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Wiener Morgenzeitung · 1924-10-15 · Heft 2033 (15.10.1924) · p. Seite 8

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 2033 (15.10.1924)
Date
1924-10-15
Page
Seite 8 (sequence 10)
Language
German
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Wien, Mittwoch Seite 8 Wiener Morgenzeitnng. 15. Oktober 1924 Nr 2088 Von den Eroten notierten: Mraznica 29.090 bis M.800 Ä., Tepege 45.000 bis 40.500 K„ Universale 10.300 bis 14.000 K. Wiener Warenwrse. ' (Eigeuvericht der „Wiener Morgenzeitung") Der Hamburger Chemikalienmarkt zeigte ein ruhiges Bild. Die Handelspreise für Kalimnpennanganat haben sich dem Fabrikspreis genäherte allerdings ist die Nachfrage bei diesem Preise -fast gleich Null, ohne daß aber billigere Offerten zu haben sind. Für Hirschhornsalz zeigte sich mehr Interesse. Auch Stückalaun liegt ziemlich fest bei ganz guter Nachfrage, Oxalsäure ist außerordentlich vernachlässigt, da erst mit einem Preise von 19 bis 20 Pfund Sterling auf größere Aufträge seitens Amerika zu rechnen ist infolge des hohen Einfuhrzolles, der dort auf diesem Artikel ruht. Auf dem BerlirierMartte scheint sich die Kauflust der Chemikalien verbrauchenden Industrien zu bessern. In den. letzten Tagen wurden lebhaft gefragt Forma! dehvd, benzolsaures'Natron sowie Aetzalkalten. Die lederverarbeitende Industrie nimmt größere Posten von Schwefelnatrtum ans. An der gestrigen Warenbörse war der Berkehr ziemlich, lebhaft und in Chemikalien erfolgten einige Abschlüffe zu festen Preisen. Eilt Deckungskauf erfolgte in Paraffin (10.000 Kilogramm) weiß transparent 50,52 in Tafeln prompt greifbar verzollt zu 17.300 K. ab Wien, Arsenal. Ferner würden exekutiv verkauft 15.000 Kilogramm Aetznatron 128/130 zu 5.60 Dinar ab sugoslawischer Grenze. Ausgeboten wurden Aetzkali zu 71.50 Schweizer Franke« pro 1V0 Kilogramm transit Passau, Aetznatron zu 7400 K„ Bittersalz pro 100 Kilogramm in Säcken zu 1.60 Dollar ab RegenSburg, Schellack T N. orange zu 118.000 K., inl. Terpentinöl zu 23.000 K.. Montanwachs Riebeck zu 7500 K. nnd Bitnma zu 7000 K. transit Wien. Oele nnd Fette blieben behauptet, nur uordamerikanisches Schweinefett pure larä Tierees war haussierend nnd wurde mit 34.000 K. ab Wien ausgeboten. Kolonialwaren. Kaffee, Tee und Kakao blieben unverändert. Znm öffentlichen Verkaufe gelangten 60 Kisten und 10 Fässer holl. Kakaopulver zu 3200 K. transit Wien. Paprika edelsüß befestigte sich um 250 K. auf 72.250 K. Reis ist mn 50 bis. 100 K. höher, Burma II Oliginalware, neue Ernte notiert 6100 K., italienischer Splendor ff. 7850. Z n ck e r ist anhaltend flau, die Preise bröckelten um 60i0 bis 160 K. ab. Kristall notiert 8800 K., Würfel. 9200 K. prompt ab Lager Wien. Exekutiv wurden verkauft 20» Kisten Würfelzucker (Droszeger) verzollt ab Oftbahnhof zu 8900 K. Befestigt haben sich noch Leguar 1924 um 500 K. ruf 13.000 K., Kranzfeigen um 200 K. auf 10.300 K., Haselnußkerne um 1500 K. auf 51.500 K. Ausgeboten wurden portugiesische Sardinen 200-Grarnm-Dose. illustriert, pro Kiste zu 38 Schillmg o Pence ab Triest nnd zu 8300 K. ab Wien. Zum öffentlichen Verkaufe gelangten laut § 311 des H.-G.