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Wiener Morgenzeitung · 1924-09-16 · Heft 2007 (16.9.1924) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 2007 (16.9.1924)
Date
1924-09-16
Page
– (sequence 1)
Language
German
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V1" .v^-,-” 'rvT . nF;,* -^v *7 y 11} n*oi bii 20 groizvl | Pre1«5 K 1400 Wiens Zum Abholen in der Expedition; II. Taborstr. 1-3, oder in einerVerschleisstelle (Trafik) monatl.K 40.000 Strassenverkauf in Wien durch die Kolporteure der Firma Goldschmied, 1. Bez., Wollzeile.il Mit Postversand für Wien u. Oesterr. monatl. K 40.000 Tschecho-SIowakei: Mon. K18. Jugoslawien: Mon. DinaröO. P o 1 e n: Mon. 37s Zloty, Deutschland: Mon. Goldmark 4, Frankr^ Belgien: Mon. Frcs. 12 England: Mon. 4 Schilling. 11 a I i e n: Monat!. 12 Lire, *Rumanien Mon. 150Lei, Bulgarien Mon,80 Lewa,, Schweiz und das übrige Ausland monatlich Frcs. 4 Redaktion u. Administration Wienau., Taborstrassei— 3 Telephone: 44-0-38,43-3-19, ab 6 Uhr abds. 21-102,25-282 IX. Unlversitätsstr. 6—8 (Druckerei Steinmann) ■V* Nach Zahlungen "WW bei Prelierhöhuncen vorbebaHes Oesterreichisches Postsparkassen.: Konto Nr. 150.693 Ni. 2007 Mw. Dienstag, 10. September 1924 8. Jahrgang Der blutige Weltfriede. —soh. W i en, 16. Septemb er. In Genf» wird über den Frieden der Welt beraten. In Marokko wird der Heilige Krieg gepredigt. An der Grenze zwischen Aegypten und Tripolis, werden Truppen zusammengezogen, da ein Streit um' Grenzgebiete entbrannt ist. In Indien gibt es täglich Kämpfe zwischen den Bekennern zweier Religionen; mit merkwürdiger Einförmigkeit greift die Polizei immer wieder in diese Kämpfe ein, es gibt auffallend viele Tote und Verwundete und sehr häufig mischen sich Kriegsaeroplane in. Religionsstreitigkeiten. Gegen die heiligen Stätten des Islam in Mekka marschiert ein arabischer Stamm in voller Kriegsrüstung mit modernen Waffen. Im Kaukasus tobt eine Revolte und in. der Mongolei bebt der Boden von der Erschütterung innerer Kämpfe. In China führen die Verwaltungsmethoden der Zentralisierung und der Dezentralisierung einen merkwürdig wohlorganisierten Krieg gegeneinander. In allen diesen Kämpfen aber spürt man Einflüsse bestimmter Mächtegruppen, welche Personen, Parteien, Systeme, Methoden gegeneinander ausspielen, derselben Mächtegruppen, deren Vertreter m Genf über den Frieden der Welt beraten. m Ausdehnung des Streits auf die Provinz. - Allgemeine Erhöhung des Lahmivraur. In Genf wird über den Frieden der Welt beraten. Zu gleicher Zeit wird in London' der fünfte Kongreß des interalliierten' Verbandes der Frontkämpfer eröffnet, in welchem vorläufig nur die sogenannten Siegerstaaten vertreten sind. Doch dürste die' Völkerverbrüderung, von der man bei den unpassendsten Gelegenheiten bekanntlich am liebsten schwärmt, woU auf dem Gebiete des Frontkämpfertums nicht lange auf sich . warten lassen. Mussolini hat bereits erklärt, die Organisation der Frontkämpfer müsse, um-wirkungsvoll zu sein, auch die vormaligen Feinde einschließen. Es wäre. möglich, daß eine solche Vereinigung ehemaliger Frontkämpfer wirklich vöKerversöhnend wirken könnte, wenn durch, sie diejenigen, welche an der Front