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Wiener Morgenzeitung · 1924-11-15 · Heft 2063 (15.11.1924) · p. Seite 12

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 2063 (15.11.1924)
Date
1924-11-15
Page
Seite 12 (sequence 12)
Language
German
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mit 12 WM, Samsteg Wiener Morgertzeituns. 13. November M4 Nr. P k B I R I C II T * Die Stoffe der Wintermode. Die Hevbstrnode bringt Neuartiges in Stoffen und Musterungen. Namentlich in letzteren. Wenn im Sommer mehr der Streun herrschte, so ist setzt das Karo, und zwar das schr großttnige, Trumpf. Es wird.für Kleider, Wintermäntel, ja selbst für das Kostüm verarbeitet, obgleich es gerade für dieses am wenigsten geeignet erscheint. Neben den: Karo behaupten sich die bunten orientalischen Muster, seien sie nun klein- oder großlrnig gehalten, die in RipsgÄveben fast wie schwerer Brokat anmuten. In uugeniusterten, glatten Geweben, für Straßenanzüge berechnet, werden das altbewährte Gabardine-Tuch- und -Samt eine führende Rolle spielen, für elegantere, namentlich für Tee- und Abendkleider, wird fast ausschließlich Seide verarbeitet. Ms Neuheit tritt da glatter und auch gemusterter Seideiffrotte auf, der allerdings für den Winter geeigneter erscheint als leichte Seidengetvebe, die dem festlichen Anzug ja erhalten Lleiberr. Seidentrikot Hai sich seine alte. Beliebtheit ungeschmälert erhalten, Besondere Sorgfalt hat die Seidenfabrikation den schweren Stoffen zugvivandt und bring» Rips, Damast und Brokat auf . den Markt, die an Gediegenheit und Schönheit jeder Konkurrenz begegnen und selbst dm Kenner überraschen. Bezüglich der Favbenskala, das ganze Stoffgebiet betreffend, wäre gleichfalls zu sagen, daß es eine ausgesprochene Modefarbe nicht gibt — der persönliche Geschmack entscheidet. Bemerkenswert ist, daß neben allem Dnnten und Gemusterten, wie es namentlich in der Karomode bevorzugt wird, doch das Schwarz vorherrschend sein wird, auch für festliche Gelegenheiten; dann freilich durch metallische oder bunte orientalische Seidenstickereien belebt. Bevorzugt werden für gesellschaftliche Zwecke ein Helles, schimmerndes Goldbraun und Amethistsavbeu, auch Gelb in seinen vielfältigen Scha-täermtgeit; ebenso aber auch alle zarten, Hellen Töne, die sogenannten Kimsttersarben. Das schlichte Weiß' tritt vorläufig zurück; man scheint es sich im Sommer müde getragen zu haben. iener Strickmvde. Schafwolljumper K. 120.000. Schaf tvollwe st en K. 120.000. Sindersweater K. 63.000. Sportstrümpfe K. 29.000.' M. Holzer, Ti., Marlahllferftr. 89 (nefiea gtattentin») 1 Neue Modelle. Zu Äoser Jahreszeit ist es di« Sorge eiltet Danten, tmrme Kleidung für sich und die Kinder zu beschaffeit. Gerade zur richtigen Zeit bringt „L ady" - Strickmode (Mari ahilferstraße 114) einige Awecknräßige neue Atedelle. Da ist vor allem das in Figur 1 albgebildate Kasakkleid aus Wolle mit tatet Karrecvus und vielen Knöpfen geputzt, eine zweckmäHige >tmd schicke Kl>eidu>ng für viele Gelegenheiten. Das in Figur 2 abgebildete schwere Kostüm aus englischer meldövter Wolle und herrlichem Wollbosatz ist für Straße und Sport giteich gut amd elegant. Der aparte Geschmack wird <ben ‘in Figur 3 abgebffdeten Wollkasak, farbig dessimert, mit rMweißen Knöpfen jvählerr. Ueberhaupt bringt „Lady"-Stv'rckmode viele Neuheiten in WoIlmvd Seide-nkasaks. Auch in ebenso