Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 2008 (17.9.1924)
- Date
- 1924-09-17
- Page
- Seite 8 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite S Wien, Mittwoch Wiener Morgenzeitung. 17. September 1924 Nr. 2009 Sie Schlacht am Semmering. Komm' den Kurven zart entgegen, Dann gewinnst Mi auf me'-» Äon. Bist du mnt-ig wnü verwegen, Kommst du noch dwl schneller fort. Unter diesem anmutigen Motto, Inders was seine erste, bessere HAfte arrlangt, roM« das diesjährige Sem- «ermgremren, das Bergderby der Auwmobile und Motorräder, am verflossenen Sonntag vor germggvschätzt 200.M entzückten Zuschauerauge» ab. Es war — in der Hauptsache — si« Rennen ohne M rennen, ein Wettbewerb der Gemntlichbeit, nach der populären Melodie: Immer lang!am voran! Ran die berüchtigtesten Asse von Steyr und Mercedes, die Werner, Saiher, Hansel, Grafen St. Julien und Kinsty, dann die Prominenten des Motorrades Dirtl, Schmid, Ziefevl u. a. «. fielen merklich aus der Schablone, fuhren mit gewohntem Elan, dies auch in der Kurve, di-e sie selbst nahmen, eigenhändig und -hrrmg, statt sich, nach berühmten Muster so mancher Auchrennfahrer, von der Kurde nehmen zu lassen. Nichts erscheint uns dringlicher für das' SEnsanatorinm, so Oesterreich heißt, Äs die'prompte. Eröffnung einer erstklassig geführten und ebenso besetzten ,/kurvente-chwischen Hochschule" für alle, die da wollen und nicht Wunen. Sozusagen für den Chor der BestM-nnd-nicht-abgeholt-Fahrer. Und von diesen, weiß Gott, wimmelte am verwichenen Sonntag dieStarterlrfte.-Da war, wn einkrasses Beispiol herauszuhoben, Herr Otto Armbrufter, der Sohn despoputäreuWagenbaumeisters, auf Sunbeam. Ein Draufgänger eomme Ä ne faut Pas, noch mitte» darin in seiner-Strmn- und Drangperiode, kam er den' Kurven unzart entgegen,' sehr mutig und' noch nvchr' verwohn, u«d wenn eme. davon-es arroganterweife unterließ,' ihm im werten Boyeu auszuweichen, landete er eben — mutig und' verwegen — an fckhlem Ort, inmitten der Kniescheibe einer rchyercken Blondine, die dort in der Anstoe-ngung des: „Alles rennet, rettet, flüchtet!" vergesten wurde. Statt -den mutigen Kmestheibenfchützen „Wwschädlich" zu machen, ließ manihnweiterhin m heÄerer UnbeDüm-nwrcheit um das Wohöbesi-nden der immechm zahlreiche anwesenden, noch intakten KuiefcheZbe« auf die Menschheit los. - . TemmeMgrennen 1324 14. September r 10 Kilometer Ulrich F. Kinsky Beste Zeit aller Wagen ohne 7Min.lOSek. KOltipreSSOr 7Min. 10Sek. Beste Zeit aller Herrenfahrer Josef Hansal auf STEYR Beste Zeit aller Tourenwagen Pneu Continental Cord / Vergaser Pallas SigrfcFedem v,SigriaStahlteite der Steirischen GttssUhlmerke, Wien, /. Schenkenstrasse 8—10 VMMh MMWlMlI« Kommendelle Direktion: Wien, l. Teinfaltstrasse 7. Eigene Verkaufsbureans: Wien, I. Kärntnerring 7 (für Wien n. Niederösterr.), Qraz, Joanneumring 14 (ffir Oraz und Steiermark)« — Inlands- Vertretungen: Oberösterreich und Salzburg: Internationale Auto -Handels- und Verkehrsanstalt, Inhaber j. Walt!, Weis, Hans-Sachsstr. 