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Wiener Morgenzeitung · 1924-11-11 · Heft 2059 (11.11.1924) · p. Seite 7

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 2059 (11.11.1924)
Date
1924-11-11
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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eenen, aroeicgmu der »Wiener 53 Morgerizeltrmg" Zur Sprinftmeifterschaft vou Oesterreich. Die Einsprache der Vienna argen die Zuerlennung des Meistertitels an den Hakoahner Arnold. Der Sportlehrer der Hakoah. Gleitzne r, richtete an den Präfidente-n des Schaumnnv-evbandes ein Schreiben, das wir im fobflenden auszngsioeife wiedergelben: „Um den MeistervitÄ stritten Arnold, Schneider und Neunkirchon. Schneider erhielte 92 und ArnM 96 Punkte. Nennkirchen nur ungofähr '65 Punkte. Aus der kleinen Differenz der beiden Ersten erkennt man, daß zwei fast gleichwertige Springer den Kamps unter sich anstrugen. Wer soll unter gleichwevtigm Kämpfern jedoch Meister werden? Sicherlich nicht derjenige, der durch Glück und frauMiche MichWe der Kampfrichter das Rennen machen könnte, sntdern derjenige, der in sorgfältigster Weise sich für den Kampf um den Meistertitel vorbereitet hat, alle Nachlässigkeiten und Tricks vermeidet, so daß auch die Vorarbeiten meistevhaift genannt werden können. Der Springer Schneider hat im Wettkampf einen in Oesterreich nicht zngelasfenen Sprung ansgsführt. Arvstatt daß das Kampfgericht diesen Sprung Pflichtgemäß ohne weiteres mit Null bewertet hätte, wurde die darausfallende Wertung mit 7 Punkten ruhig mitgerechnet. Die Bvstvmmnngen in den WoMaurpfrogeln, Seite 87, Wertungssätze, lauten: „Es wird bewertet mit Null »ein falscher Sprung." Diese Wertung von 7 Punkten hätte also gar nicht in das Resultat ausgenommen werden dürfen. Erst nach dieser Pflichtverletzung des Kampfgerichtes hat die Hakoah einen Einspmch eirMreicht. Die grobe Beleidigung, dadurch ein^ UnsporKichkeit begangen zu haben, muß ganz entschieden zurückgewissen werden. Die Bekanntgabe des Sprunges erfolgte' erst, nachdem Schneider bereits zur Ausführung des Sprunges das Brett betreten hatte. Wenn sich mir als Trainer des jetzigen Meisters Arnold im Augenblick der Bekanntgabe des Sprunges der Gedanke ausdrängte, daß der Sprung unzulässig fei, so ist es doch nicht möglich, daß ich den. auf dem Brett - stehenden Springer darauf ausurerHam machen kann,, weil ich mich der Gefahr einer Blamage unter keinen. Umständen cmssetzen kann, wenn sich meine Vermutung Äs'falsch erweisen sollte.-Die Vorberettungen waren jedoch derartig sorgfältig getrosten, daß innerhalb' des Zeitraumes, in der das Resultat des Sprunges ausgerechnet wurde, die Richtigkeit sämtlicher Sprünge nachgepvüft werden konnte, so daß der Einspruch rechtzeitig erfolgte. Der Vorwurf, daß nur die Hakoah gewußt hätte, daß der.SpwMg umncläss'ig wäre, ist unberechtigt, weil auch der Kriean-er Verein davon keme Ahnung hatte. Der. .laitldfremde Trainer allein wußte in den Bestimmungen Bescheid. ' .. D.ie. Pienna hat nun fristgemäß gegen die erfolgte Ent. scheidnug des Vevbandsfchwiinmwa rt es, daß die erzielten 7 Muhte in Abzug zu bringen .sind und