Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 2070 (23.11.1924)
- Date
- 1924-11-23
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Vekke 10 Wken, Sonntag Mene« Morgenrettungi. 28. Rovemlber IM M My -:----. -—--•- ■" i ■■ i'fViV i' 1 * * n 0 Pf U R I C H T Dekrleidungsidren für den Rbend. Der kostbare Abendmantel ist sin unentbehrliches Regeworden, seckdem das Schlagwort Non der Aebereinsümmung der äußeren Umhülle mit dem Kleid sich durchsetzt hat. Daher gehört zum gleißenden Brokatkleid, zu der in glitzernden Perlen und wertvollen Spitzen erstrahlenden Abendtoilette ein Mantel vertvandten Genres: es ist also der prächtige Mantel aus Brokat, Belourchisfon, die Koanposition aus Seide mit kostbarem Pelz zu dem begehrtesten Kleidungsstück geworden. Will man eine Harnronie erzielen, dann wird.man mehrere Varianten wählen muffen. Und von jeder Form, ob Marttel oder Cape, verlangt man Grazie, Phantasie, Vornehrnheit. Fetzt machen sich persische Anregungen bemerkbar, die ihren Ausdruck in den Stickereien finden. Auch spanische Vorbilder sind "beliebt:- Mäntel, die wie spanische Tücher drapiert werden, mit gestickten Blumen oder mit einer Umrandung, von Affenhaar: tauchen auf. Die Pelzart bestimmt die Farbe des Stofes, die äußerst mannigfach ist. Capes aus langgeknüpften Strauß-fedovn mirt entzückenden Farbe ne ffelten sind für extravagante Launen bestimmt, weniger anspruchsvolle Geschmacksrichtungen begnügen sich mit Capes oder Mänteln aus schwarzer oder farbig schimmernder 'Seide.' ' Studiert man die letzten Modelle bei uns, die auf Pariser Basis veriwienert werden, so kommt mm zu. dem Schluß, daß die Capeform honte neben dem Mantel als gleichberechtigte Rivalin erschenrt, um so mehr als die Neigung, weiche Umhüllen einzuführen, dem Cape zugute kommt. Natürlich bleibt man neben den Capes und den Mänteln der alten Liebe treu: dem Pelzmantel, so daß dom PelzmodekünMr das große Gebiet „Abendliche Hülle" nach wie vor reiche Tätigkeit des Geschmackes und der Phantasie gestattet. Und sein Erfindungssircn wird desto intensiver arbeiten müsien, ie aparter und Listbarer das große Abendkleid sich entwickelt, wenn er den ästhetischen Anforderungen der Mode im allgemeinen und der verständnisvollen Trägerin im besonderen gerecht werden will. M AS S BESTELL U ST Gm FEINSTER AUSFÜHRUNGin Mänteln, Kostümen, Strassen-, Nachmittags« und Abendkleidern, auch Pelze und schicke Hute zu zivilen Preisen im MODESALON CÄCIL1E KUDISCH I. BEZIRK, KÄRNTNERSTRASSE NR. 5/2. FEINSTE Herrengarderoben nach M a s s und konfektioniert sowie sämtliche HERRENMODEARTIKEL (Herrenwäsche. Krawatten etc.) zu massigen Preisen! HERR EN P ELZE SSSLSSSSSS! in jeder Grijsse und Ausführung 80" zu besonders billgen Einlührungspreisen! Herrenmodeiiaus A- Borensiein, Wien, II Hoilandstr.lO Die elegante Pestmvdr. Die dvsi wichtigsten Foridevungeu der MÄde — modern, schick und vornehm — Müssen sich notweMgorwaiie auch auf \ Me Peil^node bezi-chen, die selbswevstärMich auch >in der heuvige,: Wmt-eri>-aii!Mi dom>nviorion wird. Und da die von Paris ausg'chcitde Richinu' du Anpassang^Dlr dou Stil des Kboides verlangt, so wird der Pelzmantel der eleganten Dame, wie buts beim Swftmainteil der Fall -ist, enger, kn>a«ppvr Linie gehalten s'üin, u>m die Men Formen der weMichen Figu-r desto besser zur Geltung zu bringen. Modell I. O. Pipersberg, Praterstraße 9. W'tt Eines der Mhvenden Wiener ^Petzmodehäuiftir, O. 