Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 2073 (26.11.1924)
- Date
- 1924-11-26
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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©eite 6 Wien, Mittwoch Wiener Morgenzeitung. 86. November 198-1 Nr. 8078 Bühne und Kunst. Ae „Wilnaer" kommen nach Wien. Wiie wir erfahren, dürste die Wilnaer Truppe im komlucvvbwit FrWittg wieder ckn längeres Ga st spiel ln Wien absolvieren. Das ausgozoichirete ffidiische Eniseurible hatte aMWch seines ersten Wiener GastspicileS, welches in brr Rolaind-Dühne stattsaud. einen um-gotvöhnlichein Simstlierischen Erfolg. Insbefondsre die An—'sUchcu Dichtunigon „Der Dybnik" mid „Tao wnd dtacht", Kobr'niS „Dm Dorssjunge", HirbchbÄns „Grüne Felder", Adrejstws „Die Tage «des Lübens" und Gutzkows „Urieil Acosta" Nnudon eigenartig und außerordentlich dargcstellt. Es hcrnidol-t sich um jenes Ensemble d.K „Wikuiaer" welcl^s mvter der Lüttiuirg des Direktors SDhj o sicht. Ein Wiener Komitee jüdischer KuMvearnde ist bemüht, bas Gastspiel zu vermitteln und stcht Mit verschiedenen Wianer Thealerdirgktionon in UinierhandÄuing. Der berühmte SpieWiler Herrn attit, von trwlchem bekannMich die OrigmaliMszcimenun'g des „Dybuf" stammit und dev sich vomibergehend in Wen auchätt, soll o^emalls für dieses Gastspiel gewonnen werden. Die „Wilnaer" gastieren gegenwärtig mit großem Erfolg k\ Rumäuion. Bur den Theatern. Burgtbeater. Morgen, 7 der Verführung". A k a d e m i e t h e a t e r. Morgen, y r a u Ra t". Uhr, V,8 „Komödie Uhr, „Die V o r k s o v e r. Heille „Hoffmans Erzählungen. Morgen „R b ei n g o l d" mit den Gasten Alfted o e r g «r und Anton Ludwig. Sonntag .Cavalleria r u st i c a n a" und .Der D a j a , - o" mit Pietro M a se a g u i als Dirigent und dem italienischen Gast B o r g h e s e. erm Deutschen Volkstheater wurde die Erstaufführung von Fuldas Lustspiel „DieZwillingSs ch um ft e r" auf S a m S t a g den 29. d. verschoben, um dem Verfasser Gelegenheit zu geben, der Vorstellung beiwohnen zu können. Raimund-Tbeater. Heute Alexander M o i s s i in „Gespenster'. Sonntag nachmittags „D a S Kamel geht durch daS Nadelöhr". Im Johann- Strauß-Theater gelangt am 19. Dezember als Novität „P u 8 z t a l i e b ck e n" Operette in drei Akten von Michael K r a u S z, zur Uraufführung. Kammerspiele. Heute, 758 Uhr abends, 25. Auf- Khrung der Revue „Küsse um Mitternacht" in der Premierenbesetzung. _ , N«ue Wiener Bübne. Morgen, 7-8 Uhr abends, Erstaufführung des Schwanles „M a i s o n G r ü n w a l d". E,n salomonisches Kunsturtril. Ein hMvmrtzeMwv Münchener Maler schickte ein Md Mn Einvah-nven, bas die Jahresausstell'ung zieren lsollte. Der flute Handwerker stellte die Rohmerra-öLeit feribq und überließ dem Lehrling das Awbvingen des Nagerwiinges. Der L-chtziumige geÄet in Demweisliung Wie er das BvH auch drehte, schien es auf dem Kopf zu 'stehen. In plötzbicher Evleuchümg schlug er einen Ring an eine Längsseite, dann an die andere und ebenso an die beiden SchmÄlfeäfcett des Rahmens. Sehr zufrieden bie'eÄe er das Bild ab; denn eilste der vier Seiten mußte doch die richtige frön, welche, das zn amtersche'iden übe-rlli-eß er der Iurtz. die das salmnomische Urteil des Lehrlings mit höllischem Gelächter begrüßte. Kmist. Si.llichleit und Politik. Ms Paris wird uns aAlhv^x'tt: Das E.vcrgnis der Pwistr KümlsttvÄt ist bas Erscheinen der Sittenpolizei im Pariser H erst-- fa 1 on. Digroße MiMeKrwg, die alljährlich.int