Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1924-10-19 · Heft 2037 (19.10.1924) · p. Seite 10

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 2037 (19.10.1924)
Date
1924-10-19
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
85% known words query
IRI
…/2979076-2980834-2981120--20856-3008116
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Gerte 10 Men, Sonntag Wiener Morgenzettnng. 19. ÖWfrfc* 1924 m 2097, n 0 P t BE R I C H T Londoner W odespiegel. Bon F. Jöhlmger, Köln. Trotz dos Persönlichen, der Eigenart des einzelnen, sudder rn.au in London in der Damenanode viel mehr Harnwnie. -einen viel geschlosseneren Stil im Straßenblld, als bei Ms. Selbst bei -warmem Wetter, ja bei strahlendem Svivnenschevn, sah man in diesem Jahve nicht lichte, bunte Sommerkleider,, sondern, fast überall leichte Wollkostüme; das Jackenkleid beherrscht di« Mode der Straße. Alle Favbennuancen spinnen hier ihre Phantasien aus, doch nirgends gab es bwnte. gestreifte oder schottische Farben. Dve Vorliebe der. Engländerinnen für etwas gedämpfte. fein abgestnste. inan kartn fast sagen, neblige Töne, komm hier in aiußevordenÄich reizvoller Weise zur Geltung. Hervorstechend ist noch immer die vro'Mtige Skala dös Bronn, vom zartesten Gelb über leuchtendes GvL zur tiefdunklen Negerfarbe. Ich sah Im Hyde-Park an einem Sonntagmorgen eiu'ge Reiterinnen, die ihre Kleidung gginZ auf ihre braunen Pferde abgsstvmmt ivutzen und im Grünen höchst vornehnr wirkten. Goldseidene Strümpfe, kastanrensiavbme Wvldlederstiefel, hohe braune Glacehandschuhe und kleine, den Rand in leichtem, seitlichem BoZen gcschwnngen-e Hütchen, ergänzten Len hübschm Anzug. Neben diesem Braun galten als tvoitore Modefarben ein weiches Pastellbla-u, das kräftigere Türkis sowie Grau in allen Abstufungen, vom Si-lberflimmernden bis zum dunklen Mansarau. Eine vornehme Note bringt ferner die verschiedene Anwendung von Schwarz in Verbindung mit Weiß. Umhongfovmen mit gerafftem, gerolltem, oder mit hochstehendem Kragen, sind große Mode. Am Nachmittags- und Teekleidern sieht man den einfachen Schnitt mit tief unter der Hüfte eln-tetzender Taille, sofern überhaupt noch von einer Taille die Rede sein kann; meist ist die Vorder- und Rückonbchn der Kleidung in einer Linie geschnitten und läuft in glattem Fall, nur die Seitenbahnen unter den Armen zieren graziöse. Raffungen. Zu dem Charakteristikum der diesjährigen Mode gehören ein kurz gefaßter Schirm und. ein kleines rechteckiges Ledevköfferchen, beide den Farben des Kostüms angepaßt. .i im'w» ww»>ui' Ein sehr elegantes Nachmittagskleid bestand ans schwarzem, weichem Seidenstoff. mit weißer, fein plissierter Weste, die die Bovdevbahn. vom Halsausschnitt bis zum ■ Saum >des Rockes schmückte und mit zierlichen schwarzen. Knöpfen von oben bis unten versehen lvar. föiu hochstehender Hermrlmkragen. Änd Hertnekn-nransche-tten ergaben einen anmutigen Zusatz. Der'Rock M etwa fünf - bis zehn Zentimeter tunikaartig kose über dein durchlaufenden Unterrock und ließ um die woiße Weste frei. Sehr eigenartig erschien cm iveißes CrePe-de-Ch>i>ne- Kostünt MÄ Kragen, Manschetten und Taschenklappen, aus roten und weißen Bändern geschlungen, so daß d.is Jneinandevgreifen der Bänder sich zu Rot und Weiß gliederte. Auch dieses Kleid tvar, wie übrigens viele der neuen Modelle, mit kleinen Knöpfen besetzt; selbst Mäntel und Pelzkragen sind heute reihenweise mit dieser Garnitur versehen urtb bedeuten neben dem schmückenden Elcrrrent wohl in der Hauptsache ein Betonen der schlanken Linie. Diese röhrenförmige sportliche Linie ist natürlich in London ebenso Trumpf wie bei uns, nur daß sie den straffen