Arnold dadurch einen Dousprung' von 5 Punkten erreicht, Protest erhoben. In die- Protestlschreiben beansprucht die Pienua, daß man Schnei, r,daraus, hätte ausrnerksam mächÄi/Mssen, um einen <m* berat Sprung ausführen zu können.' Zu wngtrnsten der Mitbeiverber soll die Nachlässigkeit eines Starters in einem Moistevwettbewerb durch die Kampfrichter behoben werden. Die logische Folge wäre natürlich ern Protest der Hakoah ge- Wesen, Werl die Bsstimlmmngenklar und, deutlich lautem: ^Zür ditz richtige Auswahl und Einreichung der Sprünge ist der Bewerber selbst verantwortlich," Vorher heißt es: „Die Kürsprünge müssen spätestens eine Stunde vor Beginn des Wettkampfes schriftlich eingereicht sein." Es besteht also gar nicht die Möglichkeit, ohne Verletzung der Wettkampfregeln dem Springer von einem Sprung abzuraten. Ueverdies heißt es in den Wettkanrpfregeln aus Seite 82, Absatz f: „Sprünge, die nicht im Sprungverzeichnis angegeben sind, dürfen bei Wett» kämpfen nicht ausgeführt werden." In dem Protestschreiben der Vienna wird auch die Be. hauptung ausgestellt, daß die Springer die Sprünge nicht vor« «Steuer MorAerizektrmK. her schriftlich eingereicht hätten. Schneider hätte seine Sprünge zur Hand gehabt, es habe sich jedoch niemand darum gekümmert. Daß sich niemand darum gekümmert habe, ist wohl der Gipfel der Naivität. Die Wahrheit liegt aber ganz anders. Der Springer Schneider wurde bei Beginn der Veranstaltung vonmoinem Gewährsmann gefragt, was er für Kürsprünge mache. Die Antwort darauf war, daß er es noch nicht wisse. Es hänge davon ab, welche Psosteusprünge ansgelost wü-den. Schneider hat also den beliebten Trick, die Sprünge absichtlich nicht einzureichen, gebraucht, um nachher die ihm genehmen Sprünge bequem auSsüchen zu können. Daraus gcht hervor, wer solche nachträglich eingereichte Sprunge entgegen-nimmt, begeht einen Betrug an den änderen Konkurrenten. Daß Schneider diesen Trick absichtlich angewendet hat, zeugt von falscher sportlicher Anffassnuq. Auch Neunikirchen hat kvine Sprünge eingereicht, und hat kurz vor Beginn des Springens die Anwesenden noch solidst darauf aufmerksam gemacht. Beide wären also auf Grund der Bestim. mungen nicht einmal startberechtig-t gewesen. Nur von Arnold allein sind die Sprünge in maschinengeschriebener Form, also in sorgfältiger Vorbereitung, Vorgelegen. Was das gegenüber der Konkurrenz bedeutet, mochte ich hier ganz kurz beleuchten. Außer den 6 Pflichtwerden noch 5 Pfosten- und 5 Kürsprünge verlangt. Die 6 Pfostensprunge werden aus verschiedeneu Gruppen .ausgeklost. Weiß der Springer vorher, welche ausgelosten Sprünge er anszufnhren hat, dann ist es eine Kleinigkeit, sich die restlichen 6 Kürsprünge nach Belieben herausznsuchen. Bei rechtzeitiger Abgabe der Kürsprünge ist dieser verbotene Vorteil unmöglich. Dadurch werden die Springer gelungen. die ganze Sprungtabelle planmäßig durchzu übe n. Warum? Den Meistertitel soll nur ein wirklicher Meister erhalten. Deshalb wird mich gelost. Wer Mo nicht die ganze Sprungtaibelle durchgeübt hat und sie nicht völlig beherrscht, hat im Kampfe nm die Meistershast keine Siegesaussicht. Ein deutlicher Beweis dafür, daß