Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1894 (24.5.1924)
- Date
- 1924-05-24
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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«jpwr f -••’T! ,Y'W*'' «wü WM^WMäs^ y ■ i' '|,-Vj*~~~~—— icätDC N Fußball. Ger Wiener Cup. Heute gelängt mr 6 Uhr auf dem Hevcha-Platz das Cupfplel Hercha gegen Simmer-mg zur Austrcvgunig. Die Favorittver, die Ähr ganzes Sinnen und Trachten darauf lenken, sich die 'EÄMassiKert zu erhalten, dürften ans den Cup nicht allzuviel Wert verlegen. Wir sind aber der Ansicht, daß sich ihre MevauS starke Verteidigung auch dann nicht leicht rmterkviegen Assen wi.rid, wenn sie nicht Mit Eifer bei der Sache ist. Die Ävmmeringer sind eine technisch lschr gute Mannschaft, doch ist ihr Angriff etwas zu leicht geraten. Sie Men im heutigen Spiel als Favorits. Ihre Niederlage würde sehr überraschend kommen. Schiedsrichter Wanoura. - Die Mademiker der Hakoah tragen heute um halb 6 Uhr auf dem Simmeringer-Platz ihr fälliges Meisterischaftssprel gehen die Mademiker des 1. Simmeringer Sportklubs aus. Bolton Wanderers schlagen Aberdeen 3:1. Im V. f. B.- Gtädion in Leipzig fand am Montag vor migefHr MO Zuschauern, das erste Wettspiel zweier englischen Mannschaften statt. Es standen einander die Bolton Wanderers und der schottische Liaaklub Aberdeen gegenüber. Bor Halbzeit lag.Merdeen mit 0:1 tn Führung, fiel jedoch nach der Pause Nb und Bolton Wanderers gewannen schließlich mit 3:1. Beide Parteien nahmen das. Spml nur zeitweise ernst. . Derby County spielten in Duisburg gegen eine dortige kombinierte Mannschaft 0:0 unentschieden, nachdem sie am Samstag mit einem anderen gemischten.Team 4:1 gewonnen hatten. Nüvcasile United, der Pokalsieger von England, mußte nach seiner Niederlage in Bilbao (0:1) am Sonntag in Madrid vor dem dortigen Stadteteam neuerlich die Segel streichen. Das Gtädteteam von Madrid siegte gegen Newoastle mit 3:2. Achduth—Jedlersdorf-Jungmannschaft 1:2. Der jüdische Verein gab, „obwohl er mit Ersah für Loraut, Mumenzweig 2, otttreten mußte, emen , , Drock, Podhoercer^ Klein', bärtigen Gegner. ab. Der beste. Mannschaftsteil war die Verteidigung. Im Sturm zeichneten nch Adler und Eisgrau aus. Sternklar 1 .war etwas zaghaft, der rechte Ersatz-Mgel fiel gänzlich ab. Die Deckung der zweiten Garnrtur, Freund, .Gottfried 2. Fritsch 1, befriedigte restlos. Knapp vor Halbzeit erzielt der IMersdorfer- Mittelstürmer'das erste Tor. Nach Seitenwechsel vermag Adler mit schönem Schuß auszugleichen. Knapp vor'Schluß erzielen die Jedlersdorfvr den siedbrinaenlden Treffer. Achduth: Sternklar 2; Panner, Fritsch 2; Freund. Gottfried 2, Feilich 1; Kavolh, Zwllln'.g, Mer, Sternklar 1, Eisgrau. Leichtathletik. Leichtathletrsche Wettbewerbe des W. A. C. Der W. A. C. vevanstMet heute um halb 4 Uhr aus seinem Platze ein leichtathletisches Meeting, das schr guten Sport.bvmWn sollte. Im Lausen über 100 Meter gehen di« Halkoahner Lustig und Schwager mit Platzchancen in den Kampf.- Der 3mal 1000 Meter IuniorenstaiM bringt zwei Man-m chatten der Hakoah und des W. A.' C. und je eine Mannschaft des Sportklubs, W. A. F. und Wacker zusammen. Im Hammerwerfen werden einander die Athleten des W. A. F. und. des W. A. C. den . Sieg streitig machen. Jim Lause über 400 Meter startet der Hakoahner Reti, doch dürfte er den W. A. F.