Mowat November ftin ifp.tbet _ :u:nit) der Paristr Gestltschast die »Mvesten Werke der fran-zösischen Mvilex und Bildhauer prastniriiert, brachte diesmal «avaavgenehnue Zwischen,fälle. Die Poli^vi be- -auständalie zwei Gemälde, weil die smgiliichen Bilder angelÄlch die Sitten verletzten. Das Sekwtmiiat trait sofort zusammen -und konstatierte, das; das eine der fragwürdigen Bilder — eine Mtistwdie —von «iner Dn m e hoirrulirit, einer Wii Dann« noch dai^i, und uim den Ruf dieser Mnstlerin nicht zu schädigen, drückivn das Sekveiavi«t.und die Poistzsi je drn Auge gu. Da.gc.airn wurde das Werl des Wdalers G!h y- Lemon mlbam'chwziig tivirsiszievt, denn dieser Pinsler Wtte sich den Spast eÄaulbt. aiu;f seinem GesnAde der Äbli'rchen Molievnwmil ein Schnippchen schlagen und «Men nack te n Maler zu zeigen, der, vor seiner StasfMi sichend, eine bis ölum Hals zugeknöpfte Dame malt. Noch zwei Zwischenfälle k-cvmen vor, annö zwar legte das Puibliklmn ^vgen zwei Sbullpturen Protest ein, die cs' merkwürdipevwvife ails wnlpaiiviottsch briaudmarkte. Das airve dieser. M-orKe stellt Franlreiä) und Deuts chland dar, die sich die Hand zur Vmsvhnuing reichen, das andere «>iiv:n französichen Soldaten, der sich siiebevols über einen verwundeten deutschen Grenadier neigt. Auch Wefe beiden Werke mußten aus der Ausstellung entfernt werden, um nicht Anlaß zu Slaudülen der Hnrriapaitirioiten zu geben. §ri Der Mord an einer Greisin. Vor dein Schwurgericht begmn't haute der Prozeß Een die 54jährige Bedienerin Franziska Pruscha, die beschuldigt wird, 'die 67jährige Witwe Marie Eberl in ihrer Wohnung in der Kölblgasse im 3. Bezirk ermordet nutz beraubt zu haben. Den Vorsitz in der Verhandlung führt Hofrat Dr. Hotte r, die Anklage vertritt Staatsantvalt Dr. F. Wagner, als Vert-ndiger fungiert Dr. Hugo Sperber. Vater aus Gefälligkeit. Das städtische BezirksjnMndamt Fünfhaus als Generalvormund, vertreten durch den Anwalt der Gemeinde Mion Dr. Fl öderer, lwachte für die minderjährige Karchline Sch. gegen deu Arbeiter Alfred K. eine Klage auf Feststellung, daß er der außereheliche Vat-er dieses -Kindes sei und auf Zahlung von Alimenten ein. Der Ge klarste bestritt die Vaterschaft, indem er daraus verivks, daß ja sem Freund Karl P., der auch der Aveit-e Freund der Kindesmutter sei, sich als der Valer des Kindes einbekau-rst ybbe. Eine Zeugin gab aber an, daß P., mn K. vor Attnwntationszabl.ungen zu bewahren. aus Gefälligkeit die Vaterschaft aus. sich genommen habe, wobei er nichts riskierte, da er nichts habe, mtd man ihm daher auch nichts wüZwhmen könne. Dos Bezirksgericht Fünfhaus verurtMie düher den Geklagten K. zur Anerkennung der Baterschast und zur Zahlnng von Alimenten von vorläufig 200.00 K. monatlich. Das ZivillandeSgericht als Rekursgericht gab jedoch der Berufung des Geklagten Folge und wies die Klage ab. In der Begründung heißt es, die Annahme, daß P. mit K. unter einer Decke spielte und die Vaterschaft auf sich nahm, um den Freund zu entlasten, klinge allzu romantisch. Es sei dem Geklagten nicht zuzmnnten. daß er Beziehnngen mit ehern Mädchen unterhält, das mit einem anderen Manne gcht. „Denn," so nwtiviert das Urteil, „wenn auch im Bolle nach der Vergangenheit eines Mädchens wenig gefragt wird, wird doch' wenigstens seitens des männlichen Teiles aus Ausschließlichkeit des Verhältnisses Gewicht gelegt. Diese Anschainung wurde durch Dr. Floderer namens der Generalvormundschaft durch eine