Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1992 (31.8.1924)
- Date
- 1924-08-31
- Page
- Seite 17 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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. Nr. WS Mn, Sonntag " ' ' MeMir WoVgLttMMA ' . 31'. August 1924 . Seite 17, MMWtW ' .’• IvsV'tv'* ■ Kommsnclkls clsf ^rostiSLksn LsKomptsbanK^gssm JUk.Afteitjjon i'(Eek^BökergäÄe>; Bankgeschäften wB®^| fia Ä@l W©fg9j|6 f b.elimörjiben) Warengeschäfte vwvwww.-»iwwgwvwws-4i Telephon» aB-B*90 Serie 10465 f'lT^i^r«tn^aiji^(^8e. 'mmvmvwvmvmm Volkswirt. Re Finanzrefom Polens. Von Dir. Jan Marjan Schaff. Polen gehörte bis zu Beginndieses Jahres zu. lenen Staaten, deren Währung am hosfnungEoisesten zerrüttet war. Als im Dezember vorigen' Jahres Dr. Grabski ans Ruder kam, brachte er ein weitsichtiges Programm mit und er verstand in kurzer Zeit das zu erringen, was alle seine Vorgänger vermißten und was zur Durchführung der Fiuanzsaniernng eines Sant>e§. unbedingt nötig ist, und zivar das Vertrauen der Bevölkerung. Der . Plan Doktor Grabskis war einfach, aber durchgreifend und läßt sich iuic folgt kurz zusamnrenfassen: 1. Valorisierung der Steuern; 2. Vermögensabgabe zur Deckung eines eventuellen Defizits in. dev ersten:Sanieru'ngLPeriode;>3..MaMsterung der. polnischen Mark; 4. Gründung'einer'Notenbank; 5. Emission einer neuen Währung und Einzichen der Markvaluta; 6. innere Wleihen; 7. Berwaltungsveform und Entstaatlichung unrentabler Beteiligungen des Staates an der Industrie. Die größten Schwierigkeiten bei jeher WäihruugssanierulU liegen in der Deckung der Defizite zu Beginn der Sanierungsperiode. Die Steuererträgnisse waren entwertet rlnd es dauert eine geraume Zeit, bis man dieselben: auf die Höhe der Goldparität bringt. Polen gelang es,-durch die Verpfändung des Tabakmonopols an Italien im März eine Anleihe im Betrage von 400 Millionen Lire zu erhalten. Zwei Vlaßnahmen Dr. Grabskis ermöglichten 18', ihm, ohne große SckMierigkeiten die Mhnrngsreform dllrchzusichren. Dies waren: 1. Valorisierung der Steuer bis zur Goldparität und 2. die Vermögensabgabe. Somit waren endlich die Staatseinnahmen auf eine stabile Grundlage gebracht und brachten gleichzeitig eine Beschleunigung der Einzahlungen, denn die' möglichst rasche Bezahlung der Abgaben lag nur im Interesse der Steuerträger, da sie beim Abwarten einen stets anwachsendeu Betrag in Mark schuldig blichen. Eine in drei Jahren abzahlbare Vermögensabgabe traf hinzu, die den, Wert von 1000 Millionen Zloty repräsentiert, von welchen bereits 330 in diesem:. Jahre ein-, gebralHVMiM Mem-MnA diesen Eingängen" erklärt sich auch düs rasche Steigen der polnischen Staatseinnahmen. Das polnische Budget für das erft? Halbjahr 1924 gestaltete sich nun wie folgt: Einnahmen Ausgaben in Millionen Zloty Unterschied Jänner . , 98,4 73,1 - 34,7 Februar . , . . 80,7 90.2 — 95 März . . , . , 122,7 114,8 -4- 7.9 April . . . . 130,4 119,4 + 11,- . Mai. . - . . . 133,6 133,4 +. 0,1 Juni . , , . . 