Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1892 (22.5.1924)
- Date
- 1924-05-22
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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HizatammerKttOO Wien: Zum Abholen in der Expedition,H.,Taborstr.l-3i oder in einer VeriehleSuteUo fTrafik) monatl. K S&OOO Strassenverkauf in Wien däreh die Kolporteure der Firma Goldschmiedt.I.Bez* Wollzeile 11. Mit Poslversand für Wien n.. Oesterr. monatl. K 85.000 Tseheeho-Slowakei: Mon. K18. Jugoslawien» Mon. Dinar 60. Polen: Mon. 37t Zloty,,Deutschland: M6n. Goldmark 4, Frankr., Leigien: Mon. Frei. 12 6 ,1 y MF* NaehiahlunJIM bei Preiserhöhungen wbehelte« 9lr. 1892 _Wien, Lomerrtag. 22. Mai 1924 It.li.Bi MoMÜ.nUw, Rumänien Mon.l3Ü"RG Bulgarien Mon.ÖOLewe, S ch w e i > nn d dai Übrig» Ausland monatlieh Frea. 4 Redaktion «. Administration Wien, 11., TaborstraasdS—»S Telephone: 44-0-38,43*3-19, ab 6Uhr abda.19-483.25-282 IX. Uni verslt&tastr. 6—8 (Druckerei Steinmann) Oesterreiehisehai Pottspar* kassen-Konto Nr. 150.698 6. Jahrgang f —y. Wien, 22. Mai. Die Mlösung des Kabinetts Poincare durch die nach den Wahlen nötig gewordene Linksregierung vollzieht sich unter Erscheimugen, die der höchsten Aufmerksamkeit wert sind. Der Ministerpräsident, hatte, den 1. Juni als das Datum seines' Rücktrittes angekündigt. Aber dieser Akt wird nicht mehr ohne Komplikationen Mausen können. Noch nie ist etit Regierungswechsel in einer Weise geschehen, die auch das.' Staatsoberhaupt in den Kreis der aufgeregten Debatten zieht. Die Linke wendet sich gegen den Präsidenten Millerand und verlangt, daß. er aus dem Wahlresültat die PersöMchen Konsequenzen ziehe. Diese Politische Forderung. wird aber durch die Anklage vevschärsydaß er an der Fort-' dauer der' Frankenbaisse Schuld trage. Er habe, um vor den Wahlen die Stimmung für den nationalen Block zu,, heben, Gelder des Staates an die künstliche Hoch- Haltung des Kurses gesetzt. Eine Begründung dieses Vorwurfes liegt darin, daß unmittelbar nach den Wahlen ' eine neue Abwärtsbewegung des Franken begann, die in den Blättern der inzwischen geschlagenen Regierungspartei vorher angekündigt worden war. ' Das Kursnivean ist tatsächlich tief gesenkt worden, der Franken hat in einem Monat mehr als 20 Prozent verloren. 1 : Dies gibt der ftanzösifchen Krise ihr sensationelles Gepräge. Die Regierung hält in Anwesenheit des Präsidenten tätlich Beratungen ab/ denen seit gestern auch die Führer der Opposition ’ zugezpgeu werden, was ebenfalls 'als ein Novum zu gelten' hat. Es soll damit dokümentiert werden, daß die abtretende Regierung ihren Nachfolgern die Aufschlüsse, 'geben will,' die als Vorbedingungen^ .für; -HLe.. tüng verlangt tveMn^ und dchhie! Frage 'derWähmug in , diesem Falle auch üußerHÄitzMn Inhalt hat/ ist es klar, daß die Opposition sjeA. genaire Aufklärungen über. alle AngÄegeUheiten erWt,;M mit dem Franken, mit der internationallen 'ÄZertung. Frankreichs in- Verbindung stehen. Man erkennt.dies aus. den vielen von der Presse wieder gegebenen Aeußerunigen der Oppositionsführer. Ihr gemeinsamer Grundzug. ist eine völlig neue Auffassung'des 'Verhältnisses zum Reparationsstreit.' Sie -sind - alle -zM-WulsrMN gegenüber Deutschland geneigt. Wenn man sich daran erinnert, daß dieselben Männer in der Kämmer jede Schwächung der Regierung in diesem Streit unterließen, so kömmt man zu dem Schlüsse, daß sich die gesamte Stellung Frankreichs zu den politischen Problemen ändert, was gleichzeitig auch eine Äenderung dieser Probleme selbst bedeutet. Dies ist'eine der schwerwiegendsten Folgen der Wahlen, die ihre Ausstrahlung' auch in den Staaten finden muß, die Poincare durch sein mNtävpoilftisches AllianMtem vor den Wagen seiner Revanche gespannt hatte. In der Keinen . Entente insbesondere ist die politische Bewegung.schon'jetzt sehr deutlich zu sehen. Die Vertragsbindungen' verlieren ihren starren, Charakter und die in. Mailand erfolgte Aussprache zwischen Italien und Belgien, die Konferenzen zwischen Mussolim und Benesch, denen