Schneider nicht alle Sprünge durchgeübt hat, ist, daß er bei den Pflicht- und 'Kürsprüngen eine Kleinigkeit wehr als Arnold erzielte, Arnold sedoch bei den gelosten Pfostensprüngen klar überlegen war. Ich bin gerne bereit, die Zusammenstellung dieses Resultates Mr Verfügung zu stellen. Wenn Sie, geehrter Herr Präsident, sich die Unkorrekt, heilen Schneiders vor Augen halten, dann werden Sie von einer Unsportlichkeit nicht mehr rüden, wenn verlangt wird, daß der falsche Sprung mit Null gewertet wird. Nun Mr juristischen Seite der SPringmeisteNschafteu. Es wird die Behauptung aufgestellt, daß .. der von Schneider ausgeiführte Sprung zulässig war. Auf was stutzt sich diese Behauptung? 1. Arvf die Ansicht des Herrn Glaser am Tage der Meisterschaft. 2. Ans die Tatsache, daß der Verband, zur Springmeisterschaft der Damen einen Sprung ausgeschrieben hat, der die gleichen Merkmale aufweift, wie der von Schneider ausgeführte Sprung. Die Ansicht des Herrn Glaser ist unmaßgeblich. Warum? Weil nur die allen Bewerbern zugängliche Wettkampsbestimmiiung allein maßgebend ist. Mm wird auch behauptet, daß nachträgliche Beschlüsse diese Regeln abgeändert hätten. Mir als Freunden ist das vorher nicht bekannt gewesen; doch habe ich mich der Mühe unterzegen und erbat Mir von der Verbandsigsschäftsstelle das Protokoll des betreffenden Verbandstages, an dem die von Herrn Glaser beantragten AbäüderuiMN angenommen wurden, Zwar erhielt ich nicht das Protokoll zur Einsicht, sondern die Auskunft, daß diese Anträge damals ohne besondere Lesung tot ganzen angenommen' worden sind. Die damals im Amisorgan bÄlanntgemachten Anträge habe ich - daraufhin einer sorgfäliigen Prüfung unterzogen und festgüstellt, daß absolut kein Anhaltspunkt dafür vorhanden ist. daß' der Sprung güilt.i g sei. * . t Was hpn zweiten Grund betrifft, daß der Verband tn der Ausschreibung zur Damenfp ringmeisterschast «inen ähnlichen Sprung ausgeschrieben hat, so ist dies für die Beurteilung der Sachlage gänzlich nebensächlich, woil dies ein Fall ganz; für sich ist. .. . Also auch born rein juristischen Standpunkt aus i^t kewerlei Handhaibe vorhanden, um dem Protest der Vienna stattzugSbeii. Der Protest muß aber auch schon aus. formalen. Gründen abgewiesen werden, weil die WettkaniPfregÄ unter § 17, Seite 46, Absatz a, 3. Zeile, besagt: „Er (der Schiedsrichter) trifft bei Einbruch nach Anhörung der in Betracht kommenden Kampfwarte und Beteiligten sofort seine Entscheidung, welche unanfechtbar ist, falls sie nicht gegen die bestehenden Wettkampfregeln verstößt. n November 1924 Seite 7 Was nun das Gutachten der Herren Glaser und Kollner betrifft, so besteht darüber gar kein Zweifel, daß ihr Urteil völlig bedeutungslos ist. Sie können weder beweisen, daß der Sprung zulässig ist, noch haben sie das Recht, geltend? Bestimmungen zu verdrehen. Daß der Bevband österreichischer Schwimmvereine gegen daS Recht verstoßen wird, dürfte doch unwahrscheinlich sein, denn für jeden nur ha'bwvgs normal denken Menschen wiivde dies keinen Rechtsspruch, sondern eine Partsisnstiz darstellen. Sportlshrer Heinrich G l e i ß n e r Eine Unverfrorenheit. Der VoslaMr Sportklub und