Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 2043 (25.10.1924)
- Date
- 1924-10-25
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Wiener? Moi'nenzeltnn^ Wien, Sam'Ztäg 25. Dlkober 'IM Nr. Z0A Erscheint jeden Samstag tzin Nachmittag in einem RMovorMrnagrraum. Das Hans, neben welchem sich das bekannte Gralbenca.fe befindet, ist ein stark stequentiertes Durchhaus. Seit einiger Zeit fallt dort cm großes weißes Schild auf, das die ZLrsschriift trägt: „Aufgang pi Ra-iovorsührngsranm." Wer sich nicht nur den'ungestörten Genuß der Ravag-Sendimg Hingaben, sondern auch interessante Studien einzelner Typen rnrserer Radioainateure und solcher, die es werden wollen, machen will, der kommt in dem mit blauem Tuch ausge- Wagenen BorsühvungAvsnm sicher ans swne Rechnung. Ich will versuchen, einige dieser Besnchertypen zu'charak- Leriisieren. Ein biederer Provinzler, der mit seinem Sohne gercvde zu den Vorbereitungen für den Em>pfaug der Sendung gurecht kam, sah ehrfürchtig und erstaunt -ans die Apparate und den großen LMt-fprecksr.' Ms dir Äampeu evMHKn. die Sendung begann und das beTannte „Hallo! Hallo iHier Radio- Mdchtation' Wien!" nsw. erscholl, war es drollig, M be- Miuisi? Dös geht a von selber durch d' Meiner? Dös is ja großartig! Dös is wra a Wunder!" Bald darauf erschienen e:n alter und ein jüngorer Herr, der jüngere, Dvp des modern-m Geschäftsmannes, der altere, pensionierter Beamter. Zwischen den beiden entspann sich rrngofähr ifoLgrnder Dialog: Der Aetteve: ,^Kann man da auch mit seinen Freunden in London oder Paris sprechen?" Der Jüngere: „Nein, mit diesen Apparaten kann man nur aufnechmen. was gesendet wird." Der Llelterc: „Gut, aber wenn die dort sprechen und singen und man hört es hier, so muß man doch dort auch hören, was hier gesprochen und gesungen wird." Broadcasting R A D I OQ ESELLSCHAFT W IEN Zentrale: IV! Karlsplatz, Verkaufshallen Fabrik: V. Bräukausgasse Nr ‘6, Tel. 51-3-80 u. 51-3-56 | LUOWiGi FSkIS€§£9 Rad io-Geräte-Verk.-Ges. Wien XIII. DetaMuf bei R. LECHKER «. ««!») Wien, I. Graben 30/31 . in all e n Preislagen Sfinitliclie BssißiKiieiie ii i' An'ennenbau Täglich Vorführung im Radiosalon SS na «f *■ o » jehett Samstag Nun mischt sich der Ingenieur der Station ins Gespräch und, versucht, dem Herrn Aar zu machen, daß die Send>esta'tioneir zur Verbreitung der Nachrichten/ die die Allgome-inheit intoressieren, zur Wiedergabe von Konzerten und Vorträaen dienen und viel zu kompliziert und koMielig wären, mm für Privatbespräche verwendet zu werden. Da schüttelte der .grosse Penisionist, der vor Jahren noch mit der Pferdebahn feinem Dienstorte znstchr. das Haupt und meinte ü>b-erleg.en: „So lange man das nicht kann, ist die Erfindung noch nicht ans der Höhe." , Ein mouokeiltragender Jüngling, der das Ausseihen hatte, als ob er gerade dom Modesalon entsprungen wäre, nuMneltte etwas von Graimnophon, und wenn wenigstens die Jazz sPilÄen würde und nran danach tanzen könnte, und dertvt»ve¥% Tamm v^r. __.<** ».. I i v v /* f/rv wub'iiijniii.v vv* *yU vl'.'vvi^ji bauern gefunden hat. Ein solcher beobachtender Nachmittag zeigt, wie sehr es trotz der Ausbreitnm'g der Radiobewoguug notwendig ist, anWrend ans das PnAikum -u wirken und ksdlosNpsrsrs, Zubehfirteile in Qualitätsausführung Gesellschaft für Elektrotechnik ING. KOPPL, KLUG& Co. Wien, VI. Haydngasse Nr. 3 Telephon Nr. 44-32 // Telegr -Adr,: ..Transform* HINiBWA RADIOAPPARATE Lautsprecher LUülB@r@ und ÜWLSMSKt WIEN, I. OPERNRING 8 OTTO SOMMER A. G. WIEN, VII. RICHTEROASSE Nr. 12 Präzisions-Radio- Apparate und Einzelteile T elef unkenbau er laubnis irmnor und immer wieder ans den onorm-en Fov!schr>itt, den das. Radiowesen für unsere Zeit >bedoutÄ, hiuznwvisvn. . ' _ . -Felix B. Mitteilungen des Wiener klnvs. Nndioamatenr» Auch Sie müssen den wundervollen amerikanischen Kleinapparat anliören Komplett, einschliesslich Antenne, K 450.000 Fixangestellte