Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1899 (29.5.1924)
- Date
- 1924-05-29
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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S-Sw_ »Tcit, LmnerM_ * Wiener Moraenzeitunft. 29. M«i 1924 Rr. 1899 Sie Zevisenkurle. Zürich, 28. Mai. (Devisenkurse von 12.06 Uhr. — Won der Schweizerischen Kreditanstalt mitgeteilte Mittelkurse.) Berlin pro Milliarde (-.-),. Holland 212.- (211.90), New-Aork 566.25 (566.—), London 24.86 (24.61), ,Paris 30.10 (30.65), Mailand 24.90 (25.-), Brüssel 26.- (26.30), Kopenhagen 95.60 (95.50), Stockholm 150.25 (150.25), Christtania 78.50 s78.50), Madrid 77.75 (77.75), Buenos Aires 185.- (185.-), Prag 16.70 (16.70), Budapest 0.0065 (0.0065), Bukarest 2.50, <2.60), Belgrad 6.95 (6.971/,), Sofia 4.07 (4.10), Warschau Wien 0.007975 (0.007S75). Derli«, 28. Mai. (Devisenkurse.) (In Goldmark für 100 Einheiten mit Ausnahme von Buenos, New-Aork, London,Japan rmd Rio für 1 Einheit, Wien und Budapest für 100.000 Einheiten.) Amsterdam 157.60 (157.51). Belgien 19.25 (19.85), Ehristiania 58.10 (68.25), Kopenhagen 70.82 (71.12 k Stockholm 111.55 (111.55), Italien 18.55 (18.65), London 18.255 (18.305), New-Aork 4.19 (4.19), Paris 22.44 (22.84), Schweiz 74.31 (74.41), Spanien 57.36 (57.61), Wien 5.93 (5.905), Prag 12.395 (12.435), Budapest 4.58 (4.58), Sofia 8.04 (3.07), Belgrad 5.18 (5.18). Berlin, 28. Mai. (Notenkurse.) (In Goldmark für 100 Einheiten mit Ausnahme von Dollar und Pfund für 1.Einbeit,.österreichische für 100.000 Einheiten und polnische für. 100 Zloty.) — Noten: Dollar 4.19 (4.19); Pfund 18.25 (18.80), Italienische 18.55 (18.65), Österreichische 5.84 (5.89), Polnische —(77.-), Tschecho-slowakische 13.34 (12.40). Prag, 28. Mai. (Devisenkurse. — Mitgeteilt vom Bankamte des tschecho-slolvakischen Finanzministeriums.) — Berlin*) 8.14 (8.19), Zürich 602.50 (603.-), Paris ' 185.871/, (189.12Vs), London 147.67'/, (147.80), New-Aork 33.95 (33.95), Belgrad 42.55 (42.53»/,). Bukarest 14.85 (15.35), Wien 4.78'/, (4.79), Warschaus-) 6.67 (6.68), Agram —.— (—.—), Budapest 3.85 (3.92'/,), Jugoslawische 42.37'/, (42.40), Oesterreichische gestempelte Krone 4.77 (4.77), Polnischel-) 6.57 (6.52), Ungarische 3.60 (3.75). *) Pro'Billion, s-) pro Mllion. Duöapeft, 28. Mai.' (Kurse der Devisenzentrale.) — Amsterdam 83.350 bis 34.250, Bukarest 385.- bis 405.-, - Kopenhagen15.040bisl5.440.Christianial2.350 bis 12.700.London386.800 bis396.700. Berlin -.- bis-.-, Italien 3920- bis 4030.-, Paris 4740.- bis 4890.-, Prag 2630.- bis 2700.-, Stockholm 23.650 bis 24.30t), Zürich 15.750 BIS 161150, Wien 1.2560 bis 1.2880, Sofia 640.— bis 660.—, Agram 1095.— bis 1126.—, New-Aork 89.200 bis 91.500, Warschau —bis —, Brüssel 4090.— biS 4220.-. Agram, 28. Mai. (Devisen.) Wien 0.1152 bis Berlin —.— bis —, Budapest 0.10'/Z, Bukarest 35.76 bis —.—, Italien 360.— bis —. London 354.37 bis —, New-Aork 81.40 bis —, Paris 437.50 bis —.—, Prag 240.87 bis Sofia bis Schweiz 1439.— bis —, Brüssel —.— bis —, Marschau —bis — Amsterdam —bis —. Stockholm —bis —. Belgrad, 28. Mai. (Devisenkurse.) London 343.12 bis Paris 437.50 bis New-York 81.47'/, bis - Genf 1440.50 bis-.-, Saloniki -.-bis-.-. Mailand 359.87 bis —Prag 241.32'/, bis Berlin —bis —.-, Wien 0.1153 bis Bukarest 34.50 bis Sofia 58.12 bis -.