-Lenten den Vortvitt lassen müssen. Im Lanf über 1000 Meter hat. der Hakoalhmer Scheu nur sehr Heringe Gbanoen. Verhältnismäßig wenig Nennungen wutzden fur^das Weitspringen mit Anlauf abgegeben. Weil' «wn, vwv luvtica,!|UU Ovci Ji-WIH» UA-'lllKU, beiwevb. treten einander W. A. F, Wacker und W. A. C. entigegen. Im Kugelstoßen wird sich der Ringer der. Hakoah Pereles versuchen. Ein Damenlaufen üib.et 60 Meter dürfte guten Sport bviNgeü. Gin Staslsel-lanfen über 4 mal 200 Meter für Junioren werden drei Mannschaften der Haiwah, zwei des W. A. F. und je eine Mannschaft von SportMNb, Vienna und W. A. C. beistreiten. Das Hürdenlauftn über 400 Meter werden die W. A. C.-Leute unter sich ansmachen. In einem m «manlder drei MÄm» A. F., beS akakde- . «utgegentveien. Eine »edeüstaff-el, offen für alle, und ein Lausen über 600 Meter Kr Ansängerveröme beschkießen das Programm. In Hamburg gab es beim Meettng des H. S. B. am Sonntag einige-vorzügliche Resultate: Dr. Reinhardt lief.100 Meter m 11 Sek. und 200 Meter in 22,4 Sek., Schuhmacher erzielte im Weitsprung 687 Zentimeter, Frandsen.gewann vre 5000 Meter in 15:27 Var Husen 15:47,- H. S. V. die 4 mal 100 Meter-Staffel in 46,9 Sek., vor Viktoria (Magdeburg) 44 SÄ. und dem Berliner S. C. 46 Sek., Jakobs (Magdeburg) Iivfi800 Meter in 1:59,6, während im 6 mal 1000 Meter-Staffellaufen der S. C. Charlottenburg mit 7:54,9 einen -neuen deutschen Rekord «fstellte, H. S. V. zweiter in 7:67 vor T. S. V. München 1860 8:01,8. In Kopenhagen wurden am letzten Sonntag mit Rücksicht auf den Saaforweginn sehr -schöne Resultate erzielt: Schlang - 100 Meter in 11,1 SÄ., Kaj. Jessen 400 Meter in 61,9 Sek., L. Lnnldgreen 110 - Meter Hürden in 16,6 Sek. vor Thorfen 15,7 Sek., Stabhochsprung Petersen 365 Zentimeter, Diskus Iensen 40.98 Meter, 1600 Meter Larfen 4:08,4. Turnen. Der Erste Wiener jüdische Turnverein Mattabi 9 bringt Donnerstag den 29. d. (Feiertag), vormittags 10 Uhr, im Burg- Kino, 1. Bez., Opevnrmg 19, den bekannten Palästina-Film „Eine Reise nach Erez-Israel rm Ichre 1923" zur Vorführung. Karten an allen Menden zwischen 7 und 9 Uhr in der Turnhalle, 9. Bez., Liechtensteinstraße 20, und am Tage der Vorführung an der Kasse erhältlich. Aus den Vereinen. Achduth. Heute, halb 8 Uhr abends, Mitgliederver« sammlungfammlung im Cafe Neptun-. Mannschaftsaufstellung und Einzahlung. Morgen, vormittags 9 Md 10 Uhr, Wettspiele gegen Badner A. C. mitzwei Mannschaften-in Baden. Anschließend Wanderung. Treffpunkt 6 Uhr früh beim Konzertsalon Brigitta. Adrr. Heute Spielerversammluing im Klubheim, Cafe „zur Post", 3. Bez., Hetzgasse 22. Folgende Herren wenden ersucht, bestimmt zu erscheinen: Kupfermann. Dr. Huber, Pollak sowie sämtliche Spieler der-ersten und zweiten Mannschaft. Art. Heute, 7 Uhr abends, Mitgliederversammlung. Morgen Wettspiele mit zwei Mannschaften gegen Neutral ans dem Neuträl-Platz um HE» 9 um>d 10 Uhr vormittags. Der Platz ist WESE EMItiARTiaE EABMKSAMAQE mg m -1 k k k k k ft » »» » » i 1 l ENTSTA UBUNGr A UFßEWAHRUMG, | REPARATUR, CHEM ■ WÄSCHEREI, FÄRBEREI MÖBEL-EINLAGERUNG¬ TRANSPORTE iVmtHitzaitimt a t*' m/s• ma^dibur&sjsi •/? til n msöo-öt-öz PREISANSTELLU-NG VERTRETER BESUCH KOSTEN l OS ■ KREDITBESCHAFFUNG JEDERZEIT MÖGLICH ■ Copyright by 1M8 »ÄOt!lemW' Nachdruck verboten. 