149,5 148,2 + 1,3 Ter vom Sejm geirehmigie Voranschlag für das Jahr 4 sieht Ausgaben in der : Höhe von 1491 Millionen Zloty und Einnahmen von 1422,7 Millionen Zloty vor. Das sich ans diesem Voranschlag ergebende Defizit von 68,3 Millionen Zloty wurde ans Anleihen gedeckt. Das größte De- , sizit ergab sich jedoch nur in der: , ersten Monaten dieses Jahres, also in den Stufäugcn' der Sanierung, wogegen schon in: zweiter: Vierteljahr die Einnahmen mit den Ausgaben vollkommen ansbalaneiert erscheinen. Im Februar dieses Jahres wurde bereits die Notenpresse stillgelegt und es wurde durch eilt Staastdekret bestimmt, daß. der Staat auf keinen Fall neue Kredite von der Staatsbank in- Anspruch nehmen darf, mit Ausnahme der von der Bank Polski dem Staate gewährten Kredite, welche die Marimalhöhe voii 50 Millionen Zloty nicht überschreiten dürfen, und, mau muß auch zum Lobe'Dr. Grabskis verzeichnenixiß diese Kredite bis jetzt fast in Gänze unausgenützt geblieben sind. Ein neiier Beweis des Vertrauens, dessen sich Grabski in Polen erfreut, lvar der Erfolg der von ihm cmiilierteit inneren Anleihen. Die Einzahlung auf die Dmlaranleihe erfolgte in effektiven Valuten, und . mit Hilfe d.cscs Fonds wurde sodann die Stabilisierung.der polnischen Mark durchges'ührt. Die Umrechnungsparität wurde mit 9,3 Millionen Mark für einen Dollar festgesetzt. Erst nach Durchführung dieser Vorbereitungsmaßnahmen und evst nach Beendigung der Stabilisierung der Mark schritt Dr. Grabskr zur Gründung einer Emissionsbank, welche auch nach langen Beratungen mit dem Namen „Bank Polski" (Polnische ' Bank) als eine Privatbank gegründet wurde. Das Aktienkapital wurde mit 100 Millionen Zloty, fixiert, die Emission der Aktien wurde im Map; bereits durchgeführt und wurde, von privater Seite, sogar überzeichnet. Ursprünglich sollte der Staat mit 10 bis 30 Vrozent an der Bank beteiligt fein, in Anbetracht jedoch des Interesses an diesem^InftitutWerziDete. der- Staat auf sein diesbezügliches RD^K^s'InDut.bchht auf 20 Jahre das Recht, Banknoten auszügeben, wobei der Staat am Gewinn beteiligt ist. Die Deckung der von -der Bank emittierten Banknoten muß mit 80 Prozent in Gold Und Devisen bestehen. Die. Bank PoM weicht aber von diesen Bestimmungen ab und bchält eine Deckung bis zu 70 bis-80 Prozent, um sich auf solche Werse einen größeren Valutenvorrat zu sichern und im Falle eines Steigens des Bedarfes die Ansprüche voll decken zu können. Der Zlotvi wurde ohne Störungen in den Verkehr gebracht, die Marknoten werden in raschem Tempo dem Verkehr entzogen, so daß nur mehr ' 27 Trillionen im Verkehr -bleiben. Der Zloty wurde zuerst als Wertmesser zur Umrechnung voll Steuern, Abgaben nfw. benützt und bildet feit fcent t Juli, dieses Jahres das gesetzliche Zahlungsmittel Polens. Der Zloty hat einen Wert von 9,31 Gramm Feingold, was einer ^ollarparität^von 6,18 Zloty entspricht. Gemäß der Dollarparität würde auch der Umrechnungskurs des Zloty zur, Mark mit 1,800.000 festgesetzt. Seit Aufnahme der Sanierungsmaßnahmen steigt ununterbrochen der Wert des Äanknotenumlaufes, ohne jedoch den großen, andauernden Bargeldmangel zu verringern. Das Anschlvellen der Zirkulation ist daraus zmückzuführen, daß die Zlotyhanknoten sukzessive in den Umlauf gebracht tverden und andererseits j-ttmsb die verminderte Zirkulatlonsgeschwindlgkeit Praktiziert.- Nach vielen 'Jahren hat 'also Polen die langersehnte stabile Valuta und der Wert des Banknotenumlanfes verringert sich nicht mit jeder Stunde. Die nachstehende Tabelle spricht-Worte der Ironie, wie stark in den abgelaufeuen Jahren der Wert des Umlaufes der PblnifchLN' Märk gefallen ist: . - Banknotenumlauf in Dollarwert in Millionen Polenmark Millionen Dollar 81. Dezember 1920. .- - 49.362? 85 t ' 31. 1921 . . . 