gewesen sind, einander kennen lernen würden. Aber -eine Vereinigung von Frontkämpfern, in der siegreiche oder geschlagene Generale sich befinden, also Leute, deren berufliche Tätigkeit durch jäies Näherrücken an-das Ideal des Weltfriedens illusorisch wird, kann nicht für den Weltfrieden arbeiten. Von der. neuen blauen, oder, feldgrauen Internationale läßt sich nur jene „friedliche Durchdringung" der Welt erwarten, die Europa so. gern in anderen Weltteilen vornimmt, die friedliche Durchdringung mit Movd, Versklavung, und Erniedrigung.'derjenigen, die angeblich noch nicht im . Vollbesitz aller Segnungen europäischer Kultur und Zivilisation sind.'. In. Genf wird über den Frieden der Welt beraten. Aber in Europa, das für den Weltfrieden vorbildlich sein will, ist' eme riesige, Menge',von Zündstoff angehäuft und bald da und bald dort loht eine Feuergarbe aus. Nicht immer gleich ein Krieg; es ist oft nur der Feuerstrahl einer einzelnen. Schußwaffe' oder es sind jene Grenzzwischenfälle, Grenzüberschreitungen mit tödlichem Ausgang und ähnlichen Erscheinungen, die der Bürger so gerne zum Morgenkaffee genießt. Eben wurde ein Komitaischihäuptling in Bulgarien ermordet. Er gehörte einer sozusagen sta-atserhaltenden Räuberbandenrichtung in Bulgarien an.'Einige andere von der gegnerischen Richtung, die angMich.-bolschewikisch orientiert ist, haben auch in dieser Zeit daran glauben müssen. Dieselben Bandenführer- und ihre Untergebenen, die jetzt untereinander ihre Melnungsverschiedenheiten äustragen, bilden'für . alle .Grenzen.• •' des' "bulgarischen Staates den steten Anlaß zur 'Unruhe, teils wirklicher, teils gemachter. Es ist noch nicht-sehr lange her, da haben sich ähnliche Vorfälle an den verschiedenen vor fünf Jahren geschaffenen Grenzen wöchentlich oder täglich ereignet.' Die.Politischen Methoden, die man als „ba-lkanisch" zu bezeichnen, gewöhnt ' ist,- sind leider, ins Große übersetzt, die Methoden; der europäischen Politik. Solange die politische Methode.der.VorschÜbleistung bei Massenverbrechen ' nicht aus der 'Lehre“ von den Beziehungen der Völker gestrichen ist, solange es möglich ist, daß die oder jene .Macht-zu-: Erreichung ihrer politischen oder' kolonialen -Zielebewaffnete - Konflikte. her- Der gestrige Tag brachte eine merkliche Annähemng der Streittelle. Die Meballindustriellen erklärten sich grundsätzlich zu einer Erhöhung der Mindestlöh n e b e r e i t, ans der Gegenseite Wunde eine weitere Verschärfung der Streikmo-ßnahme^ nicht beschlossen. Die Ausdehnung des Aussöandes auf die Bundesländer, die geistern in Wirksamkeit. trat, war bereits am Sonntag vorgesehen ^rnd diirfte die EinigungsverlhanÄlungen kann: bee.mflussen. Da in 'beiden. Lagern der gute Wille vorhanden ist, den Frieden wiedecherzuistellen, dürfte, wenn auch wach hartnäckigem Feilschen, der Streik noch im Laufe dieser Woche sein Ende finden. Die Regierung hat, nachdem Unternehmer' und Arbeiter bereits am Verhandlungstisch sitzen, keine -Veranlassünlg, jetzt einzugveisen. Um Halb 12 Uhr mittags fanhen im Hanse. der-Industrie die erftm meritorifchen VerhandlüNgen statt, an welchen seitens der 'Unternehmer die Vertreter des Jndustrrellenverbandes unter dem Vorsitz des, Ingenieurs Gö festen-her Mbeitevschgistchiie MitgUeher der iGe- .weM^WHMmWpp H u e b er. Md^S-chs-chi.nnd>VM-ä ÄIÄ ALM'MntzM^Dp fn e7§uM- W i e d-en Hofer und die Leitunigsmitg-lMer, Drexler und Gemeinderat Sie i n teülnahwen. V>om Jndnstrvellenver'band wavf Dr. Margareth)a zunächst die Frage der technischen Fassung der Lohnforderungen der Arbeiter aus und verwies.auf die g r o.