103, Fortsetzung. bischer Verlag, Wien. Die Heimatlosen. I : « Von Wilma BuMich. sUeber Weepe ünd Länder. Und sie flammte eine Glut Mr den AbendWmmel hin, 'daß alles stillestand und Dnnte. Die Schiffer auf den Meeren zogen die Ruder ein, standen stille und beteten. Der Bauer aber Retz die Pflugschar aus den Händen fallen und neigte sich andächtig. Mütter höben ihre Kinder der Glut entgegen, diese streckteri ihre Händchen Ms und gv'rffen nach ihr. Und die Waffen entfielen den Menschen, über fedes Antlitz ging der Abglanz der Glut, und lachend und jauchzend sanken sie einander in die Arme. Freudenfeste wurden gefeiert. Das Erz der Kanonen umgegossen zum Fviedensgerät. Lange Prozessionen zogen gen Osten, dem Tempel der Glut entgegen. An d>esfen Pforten aber stand die Inschrift: Friede seit mit euch, die ihr sehnfüchtig seid und Gott sucht." Da barg Hannah ihr Antlitz am 'Hälfe des Freundes mid weinte. Tranen der Rührung, der Freude und einer letzten, namenlosen Sehnsucht. Sie hatte verstanden Dann ging Alfred zu seiner Mutter.^ Der Alp der Nachtstunden war von ihm gewichen. Er hatte die Rechnung abgeschlossen. Gr hatte sich abgefunden Mtt dem Fragment seines Lebens und seines Werkes und feine Gedanken ganz nach inmn gericht-et, nach jenem Quell der Innigkeit, der -uns die Vorstellung der letzten Dinge vermittelt. Schon >war er in- Uniform, und groß und fremd stand er vorder erschütterten Frau, aus deren aschfahlem Antlitz plötzlich die letzte Spür von Fugend geschwunden schien. Sie hatte die letzten Tage m elinem rastlosen.Hin und Her verbracht Am Telephon und in den Kanzleien aller einflutzreichen Leute, zu denen sie irgendwelche Beziehungen entdecken konnte. Alft-ed mutzte stet werden. Ein solcher Künstler! Einer der bemfen -War, dem Vaterlande Glanz und Größe zu geben! Ihr Sohn, den man jtitwt in das allgemeine Verderben mit hineinzichen wollte. War. das möglich? War das auszudenken? - ,/Jch bringe dich heraus, Alfred!" sagte sie mit.einer gezwungenen Heiterkeit und versuchte es. in ihrer alten, sorglosen Art, den, Kops in den Racken zu -werfen. ,Mlle Schritte sind gemacht. Alles Nötige eingeleitet. Benitzky selber legt -das Gesuch vor. Der bist an seiner Schule unentbehrlich. Außerdem ein ärzt-Kches Zeugnis, daß deine Nerven seit jeher..." „Laß, Mutter!" Alfred schüttelte ernst den Kops. „Nicht lügen. Nicht in diesem Augenblick. Er ist unser letzter auf lange, Mutter." Dann aber nahm er die Hände wer weinenden Frau in die seinen und sprach ihr zu.' Niemals hatte Frau Marianne gewußt^ daß die Sttmm-e ihres Sohnes so mild, so güttg klang. Er sprach von ihr. Und von sich. Von seinem Leben. Bon seinem Ringen. Von der Qual, seiner Wurzellosigkeit. Und wie er die Lüge gehaßt von Jugend aus und dennoch in Lüge ausgewachsen sei. In der Lüge über sich selbst, die ihn größer log, ihn künstlich über die Dimensionen seines eigenen Ich -emporlog. Auch w der Lüge seiner Umgebung. Er sagte es leise, er wollte ihr, die eine harte und qualvolle . Abrechnung hielt und in Tränen' dahin-schmolg, nicht neuen Schmerz bereiten. - „Ich bin keine Größe, Mutter, nein. Nur einkleiner ringender Mensch. . Und -es.war meine Tragik, daß ich Virtüosentum so glühend ^Hatzte, und daß mein ganzes bisheriges