Figuren der Engländerinnen keine weiteren Schwierigkeiten bietet. An Spätherbstkostümen ist als Aufputz vielfach der kleidsam« Eisvogel wieder in Gunst gekommen. und man sicht ihn oft in reizvollen Verwendungen an Mänteln und JackerMeidern, als Abwechslung zu der Pelzverbrinnnng, die man schon vom letzten Jahre he r kan nte. Typisch für Lond-n ist, wie sich das Straßervbild auf der ganzen Linie im selben Augenblick ändert, wenn Regen emsetzt; -wie aus der Erde' geschossen erscheinen alle Damen in wasserdichten Mänteln oder langen durchölten Capes, um tkturg darauf., ivenin sich das Wetter klärt, sich wieder im Kostüm zu zeigen. Das Neueste der „Mack'utesh" sind zart-farbige, mattblaue oder sklbergume Mäntel aus glänzendem, gummiartigem oder imprägniertem Material. Die Hüte, die so tief ins Gesicht gezogen werden, daß man kaum die Augen mehr sieht, sind sehr einfach gehalten. Zuweilen etwas J^derputz, hochragende, doch meist weich über den ichmoleit öder zu beiden Seiten breit ausladenden Rand fallende Reiher, sowie weiche, istmssgezogene SeidongavMrr. Das Haus der Dame. Die Mode für die bürgerliche Gesellschaft. Es ist kein Warenhaus im üblichen Sinne, das Haus der Dame, das am Schwedenplatz 1 entstanden ist. Die Dame der bürgerlichen Gesellschaft hat ihr Spezialhaus für. ihre Mvde erhalten, man findet tu diesem keinen Herren, noch einen Kinderartikel. Kein zu großer Luxus int Hause beeinträchtigt den Gedanken, der Frau eine KauMite zn -errichten, in der sie moderichtig und zu zivilen Preisen bedient wird. Es hat in Wien bisher ein Haus gefehlt, das den verwöhntesten und den bescheidensten Geschmack befriedigen kann um zugleich allen Börsen zugänglich ist. Das „HauS der Dame" hat außerdem tioch ein persönliches Gepräge: Es ersetzt alle Spezialgeschäfte, da die reichhaltige, .sorgfältig znsammengestellte. Auswahl alle Sortiments an Vielseitigkeit übertrifft, ohne daß dos Lager durch wahlloses Z-us-aimnenlegen diverser Artikel ausgefüllt worden Märe. Die Dam-e findet hier alles, was mit ihrer Toilette zusamntenhängt, Stoffe, Kleider, Kostüme, .Mäntel And Pelzwerk. Das -fertige Kleid hat aber nicht.den Charakter der gewöhnlichen Kottssktioit, sondern genügt dein Geschmack selbst der verwöhntesten Frau. Auch für eine reiche Auswahl an Wäsche ist Sorge getroffen worden. Hemden, Kombinationen (Chiffon und Batest), Jumperlerbchen, alles tu feinster Qualität, sind vorrätig. Die zur Komplettierung der Toilette diettenden Wollwaren, Sirüntpfe, Handschuhe und Schuhe fehlen nicht. Besonders aus die noch immer auf der Hohe stehende Strickmode sei hittgewiesett, die in allen Varianten vochattdeit ist, da sie, praktisch und elegant, der Dame zum Bedürfnis geworden ist. Was aber den Einkauf besonders angenehm macht, ist der Umifiaut), daß die Dame in beit Verkaufsräumen das Empfinden hat, bei sich zu Hause zu sein und alle Ware ohne das lästige Gefühl des Zwanges nach Geschmack vorgclcgt zu bekommen. Das „Röhreukleid". Der Schnitt der netten Herbstkleider übertrifft alles an geradliniger, enger und schmuckloser Form, was bisher in der Mode geleistet worden ist. Die Damen sind in diese äußerst kurzen Kleider nicht mehr wie in Säcke, sondern wie in Röhren eingeschlossen, uttd deshalb hät man dem neuen Stil den Nomen „Röhrenkleid" verliehen. Die Bewegung ist in diesem engen Futteral nicht leicht, da die Trägerin bei jeder Bewegung fürchten muß, ans dieser künstlichen Haut herauszuplatzen. Die Aermel finb sehr im oder fehlen völlig. Bei den Abendkleidern ist der vordere Ausschnitt'verhältnismäßig hoch; im Rücken aber geht das Vförmige Dekollete, fast bis zujerien Tiefen hinab, in denen