-F. 500 Kisten Kondensmilch „Gloria" zu 3800 K. pro Dose verzollt Wien. Ferner wurden öffentlich verkauft laut Art. 311 des H. G. 23. Textilwaren und Stoffe mit 147,000.000 K. und Autopneumatikventile mit 26 0 'VOÖO K. Zum öffentlichen Verkaufe gelangen am 17. d., 11 Uhr. montenegrinische Lamm-, Kitznnd Hasenfelle. Am 24. d., 1 Uhr, Steinkohlenteeröl. Berliner Häuser, Grundstücke in Deutschland kauft belehnt, verwaltet mit garantiertem Einkommen vollkommen spesenfrei Auszahlung und Durchführung Wien Durchführung in wenigen Tagen; nur seriöse Angebote Pallar.. "'" RapManz: Wien II. PrMtasse 9 Radio-Konzert der „Wiener Morgenzeitung". Täglich von 4 bis 6 Uhr nachmittags in der Redaktion, Wien, 2. Bez., Taborstraße 1. beigestellt von der Firma Broadcasting, Radio-Ges., Wien. Amplion-Lautsprecher beigestettt von der Voeaphon-Ges., Wien. Programm für heute: Vormittags von 11 bis 1 Uhr: Matinee der Künstlerkapelle Silving. Nachmittags halb 4 bis 6 Uhr: Teekonzert der Künstlerkapelle Silving. Abends 8 Uhr: Bunter Abend. Mitwirkend: Waldhomguintett Stiegler (Wiener Staatsover). Frl. Anitta Ast, Violine, Herr Konzertsänger L. Klein (Agram), Herr Konzertsänger Höfermaher. Programm nach Ansage Wiener Morgenzeitung Viehmärkte in St. Marx. (Eigenbericht der ..Wiener Morgenzeitung".) B o r st e n v i e h m a r k t. Angemeldet wurden für de» gestrigen Markt 10.568 Schweine, allein z« Beginn desselben bloß 10.088 Stück, worunter sich 7263 Fleisch- und 2835 Fettschweine befanden, aufgetrieben. Der Provenienz nach waren 17 inländische, 671 ungarische, 789 jugoslawische, 7098 polnische und 1513 rumänische. Außer Markt wurden 116 Stück bezogen. Fettschweine erlitten trotz verinindeter Znfichr einen Preisrückgang von 1000 bis 1600 K. pro Kilogramm, während Fleischschweine unter den: Drucke eines Mehrangebotes von 2500 Stück bis zu 3000 K. pro Kilogramm gegenüber der Vorwoche im Preise eingebüßt haben. Der Verkehr wickelte sich in ruhigen Bahnen ab. Es notierten: Fettschweine prima 27.000 bis 28.000 K., mittelschwere 26.000 bis 27.000 K., Bairernschweine 26.000 bis 27.500 K.. alte Schweine 25.000 bis 26.000 K. und Fleischschweine 19.000 bis 26.000 (26.600) K. pro Kilogramm Lebendgewicht. Pferde markt. Znm gestrigen Markte wurden 386 Schlächter-, darunter 168 auf dem Kontumazmarkte, und 227 Gebrauchspferde gebracht. Bei lebhaftem Verkehr notierten: Zugpferde leichte 3,500.000 bis 10,000.000 K., schwere 5,000.000 bis 13,000.000 K., Kutschpferde 3.600.000 bis 12,000.000 K., Pferde für Schlachtzwecke 5500 Big. 13.000 K." pro Kilogramm Lebendgewicht. Berliner Biirle. Berlin, 14. Oktober. Bei der an der heutigen Börse Herr« schenden geschäftlichen Stagnation hat sich, insoferne etwas geändert, als heimische R-entenpapiere ihre steigende Bewegung Lei größeren Umsätzen Wieider auftiahmen und Kriegsanleihe bis.605 und alte Reichsauleihe und Preußische Lwnsols im entsprechenden Maße stiegen. Auch für Reichsbankanteile erhielt sich bei einem Kurs von nahezu 54 das bisherige Interesse. Kanadaaktien setzten ihre Erholung bis 34 fort. Auf dem großen Gebiete der Divldendenpapiere hingegen blieb die drückende Geschaftsstille vorherrschend, die Grundstimmung war aber fest. Es ergaben sich nur geringfügige Äursderändernngen gegen gestern Der Geldmarkt blieb unverändert fest. (Alles in Billionen von Mark.) Schlnßkurse: Türkische Lose 23, Oesterr. Staatsbahn 22.25, Nordd. Llovd 4.8, Ver. Elbeschiffahrt 2.25. Berliner Handelsgesellschaft 24.62, Kommerz. Privatbank 4.62, Darmstädter Bank 9.