Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1988 (27.8.1924)
- Date
- 1924-08-27
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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HHIIWHMIUM Sprache das Bild des ostjüdischen Ghettos schildert, wie es vor der großen Wandlung, die Eisenbahnen, Pogrome und .Immigration nach Amerika gebracht haben, in seinerso fremdartigen Eigenart und Abgeschlossenheit gelebt hat. Mendele hat in seinen Romanen nicht nur das Leben des Ghettos in allen seinen Einzelheiten und in jeder Einzelheit seiner Aeußerlichkeiten festgehalten, so'daß es heute, wo es in dieser Art nicht mehr besteht, allein aus seinen Werken wieder aufgebaut werden könnte, mit seinen Häusern und Hausgeräten, mit seinen Menschen und seinen Geschäften, mit seinem Schmutz und seinem Aiefrglaubeh,’' mit seinem sozialen und geistigen Leben. Denn Mendele hat nicht nur zu schildern verstanden, sondern er hat auch gewußt, von allem, was er schildert, die Hülle wegzuziehen und darunter die verborgenen Gründe innigen Lebens und Glaubens aufzuzeigen. Die ganze Romantik der Volksseele lebt in Mendeles Schilderungen. Ihnen fehlt der Zusammenhang, den die Folge von Ereignissen oder die Entwicklung einest Charakters einem Roman verleihen. Seine Romane sind nichts als lose aneinandergereihte Szenen und diese Szenen nichts als kleine Kunstwerke, die . immer wieder einen Ausschnitt aus dem Leben des Ghettos vorführen. Dabei hat Mendele; dieser so jüdische Schilder er des jüdischen Ghettos, ein griechisches Auge erhalten und sieht mit ihm fast in plastischer Verklärung die Ruhe und die Bewegtheit der Figuren des Ghettos. Das manchmal verträumte 'und manchmal ironische Wesen des Ghettos hat sich in Mendele zu einer starken Künstlerschaft verdichtet, die die Hast und die altkluge Verständigkeit überwunden hat. Mendele ist ein ganz großer Künstler. Er hat die hebräische, wie aber auch die jüdische Erzählungsliteratur eigentlich erst geschaffen. Er ist ihr Großvater gewesen, aberzugleich war er.ihre stärkste und eigenartigste Persönlichkeit. Die, die nach ihm gekommen sind, standen schon‘' unter dem Einfluß europäischer Strömungen. Er wurzelte' noch ganz im Ghetto. Nirgendwo wie bei ihm kann der-Westjude diese ganze eigenartige Welt kennen lernen, und kein Lehrer ist als Führer mit der sicheren Hand und. der tief dringenden. Liebe Mendeles zu vergleichen. Dem Jüdischen Verlag gebührt besonderer Dank, daß er es unternommen hat, die gesammelten Werke dieses Klassikers der osfjüdischen Literatur in deutscher Sprache herauszugeben.. ' HansKohn. Das Sommerheft des „Piper-Boten“ für Kunst und Literatur des Verlages R. Piper & Co. in München ist soeben erschienen. Er hat sich auf sommerliche Reisestimmung eingestellt; denn das Reisen schließt die Bücher nicht aus, sie regen vielmehr zum Reisen an, vertiefen den Genuß, und halten ihn für die - Erinnerung lest. rGustav Wölf,,.der,Verfasser der bekannten billigen Bände über „Die schöne deutsche Stadt“ und „Das nord-. deutsche. Dorf“ plaudert von Reisebildung und Büchern. Mitten in die rechte Wanderstimmung führt uns des Komponisten Armin Knabs Beitrag „Rund um Rothenburg“. Der Münchener Baumeister Theodor Fischer steuert ein Gespräch über die Baukunst bei.. Julius. Baum, einer der besten Kenner deutscher Plastik, erörtert den Wert der Museen. Ein wunderschöner Abschnitt aus Jean Paul weckt den Zauber der Janinacht. Richard Benz zeichnet das Bild dieses vielleicht, deutschesten Dichters. Aus dem Tagebuche des. großen Indologen Karl Eugen Neumann werden einige stimmungsvolle Seiten über indische Reiseeindrücke