-, Budapest 0.09'/, bis Brüssel —.— bis —, Amsterdam —bis —Warschau —,— bis * Warschau, 28.' Mai. (Devisen.) Berlin —.—, London 2234 bis 2266, New-Aork 516 bis 521, Prag 1522 bis 1536, Wien 728 bis 735. I Die Pariser Olympiade. Italien gegen Spanien. - Sie Schlacht der Miner. - Eine Glanzleistung der Italiener. sKyiio, (von unserem nach Paris entsandten Sonderberichterstatter.) Wie Vovauszuschen war, übte das Dressen der beiden latinischen Rivalen unter allen Spielen der ersten Runde die größte Anziehungskraft aus. Men.war der Mutige Länderkanchf an Mailand, der die wuchtige. OhrseigenaMre des italienischen Trainers Pillota und des spanischen Wildlings Samitier brachte, bekannt. Die Weranstalter wußten auch, daß die beiden Auswahlmannschaften temperamentvollen und ehrgeizigen Nationen.entstammen. Dem wunde dadurch Rechnung stetragen, daß. das Spiel in das olympische Stadium von Colombes verlegt wurde. Ueber diese Sportanlage, die ungefähr 30.M) Zuschauer faßt, ist in ausländischen Blättern viel Abfälliges geschrieben worden. Diese'Berichte lassen'aber ie-de ObjÄtivität vermissen^ da das Stadion von Colombes allen Anforderungen gerecht wird. Furchtbare Erfahrungen macht man nur inl olympischen Dorf. Das Stadion selbst ist aber bei Be- Ärcksichtigung der modernsten Errungenschaften erbaut. , Der Kampf Italien—Spanien war die erste große Veranstaltung im Stadion. Trotz der großen Konkurrenz — es fanden nämlich gleichzviiia drei Spiele der Vorrunde statt — warerr gegen 20.000 Zuschauer in Colombes erschienen. Die Spanier machten , einen überaus -günstigen Eindruck. Man billigte den Italienern Wohl einen energischen Widerstand zu, doch rechnete m - mit einem sicheren Sieg der Spanier. Letztere haben sich tatsächlich als die besseren .Techniker erwiesen.. Sie erbrachtenaber.den Beweis,- daß ihnen zur Entfaltung ihres bekannten Clans die heimischen-Verhältnisse , schien. Die Italiener waren schneller,, energischer und entschlossener, überdies pflegten sie auch das, flache, intelligentere - Kombinationsspiel. Es besteht, kein Zwersel, daß die Mrattier ausgezeichnete FuMaller sind. Ihr KlWpiel wird vielle-icht von keiner anderen Nation erreicht. Man erkannte aber deutlich, daß sie ihre Usberlegenhoit im Felde nur daheim, vor dem eigenen fanatisierten Publikum und unter Leitung eines spanischen Schiedsrichters in Tore umwerten Knnen. _ ' Das Spiel der-Spanier ist.-direkt , auf spanische Verhältnisse emgestM. Der. Ball wird in hohem Bogen zugespielt, die Flügelleute laufen bis zu den Eckfahnen und geben das Leder hoch zur Mitte und die Innenstürmer besorgen im Sprung mit dem Kopf das weitere. Einen herchaften Schuß bekommt man von den Innenstürmern -Mir selten zu sehen. Die Erfolge werden durch ,/Drücken". ,Knrennen des Tormannes", ,Irrten desselben" usto. angestvebt. Won der vielgerühmten Schnelligkeit der Spanier war wenig zu merken. Manche deutlich erkennbare Mängel im Mannschaftsspiel werden durch Brutalitäten wettAmnachen gesucht. Zugegeben, daß die Spanier im allgemeinen mehr vom Spiele hatten, daß «sie die besseren. Techniker waren, tüchtige Kopfspieler sind, daß sie infolge des Ausschlussesihres. ausgezeichneten Mittelläufers Laraza; empfiMich getroffen würden und daß schließlich ein Eigentor - das «Spiel entschied, hoben