Besprechungen Beneschs mit seinem jugoslawischen Kollegen Nincic foligen, verraten, d Bestreben, die sich anbahnende. Neuorientierung in den Grundlinien sicherzustellen... . Die Notwendigkeit, eim neue Basis für den Frieden zu legen, ist heute längst aus dem.Rahmen ministerieller Feiertagsreden herausgetreten, und es besteht, je stärker die Zündeleien der nationalistischen Hetzer sich geltend machen^ das Bedürfnis, ihnen das Handweök zu legen. Die Rücksicht aus das von Poincare immer wieder engagierte Prestige Frankreichs -verhinderte eine ausgreifende Aktion. Diese Hemmung ist jetzt ins Gleiten gekommen und der Kampf,: den; nunmehr Millerand und sein Ministerpräsident unter sehr peinlichen Umständen zu führen »gezwungen sind, ist vielleicht das letzte Auszucken der großen europäischen Krise die mit dem Diktaturteil von Versailles begonnen hat Gewiß sind die Widerstände noch schr stark, und sie werden mit gleicher Intensität von den nationalen und den internationalen Bolschewiken ibergestellt. Aber sie werden in die Verteidigung gedrängt, urch das ist, eine schr bedeutsame Wendung, deren Anfang der. Sieg der Arbeiterpartei in England war. *, - , ' ,t . . #ernot bei Mllerand. Sitte Konferevr Wer die finanzielle Lase Frankreichs. (GgeMcnst der „Wiener Morgenzeitmtg".) Paris, 21. Mai. Das Ereignis des heutigen Tages ist die 'Konferenz im Elysee zwischen Millerand und den Führern der neuen Mehrheit. Herriot ist in Paris angekommen und hatte sofort mit Painleve eine Unterredung. Er erklärte, daß er vorerst als Parteich es nach Paris gekommen sei. Millerand empfing den Senatspräsidenten und dann den Finanzminister. Fünf Minuten vor 12 Uhr kam Herrist und Painleve ins Nysee, einige Minuten später Poinoare.und der FinanMinister. Die Konferenz im Elysee zwischen Millerand, Poincare, Herriot und Pa-ileve dauerte bis 1 Uhr 45 Minuten nachmittags. Es wurde folgendes Communique veröffentlicht: Auf Initiative des Ministerpräsidenten haben heute im Elysee Verhandlungen stattgefnnden. Poincare und der Finanzminister haben Herriot und Pa i n l e v e die Finanzlage im einzelnen auseinandergesetzt. , Herriot und Painleve haben die Ueberzeugung ausgedrückt, daß die Schaffung eines p einlichst genauen Budgetg'leichgewichtes jeder französischen Regierung M NoiweMgkeit äusdrängen. werde., Herriot eMrte «eich Verlassen drs^CWees den zahlreich vevsamelten Journalisten: ,Mr haben, lapge über die Finanzlage Frankreichs und über die MiÄel und Wege, das BuWt tirt Gleichgewicht W^^alten/gesprochen. Dem Com munique habe ich. nich Painleves Ruhrpolitrk. Der Pariser Berichterstatter der e st in i n st e t Gazette" meldet, Painleve habe zur Rühtpolitik Frankreichs erklärt, daß angesichts der An nah me des. Eyperteugutachtens, das von der neuen Mehrheit dev Linken gebilligt wird, die militärische Besetzung eine nntergeovdnete Frage geworden fei. Die Besetzung könne vielleicht bald eingestellt werden, wenn Deutschland die Bedingungien des Gutachtens durch ge führt haben werde. Es sei jedoch notwendig, einige Zeit verstireichen zu lasten, da^mit die frangösische Oeffentlichkeit sich an den Gedanken gewöhne, daß die Lage bezüglich des Ruhige-, biets durch den Dawes-Bericht vollkommen geändert, sei. Boneourt für den Gintritt der SozjinWten in die Regierung. ' Der sozialistische Abgeordnete Paul Boneöurt erklärte einem Vertreter des „Petit P avisiert", er werde alle AnstrenMUgen machen, um seine Parteizur Teilnahme an der Regierung zu Vsstimmen. Als die dringendsten der von dev Neuen Regierung dUvchzUführeuden Maßnahmen betrachte er den A m n esi ie^ erlaß, die Aufhebunig des Ermächtigungsgesetz es, die Beseitigung der 20p roze ntrgen . S t e uere r h o h u ug und eine echMche Herabsetzung hex tf, Ste erste Werbeversammlung Gestern fand rm Festfaale des Jngenrmr-Irnd Architektenvereins eine zahlreich besuchte Berfammlnng der jüdischen Völkerbundliga Mt, zu der als Gast und Hauptredner -der Präsident der österreichischen BolkevbuMiga, Botschafter