ß e n S ch w i e r i g k e i t en, die bei der EchöhUng die Umrechnungen mit dem starren System uisw. bieten, weshalb es angezeigt erscheine, zunächst sich über, die V e r h a n d l ü n g s m e t h o d e n Klarheit zu verschaffen. Ueiber diese Frage wurde eine zweistündige Debatte abgeführt. Um 2 Uhr wurden die Verhandlungen abgebrochen und Hve Fortsetzung für heute halb 11 Uhr vormittags auberaumt. Eine sachliche Aitnähernng trat gestern noch nicht zutage. Nachmittags hielten die UntevhäMer des ' Meiallapbeiteriveribandes-eine Sitzung ab und um Wb 6 Uhr fand e i ne Sitzung de s Bierzige rausschusses statt, in der Nationälrat Domes Wer die Verhandlungen mit den Unternehmern berichtete und sich Vollmachten für die. heutigen Verhandliunigen gelben ließ. . Die Industriellen hielten mif5 Uhr eine Vollversammlung im Jndustrieha-us ab, in der zunächst über die- Ereignisse seit der letzten Vollversammlung berichtet /wurde und dann über die..Verhandlungen mit der Regierung, sowie Wer die ivobwenhig gewordenen. Verhandlungen mit den Vertretern der Metallaübeitenscha-ft.'- An diese Mitteilung'knüpfte sich , ' eine ungemein erregte Debatte, iu der von eiMeln-m'Red":erü, 'fe "we ise l t würde obj^die Industriellen trotz der ang.ekündigwn Steue reble i chterungen in der Lage seien,.Lohnforderung en in dem Ausmaß, wie sie die Arbeiterschaft verlangt, zu gewähren. Schließlich gelang es, folgende/Resolution mit Werwiegender Mehrheit zur Annahme' zu bringen: „Die VoWersammlung des Wiener Industriellen- Verbandes nimmt den - Bericht der Unterhändler hinsichtlich der Zuigeständnisse, welche die Regierung und die politischen Parteien auf dem - Gebiet von si e ner- und f.i nanz.pol itischen Erleichterungen seitens des Bundes, der Länder und Gemeinden in Aussicht gestellt haben, zur Kelnutnis. In der sicheren Erwartung, daß die angekündigten Zugeständnisse erweitert, bezichungsweise in wirksamer -Höhe konkretisiert' werden, erklärt sich die Vollversammlung — in Konsequenz der Metzr gefaßten Bebereit zu einer Erhöhung der Mindesilöhne, ferner zu einer nt.it der UnrrechN'ung vevbu-ndenen allge» m e i n e n Erhöhung d e s L o h n n i v ea n s, die auf alle Fälle wefontlich unter.d.em geforde rten Maß sein muß, unter der Bora-ns-setzung,.'' daß'' hieVei jene JndüistriegrnPpLn oder' UnternHmu.ngen - ausglSMinmen. wer-!den,/.w.elchc -.eine.W'Litere. .Belastüllg^. trotz.. der zu erwartenden EMichterüng 'der.