der Rücken aufhört.' Die Modefarbe ist Mahagonibraun. Man sieht diese -Farbe in den verschiedensten helleren uttd dunkleren Nuancen. Während die meisten Modelle ohne jede Stickerei oder Garnierung sind/werden manche Abendkleider in der kostbarsten Weise mit Schmuck überladen. * 6fc©Ig)EBKH£ CN» AUFEH/IE Bl LUC/T IN ca ITABOß/Tfc H? 18 (HOTEL NATIONAL) memon 404.» fUHS CDamenhäle _PELZE ALLER ART__ VERBRSMÜNGSFSLLE BEIM SELBSTERZEUGER zu konkurrenzlosen Preisen! -MM ' Besuch lohnend! Pelzluis Sfieinsa&z, Wies. I. Liliensasse 3 f£dceweiimurfla g) 1. Ma.hkrstva.sse 13 Für Brautausstattungen Schroll-Chlffone, Perkaiiine, Inlette in allen Breiten. I Leib' und Bettwäsche, auch nach Mass * Warenhaus Zalsal, Wien. VIII. Lerchenfelderstr. 34. 56 mm. Was der Tag bringt! Das sportfeindliche italienische Konsulat. Gme atrs Amaieuren gebildete Mamrschaft des Wiener Fatzbalwerbandes hätte heute mch morgen zwei Svi-Äe in Mercm oustraaeu follvn. Der dortige deutsche Sportklüb veranstaltet näm-ltch sine Sportwoche, deren Höhepunkt die beiden Spiele der Wiener Fußballer heften bilden fallen. Das Wiener tialennföe Konsulat verweigerte aber einem Teil der Eiweditirm die Emreisebawilligung umd damA war die ganze Fahrt zimichbe geworden. Die Art und Werse, tote der GemraWretär des Wtener Futzballverbcmdes Kick von diesem Verbot m Kenntnis gefetzt wurde, kann als ungewöhnlich begeichm-t werden. Als er nämüich beim Konsiul selbst wegen dieser Weigerung vorstellig werden wollte empfing ihn am junger Konsulatsbeamter mehr als un-gnädig. Da sich der Sekretär dies verbat, wurde er mit einem Faüstschlag vor die Düre befördert Dieses Bettehmen, das sowohl von einem alteren Konswlatsbeomrten als auch vom Konsul selbst nicht bedauert wuÄe, laßt daraus schließen, daß die Werver Bevtvetuug Italiens -gute Gründe zu haben glaubt, gegen die Einreise der Wiener Fußballmmruschaft ganz enerM oufzutveten. Die Italiener begründeten das Verbot damit, daß Handwerkern die Gr-enzüberschveitung nur dann gestattet sei, wenn sie die Erlauimis von Rom erhalten haben. Ohne vorwitzig, sein M wollen, glauben wir -in der Ansicht nicht fehl zu gchein daß dies nur eim Ausrede war. Zweimal war die östeweichische Auswahlmannschaft in Italien und niemalswurde von den Fußballern, die dem Handwerkerstand anaehö^n, eine, Vetmlliauna zur Einreise aus Rom verlangt. Dte Italiener ichemen zu den sportlichen Dercmftaltungen ihrer deutschen!lleichsangchörigert in dem ehemalrgen Südtirol wenig Ber- ''.ieu m haben. In Deutschland mußte der „Deutsche Ta^ dcvzu herhcllten, um allen möglichen reaktionären Demonstraftouen den Namen zu geben.- Als sich -der republikatvische Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold - für diese ,Mutschen Tage" m interessieren begann, wühlten alle, die aus das Hakenkreuz Mchworen hatten, eine neue Firma. Sie beranstalteten nun /Deutsche Sporttage urch -Wochen", wobei der Sport Nebensache imd -die reaktionäre Propaganda Hauptsache war Die Italiener scheinen nun der Ansicht m fern, daß hre deutschen Staatsbürger aus dem ehemaligen Südtirol dem Beispiel, idaS ihnen aus Deutschland geboten -wich, folgen wollen. AuS otefem Grunde «ahiken auch keine Italiener oat dem Meraner Tenanslnvmer bM. WasIich. dort außerhalb des. Sportplatzes mgetralgen hat, entzicht sich unserer Kenntnis.