine Ärbeik zeigeu wollen." „Wozu?" Eduard hing in fe-iue.rn Sessel gleich einer Gliederpuppe, in der die Feder, die sie leitet, zerbrochen war. „Wo liegen deine Manuskripte?" Eduard stieß mit der Fußspitze verächtlich gegen einen .keinen schadhaften Koffer, der unter den: Rand des Bettes hervorlugte. ,■ * > ,-Archiv der Leschmerscherr Werke", höhnte er. Schon hatter Adutti den Inhalt auf den.Fußboden geschüttet. Ein.wüstes Durcheinander von Notenblättern und kleftten GegenständM, wie man sie, bei eiligom Ortswechsel, in 'den ersten besten BehAter stopft. Er war beim Glätten und Einordnen der Manuskripte. Unleserliches, Durchstrichenes, Zerfetztes.- - „Aha... die Urschrift vom Mazepparitt. Famos, die gestopften Tuben im Schrei des Löwen. Das lange düstere Uniisono der Streicher «hast du, wie ich sele, erst der zweiten Fassung beigefiügt." Cia-enfmnig bemühte er sich, Leschner aus seinem StumMnu aufzurütteln. „Ter Orch-estersatz hat damals noch nicht bei dir festZeftandrn. Ist er nun beendet? Darf ich ihn sehen? Wieweit bist fcat überhaupt mit deiner OPerA^ Gleich einem Kind, das sich wehtut, um seine Eltern zir kränken, höhnte Leschner: „Nicht weiter als damals, wo ich sie dir zeigte." „Mer das ist ja ganz nnmögilich", widersprach Adutti äl-nd zog ein Heft aus der Unovdmmg heraus, „da stehen Ra-nÄbemerku-ngen zu einem Duett zwischen Zara und Mazeppa. und da ist.der. wundervolle Anfang eines Largo, •mit der Anweisung, in das con brio vom Kosakentanz zu fügen. Da werden die Kompositionen doch auch vochanden sein?" " ' ,^Jm Kopf, im Kopf." Der Musiker tvac aufgeistanden, o-uisgeschreckt durch ein leises Hnste-n seines Söhnchens. .,Hab' ich den Dreck noch nicht zerrissen!" rief er grämlich. „Ja, das - war damals." Er kam näher und sah trübe auf das Papier hevimter. ,L'ch hatte mir für ein paar. Tage 'Ferien genommen. Pasquitta war im achten Monat, mich hat mM aufgefordert, mich um den Posten eines Ka-pell- 'meisiers einer Knrkapelle zu bewerben, in ei n ein großen /Badeort." - > „Dass hast du mir ja nie geschrieben. Warum < ist nichts daraus geworden? Hast du keinen Erfolg gehabt?" ' Der Musiker hatte wieder sein hoffnungsloses Grinsen. „Einen riesigen beim PMikum, §mrn hat immer .wieder eine Zugabe verlangt. Die Orchesternntglieder ha'ben mich beglückwünscht. In dieser Nacht sind mir ty. W-azePpaeinfälle gekcmmen, die du gelesen hast." „U-nd dann...?" „Wie iurmer. Mein Konkurrent war der Neffe vorn Büvgerrneister, ein Einheimischer und ein Christ. Aber damals..seine Stimme hatte wieder die ätzende Schärfe der SEstverspottung, „tvar ich übermütig. Die Ungerechtigkeit war zu offenkundig. Meine Mullker haben mich auisigehetzt und mir geschlvoven, daß sie zu nür halten. Mir war noch eine zweite Probe zugesagt. Schandew. haGer haben die Herren vom Komitee mir ihr Versprechen halten' müssen. Da habe ich dem Orchester, sie haben alle witgeschuftet die Stimmen auszuschreiben, das Vorspiel zum MazePPa einsbudiert." „Und...?" Muttis Herz Uopfte, als miterlebte er den Vorgang. ' ,Matt abgelehnt. Ans Hösiichkeit ohne Zischen. Das hat ach nächsten Tag-die Kritik besorgt. Als Komponist und Dirigent schlicht durchgefallen." ' ,/Und das alles lmst du mir berschwiegeu, deinem 'besten Freund? Ich hätte..." „Was hättest du? Ich iveiß, du hast meine mWtärische.Symphonie ausgeboten wie saures Bier. Ist es dir geluugeu, einen' Verleger für sie aufzutveiben? Mir ist eben nicht zu', helfe n." „Alles das ist aber doch von gar keiner Bedeutung", sagte Jakob,, auiss' neue voni letzten Zlugriff abgedrängt. „Die größten musiLalischeu Genies..." „Sind halb vechungert. Das ist auch meine einzige Geme-inchmkeit^ mit ihnen." Ersprach vom Bett aus. Fraueesvo hatte sich bloß gestrampelt und mußte wieder eingewickelt tverden. „Und daß ich nach der gleichen Abhilfe getrachtet'habe wie sie, Taalöhuerarbeit. .Da war das Wochenbett, die größere Familie..." - Jodes'Wort stl.rch mit der Spitze eines Vorwurfs in Jäkobs ■ Herz: daß. er satt geworden war, während der andere darbte.' (Fortsetzuva wlat.) 144