Dasein ein Kampf gegen das Virtuosentum in mir selber war. Diesen Kampf und das Grübeln über mich setzte ich an Stellendes Lebens. Es hinderte mich daran, als Künstler meine letzte Entfaltung zu finden. Ja, ich habe gekämpft, Mutter. Auch gegen mein Schicksal gekämpft. Nun aber lege ich die -Waffen nieder. Diese Stunde meines Schicksals, die mir alles aus der Hand schlägt, woran meine Seele gehangen, mein Werk, meinen Traum, meine Gegeniwart und meine Zukunft, diese Stunde soll mich bereit ftndien, ja, ich will mich sogar hineinfühlen in ihre Qual. Ich will ihren Ruf zu meinem Ruf machen. Ich will ihr die Hände entgegenstrecken und sagen: nimm mich . . .! Denn ich werde Leben machen aus dieser Stunde, Mutter, die ich nicht in -der Passivität eines Opferlammes über mich ergehen lasse. Ich werde, aus ihren Tiefen die 'Mysterien schöpfen, die sie birgt. Ich werde ihre Schauer über meine Nerven streifen lassen, daß sie tönen -werden in einer ungekannten Musik. Ich werde mir Lebensgefühle holen ans der Nähe -des Todes; denn der Tod ist die MuHel, autz der neues Leben sprießt ..." . Dann nahm er den Kopf der Weinenden sanft zwischen feine boideu Hände. „Ich werde nicht sterben, nein. Es ist ja das Leben, das ich suche, dem ich entgegengehe. Das Leben -in seinem letzten Sinn. Im Donnern der Geschütze. Im Brüllen -der Kanonen. Im Schrei -der vergehenden Qual und des letzten Entsetzens dieser ganzen entfesselten Hölle: das Leben. Denn es ist dem Tode so nahe verwandt wie ein Auge dem andern. Dort aber sprudelt es aus dem Quell, dort, wo Menschen Uebermenschliches erleiden, sind seine letzten zuckenden Offenbarungen." . Er -war erschöpft. Seine Stimme klang leise und verlor sich. Die Frau aber hob ihr Gelsicht empor, um besser zu hören. „Ich werde am Lagerfeuer sitzen. Froh sein, ein bißchen Wärme zu bekommen. Einfache Menschen, die der Krieg rauh und hart gemacht hat, werden ihre schlichten, schnsüchtigen Heimatlieder singen. Sterbende werden röcheln nach einem Tropfen Wasser: Ich werde den Hunger kennenlernen. Den Durst und /die Kälte. Die Angst wird mit großen, glühenden Angen über die Schneefelder streichen. und" uns zudecken mit ihrem Schatten. Leben! Auch das ist Leben." Dann schwieg er ganz. Die Hand der Mutter in det seinen. Und legte zuletzt alles, was er an Mulsik geschaffen, in ihre Hand. „Wir haben beide vieles zu vergessen. Der Kieg wird uns helfen. Und vielleicht kommt dann nach dem Kriege der große Ausbau. Die Erfüllung alles -dessen, was Fragment geblieben in unserem Dasein." Und nochmals hob er den Kops, indem er auf die kleine Rolle in der Hand der Mutter deutete. „Es ist nicht viel. Nichts Fertige's. Auch mein Werk ein Fragment wie ich selber. Hannah sagt, es sei unser Los. Dennoch mein Beft-es, Alles, was ich war und bist. Daran mußt du denken." Dann ging er. St-ill und in sich beschlossen. Das leise, angestrengte Denken in den Zügen, das ihn niemals mehr verließ. Am nächsten Tage brauste -der Zug mit ihm durch > die ungarische Tiefebene, der serbischen Grenze entgegen. Fahnen wehten -vor ihnen her, Glocken läuteten auf ihrem Weg, M-mnen bedeckten ihn. An der Save aber begannen die Geschütze zu besten. Und die schmutziggrauen Wellen, die hurttg weiter!rochen, färbte -das evste Menschenblut ... Sud». B:^00A