- Es besteht aber dte MöMchkeit, daß die Ital-ietver vm ihrMt Stcundpunkt Ms' bei diesm Temtistuvrvier schlechte Erfahrungen gemacht haben, so daß sie diesmal das Sportfest des deutschen SportllubS in Meran , einschränken wollten. Dies düchbe auch der Grund htesiir daß die Wiener Fußballer keiin-e Emveisebelwilltgung mch ran echtesten. Gestern vormittags tvaf ein Schreiben aus Meran im Wiener Fußballverbcmd sin. Dr. Gero, welcher der italienischer Sprache nicht .mächtig ist, glaubte dem Brief entnehmen zn köMen, daß dte Grenzüberschveitiwua -gestattet sei. Er verständigte deshalb auch einige Blätter >dahvligch>Atd, daß noch .gestern -abends -möglicherweise die Abreise stattfinden Erstkl ft s s i fg e r Trainer M zogieioh Spieler für einen ausländische», erstklassigen jüdisch-nat. Sportklub per sofort gesucht. Zuschriften an die Adm. des Blattes oder an Herrn Em. Ebner, Cerhauti, Str. Regele Ferdinand 8. F E I N ST El Herrengarderoben nach Mass und konfektioniert sowie sämtliche HERREN MODEARTIKEL (Herrenwäsche, Krawatten etc,) zu mSssigen Preisen! HERREN PELZE E2L222S2S _ in jeder Grosse und Ausführung fßf“ zu besonders billigen Einfuhrungspreisen! ^Eg Herrenmoiehaus A. Borenstein, Win, II. HollandstUO weche. Dieses Schreiben kündigte aber nur eine Fahrpreis« ermäßiMmg an, so daß dte Reise endgültig utAerbleiben mußte. FeiMiche Brüder. Wir lhaitten oft schmt Grund zur Klage, daß sich jüdische Vereine urrbeinander nicht vertvaigen. Was. sich aber in Czevtro« Witz Mischen Hakoah einerseits und den übrigen jüdischcn Klubs andererseits abspielt, spottet jeder Beschreibung. Der takoah ist vor allem der viel ältere MaKM m Stein des nstoßes. Dies gcht so weit, daß sich die Hakoah mit. drei anoerstratioualM erstklassigen Bersrnen gegen Öett Makkaüi koaliert. Diese vier Klubs bilden m der ^zemowitzer ersten Klaffe, die nur aus sechs Vereinen bestcht, die Mehrheit, Dte Koalition will nun in der erste.tr Klasse herrschen. Sie stellte, deshalb beim BerbandstOige den Antrag, Paß im - kiinftigett Vorstand . des Fußballverbandes die Vertreter ■ sämtlicher Vereine sitzen mögen. Stimmbevechtiat sind sie aber nur'in' Fragen, die ihre Klasse bvtvrffen. Damtrch wäre 'der M-a'kkabk immer nrajovtsiert wovdett. Da mm Kompeten-zstreitigkeiten an -der Taaesordunna gewesen wären, sü-gie sich der.' Verband dieslem Ansmnen -uicht. was die vier koalieriert Vereine veranlaßte, /ihre Maamschasten aus der Mvisterschaft Mrüüzuzicheu. Schließlich kam aber doch ein Ausgleich zttsimtde. so daß zmnmdest vorläufig der M-etste'rjchcistshet-rieb. gesichert erscheint. Es «ist wahrlich traurig, daß sich e'mjüdischer B-e-reitr' -gegän den anderen mit andersnation.alen Klubs verbündet. WaS geht in nuferem Schiedsrichterkollegium vor? Der Präsident unseres Schiedsrichterkollegimns, Hugo Meisl, hat demissio-niert und begvütteet seinen. Rücktritt mit Ue>bevbiürdtlng.^ Wir sind nun genau hufoxmi.crt,. daß Herr Meisl sich verärgert aus dem Kollegium zurückgezogen, hat. Vor allem paßt es ihm absolut nicht in den Kram, daß die. Schiedsrichter gegeneinander in der .unerhörtesten Weise - intrigieren. Die Unparteiischen sind in erster Äiwte VlMvirtsfanatiker und so lassen sie an dem Leiter deS Spieles ihres Vereines kein gutes Haar. Auch bei den Schiedsrichterbesetznugen soll es recht wüst zu-gchen. Die-Protektion soll bei der Wettspielzuteilung die erste Rolle spielen. Den Anstoß zum, Rücktritt'Hugo Meisls hat^ etn Vorfall gegeben, der rn Wiener Sportkreisey 'bereits breitgetreten wurde. Lettland -hat für ein Länderspiel einen Wiener Schieidsrichder. womöglich Herrn PHak, 'verla-W. Da Herr Grüttbaunt erst kürzlich überaattgett wurde, fiel.dte Wahl ct>ber auf ihn. was nun Herrn Plhak Anlaß>dazu -gibt, die gekränkte Leberwurst zu spielen. Dabei machte man versteckt Hugo Meisl den Vorwurf, daß er den Schiedsrichter' GrüMü-m' favorisiert halbe. Dies trifft aber reineswegs zu. Man.sandte sich

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.