1. Kärnten: Thomas Bohrer, Klagenfurt Tirol: Röthy und Wiedner, Innsbruck, Heiliggeiststrasse 9. Vorarlberg: Th. Anwänders Söhne, Bregenz C YCLECARS« Zechner auf Mathis 1. , Wöchner auf Mathis 2» , TOURENWAOEN-KLASS.E I: Edlinger auf Amücar 1. Frau Käthe Rantzau auf Amilcar 3. . RENNWAGEN-KLASSE I: Kandi auf Amilcar 1. Sä m 11 i e he mit ING. MENDEL & KALLAI 1. BARTENSTEINGASSE 4. TEL. 24-1-66, 29 0-87 Dies war, wohlgemenkt, ' nur- -eine der vicklen UnbegreisliHkeiten des Rmnens. Eine an-rrre Hieß Langatmigkeit. Pünktlichkeit ist eine Zier, doch weiter kommt man ohneihr! Und da er, der höhe Oe. A. C., wie es scheint, noch sehr weit kommen will in diesem seinem Kärntnerringwallen, verzögerte er.den Anfang der. Vorstellung gleich um eine halbe Stunde,, einen Tip, den er offenibar aus der - Gegend rund um das Riesenrad bezogen hatte, allwo di: - beist-bepuchtigltie R-istomrnandeurphräse lautet: So, eben ist Anfang und gleich darauf ist '-Beginn! Zwischen Anfang und Beginn liegt dann gewöhnlich eine Welt der Langeweile. Zumindest aber eine haikbe Stunde. Apropos, Prater. Auch die Davbietangen der Galavorstellung am Semmering — heute Auftreten' nur erster Kräfte und Pferdekräfte! — hatten etwas Praterisches: Viel versprechend und wenig haltend. Das Gros den Rennen, zumindest der vierrädrigen, löste , sich im Duelle auf. Und m Wohlgefallen. Mauke ward da auf Marke gchetzt, wobei es gar nicht so selten vorkam, dos; Marte und Marke sich identifizierten. Wer ist der Stärkere, ich oder ich? Das Erfreulichste: Der antidiluvianisch anmutende Rekord für die Semmeringstrccke -wurde zu Grabe getragen. Feierlich. Ein Ge b'l äse-Orchester erwies ihm dabei die letzte Ehre. 11,6 Sekunden hat Christian W e r n e r, einer der wenigen noch nicht abgeschafften Könige am Volant, dem Rekord amputiert, und sein Durchschnittstempo spricht Konversationslexika für den Nutzeffekt des. Kompressors auf rennlichem Gebiet. Freilich, ob er im Alltagsleiben des Automobilisten in absehbarer Zeit eine entscheidende Rolle zu .spielen berufen sein wivd, wird erst dm Zu-nnft lehren. Qui vivra, verra! .Das Rennen der taufend Autos! Auch das wäre ein trefflicher Titel für den Gebläsekriog am Semmering. Nämlich: Tausend Wagen diverser Aorsklasten, fast neue und noch betagtere, temperamentvolle und steinachreife, entre deux ages UNd in lebensgefährlichem Wer, -bemühen sich nach Pferdefrästen, den vollen Semmeringrekord' in eigener Regie ad ÄbsnÄmm zu rasen. Immer feste druff,. als ob sie davor bangen würden, den Anschluß an das Pa-lchans-Fvühstück zu versäumen, so tollten sie in rmedlem Wettstreit höhenwävts, nur ein Ziel vor Augen: den ,Morfahren" gelhvrig „abzustaulben". So lief denn neben dem eigeMichen. Semmevingrennen noch ein „unebgentliches" einher, eine Wald-und Wiasenkonkurrenz, mit anonymen Fahrern und diAreten Zeiten. Und wer weiß, vielleicht ist dieses improvisierte, aus dem Parkettboden des Se-nrmeringkurses gestampfte Mennen von beiden das wertvollere, weÄ wahrheitsliebendere. Zwar Vlieben feine Zeiten geheim, dafür lügen sie nicht, halten sich an die lautere, ach! so unmovderue Wahrheit. Diewchl .jene Wagen, die das Rennen Nr. 2 bestritten, keine kunstvoll .frisierten, aufgeganf-elien Tvurenwagen darstellen,, vielmehr normal verauslagte, völlig SEMMERINGRENNEN 1924. Urbach ahf A* J. S. Sieger Kat. bis 350 ccm 7in Rekordzeit Gen.-Vertr. BELA SCHLESINGER, Wien, VII. Stnckg. 