Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 2060 (12.11.1924)
- Date
- 1924-11-12
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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mr. zvoo Wien, Mlrm^ky wiener -.-»»rrfreTijicTTiofB* «r. yrm>i*im»eT iyz* Vene T Werte weiter mit bckmtLnden Kursgewinnen auS dem Verkehr gezogen wurden und aus diele Art weiter aus der Kurssteigerung des englischen Pfundes proifitierten. Zwar konnten sich die Ansangskuvse nicht bis zum Schlüsse halten, doch waren die AbschwächuiW'n im allgemeinen nur unbedeutend. Nach ftcstschling der ersten Kurse, die durchwegs höher waren, traten Kursschwankungen ein, ohne aber der Grundstimmung das feiste Gepräge zu nehmen. ES zeigte sich besonderes Interesse für ft e l t'e n a k t i e n, die ans ausländische Kaufaufträge hinauf sprunghaft in die Höhe gingen und, den HöchstkurS bis zum Börsenschluß bchiölten. Ungarische Werte, darunter auch Salgo, bröMli>rn etwas auf Abgiaioen der mMri'lchen Avbkv'ge ab. Im Schranken waren überwiegend höhere Taxationen, die auf das Interesse für Kulissenwerte znrückznfi'chren waren. , Im engem Rahmen pisste sich der weitere Beukchr bei Prvisverschiebungen äb. Auch die Schvaukenwerte waren diesen Schwankungen unterworfen, ohne aber bedeutende Form anzunchmen. Bemerkenswert war das rege Interesse für Erdölaktien, die mit dem Pluszeichen aufgezogen wurden und erst nach langer Zeit mit 8000 K. taxiert werden konnten. Infolge der bevorstehenden Unteübrechnna deS BevkchrS durch den Nationalfeiertag flaute die Güschäftsllust langsam ab. Die fortgesetzten Abgaben aus Budapest führten zu einer weiteren Abfchwächunq, ohne ober den Bevkchr bedeutend m beeinflussen. Nicht einheitlich war der Bevkohr ans dem Amagomavkt. Bon den Exoten notierten: Mra-znica 40.501 bis 44.000, Tepog« 35.000 bis 38.000, Universal« 16.000 bis. 16.500. Ausländische Börse«. ..Eigrndie-nft der „Wiener Morgenzeitunq".) Prag, Infolge geringen Warewanbotes evöffnete die Börse;ziemllich fest, da das vorhandene Material sofort auS dem Verkehr gezogen wurde. Der Verkehr erreichte keinen größeren Umfang. Auf die Nachrichten über die ungleichmäßige Haltung der Wiener Börse bröckelten die Kurse etwas ab. Die Schllußkurse verrieten eine feste Grundtendenz der Börse. Budapest. Aus große Auslandskäufe hin eröffnet« die Borge fest. Die Steigerung konnte sich aber nicht bis zum Schm sie halten, da Lchvaibgaben van feiten der Koniermine ajitib Gvwrnstveal>lsationen die Anfa.wgsnotierumgrn Herabsekten. Berlin. Mit Rücksicht auf die BerbMiguma der Börlsenumfabsteuer war auch die Börse fast. Ausilads- und PnÄikumSkäUfe führten M bedeutenden Kurssteigerungen, die besonders den Mowt>a>"iw-erl>rn zugute kamen. Der Reniier'inm-rkt und die IMlstriewerte schlossen durchwegs mit Kursbefeftignngen. - Ae Levilenkurle. Zürich. 11. November. (Devisenkurse von 12 Uhr. Bon ker Schweizerischen Kreditanstalt mttaetrilte Mtttelkurse.) Berlin pro Billion 1.235 <1.23»/,), Holland 207.50 (207.37»/,,. Rew-Bork 819.- ,519.-' London 24.- (23.88). Bari« 27.40 <27.27), Mailand 2242 <22.30), Brüssel 25.10 (24.90-, Kovenhagen 91.5" (91.12). Stockholm 139.50 (139.60-, Ebristionta 77.- (76.50), Madrid 70.25 <70.30,, Buenos Aires 195.- <194.60), Prag 15,45 (15.45-, Budavest 0.006930 (0.0069»/,), Bukarest 2.90 (2.90 j, Belgrad 7.50 ,7.50), Sofia 3.7b (3.82»/,>. Warschau 99 75 (100.