veröffentlicht, Hugo von Hofmannsthal, Alfred Döblin und Josef Hofmiller würdigen das Lebenswerk K. E. Neumanns: die großartige Uebertragung der Reden und Sprüche Buddhas. Der unfreiwillige Humor von Kinderaussprüchen über ihre Erlebnisse auf dem Lande - macht den lustigen Beschluß. Die Bildbeigaben zeigen Baukunst^ Plastik, Landschaft aus Bamberg, Straßburg, •Augsburg, Chorin,,Rothenburg, Tirol und der Lüneburger Heide. Der Bericht des Verlages über seine Bücher für die Reise durch Deutschland gipfelt in dem Bestreben, den Reichtum deutscher Landschaft, Architektur und Kunst immer mehr bewußt, zu machen. Palästina — als Mittelpunkt des hebräischen Verlagswesens. Zu den Zielen Erez Israels, die sich jetzt verwirklichen, gehört es auch, hier die * Herausgabe der hebräischen Literatur zu zentralisieren. Noch vor nicht allzulanger Zeit hat Wilna die beneidenswerte Stellung dieses Zentrums' eingenommen, wie überhaupt Rußland — Warschau, Wilna, Odessa — als die Quelle-aller hebräischen Bücher galt. Aus finanziellen wie aus moralischen Gründen geht diese Rolle min auf Palästina über. Ein Blick auf das Verzeichnis palästinensischer Bücher, das von der Palestine Zionist Executive in der Wembley-Ausstellung ausgelegt wurde, zeigt, daß Palästina auf seine Größe nicht wartet, sondern sie sich selbst zu erringen weiß. .. Es ist nicht gerade eine überwältigende Ausstellung .von Büchern und Zeitschriften, aber immerhin ein Verzeichnis von Bedeutung; und vielleicht sein auffallendstes Charakteristikum ist die außergewöhnliche. Vielseitigkeit, die höchste geistige Aktivität beweist. Pädagogik, Jurisprudenz, Jugendliteratur und Poesie — fast alle Gebiete geistigen Schaffens. „Alice .im Wunderland.“ ist neben Östrinsky’s Elementarphysik zu finden, Hans Andersen neben Ladiszinskys Mättiematiki.Hier ein hebräischer Weltatalas,.dort Dickens und andere Romane in Hebräisch. Da gibt es lach technische und literarische Zeitschriften, Opern- MM rn HBmhom» . Blätter. „Mischar Wetaassia“ heißt das 14tägig erscheinende Blatt für Handel und Industriemit vielen gründlichen technischen Aufsätzen. „Hamlacha“ ist eine industrielle und „Hassadeh“ die landwirtschaftliche Monatsschrift, daneben eine Reihe von Veröffentlichungen in Regierungsangelegenheiten. DER BÜCHERMARKT Zwei Bücher zur Völkerpsychologie HANS KOHN NATIONALISMUS Broschiert K 24.000 Als neuer Beweis für die Ansicht, dass die jüdische Bewegung keineswegs vor dem Rüstzeug modernen soziologischen und historischen Denkens an Schlag, kraft und Farbe kapitulieren muss, erweitert Hans Hohns Buch den Gesichtskreis des Zionisten auf das bedeutendste und trägt sehr zur Erkenntnis bei, dass die Bewegung, der wir unsere Kräfte widmen, historisch notwendig i t und der Allgemeinheit in // schönster Weise dient // HANSKOHN Sinn nnd Schicksal der russischen Revolution Broschiert K 25.000 Hans Hohns Buch ist keine politische Streitschrift, er betrachtet die russische Revolution Überhaupt nicht unter politischem Aspekt; vielmehr dringt Hohn zu den Wurzeln des Phänomens vor, er sucht es psychologisch, völkerpsychologisch zu erfassen und darüber hinaus soziologisch, bzw. geschieht*- philosophisch zu bewerten Jüdischi Rundschau 1988 Zu beziehen durch: R. Löwit, I. Rotenturmstraße 22 Der sensationelle Kriminalroman JOSEF 60LLOMB den die „Wiener Morgenzeitung“ in täglichen Fortsetzungen bringt, ist soeben in Buchform erschienen Preis: K LV.VDV Dieser Roman ist in England u. Amerika bisher in 300.000 Exemplaren verbreitet 1 Zwei Urteile: Ein wirklich erstklassiger, spannender Kriminalroman. Wir raten unseren Lesern,‘wenn sie einige Stunden Zeit