--.'PMÄtionsbädingunGen, nicht - er» tragen.Wn'nen. . , -' '. > . Das Lohnkrmitee wird beauftragt, die Lohniverhandlnngen in diesem Sinne fortzusühren." ' Der Streik kn der Provinz. In Graz wurde in den gestrigen Mo-rgenstunden die Arbeit der Metallindustrie eingestellt. Die Streikenden zogen von Fabrik zu Fabrik, um sich von der Einhaltung der Streikpa-role zu übertzmgen.. Es kam . wiederholt' zu A n s a m -m l u n g e n vor den -Betriebsstätje'n; die mit 'Abzeichen verschenen Ordner sorgten jädoch für Ruhe, die nirge-nids gestört wurde. Auch in der UmgeibuMwon Graz wurde gestern der Stre>ik begonnen. Die obevsteirischen Eisen- und Hüttenwerke stehen ftdoch nicht im Ausstand. . Im Bereiche der Sektion Salzburg des Hauptverbandes. der Industrie^ ist 'der belsichende Kolloktivvertrag in der Metallindustrie geistern mit Vievzehntägiger Wirkung gekündigt worden. Gleichzeitig wurde eine Forder.u ng ans L o h n e r h ö h n n güberreicht, lieber diese Forderung werden in -den näHsten TagM Mischen den Metallnldustriellen und dem Metallarbeitervcrband B e rh a n d l u n g e n ge-Mogen werden. In allen.Betrieben des Landes wird g e a r b e i t e t.und.'der Ausgang der Der» hanÄunaen abgekartet. " Dagegen trat in den metallverarbeitenden .Betrieben O b e r ö st e r r e i ch s die Avbeiter schaft — mchr als; 3 0 00 Arbeiter — in den S t r e i k. Wi>e das „Tageblatt" meldet/ruht in Linz in 20 Betrieben, die Arbeit. Nach den.'bisher voAiegenden Meldungen ha>ben sich Zwischenfälle nichteve-ignet. - - - . - ' m vorrüft, solange, wird' die ewige Unruhe ‘ aus der Welt nicht verschwinden. . ' In Geys wird über den Frieden der Welt beraten;: aber die besten Konventionen sind wertlos, solange nicht in die Welp der-Geist des'Friedens-eingezogen' ist. Wenn der Wettbewerb.' um das Rohöl zwischen England und Amerika nicht anders erledigt werden 'kann, als durch eine-Revolution in Mexiko;-wenn die ganz in den zaristischen'Methodenverankerte Expansionspolitik Sowjetrußlands. und der., japanlsch-englische Widerstand '. da-! gegen '-sticht 'anders - erl-edigt; werden kann, ' als durch einen Bürgerkrieg in China; wenn'die jug-ofläwischgrle-chMen--Mäch'tbestrebüngen' auf dem-' Balkan und.die bulgarischen'Gegenaktionen nicht.--.änd.ers - aüsgetra-gen' werden Tonnen, als durch Bändenkäwpfe an den Grenzen; --wenn, d-as -.Verlangendes -großen indischen Volkes nach .^Unabhängigkeit, ' welches'. - den .Kolonialinteressen' Großbritanniens widerspricht, nicht anders -ni^ergedrückt werden kann, als durch religiöse Kämpfe in Ostindien; wenn die einander! widerstreitenden kolonial- Politischen — und im Zusammenhang damit strategischen — Interessen Spaniens und Englands nicht anders unter einen Hut zu bringen sind als durch Aufstände der eingeborenen Bevölkerung in Marokko; wenn der französisch-englische-Gegensatz im nahen Osten nicht anders ins Reine gebrachtwerden kann als durch gegen, seitige Verhetzung der arabischen Stämme.—.dann ist die 'Menschheittrotzder 'blutigen Erfahrungen der letzten Jahre in ihrem sittlichen Empfinden um keinen Schritt..vorwärts gekoistmen. Denn-es' wird noch immer mit' Menschenblut und. durch'. Menschenblut.'Handel getrieben. Und in-Genf wird über den'Frieden der Welt beraten. ■;;; ■ i - mpni mammm ersDaren-Sie beim Einkauf - von'?Stoffen1 für Herbst und fWiriterj Damen- und Herrenwäsche,' lieinenwaren, Stricic- und Wirkwaren, Teppichen, Vorhängen usw. gsfr Im Warenhaus II. Taborstraße 48 Telenlton 47-1 «70 En groi En detail < ’,i i‘ i. . - < v -e y--i „f.:; ‘ I

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