flotten als ivarmen Wollwesten finden wir eine gwße Aus- Iva'hl und wenn eine Weste aus Wolle mit Seide zum Preise von 15O.OOO K. besonders erwähnt tvivd, so geschieht dies nur deshailib, um zu zeigen, Nah elegante Modelle bei „Lu. d h" auch sehr billig zu haben sind. Für die falte Witterung braucht man warme Unter- ^iMäckchen; die ,>Ladh"-Strickmode hat auch in diesem Artikel für eine große Auswahl gesorgt; ein sehr schön gemustertes, aus feinster Schasi.rolle verfertigtes Stück ist schon «m 32O.OOO K. zu erstehen. Für unsere Kleinen bringt „Lady" putzige Schaf- Wall westen und Wollkleid chen . sowie Rodelgar nituren. Diese bestehen mis Sweater, Hose, Mütze und Schial und kommen bloß aus 145.000 K zu stehen, zwoifelllos ein Preis, den sich auch der Mittelstand leisten kann, um den Kleinen ome Freude zu nrachen und sie -warm zu kleiden.. Feine, warme SchafwoMeisten für Herren sind schon in der Preislage von 180.000 K. vorhanden. N c ^©EEElKllS zKAUFEH /IE;billic/t ITABOR/m H? 18 (HOTEL NATIONAL) TCLtPHOrt 404-23 __PELZE ALLER ART— VERBRKMUNGSFELLE BEIM SELBStERZEUQER zu konkurrenzlosen Preisen! Besuch lohnend! Steinsalz, Wien, I. 3 FEINSTE Herrengarderoben nach Mast und konfektioniert sowie sämtliche HERRENHO DEARTIK EL (Herrenwäsche, Krawatten etc.) zu mSssigen Preisen! * H PPP E U PSI? p ECHT OPOSSUM in jeder Grösse und Ausführung zu besonders billigen Einlührungspreisen! ^Wg Herrenmodehaus A. Borensfein, Wien, ii.iioiiandstr.10 D i e P. T. 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Tiefe Halbnackte, deren Körper Geich ihrer Stemme noch Spuren früherer Reize zeigte, besitzen, sie züchrj-KM, die Käufliche, die sich schamlos der Menge prsisgäb und sich erdrersteie, sich ihn: zu versagen. Er glaubte sie g-egen sich gerichtet, die Gleichgültigkeit, Fsindseligteiten konnte man sie beinahe nennen, mit der sie ihre SchlnpfriAkeiten hinwarf. Oder war es Berechnung, um durch den Gege-nsatz zwischen Inhalt und Wiedergabe die Wirkung lder Verse zu erhöhen Als Pusqustta, die mit nachlässiger Verbeugung den Beifall eitegegeunahm, beim Büfett erschien, um die Kehle anzufeuchten, rief er hinunter: „Noch eine Cliquot.'^ Die Neberbringeri-n wurde aLgeiviescn. „Ich will sie von der Pasqnitta haben." Die Antwort km zurück: „Die Pasquitla anders angezogen." „Ztoeli Flaschen, wein: sie kommt, so tvie sie ist.'" Beim Schenkti-sch gab es eine aufgeregte Unterhaltung, die da-imt endete, das PasquiLa, wÄrrwi-lliguLherkomntLnd, das Bestellte lbrachte. Sie war in ein großes Umfchlageduch gewickelt. „Erst die Bezahlung, hat der Wirt mir ausgetragen." / Kreidebleich war Eduard, während er die Umhüllung deS Kvommer-Bpiefes zerriß. Wenn kein Geld in ihm entnoch nicht halten war? Dreihundert Kronen. Es dünkte ihm ein Vermögen. Prahlerisch warf er die Scheine auf den Boden. Sie hob sie auf und meinte tückisch: „Zunt Anzählen wird's reichen," und wollte sich entfernen. Korngrüu 'hatte die Koje vor der allgemeinen Neugsier abgeschlossen. Er widmete dem Borgüivg das ZnschanInteresse eines, der im Buch des Lebens das Kapitel Weib für immer abgeschlossen hat. ,Feine Sorge, Lieber," sagte er trösten^ ^baS P Be» trug. Aber ich löse uns schon aus." Eduard achtete seiner nicht. Er sprang vor die Gardine, versperrte PaZgröittas Weg, des letzten Restes von Behevrschung iledig, den er trotz Weinwusch und Lustbegier noch festzuhalten