die' Italiener; dank hervorragender - individueller Leistungen ihrer Läufer, dank'des unerreichbaren Kanrpfgeistes der gesamten Elf. den schönen Sieg doch vollauf verdient. Der -Erfolg erscheint um so gerechter,' als die Italiener absolut fair spielten. Ungeachtet der Rohertsakte, die von dem .sattsam bekannten Samitier und einigen seiner Kameraden begangen^ wurden, haben die Italiener, allen Widerwärtigkeiten' trotzend, ihre schwer erfüWare Aulfgäbe in ausgezeichneter Weise' geW. Ws die Spanier mit zehn Mann, ohne den in-zwifchen wegen eines derben Trittes ausgeschlossenen Mittelläufer ' spielend, das Uebergewichi. erlangten und ihr rechter Verteidiger Ballana einen scharfen Jl-ankenball des italienischen Rechtsverbinders Baloneieri ins eigene Tor feuerte, mußte man mit der spanischen Verteidigung und namentlichmit dem von einem Wei-nkrampf befallenen Spielführer Ballana Mitleid'haben. Der 25. Mär ist vielleicht der denkwürdigste Tag. des italienischen Fnßballspvrtes. Mit dem Sieg.über «Spanien hat sich die .italienische Nationalmannschaft für die letzten Niederlagen gegen Oesterreich und Ungarn vollkommen rehabilitiert. ÄVeiteve UeSerraschungen. Als Ueberraschung wurde in «Paris, der, Verlauf der Spiele Nordamerika—«Estland und Tschecho-Gloiwa-kei—-Dürkei gewertet. Von den Nopdamerikanern hatte 'man viel mehr erwartet. Sie errangen ihren Erfolg über Estland nur dadurch, daß sie einen Elfmeterstoß verwandelten und so - einen 1:0-Sieg davontrugen. - Die Estländer boten imallgemeinen vorzügliche und den Amerikanern überdies -ebenbürtige Leistungen.' Die Tschecho-Slowaken schlugen die Türken wohl mit 5:2 Toren, doch boten auch hier die Unterlegenen mehr als man erwartete. Die Ottomanen hätten ein weit günstigeres Resultat erzielt, wenn sie - vor dem gegnerischen Tor entschlossener gewesen wären. Die gestrigen Spiele. Paris, 28. Mai. Irland schlägt Bulgarien 1:0. — Das». Match Schweiz—Dschecho-Slowakei endete nach zwei reglementmäßigen Verlängerungen der Spielzeit 1:1 unentschieden it-nfo wird an: Freitag wiederholt werden. Die heutigen Spiele. Nur einige wenige -erstklassige Vereine nützen den heutiger Feiertag entsprechend aus. Die Mchrzahl, der brstklassigen Klubs pausieren, da sie noch vor schweren Aufgaben stehen. Das Programm des heutigen Tages ist demammß nicht allzu reichhaltig, aber das, was geboten wird, verdient das größte Interesse. Das wichtigste Spiel .; geht heute um 5 Uhr in Hütteldorf zwischen dem Brunner Makkabi und Rapid vor sich. Der Miakkabi-ist am vergangenen «Sonntag dem Sportklub Hakoah unterlegen, doch darf daraus nicht der Schluß gezogen werden, daß er heute gegen Rapid schlechte Siogesaussichten hat. Die Hakoah besitzt nmnlich einen Plissee-Röcke Wl eN. I. A O l E Vtefan Nr 7Q2&I* .'stot^e: II SEIDE mm W<S »laf K . ÜB. '-»i . I " L—■■■"ff*—ff—ff Copyright Nachdruck verboten. Irdischer Verlag, Berlin. 