Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1924-10-10 · Heft 2028 (10.10.1924) · p. Seite 10

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 2028 (10.10.1924)
Date
1924-10-10
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
89% known words query
IRI
…/2979076-2980834-2981111--20747-3007998
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

■« wu - m\l\t IM1 TML ID SBÄtt, FttNütz *^w .... > - — Wiener Morgenzettung. 10. Oktober 1924 Nr 2068 1 ' ' ""' . ■ ■ ■ ■— . -- ■■'.! .. | > „< ~ . > VXljs\. ■..! ..... —:—. V V ■ '>!■ n-A- - ' '.! ■ ■ . ' 7 ’ 111 " .'•"" 1 1 DES? WIENER MORGENZEITUNG- ERSCHEINT FREITAG RADIO Was die Radioamateüke wünsche«. 7 Einige Zuschriften aus Amaternkreisen entwerfen ein scharfes Bild des Verhältnisses der Amateure zur Rawag und der Wünsche, die noch ungestillt in den Herzen un-ierer Amateure Wummern. Als nach den offiziellen Ansprachen führender Persönlichkeiten, die alle die große Errungenschaft zum Hauptgegenstand .ihrer Rede machten, ein etwas mageres Eröffnungsprögramm dem Aether übergeben wurde, zitterten Hundert von Kristalldetektoren, glühten' Tausende von Sludionlaurpen und Pochten alle Amateurherzen vor Lust und Erwartung und waren sehr erstaunt, als schon fünf Minuten nach viertel 9 Uhr die Sendung, die ohne vorhergehende Verständigung früher begonnen hatte, abgebrochen wurde. Doch wäre dieser Eiuzelfall lang nicht so tragisch zu nehmen wie die. Tatsache, daß das Radioprogramm, das dank der ehrlichen Bemühungen der Rawag an klassischer Musik eine Fülle von Genüssen bietet, einenl Teil der Amateure ihren Liebling, die Tanzmusik, karg zumißt. All diese vielen Menschen, die nach des Tages Last und Mühr ein wenig lachen, ein wenig ranzen möchten, wären so leicht zu befriedigen, wenn es gelingen würde, je eine Sunde am Nachmittag und am Abend der leichten und der Tanzmusik zu widmen. Es würde damit dem Radiowesen ein großes Fel) der Perbreitlingsmöglichkeit zugänglich gemacht werden. Fast jedes zweite Wiener.Kaffeehaus hat jetzt seine Tanztees, und säst alle würden sich Empfangsstationen einrichten, wenn der Gedanke Broadcasting RADIOGESELLSCHAFT WIEN Zentrale: IV. Karlsplatz, Verkaufsstellen Fabrik: V. Bräuhausgasse Nr. 6, Tel. 51-3-80 u. 51*8-56 LUDWIG FISCH, Radio-Geräte-Verk.-Ges: - Wien XIII. •' DefBMüUf bei R. LECHNER Will. MW Wien, I. Graben 30/31 in allen Preislagen Sämtliche Bestandteile II flntennenbuu Täglich Vorführung im Rad io sa Ion rin Dec Tanzmusik,sendnugen in die Tat umgesetzt werden würde. Einen zweiten wichtigen Punkt möchte ich erwähnen, auf den vielfach hingewiesen wird, und das ist der Sprecher her Sendcstatron. Es ist höchst unangenehm, wenn aus dem dunklen Schlund des Lautsprechers die .Worte unverständlich an die Thren der gespannt lauschenden Zuhörer dringen. Der Sprecher muß sprachgeschult sein und artikuliert sprechen. . > - Wird es mit der Zeit möglich sein, diesen Minschen unserer Amateure entgegenzukommen, so wird sich die Rawag nicht nur der größten Beliebtheit erfreuen, sondern auch der Radiobewegung und der österreichischen Radwindustrie einen unschätzbaren D erweisen. Felix B. Ae Antenne. Die Voraussetzung für den Empfang mittels eines Radioapparates -ist das Vc> handensein einer An« -ne rift h'ie Antenne unrichtig bemessen oder nicht entsprechend ansgeführt, so kann man auch mit dem besten Apparat Leinen guten Empfang erzielen. Andererseits kann eine gute Antenne selbst mit einem einfachen Apparat überraschende Resultate ergeben. Man unterscheidet Hoch- oder Freiantennen und Innenantennen, zu welch Letzteren auch die sogenannte Rahmenantenne gehört. Für den Wiener Empfang genügt eine Rahmenantenne ohne weiteres, PAUL PLANER A. G. RADIOABTEIUJNG WIEN II. Praterstr. 