die Hakoah halten tot vergangenen Sommer ein Wettspiel vereiuiöaiät, das in Bösllau zur' AustnaAmg hätte kommen sollen. Die Hakoah verpflichtete fick, ihre Reservomannschas-t, verstärkt durch nnlbeischäfiigte Spieiler der ersten Mannschaft, zu enilsenden. Ms Gegenleistung hatten die Vöslauer sine Entlf-chädiioung von 666.669 ~ einer trugen so >daß nicht nuehr Spieler der ersten Garnitur nach Bössau dtoi,giert werden,konnten. Der Vöslauer SporMiüd hotte durch FluWettel angokünd-igt, daß die Hakoah iX>rc kontpletit-e M>aunschiaift steAien werde. Da dies nicht zutras, vevVoMr'e der M'ibvräsidrmt entigsgen den u-rprünglichen schr-istllichett Abntach'''Utgni die Auszabluina der FahrtenitschädiWitg, wcshu>'!h die Wiener Mn Sp»!Ä nicht antraten u>nd nach Haufe fuhren. Lct-tere Wien mm, rechtlich die verwoigevte Gntischädigunig beauifpr'llchen können. Sie taten dies nicht und ließen die Sache ans sich -beruhen. Der Vöslauer Sportklub, der offensichtlich den Vertrag -gübrvchen hatte, war so unverfroren, >geg:n die Wiener Hakoah beim Nüedrrösterreichischen Filßballvertbänd die Anzeige M erstatten. Der Landesverband leitete die Beschwerde an den' Wiemer Dußballvevbaud weiter. In der gsstrigen Sihu-ng des W. F. 33. wurde einstimmig fesigelsteM, 'daß die Ha-koah den VevbMg voll und ganz «mgohailten halbe, demgemäß -kein Gvu>nd zum Einschreiten dorihanden sei. Wenn es in diesem Srrui>^ll einen Geschädigten geben sollte, dann kann dies nur die Hakoah sein. Ein diesloezüolli^ches Schreiben wird vonr W. F. B. an best N. F. V. gerichtet werden. Schiedsrichterbesetzuug für morgen. Sparta—Amateure: Amateur-Platz, Wagner. Rudolfshügel—Hakoah, Meisterschaft: Hertha-Platz, Wanischura. Slovan—Vienna,' : Simmeetoger-Platz, 10 Uhr vormittags, Fritz. F. A. C.— Hertha: Hertha-Platz, 10 Uhr vormittags Stotvasfer. Rapid— Ostmark: Rapid-Platz, Gangel. Für die beiden Spiele Sportklub—W. A. C. und Admira—Mariental sind noch keine Schiedsrichter nominiert. Das Leichenbegängnis Karl Neidlingers findet heute um haW 4 Ahr nachmittags vom Trauerhaufe. 21. Bez., Pta>aerstraße 82, aus statt. Das Präsidium der Spielerumon fordert sämtliche Wiener Fußballer auf, dem verstorbenen Kanteraden die letzte Ehre zu erweisen. Der Länderkampf Schweden gegen Tirol sindet morgen in - Innsbruck statt. Die Schweden haben heute um halb 5 Uhr früh mit Kraftwagen in Begleitung der Herren Hugo Meisl, Retschury und Falk vo-ni Hotel Imperial die Reise angetreten. Die Schweden begeben sich vorerst nach Salzburg wo die deutschen Bahnen bis' Kufstein benützt werden. Bon Kufstein fahren , sie wieder mit Kra-ftwageil nach Innsbruck. Direktor Pfeiffer, der in der letzten Sitzung des W. F. V. im Namen des Spjelausschusses der -ersten 'Nichtamat-vuruasse ein Referatüber Unfallversicherungerstattete, fühlte sich durch den vom Präsidenten Deutsch geovauchten Ausdruck „Zynismus" beleidigt. Der Spielausschuß verlangte nun für seinen Referenten Genugtuung. Präsident 'Deutsch erklärte, daß er Direktor Pfeisser nicht beleidigen wollte. Hoffentlich ist diese Angelegenheit damit erledigt. . Der Wiener Futzballverband bewilligte den Hinierbliebenen von KaÄ Neidlinger «men