3. Fortsetzung. Hawdoloh Md Zapfenstreich. Von Sammy Gronemann. Goslar also fuhr mit großem Jubelgeschrei in die Hohe, als er -mich erblickte, wobei unzählige Notizzettel durch die Luft gewirbelt wurden, suchte mir ebne Sitzgelegenheit zu verschaffen und entwickelte eine rege wirtschaftliche Tätigkeit. Er wollte mich absolut bewirten. Er rührte mit dem Füllfederhalter den Kakao an und versuchte mir.mit der Redaktionsschere ein Marmeladebrötchen zu schmieren. Zwischendurch gab er mir die notwendigen Informationen Der die lokalen Verhältnisse. Von ihm erhielt ich die ersten Berichte über die «Situation der Juden dort, die er natürlich von seinen beiden Spezialgesichts punkten aus erfaßte, vom volkswirtschaftlichen und vom sexualethischen. Es stellte sich, um den letzten Gesichtspunkt voran zu Men, heraus, daß er in sämtliche jüdische Mädchen Kownos verliebt war, aber -noch nicht die persönliche Bekanntschaft einer einzigen gemacht hatte. Er konnte aber nicht genug von ihren schonen Augen und ihrer Grazie und ihrem sittsamen, bescheidenen Wesen erzählen. Volkswirtschaftlich aber hatte er viel Kummer zu erdulden. Er hatte gewissen* haste Erhebungen angestellt und Statistiken ausgesteW, uin die Kalkulationsmethoden der Kausleute und Krämer zu ergründen, und hatte damit 'elend Schiffbrnch gelitten. Me seine Erfahrungen ließen ihn hier im Stich. Er hatte in -der Hauptstraße, der Kaiser Wilhelm-Straße (alle Straßen -waren von der Okkupationsbehörde umgetauft und hatten deutsch-patriotische Namen erhalten), Geschäft für «Geschäft abgeklappert und seststellen müssen, daß die Preise für dieselben Gegenstände unendlich variierten. Er hatte zweiter aber auch seststellen müssen, daß in demselben Geschäft den verschiedenen Künden, je nach dem Eindruck, den sie machten, die verschiedensten Preise gemacht wurdern. Irgend etwas von moderner Buchführung, selbst primitivster «Art,, hatte er nirgends, von ganz großen Geschäften abgesehep, entdeckt urch sein Herz war von Bitterkeit und Trübnis erfüllt. Noch jetzt, «Wenn er als prominentes Mitglied des „Klubs ehemaliger Intellektueller" auf diese Dinge - sprechen kommt, verfinstern Schatten seine sanften Mg«. Als ich damals Miene machte, aufzubrechen, um mich bei dem Chef, dem Hauptmann B., vorzustellen, brach wieder seinehaussrauliche Natur durch. Er musterte mich in meiner Ausrüstung mit äußerster Strenge und Wpste noch an meiner Halsbinde, als er sich von mir vor der Tür der Presseabteilung trennte. Er schilderte mir — und solche Schilderungen hatte ich auch schon von anderer Seite gehört dtzn Hauptmann als grimmigen Vertreter des Gamaschendienstes und äußerst schweren Pedanten, alles zittere vor ihm. Nun, ich fand Wohlgefallen in seinen Augen und hatte mich über ihn nie zu beklagen. Er hat mir eine Reihe von Lieibenswürdigkeiten und schließlich einen sehr großen Dienst eriviesen. Richtig ist nun freilich, daß er mit seinen. Leuten iw allgemeinen nicht eben -immer glimpflich , verführ. Für einen zur alleinseligmachenden Jnfanteriefelddienstordtmng schwörenden Fanatiker militärischer Nüchternheit -war es aber auch eine schwere Ausgabe, mit dieser Horde von Dichtem, Journalisten, Malern, Bild'hauern auszukommeu. Die Presseabteilungwar vielleicht die unmilitärischeste Formation der ganzen Armee. Der Ehrgeiz jedes einzelnen fast ging dahin, sein Haar möglichst ungehemmt wachsen zu lassen. Urch trenn man nun bedenkt, daß für unseren Hauptnmnn der Anblick eines nicht glatt am Kopf geschorenen Mitteleuropäers ein Nagel zu seinem Sarge war, kann man sich borstellen, wie besagter «Sarg am Ende ausgesehen haben muß. Vielleicht habe ich das Wohlwollen meines Chefs durch «meine Glatze errungen, deren