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Wiener Morgenzeitung · 1924-11-22 · Heft 2069 (22.11.1924) · p. Seite 5

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 2069 (22.11.1924)
Date
1924-11-22
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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\ Nr. 2969 Wien, S.im8tag Krise im Linker Stadttheater. Aus Linz wird uns gemeldet: Direktor Max Holler. der vor ,einigen Taceen die Direktion des Innsbrucker Stadl chea-tcrs nieder.e^t-e. hat auch die Direktion der Linker Lande Sb ühue niedergelegt. Zahl n n kl 8 s ch w i e r i g k e r t e n haben den Rücktritt veranlaßt. Direktor Heinrich Hagen hat sich entschlossen, um einen gänzlichen Zusammenbruch zu verhindern, die Direktion trotz der schwierigen Verhältnisse allein weiterzuführen. In Innsbruck hat der Musikdirektor Max Köhler die Leitung des Theaters übernommen. Der Mvrü in der FlorianiMr. Eine zarte Kma-benhaind schwang den , Hammer g-e-aen das Haup-t eines Famili'^lwattrs I-'^ndl-i-ches Lnstvvvlan^en, Fahrradwuusch des Lebrlin-gs und Schundfilmtriebe druckten einem In>n>a>en die MordwcHe in die Hand, einemButten. dar «rastern 17 Ja b r e alt wurde und «nun vor dem Tribunal stcbt. Tückischer Raubmord, Berl-enmduing und Di vbstabl beißt es saMch. Brzobohattz tritt vor, vetbsuHt sich und beantwortat die Fr-airon mit leiser Stimme. Im Saale schluck»^ eine Witwe, wn-nt eine Mutter. Bons.: Bakenn-n Sie sich -schuldig? — Angokl.: Ja. — Vars.: In allen Punkten? — Arvgeill.: N"in. dazWich der Verleumduna nicht. Er bleibt noch immer dabei, daß Topinka mit boi&el» aewai-n sei. „Wir halben besprochen." sagt er „einen Mechaniker mrszuisuchm, um es zu machen, wie beim Irlüvekl-ier im Kino und ein Rad zu nehmen. Wir sind zu mehreren Mechanikern geganaen." Bors.: Nnd schließlich ünd S'« qu P^chollik gokamimen. Sie bleiben also dabei, daß der Topinka mit Ihnen verabredet hat, wie Sie es machen sollen. — Anaekl.: Ja. er bat mir immer a-esagt. wir machen es so wi-e mit dem Juwelier. — Bari.: Jetzt passen Sie mal aus. Die Woipe stcht aus den Stawdpunkt. daß Ihre Ananiben Über den Toipinka erfunden sind. Jur Ihre T^t ist ia ganz gleöchaMtig, ab Topinka dabei war oder nicht. Sie bab-n ja Wiqvpe'teN', wie Sie den Mechaniker Bach-M umoiSibrocht haben. Ist das di« Vatbriheit. die Sie gegen Topinka Mivrocken haiben? — Anici^K. (sich schülerhaft Vvrbmgendl: Ja. es ist wahr. — Bert.: Ich beschwöre dich bei dmr Läben deiner Miu>-t?r, uns di« WahrhM zu sagen, db Topinka dabei war. —?bnigM (entschieden): Es ist wahr, er war dabei. Die Mutter des Ani^klaaten ai'bt an, daß der von ihrem Sohn« so schwer beschuldig;« Topinka ein ernster Iirnge sei. Au beim verhäuaniSvoüen Abend h.iibe sie ihram Sohne Vorwürfe weaun seines späten Heimkomm-"n8 ««macht. Er bette nichts geantwortet und das midgetbrachte Fahrrad oils dem Top in'a gebörig bezeichnet. ,, Der GericbtspsrchicrtLr erstattet söin Guachten über den Geiites'.-ustairw des Anaeklaaten. In der FamAie sei eine leichtere Form von Schwachsinn zu konstatieren. Der Knabe lei woibl «efjVMtoller. «Iber mich kein ibösarftger Mensch. Die Verihandlung wird heute fortgesetzt. mt Sine RSnberbande in Sberschieften. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Breslau, 21. Novvmlter. Das BezivkAgervcht in Kattowih hm nach -mehrwöchiger Verhandlumg eine NÄöpfige Räuberbande abgeiu-rteift, die lange' Zeit hindurch ganz ObonsclMen in Schrecken gchal,t>en hatte. Von den Räubern tvaren nrchrere Morde veriübt und zahllose RmMberffälle <vusgesührt worden. 