'I. P'lpersberg lin'6sr^OWoOvatze,^Hat^MtS^oWn ESMickm'' se-ne WöÄstäoten gewährt -und dadivrch di« MöglttMt geb -ra, dre R'eiichhcvUwng savnvr Pslzmodell-e zu konstamren. Die obensteherrde Zeichlimn^ 'jlellt einen eleganten Abendmanitel, ans Pe'sianer- Md Zobetstreifen komlbinivrl', dar, wie denn uberhaupt die Pelzkomlbmatiionien eine noüe Note -in der Pelzn^de b-.deuten. Gm» Reihe vou Okkasionsstücken fiel uns beson'ders -auf: Bester kanadischer Zobel-Ne rzm an tcl nm 155 .Millionen; ein herrlicher swiriischor Feh mantel, platin-- gr^n, um 40 Millionen; eiin schöner B r e «i t sich w a n >- mantel um 100 Millionen; drei Zobcliha>m st ermäntel vom Vorjahr, erstklassiger Qualität, um je 6,6 Millionen; prächtige Pens ranerm äntel von 23 b's 40 Millionen; 70 Zentimeter lange Fohlen sacken mit Qposs.nm-Vevbränmng um 3,5 MiNonen. Selbstverständlich ist auch für den H c^rr n gei'orgt. Ein großes Lager von Sportpelzen in allen Langen und Großen, ans gediegenem Material, in den Preisen von 2 bis 12 Mll'-onen. tretet Gelegenhvit zu günlstiigenr EirMuh so daß auch nach dieser Ni'btmvg hin das PÄtzhaus O. I. Pipersberg seine führende Rrlle behauptet. Der Schuh — das KMUleichrn der Elegsrr;. Aparte GardoS-Modelle.H Endlich hat sich die Erkenntnis durchMtzA. baß die wirk-«, liche Eleganz und Vornehmheit sich bis auf Mi letzte« Enuel- Herten der Bekleidung erstrecken muß. AM epdlich hat der Schuh diejenige Bedeutung bekommen die mm M Rahme« der Mode gebührt. Nicht zuletzt haben die sSchichkünistler dich» Wirkung erzielt, die nun zu einer allgemch eMnnten Wahrheit geworden -ist. Die fumrei-e Mode ersoicheift 'Wondere Sorg» satt aus die Chaussüve für Straße, Salonmtd .Tanz, und da nicht jeden Fuß das gleiche Modell klech'et 'ujrd ferner jedeß Meid eines besonderen Schuhes bedarf, gM es hier eine Reihe von Ausgaben für den SchuMünstler. ,! Schwarze oder braune Seide mit GöltMflage. Das führende Schühmrodellhaus Gardos-m der Karnlnerstraßv2 hat sich all diese Prinzipien.zu Wensismacht und für die kommende Winters-aiison eine AnzM-VpP Modellen geschalffen, tsbe. bei aller Originalität von dWvsttzstem und crnchmsten Rchz sind. Dominierend erlichsWt ^für den Abend bra'.me oder schwauze Seide ntid Galdamflyae mät 8üwtl,'rrsch vollendeten Mustern, wobei ans die Linienführung — .mittels hoher, sanft geschwungener Absatz — besondere Rückstcht genommen ist. Nicht minder reizvoll präsentieren-'sich Perlmutts« schillernde Brok-atschuhe mit Gold oder Si-liber geputzt und «ckeiner eleganten Agvasfenspange geziert. PerlmutterschMernder Brokat, goldodtzp;Werge!«A Für den Nachmittag bringt die ÄWpa Gards'ß Straßenschuhe in brauner Seide mit schmale« guer gestÄllleul StrrvM aus gr-eichsarbigem Chevveaulel'er. .IMLoL . « Form, die bei aller Schmiegsamkeit mchtS- FestWed M wünschen Mrig lassen. . , - *-1 - -r t i Zi^ammensassend laßt sich also sage», .daß -.dir Schrchmodelle des führenden Hauses Gardos ä -Minrerten Tee. schmack und Luxus mit allen praktischen'H.HchtzvWge»- «D-' binden., ' -! ■ S ch tt f t» tf M «Mp iw K. MM Kinde r s w<e a t « r K. 65.000. 1 11 e e » S t.r ü mpfe Wolle-Seide - S't-rü«pfe M. Holzer, VI., MariahUfeMabe 88 (netm ö l o ttenl i n o) Copyright 1924 by 'Nachdruck verdaten. Deutsche Berlagsanirall, Stuttgart. 10. Fortsetzung» Die Stadt an der Moldau. Roman. Von. Auguste Hauschner. Harter Zusamnrenstoß zweier Geschlechter. Bitterschwer fiel es dem alten Mann, sein Ich Stück für Stück der Grundsätze zu entblößet:, zu denen er sich öffentlich stets bekannte, bis es nackt da lag das Herz des Vaters, das seinen Einzigen, seinen Stammhaller und Erben um jeden Preis behalten wollte. Als ein vom Himmel heräbgesendetes Geschenk nätm Erich die Offenbarung einer Neigung auf, die es stets für angemesien gehalten -hatte, sich rlnter Strenge und Autorität zu verbergen. Er fiel dem unsagbar Betrübten um. den Hals, gab ihm den ersten herzlichen, von keiner Zierlichen Veranlassung vorgeschriebenen Kuß. Er sagte: ,I^ch habe mein Wort gegeben, Vater. Willst du, daß ich es breche?" Da war eine Mauer, die kein Ehrenmann 'bereMen konnte. Anders verlief die Unterhaltung zwischen dem Oberleutnaut und Frau Franzlska. Ihren Vorstellungen, die -sie durch HirÄveis auf die Dankbarkeit, die ein Kind den Eltern für die Unzähligen ihm gebrachten Opfer schulde, zu verstärken dachte, begegnete er mit solcher