12 unpräpa' ierte Magsmodelle, / dem nächstbesten Profpekt ent. sprungeir. Des große Ereignis >der Autosaison, dar Semmering» rennen war gekommen. Eine ununterbrochene Kette von Auws und Motorrädern aller Kaliber, kleiner und großer, surrender und doggernder, alter und neuer, rollte je nach Können, je schneller desto bester, dem Ort der großen Ereignisse, dem Semmering zu. Das Bild der Autolüstlmge war um viele hosentragende Tandemfahrerinnen und um viele volantkundige Damen reicher geworden als in den Vorjahren. Von Invustriestockung, Konkursen Pleite war bei dieser Auffahrt äußerlich nichts zu bemerken, es gab vom Ring bis auf den Senimering nur erwartungsfrohe Gesich-ex und rasende Fahrzeuge. Ein Gast, der sich in der diesjährigen Saison den motorsportlicheu Veranstaltungen ostentativ ferngehalten hatte, die Sonne, war gekommen, umschmeichelte strahlend' schöne Frauen und insolvent Direktoren und spiegelte sich in tausenden erwartungsfrchm Augen. . . ' , . Vor dem Hotel Erzherzog Johann hätte sich bald eine große Znschauermenge a-ng-esammelt. Bekannte wurden begrüßt, Zurufe wurden laut, Gläubiger wurden gemieden und Vermutungen ausgesprochen. Die Kurven wurden rasch von sensationshungrigen Feinschmeckern besetzt, die ganz -gut wußken, daß dort di-e Sekundenzauberer ihr Merk vollbringen, daß sie dort das Reimen gewinnen öder verlieren würden. Illustre Gäste waren in -solcher ' Menge' erschienen-, daß ihre Aäfyählnng zu weit führen würde. Auch Gerüchte waren da. Man raunte, daß der 1909er« Rekord schon im Training .begraben worden wäre, man munkelte, daß Steyr seinem Rützler-Wagen-einen Kompressor zu gesellt habe und mau erfuhr (u-nd das war' wahr), daß dieser böse Kompressor das Zylindechevz de« braven, sieggewohnten Steyr-^Logen vor/Ausregung zum Zerspringengebracht hatte. Das brachte die Zuschauer imi die Sensationdes Tages, Rützler-Ealzer. - - -. $ie schlechte Disziplin des Puiblikuims einerseits, dt« nicht vollkommene Organisation des Streckendienstes andererseits hatten M Folge, daß einzelne Wahrer vondem. vördrärr-genden Publikum in der Übersicht der flacheren Kurven behindert wurde», so daß trotz des fäbeU-asten Kurses . die Maschinen nicht immer voll ausgewertet werden Unten. - - Itznvergeßlich wird allen Zuschauerrl bas Tempo und der pseisen'de heulende Torr der Me-rcedes-Kompressovwagen, u«° auslöschlich der Eindruck, den die hohe Fahrkunst Werners und Salzers, der diesjähr-igen Rekordbrecher . und des Grafen Kinsky bleiben. ' , lDie Siinurul-ng des Publiiiku-ins war.merkwürdigerweise nicht gerade nwtorrci-dsrenndlich und äußerte sich zidnilich treffend in dein Ausspruch eines Zieschauers: - ,>Die ganze Motorraddennerei kann nur gcstohler^ werden, ich. bin nur auf die Rennw-Lgen neugierig." Das war zwar nicht'sehr sportl-ich, aber immerhin die Äteiuu-ng -des Publikums. Auapp nach 1-1 llhr wurde der erste Fahrer aibgelassen. Kokoll, Zieser-l und Dcwok passierten rasch aufemanderfölgen-d die Mssichtskurve, die T-a-vok am 'bestell fuh-v. llvhach siegte i-n Kat. B. 1als Fahrer von Klasse und Kurventechnik sich und seine -Maschine als -Vorz-üglich Präs-entiererA . IN Kat. B. 3 verdient die Fahrt des Herrn Schörg auf Neiv-Hwdson, die als De'but sehr Mt war, erwähnt zu werden. Der ^iog dieser Kat. siel cm Ing. Brenner auf Moto GuW. SEMMERINGRENNEN 1 92 4 von einem Amateur gesteuert L»i! 9i35 am SEftmlS Generalvertretung: Rud. Schoerg, IV. Rainer^asse 11 -Kulanteste- Benzin *und $trohmeier&C? 3119 Idistation ■BELEUCHTUNG SH AUS J. JELLINEK. Verkaufsstelle der Ver. Teleph -und Telegr.-Febr. CZEIJA, NISSL & Go. und Bestandteile Wien. VI. Mariahilferstrasse 1 b r u xr*rxtmMr*xrr vr*awrr. 23144