-), Wien 0.007310 < 0.0079). %*afl» 11. November. «Devisenkurse. — Mitgeteilt vom Bankamte de» Ud’cci o*flotoa!tfäieit Finanzministeriums.) — Berlin*) 8.09'/. ,8.09’/.,, Zürich 655.- (655.-), Paris» 179.12 d69.12»/a. London 15705 (156.30-, Netv-Pork 33.95 (33.95), Betarad 49.05 (49.20), Bukarest 18.87»/, (18.87»/,-, Wien 4.70»// (4.69»/,). Warschau +V 652.50 (652.-), Agram —(—.—), Budapest 4.33^/, (4.31»/,), Jugoslawische 48.85 (48.67»/,), Lösterreichische gestempelte Streite 4.70»/, (4.70), Polnische f) 651.50 (651.25), Ungarische 4.31 (4.30). *) per Billion. +) für 100 polnische Gulden. Warschau, 11. November. (Devisen.) Berlin—.— Bis—.— London 29.88 bis 24.12. Aew-Aork 516 bis 521. Prag 15.48 bis 16.62. Wien 7.28 bis 7.35. 'jmsmmmv. r-y- - e Fußball. Die hsuttgen Spiese. Das Programm des heutigen Talges ist ein sehr reich, haltiges. Neben zwei Meisterschaftsspielen und einem inUrnationalen Treffen finden zahlreiche Freundschasisspiiele statt. Ein schwerer Gefecht hat die Hakoah heute um 2 Uhr nachmittags auf dem Hertya- Play gegen Rndolfshügel zu bestehen. Die Krieauer werden dabei mit folgender Mannschaft antretcn: Fabian; Scheuer, Goid; Fried, Wegn.n, Pollak; Heß, Schwarz, Häusler, Eisenhoffer, Katz. Die Favori'ener stehen in der Meisterschaflstabelle an letzter Stell« und werden sich sicherlich bemühen, be-de Punkte nach Hanse zu bringen. Die Hakoch ist sich dessen bewußt, daß der Sportklub Rudolsshügcl durch seine Hätte und rücksichtslos« Spielweise sehr schwer zu bezwingen ist. Ihm ist nur durch ruhiges und überlegtes Zufammenfpiel beizukommen. Wenn die Krieauer auch sicherlich den weit besseren Fußball spielen, so werden sie doch Mühe haben, den für sie so überaus notwendigen Sieg zu -erringen. Schiedsrichter Wancura. Ebenfalls zur Meisterschaft zählt daS Treffen Slovan gegen Vienna, das heute mn 10 Uhr vormittags auf dem Sim« mcringer-Platz zur Austragung gelangt. Die Vienna hat die günstigeren Siegesaussichten. Schiedsrichter Fritz. Gegen die Sparta spielt heute um viertel 8 Uhr in Ober-St. Beit der Wiener Amateursportverein. Der Tschechenmeister hat durch di« Mitwirkung DworavekS viel gewonnen, so daß die Wiener «inen sehr schweren Strauß zu bestreiten haben werden. Schicosrichtrr Werner. LLevE-AL»» Quellenstraße 24a. Straßenbahn: 15,6,67 bis Gellertplatz Heute Mittwoch, den 12. November 1924 (Feiertag) 2 Uhr Meisterschaft 2 Uhr Mord-".A! Vorher die Reserve» Freundschaftsspiese. Rapid—Listmark (Rapid.Platz. viertel 8 Uhr, Ganzer), Sportklub—W. A. F. (Sportklub-Platz, 2 Uhr, Krejci), W. A. C.—Hertha (Hertha-Platz, 10 Uhr, Lop ater), Admira—Mariental (Admira-Platz, 2 Uhr). Straf» und Meldeausschuft, Ginge ft elltes Verfahren. Gagen Kadimah wogen Aufstellung unberechtigter Spieler gogen Hechcrwer und Maikkaibi; Gpioler berechtigt. In Geldstrafe wurde genommen: Hechawer mit 25.000 K. wegen mutwMiger Anzeige gegem Kadimah. SPORTHAUS DOKTOR & C9 WIEN, VIII. ALSERSTRASSE 11 ORWEGER -SKI •anzOqb -RUCKS AC K E TELEPHON Np. 20-1-82 Das Leichenbegängnis NeidlinaerS. Geftem fand dss ÄöichenIbegä'NgmS des daiim Fuhibalstpiel^ deMnMckten Mitaliodes des SpontkliuibS Admira. Kcwl Neid linger, statt, das sich zu einer Mrposanchen Tvaueafoier gesta-Mete. Es halten sich sicht säimiliich« bekannten Wiener Spiaber oinigafuinden. Ein« nach Dcvuisenden Wählende Menfchemnenige gaib dam Berffdoribonen 'daö Gell eitle. Pvälsident