229.538 77*8 31. v „ , 1922... 793.438 . - - ,. 44,8 31. „ 1923 . . .125,371.955 20,- Man hat also, statt gleichzeitig mütder Entwicklung der Wirtschaft ihr mehr Kapital zur Verfügung zu stellen,, derselben.tzas Geldmaieriail.entzögen. Die Ursache des Wäh-^ ^'ungsverfalles imsJHve-19237 den^Mt iü.Kesem -Jahre' trat der Verfall involler Stärke auf, ist jedoch nicht in äußeren Schuldverhältnissen zu suchen/ ha die gesamte Schuldenlast Polens wenig über 266 Millionen Dollar betrug, sondern lediglich in her polnischen. Finanzpolitik. Die Durchführung der Währungsreform ist aus diesem Grunde sehr bemerkenswert, weil sie mit Ausnahme der. kleinen italienischen Anleihe nur mit /Kräften des Inlandes, durchgeführt wurde. Dagegen muß man in den letzten Monaten »in ständiges Anwachsen des Wertes des Banknotenumhuses -seststellen. Nacbdem/am Anfang der Sanierung der Wert des- Umlaufes/ffnde Jänner-dieses Jahres..noch 165 Millionen Zloty betragen hat, wächst er im Februar auf 293, im März auf 331, im Juni auf 489 und'im Juli auf 851 Millionen Zloty an. Es herrscht noch heute ein stark fühlbarer Bargeld inangel, im Lande, jedoch haben sich die Zustände im Vergleich zu den Vormonaten wefenlich gebessert. Ein bedeutend wichtiges Problem bleibt jedoch auch weiterhin die Möglichkeit, für das ganze- Wirtschaftsleben Polens größere Mittel aus dem Auslände zu erhalten. Auch beschichte tfer Juden erhalten Sie als «Wiener Morgenzelfung bei Aufgabe eines £ siehe. Abonnementw tarlf; \ in dieser Richtung arbeitet bereits Dp, Grabski, und / emigen Tagen soll bereits am Gesetz evschemerr, - wo di« polnische SWerung für alle ansläMschen Anleihen die Garantie der pünktlichen Einhaltung aller Verpflichtungen, seitens der Kreditnehmer übernimmt. Somit hfe Lre 'Zürückhaltung der ausländischen Kapitalien infolge geringen Vertrauens nicht inchr stichhältig. So wird also der damernde Erfolg der Sanierung von der Möglichkeit abhcmgen, ' der polnischen Wirtschaft neue Betriebsmittel zu verschaffen, und weiter von der Anpassung der polnischen Industrie an die Bedingungen des Weltmarktes. - Falls dies erreicht wird, stcht, glaube ich, einer gefunden und kräftigen Ent- . Wicklung der polnischen Wirtschaft nichts im Wege, und dann wird sie den ihr gebührenden Platz in der Mitte an- 'derer, in voller Blühte ste-henden Wirtschaften der europäischen Staaten eirmehmien können. Der -gestrige Privatverkehr war von einer sehr festen Haltung -getragen, hetvorgerufen 'durch die günstige Wendung der politischen Situation iü' Deutschland. Sämtliche Kulissewerte und eine Reihe von Schrankenpapieren wurden wesentlich, höher taxiert. Im.Vordergründe des Interesses standen wieder Rima-Aktien, die zu höheren Kursen gesucht waren. Wenn das Geschäft keinen-größeren Umfang angenommen hatte, so war dies dem Mangel an Warzuzuschreibm. Die Versorgung gestaltete sich gestern.sehr leicht, da nur! geringes Material zu prolongieren war. Der Zinssatz erfuhr eine Erleichterung und « stellte sich auf 0,370 Prozent. Die Angelegenheit der Depositenbank. Die Depositenbankaktionäre 'des Aktionärausschüsses ersuchen uns, folgenden in der Bertvauensmännervevsammlung vom 26. d. gefaßten Beschluß bekanntzugeben: Die Vertrauensmänner halten sich vor Augen, daß die Interessen der Aktionäre mit denen der Gläubiger untrennbar verbunden sind und nur nach deren Befriedigung und Abfindung zum