Schroffheit^ daß sie erblasiend, vor Gekränkheit einer Ohnmacht nahe, fasiungAlos vor dem Rätsel einer Stimmung stand, die sie anfauchte, fast wie ein Haß. So verfocht er den Eltern gegenüber sein vateMndische's Ideal. Am nächsten Tage von Baron Krausz, der eine seiner beliebten Tiraden los-ließ, eine Hymne zum Lob des Militarismus, „die Stütze vop Altar und Thron", die zu befestigen und zu erhalten Pflicht jedes Bürgers sei, der Vernunft genug besitze, um einzusehen, daß der Staat ohne diesen Schutz rettungslos dem Untergang verfalle, vergaß sich der junge Offizier zu einer so verletzenden Zurückweisung dieses ^beschränkten .Feudalismus", daß der Angegriffene mit Frau und Kind vorzeitig da's gastfreundliche Haus verließ. Nach rechts und links schlug Erich um sich, ganz aus dem Gleichgewicht gebracht, rings um sich schirarze Wolken der Traurigkeit verbreitend. Eine geringfügige Verzögerung, das Militärkommando ersuchte ihn, die Ausfertigung einiger vertraulicher Dokumente ■ abzuwarten, traf feine Ungeduld wie eine Prüfung. Am unerträglichsten wurde er von Mariauka gequält. Unter den: Vorwand, daß sie ihn nicht mehr gut bediene, hatte er Kathi die Sorge um. sein Zimmer übertragen. Die Verkleinerung der Tafel enthob sie auch der Tisch- -bedienung. Räumlich von ihr enffernt, fühlte er sich verfolgt von ihrer Mühe. Mitten im Tageslärm, bei gleichgültigen Gesprächen, vernahm er ihr flehentliches Stimmchen: nimm mich mit. Des Nachts -wurde er aus aufgeregten Träumen aufgeschreckt, -durch ein schüchternes Tasten an Schloß und' Klinke. A-us ihrem Herzen, das sich um ihn grämte und nach ihm sehnte, gingen unablässig Schwingungen des Kummers in da's seine. Seine Mutter, der Art von Frauen zugehörig, die immer hartnäckig versuchen, Geschehenes durch kleine Listen rückgängig zu machen, schien den Einfluß einer im schlimmsten Falle bis zur Verlobung gesteigerten Liebelei für das geeignetste Mittel anzusehen, den Sohn länger im elterlichen Hause zurück-zuhalten. Mit Preisgabe eigener Wünsche fiel die Wähl aus Aella Baier. Um den Eindruck der Absichtlichkeit zu verwischen, wurde die Professorentochter mit anderen Personen zu Tisch eingeladen. Sie kam verspätet, fand wie einst ihpen Platz bei Tische an des Haussohns Seite. Unabänderliches, Unsagbares kreuzte sich in beider Blicken. PopWrf, Triumph, Schuldbewußtsein, Reue. Die Lippen sprachen nichts -davon. Zu diesem Mittagntahl hatte man Mgrianka zur Hilfe zugezogen. Nach einer Trennung von drei Tagen sah Erich sie zum ersten Male von weitem. Er -dachfe an das Geschöpf, gegen das er vor kaum zwei Jahren, im mütterlichen Wohnzimmer ang-elausen war. Ein Bauermnädel, fest im Fleisch, hell wie Sonnenlicht, in weißen Röcken, Schuhen und Strümpfen, mit ahrengqlbey Söckchen, mit einer Haut wie Milch und Blut. Zum Schatten ihrer damaligen Erscheinung war es abgemagert, das Geschöpf, -das benommen und verträumt mit V^isteck und Tellern hantierte. Noch immer mit -der gleichen UngeschicklichLeit, Aber er >belustigte sich nicht mchr an ihren^ unbeholfenen Manieren, kaum daß er sie anzulblicken.wqgte, aus Furcht^ ihr werde im nächsten Augenblick die Schüssel aus de« Händen fallen. Man redete vom Krieg. Bon der Tätigkeit des Roten Kreuzes. Aella erklärte,: Wd sie sah Erich herausfordernd an: ihre bisher ausgeübte Tätigkeit genüge ihr nicht -mehr, sie sei entschlossen, den LazaretfM, der zwischen Prag und dem russischen Kri'eMchauplatz verkehre, ständig als Pflegerin zu begleiten. - / „Aha, Sie wollen zusammen nßt depr Montelupo fahren," mckte einer der Offiziere, in dep Wsicht, die sich bleiern hinschleppende Underhaltuing etwh^ zp: beleben. Ein Weinglas flirrte, die rote FlüMlse^ ergoß sich über Erichs graue Hose. „Dumme Gans, Hnnstldu nicht Obacht geben?" Ebenso vernchmlich Hr-.HWt' 4ran-Mr zu ihrer Nachbarin gewendet fort: ,$n ächkMgen schmeiße ich sie ohnehin hinaus." (Fortsetzung folgt.) ' v