Revision /mit Er'alg bekämpft. Der Oberste GerichtHof ovdnet-e eine nochmalige VerhanÄnug vor dem Zivillaudesgericht an, tvelches nunmehr festftellte, daß der Gesagte der ausschließliche Vater des Kindes fe>i und die eingekla-gten Almrente zu bezahlen habe. Devisen Amsterdam t. l holl. Gulden . Belgrad 1 Dinar. Berlin. Brüssel 1 belgischer Frank. . Budapest 100 ungsr. Kronen . Bukarest 1 Lei. London 1 Plund Sterling . . Mailand I Lire New-Vork I Dollar. Paria! Frank. Prag 1 tschecho-slow. Krone . Levisennnb Balutenkurse vom 25. November 1924. Oeld Wart Oeld Ware 28580.- 28680.- Sofia 1 Lewa.. 516.- 526.- NM.- 1035.- Stockholm 1 schwed. Krone . 18030.-!89gn.- 16860.- 16960.- Warschau . 13610.- 13700.- 13710.- 13750.- 3441.- 3453.- Zürich i schwele. Frank. . . 94.80 95.60 367.- 369.- Valuten 328500,- 329500.- Amerikanische Noten .... 7C460,— 7086.1.- 3169.- 3081.- Belgische Noten 100 Franken . 34r.O.— 3430.- 709 <5.- 71185.- ßulearlsche Noten su lOOOLeva 502.- 510.- 3754.- 3770.- Oeutache Noten . . ..... 1669;.— 16810.- 2133.- 2143.- Englische Noten.. 326700.— 328300.- Praneflstsche Noten. Holländische Noten. Itail nlsche Noten ...... Jac-oslawische Noten. Polnische Noten. Rumänische Noten. Russische Noten (Roman.). . Schweizer Noten 100 Franken Tschecho-slow. Noten. . . > Türkische Pfund-Noten . . . . UnearIsche Noten. Oeld Ware 3720.- 3750.- 28250.- 28450.- 30 <5.- 3055.- 10?3, - 1129.- 13580,— 13700.- 361 - 366.- 1356 >i- 13640*1 . 2114.- 2130.- 36000.- 37600.- 92.91 94.10 *41 Budapesier Wirlschaftrbrirf. Mitte Novombor 1924. Die Teuerung.ist gegenwärtig unevträBich, die Kaufleute können wogen der fürchterlichen und sich von Tag zu Tag häufenden Steuerlasten die Preise nicht reduzieren, was übrigens auch die Riosenzöll-e wicht zulasten. GMosigkeit H nur bei der MittMaste, fühlbar, die Banken leiden unter dersebbeu nicht, sie verfügen über tmgcheurc, nuiplacierte Kapitalien und dock) bewogt sich ihr Zinsfuß noch zwischen 16 und 26 Pvvtzent; daß er wicht mich höher ist, kann zum großen Teil dem Umstand zugüschrieben werden, daß die größeren Jndu>strie,gMppe-n, wie Zuckerfaibriiken, Mühlen, sich zu günstigeren Bedingungen doui Auslände Kredite verschaiffen konnten, was natürlich auf die hiejirgeit Geldverhältnisse Einfluß üben mußt«. Jedoch auch der gegenwärtige Zinsfuß ist als großer Fortschritt anzufehen. Der „gesePiche" Zinsfuß, der säumigen Privat- und Steuerschuldnern gegenüber angewendet wird, monatlich 10, bezichungSweilfe wöchentliich 2 Prozent, soll jetzt auf 12 Prozent pro Jchr ermäßigt werden, der diesbezügliche GesetzenMouvf wird demnächst der NationalverfamMung unterbreitet. Die Magen gegen di« Berkchrsfteuer nehmen kein Ende; laut Aussage aller wirtschaftlichen Faktoren — vom Großindustriellen bis zum Straßenstandbefitzer — ist dieselbe der . Hauptgrund, daß denr weiteren Anwachsen der Te-uerung kein Einhalt getan werden kann. Es hsißt zwar, diese Frage werde bald einer Revision unterzogen und sei bereits Gegenstand eingehender „Studien", auch arbeitet der Landesverein der Kausteitte (Omke) —und zwar in Gnneinschaist des Agrariertums — an einem Elaborat, wie in Sachen der Umsatzsteuer ohne Schädigung fiskaler Interessen für die Konsnmentenwolt eine Erleichterung ermöglicht werden könnte, doch wird die Finanzregiemng kaum zugänglich sein, zumal der Staat selber Lekemtt. daß diese Stenerart einen unentbehMchen Teil der Einnahmen bildet/Eine schivere Bürde bedeuten