Betrag von 30- Millionen Kronen. , s ' ' ' Die Spieler wilrden vom W. F. V. wie folgt-versichert: Todesfall'36 Millionen Kronen, dauernde Invalidität '50 Millionen Kronen, bei'Verletzungen, die sich länger'als'sieben Tage geltend machen, vom Tage des Unfalles täglich 20.000 Kronen. Hagibor (Prag) hat mit dem Bau seiner neuen Sportanlage bereits begonnen. Die schwedische Mannschaft dürfte am 12. d. auf der Durchreise in Innsbruck gegen eine Städtemannschast antreten. Copyright 1924 by Deutsche BeriagSanstalt, Stuttgart. Nachdruck verbot»». 32. Fortsetzutlg, Ae Stadt an der Moldau. 7k o m an. Bon Auguste Hauschner. , Ungt es mir, zu Ihnen zn gebrrvgen, Meister. Sie waren intmer wntlwge-vt." Verblüfft betrachfeie der Musiker des Sprechers mongolisch geschnAenes Gesicht, in dessen rabenschwarzom Bart nrck» HaarwM» ein schmaler Streifen gelber Haut Md schieMhewde Mrtzonde Augen fast verschwanden. . „Ihr Werk hat mich kolossal gesesiel'^ Es erinnert mich im Stil an 'die Ausdvucks'weis'e Bevsvns, eines nuferer dielv>er>spvechendsten Talentze. Sein Name ist 'Ihnen gowütz ibekaunt?" Eduard schüttelte Len KM verneinonid. Mihtrauen wnd Genugtuung lag irr chm im Streit. Er 'wußte keine Erwidemitg zu finden. Der Fremde, das Schweigen alls Zurückhaltung Äsutenld, fuhr eifrig fort: „In allen Punkten bin ich zwar nicht mit Ihnen einvierstanden. Sre sind zuiwerlen noch zu sehr an die Ueberlieferung gebunden, namentlich im ersten Satz, an hergebrachte .Formen. Aber was für chundervoVe Farben in den Kol N id-re-Bariationeu, zum Beispiel hier in der dritten mit dem Motto: „Md der Ewige sprach: Ich habe vergeben nach deinem Worte." -Dvö Neiuer-ung, das Eintreten der Tonika bis zum Ende hinauGuzicheip, und dex Einfall des übcvmößiM.MuenaMordS,. der wie «i-ne Traniem die Schwermut des Themas fällte Der kontvapunktifch« Äwfbau des Finale..er zog 'das.' Mm-ufkript unter-Eduards Arm hervor -und durchhlchterte die Setten« Ein vorbeitanz-endes Paar-riß eS vhm.- beiNache aus den Händen. Verächtlich lachte er. „Hier ist lvin Ort für KutniftbcirachbiMg. Wennes -Ihnen recht ist, suchen wir ein Febignewre's Lokal für jeine llntorhaltimg zwischen Menschen von Bildung und Geschmack." Ein Diener, der den Gästen im Vorziimmer in die Aeberzieher half, reichte Eduard ein geschlossenes Kuvert. „Eine Empfehlung vom gnädigen Herrn." Der Dunkle sag>de: „Dank vom Hause Krommer." Der Bsschenkte schwankte so lange sich zu entscheiden, bis es ihm uüschickkich schien, zurückzu,n>ojsen. Beleidigt fte-ckte er den Umschlag vin und folgte einem Manne, desien Namen er nicht kannte, nur von ihm wußte: hier ist einer, der an mich glaubt. Wie lindernder Balsam legte sich diese Ern-pfinldung aus, die stets e-iterndert' .Wunden seiner SÄbstumzusri-eden-- heit. Ein Lhvonprätendent, dom man -die, Krone ans die Schläfen drückt, eine durch ein Lebensalter lechzende Erwartung, der man die schmerzensreiche Sehnsucht stillt. Im Haustor' stellte der Bärtige sich vor: ,^Dovnglrün mts Warschau. Eben den Schrecknissen eines Pvgronis «rot* ronnien." Spöttisch setzte er hinzu: „Entfernter Verwandter der Familie. Damm zu der, von Frau Therese sicher sehr unwillig