Deutsch und Grünfeld von der Spielleounion histten dem V-eüstoribEn diof em-pfuNdone Nachrufe. Wisla, Meister von Krakan. Sonntag golangton die Schlnßvmwen in der Meifteoschaft von Krakau zur Austragung, und ztvar: Iuirzenka—Olfza 3:0 (3:0), Cvakowia—WawÄ 4:0 '(*2:0). Durch di ose Resultate klastisizierten sich für di« ersten drei Plätze in der Meisterschaft von Kraivau nachstchende Vereine: 1. Wisla, 2. Intrzenka, 3. Cvakowia. — Lemberg. Paigon-—Hasmonea 3:0; Csarni—-Lechia 2:0. — Warschau. Repräsentativols von Posen—Repräsentativ elf von Warschau 2 :0 (2 :0). Rorddentschkand schlagt Westdeutschland 3:2. In der Futz- . balltzw'ischenvuNde um 'den BundespoÜcül 'siegte Norlddmtschllaind gegen Westdentschiand 3:2. ' Leichtathlettk. ' Rener Weltrekord lm Stabhochsprung. Ein neuer Welt» velkord im Stalbihochspvung wurde in T o k s o von dem amerikani. scheu Leichtathleten Ralph Spearow aulfgostellt. der 4^ Meter glatt Lberspvanig. Satin de Me reine Seide 86 cm breit Wll M.LAOieR«ASSE-S Nr 762JS* STOfFE C opyrijrht 1924 by Nachdruck verdüten. Deutsche BertagSansiatt, Stuttgart. N. Fort>etzung, Tie Stadt an der Moldau. Roman. Von Auguste Hanschner. „Ohne Taktvorzeichmmg wicht wahr? Aiowail. D-Dur- Akkorde, „Rontantik ist immer Dur", sagte.Hagestolz, „die aber enharmonifch nach B-Moll herüber iwechfött. Das Moll, lächelte er trübe,,-liegt mir einmal im Blnt. Dynamische Steigerung vor dem Zusamenbvechen..." , Der Russe riet, -in viafe auf;ilsnch/n. um t'c E ng bung gleich festzuhalten. Eine uvlk'nbrnch.'M g? Eurl'.rnnz: Zwang beide unter einen Torweg, von dem aus, einem Enggleich, ein langer Gang, an unregelmäßig geformten Höfen, TreppenbäU'sern, vierstöckigen Gebäuden vorüber, Zuim jenfeirigen Ende lief in das Innere einer alten Straße. In Gd'u>ard erwachten Ermnlevungen dieir Jugend mit allen Ncbenschwingungen von Lust und Unlust. Er hing sich in den Arm des neu Ai.vou neuen Frvu-ndes. Der Zn>rückhaltendr, Scheuie schloß sich ohne Rückhalt aus, öffnete freunden Blicken seines Wesens veesLorgeNiste BeÄiieße. Er erklärte dem Zugersisten, solche Tunnels durchgusren alle StadtquartiLve. Sie a>usznspüven, sei von KmdeSbevNen an eine seiner liebsten Be.schäftignugen gewesen. Und eben dieses Haus habe er seiner Länge und der ManniigfailtigM feiner Darbiietuug>en wegen, am häufigsten ausgesucht. Er sprach von dom seltsamen Behagen, mit dem er, als Knabe, die zuweilen widrigen Gerüche eingeatmet hatte, Ai« aus den offenen Fluren und Geschäften strontten. In alle Scharrfenster habe er stundenlang. gestarrt und im Geist Besitzwünsche Lefviedigt. Südsrüchde eingebauft, Markensammlungen, Goldsischö, fvümdrttrige Muscheln, Bücher, Noten. „Meine Sp'arpfennlge habe ich zu d n Verkäuferinnen getragen. Sehen Stetste sitzen noch immer, trotz deS Sonntags, hier. Man könnte ummn, es sind noch die- , Lolben." I Schon verhandelte er mit einem alten Mütterchen, das beim Schein einer Unschlittkerze in einer kleinen Bretterbude hockte. Bor Hr, ans einem Tisch, waren Aepfel ausgehäufelt, gesärbte Znckevstvngen, Feigen, Datrtoln, Io'hannesbrot. Neben ihr bot ein Slowake Maroni feil. Eine Düte voll war schnell erstanden. ,-Schmecken sie wicht Prächtig," lachte Eduard kauend. In dom Wtnkol eines Höschens wies er auf einen offenen Schuppen, in dem sin zevbumpter Irvnge laig und fchlicf. Er schien beauftragt, sin halbes Dutzend Karren und