Teilzahlungen Radiokonzert: Montag, Mittwoch und Freitag von 4—6Uhr 3114 yfltKAlAfiP11 RADI OG ESELLSCHAFT IjWIrfSieSS 1. HelfersEorfersSrasse N. 4 Anfangs November beginnt der Wiener Radioamütenr. klub wrt einem großzügigen Bortraqsprogrannn für daS Jahr 1924-25. Es werden drei AusbildMgskur.se für Radioamateure . abgchaltcn. Die Leitung der' Kurse obliegt den Herren Hofrat Ing. Löwy und Ing. B. Tomberg. Die' Kurse werden «im Physiffaal des akademischen Gymnasiums, Wien, 1. Be^., Beethoveuplatz, oder im elektrotechnisch-n Institut- 4. Bez., Gußhausstraße, statt sindeu. Nähere AuMnste im Radiakonzert der „Wiener Morgenz-eibung", täglich von 4 bis 6 Uhr abends. _; Uever die „Radiowelt". Sicherlich die wichtigste und beliebteste illustrierte Zeit» schöbst unserer Radioamateure ist die „Radiowelt". Sie bietet den Lesern nicht nur alle technischen Neuerungen, die für den Fachmann in Betracht kommen, sondern auch den zahlreichen Bastlern Gelegenheit, nach erprobten Schaltungen neue Apparate zu bauen, wie sie auch für belletristische Unterhaltung ihrer Löser sorgt. Wer sich wirklich für das Radiowchen interessiert, wer seine Fortschritte genau verfolgen und das gewaltige Umsichgreifen der Radiobewegung in Oesterreich an * Hand fachmännisch zusammengestellter Daten beobachten, wer die Darbietungen sämtlicher europäischen Sendestationen nach Zeit und Wellenlangenangabe chronologisch geordnet finden will, der lese regelmäßig das Hauptorgan der Radiobewe'- gung, die Wiener Zeitschrift „Nadiowelt".' An die Leser der Radiorubrlk der „Wiener Morgenzeitung". Die zahlreichen Zuschriften, die in unserer Redaktion einlanfen, veranlassen uns, die Schreiber der Briefe auf diesem Wege davon in Kenntnis zu setzen, daß in der Zeit unseres täglichen Radiokonzertes von 4 bis. 6 Uhr auch Sprechstunde für alle unsere Leser der Nadivrubrik ist und es uns freuen würde, die gestellten Anfragen persönlich zu beantworten. RADIOWERK E. SCHRECK WIEN, XVIII. SCHUMANNGASSE Nr. 31 Audionröhren Lange Lebensdauer, erstklass. Entgasung, beste Vers ärkung Stromsprade Spezlnltyp« Tors" Hochwertige Empfangsgeräte Lizenz: TELEFUNKEN // Patente: SCHRACK Andner L Donner EpezMaus fit Elektrotechntt Einrichtung elektrischer Anlagen Mh Installationen Men,!«.PetmsgasseRr.8 MU zti «» *• Ob iimfgB Häii§omaf@riaB, billigst bei SuGJIfiB Wm«nä BP1» . u ßtk al SC R XU MW, Obstmav’lit A Ueberpriilnng von selbstgebauten Apparaten / Faobm&nnisohe * Beratanc itir Kunden ko a tenio sl / Auteuucubau b cnM) H Copyrisrht 1924 hy Nachdruck verboten. LeUsche Berlazranstall, Stuttgart. 21. Fortirtzunz, Die Stadt m der Moldau. Roman. Von Auguste Hauschner. Marian7a hatte der 'Köchin einen Urlaw'b abgebetbvlt. Sie verbrachte ihn nüt Bvtrel aus einem Feld n-nlerha'lb des Bahnkörpers. So oft sie die. Äckomötive kvuchen und di? Räder kreischen horte, kletterte sie, der Gssaihr nicht achtendden an§geveAhen Pint'cher hinter sich, an der Böschung aufwärts und trachtete in die Abteil zu spähen.- Sieuntersuchte die Wagen, chie von außen her o-er Stadt zu rollten, und solche, die aus .der Stadt wsg in die Ferne vasten-. Müft waren die Insassen HÜMÄ'ich g>e'kile-idet. Warnende, zäMche, unanständige Zurufe wurden ihr ms Gesicht gchchleudrrt. Zuweilen vernahm sie a,us den Kehlen einzelner durchfahrender Soldaten das Lied, das ihr nv>t iedem Ton tödliches Erschrecken brachte: „Wie ich vcm Hr-adschin marschiert bin, Hab ich an meiner Mützen Eine weiße BMe an.gesteckt." Als der Zui.i vorüber brauiste, der -den Inhalt -ihres Lebens trug, waren Hwpd. und Mädchen zwischen Arrtorse-l-. stM-den fest eingeschlasen. Tuitö war sie für den Aufschvei, der die Nacht durchgellte: „Weit ist der Weg nach NußÄn.ds Erde. Warum in dieser Welt hat Gott mich sv gestraift?" - 20. - Das Stubenmädchen Kathi hals ihrer Herrin >be5m Entkleiden. Sie entöürdete sie der künstlichen Bestandteile der Frisur, des eindämmenden