Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 2068 (21.11.1924)
- Date
- 1924-11-21
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 83% known words query
- IRI
…/2979076-2980834-2981151--21149-3008429- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr. 2068 Wie«, Freitag Wkerrer Morgenzeitung. R. NovsmVer IßK der „Wr.MorgenzeiLttng" Film utto ftoo Erscheint jeden Freitag Mime» M. Goldin. Ein Porträt. Wir hoöm fat chm eines der stävPen DÄenve in der FrlimMlszenilevnniq m\> gjleichzeibig einen tmeoschrockenen Bor« kiimpfar des JudenimmS. Durch seine letzten zwei Ftlme, „L st «nid West" unlb „Ni8>kor", hat er sich den Weltvvsolst ge« sichert itmib Iseime Name wurde durch diese beiden vor;ü,stlichsn Werke Ln fot'C WÄt hnvauSstotivaigem, evvcmg durch sie Kiliamifl und Anischen. ' Zwei EWl.lschciiften sind «8, die chm den (StalW'ß im «allen fehlen Wemken vevbüvstrn. Die erste ist die AoktvMe Kraft, die riesige Willensam>'ipamn>lMg, mit der ex sich ijiik jedes firner Wende voll nnd .stanz ersetzt, die ihn alles vunduim vergesst« läßt, und die stn>e vollkornmene K^nzentvakiom erzeug die der Regisseur Ibeisitzm «mß, soll er Ganzes und wtMny Wertvolles ztOcmlde bringen. Und diese Eigenschaft wmyLü wieder in der Liebe, die er stdom einrMen seiner Filme ent* MsMibrmFt, die ihn im seiner sewMm?n Arbeit aanq atiifMhsn Laßt. Die Motte Ei-genischaft ist der lvl-are SckarDlick, mit der er die Winl!s^m.ksit dessen. waS er qu verarbeiten hat, «IbsäBtzt und chn omif die Esfakt>e hmanbeiten saßt, die Iden Enfioil.a seiner FNme in pdw Richtuna sichern. Er ist nicht nur Künstler, er ist mich ein richtiiq adschätzenider und wägender Kainsmann im seiner Art, der niemals einer künstlewifchen Farce wogen den Gssaimltersoslst cvulfS Spiel setzen wird. Diesem letzteren llnnsteird muß -man toH seiner langsähviqem und erisolareichen Tätigkeit im der nünvriiikamischen Film« imdifftrie -uschreilben, woher er die Erkenntnis atrlb die Erfiahmmg mitbvcvchte. daß Film unter allen Umständen Industrie ist, n.nd auch so ochandhM werden muß, nicht nm r Kunst. Eime Enkenmin-is, die leider so virilem Film« hevstellenn in Europa so sehr schl-t. Das D wohl auch die U>r« sacke, daß seinen Wanken. hamptsäMich den beiidm hier an« geführten, nicht nJit.r ein seltener kimstUrMer, soiidern auch ein 'kolossaller kommerzieller Erfolg beschichen war, der hinsichtlich „Ost und West" in Wien beinahe .sprich« wörtlich wurde und auch einen internationoilem Rekord vor« stellte. Und auch sÄn letztes We.Nk, „UiSLor", verspricht, hinter seinem Vorläufer nicht zurückzustühen. Diese beiden Filme spieden im jüdischem MMem m.nd haben bei ihrem Ersckein?n gezcipit, daß nach deror.ti.qen Filmen eine überaus rege Nachfrage beftcht, daß das PuMkum ohne Unterschied -der Konfessionen dieses Genre goutiert. Goldim hat somit dem Film ein neues Gelbiet erschlossen, das inn.aea.hnt snnchttraosnd ist. Er hat auch dadurch eine Menge von Nachahmern gefunden, doch noch feinen ein- Asten, der in diesem Genre an ihn hsvanveicht. .burg-!üno. i. mm 19 Von heute bis £4. November Frauen inFlammeii Sensationsfilm in 7 Akten und das übrige Schlagerprogramm Beginn der Vorstellungen: V45, V46, V48, */<9 -— KÄRNTNERKINO I. Kärntneistrasse (Ecke Johannesgasse) Von heute bin 84. November Der grosse HENNY-PORTEN-Fiim: Aufnahmen aus dem Wiener Praterleten und das übrige Programm Beginn 7*4. ,/46. 