17 Komplette Empfangsstationen Alle Bestandteile zum Selbstbau Baukästen »Radioplan11 Instruktion, Vorführung Antennen, Montage MggH Der neue amerikanische Empfangs- SUHegi BHHHH apparat mit sensationeller Leistung WWEWggg ,WIRELESS‘ Radiogesellschaft I ^^^, Wien, I. HalferstorferstraBe 4 RADIOAPPARATE UND -BESTANDTEILE ELEKTRA LICHTREKLAME INSTALLATIONEN WIEN, I. SOURSTfiTTE 19, Tel. 75-2-68 wenn man mit einem Röhrenapparat arbeitet. Hat man bloß einen der gebräuchlichen Kristalldetektoren ßtt Verfügung, wich eine Rahmenantenne nur unter günstigen Verhältnissen, daß heißt in allernächster Nähe der Sendestation, den Empfang vermitteln können. Zweckmäßiger ist es, eine sogenannte Zrmrnerantenne anWbringen, die empfindlicher als die Rahmenantenne . ist und mit der man auch an der äußersten Peripherie Wiens gut mit Detektor avbeiten kann. Es ist aber möglich, mit Innenanteuue beziehungsweise Rahmenantenne. entferntere Stationen auszunehmen, wenn statt des Detektorapparats ein Nöhrenapparat benützt .wird. Allerdings wird «ran. bei uns in Wien nicht überall mit diesen Antennen Auslandsempfang erhalten, doch beweisen die Versuche zahlreicher Amateure, daß Auslandsempfang unter besonders günstigen Verhältnissen mtt Innenantenne, beziehungsweise Rahmenantenne durch geführt werden konnte, insbesondere in den außen gelegenen Bezirken und außerhalb der Stadt. Die.empfindlichste Antennenart ist naturgemäß die Hochantenne, die es ermöglicht, auch weit entfernte. Stationen des Auslandes hörbar zu machen. Die Hochantenne hat der: Nachteil, atnwsMärische, Störungen mitauW-! nehmen, so daß der Empfang zeitweise nicht so rein ist, wie er beispielsweise mit einer Rahmenantenne erzielt wird, auf die atmosphärische Einflüsse keine Praktisch bemerkbare Wirkung haben. Bemerkt sei noch, daß eine Hochantenne stets mit einer Nmschaltvorrichtung verjehen sein, muß, die vor der Einführung des Antennendrahtes in das Gebäude anzubringen ist und eine Ableitung atmosphärischer Entladungen zur Erde ermöglicht. Bei Nichtbenützung der Apparaturen ist.daher eine Hochantenne stets zu „erden". Aber auch beim Nähen eines Gewitters ist es erforderlich, die Erdung vorzunehmen, um die Apparatur, bezie-bnngsweise das Innere des Gebäudes vor Blitzgefahr -n schützen. ________ 'Ing. R. K. RADIOAPPARATE und ZUBEHÖRTEILE in Qualitätsausführung Isoliermaterial. Prallte lUim:: PetehlBmiiiieralteH eit. QeSeilschaft für Elektrotechnik ING. KOPPL, KLUQ & Co. Wien, VI. Haydngasse 3 Telepihon Nt. 41-32 Telegr.-Adr.: T^aiisform* övezislhans für GlektrotechnU 0 Einrichtung elektrischer Anlagen und Installationen Wie«,!I!.PetmsgaARr.S mim mi ■, m mmmmmi timu "ffi Copyriaht 1924 by ‘ ° ' 1 Nachdmck verbot«», Deutsche Berlagzanttatr, Stuttgart. 8. Fortsetzung, Die Stadt an der Moldau. Roman. Bon Auguste Hauschner. „Sie überschätzen rpein Interesse an religiösen Dingen. Ich fühle mich innerlich nicht mit dem Judentum verbunden und betrachte meine Abstammung als einen Makel." Er hätte sie schlagen mögen für diese Rede. Haß sprühte in seine Leidenschaft, und stachelte sie auf. Er wünschte, er könne sie herabziehen von der Höhe, .auf der sie wähnte über ihn zu. thronen. , „Sie sprechen ans Unkenntnis. Sie klammern sich an gesellschaftliche Vorurteile und äußere Gebräuche. Musik ergreift Sie, aber für die sagenhaften Melodien des Judentums sind Ihre Ohren taub. Ueber Goethes Begeisterung für das Hohe Lied haben Sie gewiß gedankenllos hinweggelesen. Sie wissen nichts von dem Schatz von Poesie, der in der Lyrik des vorchristlichen Judentums begraben liegt und sich anhäuft bis zu unseren Tagen." Sie dachte hochmütig: „Was erlaubt sich dieser^ Angestellte meines Vaters?" und beschleunigte doch nicht den Schritt. Es prickelte ein Reiz ans der Schwüle männlichen Verlangens. Ueber die Grenzen seiner Absicht fortgerissen, entfernte er sich immer weiter von dem Gebot des Hergebrachten. „Von Angelius Silesius und Meister Eckart haben Sie in der Schule von Ihren Lehrern gehört, aber die Mystik der jüdischen Kabbala, des Chassidismus ist Ihnen fremd. Und doch trägt sie in sich die Keime des