Mieders, der knappen Schirhe. Dabei wurden Auordnnngrn für den nächsten TaF getroffen und längst -Beschlossenes nochmals geprüft. „Ich weiß noch immer nicht," sagte die Edle von Mont'elupo, während sie mit zwei Fingerspitzen den Creme Parfait aus der Wangenlhäut verrieb, „ob ich Herrn und Frau Baronin Krausz das - graue Zi-nrmer geben soll. Meine Tochter wäre schon , damit zufrieden. Aber dem Herrn Baron . . „ .Oberstleutnant ist er jetzt geworden und hat den Leopcbdsorden gekriegt. Es schickte sich vielleicht ein größeres für ihn." Das Stubenmädchen, ein Bild gesesstlien Interesses, meinte: „Würden -Gnädigiste vielleicht, did der inu-fle -Herr rach .Hause kcmmt..." „Aus keinen Fall," entschied di>e Danm. Unter dem Schönheitsfett glänzte die Heiligkeit der Mutterliebe. „In der Wohiruniz von Herrn Erich tv.ird nichts augievührt." Was sie nicht aussprach war das Bedauern, daß der Besuch von Schwiegersohn und Sohn zu/sanmiensiel, da ihr Herz doch dlanach hungerte, den kurzen Urlaub ihres Kindes ohne Beeinträcht'iguug zu genießen. „Und daß außer dem Kleinen und der Bonne die Frau B.iro.u'm auch nvch die Kaimntersungstr nntbr'mgt," fuhr Frau Franziska beim Händewaschen fort zu überleoen, „wo ich der doch beim besten Willen kein eigenes Zinnmer gaben kann". - Bi-t-t' gnä' Frau, de-vzeihen," erlaubte sich die Kachi gekränkt zu unterbrechen, „keine Prinzessin wird sie' schon nicht fein, ich muß doch a-uch immer mit einer anderen z-iisaunuensthtasen, und mit der vorigen habe ich nrich lange nicht so gut vertrageit, wie mit'Mariankia." - „Uebrigens, was die Marianta betrifft," ging Frau von M-ontchupv. über die Erört-ern-ng dieses Punktes hinweg., „ich behalte sie nur so lange, bis. die 6täste fort sind. Das Mädchen hat - sich unglaublich bebMampt. Gestern früh bin ich anit der Hand unter die Kredenz ge-sahven. Seit mindestonS acht Tagen war da nicht hevvorgekch-rt. Und von den großen Gläsern fehlt schon wieder eins. Das Hai wied-er sie zevschlagen." Kathi legte sich ins Mittel für die Bedrohte, die ihr angenehm war, weil sie sich ohne Murren sroiwde Arbeit auslegen ließ. „Gnädige müssen mit ihr Nachsicht halben. Sie hat wiirklich einen guten Willen, aber sie ist noch ein Kind. Und sie hat viel Unglück in der Familie. Vor ein paar Wochen ist ihr ein kleines Schweflevl gestorben. Und sie hat einen Bruder draußen, um den steht sie eine Nieseirangst aus, Wie er hinausgegangen ist, halben sie das Äied gesungen von der weißen Blüte, weiß nicht, ob Gnädige das kennen. Die aus der Kaserne singen es oft, wenn sie Mittag drüben durch die Allee gehört, sich die Menage holen: „Wie ich vom Hradschiu m>avschiert bin," summte sie die ersten Töne. „JedesMiak, wenn lsie es hört, wird ihr ganz schwindlig, Nenlich isi's mir beim Bügeln beinahe 't'gesalleni . . „Ein Grund mehr, sie wegzuibgoben, wenn sie auch kra>nk ist," büsbi'nrmt-e Fvan Franzstka und streifte die langen Strümpfe ab. „Uebrigens, wo haben Sie es denn hingelegt das Mädel?" 5ba>thi lachte teils gutmütig, teils Vevleaen. „Aus der halben Stiege haben wir doch so ein Kam. merl für die Kofferln und Schachteln. Schlafen wirds dort ans dem Strohsack aus der Erde. Waschen und anziehen kann sie sich bei mir. Und sie hat tagsüber zuviel zu tun, um sich droben auzuhakten. Wirklich, Gnädige," versucht sie ciuss neatic Fürsprache einz,ulegen, „so eine Bescheidene und Fleißige kriegen Gnädige so leicht nicht wieder. 21. Während hier unten ihr Schicksal ausgewürfelt wurde, genoß einige Treppenftnsen höher die Verbannte die Freude des Ansgestoßenthins. Allein. Nicht verschickt n>nd artigerllsen werden. Kathis Ueberwachnng und Neugierde ent können. Herrin ihres eigenen Reiches. Machte es lnmterhin nur drei Meter fort Geviertumsarig und für Licht Lust keinen anderen Eingang hüben als das Guckl.o>ch nach dem Hof. (Fortsetzung foicsi.s Br KoWme lüntel, ISO 3inL m wieN.UAOLEnaAsat VI« fr" Nft 702Ä4»