7, •/ 9 Uhr Unwillkürlich taucht hier nun die Frage aus: Warum ge« Weht' in maßgebenden Kreisen nicht-, um diesen Mann endlich eine'Produktion im jüdischem MMem spielender Filme Ln ganz -großem Stil zu «vmÄstlichvn? „Pratertrcnim." Gestern wurde, der Presse dieser in Wien awfgenommene und allseits bereits mit'Spannuna erwartete Henny-Porten-Film t»orgsführt. Es mnß gleich anfangs gesagt werden, daß er den an ihn geknüpftem hochgespannten Erwartungen vollauf Genüge getan Hat und durch ihn, die deutsche Filmindustrie eine überaus wertvolle Bereicherung erfahren hat. Peter Paul Feiner, per auch für die Regie zeichnet, schuf hier ein Buch, das volkstümlich gehalten, voll Kraft und Tiefe ist, em^ ansprechendes Geschehen -bringt, dar von Spannung d-urchtrankt ist und zahllose Gelegenheiten zu wunderschönen Bildern und S.ienen gibt. Was der Autorregisseur auf der einen Seite versprach, hat er auch auf der andern zu hallten gewußt und seine Regie gab seinem Buche wirklichstes und vollstes Lebm. Felner hat hier wieder einmal bewiesen, daß er als Schriftsteller und als Regisseur gleich großer Talent und gleich starke Kraft besitzt. Gedanke und Ausführung sind hier von vorbildlicher Präzision und zeigen beide eine frische Originalität, deren fesselnder Auswirkung man sich keinen Moment lang entziehen kann. Prackstvoll wie die Regie ist auch die künstlerisch vollkomme-ne Darstellung, die in der Hauptsache aus den- Schulter« Henny Portens ruht. Aber man hat hier keinen Moment den Cindr-uck, daß dieses Werk ein Starsilm sein könnte, daß di» Fngur. die diese unerreichte KnnsUerrn verkörpert, irgendwie -bewußt in den Vordergrund der Handlung geschoben ist. Man empfindet alles hier so natürlich -und so lebenswahr, als oib eS gar nicht anders sein könnte. Und das ist vielleicht daS Anerkennenswerteste an der SchawfpiMmst Henny PortenS, daß das, was sie hier schasst, so echtes und wirkliches Leben ist. Auch die übrigen Darsteller leisten durchwegs Allerbestes. Ein Filmereignis für Wien! Ein Wiener Stück in 7 Akten von Peter Paul Feiner (West i f! I m) Originalaufnahmen von Wien (Prater), Baden, Wachau HENNY PORTEN in der Hauptrolle ,, Ab heule In felgenden Kinos 1 K&rniner-i<.ino, L Johannesgasse 3 Elite-Kino, 1. Wolkeile 84 Imperial-Kino, 1. Rotgasse 5 Opem-Kino, I. Friedrichstrasse 4 Central-Kino, II. Taborstrasse 8 Kammerl'chtspiele, 111. Schwarzenbergpiatz 6 Flotten-Kino, VI. Mariahiiferstrasse 85 Ab Dienstag den 25. d.s Flieger-Kino, IX. Llechtensteinstrasse 37 Votivpark-Kino, IX. Währingerstrasse 12 Mariahilfer Lichtspiele, VI. Oumpendorferstrasse 60 Kino Handl, XV. Mariahiiferstrasse 160 Abbazia-Kino, XV. Neubaugürtel 16 ] Monopol der Gaumontgeaellieheft ».b.H., Wie«, VI | Reizeich ist Claire Lottio.in der Rolle deS Wiener Mädel», und auch sie trifft daS ihr hier vorgeschriebene Milieu ganj vorzüglich. In. den männlichen Rolle« bieten A-ngÄo F e r? r a r i, Johannes R i e m a n n und Ossip Run i t s ch Allere belstes und auch die kleinste Episodenrolle ist mit' einem vollendeten Schauspieler bösetzt, jeder einzelne fft in seiner Ars Ausgezeichnet ist auch dieser GroWm in seinen technischen Belangen. Gustave Preiß und Mutz Greenbaum lieferten eine plastische und klare Photographie, die die einzelnen Estenen prachtvoll ' zum Ausdruck bringt. Kunz resümiert, ist dieser Film in allen seinen Teilen ein vollendetes^ Meisterwerk, daS gewiß heute beim PMvkum den großen Beifall finden wird, den es vollauf verdient. „Kleo, hie Pfauentänzerin." Mangel» eines halbwegs vernünftigen BucheS wurden in diesem Film ein kowssaler Aufwand an Ausstatturtg und daS, Aufgebot wirklich ganz erstklassiger Schauspielkkräste zu der vergMlichen Mühe, aus dem Nichts