Marienkultus. Sie feiert die Frau als Tabernakel göttlicher Geheimnisse, Gott offenbart sich m der Liebe der Geschlechter." Es war heraus, das kühne Wort. An ihm entzündet, reizte es ihn, ihrer Phantasie eines der saibbataifchen Gedichte hinzuwerfen, wobei er meinte, sie müsse es vernehmen, wie es „wir beide" ans seinem Blute schrie. Verschanzt hinter jungfräulicher Würde blieb sie un- . durchdringlich. Sie sagte, als handle es sich um literarische Erwägung, und, wie es schien, ganz sachlich, während das Spiel mit dem Verbotenen sie lockte: sie sei immer dankbar sür eine Gelegenheit, ihr Wissen zu bereichern. Nur sei sie augenblicklich mit Reisevorbereitungen beschäftigt. Nach der RülKehr, sollte, es ihre Zeit erlauben und ihr Verständnis reif genug sein, um sie anfz-unehmen, würde sie gerne in einigen Vorträgen sich von chm unterrichten lassen. Himmelhoch baute er sein Luftschloß aus. ,M diesem Tage lasen sie nicht weiter." ' Sie hörte einen Laut der Seligkeit, und dachte: Wie er in mich verliebt ist, das ist luftig. Hatten seine Lippen ihr nicht die kühle Haut verbrannt, da sie sich beim Abschiednehmen auf /das schmale Hand-, gelenk oberhalb. ldes Handschuhs senken durften? Die Nachtstunden opferte er der Abschrift der sabbataischen Minnelieder, dichtete ein eigenes, hinzu, in. dem das Fleisch sich bis zur Schamlosigkeit bekannte, die Seele demütig sich unterwarf. Diese Poesien ihr. zukommen zu lassen, da die Postbesörderung zu unsicher er- - schien, kostete Aufwand von Beste chungi War sie-geglückt? Im Vorzimmer seines Vorgesetzten führte et eine Vertrauensarbeit ans. Hatte Therese Kenntnis von der Abwesenheit ihres Vaters? Gang kindlich kam sie hereingehüpft. Haustöchterchen. Im verwaschenen/ etwas - -zu kurzen rosa Kleidchen, und schien verwundert, Herrn Peröziner nicht vorzusinden. „Ist Papa nicht da? Wie dumm. Ich -habe ihn um Briefpapier und Postmarten schädigen wollen." Er stand aufrecht, mit den Augen Besitz von ihr er. greifend. Ihre Beherrschung konnte nicht verhindern, daß ihr Befangenheit aus allen Poren sprang. „Uebrigens", eine leichte Trübung «lag auf ihrer Kehle, „Dan-k für die Gedichte. Es war mir noch nicht möglich, sie zu lesen." Bon ihm abgewendet, fragte.sie: „Sie sind von Ihnen?" > - ./Nur das letzte, ohne Namen." Es ging sin Schweigen zwischen ihnen hi» und her, voll von schwebender Bedeutung. In ihren .Zügen -war ein Kampf, sich festzuhalten oder aufzuschließen. Er fragte sich: „Was weiß sie, was hat sie schon -erfahren von der Liebe?" . Bor der Heftigkeit,, mit der er aus sie zutrat, wich sie zurück. Nicht weit traf die Linie zwischen Damenhastigkeit und Neugier, dachte er. Mit einem Lächeln, zu lockend, uw rmschuMg zu wirken, tat sie die spielerische Frage: „Sie sind also ei» Dichter?" „Nur wenn ich liebe!" Der Schleier der gesellschaftlichen Lüge war zerrissen. Nackt hatte sein Herz sich ihr gezeigt., Im Vorzimmer der Schritt Dr. Peroziners. ,/Schau, schau, eine neue Konzipistin. Ich habe die.' Ehre, Fräulein Nest." Sie ,war wieder das Keine, nichtsahnende Mädel. „Geh, Papi, bist'- dich, schenk' mir von deinem schonm »MM Briefpapier. Und ich möchte auch-ein-paar Fünfzighellermarken haben." „Raubst du mich schon wieder aus, du Diebin?" Er lachte, während er ihr das Gewünschte übergab. „Willst wohl hundert Einladungen schreiben für dein Auftreten als Diva?" Herablassend zog er Jakob ins Gllpräch, „Uebermorgen ist nämlich das Turnier, und sie ist eirr . Stern über dem Tennisplatz." Er spottete, aus seinen^ Mienen leuchtete .Zärtlichkeit und Stolze ,Mn anonymer, Sie spielt unter ihrem Vornamen, Therese." Geschmeichelt von dem Interesse, mit dem IakoH diese Mitteilung entgegennahm, fügte er hinzu: „Wenn , Sie sie bewundern wollen und sie Ihnen.eine Einladung verschasst, Urlaub will ich Ihnen geben." Schon griff er nach den Men. „Lauf jetzt, Reserl, ich Hab zu tun."

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.