haben, dringendst zu der Lektüre, da sie, wenn sie das Buch einmal zur Hand haben, es nicht so leicht wieder weglegen werden.. In diese nervenkitzelnde Geschichte hat Mister Gollomb eine entzückende Liebesgeschichte gewoben, die faszinierend wirkt. Bestellen Sie sofort, da nur wenige Exemplare bisher eingetroffen bei RLOWIT. BUCHHANDLUNG, WIEN I. ROTENTURMSTRASSE 22 »> SOEBEN ERSCHEINT der im Einklang mit dem Bundesministerium : für Handel und Verkehr und dem Ministerium für Unterricht herausgegebene KÜNSTIERHILFE- ALMANACH Bearbeitet von Karl Oskar Plszk 400 Seiten stark, 45 ganzseitige Bilder, 30 Textillustrationen und 5 Photos Mitarbeiter, Autoren u. Künstler aller Nationen, darunter: Ambrosi, Araquistain, Arzybaschew, Barbusse, Capek, Coudenhove- Kalergi, Eidlitz, Gafsworthy,Ginzkey, Hanak, Hellmer, Hofmannsthal, Hohlbaum, Kienzl, Lucka, Machar, Masereel, Masters, R. Müller. Musil, Palacios, Paraf, Polgar, Rolland, Shaw, Sinclair, Slezak, Schnitzler, Sologub, Srämak, Stoessl, Unamuno, Wassermann, Werfel usw. usw. Preis gebunden ö K 70.000 Der gesamte Verkaufsertrag dieses Werkes Messt (auf amtlichem Wege) den notleidenden Schriftstellern und Künstlern Deutschlands zu, weshalb reichsdeutschc Autoren darin nicht vertreten sind " In allen Buchhandlungen erhältlich LITERARIA-VERLAG WIEN / LEIPZIG <( PIPER-DRUCKE WUNDER NEUZEITLICHER REPRODUKTIONSTECHNIK Hebräische Dichtung Im 18. Jahrhundert. Die Universität von Cambridge veröffentlicht 1m Anschluß an die vorjährigen Dante-Feiern edne Reihe von Publikationen über das italienische Schrifttum im Mittelalter ünd der Neuzeit. Im Rahmen dieser Publikation erscheint dieser Tag« ein Buch von Nina Salaman über die hebräische Dichtung in Italien im 18. Jahrhundert mit besonderer Berücksichtigung Ra hei Morpurgos. Das Werk enthält eine knappe Beschreibung aller hervorragenden hebräischen Dichter ln Italien Im 18. Jahrhundert sowie Proben aus ihren Werken. Eine besonders eingehende Studie ist der Dichterin Rahel Morpurgo gewidmet. Das Buch ist mit einem Vorwort des Londoner Oderrabbiners und einem Nachwort von H. M. Lo e we versehen. Ein neuer Roman von Wells. Der größte Erfolg des englischen Büchermarktes Ist der utopistische Roman „Der Traum“ von G. H. Wells. Der Roman spielt im Jahre 4000. In diesem traumhaft fernen Zeitalter wachsen die Menschen unter äußerst idealen Lehensbedingungen auf. Die soziale Frage wird ganz einfach durch Gerechtigkeit gelöst. Der bestimmende Einfluß auf die Berufswahl der Kinder wird den Eltern genommen und amtlich angestellten Psychologen übertragen. AK Pikanter!« sei erwähnt. daß die Bewohner dieses Idealstaates Überhaupt keine Kleider tragen, denn sie sind gegen Wind und Wetter gefeit, ihre Instinkte aber derart vergeistigt, daß die Nacktheit keinen sinnlichen Reiz mehr auf sie ausübt. Dieser Roman hat förmlich Revolution gemacht und, wie gesagt, einen außerordentlichen Erfolg errungen. PEHUMUB Paoierfabriks- und ELDEFIwrlL Verlags-Oesellschaft Zentralbureau: Wien, 1. GrQnangergasse Nr. 2 Erzeugen alle Papiersorten, holzfreie und mittelfeine Kanzlei-, einseitig glatte Plakatpapiere, Pellüre, Löschpapiere, einseitig glatte Superiorsorten usw. usw. AUS DER "WERKSTATT DES BUCHES Das bücherreichste Land. Eine Zusammenstellung der „Bibliotheken von 50.000 und mehr Bänden und ihre geographische Verteilung auf der Erde“ hat der argentinische Gelehrte Dr. Enrique Sparn veröffentlicht« Wie Im „Börsenblatt für den deutschen Buchhandel“ hervorgehoben wird, steht Deutschland in dieser Zusammenstellung an zweiter Stelle. Die meisten Bibliotheken über 50.000 Bände besitzt Nordamerika. Aber