zugebilligten Ehre zugelasien,' die' erlauchte Schwelle Dr. Martin Kvommers, alias Kohn, zu überschreiten. Und Sie?", wollte er wissen, ,M welchem Institut üben Sie-Ihre Tätigkeit?" Edilard hatte, ausstoigende Bitterkeit zu-überw-mden. ,^Bi's vor kurzem in 'der Tischllerwerkstatt meines Paters. Bin aber jetzt zum Bankbeamten avanoiert." Korrogrüns Ausruf -der Entrüstung tat ihm Wohl. Er. zweifelte nicht, einen schaffeiiden Künstler vor sich zu haben. „Nur erne-n ansübenden, leider. Wenn Sie überhaupt gen-eigt sind, den Gesang -erncs Kantors i-n.der Synagoge Kunst zu nennen. Aber , ich habe eine -frenetische Liebe'zur Musik und eine mächtige Hochachturog vor.jedem, den sie auserwählt." Unbesch'rmt gingen sie unter herabströmendem Kegen, stießen im Eifer aneinander, blieben Mil Asrger' der Vorbeigeherodeu zutreilen itcfjcit, um einandec an den Rockknopsen zu fassen, sprachen gleichzeitig-,,ohne daß einer des anderen-Worte hörte, stritten um Grundsätze und Werte.' Der Russe ließ keinen geltetk neben Bach. „Ein Ewiger, Jehovas Stcllv>rt?eter. In seiner großen Mesie hat er das Universum noch einmal erschaffcri." Eduards schwärtnerischem Bekemitnis zu Beethoven und Mozart stimmte er nur bedingungsweise zu. ,Deethoven. Gewiß. Auch ihm ist der Herr im feurigen Dornbusch erschienen. Mozarts himml'sche Heiterkeit .- . . ich weiß ... ich weiß . . . sie ist auch aus Lc:d geboren... ist mir verschlossen. Abw wenn das Dramatische Sie reizt, sind Sie zu Opern berufen." Er entlockte dem Ausgervühlten das selbst vor dem getreuen Jakob streng behütete Geheimnis: er habe ein Frag- ' ment in seinem Schubfach liegen. Den Versuch einer Vertonung der Wahlverwaudtschlsten von Goethe." „Mer das TeMuch taugt nichts. Ich habe es mir selbst; zusammenges chlagen." „Meiner Ansicht nach," entschied der Fremde, „ein Vorwurf zu episch für Ihre Gaben. Ihre Kraft schreit nach expressionistischen Akzenten." Er rühmte ihm emcn Stofs mit dem er sich selbst lange beschäftigt hatte. Mazeppa, polnischer Köttigspage, in ehebrecherischem Verkehr mit seiner Edeldame vom betrogenen Ehemann überrascht, nackt auf ein wildes Pferd gebunden und in »ie Wüsterori gejagr. In der Ukra.ne von einer jungen Bäuerin ausgesunden, gesrmd gepflegt, geliebt, von Kosakenvölk-;um Hauptmann ausgcriisen, Sieger tn Türkenkriegen, gestürzt, verbannt, elend gestorben. „Ein Stoff stro^'-nd vor Reichtum. Wenn auck: der gwße Orchestermaker Liszt nichts daraus heransgeholt hat als'einen dekowtiven Sketch." Er begann das--Szenarium aufzureißen: Glanz des Hofes, schwüles Lieh es buh'rn. der Todesrüt ... ,^>ören Sie die Rhythmen, in denen die Hufe klavrcrn, die Winde heulen Das Stöhnen menschlicher Berzn-eislung i-n Stepperoeinsamkeit. Dann die Sitten, Tänze, Gebräuche der Kosaken, slawisches Kolorit» Ihnen kongeniale Eigenart." Abs wäre sie mit Eleur:zität geladen, zuckte und glühte es in Eduards Phantasie. M-lodien sprühim tnr.h sein Hirn, er dachte: wenn ich Trnte und Fet-er hottc-, d.e Einleitu-ng schriebe ich prima her. Mit den Fingerspitzen trommelte er das auf Korngrüns A--rm-l (Fortsetzung folgt.) m

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