1Z der An>gsklagten erhielten Znchlhcmsstrafen von zwei bis zckhn Jahnen. Der Hampt-anfühver dar Bande hatte sich bei seiner BorhastiiMg erschossen. Sein dld'utant wurde zu lebenslönglichsm, stime Geliebte m acht Jahren Zuchtbaus verurteilt. Bei der B-erkünldimng dieses UrdeileS kam es zu schweren Tumulte n. Mehrere der Angeklagten versuchten <mszu-brcchrn und eine der verurteilten Frauen zevschbua ein Ferste,r und wollte sich in die Diese stürzen. Die Ruhe kann'« erst durch das Eingreifen einer ganzen Po1iseiatbt>eiliu.ng, die vom Leder zog, wioderlhevgestM worden. Wiener MornenzeUnnq. Zie schönste Fra« getviunt noch an Reiz, wenn sie ihren Gästen eine Schale duftenden Tees darbietet. Im Tee liegt das Geheimnis angeregter Unterhaltung. Fulius Meinl Eegr. 1862. Der jüdische Unterstüfzungrsrerein .Lsrs" gratuliert seinem Obmanne Herrn M. Scharfstein zu seinerWahl in denVorstand der israel. Kuliusgemeinde Q a n z Europa trinkt Kaffe:-,Tee-und Mokkaservics SB* EüHAUrV, I. Wipplingerst asse Nr. 18 MissotM Moskau Gegr. 1819 sSor',**! >^5SSÄ‘ SS: Der zurückgebliebene Tampon. Di« KOjähriige Bedienerin An'na BodeschrnSky hatte vor emunidoiinthaltb Jahren sich der MnÄ des Pros. Konrad Büdinger im AUgemei en Krankenhcruse «iner Gallensteinoperation unterzogen, welche Prof. Büdmiger selbst vorgenommen hatte. Die Paltierrtin hatte noch vor ihrer -gäWlichi-n Heilung da-vcvus bestanden, m häusliche Pflege ütbergvoen zu werden und hatte das Spital verlassen, wobei sie dem Assistenten gegenüber erklärte, daß ihr Hausarzt die Nachbohandlung und die Depbanidswechsel voru-ethmen werde. Es stellten sich mm bei der ss-vau sehr schwierige KomplÜkationen ein. Schließlich wurde ntt Schleiertampon, -welcher seineozeit zur Hmtianhaldung der Blutung in der Munde betlassen war, in. der Operatlionswunde vorigLmniden. Frau B-odeschinsky, welche Wer ein Jahr tnisolge des Zurückbleiitens des Tampons in der Wunde leidend -war, klagt« nun Pros. BWinger muf 60 Millionen Schadenersatz. Nach nnchrsachen B-ePha-Munigen hat nunmehr das ZivMondesgericht untter Vorsitz des Hofvates Dr. sßreniksl die Klage abgew iesen. In der Urteilsbogründung wurde aus Grund des hmchaeführchen Sachvevstandigervboweises hsrvorgehoben, daß ein behaupteiter Kn-nstfcthller des bMagten Professors durch Beugessen dez Tampons nicht Vovlag. zumal dieiser Tampon mit Absicht in der Wunde belassen wurde. Da möglichenweLse di« Enitfevrmng des Tampons erst im spädeiven Devl-aus« durch den bchLndkLnden Arzt hätte erfotliPn können, so könne hieraus sur den Leiter der Klinik und seiner Stellung als Beam>ten keine Hastunig erwachsen. J2. Nvv'sncher 1924 SM 5 Bollswirt. Rnbiand« finanzielle Lase. Bei Besprechung des Staatshaushaltes im Oberster zentralen Exekutivkomitee hat der russische Finanzkommissch Sokolnikow mit Stolz erklärt, daß das Budget nunmehz ohne Defizit sei. Das Budget für 1925 soll ohne neue Emis> sion balanzieren. Eisenbahnen, Post und Telegraph arbeiten ohne Defizit, die verstaatlichte Großindustrie erhält ihre Subschien, man wird ohne Emissionseinnahmen, wie sie im vori. gen Jahr, nach offizieller Angabe, noch 180 Millionen (in Wahrheit über 400 Millionen) Rubel betrugen, auskommen, Hat sich der Zustand der russisd-en Wirtschaft so gehoben, daß man auf jede Emission verzichten und zugleich das kommende Bud. get um 200 Millionen erhöhen konnte? Im bolschewikischen „Iinanzboten^ selbst fragt ein Einsender, ob ein Grund zu der Annahme vorliege, daß sich das Volkseinkommen so erstaunlich verbessert habe. Die Hauptqnelle des russischen Wirtschaftslebens ist noch immer die Getreideernte. Obwohl die Anbaufläche im letzten Jahr erweitert worden ist, gibt das Ackerbaukommissariat doch selbst zu, daß