tmstrinde gewesen war. ” , , „Wie viel verlangst du für die Nacht?" Ein Feuer, sengender, als das durch Atropin entfachte, flackerte aus ihren erweiterten Pupillen. ,Fans' mich los", schvie sie, „ist will weg aus dieser Schweinerei. Dorthin will ich, wo ich war, bis ich dem Mistkerl nachgelaiusen bin und Hab' mich mit ihm verludert und versoffen. Ich will zurück an ein richtiges Theater." ■ - Das Tuch fiel an die Erde, sie standen LeG an Leib. Ihre wilde, rote Mähne umflatterte sein Haar, er trank Len Wildgevuich, der ihren Gliedern entströmte. ,/S>o tvahr ich lebe, ich verschaffe es dir," er sah wt, seine Atemzüge leuchten, „ich habe eiinen Fremd, der ungeheuren Einfluß hat. .; Ein Stoß warf ihn taumelnd zur SM. „Ich pfeif auf deinen.Freund und >dein Versprechen. Du Kas'chperl, du elender Panak, das Hab' ich mir vom Anfang an doch Ärn'ken können^ daß du selbst n'ichts machen ■I U ~ie rangen miteinander. Er unterllag. , „Fch «will dir zeigen, wie ich spiele," schvie er ihr nach, schwang sich vom Scal aus auf das Podium, seßte, ohne sie zu stimmen^ die Geige an das Kinn. Es war di« gleiche, schwer zugängliche Sonate, die er zum zweiten Mate auf nicht vollwertiger Violine spielte. Der ihre Saiten strich, irar ein audever gewochen. Tier und Gottheit peitschten ihn voran. 'Trübster«Bodensatz foer Sinnlichkeit gischtete in ihre - feinste Sublimiieriüng. Nie« diiigstes schürte die Fkaninten der Exstase. Der Traum gab ihm zuweilen solche feiltänzevif che UeberwinÄung aller Schwierigkeit. Dem Widerspruch war er entrückt, den hinter «hm ein feister,^ südländisch - anMrtender Mann durch Worte u>Ud Gebärden gegen den Einbruch in, d»rs Pro-, graanm erhob. Bald wurde er auch nicht unterbrochen: Das Publikum, zuerst ungehalten, M ihm au Stelle über, wüvzter Zweideutigkeiten..-die Amstveftgung > zugemutet wurde, fich.Ernlstom Wzugeben, sing an,'Hm Ausmerksämkeiit zu schenken Wie von Eingebung geteM, schaltete er UtwerstäMichkeit aus, beschränkte sich auf die Wiedergabe des Stürmiischen -und Molodiösen. Es gelang,! die empfind-' losen Hörer zu erwärmen. Jpt letzten. Satz ^zevvich er'die Einheit seiner Schöpfung durch Einfügung nationaler Tänze. Das Mavschlied ilschechischen Soldaten sang - dre Vevsam.mlu!Ng mit: „Als ich vom Hvadschin mavschtevt bin, — Hab' ich mir an weinte. Mützen — Eine weiße Blume angesteckt." t . ' Durch Menschen, die ihm -Beifall klatschten, Zugabe verengten, ihn umringten, i drängte er, ' sich «durch. Dampfend, rüeselnd, bis zum tletzten Twpfech,Blutes erschöpft, ließ er sich von Korngvün schallend auf beide Wangen küssen. „Triumph, TviumiP'h!" . i ' . Einer der verschlossenen Flaschen -schlug er den Hals ab, goß den Ehampagner in sich hinsin.: . )>, ' .„Hat Pasquitta mich Mhört?"^ . - ,Miene subito, la siguorinä. Ehangiert UW DöiteW sür nächste pvodugione." . . '; .. Der Gegner von vorhin, der feiste, .MläMsch anmutende Mann,. stand int Innern der Kabine. „Eavaliere Emanuele Eolleti" stellte er sich vor. „Dipsttov^ der Bar internationale, i,mpressarion> bekannt in ' gaüzer WM Mollti attesti von berühmte Künstler, die perhänken mir moltissimo. fucesso. Intimus von Caruso, Duzfreumd von Puceinii" 'In einer schmutzigen Brieftasche kramte er nach Veweisstückon, ohne sie zu finden, was ihn nicht hinderte, seinen Wortschwall sortzusetze^ - (Forts, so^t.)

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