Deutschland weist ein Viertel aller großen Bibliotheken Europas und ein Viertel der gesamten Bücherschätze dieses Erdteiles auf. Es besitzt mit 10,3 Millionen Bänden in seinen Universitätsbibliotheken fast ebenso viel Bände, wie die Universitätsbibliotheken von England, Frankreich und Italien mit ihren 12 Millionen Bänden zusammen. Dabei fällt noch der Verlust der deutschen Bibliothek Straßburg, die mit ihren 1,2 Millionen Bänden die größte Universitätsbibliothek der Welt Ist, zugunsten Frankreichs in die Wagschale.!m ganzen besitzen die 160 größten . deutschen Bibliotheken 29,5 Millionen Bände. Die Großbachbinderei F. Rollinger, Wien, XII., Niederhofstraße 37—39, empfiehlt »Ich zur Anfertigung von modernen Verlagsbänden und Handbänden für Private und Vereinsbibliotheken. (Entgeltlich.) NEUERSCHEINUNGEN Major Kurt Anker: „Teut wider Juda.** (Der Entscheidungskampf.) 1924. Verlag „Freie Meinung“, Leipzig. Prof. Dr. D. Gustaf D a 1 m a n : „Das Grab Christi in Deutschland." (Studien über christliche Denkmäler, herausgegeben von Johannes Ficker.) 14. Heft, 1924. Dieter ichsche Verlagsbuchhandlung, Leipzig. Prof. Dr. C. August Emge: „Das Eh er echt Immanuel Kants.“ (Sonderdrucke der Kant-Studien, Heft 1/2.) 1924. Pan-Verlag, Rolf Heise, Berlin. Dr. Hans Fern: „Die Radiofibel.** 1924. Akademische Verlagsgesellschaft m. b. H., Leipzig. M. R. Gerstenhauer: „Rassenlehre und Rassenpflege.“ 1924. Verlag Theodor Weicher, Leipzig. Prof. Dr. Rudolf Günther: „Die Bilder des Center und des Isenheimer Altars.“ (1. Teil: „Der Center Altar und die Allerheiligenliturgie.“ 2. Teil: „Die Brautmystik im Mittelbild des Isenheimer Altars.") 1924. Dleterlchsche Verlagsbuchhandlung, Leipzig. Prof. Dr. Nicolai Hart mann: „Diesseits von Idealismus und Realismus.“ (Sonderdrucke der Kant-Studien, Heft T/2.) 1924 Pan-Verlag, Rolf Heise, Berlin. Dr. Franz Haymann: „Kants Kritizismus und die naturrechtlichen Strömungen der Gegenwart.“ (Festrede, anläßlich der zweihundertjährigen Wiederkehr des Geburtstages von Immanuel Kant, gehalten am 8. März 1924 in der Juristischen Gesellschaft in Köln.) 1924. Pan- Verlag, Rolf Heise, Berlin. Gerhard Heine: „Der Kronprinz in Küstrin.“ 1924. Verlag Karl Rauch, Dessau. Dr. Karl K e i s z 1 e r : „Die Pflanzenwelt des Burgenlandes.“ (Veröffentlichungen des Naturhistorischen Museums, Heft 1.) Wien, 1924. Im Selbstverlag des. Vereines der Freunde des Naturhistorischen Museums. J. K u b a c h : „Weniger Klassenkampf, mehr Bildung.“ 1924. Deutsche Werkmeisterbuchhandlung;« München- Düsseldorf. P:of. Dr. Eugen Kühnemann: „Kant und die deutsche Kultur.“ (Sonderdrucke der Kant-Studien, Heft 1/2.) 1924 Pan-Verlag, Rolf Heise, Berlin. Eugen» Mahr: „Armlnius.“ (Deutsche Schulbücher.) 1924. Tagewerkverlag, Donauwörth-Berlin. Ludwig M athar : „Unter der Geißel.“ (Ein Moselroman.)' 1924. Verlag Kösel &. Pustet K. G., Kempten. Prof. Dr. Paul Menzer: „Kants Persönlichkeit." (Sonderdrucke der Kant-Studien, Heft 1/2.) 1924. Pan-Verlag, Rolf Heise, Berlin. Dr. Otto P e s t a : „Unsere Flußkrebse.“ (Veröffentlichungen des Naturhistorischen Museums, Heit 2.) Wien; 1924. Im Selbstverlag des Vereines der Freunde des Naturhistorischen Museums. Hugo R ö s 1 e r : „Das neue Volksbuch der Elektrfötät und des Magnetismus.“ 1924 Dieterichsche VerlagsbucnlKtii'.- lung, Leipzig. Oskar Schmidt: „Oesterreich imWiederaufbau “ (Ungarn vor der Sanierung.) 1924 Verlag M. Dumont Schauberg, Köln am Rhein. Prof Dr. Heinrich S c h o 1 z : „Das Vermächtnis der kritischen Lehre vom Raum und von der Zeit.“ (Sonderdrucke der Kant-Studien, Heft 1/2.) 1924. Pan-Verlag. Rolf Heise, Berlin,