AuAdchnung und Wertbe- - ständigkeit alle Besorgnisse nach dieser Richtung ein für allemal restlos beseittgien. Uebrigens entwirft Dehmel in -seinem Kriegstagebuch ein interessantes Porträt dieses Hauptmanns. Wenn er sich auch bemüht, trotz oder gerade wegen der Differenz, die-, er mit'ihm 'hatte, sehr objektiv zu sein, schildert er ihn doch allzu lieblos. Eines muß ich jedenfalls seststellen,: Der Chef unserer' Presseabteilnng war ein Mann, der Bücher las und sogar gute Bücher. Man konnte ihn in seinem.Bureau zum Beispiel bei der Lektüre von Doftojewsky finden. Literarisches Interesse und Verständnis ist nicht gerade die BorWssetznng für den ^nha'ber eines militär-ifchen, selbst eines halb literarischen Postens. Zum Beleg dafür will ich etwas von dem Nachfolger des Hauptmgnn-es B. erzählen, Idem Oberleutnant S., dessenkurze Wirksamkeit an der Presseabterlung auf einmal eine lebhafte Seihnsucht nach dem vonvielen so oft weggewünschtsu Vorgänger hervorries: Eines Tages traf ich vor dem Büchevftünd den Burschen .des genannten Oberleutnants, wie er eifrig zu suchen schien. Ich fragte ihn, ob er gerne lese, und der treuherzige und schwatzhafte Mann erzählte mir: ,A ick lese for mein Leben jerne, ick jebe all mein Jeld for Bicher aus der Oberleutnant liest ooch ferne — ick muß ihm fasen, Wat mir jefallen hat und det pump ick ihm denn." — „Na," -fragte ich, „habt ihr denn immer den gleichen Geschmack?" „Nee, det nu jrade nich, da Hab' ick jetzt so'n Buch jelesen, det is cht Schauspiel, also det is ^beinah' so'n Liebesroman, ,Maria Stuart" heßt et, det Hab' ick ihm ooch jejeben, aber det hat er Nlir wiedevjebracht, er wäre bloß bis zum dritten Akt jekommen, det langweilte ihn." Dem Burschen lag sicher jede Ironie fern, und die naive Erzählung , erscheint für jeden, der einmal mit «dem Herrn Oberleutnant z-u tun hatte, nicht u-ng'laMoürdig; aber für den Leiter der Presseabteilung, welcher die geisttge Kultur Deutschlands im besetzten Gebiet zu vertreten hatte, ist das immerlhin allerhand. An jenen: Nachnrittag klappte ich meine Häken noch an verschiedenen Dienststellen hörbar zusammen — wobei ich nur immer ungeheuer kriegerisch vorkoinme —, und spazierte abends mit Ha>us Goslar durch die Straßen meines «neuer: Wirkungskreises, um ihm einmal die.Stadt zu zeigen, in de« er seit Monaten hauste. So konnte -ich ihn denn auch in die von mir sofort entdeckte Konditorei der Aladame Steinbach einführen, deren herrliche Käsekuchen und ,Omeletts für die nächsten Jahre der Trost ünfever Abende würden r:nd ihn mit der hübschen Sonja K. bekannt machen, die nebenürr irr der Teestube ihrer Mutter, wenn, ihr die Bedienung der Gäste Zeit ließ, ihre unterbrochenen Gymnaftrlstudien fortsetzte. Durch die Gassen aber liefen barfüßige, schwarzäugige Jungen, mit gewaltigem Geschrei die neueste Nnmunr der „-Kowpoer Zeitttng" und die „Letzte Naijs" ansrnfeick. Ich nickte ihnen stolz zu; in einigen Dagen würde mir dieselbe Nummer zugehen und ich würde mit Licken Rotsttftstrichetr all das Gemeingefäholi-che anzeichnen, .das' vier.Tage -vorher hätte verboten werden müssen. Ich freute-mich-ordentlich auf diese harmlose Art einer Schr-eckensherrschast. - ' Mer es kam ganz anders. O, Hernmn««: Struck, hast d^ mir jemals etwas von Ouecken erzählt?, . (Fortsetzung folgt.)