a. D. Dr. C. Th. Dumba, geladen war. Unter den vielen anwesenden Persönlichkeiten bemerkte man -insbesondere den österreichischen Gesandten in Berlin Riedl.' Der Vorsitzende, Oberrabbiner Dr. CHajes, führte in' -seiner Begrüßungsansprache die Gründe an, die die Juden bewogen halben, eine eigene jüdische 'Völkerbundliga zu schaffen. „Es ist unser Bestreben geivesell," sagte er, ,>d ie jüdis ch e Sa che dur ch e ig en e jüdische Vertreter beim Völkerbünde Vorbringen zu lassen, ferner deranlaßte uns hierzu die Erwägung', daß gerade wir es sind) -die das größte Verständnis für die Vorzüge und Schwächen der anderen Völker haben, weil wir uns durch-unsere jahrtausendelange Knechtschaft an ihre kulturellen -VerMtnisse anpassen mußten. Der dritte Grund für die Schaffu-ng der jüdischen ' VAkeMndliga soll der sein, 'daß wir als ' pragnmitestes Beispiel ln der Weltgeschichte dafür KMgen> -wie wenig brutale Kraft und 'Unterdrückung auszurichten imstande sind. , Wir wurden geknechtet, ' wie kein anderes Volk und stehen immer noch völlig ungeschwächt da. Der-viette Grund", schloß Redner, „ist. ^ß gerade, das Judentum es war, das als erster durch seine Propheten den G ed an k e n de r , V ölk e r v e rsöhnung verkünden ließ". Der Präsident der österreichischen Völkerbundliga, Dr. Dumba, dankte für die herzliche Begrüßung-und führte aus, daß die Gmndlage der Schaffung des Völkerbundes aus zwei -Gedanken basiere. Es soll., die Wiederholung einer solchen Katastrophe, wie sie , der Weltkrieg herauföefchworen hat, in Zillmrft hiutangehalten wessen, und zweitens sollen die wirtschaftlichen Fäden, welche durch die willkürlichen -F r i c d e n § v e r t r ä g e zwischen den einzelnen Staaten .zevschnittenwurden, wiMr angecknüpft werden. Hieraus gab der Redner einen .kurzen historischen Ueberblick überdie EntwicKung des der jMschen BNkerbmdNga. Völkerbundes,-der, wenn auch unleugbare Fehler/ so' doch andererseits wieder ungeheuere Vorteile Me. -Vor' dem Kriege bestand das SYstem der Allianzen' und d es europäischen Gleichgewichtes, das aberin-dem Moment gestört Wurde, als England-sich auf Seite Frankreichs und Rußlands stellte. Dies führte unaushalffam zur Katastrophe. Während des Krieges war Sir Edward Grey der erste, der den Gedanken der Völkerversöhnung offiziell ausspvach und daun Wilson, der in seinen 14 Punkten die Gedanken ausgriff, die die Vertreter der krieosührenden und neutmlon Mächte im Haag anr-ogten. Fehler des Bolkechundes liegen darin, daß er ebenso wie der Dikt-atfrisde in V '■ saille s gestiftet wurde und daß ihn nur schr viele, stärt einschneidende KoMPvolMisse mMich machten. Nach einer ' kürzen Darstellung der KonstrlMon des WWeEündes' Sam der Redner ans feine Aus gab e n zn fpr-echen. Eine seiner Hauptaufgaben sei die allgemeine AbrÜstu'ug, der er wenigstens schon soweit gerecht wuride. daß' die - Weit er rü st ungen eingestellt Wunden. Wolhll die wichtigste und schwerste Aufgabe des MWerbundes sei der . Schutz der nationalen und religiösen Minderheiten und gerade in dieser Hinsicht habe er den Jude n v i e l e s zu, bieten. Aber auch Ms wirtischaMchMr und finaniWllem Gebiete hat der VölkeÄnud hohe Funktionen zu erfüllen. Seine erste Tat sei d i e Sanierung Oe ste rreichs. Heute sichen noch drei große Mächte außerhalb des Völkerbundes, Amerika weil es den Vertrag, von Versailles nicht anerkennt, Deukschbaud , Und Ruß-. land.' Gelingt es auch diese für ihn zir gewinnen, daun Wird an Stelle von Allianzen der Völke-rbünd seine.segensreiche Tätigkeit entfalten können. Oberrabmer Dr.' Ch a j e s dankte de>m Dortmgesidcn für seine klaren Darstellungen, die von den Zuhörern-mit lautem Beifall belohnt wurden uich/eMärte, es Mlüe sondeMr an, daßgerade diejenigen,- die den M- . noritätenschutz ann stärksten in Anspruch nehmen, die Judenam meisten unterdrücken. - ' - - / - / englische Stoffe, Herren- und Damenwäsche, Leinen, Teppiche, Vorhänge eid . QlW* feIiS3gs8 im fiaus II. Taborsiraße 48 TaSp^Hon 47-1-78 1 Eri gr&i ' E« det&ll 4,—• -» -r ' '» ’ mji .' V .