auch die kolossalen Zollsätze, deren einige gar nicht als Schutz der heimischen Industrie gÄten können, indem auch Artikel, die im Jnlande überhaupt nicht erzeugt werden, onormrem Zoll unterworfen find. Die Kühlfleischaütion dürste voraussichtlich mit einem Mißerfolg endend der kommunale Lebensurittelbetrieb gibt vor, so wenig Fleisch zu bekommen, daß in die Verlaufsibudeu nur schr geringe Quantitäten gelangen kömvein, denn sonst würde der Vorrat bis zum Frühjaihr, für welche Zeit das Abschließen der Mion geplant wird, nicht ausreichen. Das Resultat «st, daß ganze Scharen, die sich um KüWeisch „anstellen", nach langem Warten das viel teurer« in den Bänken veräußert« Fleisch kaufen muffen, so daß der eigentlich« Zlveck, auf die -Fleischhauer einen Druck M üben, daß s,i« gezwungen seien, den Preis zu reduAeren, unerreichbar bleibt. Letztere behaupten, es sei ihnen ganz unmöglich, mtt den Preisen herunterzugehen. Manch« versuchten sogar' selber ebenfalls Kühlfteisch zu handeln, doch stellte es sich ihnen, da nur der städtische Betrieb Umsatzste-uerfreiheit und Fracht, sowie Zolkbögünstigung genießt, - genau so hoch, als das von rnländischem Vieh. Die sich schon f«A Jahren ziehende Frage der Mn- Lndvruing des Verkehres auf elektrischen Bvtrieib ist in ein frisches Stadium getreten, indem Bevechmmgrn gemacht tvurden, wie viel dies in Anbetracht der hohen Ma^tevialpveise jetzt kosten würde; im 'übrigen soll enWch m Bä>lde mit einer Probelinie versuchsweise begonnen werden. Hinsichtlich der Frachtenkredite wurde, wie erinnerlich, mit der Städteibauik ein Abkommen getroffen, im Sinne dessen die Stavtsbahn aib 16. August von Parteien, die Fvacht-krcdit genießen, nur Schecks der genannten Bank anmmmt, die sich diese Vermittlung natürlich gitt beizählen läßt. Diese monotpolärtige Verfügnng, die einer indirekten weiteren Frachterhöhung gleichkommt, hat seiner- Copyright 1924 by Nachdruck verboten. Deutsch« Berlagranstalt, Stuttgart. 42. Fortsetzung, Die Stadt an der Moldau. Roman. Von Auguste Hauschner. Sie griff nach einer der Pistolen, die noch unverschlossen im Waffenkasten lagen. „Nur sie nicht erschrecken", dachte er und näherte sich ihr sanft. „Gib Obacht, Maritscherl. Sie ist nicht gelstchiert." Sie stieß den Hund beiseite, der, ungewiß, welcher feiner Freunde den anderen ms Unrecht setze, unruhig von einem zum anderen lief. „Denn du nicht willst, so tu ich's selbst." Er zwang sich, auszulachen. „Geh, sei nicht närrisch, Mädel. Gib mir lieber einen Kuß." Vorsichtig suchte er ihr die Waffe zu entwinden. Ein Knall, gedämipft durch das Polsterwerk der Möbel und die schweren Falten der Gardine. „Aber Mariauka, was tust du?" hörte sie ihn noch sagen. Er war aus das Gesicht gefallen, die Arm« nach der Seite ausgebreitet. Die Todeszuckungen warfen vhn noch einen Schritt voran. Eine dunkle Lache leckte auf den Teppich. Noch einmal hob sie den Revolver, zielte nach dem eigenm Herzen, verfehlte mit zuckenden Fingern das Ziel. Aus einer leichten Wunde an der Schulter sickert« es rot heraus. Boxel, das Fell gesträubt, u-mkreiste seinen Herrn» zog und zupfte, wie um ihn zum Aufftehen zu bewegen. Den Kops zurückgeworfen, holte er eine Tonleiter langerzogener Iammertvne aus der Kehle. Sie tvankt« schlotternd, wie beim Anblick einer Gespenstererscheinung. Wurde sie aus weiter Ferne angerufen, aus fürchterlichem Traum geweckt? Nein, kein Traum. Hier stand sie, Marianka, das Küchenmädel, die