der Untevla.ge einen möglichen, Film erstehen zu fassen, verschwendet. Im übelsten Kirsch er«' stickt die ganze Handilung. sucht vergebens Effekte ztl schaijifen,^ die eindringlich oder bleibend wären, und es ist keines von den altbewährten Mitteln^ irgend welche Stimmung zu schaffen,' uns hier erspart geblieben; vom hartherzigen Vater bis zum alles vevsöhmndeu Kinde sind sie hier und betteln um Anevkennung. . > Bedauerlich, daß Mae Mmrray, der in „Faszination*, hei uns so großer Erfoig beschieden war, hier sich durch den Men Brei larmoyanter Süßlichfeiten durch acht Akte zu drin-' gen bemüht und es nicht zu einer einzigen Szene bringen kann, in der ihr ganzes Wirken nicht durch die Unlogit der, Handluiwg rettungslos verwässert und abgeschwächt wird. Auch! Monte Blue, der unter Ltnbitsch so hervorragende Leistungen zu zeitigen vermochte, versinkt hier m sehr minderer, Mittelmäßigkeit und ist eine vollkommene Enttäuschung. j Bedauerlich tvar es geradezu, die auSgezeichrtete>n Bilder^ auS den «beiden großen Nachtlokailen $it sehen, die in einer halbweg» vernünftigen HaMung gewiß .kolossale Gffeitte geschaUen, batten, hier aber total unausMfüllt und daher wirkungslioS wiebm. ' Bon prachtvoller Beleuchtungstechnik-legten die im Atelier, gestellten Naturaufnahmen ein glanzendes Zetvssnis ab. In deq^ technischen Belan-gen ist dieser Film — und das ist sein« einzige Force — einwandfrei. Die Filme bet Woche. „Verwehte Spuren." — „Apachin in Seide." -- „Fünf, marinierte Akte." — „Der Schurkenkavalier." — „Radanika, die Königin der Dschungel." — „Verlassene Kinder." —«J „Pratertraum." — „Der Sieg des Maharadscha." — „Die Insel der verlorene» Schisse." — „Lukretia Lombard." — „Im letzten Augenblick." — „Die Waise von Capri." — „Rennwagen Nr. 11." — „Seines Weibes Ehre."___j — iCHOTTENRlNQ-KiNO l SC HOTT EN Rl NO 6 // TEL. 17-4-26 Von heute bis £4. November J IJ.K o R Eine Judentragödie mit Monis Schwarz, Oskar Beregl and Dagny Servaes und das übrige Schlagerprogramm Beginn! VA V«7, ’ CENTRAL-KINO ILTaborstrasse 8 Direktion: j. Schu 1z Von heute bis 24 November Der grosse HENNY-PORTEN-Film: Aufnahmen aus dem Wiener Praterleben und das übrige Schlagerprogramm Beginnt VA 7, V*9 Uhr Copyright 1924 by Nachdruck vekboiml. deutsche BerlagSanicatt, Stuttgart. A. Fortjetzung, Hie Stadt an der Moldau. Roman. 4 Von Auguste Hauschner. Therese hielt das Buch i'n Hä-Mn. Uelber den Mel „Libussa, ei-n>e pvcphetiische Tragödie" und die WdmMg kam sie nicht hm-aus: „Dem Genialen, dem Fovdever der Künste. Dom Wiederaufbauer der tschechische« Nv-ti-an. Dem allevgelHebteslen mejner Frm-wde: der Dichter." Darunter stand: „Ten Marmorblock, den da mir fcheMest» ich gebe chu dir geformt zurück." . Es war ein Kamps in ihr Kwifchen dem Wunsch, den Kümmernissen und J>nlliiNt'ntäwn dieser fremden Leute «ohne Abschied zu entfliehen, umfo einer Hemmung, als hielte femaind sie o>m Saum des Kleides fest. Verstrichen fünif Minuten oder dreißig, He ein Soildat unterwürfig die Botschaft überbrachte: „Ter junge gnädige Herr Zahradil lassen die gttüdiye Frau ergebenst bitten." „Unverschämtheit so-ndeirglleichen." dachte sie, ei| nicht fekber iommt." Wollte nach links abwärts gehen Mw kletterte drch eilte Hühnerstiegle nach rechts hinauf. ,Mrhven Sie mich auf den Boden?" ,/In das Turmgi'mmer, zum gnädigen jungen Herrn, bitte gehorfamst." 