—, Deutsch« Bank 10.2, Diskonto- Kommandit 12.12, DresdnerBank 6.87, Nationalbank für Deutschland —, Oesterr. Kredit 0.275, Oesterr. Landerbank —, 8!eichsbank 54.3, Wiener Bankverein 0.2, Wr. Unionbank 0.225, Allg. Elektrizitäts-Gesellschaft -8.12, Bochumer Gußstahl —, Daimler Motoren 3,—, Deutsch-Luxemburger 52.75, Deutsche Maschinen 5.87, Dynamit Nobel 9.37. Felten u. Guilleaume 22.—, Gelsenkirchener Berg 56.75, Th. Goldschmidt 12.12,. Harpener Bergbau 80.25, Hirsch Kupfer 18.5, Höchster Farben 16.9, Hohenlohe-Werke 18.—, Laural,ütte 5.12, Mannesmannröhren 41.50, Phönix Bergbau 39.62, Schuckert u. Co. 38.50, Siemens n. HalSke 44.5, Telephon Berliner 4.—. Geldanleihe große 94.75, Goldanleihe kleine 100.—, Dollarschatzanweisungen 37.50. ü HO j« m MXAOienCASM'« USE;IDE STOFFE C opyrteht 1924 >>? Nachdruck »ertöten. Tratsche BerlagsanstaN, Stuttgart. . IS. Fortsehuit,, Die Stadt an der Moldau. Roman. Von Auguste Hauschner. „Himmel Herrgott", dachte er, „ist das fad, auf vdt Festlichkeiten von Mama. Mit der Aecka könnt' ich grad so gut in Baumgarten oder in ihrer Wohnung blödeln. Und die Rest geht mir nachgerade auf die Nerven." Er zürnte seiner Mutter über das unverhüllte Bekennen ihrer Pläne. Wett er verlangt hatte, neben der Zella zu sitzen, gibt sie ihm justament aus die andere Seite die Theres. Und gleich die ganze heilige Familie 'dazu einzuladen. Den Vater mit dem Hochdeutsch aus Galiz-'en, den Bruder, den frechen Burschen, der sich hevausnahm, auf der Straße „Grüß' Me Gott, Herr Erich" zu ihm zu sagen. Aber am wenigsten begriff er seinen Vater. So m guter Deutscher und ladet auch den Hofrat Hrusa ein. der immer mit den Tschechen liebäugelt. In der letzten Landtagsdebatte hat er sich gegen die Bedrückung der slawischen Minderheit ausgesprochen. Um seinen Unmut zu beschwichtigen trank er mehr als ihm Gewohnheit war. Als er Therese mit dem Konzen", dem norddeutschen Privatdczenten Lehnert, iiber literarische Probleme streiten hörte, befiel ihn' ein. unbändiger Drang, mit ihr angübandeln. Er hatte eine anmutige Art, Bosheiten auszute'len. Ueber seine Blicke, ohnehin, besonders wenn auf hübsche Weiblickkeit gerichtet, von der Natur auf Verliebtheit eingestellt, Uetz er die von langen Wimpern umsäumten Lider fallen, hob dann jäh -den Vorhang von den Augen und sah. den Kopf etwas nach links gebogen, mit treuherzigem, naivem Ausdruck seinem Opfer ins Gesicht. Dazu ein Lächeln, liebenswürdig, fast kokett. So spitzbübisch knabenhaft wendete. er sich jetzt an Helba Bayer. „Das Fräulein Percg ncr ist unheimlich gebildet." Daß ihr d'e Unart über eine andre kam, schütte Theresens Groll. Nur well sie sich vernachlässigt vom .Haussohn fühlte und wußte, daß intellektuelle Gespräche ihm zuwider waren, hatte sie die Unterhaltung mit dem Gegenüber allgeknüpft. Nun gab sie den indirekten Angriff indirekt zurück. Sie sagte jum PrivatdvMteii, wobei sic die etwas schmalen Lippen unllnd'am zu-sammeukniff: „Herr von Montelupo macht wenigstens kein Geheimnis <m3 seiner Abneigung gegen die Bildung." . Er drehte sich gelassen auf seinem Sessel um. Das spitzbübische Lächeln nur um ein weniges betonter: „Einigen wir uns, Fräulein Therese. Was ist Bildung? Bildung ist eine große Vorratskammer, die wir Männer seit Jahrtausenden gefüllt haben und aus der die Frauen jetzt kreuAerlweis ihre /kleinen Provisionen holen." Mehr noch als das allgemeine Lachen verdroß Resi die Schlagfertigkeit des Gegners. So viel Klugheit hattc sie ihm gar nicht zugetraut. Sie wünschte, ihn zu übertrumpfen. „Wir Männer", lachte sie spitzig