die Ernte der wichtigsten Brotgetreide uni 11 Prozent niedriger als im Vorjahre ausgefallen ist. Durch die Mißernte kann also das Budget nicht gut verbessert worden sein. Ist die Aussicht bei der Industrie besser? Großwie Kleinindustrie sitzen ohne Geld da und verlangen ganz offen die abermalige Vermehrung der Emissionen. Das Budget is! ins Gleichgewicht — ausgeklügelt, unter der Bedingung, daß die Kredite an die Industrie von 130 auf 75 Millionen Rubel heruntergedrückt werden; wenn aber schon bei Beginn 'des Wirtschaftsjahres von der Industrie eine Vermehrung deS -Papiergeldes befürwortet wird, kann man sich denken, wie groß die Ansprüche an den Staat am Ende sein werden. Das Eisenbahnwesen, ein Hauptpfeiler der Sowfetwirtschaft, wird für defizitfrei erklärt, weil, wie die „Ekonomitfcheskaja Shisnj" vom 25. September versicherte, nur das kleine Defizit von 10 Millionen zu erwarten ist. Aber was war drei Tage später in demselben Blatt zu lesen? Das Transportwesen macht eben jetzt eine besonders schwere Krisis durch. Heftig protestiert Herr Sokolow, der Vertreter des Vorsitzenden des finanziellen KontrollkomiteeS im Verkehrskommissariat, gegen die Beschneidung der Subsidien auf 10 Millionen. Das Finanzkommissariat ist dem Verkehrskommissariat 38 Millionen Rubel schuldig geblieben, das Verckehrskommissariat seinerseits ist nicht imstande, ihm geliehene 22,5 Millionen Rubel abzuzahlen, dies alles hat zu einer Verwahrlosung und Stillegung des Betriebes geführt, deren Folge Herr Sokolow in der Verringerung des Grundkapitals aller Transportanstalten voraussieht. DaS also heißt ein defizitloses Budget im Transportwesen! Soll man dann die fehlen-, den Einkünfte von der angespannten Steuerschraube erhoffen? Aber die Staatsbank hat ganz kürzlich erst das Finanzkommissariat daraus aufmerksam gemacht, daß die direkte Besteuerung einige Kategorien von Steuerzahlern bereits mit 75 Prozent ihres Einkommens trifft, weiter läßt sich kaum gehen. Wie fiktiv das angebliche Budgetgleichgewicht empfunden wird, ersieht man aber aus dem Budget selbst. Das Projekt sieht nämlich vor, daß in dem ersten Quartal des Rechnungs-. jahres 60 Prozent aller Einkünfte auS der Besteuerung der Landwirtschaft verbraucht werden dürfen. Von der erwarteten Summe von 255 Millionen Rubel sollen bis zum Roman. Copyriaht 1934 by Deutsche BerIa,;Sa>r»aI1, Stuttgart. Nachdruck vert-oten. 39. gortievuug, t'im Auguste Harischner. Himmlisch-irdisch war die Jnibru'Nst, mit der er ihre Knie küßte. „Es ist mir wie ein Symbok, daß du durch Widrigkeit u.nd Schmerzen zu mir heraus gestiegen bist, gewehte Frau. So wird auch mein Volk aus Armut und aus Tiefe, in die seine Vevoswaltlger e's hinabgesteßen haben, sich aufschwingen zur Höhe. Es wird sich in den Kranz der anderen Volker fügen und ihn verschönern als eine Blume von besonderer Art." An ihr auifqerichlet, umMang er ihre Hüften. U-mschlüsienvon seinem SEst, sich nicht mehr ang-ehörcnd, empfing sie sein« Rede. „Wie vor zehn Jahren die zerspaltenen, in alle Kontinenite zerstreuten Zweige des großen Slavewstammes, in dieser Stadt vereinigt, aus den Wunden ihrer Rinden blutend, für kurze Stunden ineinander wuchen zu ericheitlichem Sem. . . Ich hin sicher." er um'aß'e ihre Knöchel, daß sein Mut sich Haut an Haut mit ihren Pulsschlägen vermählte, „wärst du bei uns gewesen, hättest du uns zugehört, so jung du warst, es hätte dich zu uns gerissen, du wärst seit damals meine Braut. Ich weiß wchl," er richtete sich auf und schmiegte^seine Schlankheit an die ihre, „auch in ihnen 'war der Schrei uiicch Wcifseu und Gewalt. Und Haß. der für Schmach und Unterdrückung