29. Die^s ist mein Reich," sagte Josef ZalhrM. Gr bog ein Kme zur Erde. „Heil! Ihrem Eintritt." Eine große äußere Verändernng hatte er ntft >stch vorgenommen. Ueber das weiche Seidenhemd flatterte ein tief violett getöntes Band, die Jacke des grauen Velvetanznges war nach Art der Tschamara verschnürt. Er geleitete sie, wlie zu einem Thron in eine Rische, >wo auf altem Lehnfkrhll bwLcvtene Polster lagen, und warf sich zu ihren Füßen nieder. Ein runder Raum, alles Ziegekwerk mit sanftgvcmem Stoff bekleidet, durch den das Deckenlicht gemildert fällt. Wie vom einem Fries die Höhe mit verblaßten, Male-re-ien rnnilausen. HigüM-che Darstellungen von Sterntafeln, Planeten, Milchstraße ü-nd DierkrÄS. Die Nachbildung einer Permubabion der Elemente, elin Horofkoipafpett; Kiffen zunt Divan ausgeschichtet ln der Ecke. Auf einem alten Tisch, auf goldenen Löwenfüßen, Mischen Schreibgeräten, Sanduhr, mittelalterlicher HiimmslskugÄ die verzerrte Fratze eines Chvnefengötzen. Die Fenster mwerhülK. AuS ihnen der Blick ins Land. In welches? Irgend wohin. Ins Namenlose. Waldberaubte Hügel, stekl wie Felsen, auf Vhwm Kamm Gebäude, war als Umriß lennÄich Verfallene Wohnstätten der Armut? Ruinen von Palästen? Freier Spiielraum der Phantasie gelaffen. Ei« verborgenes Ciiland ragt das stille Zimmer aus dem Otzean der Welt. Nichts hörbar oben, als Josefs etwas verschleiertes Organ, das fchwärmevische Huldigungen zu Dhevesen schickt. Ihre Sinne standen an der Grenze Mischen Widerstand und Umter-werswng. Noch bäumten sich M ihr die Borstellungen: Hochmut, GeviMchätzung, gegen den Zauber der VevwaMung. Um allmählich zu ermatten unter der seltsam au-frelyenidan. gögern-den Berührung seines Mundes, der jeden eintzölnen chrer Finger und das Innere Ihrer Hand liebkoste. Der Funke Mbenteuerluft, der unter ihrer Büvgerl'ichkeit glimmte, wurde wieder gu dem Bewußtsern ange«facht: ich erilebe, ich erlebe. Aller Frauen inwigisteS Verlangen sollte ErMung werden, deS Mannes sinnliche und geliftige Schnfucht gleichzeitig zu erregen. , Der sie als Weib begehrte, «tvarb zugleich mn ihre schwesterliche Freundscha>ft. Alle Kammern seiner Seele riß er vor ihr auf. ,^ch weiß -wohil, man hat dich von Jugend an. ge-, lehrt, uns zu brachten, Mich hat man vor dir verleuurdetr! Landesverräter, Deutschenhasser. Höre nicht auf sie, sie sind - eng an Vorteil u>nd BovuvteÄ gebunden. Das Deutschtum', isv ihnen die Krippe, an der sie ihren Hunger stillen und ihre Gier nach Mciicht und Geld. Ich stehe über iihnetr. Ich verehre im Dentschtum den Ausdruck Gottes, seine umsieMiche Idee. Aber auch tv'm sind seine Stimme, und wir wollen sie in die Akkorde des Universums mischen." ,Hür kurze Zeil nur. Man hat ihn im Lazarett gebraucht^ ,ßx ist jedenfalls eminent gescheut." ,/ks scheint so." Wiehe r beschäftigt, die neu eisten Telegramnte durch« zuilesen, hörte er sie sagen: „Was ist eigenÄich aus .deiner Idee geworden, eine Zeitung zu unterstützen, die über den Parteien sicht?" Er dacht« lächelnd: Frauenempsinden. Ein paar kluge Männerkvorte, «md sie sind bekehrt. Zahradils Einfluß kam ihm sehr gelegen. Theresens Unbefriedigtsein war ihm in den letzten Wochen um bequem geworden. Er tätschelte, unter dem weiten Kimono, ihren Arm vom Ellenbogen bis -ur Schulter. ,Mllst du sie aus der Taufe heben? Du sollst mH' <M Mitarbeiterin willkoMMn sein." 30. Sie trafen sich auf halbem Wege in 'bet Wohnung, mtt einander eine Mitteilung zu machen. Ohne zu ver- 'baten, welcher Vermittlung' er d?n Erfolg seiner Bemühung danke, zog der Ministerialrat ein Schriftstück aüS der Tasche: Äerleutnant Schlecht von Monteluipo-- wurde wegen geminderter Tauglichkeit zum Kriegsdienst dev Millitärgerichtsbarkeit rm H'mterlande zugewiesen. Gortschnng folgt.)