aus, „mir war gar nicht bekannt, daß Sie mit an dem „Faust" und an der Entdeckung des Kant-Laplaceschen Systems geschaffen haben." Sie dachte: Gut habe ich mich gewehrt. Er hatte den Pfeil aufgefangen, wie mit der flachen Hand. Ruhig sagte er: „Ich habe mich freilich bisher mit dem Versuch begnügt, eine Verbesserung au dem Motor eines Flugzeugs zu erfinden." Ueber dem Beifall, den er fand, vrrgaß sie, daß sic hier war, um ihm zu gefallen. Es riß sie zu der spöttischen Bemerkung hin: , .Offenbar Ihre einzige - Möglichkeit, sich zu etwas Höherem zu erheben." Die an ihr ungewohnte Aufrichtigke'-t .verblüffte ihn, ohne ihr bei ihm zu schaden.. Er dachte: Schneid' har sie doch, und war im Begriff ihr sin Bersöhnungswort zu bieten. Kathi kam und.flüsterte ihm, im Auftrag der Gnädigen, zu, der Salon müsse geräumt und gelüftet werden, ehe die älteren Herrschaften sich erhoben. Bei Ausübung seiner Pflicht, den Herren Zigarre» und Schnäpse augubieten, geriet er m'tten m em eifriges Gespräch, das sein Vater. Hofrat Hrusa und der Advokat Percziner in einer Ecke miteinander führten. „Es würde Oesterreichs endgültigen Ruin bedeuten",; horte er die fette Stimme des Adodkaren, ..schm auf das bloße Gerücht hin, ist Rente um zehn Prozent gefallen." „Man sollte vor altem Oesterreichs politische Konfftllation ernstlicher in Erwäg rng ziehen", äußerte sich der Hofrat, nachdem es'ihm gelungen war, seine Virginia in Brand zu setzen. „W r sind n:cht wie dir Deutschen em geesnies Volt. Wenn ch mir di.' großen Verbrüdernngsfeste der slawischen Sokoln vergegenwärtige, die wir vor paar Jahren in unserer Stadt erlebten, steigen mir dcch Bedenken ans gegen die Bn":irwilligkeit der Tschechen, gegen ihre Stammesbrüder in den Krieg zu ziehen." Erich verbeugte sich mit übertriebener Höflichkeit. „Ich stimme unbedingt den beiden Herren zu. Die Börse kennt.nur ein Vaterland, das sind die Kurse und Papierchen. Und unsere lieben Landsleute, die Tschechen, sind die geborenen Hochverräter. Aber wir haben zum Glück die Deutschen hinter uns, mit ihrer Begeisterung, ihrer Kraft und ihrer Disziplin. Die werden das G^ sin'del schon lehren, sich zu kuschen." „Erich", mahnte stolz, doch ängstlich, der Papa. „Erich", rief die Mutter von der anderen Seite. „Was machts denn für ernste Gesichter?" Sie kam näher. „Schon bei Tisch Hab' ich so was röden hören Krieg . . „Nur eine unbegründete Vermutung, Gllädigste", beruhigte der Advokat. Sie war uiltfr ihrer Schminke blaß geworden. „Ta müßte ja der Erich . . .," sie griff nach ihm, als sollte er ihrsofort entrissen werden. „Hab' keine Angst, Mama," er schob sie unsvLundlich LÄisetle. „Bei uns wird immer -nur gerüstet, aber nie gekämpft." . Inmitten eines Twosteps sagte er. zu Aella i/t: „Wenn ich ins Feld muß, Icllcrl, und ich korume nicht wieder, werden S'»e ein bißchen mn mich weinen?" Seine Finger dllten. wie!bx Puilsschla,c;, oben noch jagend, unter der Nähe seines sich andräng'enden Körpers stockte. „Erich! . . ." Ihr noch lnuigeves Vevschndslzen kmmte eine Tainzsigur bedeuten. Er war selbstsüchtig genug, ihre Erreg»,ng ansgunützen. „Na, nicht gleich," besänftigte er sie, ,/üiber' ich meine M . . ." . . Mund an Mund »i- ‘ - '-v ' einem seiner sinnlich lerh!sinnigen Lächeln. „Wenn man sicher wüßte ... sollte man nicht vorher über alle Maßen glücklich seiln?" tfyr icnr, int 6 35299977471031

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