hervschsüchtige Rache nehmen W llte. Ich habe anders euipfu-nden. Eure Häuser, damals habt Ihr. sie vor uns verschlossen, habe ich vor uns ausgetan gesehen, eure Geustigen, danrals halben sie unseren Jubel «fl« M.l* AOICR«ASS*-« am Nr 70 £5* totgeschwiegen und um Schutz für ihre Sicherheit gerufen, an unserer Seite ha'be ich sie begrüßt. Wie eine Vision 'hat sich vor meiner Phantasie eine Halle aufgebaut, ein Tempel allgemeinen Friedens. Eines Friedens, nicht mit Mut besudelt, nicht unter dem Donner der Kanonen über Deichen^bergen aufgerichtet. Ein Zusammenklang von Kunst, Musik, Theater; Harmonien, in deren alle Dissonanzen der Erdgebunderlheit sich lösten. Ltbussas Pro.pheten.wvrt „Und eine Stadt schaue ich, bis zu den Sternen reicht ihr Ruhm" hate ich erfüllt geschen. Als Schöpfer dieser Größe, dieses Ruhms habe ich mich geträumt. Nie mehr ist dieser Traum in mir erloschen " Er stand jetzt vor ihr. Sehr zart umrandeten seine Handflächen ihren Kopf, den seinen legt« er auf ihre Wenden Haare. „Willst du mir helfen, daß er sich vevwirklicht?" „Was kann ich tun?" „Du sollst an mich glauben." Als sei es, gleich einer Tafel, vor ihm aufgeschlagen, grub sich in ihr Hirn jedes seiner Worte ein. „Das Mysterium -des Glaubens schickt Strahlen aus, befruchtender, beflügelter als das Üicht der Sonne. Du sollst deine Seel« in die mein« strömen lassen. In dir und mir sind Energien vom Jahrtausewden aufgespeichert; iwenn du mit mir in eine zusammenfließt, werden sie befreit und du verhundertfachst alle in ums gebundenen spirituellen Kräfte. Und du sollst mir beistc!hen, daß dein Mann ..." „Mein Mann . . .?" In die Dunkelheiten des Vergesse ns war ein T^gesfchimmer der Erinnerung gefallen. . Schon hatte er ihn wieder hermetisch abgeschlossen. „Du hast tztir zugesagt, an mich zu glauben, Therese, köMtest du mich d^ch ganz veuste-ten..'Ich möchte mit dir flüchten in eine Einsamkeit, wo dich Meüschenanspruch nicht erreicht. 'Morn, mit wein . . . deine Nacktheit, das Atnren deiner Brüste, das Rauschendeiner Röcke, dein Lächeln, deine Tränen. Dich mit einem anderen zu teilen. . Er umklammerte sie, als nahe sich der Räuber, um sie als Beut« zu entreißen. „Aber da ist etwas in mir. . . ein Zwang. Dämon, Götze, Gott? Das Ideal." Wie vom Wahnwitz ausgemeißelt, zeigt« sich das Gerüst der Züge unter der fanatisch aufglühenden Haut. Es war, als sprenge Böses, das ihm an der Kette lag, die Fesseln. ,^Iede Schandtat konnte ich dafür .begehen. Ich könnte .dafür betrügen, morden, ich könnte . er schleifte sie zum Fenster, „wallen wir miteinander uns hier hinuntevstürzen? Gemeinsam sterben, gemeinsam zu neuer Daseinssor-m auferste'hen?" In ihr -war keine Furcht. Sie dachte: Was körmte er von mir verlangen, -das ich ihm nicht gewäHr^' Müßte? g. Am nächsten Morgen evwart-ete Direktor Krommed beim Frühstückti-sch die Ueberraschung: seine Frau, die/es. sonst liebte, die Morgenstunden zu verschlafen, schenkte ihm den Tee «in. schmierte fein Brötchen. Ans Dankbarkeit legte er das Tageblatt" tei Seite, fraoie: „Wie war es gestern bei Zahradils?" Er kannte die Spottlust ihres Naserümpfens. „Analphabetenatmofphäre, aber das Rezevt zm Apseltort-e ist das Opfer wert." „War J-osef nicht zugegen?" Zum Tausch überreichte Erich die soeben bei ü;ni eingelausene Feld-Postkarte (die ganze Ossiziers-wesse, der Oberst an der Spitze, hatten unterschrieben): freudig begrüßten sie die sofortige freiwillige Rückkehr des K-ameraden, die -um so willlommener sei,.als der Verlust an fähigen zuvcrlääi --m Führern sich bedrohlich fühlbar mache.. '^nrtietzung folgt.)

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