Zuge gelangen können. Da die ^lüfrechterhaltung der Geschäftsaufsicht vor allem im Interesse der mittleren und kleineren Gläubiger-liegt,-weil sie eine vor- // sichtigere und: vorteilhaftere Verwertung der Aktiven gestattet' als das Ausgleichsverfahren, gegen sie kein einziges sachliches Argument vorgebracht wurde und vor allem, weil sie allein. den Sanierungsplan des Aktionärvereines ermöglicht, nach voller Befriedigung der kleineren Einleger, die weitere Aus- 'einandersetzung und Opferung von Vermögensrechten auf dm Kreis der Aktionäre und großen Gläubiger zu beschränken, spricht sich die Vertrauensmännerversammlung für die Aufrechterhaltung der Geschäftsaufsicht aus, solange diese Ziele noch erreichbar sind. Auglo-Austrian Bank Limited: In der am 29. d. in London abgehaltcnen außerordentlichen Generalversammlung der Besitzer der Stammaktien der Anglo-Austrian Bank Limited wurde Herr Ludwig Urban,' Vizepräsident der Schrauben- und Schmiedewarenfabriks-A. G. Brevillier ü. Co. und A. Urban und Söhne und Präsident des Hauptverbandes der . Industrie Oesterreichs usto., zum Mitgliede des Verwaltungsrates der Anglo-Austrian Bank Limited gewählt. (Entgeltlich.) Die Leipziger Messe. Die unmittelbar vor Beginn der Leipziger Herbstmesse bekanntgewordene Annahme der Dawes- Gesetze durch den Reichstag hat auf die Kauflust der bereits zahlreich eingetrosfenen Messebesucher sehr anregend gewirkt, so daß die bisherige Zurückhaltung verschwunden ist. Die Anmeldungszifser der, Messebesucher ist seit Freitag stark ge-. wachsen./ ‘ Pie ungarische Krone' gleichwertig der österreichischen. Aus Budapest wird gemeldet: Generälkommissar Smith veröffentlichte gestern seinen dritten Monatsbericht, In Besprechung der finanziellen Lage verweist der Generalkommissär darauf, daß vom 1. August angefangen sich die ungarische Nationalbank mit allen-ihr zur Verfiigung stehenden Mitteln bestrebt habe, das stabile Verhältnis der ungarische n K x o.n ss z u m e n g l i s ch en P f u n d zu erhalten, und zwar auf. demselben Kurs, den die in Goldwert stabilisierte österreichische Krone in London zeigen wird, sobald das englische Pfund in New-Aork die Münzparität erreicht. Zu diesem Zeitpunkte wird also die ungarische Krone automatisch mit.der österreichischen Krone gleichrvertig werden. Neue Bankgründung in Rußland. Einige englische und - schwedische'Vertreter der englischen und schwedischen Finanzkreise sollen dieser Tage über Murmansk in Moskau ein- ' treffen. Unter diesen befindet sich, wie „Rußpreß" erfährt, der gewesene Leiter des Bankhauses Bowlton und Co., welches vor her Revolution in: Petersburg tätig: war und sich hauptsächlich mit der Finanzierung der russischen-Holzausfuhr beschäftigte. Der Plan dieser Vertreter besteht darin,' in Rußland eine englisch-russische Ostbank für den Holzhandel zu errichten. Re WareumMe. Kakao. Die Denöenz hielt , sich in her Be-rWZwoche -auf letztem Stande. Es notieren inlänoische Ware 33.500 St., holländische prima in Kisten oder Fässern 36.750 K. alb Wien. Äm- Hamburger MaE blivb hie Denldeniz stetig. Jnlarchskakaobutter wurde mit 2.70 bis 3.80 gehandelt. Exportbutter-, kostet 48 Dollaroents; Kakaobutter^ ist sehr knapp angebvten und lebhaft' gefragt. , , ‘ Gewürze. /; Dem hiesigen. Markte wurden zwgesühr't: Casiia lignca zu 48.000 Paprika!edtzl>süß 'zu 77.000 K„ Pfeffer Smgchore 02010131020222 3585