niedrigste PersM im .Haus, und sie lhatte den gnädigen jungen Herrn totgeschossen, den schönen, jungen, goldenen, reichen, der ihr heiliger «war als der Herr Jesus Ehristus am Kruzifix. Nein, schrie es in ihr, das war unmöglich. Sie konnte es nicht gewesen sein. Rührte es sich schon auf der Straße? Kamen sie schon, um sie zu prügeln, ins Gefängnis wegzuschleppen? Sie schlvang sich aus die Brüstung. Der Pinscher, in einem Anfall von Raserei, ihr nach, schlug sein Gebiß in ihre Wade. Der Riffe und der Wunden in ihrem Fleisch nichf achtend, glitt sie an dem Estnftamm entlang, sprang auf das Pflaster, siel, raffte sich wieder auf. Rannte, rannte. Ueber das Hochplateau, auf dein die Lampen nicht mehr brannten, den Berg abwärts, ohie Weg und Steg, steil, gradaus, über Wurzeln, über Steine. Jagten sie hinter ihr her? Brüllten sie: haltet sie auf, die Mörderin, fangt sie? Griffen sie nach ihr, um sie zu binden? Oder 'war es Wind, kalter Nebel, Finsternis, die ihr Schrecken in die Ohren brausten? Peitschten sie die Bäume, gegen di« sie stlcß, und fochten sie an den Röcken festzühältm? Durch Angst und Flucht und wahnsinniges Vorwärtsrasen lief es mit khr: ,F!icht ich, nicht ich. Es ist unmöglich." Es zerrte an ihren fiebernden, verwirrten Sinnen, etwas, das sie gewußt hatte und das ihr entfallen war. Sie, meinte, wenn es ihr emfiele, würde sie von der Schuld freigesprochen sein. Ein letzter Satz, die Uferstraße war erreicht. Aus der Entfernung rief der Brückenwächter: ,^-olla, Frau, wo will sie hin?" winkte/ setzte sich in Bewegung. Gelähmt, zersetzt, verblutend, rollte Jjk die Böschung abwärts an den Fluß. Die Brücke entlang marschierte ein kleiner Trupp Soldaten, dem Bahnhof;n, von dem aus Erich von Moutelupo gemeint hatte, seine Reise.anzutreten. Sie gingen lässig, mutlos. Einige von ihnen sangen: „Ms ich vom Hradschin, marschiert bin, Hob' ich an meiner Mütze Eine weiße Blüte cmgesttckt." Ein Kreischen, aellend. keuchend, wie aus nuierivdi» fchen. .Tezirken hochges.lleudert, spritzte «'s aus Marianka hervor: - ^Heilige Jungfrau, erbarme dich meiner. Ich bin e* nicht gewesen. Der Zahradil hat ihn erschlagen." . Das'Wasser Mng über ihr zusammen. 32. -JaNoib AdM hatte den Umfang seines Untervichts erweitert. An jedem Samstagnachmittag las er den FlüchtlinMn ein Drama vor. Auf schmalen Bänken reihten sie sich an«üna>nd«.r. Im Ofen praffelte das Feuer, kein Laut der Straße drang in das Hintiorzimmer des abseits vom Verikchr gelegenen Hauses. So von Sicherheit umfriedet haftete an ihrenr Wesen doch etwas Verstörtes, Ausgescheuchtes, als hatten sie sich, von Verfolgern gejagt, eben in M schützenden Asyl geflüchtet, und es Merte w ihren Neüven noch Angst vor drohender Gefahr. Nur e>m>igen toor es gegeben, ihre Gedanken von erlittener Bedrängnis "bzuwenden und sich an die Gegenwart zu schenken. D^ch keine unter ihnen, der das Verständnis für die Bedeuttmg dieser Stunde völlig fehlte. Ucber die uubeträchtliche Entfernung weg, die Lehrer und Schülevinneri vou einander trennte, spannen , sich feinste Fäden menschlicher Beziehungen. Die Mädchen fühlten, daß er ihnen höhere Werte bringe als die Wohltäter, die für ihres Le''des Notdurft sorgten. Daß er zu ihnen kam, gleich oinem Arzt, mn ihren kranken Seelen die Beruhigung der Geistigkeit zu geben. Als Pförtner stand er vor der Dur zum Unbekanten, sie schloffen ihn mit ein in das Entzücken, mit ldem sie wateS Land betraten. ^Fortsetzung folgt.''