Handwagen -a bewachen. -,Bei Tage tverden sie hinausgeschoben. Die Dienstmanner, denen sie damals gehörten, waren mir alle gut bekannt. Auf ihren Wagerln habe ich mich geschaukelt und habe Turnübungen gemacht, die Deichseln sind, meine Reitpferde gewesen, ich habe auf ihnen weite Reisen in fremde Weltteile unternomnren." Er gestand: Später, als das Weib seine Gedanken ganz beherrschte und Sehnsucht die Nahrung seiner Melodien >)var, hätten ihn die stets in Halbdunkel gehüllten Absätze der Stiegen am heftigsten erregt. Seidene Röcke habe er über die abgetretenen Stiegen rauschen hören, zärtliche Unrschlingnugen iht Schatten von Mauervorsprungen gewittert, Liebespärchen über die Steine offener Galerien, die in den Stockwerken um die Hintevwände liefen, huschen Und in IiMmertüren verschwinden sehen. Mt jähem Griff faßte er nach dem Gefährten. „Wahrhaftig, da ist es auch noch immer, das verrufene Lokal." . . Er bekannte auch das Letzte. Wie ihm der Herzschlag gestockt hatte und die Zunge im Gaumen ausgetrocknet war, vor der roten Lüllnpe, Vi-e zu verbotenen Genüssen lockte. „Und wie ich zum erstenmal hineingegangen bin . . ." er unterbrach sich, „aber jetzt haben sie ein Variete international daraus gemacht." . Wie in den Boden eingewurzelt begaffte er das Plakat, das in französischer und tschechischer Sprache erstklassige Artistenleistlmgen versprach. „Letztes Auftreten der schönen Andalusierin Pasquitta". Das Konterfei der Diva darunter, eine rothaarige, üppige Person in herausfordernder Stellung. Korngrün sagte: ,^Internationaler Besitz mag das Fvauenzinimor sein." Eduard antwortete: „Gehen wir hinein." Ihn überwältigte die Unmöglichkeit, diesen Abend in bürgerlicher Weise zu beschließen. Unvermittelt schlug seine Stimmung um, verlangte Tollheit, Taumel eines Abenteuers. Er drückte die Klinke an der Glastür nieder, deren Scheiben ein orientMsches Tuch verhängte. Unter der Schwelle des Buwußtseins dämmerte ihm die Vorstellung von großem Neichium, den er in der Seitentasche trug. LS. Bar international. Holzwände teilen ein viereckiges Zimmer in Kojen ein. Vor einigen sind die verschmutzten türkischen Gardinen zugezogen, andere, zu der friihen Nachtstunde noch unbenützt, bieten den Anblick abgesessener Ditvans, mit verschossenem roten Plüsch bezogen. Ueber ihnen blind gewordene Spiegel, vor ihnen Zinktischchen, die durch den Anstrich Vortäuschen, Marmorstein zu sein. Rotderhüllte Ampeln warien darauf, Liebesspiele zu beleuchten. Die Mitte des Raumes, besetzt mit kleinen, rotlackierten Stühlen, ist für Besucher bestimmt, die sich mit der BarietevorstelluniZ begnügen. Auf Pappe roh hingetnnchte nacktss Nymphen umrahmen die etwas erhöhte kleine Bühne, ihr gegenüber steht der Schenktisch, bestellt mit kalten Speisen^, Weinen und Likören. Kellnerinnen, mit nach oben und nach unten verkürzten stilwidrigen Nationaltrachten, versehen die Bedienung und leisten den Verzehrenden Gesellschaft, wobei sie meist genötigt sind, die Knie der Männer als Sitzgelegenheiten zu benützen. Durch den dicken Rauch der Zigaretten zwängen sich Moschus» und Patschoulidüfte. Kreischen, Lachen, Schwatzen übertönen fast die Unanständigkeiten, die ein junger Bursch, den Zylmderhut schief auf den ins Gesicht gekämmten, eingeölten Locken, in abgetragenem Gesellschaftsanzug, Lebemann markierend, auf dem Podium zum besten gibt. (ftortsetzuna folgt.) ^^-C